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Von Mandeln bis Granatsplittern (Arbeitstitel)

 
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BerndHH
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 55
Beiträge: 551
Wohnort: HH


BeitragVerfasst am: 02.12.2019 05:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann hier leider nicht einmal ansatzweise transportieren, was mir wichtig ist. Wer kann sich schon vorstellen, wie eine unterirische Lazarettstadt wie das HKH Wedel / Hilfskrankenhaus Wedel / SanBunker Wedel funktioniert?
Wedel an der Elbe - kleiner Ort westl. v. Hamburg (Ks Pinneberg, Schleswig-Holstein), hatte für den KALTEN KRIEG einen großen SanBunker, der zusammen mit dem BWK Hamburg HH-Wandsbek-Gartenstadt einen Teil des Massenfalls von (Schwer-)Verwundeten wuppen sollte.
=> wir reden immer noch vom Konventionellen Krieg, also keine A-Waffen: dafür schlimmste Splitter- und Brandverletzungen infolge der Panzergefechte und vielleicht später auch Opfer von C-Angriffen mit Nervenkampfstoffen --- aber die kontaminierten Soman-/Sarin-/Tabun-Opfer dürfte man nicht mit konventionellen Kriegsopfern mischen. ABC-Abwehrtruppe, ABC-Dekontamination und Behandlung von C-Opfern in speziellen Feldlazaretten unter ABC-Vollschutz. Operieren unter ABC-Vollschutz mit Overgarment und ABC-Schutzmaske --- darauf war die SanTruppe der BW eh nicht vorbereitet.

Aber darum geht es mir nicht.
Hier werden zusammengeschossene Opfer der Großen Panzerschlacht in der Norddeutschen Tiefebene angeliefert. Und zwar am Fließband. Hunderte, tausende … Die Operateure müssen unter höchsten Stress und Druck in offenen Eingeweiden herumwühlen und retten, was zu retten ist.

Der Leser sollte jedoch im Intro erst einmal einen stimmungsvollen Einblick in die klaustophobischen Enge eines SanBunkers bekommen. Stahlbeton, Zwangsbelüftung, da der OP-Saal, dort die Plastikeimer für die entnommenen Organe und amputierten Körperteile, da die schwarzen Leichensäcke … wie kann man das besser schildern?

Habt Ihr da eine bessere Idee?


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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 801
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 02.12.2019 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

BerndHH hat Folgendes geschrieben:

Der Leser sollte jedoch im Intro erst einmal einen stimmungsvollen Einblick in die klaustophobischen Enge eines SanBunkers bekommen. Stahlbeton, Zwangsbelüftung, da der OP-Saal, dort die Plastikeimer für die entnommenen Organe und amputierten Körperteile, da die schwarzen Leichensäcke … wie kann man das besser schildern?

Warum schreibst du es nicht einfach in dieser Richtung? Beginnend mit "Fast schon sanft legte sich die abgetrennte Hand in eine andere, die bereits auf dem Stapel der amputierten Körperteile lag. Gemeinsam mit hunderten weiteren..." Und weiter geht's mit der Beschreibung, was ein "Arzt" da macht, wie es aussieht - und los geht's mit der Story.
Nein?


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BerndHH
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 55
Beiträge: 551
Wohnort: HH


BeitragVerfasst am: 03.12.2019 06:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Kiara,

ja, der SanBunker, das Hilfskrankenhaus Wedel, unterhalb des Johann-Rist-Gymnasiums, im Holsteinischen Wedel bei Hamburg ist als Relikt des Kalten Krieges tatsächlich zu besichtigen.
Es hat 35cm/50cm dicke Stahlbetonwände, eine Ausdehnung von 6.200 Quadartmeter, 154 Räume, 2 OP-Säle, Räume für die Frischoperierten, Hochbetten für die anderen Patienten, unheimlich leuchtende gelbe Wandstreifen, Zwangsbelüftung, bietet ABC-Vollschutz und hat 2 riesige Notaggregate. Eine Stromanlage wie eine Schiffsturbine. 700 Betten unterirdisch und 900 Betten oberirdisch in der Turnhalle des JR-Gymnasiums - Hubschrauberlandeplatz auf dem Sportplatz. 16 Ärzte und x Krankenschwestern, SanPersonal, etc.
Das unterirdische HKH Wedel sollte im Katastrophenfall und im V-Fall/Ernstfall bei Beginn eines konventionellen bzw. atomaren Krieges mit dem Warschauer Pakt seinen Dienst aufnehmen. Und tatsächlich bei der großen Sturmflut wurden dort in den 1960er Jahren Verletzte behandelt.

