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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig "Wie riecht ein Schwarzes Loch" - Erste 2k Wörter


 

 
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MzudemA
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 22
Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 17.11.2019 07:00    Titel: "Wie riecht ein Schwarzes Loch" - Erste 2k Wörter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

hier nun mein erstes Werk, welches ich als für dieses Forum würdig betrachte.

Kurze Beschreibung: Ich finde mich momentan jeden Abend in einer warm-dunklen Jazzbar wieder, aus meiner sonstigen Faulheit ausbrechend, während ich ein paar Worte zu Papier bringe. Das erste Mal fühle ich mich, als hätte ich genug erlebt (bzw. als wäre ich ausreichend gebrochen worden), um das mit lesbarem Resultat zu tun. Die Idee: Eine semi-autobiographische Verarbeitung meiner jüngsten Lebensereignisse mit psychoanalytischem Charakter.

Aus meiner Introduktion: "Ich bin bewandert in der Kunst des akademischen Schreibens, was mir auch sehr liegt. Dennoch juckte es mich in den Fingern, mich aus den engen Fängen der wissenschaftlichen Richtlinien zu befreien und Prosa zu verfassen. Ich schreibe das, was ich erlebe, wobei ein Hang zur Überdramatisierung vermerkt werden muss. Reine Fiktion liegt mir demnach (bisher) nicht. Auch verarbeite ich gerne philosophisches Vorwissen in meinen Texten.
Bis dato schreibe ich am liebsten in der Ich-Form, und der Protagonist stellt meist eine negative Variation meiner selbst dar, jedoch stark stilisiert je nach Thema. Grundsätzlich verarbeite ich Ungesprochenes beim Schreiben, was sich meistens so anfühlt, als würde ich meine schlechte Seite "hervorpressen". Die, die im echten Leben nicht zum Vorschein kommt. Das ist einerseits ein psychologischer Verarbeitungsmechanismus für mich, andererseits glaube ich schon, dass das ein oder andere meiner literarischen Ausgüsse einigermaßen lesbar ist."

Generell spreche ich gerne von "aufs Papier schei*en", nicht weil ich mir keine Mühe gebe, sondern weil ich alles Schlechte, alles Negative hervorbringen möchte.

Spezifische Frage: Bei der Eigenlesung fühlt es sich für mich so an, als würde der Text ein wenig an einem vorbeiziehen. Zu wenig "tatsächliches" Echtzeit-Geschehen. Seht ihr das auch so?

Danke für eure Kommentare! Wenn ich jemanden mitreißen konnte, füge ich auch noch eine Datei an, welche mehr des bisherigen Textes enthält. Dann sollten sich auch die großflächigeren Projekte herausstellen, die ich mit dem Text vorhabe (unterschiedliche Schreibstile, je nach Funktion in der Story, zum Beispiel).

Hier also die ersten Worte des ersten Entwurfs:


Kapitel 1: ...
Menschen haben viele Träume. Soziales, Politisches, Individuelles. Träume von Prestige, Glamour oder Pomp, von Erfolg, von Wandel, von Verbesserung. Träume von Einfluss und Macht. Auch die Zirkel, in denen ich wandele, sind betroffen. Ich erinnere mich mit einem unterschwelligen Beigeschmack von Scham und Selbstironie an meine eigene Bewerbung um einen Studienplatz. Jemand hat mich mal gefragt ob nicht jeder Altruismus auf Eigennutzen zurückzuführen sei. Obgleich das eine gängige, vielleicht schon klischeehafte Fragestellung ist, war bei eben jener eine Inbrunst inbegriffen, welche sich nicht mit den üblichen Plattitüden abwehren ließ.

Ich träume eigentlich nichts. Aber das liegt am Gras. Es ist als würde es diese nächtlichen Ausgeburten des Unterbewusstseins verstummen lassen durch einen endlosen Sog ins Leere. Wenn ich an diese Nächte denke, sehe ich Schwärze; warme, wohlige Schwärze. Ich träume eigentlich nichts. Nicht mehr. Fast jede Nacht in meinem 'normalen' Leben ist eine schwarze und ausgeschlafene Nacht, was allerdings meiner Lebenssituation geschuldet ist.

