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Am Bahnsteig der Erinnerung


 
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Johannes Jung
Schreiberassi


Beiträge: 49



BeitragVerfasst am: 10.12.2019 18:21    Titel: Füllsel Antworten mit Zitat

Hallo,

ich hoffe, dass diese Meinung nicht zu aggressiv klingt, aber der Text ist, ob nun als Lyrik oder Prosa bezeichnet und gemeint, überladen mit Füllseln, die weder klanglich, noch inhaltlich noch in Form notwendig sind.

Diese Füllsel sind einer unordentlichen Satzstruktur/ Versstruktur geschuldet.

Es geht für mich leider in die Richtung, dass mit vielen Worten wenig gesagt wird, und das in einer das Lesen trotzenden Erzählweise.

Ich hoffe, dass ich mich mit diesem Kommentar nicht an den Pranger stelle, und ich zeige Dir auch gerne anhand des Textes auf, was ich meine:

Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig, und obwohl dort viele Menschen stehen, fühle ich mich allein.
= Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig. Ich fühle mich alleine, obwohl dort viele Menschen stehen.

Obwohl du gerade noch an meiner Seite stehst, bist du eigentlich schon weg.
= Du scheinst mir fort, obwohl Du noch da bist.

Wir sind beide darauf programmiert loszulassen. Als Hintergrundgefühl hat uns dieser Schatten immer begleitet. Aber jetzt fordert es seinen Tribut. So weh tut es eigentlich gar nicht.
=WIr sind programmiert, loszulassen. Das begleitet uns. Jetzt fordert es Tribut. Es tut nicht so weh.

....

Die verdrehte Satzstruktur nimmt dem Text die Authentizität. Da steht doch jemand am Bahnhof und denkt das. Niemand denkt so verschwurbelt.


Doch wir wissen, dass die Einsamkeit einfach nur Verspätung hat.
= Wir wissen, der Zug hat Verspätung...

Du raubst mit diesen Füllseln dem Text auch die Spannung, sowohl im Aufbau auch in der Komplexität der Bildsprache...

Ich neige dazu, dem Text eine gute Ausarbeitung abzusprechen.

Grüße,
Joh


_________________
Das Bestehende ist längst vergangen.
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Erinnerung&Sehnsucht
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 61
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 10.12.2019 18:58    Titel: Re: Füllsel Antworten mit Zitat

Johannes Jung hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

ich hoffe, dass diese Meinung nicht zu aggressiv klingt, aber der Text ist, ob nun als Lyrik oder Prosa bezeichnet und gemeint, überladen mit Füllseln, die weder klanglich, noch inhaltlich noch in Form notwendig sind.

Diese Füllsel sind einer unordentlichen Satzstruktur/ Versstruktur geschuldet.

Es geht für mich leider in die Richtung, dass mit vielen Worten wenig gesagt wird, und das in einer das Lesen trotzenden Erzählweise.

Ich hoffe, dass ich mich mit diesem Kommentar nicht an den Pranger stelle, und ich zeige Dir auch gerne anhand des Textes auf, was ich meine:

Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig, und obwohl dort viele Menschen stehen, fühle ich mich allein.
= Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig. Ich fühle mich alleine, obwohl dort viele Menschen stehen.

Obwohl du gerade noch an meiner Seite stehst, bist du eigentlich schon weg.
= Du scheinst mir fort, obwohl Du noch da bist.

Wir sind beide darauf programmiert loszulassen. Als Hintergrundgefühl hat uns dieser Schatten immer begleitet. Aber jetzt fordert es seinen Tribut. So weh tut es eigentlich gar nicht.
=WIr sind programmiert, loszulassen. Das begleitet uns. Jetzt fordert es Tribut. Es tut nicht so weh.

....

Die verdrehte Satzstruktur nimmt dem Text die Authentizität. Da steht doch jemand am Bahnhof und denkt das. Niemand denkt so verschwurbelt.