Unser Held Alexander wird im nasskalten Herbst 1986 mit dem SanHubschrauber von den Schlachtfeldern der Großen Panzerschlacht in der Norddeutschen Tiefebene zum SanBunker Wedel geflogen.
Er und sein Nierendurchschuss genießen (auf Befehl des Divisionsarztes - ein Golfkumpel seines Vaters) eine besonders hohe Priorität. Während Alexander gleich zweimal operiert wird, müssen andere Kameraden verbluten, weil er ihnen vorgezogen wird.
Es wird hochdramatisch. Mitten während der Operation kommt es zu einem massiven Luftschlag eines sowjetischen Bomberverbandes, der in ein fürchterliches Flammeninferno ausartet.
1943 starben während der Operation Gomorrha 40.000 Zivilisten im ausgebombten Hamburg. Im Oktober 1986 sind es sogar 80.000 - die Stadt ist vollgestopft mit Flüchtlingstrecks aus dem Osten. Es ist eine beispiellose humanitäre Katastrophe.
Man könnte weiter eskalieren, indem aus Panik flüchtende Zivilisten versuchen, die Rampe des HKH Wedel zu stürmen. Halt - hier Militärhospital! Na ja, das HKH Wedel war geheim und die Rampe unter dem JR-Gymnasium ist nicht so gut zu erkennen. Wenn Straßenzüge brennen, dann haben die Menschen wohl auch andere Sorgen, als einen Lazarettbunker zu stürmen. Und da fehlt mir die Vorstellungskraft.

Und wieder ist es Alexander, der zu den ganz wenigen gehört, der mit dem allerletzten SanHubschrauber aus dem HKH Wedel ausgeflogen wird, kurz bevor eine "Bunkerknacker-Bombe" den SanBunker atomisiert.
Die Russen nennen ihre Operation Божий уголовный суд – Boschij Ugolownij Sud – „Gottes Strafgericht“ oder ganz einfach „Die Faust Gottes“. Und sie sind fest entschlossen, Hamburg für alle Zeiten auszumerzen.
Woher der große, vernichtende Hass und die Kriegspropaganda kommt, ist eine andere Sache, die ich aber nicht weiter erläutern möchte.
Der SanHubschrauber bringt Alexander 440 km in ein anderes Militärkrankenhaus nach Utrecht/Holland, wo nicht gekämpft wird und wo er vorerst in Sicherheit ist.

Kiara, ja das ist auch mein Ziel, dem Leser die unterirdische Welt des SanBunkers Wedel nahezubringen.
Aber dazu muss man sehr genau wissen, wie so ein Hilfskrankenhaus funktioniert. Wer ist der Chefarzt über die 15 anderen Ärzte und welche Privilegien besitzt er? Was bedrückt das SanPersonal? Was sind ihre Ängste? Sie behandeln die ganze Zeit schwerverwundete Bundeswehrkameraden, wissen aber ganz genau, dass es den Zivilisten in der gleichen Zeit weitaus schlechter geht. Die medizinische Versorgung der Soldaten geht vor --- viele werden dabei an ihre Eltern, Frauen und Kinder denken, die derzeit einem ungewissen Schicksal entgegen gehen.

Wie ist der Betrieb vorgesehen? Das HKH war auch für den ABC-Betrieb ausgelegt, sprich für Verwundete aus Angriffen mit chemischen Kampfstoffen (z.B. sesshafte Nervenkampfstoffe, farb-, geschmack- und geruchlos und in den kleinsten Dosen absolut tödlich). D.h. die kontaminierten Personen müssen von SanPersonal im Vollschutz versorgt werden.
Es gab also bestimmte Schleusen, Bereiche nur für autorisierte Personen, ein Abwurfschacht für C-kontaminierte Kleidung, etc. Also alles schon ziemlich unheimlich ...

In meiner Geschichte wird (noch) kein ABC-Krieg geführt aber allein eine Panzerschlacht ist aufgrund der vielen Splitter- und Brandverletzungen schon schlimm genug.
Alles geht wie immer auf Zeit. Der Verwundete wird auf der Trage angeliefert, im OP-Vorbereitungsraum auf den Tisch geknallt, dort wird ihm dann die Uniform vom Leib geschnitten und weggeworfen, dann ab in die Dusche - Blut, Urin und Scheiße abwaschen. Den nackten Kameraden mit Jod einpinseln [Jod wurde in den 1980er glaube ich schon gar nicht mehr i.d. OP-Vorbereitung verwendet, das muss ich noch mal nachlesen] und dann gleich auf den OP-Tisch, wo er notoperiert wird.
Man kann sich den zivilen Chirurgiebetrieb eigentlich ganz gut vorstellen, doch schwierig wird es, wenn es auf einmal tausende sind, DIE ALLE AUF EINEN SCHLAG KOMMEN UND DIE JETZT BEHANDELT WERDEN MÜSSEN, sonst überleben die nicht. Und die haben die schlimmsten Verwundungen: Brust zerquetscht, mehrfacher Lungendurchschuss, Wirbelsäulensteckschuss, linkes Bein hängt nur noch an einer Sehne, die Haut des Kameraden ist zu 80% verbrannt, und, und, und ...
 
Man kann die menschlichen Dramen nur erahnen, kann aber, wenn man es selbst nicht erlebt hat, nur seicht an der Oberfläche kratzen.

Gruß


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