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Textauszug - Flucht über die Nordsee


 

 
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 30.10.2019 18:44    Titel: Textauszug - Flucht über die Nordsee eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Lange habe ich darüber nachgedacht, bis ich mich dazu durchgerungen hatte, welchen Text ich als »Einstand« präsentiere.

Ein Auszug aus meinen abgeschlossenen, nicht fertigen Roman habe ich erwählt. Die ersten elf Seiten, denn diese entscheiden – zumindest bei mir, ob ich weiter lese oder nicht.


Zur Information: Der Gesamtumfang meines Romans umfasst 900 Normseiten.
Mir ist bewusst, dass der Text die magische Grenze von 2000 Wörter überschreitet, aber mein Herz ließ es nicht zu, den letzten Teil abzuschneiden Du-Du-Du! .

Über Kritik freue ich mich.
Aber bitte nette, ich bin sensibel angel .

Gruß
Ahorn

Ihm glückte die Flucht durch den Hintereingang des Gebäudes - wobei der Ausdruck Gebäude übertrieben. Eine aus Brettern zusammengenagelte Hütte kaum größer als eine Standardgarage. Wie in der Gegend üblich mit einer einem Schritt breiten Veranda, auf die die Bewohner sich begaben, wenn sie die Bude verließen, betraten oder am Abend beim selbst gebrauten Bier bevölkerten. Sowie einem Fenster auf einer Giebelseite. Allein mit den Unterschieden, dass nicht bis zu zwölf Personen in der Bleibe leben, sondern nur einer und der zweiten Veranda.
Der Zimmermann musste verrückt gewesen sein. Das Haus sah aus, als hätte er zwei Standardbuden am First auseinander gesägt und überkreuzt wieder zusammengenagelt. Er kratzte sich am Genick. Wer die zweite Hütte bewohnte?

Er schlich um die Butze, spähte durch die verdreckte Fensterscheibe. Der Hausherr stöberte durch sein Reich, als suche er einen Schatz. Er sollte woanders sein.
Er huschte gebückt weiter bis zum vorderen Vordach, zumindest hatte er die Beute nicht mit in die Bude getragen. Was ging es ihn an, warum dieser Einsiedler zu früh heimgekehrt war. Er hatte, was er wollte.

Ohne dem Hausbesitzer eines weiteren Blickes zu würdigen, schlängelte er, den Oberkörper fast bis zu den Holzdielen gebeugt, die drei Bretter, die eine Treppe formten, herab. Mit vier Sprüngen erreichte er die erste Schirmakazie, die mit ihren Partnerinnen eine Allee bildete.
Sein Leihwagen stand abseits an der Hauptstraße. Straße übertrieben, eine Piste mit einer Breite, sodass zwei landläufige Wagen, ohne abzurutschen, aneinander vorbeifahren konnten.

Er kam nicht weit. Eine Frau erschien am Ende der Zufahrt. Mit einem Hechtsprung versteckte er sich hinter dem Geländewagen des Griesgrams, dabei glitt ihm die Schatulle aus der Hand.
Ihm Stechschritt, wie ein Soldat, der unter dem Hemd eine Melone trug, kam sie näher. Keine Zeit, seine Beute in Sicherheit zu bringen.
Er kroch um den Wagen herum, hoffte darauf, nicht entdeckt zu werden. Die aparte Frau kannte er, hatte sie die ganzen Jahre beobachtet. Sie dagegen hatte ihn nur einmal zu Gesicht bekommen, das sollte so bleiben.
Er atmete auf, nachdem sie vorbeimarschiert war. Dann wendete sie, kam zurück, schnappte sich die schuhkartongroße Kiste und stampfte erneut zur Hütte. Innerhalb von Sekunden hatte er ein Problem, zwei Hindernisse.

Den Oberkörper nach vorn gebeugt, schlich er zur Veranda. Die Tür war angelehnt. Er sah sie nicht, nur ihn – Anton.
Anton strich fahrig durch sein ockerfarbenes, lockiges Haar. Ein Sonnenstrahl erleuchtete die grau melierten Schläfen, brach sich in den Schweißtropfen, die über das gegerbte Gesicht perlten. Er streckte seine muskulösen, behaarten Arme vom Körper ab. Die Hände mit gerissenen Schwielen, ausladend wie Kuchenteller. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und starrten auf sie.

Der griesgrämige Anton trat einen Schritt zurück. »Mach dich nicht unglücklich!«, summte er.
»Du bist es. Du bist das Schwein immer gewesen«, giftete die Frau.
»Nein!« Er verzog seinen Mund zu einem Schrei. »Er war auf einmal hier!«
»Wir sind allein!«, zischte sie. »Die Schatulle!«
Er sah, wie sie ihren zarten nackten Fuß gegen die Kiste kickte.
»Hat der Weihnachtsmann gebracht!«, gab sie erbost zurück.
»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete er mit zitternder Stimme, sein Fuß tastete nach hinten. Er betrachtete sie. »Denk an dein Kind.«

»Ich wollte das Kind nie haben!«, fluchte sie,
»Lass uns fahren.« Er öffnete die rechte Hand. »Du musst in die Klinik.«
»Warum hast du mich dann nicht wie verabredet vor einer Stunde abgeholt?«
Er schüttelte seinen massigen Schädel. »Der Kühler war wieder defekt.«, stotterte er, »Ich bin zurück!«
»Lüg nicht«, zischte sie. »Ich habe ihn letzten Monat geschweißt. Verrecken wolltest du mich lassen.« Sie stockte. »Wie damals«, schrie sie.
Seine linke Wange zuckte. »Ich liebe dich.«
»Abhauen!« Ihre Spucke benetzte den Boden. »Die Kiste lag neben dem Land Rover!« Sie stellte ihren zierlichen Fuß auf die Box. »Deinen Blutzoll nicht vergessen. Meine Mutter hast du schon vertrieben.«
Zögernd schritt er auf sie zu. »Wir haben uns nicht mehr verstanden.«

Die Mündung einer zweiläufigen Schrotflinte erschien,  in seinem Blickfeld, direkt auf den Mann gerichtet. Diese Wendung sollte die Geschichte nicht einschlagen. Zumindest hätte sich ein Problem für ihn gelöst. Sie traf eine Kobra in einem Abstand von hundert Metern zwischen deren Augen.
»Reingehen sie überzeugen«, murmelte er und zupfte an seiner Oberlippe. Er schüttelte den Kopf. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte, trieb ihren Schädel durch die Wand, machte keine Gefangene und, genauso sarkastisch wie es klang, schritt über Leichen.
»Hineinstürmen den Lauf erfassen?«, brummelte er, bei der Entfernung das Todesurteil für ihn.

Er schaute sich um, erblickte den Spaten, mit dem er zuvor die Holzdiele aus der Veranda gebrochen hatte.
Das vergammelte Grabwerkzeug überm Schädel, schob er seinen Oberkörper durch den Türspalt, zwinkerte Anton zu. Der glotze ihn an, richtete seinen Arm auf ihn.
Der Zeigefinger der Frau näherte sich dem Abzug. Keine Zeit, mehr zu zögern, schnellte sein Arm vor und das Blech sauste auf den Kopf der Schwangeren. Woraufhin sie vor Anton auf die Holzdielen stürzte.
Der Donner eines Schusses bebte durch die Luft. Putz rieselte von der Decke. Ein zweiter Knall schlug durch den Raum.

Die Wucht des Aufpralls schleuderte Antons Körper zu Boden, Blut quoll aus seiner muskelbepackten Schulter.

Er sah sich um, schnappte die Schatulle, rannte aus dem Zimmer. Tief durchatmend warf er die Beute auf die Ladefläche des Landrovers, schritt zur Fahrerseite, blieb stehen, senkte sein Haupt, schüttelte es. Hatte er sie nicht schon einmal ohne Hilfe ihrem Schicksal überlassen. Er kehrte um, stürmte erneut in die Hütte.

Er trat an den blutüberströmten Körper, kniete sich nieder. Seine Fingerspitzen betasteten den leblosen Schädel, berührte die klaffende Wunde an der Schulter. Der Kerl hatte Glück, unter Umständen später Probleme, aber sterben würde er nicht. Er wedelte mit der Hand vor der eigenen Nase. Wenigstens würde er sich an nichts erinnern. Die Fahne flatterte ihm meterweit voraus. Dabei trank Anton nie, zumindest nicht um diese Uhrzeit.

 Er stand auf, verzog sein Gesicht, schmetterte den rechten Fuß an Antons rechtes Bein. »Vollidiot!«, zischte er.
 Den Kopf hektisch wendend, schaute er auf die reglos daliegende. Mit blutbefleckten Fingern drehte er die Schwangere auf den Rücken. Sein Atem röchelte. Er legte einen Arm unter ihr Genick, den Anderen unterhalb ihrer Knie. Stemmte sie in die Höhe. Die morschen Dielen knarrten bei jedem Schritt. Er trug sie aus dem Haus, stampfte zu dem geparkten grünen Geländewagen. Mit einem Finger öffnete er die Beifahrertür, platzierte den schlafen Körper auf den Sitz. Pustend fischte er eine schwarze Sonnenbrille aus der Brusttasche des Hemdes, setzte sie auf, schlug die Autotür zu. Mit ausladenden Schritten rannte er um den Wagen, sprang auf den Fahrersitz. Der Motor heulte auf. Eine Staubwolke hinter sich herziehend, raste er über die sandige Piste.

 Abermals schmetterte ein Schuss durch die Stille, sodass ein Schwarm Webervögel aus der Krone einer Akazie emporflog. Nachdem die Vogelwelt wieder zur Ruhe gekommen war, rannte ein Mann in einem schwarzen Gewand aus dem Gebäude. Er trug eine Schrotflinte unter dem Arm und spurtete zu einem Buschwerk. Ein Motor heulte auf und er fuhr mit einem zitronenfarbenen Jeep davon.

Fünfzig Kilometer entfernt.

Eine Frau in einem hellblauen Kleid, mit kalkweißer Schürze, einer Haube auf ihrem gelockten, schwarzen Haar hetzte über eine hölzerne Veranda eines kalkig, getünchten Gebäude. Sie drückte ihr Becken an das Geländer, legte eine Hand flach an ihre Augenbrauen, sah nach rechts, nach links, drehte sich um, verschwand im Haus.
Ein Herr mit sandfarbenen Hemd, gleichfarbiger Hose trat auf die Veranda. Die Schwarzhaarige folgte ihm.
Sie presste die Hände an ihre kaffeebraunen faltigen Wangen. »Doc, wo bleibt der Simon?«, schluchzte sie.
Doc hob den Kopf, hielt seine Hakennase in den Wind. »Wenn er überhaupt durchkommt«, stöhnte er und zeigte den Hang herab. »Beth das Feuer kommt immer näher!« Er griff mit beiden Händen in sein kurz abgeschorenes hellbraunes Haar, das an den Ohren silbrig glänzte. »So ein heftiges Buschfeuer habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.« Die schmächtigen Arme ausgebreitet schaute er sie an. »Es hat bestimmt die Hauptstraße schon erreicht«, pustete er. »Dann ist ein Durchkommen unmöglich.«
Beth bedeckte erneut ihr Gesicht, wackelte mit dem Kopf und schlich ins Haus. Doc schloss seine Augen, atmete tief ein, folgte ihr mit einer auf der hohen Stirn gelegten Hand.

Sein grüner Geländewagen, zog eine Staubwolke hinter sich her, als er vor dem Holzhaus hielt. Er sprang aus dem Gefährt und ein kräftiger Windzug trieb Sand durch sein kurzes blauschwarzes Haar. Mit einer Hand das Gesicht bedeckt, marschierte er um das Fahrzeug herum. Er öffnete die Beifahrertür, stemmte die bewusstlose Frau auf seine Arme.

