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Warum man schreibt, und: für wen.

 

 
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Soleatus
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Beiträge: 787



BeitragVerfasst am: 03.11.2019 17:49    Titel: Warum man schreibt, und: für wen. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Im Bemühen, auch tagesaktuell zu lesen, habe ich gerade bei der NZZ vorbeigeschaut und dort gefunden: Was bleibt von der Literatur, für wen und wozu? von Felix Philipp Ingold. Daraus:

Kein Autor, keine Autorin schreibt in diesen schnelllebigen Zeiten für "später", für den Kanon oder gar die Ewigkeit. Heutige Literatur ist fast durchweg auf leichte und rasche Rezeption angelegt. Kurzfristige Wirkung, beglaubigt durch den Tageserfolg, zählt mehr als überzeitliche Gültigkeit: Man hangelt sich von Stipendium zu Stipendium, von Auftritt zu Auftritt, von Preis zu Preis und scheint sich damit abzufinden, dass heutige Literatur schon morgen gestrige Literatur gewesen sein wird.

Worüber man nachdenken kann - auch formal: "gewesen sein wird"?! Mich hat es erheitert, weil ich die Stunden davor bei Menschen zugebracht habe, die das anders sehen - einem Deutschen des 17. Jahrhunderts, Adam Olearius, der einen Perser des 13. Jahrhunderts, Saadi, übersetzt hat in die damals üblichen Alexandriner:

Dies Buch wird dau’rhaft sein und an den Jahren kleben,
Nachdem mein Staub sich hat an seinen Ort begeben.
Ich sehe, dass mein Leib nicht bleibt, er muss dahin;
Drum will ich, dass man weiß, dass ich gewesen bin.


Wahrscheinlich hat sich nur die Art geändert, in der es sich verwirklicht, weg von den Büchern; aber es wunderte mich, wäre es heute nicht mehr Triebkraft, dieses

Drum will ich, dass man weiß, dass ich gewesen bin.

Das ist mal wieder so ein Vers, der bei mir bleiben wird.
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 185



BeitragVerfasst am: 03.11.2019 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

... und hier fürchten sich so viele vor den Fremden.
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kioto
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 66
Beiträge: 337
Wohnort: Rendsburg


BeitragVerfasst am: 03.11.2019 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Dies "Drum will ich, dass man weiß, dass ich gewesen bin." ist eigentlich eine stark egozentrische Triebfeder, die letztendlich in allen Lebensbereichen greift.

Sie trieb schon Ramses dazu, die große Pyramide und Abu Simbel zu bauen, Napoleon und Hitler in die russischen Weiten und die Entdecker an entlegene Orte und manchmal in den Tod oder ruinierte wie Ludwig der II die bayrische Staatskasse.

Natürlich sind Autoren auch nicht gegen so was gefeit, aber ich glaube eher, dass vieles, was heute als Meisterwerk der Literatur gilt, aus anderen Motiven geschrieben wurde.


_________________
Stanislav Lem: Literatur versucht, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich zu beschreiben, man erfährt fast alles über fast nichts.
Phantastik beschreibt ungewöhnliche Dinge (leider m.M.) meist gewöhnlich, man erfährt fast nicht über fast alles.

Gruß, Werner am NO-Kanal
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 56
Beiträge: 643

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 03.11.2019 20:09    Titel: Antworten mit Zitat

Das muss nicht gleich diese größenwahnsinnige Komponente haben. Von meinen Vorfahren hätte ich sehr gern mehr Schriftliches. Tatsächlich gibt es da einen Schriftsteller in der Großelterngeneration, aber eigentlich hätten mich ein paar Notizen aus dem Leben auch sehr interessiert. Weil eben das, was vor mir war, auch mich geprägt hat, in welcher Weise auch immer.

Für den schnellen Konsum schreiben ist ein bisschen traurig. Man merkt das den Werken ja auch an, das ist immer dasselbe, halt wie jeden Tag Kartoffelsalat, man kennt die Tricks irgendwann alle.

Bei einigen Schriftstellern bin ich sehr, sehr froh, dass sie mal gewesen sind und sie haben ihren Wunsch erfüllt, sich unsterblich zu machen.

Wobei das ja trotzdem ein komischer Wunsch ist, weil man davon ja gar nichts mehr merkt.
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kioto
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 66
Beiträge: 337
Wohnort: Rendsburg


BeitragVerfasst am: 03.11.2019 21:05    Titel: Antworten mit Zitat

Babella hat Folgendes geschrieben:

....
Für den schnellen Konsum schreiben ist ein bisschen traurig. Man merkt das den Werken ja auch an, das ist immer dasselbe, halt wie jeden Tag Kartoffelsalat, man kennt die Tricks irgendwann alle.
.....


Ich glaube, das liegt am Alter und der Erfahrung. Wenn man jung ist, freut man sich an den buten Gefieder und den Formen der Vögel, wenn man älter wird, erkennt man, da ist immer das selbe Gerippe darunter.
Aber natürlich auch daran, dass man selber dauernd versucht, Geschichten zu konstruieren. Bei mir habe ich den Verdacht, dass mir das den Genuss von Buch und Film immer mehr beeinträchtigt, leider.


_________________
Stanislav Lem: Literatur versucht, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich zu beschreiben, man erfährt fast alles über fast nichts.
Phantastik beschreibt ungewöhnliche Dinge (leider m.M.) meist gewöhnlich, man erfährt fast nicht über fast alles.