Dieses irdische Dasein ist geprägt von extremer, fast ekstatischer Freude. Wenn ich mich auf eine Metapher festlegen müsste, könnte ich mich nicht zwischen einer Sonne oder einem Grinsen entscheiden; die Sonne, auf der einen Seite, gelb und grell, wie man es aus Kinderabbildungen kennt, sodass eine echte Inkarnation dieser Fiktion wohl noch augenschädigender wäre als die Sonne ohnehin schon ist; das Grinsen, auf der anderen, breit, ausgedehnt, wie das Zähnefletschen eines Raubtiers, fast krankhaft, und doch anziehend. So kennen mich meine Freunde, so kenne ich mich selbst.

Aus meinem 'normalen' Leben bin ich vor Kurzem ausgebrochen, und zwar mit Trommeln und Trompeten, wie man sagt. Seitdem träume ich auch wieder, und umso mehr. Es scheint mir jetzt, dass die Träume immer da waren, in einer Virtualität des Geistes, den ich den meinigen nenne. Besonders in den ersten nüchternen Nächten nach längeren Perioden des Drogenkonsums kontrahiert sich das Potenzial meines Unterbewussten in machtvollen und frequenten Ausgüssen meiner selbst. Diese Träume, das wovon ich dann fantasiere, fällt mir immer wieder durch einen eigenartigen, kontinuierten roten Faden auf. Sie sind geprägt von einer durchdringenden Düsterheit, einer allgegenwärtigen latenten Gefahr des Schrecklichen, welches jeden Moment Oberhand gewinnen könnte. Das ist auch unabhängig vom Inhalt. Ich träume von Freundschaft, und ich spüre, dass sich bald alle meine Mitmenschen gegen mich wenden. Ich träume von Natur und erwarte schon das bald auftauchende Fabelwesen, welches mich qualvoll vertilgt. Aber meistens sind diese Bilder nicht so konkret, nicht so greifbar und einfach in Worte zu fassen. Meistens geschehen mir alltägliche Situationen im Traum, die aber zu meiner eigenen Missgunst von einem Schleier der Düsterheit überzogen sind.
Zu meiner noch erheblicheren Missgunst merke ich am nächsten Tag, sofern ich mich an meine Träume erinnere, dass es mir gefallen hat. Ich sehne mich zurück in meine dunklen Schauerwelten. Auch wenn ich nachts schweißgebadet aufwache aufgrund des ein oder anderen Schreckens meiner Geisteswelt, ist mein erster Impuls stets eine enorme Anstrengung gen Rückkehr in die fiktive Welt, ist sie doch in vielerlei Hinsicht eine echtere, gerechtere Welt als die wirkliche. Inwiefern richte ich mich nach ihr, dieser Welt?

Das ist die hauptsächliche Fragestellung dieser Forschungsarbeit. Sie ist zum Scheitern verurteilt. Die Benennung dieser Einschränkung gebietet meine wissenschaftliche Integrität. Wann hat jemand zuletzt die Wahrheiten seiner innersten Geisteswelt erforscht und erfolgreich gefunden, wonach gesucht wurde? Dieses Innenleben muss verborgen bleiben, sonst existiert es nicht mehr, nicht mehr als Innenleben, und dann bräuchte es nicht mehr aufgespürt werden. Dann wäre es schon gefunden und auf Abruf verfügbar. Ein Teil, mindestens ein Großteil dieser Realität muss verschlossen bleiben. Jedoch fühle ich mich nach wie vor verpflichtet, zu betonen, welche Relevanz ich dieser Welt zuschreibe, welche Macht, welche immanente Kreationsfähigkeit. Deshalb bin ich nicht traurig über meine ziellosen Bestreben, ist es doch keineswegs nutzlos sich diese Fragen zu stellen. Vielmehr muss man doch das Unmögliche tun, denn das Unmögliche ist möglich, auch wenn der Prozess der Möglichmachung die Unmöglichkeit korrumpiert und verändert. Schließlich, falls Bestrebungen dieser Art gelingen, falls ihr Ziel erreicht wird, ist das Unmögliche nicht mehr Unmöglich, sondern eben möglich, das genaue Gegenteil des Unmöglichen. Man kann aber ruhen in der Einsicht, dass die endlose Virtualität des Unmöglichen nie ausgeschöpft sein wird, unausschöpfbar ist.