Doc trat auf die Veranda. »Was willst du hier«, brüllte er ihm entgegen, stampfte auf ihn zu, untersuchte die Schwangere, füllte ihren Puls. »Sie ist ohnmächtig«, diagnostizierte er. »Wir bringen sie rein. Beth muss sich um sie kümmern«, keuchte er.

Ein paar Wimpernschläge später erschienen sie wieder, eine Krankentrage mit den Händen ergriffen.
»Vom Baum ist sie gefallen?«, stöhnte er unter der für ihn ungewohnten Last.
»Quatsch. Ich dachte, du hättest es gleich gesehen«, empörte Doc sich. »Eine Kapcopra hat sie gebissen!«
»Du bist Arzt! Hast du kein Serum?«, fragte er.
Doc rollte mit den Augen. »Dann hätte ich es ihr gegeben!«

Die Männer wuchteten die Trage auf die Ladefläche des Geländewagens.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Wo ist euer Krankenwagen?«, stöhnte er.
»Kerl«, zischte der Arzt. »Kannst du aufhören, Dumme fragen zu stellen!«, zürnte er und sprang auf die Ladefläche. »Der Sanitätswagen hat einen Motorschaden und Simon ist mit dem Golf zur Notfallzentrale Serum besorgen«, gab er ihm entrüstet zu verstehen und versuchte die Trage zu befestigen.
»Doc. Wir fahren ihm entgegen!«
»Wir! Sag du mir vielmehr, warum du mit Antons LandCruser hier auftauchst und nicht er, wie verabredet.«
Er faste sich ans Genick und senkte den Blick. »Er ist unabkömmlich«, stotterte er.

In eine kurze Stille erklang das Schreien eines Babys.
»Vergiss es«, zischte Doc und deutete die Einfahrt herunter. »Wenn Simon durch den Brand durchgekommen wäre, wäre er längst hier. Vor zwei Stunden war das Feuer nahe am Zedernwald, wenn der brennt, gibt es keinen Weg mehr ins Tal.«

Eine junge Frau in einem hellblauen Kleid erschien an einer Hausecke, zupfte an ihrer blütenweißer Schürze.
Sie winkte den Arzt zu. »Wartete, ich komme mit!«
»Bleib bei dem Kind!«, entgegnete der Mediziner. »Die Fahrt wird zu gefährlich.«
»Alles gut.« Sie sah zum Gebäude. »Beth ist da! Und ich kenne keine Angst.«
»Nein!«
»Außerdem ist Tina da.«
»Die ist schon weg.«
»Bitte!«

Doc schüttelte den Kopf. »In Ordnung, geh rein und bring die lütte Ledertasche.« Er deutete den Weg entlang, von dem der andere gekommen war. »Wir müssen rauf nach Lesotho. Gleich hinter der Grenze wohnt ein Medizinmann!«
Der Mann mit der Sonnenbrille tippte mit einem Zeigefinger an seine faltige Schläfe. »Der alte Tom, wie soll dieser Quacksalber ihr helfen«, grunzte er.
Die verschwitzte Stirn in Falten gelegte, hob Doc die Schultern. »Alt ja. Verschroben ok.« Er grinste. »Aber nicht dumm. Er hat Serum!« Er wandte sich ab. »Vertraue mir!«
»Dir soll ich vertrauen, auf dich kann man nicht bauen«, schrie der Mann den Arzt an und schritt zur Fahrertür.
»Das musst du sagen«, wieherte es von der Ladefläche.

Die blutjunge Frau im hellblauen Kleid hüpfte die hölzerne Treppe des Hauses herab. Sie rannte zum Wagen. Mit der Linken bändigte sie ihre Haare, die wie eine Fahne im Wind flatterten, mit einem Haargummi, sprang, ohne sich umzusehen, auf den Beifahrersitz.
»Schnall dich an«, schrie Doc von der Ladefläche. »Der Idiot hat einen rasanten Fahrstil«.
Der Motor heulte auf, die Räder drehten durch und das Fahrzeug raste davon.

Ein zitronenfarbener Jeep folgte ihnen.

Dreizehn Jahre später.

Wie ein Pennäler, der auf den Prüfer wartete, schlich er die Straße auf und ab. Gewissheit verschaffen. Jedes Mal, wenn seine Tochter von dem Thema anfing, hatte er sie für verrückt erklärt. Ganz sauber im Kopf war sie nie gewesen. Wie ihre Mutter lebte sie oft in ihrer eigenen Welt, verbog die Realität, bis sie passte.
Es war alles absurd. Geprüft hatte er die Fakten. Keine Gegensätze, keinen Schwindel entdeckt. Gesehen hatte er sie einmal, sie war nicht mehr wie früher, älter, gereifter. Kein Grund, ihr etwas anzudichten. Komisch, merkwürdig mitunter schräg, unkonventionell erschien sie ihm, dennoch ihre Sache und seine Tochter nicht unschuldig.

Die Andeutungen des betrunkenen Alten, den er mit Vergnügen hinter Gittern gesehen hätte. Damals, so nah war er ihm.
Er schlug mehrmals an seine Stirn. Unerfahren war er gewesen. Verwickelte sich selbst ins Netz. Geschichte! Vergessen! Ihm zu trauen, wäre wie einem hungrigen Löwen einen Zahn zu ziehen.

Sogar an den Ort des Geschehens war er gereist. Die Papiere bestanden jeder Kontrolle. Die Gerüchte trieben ihn weiter. Die eine Spur, die ihn zweifelte. Erneut eine Verrückte in der er sich verliebte. Er zog diese Frauen an. Dabei witterte er, sie war keine Mörderin. Seine mehrjährige Erfahrung und da er den Täter kannte, untermauerten sein Gefühl. Trotzdem war sie irrsinnig. Getrieben von dem Wahn, jemand anders zu sein. Er lies sie aus Liebe in ihrem Glauben. Die endlosen Verhöre, die jahrelange Haft zermürbten jeden, ob schuldig oder unschuldig. Erst recht als einzige Weiße in einem afrikanischen Kerker. Er brauchte ihre Erklärungen nicht, um sich vorstellen, was sie mit ihr angestellt hatten. Es war ein Unrechtsstaat, in dem zuvor diese von Apartheid getriebene Über-Rasse die angestammte Bevölkerung ausgebeutet, unterdrückt und versklavt hatte. Verständlich ihre Rache.

Er blieb vor dem prunkvollen Portikus eines Hauses stehen.

Wie oft war er früher durch den Eingang geschritten, erinnerte er sich. Wieder so ein Zufall. Nein! Ursache. Wirkung. Stände er vor einem anderen Gebäude, würde er sich darüber keinen Gedanken machen.
Er sah vor seinem inneren Auge die stuckverzierten Decken, hörte die knarrenden Dielen unter den Füßen und roch den modrigen Dunst, der vergilbten Tapete. Er ballte die Hände. Die schnarrende Stimme der missliebigen Schwiegermutter echote in seinem Gehirn. Dem grässlichen Weib, das die Ehe zerstört hatte. Ihn als Fremden gehasst und verabscheut hatte.

Er zog einen Brief aus der Jacketttasche. Lesen, brauchte er ihn nicht, er kannte ihn auswendig, trotzdem faltete er ihn auf, starrte auf die Schrift.

»Misch dich nicht ein«, murmelte er. Es war ein Teil seines Lebens und in das sollte er sich nicht einmischen. »Ich hohle mein, werd immer der Beschützer sein«, flüsterte er.
Er verabscheute miserable Reime, zeigten sie ihm, wie krank das Gehirn des Schreibers war. Der Inhalt beunruhigte ihn. Was zwischen den Zeilen stand. Hatte er die ganzen Jahre falsch gelegen? Die ersten neuen Indizien wissen darauf hin. War alles ein Kinderstreich gewesen, warum dann der Brief. Er erahnte den wahren Kern. War er ein Spielball von fiebrigen Gehirnen, eher Opfer als Täter. Die Vorkommnisse gelenkt. Er war ein Ermittler, ein Genie in seinem Fach, weder Lamm noch Schurke.

Ein schmächtiger blonder Junge, schleppte gebückt unter der Last eines Ranzens, seine dünnen Beine über den Bürgersteig. Den Kopf gesenkt, erreichte er den Hauseingang, schloss auf und betrat das Gebäude.

Er ergriff die Gunst der Stunde, schlüpfte unbemerkt hinein; erst einmal verstecken. Den richtigen Zeitpunkt wählen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dann? Er hoffte, dass die Beweise negativ, er sein Leben in der bisherigen Bahn weiterführen, der Brief an sich ein Kinderstreich. Wenn nicht? Wenn alles den Tatsachen entsprach? Entweder er nahm wie damals die Tat unter den Mantel des Stillschweigens. Oder!

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Maunzilla
Schreiberling


Beiträge: 213



BeitragVerfasst am: 30.10.2019 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ungefähr die Hälfte deiner Sätze ist grammatikalisch falsch. Einige ergeben keinen Sinn. Es ist insgesamt schwierig, dem Text zu folgen, da oft nicht deutlich wird, wer was und vor allem warum tut.
Zwischen Absätze gehört keine Leerzeile. Laß die weg, dann sind es nur noch 700 Seiten wink.
Aber auch das ist viel zu lang.


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"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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Thomas74
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 45
Beiträge: 349
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 30.10.2019 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Aber auch das ist viel zu lang.


Woran machst du das anhand dieses Textfragmentes fest?

@ahorn: Wenn du einen Beitrag einstellst, hast du rechts oben die Funktion Gerold. Das ist eine Rechtschreibprüfung. Eine gute Rechtschreibung lenkt nicht so stark vom Inhalt ab.
Ich hatte Mühe, den Perspektiven der verschiedenen, "flach" eingeführten Personen zu folgen. Gleich im ersten Abschnitt ist nicht sofort klar ersichtlich, wer "er", wer der "Griesgram" bzw. wer "Anton" ist. Und zu wem die Frau spricht. Auch die weiteren Zeit-und Personensprünge kommen recht abgehackt rüber.


_________________
Optimismus ist, bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!!" zu rufen.
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 31.10.2019 09:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dank für euer erstes Feedback,
es bestätigt meine Annahme, dass der erste Abschnitt der schwächste meines Romans ist. Deshalb habe ich ihn ausgesucht. Er entstand erst, als ich das erste Drittel bereits verfasst hatte - ursprünglich als Prolog.
  
Warum fragt ihr, werden die Protagonisten nicht genannt?  Absicht!
Die Identität von »er« lüftet sich erst in der zweiten Hälfte.

Gruß
Ahorn
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 31.10.2019 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

moin Ahorn,

das mit der Rechtschreibkontrolle und dem Satzbau ist nur eins ... das lässt sich abstellen.

Aber ich habe einen ganz allgemeinen Rat an Dich Wink


Schreib so, wie Du in Deinem frei formulierten Postingseinstieg geschrieben hast. In lebendigen klaren Worten.

Der nach Deinem Intro folgende Text wirkt eher so, als bist Du von Dir selbst weggegangen und hast versucht, betont literarisch zu schreiben.

Nutze nicht 1000 Synomyme. Schon gar nicht so nahe beieinander. Es springt einem tatsächlich ins Auge, dass das Gebäude, die Standardgarage, die Bude, die Bleibe, das Haus, die Standardbude, die Hütte oder gar ... die Butze, so viele verschiedene Bezeichnungen hat.

Ich würde auch viiiiel weniger lautmalende Beschreibungen wählen. Also wirklich nur ganz fein dosiert. Formulierungen wie "Blut quoll aus seiner muskelbepackten Schulter" sind einfach zu ... muskelbepackt Cool.

Besser wäre vielleicht etwas wie:

Ihm quoll Blut aus der Schulter. Noch spürte er keinen Schmerz, aber das würde kommen. Weiter gings. Er sah sich um. Die Schatulle. Er schnappte sie sich und rannte weiter. Nur raus aus dem Zimmer.