Doch wir wissen, dass die Einsamkeit einfach nur Verspätung hat.
= Wir wissen, der Zug hat Verspätung...

Du raubst mit diesen Füllseln dem Text auch die Spannung, sowohl im Aufbau auch in der Komplexität der Bildsprache...

Ich neige dazu, dem Text eine gute Ausarbeitung abzusprechen.

Grüße,
Joh


Natürlich darfst du deine Meinung aussprechen.
Deine Formulierung würde auf mich blutleer wirken.
Es ist einfach nur (nicht) dein Geschmack und das ist in Ordnung.

Ehrliche Meinungen sind mir immer willkommen.


_________________
Was mich am meisten stört, ist die eigene Dummheit.
Die Dummheit anderer ist Unterhaltung.
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Erinnerung&Sehnsucht
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 61
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 10.12.2019 19:00    Titel: Re: Füllsel Antworten mit Zitat

Wenn man alles mit so großem Bedacht auf Sicherheit formuliert, wird es am Ende nichtssagend.

(Entschuldigt das Doppelposting, ein Klickversehen)


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RAc
Schreiberling


Beiträge: 269



BeitragVerfasst am: 11.12.2019 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich nochmal!

Ich stimme nicht mit Allem überein, was Johannes geschrieben hat, aber ich habe (wie glaube ich er auch) das Gefühl, dass Du an manchen Stellen einen sprachlichen Blindflug machst, d.h. Redewendungen nicht auf den Punkt genau triffst, sondern etwas am Ziel vorbei (das mit dem verdrehten Schatten und dem Gefühl z.B., oder dem - in meinen Augen immer noch - nicht richtig verwendetem "Tribut zollen.").

Das ist um so ärgerlicher, als dass Du im krassen Gegensatz dazu auch ein paar wirklich starke und intensive Metaphern hast, die das Ziel millimetergenau treffen.

Es stimmt, dass manche Lesarten Geschmacksfragen sind und damit die Grenze zwischen "handwerklich unrichtig" und "in der künstlerischen Freiheit individuell alleinstehend" fließend ist. Du solltest aber aufpassen, Kritik nicht zu schnell als "Formulierung mit Bedacht auf Sicherheit" abzutun (ich weiß, dass Du Kritik sehr ernst nimmst und schätzt, deswegen ist das kein Vorwurf).

Du beeindruckst mich mit deinem schriftstellerischen Potential (das ist durchaus als Kompliment gemeint, so etwas schreibe ich nicht leichtfertig), aber in den oben angemerkten Passagen scheint deine Legasthenie in meinen Augen noch durch, und Du musst daran arbeiten, diese Schwächen nicht aus dem Auge zu verlieren und zu eliminieren. Dann kann das großes Kino werden!
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 11.12.2019 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

@RAc: Im Text geht es ja nicht um "Tribut zollen", sondern um "Tribut fordern", war das vielleicht ein Missverständnis?


@Erinnerung&Sehnsucht: Du hast schon erklärt, was der Text ist und will, und als solcher gefällt er mir, auch in den Formulierungen, sehr gut. Einige hilfreiche Änderungsvorschläge hast du schon angenommen, mir fallen noch zwei Dinge ein: "programmiert" passt nicht zum restlichen Ton des Textes, "hilflos" erscheint mir überflüssig, da dieses Gefühl schon deutlich in der Geste der Hände am Glas transportiert wird.

Liebe Grüße
Bananenfischin


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»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Erinnerung&Sehnsucht
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BeitragVerfasst am: 11.12.2019 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

@RAc Ich gebe mir sehr wohl große Mühe, Kritik eben nicht einfach abzutun, nur weil sie mir gerade nicht gefällt. Aber wenn mir deine Version des Textes nicht gefällt, du außerdem meine prinzipiell "verzichtbar" findest, gibt es wenig was ich tun kann. Es wird trotzdem zur Kenntnis genommen. Ich bitte ja auch um ehrliche Kritiken. Gerade weiß ich aber ehrlich gesagt nicht, warum du das sagst. Bzw inwiefern ich den Anlass dafür gab.