Wie ich gern wär, oder wer, das ist nicht meine Entscheidung. Der Ausbruch aus dem Normalen begann für mich mit dem Ende einer mehrjährigen Beziehung, der Bekanntschaft mit Ihr, und dem Tod eines Freundes.

Danach ging alles ganz schnell. Plötzlich, ohne Vorwarnung, stehe ich in Macondo, oder liege, bessergesagt, als ich auf Sie warte, und auch noch als Sie schließlich eintrifft, mich trifft, in den Brustkorb. Wenn ich ehrlich bin, hat es schon eine Vorwarnung gegeben. Ein guter Freund, der aufgrund Erzählungen meinerseits bewandert war in den jüngsten Vorkommnissen meiner Gegenwart, hat mir meine Irrationalität aufgezeigt, als ich die Entscheidung traf mit Ihr nach Macondo zu reisen. Die Umstände, so betonte er, seien nicht die Richtigen; sie deuten in eine unangenehme Richtung. Er hatte Recht. Ich habe nicht auf ihn gehört.

Ich liege im Bett, als ich Ihre Schritte im Flur höre. Sie öffnet die Tür, Sie strahlt mich an, Sie umarmt mich, ich umarme Sie. Kurze, naive Freude. Es wird nicht lange dauern bis ich mich zurückversetzt fühlen werde in unsere gemeinsame Zeit zuhause. Irgendwas zwischen drei und fünf Tagen, glaube ich. Wir haben uns damals auf unsere eigenen Wege begeben, mit Ihren Worten „Was soll sich schon groß ändern?“, „Es ist so schön mit dir!“ und einer gemeinsamen Reise im Ausblick. Letzteres tritt jetzt ein.

Sie ist freundlich. Ich bin überfreundlich zu Ihr. Was auch sonst. Grinsen, Sonne. Wir gehen durch die Straßen der fremden Großstadt, amüsieren uns. Die Stadt an sich gefällt uns nicht. Unser Zimmer ist nicht schlecht. Sie schläft neben mir ein. Sie schläft viel früher ein als ich. Ich interpretiere das anfängliche Fehlen von Körperkontakt als falsche Höflichkeit, als würden wir uns zurückhalten um so zu tun als müsste man die eigene Stimmung gegenüber der anderen Person zunächst erneut auskundschaften.

Meine Stimmung ihr gegenüber ist mir tatsächlich bewusst. Sie sagt sie müsse sich erst auf die Situation einstimmen, mit sich selbst stimmig werden. Ich stimme ihr zu. Meiner Meinung hingegen bin ich mir im Klaren. Was würde uns auch von einander fernhalten? Ich erinnere mich an Ihre Worte von damals; wir ziehen am selben Strang, reiten dieselbe Welle, sind auf einer Wellenlänge. Das ist spürbar. Rein zwischenmenschlich könnte es wohl kaum besser sei.