So "atemlos" würde ich auch nur schreiben, wenn ich Geschwindigkeit vermitteln will. Aber darum geht es ja auch hier.

Spaten, Grabwerkzeug ... auch das ist, finde ich, ein unnötiges Synonym, wo der Leser unnötig im Lesefluss gebremst wird. Aber was ich hier eigentlich schreiben will ...

"Das vergammelte Grabwerkzeug" ist einerseits viel zu malerisch und Grabwerkzeug ist kein Begriff, der vom Auge direkt ins Verstehen geht. Der Leser muss zuerst den Umweg der Deutung gehen. Gabwerkzeug? ... klick ... aha ... Spaten, alles klar. Aber das hat bestimmt schon den Bruchteil einer Sekunde gedauert.

Ein Spaten ist ein Spaten ist ein Spaten ... und nur, wenn es kein echter Spaten ist, ist es vielleicht eine Schippe, aber dann auch immer eine Schippe Wink .

Das Geheimnis ist ja, finde ich, dass allgemein gebräuchliche Worte regelrecht unsichtbar sind. Worte fallen nur auf, wenn sie nicht passen.

Ich will jetzt nicht noch länger in Deinem Text herumstochern. Das ist nicht gerecht und kann auch nerven.

Also nochmals mein Rat.

Schreibe so, wie Du sonst auch schreibst.
Dann ist das lebendig und klar Cool
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 31.10.2019 13:37    Titel: Re: Textauszug - Flucht über die Nordsee Antworten mit Zitat

Hallo ahorn,

es sind schon recht viele gute und richtige Anmerkungen gemacht worden. Ich nehme hier mal exemplarisch die ersten paar Sätze heraus, um Probleme im Satzbau herauszustellen:

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Ihm glückte die Flucht durch den Hintereingang des Gebäudes - wobei der Ausdruck Gebäude übertrieben.



da fehlt offensichtlich das verb "war" am Ende?

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Eine aus Brettern zusammengenagelte Hütte kaum größer als eine Standardgarage.



Du etablierst hier einen eher abgehackten Erzählstil. Das kann man machen, wenn es zu der der Geschichte passt, aber siehe unten.

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Wie in der Gegend üblich mit einer einem Schritt breiten Veranda, auf die die Bewohner sich begaben, wenn sie die Bude verließen, betraten oder am Abend beim selbst gebrauten Bier bevölkerten.



Es scheint mir so, als versuchst Du in dieser Phase des Buches, das Szenario aus dem Blickwinkel eines eher einfachen Menschen zu schreiben, aber hier kommt "aus dem Nichts" ein komplizierterer verschachtelter Satz ins Spiel (nachdem der Leser sich schon auf kurze Sätze mit crispen Referenzen eingeschossen hat).

Das mit der Bude wäre an der Stelle konsistent, da das abwertende Wort "Bude" eher der Perspektive des ("einfachen") Beobachters an der Stelle entspricht. Ich stimme aber mit Herrn Meier überein, dass die vielen Synonyme hier overkill sind. Jeder Ausdruck sollte mit Bedacht gewählt werden, und ich sehe keinen von der Geschichte vorgegebenen Grund darin, drei verschieden Worte für das Häuschen (Wink) zu benutzen (und es kommt ja noch ein anderes im Lauf des Absatzes dazu).

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Sowie einem Fenster auf einer Giebelseite.



Man kann dieses als eigenständigen (dann aber wie in deiner Formulierung unvollständigen) Satz ausgliedern, aber damit hängt die Referenz "Allein..." im nächsten Satz in der Luft, d.h. LeserIn wird das "Allein..." schwerer dem vorletzten Teilsatz "wie in der Gegend üblich" zuordnen können. Das stört den Lesefluss. In diesem Fall würde ich diesen Satz mit Komma getrennt als Nebensatz zum vorherigen anhängen.

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Allein mit den Unterschieden, dass nicht bis zu zwölf Personen in der Bleibe leben, sondern nur einer und der zweiten Veranda.


Auch ein schwieriger Satzbau, weil Du meinst "den Unterschieden a) und b)," aber das b) ist durch das fehlende Komma nicht genau von a) unterscheidbar. Das wäre mit einem einfachen Komma zu fixen:

Allein mit den Unterschieden, dass nicht bis zu zwölf Personen in der Bleibe leben, sondern nur einer, und der zweiten Veranda.

Aber vom Fluss her ist das immer noch nicht gut, da der Nebensatz "sondern nur einer" die Aufmerksamkeit von der offenen Aufzählung "a) und b)" ablenkt. Besser wäre

Allein mit den Unterschieden, dass nur einer statt der sonst bis zu zwölf Personen in der Bleibe leb[t]en, und der zweiten Veranda.

Also der Gesamteindruck bereits im ersten Absatz ist, dass das arme Leserhirn bereits etliche Zickzackläufe absolvieren muss, wenn es sich allein auf das Szenario einlassen will.

Für mich war abgesehen von der Länge schon dieser fehlende flow ein Abtörner. Es ist schwierig genug, LeserIn dazu zu bewegen, sich auf die Reise einzulassen; ein Autor ist m.M. nach gut beraten, diese Reise so angenehm wie möglich zu machen.

Zum Rest habe ich leider wenig zu sagen, da mir die Reise zu mühsam erschien und ich sie deswegen abgebrochen habe...

@Maunzilla: Hier stimme ich nicht überein. Meiner Meinung nach müssen Absätze durch Leerzeilen getrennt sein (der Begriff "Absatz" impliziert ja bereits "voneinander abgesetzt"; das muss keine ganze Leerzeile sein, aber der Font im Forum erlaubt ja keine differenzierte Absetzung). Allein schon deshalb, weil es ja sein kann, dass ein Absatz genau am Ende einer Zeile endet, und für das lesende Auge wäre damit kein erkennbarer Absatzumbruch erkennbar.

Ausserdem fällt mir das Lesen leichter, wenn die logisch zusammengehörenden Textblöcke klar voneinander abgegrenzt sind, dann weiss ich immer, wie lange ich noch habe, bis ich eine kurze oder längere Lesepause einlegen "darf."
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 31.10.2019 16:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Herr Meier, Hallo RAc,
dank für eure offene Worte.
Die Sache mit der Hütte sollte ein Witz werden 'Auflockerung', ging vielleicht daneben, fliegt einfach raus. Mal sehen, wie es dann wirkt.

Gruß Ahorn
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 01.11.2019 09:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihm glückte die Flucht durch den Hintereingang des Gebäudes - wobei der Ausdruck Gebäude übertrieben. Eine aus Brettern zusammengenagelte Hütte kaum größer als eine Standardgarage. Wie in der Gegend üblich mit einer einem Schritt breiten Veranda, auf die die Bewohner sich begaben, wenn sie die Bude verließen, betraten oder am Abend bei selbst gebrauten Bier bevölkerten. Sowie einem Fenster auf einer Giebelseite.

Er schlich um die Hütte, spähte durch die verdreckte Fensterscheibe. Der Anton, der Hausherr stöberte durch sein Reich, als suche er einen Schatz. Er sollte woanders sein.
Er huschte gebückt weiter bis zum vorderen Vordach, zumindest hatte er die Beute nicht mit in die Hütte getragen. Was ging es ihn an, warum dieser Einsiedler zu früh heimgekehrt war. Er hatte, was er wollte.

Ohne dem Hausbesitzer eines weiteren Blickes zu würdigen, schlängelte er, den Oberkörper fast bis zu den Holzdielen gebeugt, die drei Bretter, die eine Treppe formten, herab. Mit vier Sprüngen erreichte er die erste Schirmakazie, die mit ihren Partnerinnen eine Allee bildete.
Sein Leihwagen stand abseits an der Hauptstraße. Straße übertrieben, eine Piste mit einer Breite, sodass zwei landläufige Wagen, ohne abzurutschen, aneinander vorbeifahren konnten.

Er kam nicht weit. Eine Frau erschien am Ende der Zufahrt. Mit einem Hechtsprung versteckte er sich hinter Antons Geländewagen, dabei glitt ihm die Schatulle aus der Hand.
Ihm Stechschritt, wie ein Soldat, der unter dem Hemd eine Melone trug, kam sie näher. Keine Zeit, seine Beute in Sicherheit zu bringen.
Er kroch um den Wagen herum, hoffte darauf, nicht entdeckt zu werden. Die aparte Frau kannte er, hatte sie die ganzen Jahre beobachtet. Sie dagegen hatte ihn nur einmal zu Gesicht bekommen, das sollte so bleiben.
Er atmete auf, nachdem sie vorbeimarschiert war. Dann wendete sie, kam zurück, schnappte sich die schuhkartongroße Kiste und stampfte erneut zur Hütte. Innerhalb von Sekunden hatte er ein Problem, zwei Hindernisse.

Den Oberkörper nach vorn gebeugt, schlich er zur Veranda. Die Tür war angelehnt. Er sah sie nicht, nur ihn – Anton.
Anton strich fahrig durch sein ockerfarbenes, lockiges Haar. Ein Sonnenstrahl erleuchtete die grau melierten Schläfen, brach sich in den Schweißtropfen, die über das gegerbte Gesicht perlten. Er streckte seine muskulösen, behaarten Arme vom Körper ab. Die Hände mit gerissenen Schwielen, ausladend wie Kuchenteller. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und starrten auf sie.

Der griesgrämige Anton trat einen Schritt zurück. »Mach dich nicht unglücklich!«, summte er.
»Du bist es. Du bist das Schwein immer gewesen«, giftete die Frau.
»Nein!« Er verzog seinen Mund zu einem Schrei. »Er war auf einmal hier!«
»Wir sind allein!«, zischte sie. »Die Schatulle!«
Er sah, wie sie ihren zarten nackten Fuß gegen die Kiste kickte.
»Hat der Weihnachtsmann gebracht!«, gab sie erbost zurück.
»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete er mit zitternder Stimme, sein Fuß tastete nach hinten. Er betrachtete sie. »Denk an dein Kind.«

»Ich wollte das Kind nie haben!«, fluchte sie,
»Lass uns fahren.« Er öffnete die rechte Hand. »Du musst in die Klinik.«
»Warum hast du mich dann nicht wie verabredet vor einer Stunde abgeholt?«
Er schüttelte seinen massigen Schädel. »Der Kühler war wieder defekt.«, stotterte er, »Ich bin zurück!«
»Lüg nicht«, zischte sie. »Ich habe ihn letzten Monat geschweißt. Verrecken wolltest du mich lassen.« Sie stockte. »Wie damals«, schrie sie.
Seine linke Wange zuckte. »Ich liebe dich.«
»Abhauen!« Ihre Spucke benetzte den Boden. »Die Kiste lag neben dem Land Rover!« Sie stellte ihren zierlichen Fuß auf die Box. »Deinen Blutzoll nicht vergessen. Meine Mutter hast du schon vertrieben.«
Zögernd schritt er auf sie zu. »Wir haben uns nicht mehr verstanden.«

Die Mündung einer zweiläufigen Schrotflinte erschien,  in seinem Blickfeld, direkt auf den Mann gerichtet. Diese Wendung sollte die Geschichte nicht einschlagen. Zumindest hätte sich ein Problem für ihn gelöst. Sie traf eine Kobra in einem Abstand von hundert Metern zwischen deren Augen.
»Reingehen sie überzeugen«, murmelte er und zupfte an seiner Oberlippe. Er schüttelte den Kopf. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte, trieb ihren Schädel durch die Wand, machte keine Gefangene und, genauso sarkastisch wie es klang, schritt über Leichen.
»Hineinstürmen den Lauf erfassen?«, brummelte er, bei der Entfernung das Todesurteil für ihn.