Der Text ist auch ehrlich gesagt schon älter. Ich weiß dass man das hier nicht tun sollte. Aber ich habe an ihn geglaubt. Zumindest an dessen Inhalt. Darum wollte ich ja objektive Kritik. Auch bekam ich bisher lohnende Hilfe. Für welche ich dankbar bin.

Dass man meine Legasthenie immer noch bemerkt, ist mir bewusst. Ich hasse es und es demütigt mich. Das ist aber meine und nicht eure Schuld. Ich versuche sehr hart daran zu arbeiten und werde mein Pensum an Mühe erhöhen.

@Bananenfischin

Das mit dem Programmieren stört mich eigentlich selbst. In meinem Kopf klang das noch besser. Aber wodurch ersetze ich es bloß?

Was das hilflos angeht, wollte ich die Bildsprache stärken. Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit (redundanten) Adjektiven.


Vielen Dank euch beiden.


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Ribanna
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Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 11.12.2019 13:26    Titel: Antworten mit Zitat

Erinnerung&Sehnsucht hat Folgendes geschrieben:
....
@Bananenfischin

Das mit dem Programmieren stört mich eigentlich selbst. In meinem Kopf klang das noch besser. Aber wodurch ersetze ich es bloß?

Was das hilflos angeht, wollte ich die Bildsprache stärken. Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit (redundanten) Adjektiven.


Vielen Dank euch beiden.

Was hältst du von "wir sind beide darauf eingestellt, loszulassen"? Oder "für uns beide ist es unabdingbar, loszulassen" ?
"Für uns beide führt kein Weg daran vorbei, loszulassen"?


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RAc
Schreiberling


Beiträge: 269



BeitragVerfasst am: 11.12.2019 13:48    Titel: Antworten mit Zitat

Erinnerung&Sehnsucht hat Folgendes geschrieben:
@RAc Ich gebe mir sehr wohl große Mühe, Kritik eben nicht einfach abzutun, nur weil sie mir gerade nicht gefällt. Aber wenn mir deine Version des Textes nicht gefällt, du außerdem meine prinzipiell "verzichtbar" findest, gibt es wenig was ich tun kann. Es wird trotzdem zur Kenntnis genommen. Ich bitte ja auch um ehrliche Kritiken. Gerade weiß ich aber ehrlich gesagt nicht, warum du das sagst. Bzw inwiefern ich den Anlass dafür gab.



Hallo Erinnerung&Sehnsucht.

es tut mir sehr leid, wenn (offensichtlich auch dass) mein Beitrag falsch rübergekommen ist. Es geht wirklich nicht darum, was ich für verzichtbar halte, denn es ist dein Text, nicht meiner. Ich mache Dir auch wirklich keinerlei Vorwürfe oder greife Dich an. Ich versuche lediglich, Dir Verbesserungsvorschläge zu machen. Es ist mir klar, dass sich so etwas immer in der Grauzone zwischen Geschmack und Fehlerkorrektur bewegt.

Ich persönlich halte deine Wortwahl bzgl. Tribut für handwerklich nicht gut, aber das ist ja nur ein Beispiel, an der konkreten Stelle kann es durchaus sein, dass ich da selber falsch liege. Aber es gibt ja auch andere Stellen im Text, an denen ich meine Beobachtung festmache, dass Du zuweilen in der Wort- und Phrasenwahl unsicher bist - aber unter keinen Umständen, um Dich damit irgendwie niederzumachen, sondern nur deswegen, um Dir (in meinen Augen) verbesserungswürdige Schwachstellen aufzuzeigen, denn es wäre wirklich schade, wenn Deine Texte (die ja wie ich nicht müde werde zu wiederholen sehr starke Elemente haben) dadurch ihren Wert verlieren würden.