Wenn Sie um neun Uhr abends schon fest schläft, verlasse ich das Zimmer. Vorher lege ich mich meistens zu Ihr ins Bett, lege meine Hand auf Sie, warte auf Rückmeldung Ihrerseits. Zwei Häkchen kommen zurück, aber ich weiß nicht ob Sie die Nachricht gelesen hat. Dann schläft Sie und ich stehe im Flur, überlegend ob ich die Zeit effektiv nutzen sollte. Etwas lesen wäre wahrscheinlich sinnvoll, am besten was Philosophisches, was mit Inhalt oder zumindest mit literarischem Wert. Stattdessen hole ich mir ein Bier, Netflix and Drink. Oder beschwere mich innerlich über die Nazis in meiner Facebook-Freundesliste – sind sowieso schon viel mehr geworden in letzter Zeit. Es sind zwar bisher nur drei Leute, die immer die gleichen, in mangelhaftem Deutsch abgefassten, geistigen Ausscheidungen posten, nie selbst fabrizieren, aber posten. Und davon umso mehr. Mehr zumindest als all meine anderen Bekannten. Ich trinke weiter. Kopfschmerzen habe ich eh schon.
______________________
Für Sie ist dieses Sein in Macondo, wie auch Ihre vorige Tätigkeit in anderen Landen, ein Pfad der Selbstfindung. Persönlich bin ich eher gedrängt gegen den Strom zu schwimmen und halte diesen Wunsch für einfältig. Wie einfältig von mir. Einfallen tut mir aber nichts, zumindest nichts besonderes, als Sie mir sagt, dass Lucas für Sie eine gewisse Rolle einnehme, die Sie bisher noch nicht gänzlich greifen könne. Ich habe mich und Sie gefagt, ob denn Ihre Resistenz, mit mir eine erneute Zweisamkeit zu beginnen, auf ihn zurückzuführen sei.

„Es ist nicht er, er als Person, der diese Zweifel in mir hervorruft. Eher so die Rolle, die er in meinem Leben eingenommen hat. Verstehst du?“

Ich sage nichts, vielmehr murre ich halbherzige Zustimmung. Eigentlich ist es kaltherzige Zustimmung, oder gar keine Zustimmung überhaupt. Ich mag Lucas nicht, obwohl ich ihn nicht persönlich kenne. Sie findet sich selbst, ich finde Sie; Sie findet ihn, mich findet Sie nicht so besonders. Er macht Musik, natürlich macht er Musik, Gitarre oder so, denke ich mal, das langweiligste Instrument, das man sich vorstellen kann. Klischee. Vielleicht singt er auch. Er ist schön, lange Haare, braucht keinen Bart, um altersgerecht auszusehen. Älter wird er wohl sein, ich habe nicht nachgefragt und habe es auch nicht vor. Klischee. Er kommt viel rum, sowieso doppelter Staatsbürger. Klischee. Anarchist, nach eigener Aussage. Seine Extrovertiertheit versteht sich von selbst, und Sie erzählt mir stolz, dass, wenn er sich in neuen Orten befindet und keine Bekannten hat, er keine falsche Scheu hat sich in die nächstbeste Bar zu begeben um neue Freunde kennenzulernen. Gut für ihn.

Ich kann nichts, das aber mit vollstem Enthusiasmus und selbstaufgebender Vehemenz. Es ist fundamentaler Bestandteil meiner Weltanschauung, dass unsere tüchtigeitsverherrlichende Gesellschaft, so wie sie strukturiert ist, den Nutzen, Wert und die Notwendigkeit vergessen hat, welche die Faulheit für die Menschen mit sich trägt. Ich tue und lerne nichts, darauf bin ich stolz. Meine einst vorzeigbare Haarpracht tendiert gen Null, zumindest auf dem Kopf. Mit Anfang Zwanzig sieht die Zukunft in diesem Bereich düster aus. Unter Leuten, mit denen ich mich nicht vollkommen wohl fühle, bin ich eher unbehaglich, ungelenk. In diesem Gespräch fühle ich mich augenblicklich auf Miniaturgröße zwangsverkleinert.

Während ich also nichts finde, findet Sie sich selbst. Er nimmt eine Rolle für Sie ein, nur welche Rolle das ist, bleibt abzuwarten. Jedenfalls erinnert mich diese Situation an etwas, was ich mal bei Hesse gelesen habe. Der Protagonist verspürt da dieses überirdische, scheinbar transzendentale Verlangen nach einem anderen Charakter, eine ältere Frau, welche er allerdings als Metapher seines eigenen Seelenlebens interpretiert und ihn näher zu sich selbst führen soll. Möglicherweise stellt Lucas genau diese Metapher für Sie dar. Er ist die alte Frau für Sie. Wer wäre ich dann, dass ich da was gegen hätte, oder gar dagegenwirken würde. Egoistisch wäre das, allenfalls. Sei doch kein Kind.