Er schaute sich um, erblickte den Spaten, mit dem er zuvor die Holzdiele aus der Veranda gebrochen hatte.
Den Spaten überm Schädel, schob er seinen Oberkörper durch den Türspalt, zwinkerte Anton zu. Der glotze ihn an, richtete seinen Arm auf ihn.
Der Zeigefinger der Frau näherte sich dem Abzug. Keine Zeit, mehr zu zögern, schnellte sein Arm vor und der Spaten sauste auf den Kopf der Schwangeren. Woraufhin sie vor Anton auf die Holzdielen stürzte.
Der Donner eines Schusses bebte durch die Luft. Putz rieselte von der Decke. Ein zweiter Knall schlug durch den Raum.

Die Wucht des Aufpralls schleuderte Antons Körper zu Boden, Blut quoll aus seiner Schulter.

Er sah sich um. Die Schatulle! Er schnappte sie sich und rannte weiter. Nur raus aus der Hütte.
An Antons Landrovers angekommen warf er die Beute auf die Ladefläche, schritt zur Fahrerseite, blieb stehen, senkte sein Haupt, schüttelte es. Hatte er sie nicht schon einmal ohne Hilfe ihrem Schicksal überlassen. Er kehrte um.

Zurück in der Hütte trat er an Antons Körper, kniete sich nieder. Seine Fingerspitzen betasteten den leblosen Schädel, berührte die klaffende Wunde an der Schulter. Der Kerl hatte Glück, unter Umständen später Probleme, aber sterben würde er nicht. Er wedelte mit der Hand vor der eigenen Nase. Wenigstens würde er sich an nichts erinnern. Die Fahne flatterte ihm meterweit voraus. Dabei trank Anton nie, zumindest nicht um diese Uhrzeit.
 Er erhob sich auf, verzog sein Gesicht und schmetterte den rechten Fuß an Antons rechtes Bein. »Vollidiot!«, zischte er.

 Dann wandte er sich an die Frau, die reglos auf den Dielen lag. Mit blutbefleckten Fingern drehte er die Schwangere auf den Rücken. Sein Atem röchelte. Er legte einen Arm unter ihr Genick, den Anderen unterhalb ihrer Knie. Stemmte sie in die Höhe. Die Dielen knarrten bei jedem Schritt. Er trug sie aus dem Haus, stampfte zu Antons grünen Geländewagen. Mit einem Finger öffnete er die Beifahrertür, platzierte den schlafen Körper auf den Sitz. Den Oberkörper gebeugt, schnappte er nach Luft und fischte eine schwarze Sonnenbrille aus der Brusttasche des Hemdes, setzte sie auf, schlug die Autotür zu. Mit ausladenden Schritten rannte er um den Wagen, sprang auf den Fahrersitz. Der Motor heulte auf. Eine Staubwolke hinter sich herziehend, raste er über die sandige Piste.

 Abermals schmetterte ein Schuss durch die Stille, sodass ein Schwarm Webervögel aus der Krone einer Akazie emporflog. Nachdem die Vogelwelt wieder zur Ruhe gekommen war, rannte ein Mann in einem schwarzen Gewand aus dem Gebäude. Er trug eine Schrotflinte unter dem Arm und spurtete zu einem Buschwerk. Ein Motor heulte auf und er fuhr mit einem zitronenfarbenen Jeep davon.

Fünfzig Kilometer entfernt.

Eine Frau in einem hellblauen Kleid, mit kalkweißer Schürze, einer Haube auf ihrem gelockten, schwarzen Haar hetzte über eine hölzerne Veranda eines kalkig, getünchten Gebäude. Sie drückte ihr Becken an das Geländer, legte eine Hand flach an ihre Augenbrauen, sah nach rechts, nach links, drehte sich um, verschwand im Haus.
Ein Herr mit sandfarbenen Hemd, gleichfarbiger Hose trat auf die Veranda. Die Schwarzhaarige folgte ihm.
Sie presste die Hände an ihre kaffeebraunen faltigen Wangen. »Doc, wo bleibt der Simon?«, schluchzte sie.
Doc hob den Kopf, hielt seine Hakennase in den Wind. »Wenn er überhaupt durchkommt«, stöhnte er und zeigte den Hang herab. »Beth das Feuer kommt immer näher!« Er griff mit beiden Händen in sein kurz abgeschorenes hellbraunes Haar, das an den Ohren silbrig glänzte. »So ein heftiges Buschfeuer habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.« Die schmächtigen Arme ausgebreitet schaute er sie an. »Es hat bestimmt die Hauptstraße schon erreicht«, pustete er. »Dann ist ein Durchkommen unmöglich.«
Beth bedeckte erneut ihr Gesicht, wackelte mit dem Kopf und schlich ins Haus. Doc schloss seine Augen, atmete tief ein, folgte ihr mit einer auf der hohen Stirn gelegten Hand.

Sein grüner Geländewagen, zog eine Staubwolke hinter sich her, als er vor dem Holzhaus hielt. Er sprang aus dem Gefährt und ein kräftiger Windzug trieb Sand durch sein kurzes blauschwarzes Haar. Mit einer Hand das Gesicht bedeckt, marschierte er um das Fahrzeug herum. Er öffnete die Beifahrertür, stemmte die bewusstlose Frau auf seine Arme.

Doc trat auf die Veranda. »Was willst du hier«, brüllte er ihm entgegen, stampfte auf ihn zu, untersuchte die Schwangere, füllte ihren Puls. »Sie ist ohnmächtig«, diagnostizierte er. »Wir bringen sie rein. Beth muss sich um sie kümmern«, keuchte er.

Ein paar Wimpernschläge später erschienen sie wieder, eine Krankentrage mit den Händen ergriffen.
»Vom Baum ist sie gefallen?«, stöhnte er unter der für ihn ungewohnten Last.
»Quatsch. Ich dachte, du hättest es gleich gesehen«, empörte Doc sich. »Eine Kapcopra hat sie gebissen!«
»Du bist Arzt! Hast du kein Serum?«, fragte er.
Doc rollte mit den Augen. »Dann hätte ich es ihr gegeben!«

Die Männer wuchteten die Trage auf die Ladefläche des Geländewagens.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Wo ist euer Krankenwagen?«, stöhnte er.
»Kerl«, zischte der Arzt. »Kannst du aufhören, Dumme fragen zu stellen!«, zürnte er und sprang auf die Ladefläche. »Der Sanitätswagen hat einen Motorschaden und Simon ist mit dem Golf zur Notfallzentrale Serum besorgen«, gab er ihm entrüstet zu verstehen und versuchte die Trage zu befestigen.
»Doc. Wir fahren ihm entgegen!«
»Wir! Sag du mir vielmehr, warum du mit Antons LandCruser hier auftauchst und nicht er, wie verabredet.«
Er faste sich ans Genick und senkte den Blick. »Er ist unabkömmlich«, stotterte er.

In eine kurze Stille erklang das Schreien eines Babys.
»Vergiss es«, zischte Doc und deutete die Einfahrt herunter. »Wenn Simon durch den Brand durchgekommen wäre, wäre er längst hier. Vor zwei Stunden war das Feuer nahe am Zedernwald, wenn der brennt, gibt es keinen Weg mehr ins Tal.«

Eine junge Frau in einem hellblauen Kleid erschien an einer Hausecke, zupfte an ihrer blütenweißer Schürze.
Sie winkte den Arzt zu. »Wartete, ich komme mit!«
»Bleib bei dem Kind!«, entgegnete der Mediziner. »Die Fahrt wird zu gefährlich.«
»Alles gut.« Sie sah zum Gebäude. »Beth ist da! Und ich kenne keine Angst.«
»Nein!«
»Außerdem ist Tina da.«
»Die ist schon weg.«
»Bitte!«

Doc schüttelte den Kopf. »In Ordnung, geh rein und bring die lütte Ledertasche.« Er deutete den Weg entlang, von dem der andere gekommen war. »Wir müssen rauf nach Lesotho. Gleich hinter der Grenze wohnt ein Medizinmann!«
Der Mann mit der Sonnenbrille tippte mit einem Zeigefinger an seine faltige Schläfe. »Der alte Tom, wie soll dieser Quacksalber ihr helfen«, grunzte er.
Die verschwitzte Stirn in Falten gelegte, hob Doc die Schultern. »Alt ja. Verschroben ok.« Er grinste. »Aber nicht dumm. Er hat Serum!« Er wandte sich ab. »Vertraue mir!«
»Dir soll ich vertrauen, auf dich kann man nicht bauen«, schrie der Mann den Arzt an und schritt zur Fahrertür.
»Das musst du sagen«, wieherte es von der Ladefläche.

Die blutjunge Frau im hellblauen Kleid hüpfte die hölzerne Treppe des Hauses herab. Sie rannte zum Wagen. Mit der Linken bändigte sie ihre Haare, die wie eine Fahne im Wind flatterten, mit einem Haargummi, sprang, ohne sich umzusehen, auf den Beifahrersitz.
»Schnall dich an«, schrie Doc von der Ladefläche. »Der Idiot hat einen rasanten Fahrstil«.
Der Motor heulte auf, die Räder drehten durch und das Fahrzeug raste davon.

Ein zitronenfarbener Jeep folgte ihnen.

Dreizehn Jahre später.

Wie ein Pennäler, der auf den Prüfer wartete, schlich er die Straße auf und ab. Gewissheit verschaffen. Jedes Mal, wenn seine Tochter von dem Thema anfing, hatte er sie für verrückt erklärt. Ganz sauber im Kopf war sie nie gewesen. Wie ihre Mutter lebte sie oft in ihrer eigenen Welt, verbog die Realität, bis sie passte.
Es war alles absurd. Geprüft hatte er die Fakten. Keine Gegensätze, keinen Schwindel entdeckt. Gesehen hatte er sie einmal, sie war nicht mehr wie früher, älter, gereifter. Kein Grund, ihr etwas anzudichten. Komisch, merkwürdig mitunter schräg, unkonventionell erschien sie ihm, dennoch ihre Sache und seine Tochter nicht unschuldig.

Die Andeutungen des betrunkenen Alten, den er mit Vergnügen hinter Gittern gesehen hätte. Damals, so nah war er ihm.
Er schlug mehrmals an seine Stirn. Unerfahren war er gewesen. Verwickelte sich selbst ins Netz. Geschichte! Vergessen! Ihm zu trauen, wäre wie einem hungrigen Löwen einen Zahn zu ziehen.

Sogar an den Ort des Geschehens war er gereist. Die Papiere bestanden jeder Kontrolle. Die Gerüchte trieben ihn weiter. Die eine Spur, die ihn zweifelte. Erneut eine Verrückte in der er sich verliebte. Er zog diese Frauen an. Dabei witterte er, sie war keine Mörderin. Seine mehrjährige Erfahrung und da er den Täter kannte, untermauerten sein Gefühl. Trotzdem war sie irrsinnig. Getrieben von dem Wahn, jemand anders zu sein. Er lies sie aus Liebe in ihrem Glauben. Die endlosen Verhöre, die jahrelange Haft zermürbten jeden, ob schuldig oder unschuldig. Erst recht als einzige Weiße in einem afrikanischen Kerker. Er brauchte ihre Erklärungen nicht, um sich vorstellen, was sie mit ihr angestellt hatten. Es war ein Unrechtsstaat, in dem zuvor diese von Apartheid getriebene Über-Rasse die angestammte Bevölkerung ausgebeutet, unterdrückt und versklavt hatte. Verständlich ihre Rache.

Er blieb vor dem prunkvollen Portikus eines Hauses stehen.