Also nochmals Bitte um Vergebung, wenn meine Anregungen falsch angekommen sein sollten!
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Erinnerung&Sehnsucht
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 61
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 11.12.2019 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ribanna hat Folgendes geschrieben:
Erinnerung&Sehnsucht hat Folgendes geschrieben:
....
@Bananenfischin

Das mit dem Programmieren stört mich eigentlich selbst. In meinem Kopf klang das noch besser. Aber wodurch ersetze ich es bloß?

Was das hilflos angeht, wollte ich die Bildsprache stärken. Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit (redundanten) Adjektiven.


Vielen Dank euch beiden.

Was hältst du von "wir sind beide darauf eingestellt, loszulassen"? Oder "für uns beide ist es unabdingbar, loszulassen" ?
"Für uns beide führt kein Weg daran vorbei, loszulassen"?


Du hast recht. Wenn dir nichts originelles einfällt, nimm die einfachste Variante. "Eingestellt loszulassen" also.

Manchmal ist man blind.

Vielen lieben Dank. smile


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Erinnerung&Sehnsucht
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BeitragVerfasst am: 11.12.2019 13:59    Titel: Update Text Antworten mit Zitat

Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig, und obwohl dort viele Menschen stehen, fühle ich mich annähernd alleine.
Obwohl du noch an meiner Seite stehst, bist du eigentlich schon weg.
Wir sind beide darauf eingestellt, loszulassen.
Als Schatten hat uns dieses Hintergrundgefühl immer begleitet.
Aber jetzt fordert es seinen Tribut.
So weh tut es eigentlich gar nicht.
Doch wir wissen, dass die Einsamkeit nur Verspätung hat.
Der Zug allerdings ist pünktlich und saugt dich in sich hinein.
Einen Kuss später steigst du in den stehenden Wagon.

Bei unserem Abschied erlebe ich alles noch einmal.
Erinnere mich im Schnelldurchlauf und versuche damit die Löcher in der Gegenwart zu stopfen, durch die das kühle Gefühl des Zurückbleibens zu mir dringt.
Meine Hände ruhen untätig auf dem Fensterglas, während du durch das Abteil läufst.
Den Blick immer nur gerade aus.
Der Gedanke, wie wunderschön du bist, erscheint mir unpassend, aber lässt sich nicht vertreiben.
Ich schreite neben dir her, als ob ich folgen könnte, wie ein verliebter Hund, der nicht versteht, warum du gehen musst.
Ich stehe vor dem Fenster und warte, warte und sehe dich an.
Meine Blicke zerschneiden das Glas.
Die Tränen halte ich gut versteckt, bis sie dann doch hervorquellen und ich mich abwenden muss, aber nicht kann.
Der Zug fährt schließlich ab,  wird vor meinen Augen immer kleiner, während du in meinem Herzen wächst und wächst.

Körperlich habe ich diesen Ort nach dir verlassen.
Aber das Gefühl des Wartens nehme ich mit.
Jede Nacht hole ich es hervor und denke an dich.
Ich warte immer noch; Stehe genau dort, wo du gestanden bist.


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Johannes Jung
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Beiträge: 49



BeitragVerfasst am: 12.12.2019 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich muss leider nochmal, bitte um Verzeihung:

Die Schritte hallen auf dem Bahnsteig, und obwohl dort viele Menschen stehen, fühle ich mich annähernd alleine.

Warum annähernd? Warum nicht beinahe?
Und wäre es aufgrund der Theatralik des Textes nicht besser, das lyr.Ich würde sich alleine fühlen, und nicht nur annähernd? Das annähernd schwächt sämtliche weiteren Bilder.


Obwohl du noch an meiner Seite stehst, bist du eigentlich schon weg.
Wir sind beide darauf eingestellt, loszulassen.
Als Schatten hat uns dieses Hintergrundgefühl immer begleitet.

Ich würde das „Hintergrundgefühl“ komplett weglassen...:
„Dieser Schatten begleitet uns.“- Dann machst Du aus einem bildfeindlichen Vers ein Bildvers.