Ich glaube nicht ans Selbst. Noch nie habe ich die urschaffende Wirkung eines Selbsts verspürt, schließlich wurde ich auch noch nie von mir gefragt, welche Interessen ich wohl haben möchte, welche Gefühle ich fühlen möchte. (Problemfeld Migration, mein Vorwissen und meine Erfahrung tabula rasa: Möglichkeit A wie Affirmation und Akzeptanz, Möglichkeit B wie Bedenken aber eigentlich Behagen; Möglichkeit C wie cleinlautes Unbehagen, oder schließlich D wie Degout und Dysphorie, in aller Deutlichkeit). Ich versuche nicht ich selbst zu sein.

Sie hat ein Projekt ausgesucht, für uns beide. Oder bessergesagt, für sich, bevor ich mich Ihrer Reiseplanung angeschlossen hatte. Volunteering. Beklagen möchte ich mich nicht. Es ist ja nichts falsch daran. Als wir ankommen, stellt man uns die Frage, ob wir ein Paar seien.  

Sie zögert nicht mit Ihrer Antwort: „Nein.“ So weit, so Wahrheit. Wir sollen uns indes trotzdem überlegen, ob wir zwei Einzelbetten beziehen wollen, in einer Hütte, die vier Freiwilligen obdach gewährleistet, oder alternativ ein privates Tipi.

„Lass uns das Tipi nehmen“, sage ich.
„Hm, das klingt kalt.“
„Kalt vielleicht, aber wir sind ja zu zweit.“
„Ich will nur nicht frieren.“ Ein Vorwand.
„Weißt du noch als du mir dieses Projekt gezeigt hast, das erste Mal? Da wollte ich auch schon ins Tipi, wer will nicht mal in einem Tipi schlafen?“ Ein Vorwand.
„Guck mal, es regnet.“
Ich nicke.
Sie nutzt die Gelegenheit: „Lass uns in die Hütte gehen:“
„Stimmt.“
„Da sind die Betten bestimmt auch gemütlicher.“
„Ok.“
„Sind wir einer Meinung?“
„Ok.“

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Justadreamer
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 22
Beiträge: 62
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 17.11.2019 13:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MzudemA,

nicht umsonst heißt es, dass man sich den "Stress von der Seele schreiben" kann. Mir scheint, dass du eine solide Grundlage für richtig gute Schreibprojekte hast. Du beherrschst die Orthographie, hast einen breiten Wortschatz usw.

Ich würde dir raten, dieses Schreibprojekt vielleicht mehr als deine ganz persönliche Erfahrung anzusehen. Denn, und das ist nicht böse gemeint, mich hat diese Geschichte nicht fesseln können.

Vielleicht noch ein paar Klärungen, wieso ich damit nichts anfangen konnte:

Zitat:
Ein guter Freund, der aufgrund Erzählungen meinerseits bewandert war in den jüngsten Vorkommnissen meiner Gegenwart, hat mir meine Irrationalität aufgezeigt, als ich die Entscheidung traf (Komma) mit Ihr nach Macondo zu reisen.


Übersetzung: Ein guter Freund riet mir davon ab, mit ihr nach Macondo zu reisen.
Diesen Satz würde ich hier gerne als Beispiel nehmen, dir zu sagen, dass nicht alles so kompliziert wie möglich geschrieben werden muss.
Klar, nicht jeder könnte diesen gehobenen Sprachschatz auch nur ansatzweise in dieser Form niederschreiben. Nur für Leser, selbst für gebildete, ist das Ganze etwas überzogen.

Zusätzlich gibt es in dieser Geschichte viele Zeitsprünge, die darauf abzielen, möglichst viel Informationen zu übermitteln. Zu diesen Infos (und deren philosophische Auslegung) gehören zu einer interessanten Geschichte noch eine Handlung, Dialoge, Orte. Hier bleibt es bei einer selbstreflexiven Erinnerung, die eher in ein Tagebuch passt.