Wie oft war er früher durch den Eingang geschritten, erinnerte er sich. Wieder so ein Zufall. Nein! Ursache. Wirkung. Stände er vor einem anderen Gebäude, würde er sich darüber keinen Gedanken machen.
Er sah vor seinem inneren Auge die stuckverzierten Decken, hörte die knarrenden Dielen unter den Füßen und roch den modrigen Dunst, der vergilbten Tapete. Er ballte die Hände. Die schnarrende Stimme der missliebigen Schwiegermutter echote in seinem Gehirn. Dem grässlichen Weib, das die Ehe zerstört hatte. Ihn als Fremden gehasst und verabscheut hatte.

Er zog einen Brief aus der Jacketttasche. Lesen, brauchte er ihn nicht, er kannte ihn auswendig, trotzdem faltete er ihn auf, starrte auf die Schrift.

»Misch dich nicht ein«, murmelte er. Es war ein Teil seines Lebens und in das sollte er sich nicht einmischen. »Ich hohle mein, werd immer der Beschützer sein«, flüsterte er.
Er verabscheute miserable Reime, zeigten sie ihm, wie krank das Gehirn des Schreibers war. Der Inhalt beunruhigte ihn. Was zwischen den Zeilen stand. Hatte er die ganzen Jahre falsch gelegen? Die ersten neuen Indizien wissen darauf hin. War alles ein Kinderstreich gewesen, warum dann der Brief. Er erahnte den wahren Kern. War er ein Spielball von fiebrigen Gehirnen, eher Opfer als Täter. Die Vorkommnisse gelenkt. Er war ein Ermittler, ein Genie in seinem Fach, weder Lamm noch Schurke.

Ein schmächtiger blonder Junge, schleppte gebückt unter der Last eines Ranzens, seine dünnen Beine über den Bürgersteig. Den Kopf gesenkt, erreichte er den Hauseingang, schloss auf und betrat das Gebäude.

Er ergriff die Gunst der Stunde, schlüpfte unbemerkt hinein; erst einmal verstecken. Den richtigen Zeitpunkt wählen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dann? Er hoffte, dass die Beweise negativ, er sein Leben in der bisherigen Bahn weiterführen, der Brief an sich ein Kinderstreich. Wenn nicht? Wenn alles den Tatsachen entsprach? Entweder er nahm wie damals die Tat unter den Mantel des Stillschweigens. Oder!
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Leseprobe
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 57
Wohnort: Ba-Wü


BeitragVerfasst am: 05.11.2019 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

... - also ...
- ist der Roman jetzt abgeschlossen, oder nicht fertig?? Da dachte ich schon, oh je ...
- 11 Seiten um zu entscheiden, ob man weiterliest? Bei den meißten dürfte ein Absatz, vielen auch nur wenige Sätze genügen.
- ich habe den ersten Absatz geschafft und entschieden, nicht weiter zu lesen. Zu viele Rechtschreibfehler, zu viele logische Ungereimtheiten, zu viel Unnötiges.
- bin dann doch noch zum letzten Absatz gesprungen. Wieder zu viele Halbsätze und was macht das Ausrufezeichen hinter dem letzten Oder?

Nimm doch mal zwei Absätze und versuche diese aufzupolieren und hier reinzustellen. Dann wird es was.
Nichts für ungut smile


_________________
... diese gläserne Gegenwart ...
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Gliese581
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 141
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BeitragVerfasst am: 05.11.2019 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Äh - mein Intellekt reicht leider nicht aus, um die Story zu verstehen. Deshalb musste ich leider aufgeben. Sorry Crying or Very sad
Ich hab fast mit jedem Satz Schwierigkeiten.


_________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Albert Einstein
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Graven
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 295



BeitragVerfasst am: 05.11.2019 19:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ahorn

Du hast  nützliches Feedback erhalten. Ich möchte nur einige Punkte herausgreifen, als Beispiele.

Rot alles was, na ja. (Auslassung von mir. Die verstehst du)

Blau meine Anmerkungen

ahorn hat Folgendes geschrieben:
Ihm glückte die Flucht durch den Hintereingang des Gebäudes - wobei der Ausdruck Gebäude übertrieben Ellipse (Auslassung) Das Stilmittel ist charakteristisch in dramatischen sowie eifrigen Wortgefechten, die Erregtheit und Leidenschaft ausdrücken sollen. Weiterhin finden sich Ellipsen in der Umgangssprache, wobei sie hierbei in der Regel als verknappte Vereinfachung der Sprache vorkommen.
Der Einsatz kann hektisch sowie bewegt wirken, wodurch die Aussagekraft erhöht wird, da das Wesentliche im Mittelpunkt steht. Die Ellipse ist die Konzentration von Gefühlen und Sprache. So viel Definition. Hier ist sie fehl am Platz. Aber das haben andere vor mir angekreidet  
muss man das mit Eine aus Brettern zusammengenagelte Hütte kaum größer als eine Standardgarage. Wie in der Gegend üblich mit einer einem Schritt breiten Veranda, auf die die Bewohner sich begaben, wenn sie die Bude verließen, betraten oder am Abend bei selbst gebrauten Bier bevölkerten. umständlich geschrieben,  Eindeutiges vorgekaut. Sowie einem Fenster auf einer Giebelseite.

Der griesgrämige Anton trat einen Schritt zurück. »Mach dich nicht unglücklich!«, summte er. das geht gar nicht. Genauso wenig wie die anderen Roten. Du weißt schon. Es sind einfach zu viele. Hundert mal „sagte“ ist besser. Gemütszustand kann man im Dialog zeigen. Oder Taten.
»Du bist es. Du bist das Schwein immer gewesen«, giftete die Frau.
»Nein!« Er verzog seinen Mund zu einem Schrei. schrie er.  »Er war auf einmal hier!«
»Wir sind allein!«, zischte sie. »Die Schatulle!«
Er sah, wie sie ihren zarten nackten Fuß gegen die Kiste kickte.
»Hat der Weihnachtsmann gebracht!«, gab sie erbost zurück.
»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete er mit zitternder Stimme, sein Fuß tastete nach hinten. Er betrachtete sie. »Denk an dein Kind.«

»Ich wollte das Kind nie haben!«, fluchte sie, ich höre keinen Fluch.
»Lass uns fahren.« Er öffnete die rechte Hand. »Du musst in die Klinik.«
»Warum hast du mich dann nicht wie verabredet vor einer Stunde abgeholt?«
Er schüttelte seinen massigen Schädel. »Der Kühler war wieder defekt.«, stotterte er, »Ich bin zurück!«
»Lüg nicht«, zischte sie. »Ich habe ihn letzten Monat geschweißt. Verrecken wolltest du mich lassen.« Sie stockte. »Wie damals«, schrie sie.
Seine linke Wange zuckte. »Ich liebe dich.«
»Abhauen!« Ihre Spucke benetzte den Boden. »Die Kiste lag neben dem Land Rover!« Sie stellte ihren zierlichen Fuß auf die Box. »Deinen Blutzoll nicht vergessen. Meine Mutter hast du schon vertrieben.«
Zögernd schritt er auf sie zu. »Wir haben uns nicht mehr verstanden.«

Die Mündung einer zweiläufigen Schrotflinte erschien,   wo kommt die jetzt her? Das muss anders geschrieben werden. in seinem Blickfeld, direkt auf den Mann gerichtet. Diese Wendung sollte die Geschichte nicht einschlagen. Zumindest hätte sich ein Problem für ihn gelöst. Sie traf eine Kobra in einem Abstand von hundert Metern zwischen deren Augen.
»Reingehen sie überzeugen«, murmelte er und zupfte an seiner Oberlippe. Er schüttelte den Kopf. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte, trieb ihren!
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 05.11.2019 22:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Graven,
danke für deine erklärenden Worte. Mehr noch, für mich als überzeugter Klugscheißer eine neue Perle, Bereicherung in meiner Unwissenheit. Ich werde es gerne literarisch anwenden. Aber in diesem Fall war das fehlende 'war' eher unbeabsichtigt, wanderte von meinen Augen, in mein Gehirn und erreichte meine Finger nicht.    
Das mit den Gemütsaußerungen ist eine Philosophie für sich. Ich bin voll auf deiner Linie, dass diese in ersten Linie durch Handlung, Gestik oder Mimik ausgedrückt werden sollten - bei einem Dialog ergibt sich dieses bekanntlich durch den Dialog an sich, dennoch können diese, da hauptsächlich in der wörtlichen  Rede vorkommend, dem Leser eine Hilfestellung sein.
Zugeben, die eine oder andere Wortwahl von mir unpassend, gern löschbar   und gelöscht allemal besser als 'sagte', welches durch die wörtliche Rede gekennzeichnet ist.

Zum Text als solchen. Wie ich bereits eingangs erklärt habe, ist dieser Abschnitt,  für mich der schlechteste,  aber dummerweise der erste. Warum? Er entstand nicht am Anfang, sondern erst zu einem Zeitpunkt an dem ich feststellte, dass gewisse vorgeschichtlichen Information von Nöten wären. Somit bekam mein Roman einen Prolog. Lange Zeit vernachlässigte ich diesen. Ohne in von Grund auf neu zu schreiben, pimmte ich ihn auf, verschlimmbesserte ihn bis zur Unkenntlichkeit. Da hilft nur Hilfe von außen.

Daher ein weiterer besten Dank.

Überarbeitung folgt, bis der Knoten geplatzt.

Gruß Ahorn
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 06.11.2019 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Draußen ist ein grenzenloses Mistwetter. Ein dauerhafter Regen trübt meine Welt ein. Also surfe ich ein wenig und natürlich führt mich der Weg auch in unser Forum. Dein Posting nun reizt mich jetzt zu einer, vielleicht etwas verspielten, auf jeden Fall, was mich angeht, mit Sicherheit rein prokrastinativen, Antwort.

"Moin Ahorn, ich hatte es schon geschrieben, aber natürlich ist das eine Stilfrage smile. Klarer Schreibstil, kurze Sätze, zumindest kürzere Sätze, wenig Schlenker innerhalb eines Satzes ... und weniger "beschreibend". Das würde ich präferieren."

Ich nehme einen weiteren Schluck heißen Kaffee. Hatte ich das jetzt zu hart formuliert? Nein, denke ich, das passt schon. Aber ein wenig mildern kann ich vielleicht noch. Auch, weil ich mich freue, dass mein erster Vorschlag aufgegriffen worden war. Ich ergänze also mit den folgenden Worten und sende dann auch ab.

"Schön aber, dass Du ein Stückchen von mir in Deinen Text eingebaut hast."

Mit ein wenig Unruhe, ob Du mein Posting als zu kritisch empfinden könntest, stehe ich auf. Jetzt ist es Zeit für Tee. Zu viel Kaffee ist auch ungesund. Als Mann in den Fünfzigern wird Vorsorge und Achtsamkeit immer wichtiger, auch wenn ich in vergangener Zeit recht sportlich war. Das zählt aber inzwischen nicht mehr.



Oder jetzt mal ein wenig blumiger,
quasi als Persiflage,
nicht auf Dich, sondern um zu zeigen,
dass zu ausschmückende Worte
den Lesefluss sehr bremsen können.




"Moin Ahorn" brumme ich, noch morgendämmernd und verschlafen, die Haare wuschelig und zerzaust, immer noch ungeduscht, immer noch die Schlafhose an, die wohlig warm meine müden Beine umschmeichelt. Regen schlägt unerbittlich und unablässig an mein Fenster, direkt neben meinem heimeligen gemütlichen Schreibplatz. Vor meinen Füßen wärmt ein Heizkörper meine müden Füße.

Ich verschränke die morgenkalten Finger meiner Hände, strecke sie und lasse dabei hörbar die Gelenke knacken. Mit schreibgestählten Fingern, als wäre ich ein Klaviervirtuose, greife ich nun beherzt in die Tasten.

