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Zwischen den Jahren


 

 
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Calvin Hobbs
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 129
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 27.12.2019 20:38    Titel: Zwischen den Jahren eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo smile
Eine Art Spontan-Geschichte, wobei ich gern wissen möchte, ob die Situation gut erfasst, was zu viel und was zu wenig ist.
Danke smile

Zwischen den Jahren

Trotz der frühen Abendstunde senkte sich die Kälte auf die geparkten Autos, überzog sie mit Reif. Einzelne Menschen, dick in ihre Mäntel gehüllt, führten Hunde Gassi und stießen dabei sichtbare Atemwolken in die Lichtkegel der Straßenlaternen.
Die Temperatur machte Markus nichts aus, er saß an seinem breiten Arbeitstisch seiner Frau gegenüber.
Die Fenster ließen Frost und Dunkelheit draußen, die Heizung verbreitete wohltuende Wärme, die Arbeitsleuchte angenehmes Licht.
Markus‘ Gesicht wurde vom Bildschirm seines Laptops angestrahlt und der Screen spiegelte sich in seinen Brillengläsern.
Davon bemerkte seine Frau nichts, zu sehr damit beschäftigt, die tausend Puzzleteile der „Dubai Skyline“ zu entwirren, sein Weihnachtsgeschenk an sie.
Ihr Handy, in Reichweite, vibrierte einmal sanft und es vergingen einige Sekunden, bevor sie sich losreißen konnte.
„Familienchat?“, fragte er, seine Augen verfolgten ihre Bewegungen.
„Hmm“, sagte sie nur nach einem kurzen Blick auf das Display und klappte die Hülle wieder zu. Da sie zahlreiche Brüder und Schwestern hatte, war so eine Gruppe ganz nützlich, um in Kontakt zu bleiben.
Sie versank zurück in ihr Hobby, vergaß die Welt und er surfte weiter im Internet. Klickte hier, las da, hinterließ dort einen Kommentar.
Wiederholt checkte er eines seiner Mailkonten, die erwartete Nachricht blieb aus.
Seine Frau hob den Kopf, das ließ ihn aufschauen.
„Jetzt hatte Vanessa doch zu Weihnachten ein Handy geschenkt bekommen?!“ Er wusste nicht, ob es eine Frage oder Feststellung war. „Das hattest Du erzählt. Aber mit 14 ist das doch nichts Ungewöhnliches?!“, ließ er seine Antwort genauso in der Schwebe.
„Das weiß ich auch“, erwiderte sie.
Vanessa war die Tochter von Manu, der Schwägerin. Markus sah die Familie seiner Frau nur zu wenigen und festgelegten Anlässen, er mochte die meisten nicht. Die Chemie, sagte er sich immer wieder.
Sie fuhr fort: „Ja, sie hat mir seit Tagen dauernd geschrieben und Sprachnachrichten geschickt und so.“
„So ein neues Spielzeug muss ausprobiert werden“, ging er dazwischen, denn eigentlich wollte er jetzt keine Familiengeschichte hören, die meist ohne Pointe endeten.
„Ich reagiere da schon nicht mehr, das ist okay für sie. Aber sie hat ihre Handynummer einem Mann gegeben.“
Markus hob den Kopf, seine Frau hatte nun die ungeteilte Aufmerksamkeit.
„Was für einem Mann?“
„Keine Ahnung. Aus dem Internet. Vielleicht Facebook. Was weiß ich, auf welchen Seiten 14-jährige sich rumtreiben.“
„Wie kann sie sowas machen?“ Seine Stimme klang mit einem Mal belegt. Seine Frau achtete nicht darauf, das Puzzle.
„Jedenfalls hat sie ihm die Nummer gegeben und er hat ihr geschrieben. Sie soll doch mal was von sich zeigen und so.“
Markus lachte heißer, der Laptop verbarg seinen hüpfenden Adamsapfel.
„Und?“
„Du weißt, bei ihr schlagen die Familiengene schon richtig durch.“ Seine Frau deutete zwei Grapefruits vor ihrer Brust an. „Und das schon in dem Alter.“
„Und weiter?“
„Das hat sie wohl auch gemacht. Hat ihm Fotos von sich geschickt.“
Wieder schluckte Markus schwer und versuchte heimlich, seine trockenen Lippen zu benetzen. Unwillkürlich spürte er, dass sein Körper die Spannung einer Stahlfeder aufgebaut hatte.
„Manu hat Vanessa in der Wanne mit dem Handy erwischt!“
„Wieso?“, fragte er dümmlich, seine Frau schaute auf.
„Wieso wohl? Fotos?“ Ihr vorwurfsvoller Blick ob seiner Begriffsstutzigkeit traf ihn hart.
Hunderte kleine Schweißperlen bildeten sich auf seinem Kopf, er schaute nach dem Thermostat. Es war unverändert, keiner hatte es hochgedreht. Er wischte sich die Oberlippe, die Augen starr auf seine Frau gerichtet. Hoffentlich sah sie nicht, wie seine Halsschlagader pochte.
„Und jetzt?“
„Manu hat mit ihr gemeckert. Ob sie bescheuert sei und so weiter. Und ihr das Handy weggenommen. Sie darf jetzt kein Whatsapp mehr benutzen.“
Markus Hals war ausgedörrt, der Kragen seines Hemdes schnürte ihn ein.
„Und das hat sie Dir alles geschrieben?“
„Schon gestern. Sie sind gerade von der Polizei zurück.“
Seine Augen wanderten zu seinem Handy, welches, wie immer auf dem Regal neben der Art-Deco-Figur lag.
Ob es jetzt zu spät war, es als gestohlen zu melden?