Ich würde dir trotzdem empfehlen, dieses Schreibprojekt beizubehalten! Denn wenn du dich dadurch selbst besser kennenlernst und gleichzeitig, wie du anmerkst, verschiedene Schreibstile ausprobierst, wirst du schnell wissen, welche Art von Text dir liegt.
Viel Erfolg dir weiterhin!
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MzudemA
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 22
Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 20.11.2019 06:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Justadreamer, für deine hilfreiche Kritik.

Keine Angst, ich habe mir nicht eingebildet, dass ich diesen Text in irgendeiner seriösen Art veröffentlichen würde Laughing

Obwohl ich mir meines überzogenen Schreibstils bewusst bin, kommt er immer wieder durch. Werde deine Kritik auf jeden Fall einbeziehen in mein weiteres Vorgehen!

Generell war die Idee, von einem eher gehobenen Schreibstil, der die fröhliche, enthusiastische Seite meines Protagonisten symbolisieren soll, zu einem fortschreitend desillusionierten, abgehackten Stil a la Bukowski überzugehen. Das soll die Handlungsentwicklung reflektieren. Aber ich stimme zu, man kann's auch übertreiben.

Liebe Grüße!
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 20.11.2019 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

zu Deinem Text.

Irre ich mich, oder hast Du den Text in einem lustvollen Flow geschrieben und erst dann an Worten und Formulierungen gefeilt? Wink

Ich fühle das so und habe den Text sehr gern gelesen. Übrigens "passt" für mich die etwas abgehoben wirkende Schreibweise problemlos, denn ich gehe davon aus, dass das die Sprache dieses Protagonisten ist und auch nur sein kann.

Als ich las, "war ich dabei" Wink

Aber ich bin auch recht rational eingestellt und also keine breitentaugliche Referenz.
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MzudemA
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 22
Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 21.11.2019 05:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Antwort Herr Meier!

Zitat:
Irre ich mich, oder hast Du den Text in einem lustvollen Flow geschrieben und erst dann an Worten und Formulierungen gefeilt?


Lustvoller Flow ja, Formulierungen sind dann meist schon dabei. Es ist fast als würde ich in diesen Formulierungen denken, wenn ich mich inspiriert fühle Laughing

Danke auch für deine restlichen Worte!
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Wintermourn
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 22.11.2019 16:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits erinnert es mich an meine Zeit in der philosophisch-akademischen Blase, die ich sehr mochte; andererseits fehlt mir die Bodenständigkeit.
Du bist irgendwann die Abstraktionsleiter hinaufgeklettert und nicht wieder heruntergekommen.
Es gibt sehr wenig Konkretes. Und damit meine ich nicht nur Handlung.
Beispiel:

Zitat:
Wann hat jemand zuletzt die Wahrheiten seiner innersten Geisteswelt erforscht und erfolgreich gefunden, wonach gesucht wurde? Dieses Innenleben muss verborgen bleiben, sonst existiert es nicht mehr, nicht mehr als Innenleben, und dann bräuchte es nicht mehr aufgespürt werden
.

Alles abstrakte Dinge. Ein Leser braucht hin und wieder mal einen inhaltlichen Anker, finde ich.
Ich hätte auch alles unterstreichen können. Alles außer Macondo Wink
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 547
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 24.11.2019 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hi MzudemA,

die ersten drei Absätze hätten mich fast vergrault. Kein Sex, keine Gewalt, keine Spannung, nichts, was mich neugierig gemacht hätte. Ich würde sie ersatzlos streichen.

Vom übrigen Text würde ich maximal 50 % stehen lassen. Ich mag den ewigen Vorwurf des Infodumpings nicht, aber bei Dir wird einfach zu viel Selbstbeschreibung vom Laster geworfen.

Also: kürzen, weitermachen!