"Ich hatte es schon geschrieben, aber natürlich ist das eine Stilfrage," brummele ich weiter. Nach jedem der Halbsätze schlürfe ich einen Schluck des brühend heißen Kaffees aus meiner so treuen alten Kaffeetasse, die mich bereits seit Jahrzehnten begleitet. Abgeblättert und mit einem fast unsichtbaren Sprung, funktioniert sie noch immer und beflügelt meinen Geist. So ist zumindest mein Denken und Fühlen.

Ich blicke über den Goldrand meiner Brille auf den glimmenden Bildschirm. Ich erröte ein wenig, teils durch die Helligkeit des Bildschirms, teils, weil ich mich in dieser Sekunde frage: War das zu hart?

Nein, denke ich. Das passt schon. Er fragt um den Kommentar und die Kritik. Kritik im Stile wohlmeinender Worte.

Ich schüttele meine Hände aus, muskulös und trainiert. Auf in den nächsten Satz. Mein schreibgebeugter Körper richtet sich erneut auf, wie, um Anlauf zu nehmen. Sogar ein unaufmerksamer Beobachter würde erkennen, was für ein sportlicher Mann ich einst war.

Das Alter wird mich weiter beugen, denke ich, ein wenig griesgrämig, alt werden ist einfach nicht schön, aber noch ist es nicht soweit. Noch habe ich die Zeit für Großes.

Mein klarer Verstand, diese wunderbare Maschinerie der skalpellscharfen Worte, beginnt bereits, den nächsten Satz zu formulieren und wie von selbst fließen weitere Worte aus meinen wirbelnden Fingern. Gelernt ist halt gelernt.

"Klarer Schreibstil, kurze Sätze, zumindest kürzere Sätze, wenig Schlenker innerhalb eines Satzes ... und weniger "beschreibend". Das würde ich präferieren."

Ich lächele versonnen. Das trifft genau, was ich meine. Mit mir selbst zufrieden leere ich mit geübtem Schwung den Rest des Kaffees in meinen Schlund. Wäre ich jetzt bei einem Dartswettkampf. Ich hätte den perfekten Wurf vollbracht. Ich grunze wohltönend und zufrieden.

"Schön aber, dass Du ein Stückchen von mir in Deinen Text eingebaut hast," füge ich, über mein ganzes Gesicht strahlend, hinzu. Es tut gut, wenn man gesehen wird. Selbst, wenn es nur ein kleines Stückchen ist.

Ich recke nun meine mächtigen, noch immer kräftigen Glieder und erhebe mich von meinem Schreibplatz. Es wird Zeit für einen Tee. Zu viel Kaffee tut nicht gut.  

Mit schlurfendem Schritt trotte ich zur Küche und setze den kalkverseuchten und inzwischen bleich gewordenen Wasserkessel auf. Der Kessel funktioniert, noch immer, mehr muss gar nicht sein und bald darauf beginnt das Wasser im Kessel vernehmlich zu fauchen.

Jetzt kann der weitere Morgen beginnen.

Mein harter, aber gleichzeitig präziser und doch so phantasievoller Blick schweift durch das Fenster in die gedankliche Ferne. Der Regen tränkt das Draußen immer noch in graue Farblosigkeit. Ich aber bin hier, im Warmen, in meinem bunten Reich der Worte. Welche Worte mögen meiner Feder wohl noch entströmen denke ich versonnen und ein klein wenig hoffend.

Weltliteratur, nach nicht weniger streben meine Sinne.
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Elodin
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BeitragVerfasst am: 06.11.2019 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ahorn,

ich habe es bis zur Hälfte geschafft. Der Text ist für mich total verwirrend. Es fühlt sich an als würdest Du Sätze bilden und mit vermeintlich Literarischen Worten verzieren. Manchmal weiß ich nicht wer spricht. Laut den meisten Schreibratgebern soll man direkte Reden mit "blabla", sagte er/sie und nicht mit zischt, knurrte, flucht … beenden. "Wir sind alleine", sagte sie verärgert.  Könnte ich mir vorstellen. Sätze wie die die Bewohner … würde ich vermeiden. Spontan, welche die Bewohner. Gleich am Anfang, diese Hütte, oder Gebäude, ist so groß wie eine Garage (das sind maximal 3x6 Meter) und hat 2 Aus/Eingänge? Na, kann ja sein. Es hat ein Fenster, wie viele Räume sollen da drinnen sein? Wie gelingt hier eine Flucht bei der in Anton nicht bemerkt? Für mich absolut unlogisch. Der Anton, der Hausherr... Vielleicht Anton, der Hausherr? Die nächsten Sätze sind für mich unlogisch, ein Er tat dies und Er tat jenes, es ist schwer, wer ist wer? Wenn Du den Akteur wechselst, solltest Du ihn vielleicht wieder beim Namen oder "Der Hausherr, der Eindringling" nennen.  Er hatte die Beute nicht mit in die Hütte getragen. Wer? Welche Beute? Der Dieb? Warum sollte er die Beute in die Hütte tragen? Der Hausherr? Der sucht sie drinnen, also der auch nicht. Ich freue mich auf die versprochenen Verbesserungen

LG Mathias


_________________
Liebe Grüße

Mathias
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 06.11.2019 12:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hübscher Text, wenn ich auch einiges anders geschrieben und vor allem mehr Gedankenstriche gesetzt hätte.
 Daumen hoch


_________________
LG
Ralphie
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ahorn
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BeitragVerfasst am: 06.11.2019 16:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herr Meier der Text hätte von mir sein können Pfiffig Blinzeln . Denn so ist es leider, fällt meistens der Kritiker in seine eigene Kritik und übersieht, bei seinen eigenen Textes, oft seinen eigenen Anspruch. Daher will ich nicht zu viele geschwafelte Worte an dich richten, klopfe dir lieber auf die Schulter.

Elodin
Zitat:
Laut den meisten Schreibratgebern soll man ...

Verwahre diese Lektüre in die letzte Ecke deines Bücherregals! Rolling Eyes
Hundertmal von einander abschrieben, ergeben diese Werke – obwohl das eine oder andere nützlich – eine Einheitsliteratur, bei der der Leser nicht mehr feststellt, von welchem Autor, welches Werk ist. Schreiben lernt man wie Fahrradfahren, indem man es ausprobiert, nicht durch lesen. Ich bin nur ein Stümper, weit weg von Literatur, aber ich hoffe – irgendwann – unverwechselbar.
Zu den Lautäußerungen!
Es ist in Kinderbüchern nicht unüblich, dass Enten schnattern, Bären brummen und Schlangen zischen, woraufhin diese Lautäußerungen bei derselben Literatur auf Menschen übertragen wird. Mit zunehmenden Alter der Leser muss es anspruchsvoller werden.
Ein Beispiel:
»Ich mag dich nicht«, zischte sie. (Kinderbuch)
»Ich mag dich nicht«, sagte sie, dabei vibrierte ihre Zunge, sodass die Worte zischend ihren Mund verließen. (Jugendbuch)
Sie war eine Schlange, wie bei diesen Kriechtieren üblich, hob sie ihren Rumpf, ihren Kopf, öffnete ihr Maul, bis ihre Giftzähne blitzten und ließ ihrer gespaltenen Zunge vibrieren. »Ich mag dich nicht.«
Womit sich der Kreis zu Herr Meiers Text wieder schließt.
Da lasse ich sie lieber zischen.

Was will ich damit sagen? Jede Szene hat, kann zumindest bei einem Roman seine eigene Sprache. Diese gezielt anzuwenden ist die Kunst – von der ich weit entfernt bin.

Ralphie, dich hätte ich fast vergessen – war ein Witz!
Das ‚hübsch‘ hättest du weglassen können, klinkt eher wie interessant oder lesbar. Allein die Tatsache, dass du den Text nicht zerrissen hast, Lob genug.

Spaß beiseite! Ich würde mich freuen, wenn – obwohl mein Text Überlänge – du mir meinem Text einer detaillierten Kritik unterzögest.


Liebe Grüße
Ahorn
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 06.11.2019 16:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Er flüchtete durch den Hinterausgang, hockte sich nieder und drückte seinen Oberkörper gegen die Bretterwand. Nachdem er sich vom Schreck des heimkehrenden Bewohners erholt hatte, lugte er um die Ecke der Hütte. Sein Weg war frei. Den Leihwagen hatte abseits der Piste abgestellt, von der die Zufahrt zu Antons Hütte abging.
Gebückt schlich er um die Ecke, spähte beim Passieren durch die verdreckte Fensterscheibe.
Anton stöberte durch sein Reich, welches kaum größer als die Fläche einer Standardgarage war. Was machte er hier? Nach seinen Informationen musste er woanders sein,
Er schlich weiter bis zur Veranda, bückte sich und ergriff eine Holzschatulle. Zumindest hatte er die Beute nicht mit in die Hütte genommen. Was ging es ihm an, warum dieser Einsiedler zu früh heimgekehrt war? Er hatte, was er wollte.

Ohne dem Hausbesitzer eines weiteren Blickes zu würdigen, erreichte er Antons vor der Hütte abgestellten Geländewagen, dann die erste Schirmakazie, die mit ihren Partnerinnen eine Allee bildete.
Weiter kam er nicht. Eine Frau erschien am Ende der Zufahrt. Mit einem Hechtsprung versteckte er sich hinter Antons Geländewagen, wobei ihm die Schatulle aus der Hand glitt und über den sandigen Boden schlitterte.

Ihm Stechschritt, wie ein Soldat, der unter dem Hemd eine Melone trug, kam sie näher. Keine Zeit für ihn, seine Beute in Sicherheit zu bringen.
Er kroch um den Wagen herum, hoffte darauf, nicht entdeckt zu werden. Die aparte Frau kannte er, hatte sie die ganzen Jahre beobachtet. Sie dagegen hatte ihn, nur einmal zu Gesicht bekommen. Das sollte so bleiben.
Er atmete auf, nachdem sie vorbeimarschiert war. Dann wendete sie, kam zurück, schnappte sich die schuhkartongroße Schatulle und stampfte weiter bis zur Hütte. Innerhalb von Sekunden hatte er ein Problem, zwei Hindernisse.

Den Oberkörper nach vorn gebeugt, schlich er zur Veranda. Die Tür war angelehnt. Er erblickte Anton. Sie sah er nicht. Daher stand sie, wie er vermutete, dich neben der Türzarge.
Anton strich fahrig durch sein ockerfarbenes, lockiges Haar. Ein Sonnenstrahl erleuchtete die grau melierten Schläfen, brach sich in den Schweißtropfen, die über das gegerbte Gesicht perlten. Er reckte seine behaarten Arme über den Kopf, zeigte seine kuchentellergroßen, mit gerissenen Schwielen überzogenen Handflächen. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und starrten förmlich ins nichts.

Anton trat einen Schritt zurück. »Mach dich nicht unglücklich!«, befahl er.
»Du bist es. Du bist das Schwein immer gewesen!«
»Nein!«, schrie er. »Er war auf einmal hier!«
»Wir sind allein! Die Schatulle!«
Er sah, wie sie ihren zarten nackten Fuß gegen die Kiste kickte.
»Hat wohl der Weihnachtsmann gebracht!«, gab sie erbost zurück.
Er zog seine Augenbrauen zusammen, versuchte, soweit die Situation es ihm zuließ, sich zu konzentrieren, zu erinnern. Die ersten Bilder unscharf, war er wieder im damaligen Geschehen. Er konnte schwören, dass er vorm betreten des Bunkers die Schatulle in seinen Kofferraum verwart, dann sie auf die Rückbank gelegt hatte. Damit war es unmöglich, dass sie die Schatulle erkannte, außerdem war sie bewusstlos gewesen. Die Hand am Genick, wandte er sich, ohne dass sie ihn sehen konnten, dem Gespräch in der Hütte zu. Eventuell erfuhr er, woher sie es wusste.