Aber jetzt fordert es seinen Tribut.
So weh tut es eigentlich gar nicht.

Dieser Satz schwächt wiederum die komplette Dramatik des Textes. Warum denkt der Protagonist, dass er alleine ist, dass ein Abschied droht, aber gleichzeitig, dass es nicht so weh tut?
Doch wir wissen, dass die Einsamkeit nur Verspätung hat.

Dieser Satz bezieht sich auf das nicht so weh tun, aber diesen Sinnzusammenhang kann man eigentlich nicht gut herstellen. Auch ist dieser Satz keine gute Art, einen Spannungsbogen von „annähernd alleine“ über „es tut nicht so weh“ zu erzeugen. Dazu sind die Aussagen zu gleichförmig. Dann müsste am Anfang etwas stehen: „Ich bin umringt von Menschen. Ich bin nicht alleine“

Der Zug allerdings ist pünktlich und saugt dich in sich hinein.
Einen Kuss später steigst du in den stehenden Wagon.
Bei unserem Abschied erlebe ich alles noch einmal.
Erinnere mich im Schnelldurchlauf und versuche damit die Löcher in der Gegenwart zu stopfen, durch die das kühle Gefühl des Zurückbleibens zu mir dringt.

Dieser Vers ist zu kompliziert konstruiert, um im Fluss des Lesens nicht hängen zu bleiben. Die Aussage ist doch einfach:
„Die Erinnerungen im Schnelldurchlauf,
ein Versuch, das (entstehende) Loch zu füllen.
Ich bleibe zurück!“


Meine Hände ruhen untätig auf dem Fensterglas, während du durch das Abteil läufst.
Den Blick immer nur gerade aus.
Der Gedanke, wie wunderschön du bist, erscheint mir unpassend, aber lässt sich nicht vertreiben.

Auch dieser Satz schwächt den Text. Warum nicht schreiben:
„Wie wunderschön Du bist.
Jetzt drängt es sich mir auf“
Das würde den Abschiedsgedanken und die Dramatik stärken.


Ich schreite neben dir her, als ob ich folgen könnte, wie ein verliebter Hund, der nicht versteht, warum du gehen musst.
Ich stehe vor dem Fenster und warte, warte und sehe dich an.
Meine Blicke zerschneiden das Glas.

Die Tränen halte ich gut versteckt, bis sie dann doch hervorquellen und ich mich abwenden muss, aber nicht kann.

Warum nicht umstellen?:
„Versteckte Tränen quellen doch hervor,
ich kann mich nicht abwenden“
Damit ist doch schon alles gesagt, der Rest erschließt sich aus dem Gefühl des Lesers (sich nicht abwenden können, die Peinlichkeit)

Der Zug fährt schließlich ab,  wird vor meinen Augen immer kleiner, während du in meinem Herzen wächst und wächst.

Körperlich habe ich diesen Ort nach dir verlassen.
Aber das Gefühl des Wartens nehme ich mit.
Jede Nacht hole ich es hervor und denke an dich.
Ich warte immer noch; Stehe genau dort, wo du gestanden bist.


Dies ein paar Vorschläge zu Deinem Text.

Ich hoffe, dass mein Versuch, Textarbeit zu machen, nicht als Affront aufgenommmen wird.

Grüße,
Johannes


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Erinnerung&Sehnsucht
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BeitragVerfasst am: 12.12.2019 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

@Johannes Jung

Du darfst deine Meinung frei sagen. Das hatten wir doch schon? Ich nehme sie auch gerne zur Kenntnis. Es wäre schön, wenn wir nun darüber hinaus wären. Nein, es ist kein Affront von deiner Seite. Niemand wurde beleidigt.

"Annähernd" sollte in dem Text gar nicht vorkommen. Es hat sich aus einer älteren Version eingeschlichen. Das ist mein Fehler.

Die restlichen Vorschläge möchte ich nicht umsetzen, da sie meiner Empfindung nach die Natur des Textes verändern wollen.


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