Weitere Werke von Calvin Hobbs:


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Justadreamer
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 22
Beiträge: 66
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 07.01.2020 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Calvin

ich finde die Geschichte durchwegs gelungen - man konnte richtig miterleben, wie es Markus ganz anders wurde.

Zu viel oder zu wenig ist deshalb meiner Meinung nach nichts.
Eine kleine Stolperstelle hatte ich bei
Zitat:
Seine Frau achtete nicht darauf, das Puzzle
, die ich so verstehe, als würde das Puzzle die Frau ablenken. Wenn das richtig ist, würde ich das Ganze eher mit einem Gedankenstrich trennen.


Liebe Grüße und vielen Dank für diese Geschichte!
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Boho
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 30
Beiträge: 124
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 08.01.2020 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Calvin,

gut geschrieben finde ich es auch- Und ich habe es komplett durchgelesen, obwohl ich dialoglastige Texte meistens überhaupt nicht mag bzw. irgendwann aussteige. Also vorab: gefällt mir und ich nehme den Protas die Dialoge auch komplett ab. Du schaffst es, dass ich mir die Beiden vorstelle, wie sie da zusammen am Tisch sitzen, sie über ihrem Puzzle, er vor dem Laptop.

Was ich nicht verstehe: Selbst wenn dein Prota die Familie seiner Frau nicht mag/Familienfeiern meidet, muss er Vanessa doch kennen bzw. wissen, wie sie aussieht? Anscheinend hat sie ihm ja schon Fotos von sich geschickt?!

So lese ich es zumindest (
Zitat:
„Das hat sie wohl auch gemacht. Hat ihm Fotos von sich geschickt.“
).

Jetzt nur noch eine Stelle, bei der ich mich sicher bin, ob es einfach ein Flüchtigkeitsfehler ist oder du (da du ansonsten ja fehlerfrei schreibst) etwas damit ausdrücken willst, was mir nicht klar wird:

Zitat:
Markus lachte heißer, der Laptop verbarg seinen hüpfenden Adamsapfel.


Meintest du, "lachte heiser"??

Was soll denn daraus werden, wenn ich fragen werden? Ich hoffe ja, dass Markus das Ganze um die Ohren fliegen wird (nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er eine 14-Jährige dazu aufgefordert hat, ihm Nacktfotos zu schicken, sondern auch, weil ich ihn auch unabhängig davon ziemlich unsympathisch finde).

LG Boho
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Calvin Hobbs
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 129
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 08.01.2020 16:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für ein Feedback genommen habt smile

Einige kurze Ergänzungen:
@justadreamer: Ja, der Gedankenstrich macht durchaus Sinn und ich werde ihn im Originaltext einfügen.
@Boho: Auch, wenn der Prota die Familie seiner Frau nicht mag, schließt das einen losen Kontakt oder Treffen zu Familienfeierlichkeiten nicht aus. Die Länge der Ehe hätte ich vielleicht in einem Nebensatz ausdrücken können. Darüber werde ich mal nachdenken.
Und ja, natürlich muss es "heiser" lauten, das habe ich überlesen und meiner Software war es offensichtlich egal wink
Wie oben erwähnt, ist eine nur eine Art Schlaglicht-Geschichte, die aufgrund eines Gespräches mit meiner Frau entstand und keine Fortsetzung finden wird. Was auch damit zusammenhängt, dass das Thema für mich wenig bietet smile


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Boho
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 30
Beiträge: 124
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 09.01.2020 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Calvin,

Zitat:
Auch, wenn der Prota die Familie seiner Frau nicht mag, schließt das einen losen Kontakt oder Treffen zu Familienfeierlichkeiten nicht aus. Die Länge der Ehe hätte ich vielleicht in einem Nebensatz ausdrücken können. Darüber werde ich mal nachdenken.


Ach, da haben wir irgendwie aneinander vorbei geschrieben... die Länge der Ehe müsstest du, denke ich, nicht extra erwähnen, ich meinte nur, dass dein Prota die Tochter seiner Schwägerin auf den Fotos, die sie ihm geschickt hat, ja eigentlich erkannt haben müsste... oder habe ich da gerade einen Denkfehler?

LG Boho
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