»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete Anton mit zitternder Stimme, dabei tastete sein Fuß nach hinten. »Denk an dein Kind.«
»Ich wollte das Kind nie haben!«
»Lass uns fahren.« Anton senkte den rechten Arm. »Du musst in die Klinik.«
»Warum hast du mich dann nicht wie verabredet vor einer Stunde abgeholt?«
Anton schüttelte seinen massigen Schädel. »Der Kühler war wieder defekt. Ich bin zurück!«
»Lüg nicht! Ich habe ihn letzten Monat geschweißt. Verrecken wolltest du mich lassen.« Sie stockte. »Wie damals«, schrie sie.
»Ich liebe dich«, gab Anton kund, gleichzeitig zuckte seine linke Wange.
»Abhauen!« Sie spuckte auf den Boden. »Die Kiste lag neben dem Land Rover!« Sie stellte ihren zierlichen Fuß auf die Schatulle. »Deinen Blutzoll nicht vergessen. Meine Mutter hast du schon vertrieben.«

Er schlug sich an die Stirn. Das Wort Mutter hatte ihn wachgerüttelt. Bevor er Klara befreit hatte, hatte er die Örtlichkeit observiert, seinen Volvo hinter einer Dünne geparkt. Es war somit durchaus möglich, dass seine Tochter, ehe er sie ins Land der Träume geschickt hatte, den Wagen gesehen und die Schatulle erkannt hatte. Denn ihr hatte er sie gezeigt, die Geschichte dazu erzählt. Der nächste Schritt plausible, Klara und sie waren Freundinnen. Glaubte er unzweifelhaft bis zu diesem Moment.

Anton schritt auf Klara zu und lenkte damit seine die Aufmerksamkeit erneut auf die Anwesenden.
»Wir haben uns nicht mehr verstanden.«

Die Mündung einer zweiläufigen Schrotflinte erschien, direkt auf Anton gerichtet in seinem Blickfeld. Diese Wendung sollte die Geschichte nicht einschlagen. Zumindest hätte sich ein Problem für ihn gelöst. Sie traf eine Kobra in einem Abstand von hundert Metern zwischen deren Augen.
»Reingehen! Sie überzeugen?«, murmelte er und zupfte an seiner Oberlippe. Er schüttelte den Kopf. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte, trieb ihren Schädel durch die Wand, machte keine Gefangene und, genauso sarkastisch wie es klang, schritt über Leichen.
»Hineinstürmen den Lauf erfassen?«, brummelte er, bei der Entfernung das Todesurteil für ihn.

Er schaute sich um, erblickte den Spaten, mit dem er zuvor die Holzdiele aus der Veranda gebrochen hatte.
Den Spaten überm Schädel, schob er seinen Oberkörper durch den Türspalt, zwinkerte Anton zu. Der glotze ihn an, richtete seinen Arm auf ihn.
Der Zeigefinger von Klara näherte sich dem Abzug. Keine Zeit, mehr zu zögern. Sein Arm schnellte vor und der Spaten sauste auf den Kopf der Schwangeren. Woraufhin sie vor Anton den Holzdielen entgegenstürzte und der Donner eines Schusses durch die Luft bebte. Putz rieselte von der Decke. Ein zweiter Knall schlug durch den Raum.

Die Wucht des Aufpralls der Schrottkörner schleuderte Antons Körper zu Boden und Blut quoll aus seiner Schulter.

Er sah sich um. Die Schatulle! Er schnappte sie sich und rannte weiter. Nur raus aus der Hütte.
An Antons Landrovers angekommen warf er die Beute auf die Ladefläche, schritt zur Fahrerseite, blieb stehen, senkte sein Haupt, schüttelte es. Hatte er sie nicht schon einmal ohne Hilfe ihrem Schicksal überlassen. Er kehrte um.

Zurück in der Hütte trat er an Antons Körper, kniete sich nieder. Seine Fingerspitzen betasteten den leblosen Schädel, berührte die klaffende Wunde an der Schulter. Der Kerl hatte Glück, unter Umständen später Probleme, aber sterben würde er nicht. Er wedelte mit der Hand vor der eigenen Nase. Wenigstens würde er sich an nichts erinnern. Die Fahne flatterte ihm meterweit voraus. Dabei trank Anton nie, zumindest nicht um diese Uhrzeit.
 Er erhob sich, verzog sein Gesicht und schmetterte den rechten Fuß an Antons rechtes Bein. »Vollidiot!«, zischte er.

 Dann wandte er sich Klara zu, die reglos auf den Dielen lag. Mit blutbefleckten Fingern drehte er die Schwangere auf den Rücken. Sein Atem röchelte. Er legte einen Arm unter ihr Genick, den Anderen unterhalb ihrer Knie. Stemmte sie in die Höhe. Die Dielen knarrten bei jedem Schritt. Er trug sie aus dem Haus, stampfte zu Antons grünen Geländewagen. Mit einem Finger öffnete er die Beifahrertür, platzierte den schlafen Körper auf den Sitz. Den Oberkörper gebeugt, schnappte er nach Luft und fischte eine schwarze Sonnenbrille aus der Brusttasche des Hemdes, setzte sie auf, schlug die Autotür zu. Mit ausladenden Schritten rannte er um den Wagen, sprang auf den Fahrersitz. Der Motor heulte auf. Eine Staubwolke hinter sich herziehend, raste er über die sandige Piste.

 Abermals schmetterte ein Schuss durch die Stille, sodass ein Schwarm Webervögel aus der Krone einer Akazie emporflog. Nachdem die Vogelwelt wieder zur Ruhe gekommen war, rannte ein Mann in einem schwarzen Gewand aus der Hütte. Er trug eine Schrotflinte unter dem Arm und spurtete zu einem Buschwerk. Ein Motor heulte auf und er fuhr mit einem zitronenfarbenen Jeep davon.

Fünfzig Kilometer entfernt.

Eine Frau in einem hellblauen Kleid, mit kalkweißer Schürze, einer Haube auf ihrem gelockten, schwarzen Haar hetzte über eine hölzerne Veranda eines kalkig, getünchten Gebäude. Sie drückte ihr Becken an das Geländer, legte eine Hand flach an ihre Augenbrauen, sah nach rechts, nach links, drehte sich um, verschwand im Haus.
Ein Herr mit sandfarbenen Hemd, gleichfarbiger Hose trat auf die Veranda. Die Schwarzhaarige folgte ihm.
Sie presste die Hände an ihre kaffeebraunen faltigen Wangen. »Doc, wo bleibt der Simon?«, schluchzte sie.
Doc hob den Kopf, hielt seine Hakennase in den Wind. »Wenn er überhaupt durchkommt.« Er stöhnte und zeigte den Hang herab. »Beth das Feuer kommt immer näher!« Er griff mit beiden Händen in sein kurz abgeschorenes hellbraunes Haar, das an den Ohren silbrig glänzte. »So ein heftiges Buschfeuer habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.« Die schmächtigen Arme ausgebreitet schaute er sie an. »Es hat bestimmt die Hauptstraße schon erreicht«, pustete er. »Dann ist ein Durchkommen möglich.«
Beth bedeckte erneut ihr Gesicht, wackelte mit dem Kopf und schlich ins Haus. Doc schloss seine Augen, atmete tief ein, folgte ihr mit einer auf der hohen Stirn gelegten Hand.

Sein grüner Geländewagen, zog eine Staubwolke hinter sich her, als er vor dem Holzhaus hielt. Er sprang aus dem Gefährt und ein kräftiger Windzug trieb Sand durch sein kurzes blauschwarzes Haar. Mit einer Hand das Gesicht bedeckt, marschierte er um das Fahrzeug herum. Er öffnete die Beifahrertür, stemmte die bewusstlose Frau auf seine Arme.

Doc trat auf die Veranda. »Was willst du hier«, brüllte er ihm entgegen, stampfte auf ihn zu, untersuchte die Schwangere, füllte ihren Puls. »Sie ist ohnmächtig«, diagnostizierte er. »Wir bringen sie rein. Beth muss sich um sie kümmern.«

Ein paar Wimpernschläge später erschienen sie wieder, eine Krankentrage mit den Händen ergriffen.
»Vom Baum ist sie gefallen?«Er stöhnte unter der für ihn ungewohnten Last.
»Quatsch. Ich dachte, du hättest es gleich gesehen«, empörte Doc sich. »Eine Kapcopra hat sie gebissen!«
»Du bist Arzt! Hast du kein Serum?«, fragte er.
Doc rollte mit den Augen. »Dann hätte ich es ihr gegeben!«

Die Männer wuchteten die Trage auf die Ladefläche des Geländewagens.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Wo ist euer Krankenwagen?«,
»Kerl«, zischte der Arzt. »Kannst du aufhören, Dumme fragen zu stellen!«, zürnte er und sprang auf die Ladefläche. »Der Sanitätswagen hat einen Motorschaden und Simon ist mit dem Golf zur Notfallzentrale Serum besorgen«, gab er ihm entrüstet zu verstehen und versuchte die Trage zu befestigen.
»Doc. Wir fahren ihm entgegen!«
»Wir! Sag du mir vielmehr, warum du mit Antons Landrover hier auftauchst und nicht er, wie verabredet.«
Er faste sich ans Genick und senkte den Blick. »Er ist unabkömmlich.«

In eine kurze Stille erklang das Schreien eines Babys.
»Vergiss es«, zischte Doc und deutete die Einfahrt herunter. »Wenn Simon durch den Brand durchgekommen wäre, wäre er längst hier. Vor zwei Stunden war das Feuer nahe am Zedernwald, wenn der brennt, gibt es keinen Weg mehr ins Tal.«

Eine junge Frau in einem hellblauen Kleid erschien an einer Hausecke, zupfte an ihrer blütenweißer Schürze.
Sie winkte den Arzt zu. »Wartete, ich komme mit!«
»Bleib bei dem Kind!«, entgegnete der Mediziner. »Die Fahrt wird zu gefährlich.«
»Alles gut.« Sie sah zum Gebäude. »Beth ist da! Und ich kenne keine Angst.«
»Nein!«
»Außerdem ist Tina da.«
»Die ist schon weg.«
»Bitte!«

Doc schüttelte den Kopf. »In Ordnung, geh rein und bring die lütte Ledertasche.« Er deutete den Weg entlang, von dem der andere gekommen war. »Wir müssen rauf nach Lesotho. Gleich hinter der Grenze wohnt ein Medizinmann!«
Der Mann mit der Sonnenbrille tippte mit einem Zeigefinger an seine faltige Schläfe. »Der alte Tom, wie soll dieser Quacksalber ihr helfen«, grunzte er.
Die verschwitzte Stirn in Falten gelegte, hob Doc die Schultern. »Alt ja. Verschroben ok.« Er grinste. »Aber nicht dumm. Er hat Serum!« Er wandte sich ab. »Vertraue mir!«
»Dir soll ich vertrauen, auf dich kann man nicht bauen«, schrie der Mann den Arzt an und schritt zur Fahrertür.
»Das musst du sagen«, wieherte es von der Ladefläche.

Die blutjunge Frau im hellblauen Kleid hüpfte die hölzerne Treppe des Hauses herab. Sie rannte zum Wagen. Mit der Linken bändigte sie ihre Haare, die wie eine Fahne im Wind flatterten, mit einem Haargummi, sprang, ohne sich umzusehen, auf den Beifahrersitz.
»Schnall dich an«, schrie Doc von der Ladefläche. »Der Idiot hat einen rasanten Fahrstil«.
Der Motor heulte auf, die Räder drehten durch und das Fahrzeug raste davon.

Ein zitronenfarbener Jeep folgte ihnen.

Dreizehn Jahre später.