Cheers

Pickman


_________________
"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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Waage
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 29
Beiträge: 7
Wohnort: Augsburg


BeitragVerfasst am: 07.12.2019 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hey MzudemA,

zunächst mal finde ich die Thematik an sich wirklich interessant. Ein Text über das Innere im Menschen hat immer viel Potenzial, schließlich ist nichts komplexer (oder einfacher?) als die menschliche Psyche. An und für sich kannst du durchaus mit Worten umgehen, du hast einen großen Wortschatz und man merkt auch, dass du eine gewisse Emotion vermitteln willst - welche das ist, ist immer Interpretationssache, ich persönlich schwankte allerdings zwischen einigen hin und her, sodass ich die klare Linie hinter dem Text nicht so ganz verstanden habe.

Kurz gesagt: Ich war mir nicht ganz sicher, was vermittelt werden sollte. Das lag an einigen Zeit- und Handlungssprüngen, die aus meiner Perspektive nicht immer ganz nachzuvollziehen waren, da musste ich dann mehrfach drüberlesen, um zu verstehen, was und wieso etwas passiert. Beispielsweise das:
Zitat:
Der Ausbruch aus dem Normalen begann für mich mit dem Ende einer mehrjährigen Beziehung, der Bekanntschaft mit Ihr, und dem Tod eines Freundes.

Danach ging alles ganz schnell. Plötzlich, ohne Vorwarnung, stehe ich in Macondo, oder liege, bessergesagt, als ich auf Sie warte, und auch noch als Sie schließlich eintrifft, mich trifft, in den Brustkorb.


Da dachte ich mir kurz: Moment - gerade eben geht es noch um Träume und inwiefern sie dich beeinflussen, und plötzlich sind wir bei einer alten Beziehung? Ich war verwirrt, hatte ich da doch keinen wirklichen Übergang wahrgenommen. So wirkte es, als hättest du da mit der Axt angesetzt, einen Ersatzstrang abgehakt und einen neuen kreiert. Generell würde da ein wenig mehr Ordnung "gefühlt" für mich etwas mehr Prägnanz integrieren. Die Frage am Ende eines Absatzes sollte ja immer sein: Was will ich vermitteln?





Wintermourn hat Folgendes geschrieben:
Es gibt sehr wenig Konkretes. Und damit meine ich nicht nur Handlung.


Tatsächlich ein Gedanke, der mir auch kam. Da sind einerseits einige wirklich gute Formulierungen, die schön zu so einem zwischen Analyse und Emotion hin- und hergerissenen Text passen, aber viele von ihnen sind schön klingende Worthülsen, die keine konkrete Aussage haben.

 
Zitat:
Besonders in den ersten nüchternen Nächten nach längeren Perioden des Drogenkonsums kontrahiert sich das Potenzial meines Unterbewussten in machtvollen und frequenten Ausgüssen meiner selbs

 
Ist ein Beispiel dafür. Das sind schöne Formulierungen, tolle Worte, keine Frage - aber inhaltlich ist das so vage, dass sie recht wenig Aussage haben. Manchmal scheint es, als würde der Hintergrund und der Sinn in den Worten untergehen. Es liest sich schön und flüssig, manchmal dachte ich mir auch: "Not bad, eine gute Wortwahl", aber andererseits schwang auch das Gefühl dabei mit, dass die Worte an sich um der Worte Willen gewählt wurden - und nicht, um eine Emotion, einen Fakt oder eine Aussage treffend auf den Punkt zu bringen.


Grundsätzlich finde ich solche Themen sehr spannend. Vielleicht noch ein wenig konkreter werden, dann hätte ich persönlich noch mehr Freude daran gehabt.

Und wie immer gilt: Feedback ist immer nur eine Meinung. Nicht mehr, nicht weniger. Geschmäcker sind unterschiedlich, deswegen erhebe ich auch nie den Anspruch auf das Monopol des Recht Habens.



Pickman hat Folgendes geschrieben:
die ersten drei Absätze hätten mich fast vergrault. Kein Sex, keine Gewalt, keine Spannung, nichts, was mich neugierig gemacht hätte. Ich würde sie ersatzlos streichen.


Sex und Gewalt braucht es nicht für Spannung, meiner Meinung nach, erst Recht nicht bei einem Text über die eigene Psyche. Wollte ich nur anmerken. Aber da sieht man wieder: Geschmäcker sind unterschiedlich.



Beste Grüße,

Frederic
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