Wie ein Pennäler, der auf den Prüfer wartete, schlich er die Straße auf und ab. Er wollte sich endlich Gewissheit verschaffen. Jedes Mal, wenn seine Tochter von dem Thema anfing, hatte er sie für verrückt erklärt. Ganz sauber im Kopf war sie nie gewesen. Wie ihre Mutter lebte sie oft in ihrer eigenen Welt, verbog die Realität, bis diese ihr passte.
Es war alles absurd. Mehrmals geprüft hatte er die Fakten, aber keine Gegensätze, keinen Schwindel entdeckt. Einmal hatte er sie gesehen. Sie war nicht mehr wie früher, älter, gereifter. Kein Grund, ihr etwas anzudichten. Komisch, merkwürdig mitunter schräg, unkonventionell erschien sie ihm, dennoch ihre Sache.

Die Andeutungen des betrunkenen Alten, den er mit Vergnügen hinter Gittern gesehen hätte, brachten ihm kein deut weiter.
Er schlug mehrmals an seine Stirn. Unerfahren war er gewesen. Verwickelte sich selbst ins Netz. Geschichte! Vergessen! Ihm zu trauen, wäre wie einem hungrigen Löwen einen Zahn zu ziehen.

Sogar an den Ort des Geschehens war er gereist. Die Papiere, die er eingesehen hatte, bestanden jeder Kontrolle. Indes die Gerüchte trieben ihn weiter. Die eine Spur, die ihn zweifelte. Erneut eine Verrückte, in der er sich verliebt hatte. Er zog diese Frauen an. Dabei witterte er, dass sie keine Mörderin war. Seine mehrjährige Erfahrung und seine Annahme heute zu wissen, wer damals der Täter war, untermauerten sein Gefühl. Trotzdem war sie irrsinnig. Getrieben von dem Wahn, jemand anders zu sein. Er ließ sie aus Liebe in ihrem Glauben. Die endlosen Verhöre, die jahrelange Haft zermürbten jeden, ob schuldig oder unschuldig. Erst recht, als einzige Weiße in einem afrikanischen Kerker. Er brauchte ihre Erklärungen nicht, um sich vorzustellen, was sie mit ihr angestellt hatten. Es war ein Unrechtsstaat, in dem zuvor diese von Apartheid getriebene Über-Rasse die angestammte Bevölkerung ausgebeutet, unterdrückt und versklavt hatte. Verständlich ihre Rache.

Er blieb vor dem prunkvollen Portikus eines Hauses stehen.

Wie oft war er früher durch den Eingang geschritten, erinnerte er sich. Wieder so ein Zufall. Nein! Ursache - Wirkung. Stände er vor einem anderen Gebäude, würde er sich darüber keinen Gedanken machen.
Er sah vor seinem inneren Auge die stuckverzierten Decken, hörte die knarrenden Dielen unter den Füßen und roch den modrigen Dunst, der vergilbten Tapete. Er ballte die Hände. Die schnarrende Stimme der missliebigen Schwiegermutter echote in seinem Gehirn. Dem grässlichen Weib, das seine Ehe zerstört hatte. Ihn als Fremden gehasst und verabscheut hatte.

Er zog einen Brief aus der Jacketttasche. Lesen, brauchte er ihn nicht, er kannte ihn auswendig, trotzdem faltete er ihn auf, starrte auf die Schrift.

»Misch dich nicht ein«, murmelte er. Es war ein Teil seines Lebens und in das sollte er sich nicht einmischen. »Ich hohle mein, werd immer der Beschützer sein«, flüsterte er.
Er verabscheute miserable Reime, zeigten sie ihm, wie krank das Gehirn des Schreibers war, dennoch beunruhigte ihm der Inhalt. Was zwischen den Zeilen stand, war wichtiger, als die Worte, die auf dem Papier standen. Hatte er die ganzen Jahre falsch gelegen? Die ersten neuen Indizien wissen darauf hin. Es war ein Kinderstreich gewesen! Warum dann der Brief? Er erahnte den wahren Kern. War er ein Spielball von fiebrigen Gehirnen, eher Opfer als Täter? Die Vorkommnisse gelenkt. Er war ein Ermittler, ein Genie seines Faches, weder Lamm noch Schurke.

Ein schmächtiger blonder Junge, schleppte, gebückt unter der Last eines Ranzens, seine dünnen Beine über den Bürgersteig. Den Kopf gesenkt, erreichte er den Hauseingang, schloss auf und betrat das Gebäude.

Er ergriff die Gunst der Stunde, schlüpfte unbemerkt hinein; erst einmal verstecken. Den richtigen Zeitpunkt wählen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dann? Er hoffte, dass die Beweise negativ, er sein Leben in der bisherigen Bahn weiterführen konnte. Der Brief für sich doch nur ein Kinderstreich war. Wenn nicht? Wenn alles den Tatsachen entsprach? Entweder er nahm wie damals die Tat unter den Mantel des Stillschweigens. Oder!?
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 06.11.2019 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

@ahorn,

wie wäre es, wenn du uns am Anfang der Geschichte den Namen der handelnden Person verraten würdest. Dann brauchtest du uns nicht tausend Pronomen lang im Unklaren zu lassen. Und dann solltest du vielleicht daran denken, dass ein vollständiger Satz immer aus Subjekt und Prädikat besteht.


_________________
LG
Ralphie
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 07.11.2019 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

ahorn hat Folgendes geschrieben:
Herr Meier der Text hätte von mir sein können Pfiffig Blinzeln . .......

Liebe Grüße
Ahorn


Ich hatte auch tatsächlich nur, um für den Tag warm zu werden ... ein wenig Wortchamäleon gespielt Wink
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Graven
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BeitragVerfasst am: 07.11.2019 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ahorn

Es liest sich schon viel angenehmer. Jetzt versteckt sich die Geschichte nicht mehr hinter lustigen Wörtern. Außer das „befahl“ er. Laughing

Du weigerst Dich, kurzes Stück einzustellen. Ich weigere mich, alles zu lesen. Wink  




ahorn hat Folgendes geschrieben:
Er flüchtete durch den Hinterausgang, hockte sich nieder und drückte seinen Oberkörper gegen die Bretterwand. Nachdem er sich vom Schreck des heimkehrenden Bewohners erholt hatte, lugte er um die Ecke der Hütte. Sein Weg war frei. Den Leihwagen hatte abseits der Piste abgestellt, von der die Zufahrt zu Antons Hütte abging.
Gebückt schlich er um die Ecke, spähte beim Passieren durch die verdreckte Fensterscheibe.
Anton stöberte durch sein Reich, welches kaum größer als die Fläche einer Standardgarage war. Was machte er hier? Nach seinen Informationen musste er woanders sein,
Er schlich weiter bis zur Veranda, bückte sich und ergriff eine eine ist so unbestimmt. Er weiß, wonach er greift. Ich würde es durch „die“ oder sogar noch etwas prägnanter schreiben Holzschatulle. Zumindest hatte er die Beute nicht mit in die Hütte genommen. Was ging es ihm an, klingt für mich nicht so passend. Vielleicht „auch wenn“ ohne warum warum dieser Einsiedler zu früh heimgekehrt war? Er hatte, was er wollte.

Ohne dem Hausbesitzer eines weiteren Blickes zu würdigen, erreichte er Antons vor der Hütte abgestellten Geländewagen, dann die erste Schirmakazie, die mit ihren Partnerinnen eine Allee bildete.
Weiter kam er nicht. Eine Frau erschien am Ende der Zufahrt. Mit einem Hechtsprung versteckte er sich hinter Antons Geländewagen, wobei ihm die Schatulle aus der Hand glitt und über den sandigen Boden schlitterte.

Ihm Stechschritt, wie ein Soldat, der unter dem Hemd eine Melone trug, kam sie näher. Keine Zeit für ihn, seine Beute in Sicherheit zu bringen.
Er kroch um den Wagen herum, hoffte darauf, nicht entdeckt zu werden. Die aparte Frau kannte er, hatte sie die ganzen Jahre beobachtet. Sie dagegen hatte ihn, nur einmal zu Gesicht bekommen. Das sollte so bleiben.
Er atmete auf, nachdem sie vorbeimarschiert war. Dann wendete sie, kam zurück, schnappte sich die schuhkartongroße Schatulle und stampfte weiter bis zur Hütte. Innerhalb von Sekunden hatte er ein Problem, zwei Hindernisse.

Den Oberkörper nach vorn gebeugt, schlich er zur Veranda. Die Tür war angelehnt. Er erblickte Anton. Sie sah er nicht. Daher stand sie, wie er vermutete, dich neben der Türzarge.
Anton strich fahrig durch sein ockerfarbenes, lockiges Haar. Ein Sonnenstrahl erleuchtete die grau melierten Schläfen, brach sich in den Schweißtropfen, die über das gegerbte Gesicht perlten. Er reckte seine behaarten Arme über den Kopf, zeigte seine kuchentellergroßen, mit gerissenen Schwielen überzogenen Handflächen. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und starrten förmlich ins nichts.

Anton trat einen Schritt zurück. »Mach dich nicht unglücklich!«, befahl er.
»Du bist es. Du bist das Schwein immer gewesen!«
»Nein!«, schrie er. »Er war auf einmal hier!«
»Wir sind allein! Die Schatulle!«
Er sah, wie sie ihren zarten nackten Fuß gegen die Kiste kickte.
»Hat wohl der Weihnachtsmann gebracht!«, gab sie erbost zurück.
Er zog seine Augenbrauen zusammen, versuchte, soweit die Situation es ihm zuließ, sich zu konzentrieren, zu erinnern. Die ersten Bilder unscharf, war er wieder im damaligen Geschehen. Er konnte schwören, dass er vorm betreten des Bunkers die Schatulle in seinen Kofferraum verwart, dann sie auf die Rückbank gelegt hatte. Damit war es unmöglich, dass sie die Schatulle erkannte, außerdem war sie bewusstlos gewesen. Die Hand am Genick, wandte er sich, ohne dass sie ihn sehen konnten, dem Gespräch in der Hütte zu. Eventuell erfuhr er, woher sie es wusste.

»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete Anton mit zitternder Stimme, dabei tastete sein Fuß nach hinten. »Denk an dein Kind.«
»Ich wollte das Kind nie haben!«
»Lass uns fahren.« Anton senkte den rechten Arm. »Du musst in die Klinik.«
»Warum hast du mich dann nicht wie verabredet vor einer Stunde abgeholt?«
Anton schüttelte seinen massigen Schädel. »Der Kühler war wieder defekt. Ich bin zurück!«
»Lüg nicht! Ich habe ihn letzten Monat geschweißt. Verrecken wolltest du mich lassen.« Sie stockte. »Wie damals«, schrie sie.
»Ich liebe dich«, gab Anton kund, gleichzeitig zuckte seine linke Wange.
»Abhauen!« Sie spuckte auf den Boden. »Die Kiste lag neben dem Land Rover!« Sie stellte ihren zierlichen Fuß auf die Schatulle. »Deinen Blutzoll nicht vergessen. Meine Mutter hast du schon vertrieben.«
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 07.11.2019 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Graven hat Folgendes geschrieben:
Hallo ahorn

Du weigerst Dich, kurzes Stück einzustellen. Ich weigere mich, alles zu lesen. Wink  



 Laughing Laughing
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ahorn
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Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 15.11.2019 00:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Graven,
Zitat:
Mein Herz ließ es nicht zu

Diese Metapher umschreibt eine emotionale Handlung, dagegen ist "weigern" eine eher kognitive Entscheidung. angel
Trotzdem nehme ich deine Hinweise - der Plural ist wohl gewählt - auf.
Das mit der Kiste pflege ich ein.
Befahl finde ich im Zusammenhang weniger dramatisch, da dieser Ausdruck eine gewisse Abhängigkeit ausdrückt.
Und drittens:
Ich kann auch kurz!

Texte einstellen. Was denkst du denn?

Gruß
Ahorn
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