Gruß, Werner am NO-Kanal
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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 39
Beiträge: 740
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 04.11.2019 07:48    Titel: Antworten mit Zitat

kioto hat Folgendes geschrieben:
Aber natürlich auch daran, dass man selber dauernd versucht, Geschichten zu konstruieren. Bei mir habe ich den Verdacht, dass mir das den Genuss von Buch und Film immer mehr beeinträchtigt, leider.

Wohl wahr.
Je mehr ich mich mit der Materie auskenne, desto weniger kann ich mich in ihr verlieren.
Sei es in Büchern, bei Musik oder beim Film. Der Zauber fällt durch das Wissen viel schneller ab. Leider.


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- Das Mahnmal (2019)
- Schatten des Zorns (2020)
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1951
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 04.11.2019 08:15    Titel: Antworten mit Zitat

Was ich schreibe, ist meist eine Antwort auf ein beredtes Schweigen, taugt vielleicht bei meinem aktuellen Projekt sogar, wenn es fertig, ist für einen Nischenmarkt-Dauerbrenner (ich bin jetzt mal optimistisch) und ich schreibe tatsächlich, um am Ende nicht gefehlt zu haben. Stelle ich gerade, angeregt durch das Eingangsposting, fest. Danke Soleatus. smile

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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Maunzilla
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 113



BeitragVerfasst am: 04.11.2019 08:50    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist nur eine Vermutung, aber ich glaube, daß heutzutage zu viele Autoren selbstverliebte Egozentriker sind, die nur um sich selbst kreisen, ihre eigenen Erfahrungen und Befindlichkeiten beschreiben. Hinzu kommt, daß viele von ihnen auch als Journalisten arbeiten und daher auch ihre litterarischen Werke sich stärker an politischen und gesellschaftlichen Aktualitäten orientieren, welche naturgemäß rasch überholt und für die Leser uninteressant sind. Oder wer mag heute noch einen Roman lesen, in dem es um badische Politik der 1820er Jahre geht? Und umgekehrt, wie interessant ist der 1001ste Roman, in dem ein desillusionierter, beziehungsgestörter Mittdreißiger über die Sinnentleertheit seines konsumorientierten Lebens lamentiert, derweil er sich durch die Betten der Großstadt vögelt?

Die Autoren, welche die Zeiten überdauert haben, schrieben stets über allgemeine menschliche Erfahrungen oder große historische Begebenheiten.

Was heute eindeutig fehlt, sind die großen Volksschriftsteller: Autoren, die zwar für das Volk schreiben, aber keine Kolportage produzieren. Ein Autor, wie Karl May beispielsweise, der in seinen Werke stets ernste Themen, wie Völkerverständigung und den Weltfrieden thematisierte, dies jedoch nicht in einer verkopften, philosophischen Weise tat, die nur eine Handvoll Intellektuelle anspricht, sondern in interessante Geschichten verpackte, welche Millionen Leser erreichte und zum Nachdenken anregte.


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"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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Gliese581
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 135
Wohnort: Sankt Augustin


BeitragVerfasst am: 04.11.2019 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hab gerade ein Interview mit Hannes Wader gehört. Er hat sein erstes Buch geschrieben. Im Interview zitiert er: "Ich hasse es zu schreiben, aber ich liebe es geschrieben zu haben."
Genau so empfinde ich es auch Confused .


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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Albert Einstein
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 185



BeitragVerfasst am: 04.11.2019 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:


Was heute eindeutig fehlt, sind die großen Volksschriftsteller: Autoren, die zwar für das Volk schreiben, aber keine Kolportage produzieren. Ein Autor, wie Karl May beispielsweise, der in seinen Werke stets ernste Themen, wie Völkerverständigung und den Weltfrieden thematisierte, dies jedoch nicht in einer verkopften, philosophischen Weise tat, die nur eine Handvoll Intellektuelle anspricht, sondern in interessante Geschichten verpackte, welche Millionen Leser erreichte und zum Nachdenken anregte.


Zwei löbliche Absichten: keine Kolportage und für Leser verständlich und zum Nachdenken anregend schreiben.
So weit so gut. Wer würde dem in seiner ganzen abstrakten Blumigkeit nicht zustimmen wollen.
Insofern will ich dir dann auch nichts unterstellen, aber dass du diesem Anspruch von vornherein mit den Begriffen Volk und Volksschriftsteller Richtung geben willst und als Beispiel ausgerechnet Karl May anführst, das macht mich schon stutzig. Das sind Begriffe, die stellt man – wenn man mit einer gewissen intellektuellen Redlichkeit an die Sache herangehen will – nicht so einfach in den Raum. Die sind geschichtlich vielfach und auf teilweise höchst problematische Weise konnotiert.

Ich wünschte mir, du hättest präziser argumentiert.

Ansonsten fand ich heute ein schönes Haiku im Forum, auf das verweise ich nicht nur, das zitiere ich hier:

Zitat:
überm Feld weht der Rauch
zu viel heiße Luft
die Welt kocht über
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 56
Beiträge: 643

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 04.11.2019 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

kioto hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube, das liegt am Alter und der Erfahrung. Wenn man jung ist, freut man sich an den buten Gefieder und den Formen der Vögel, wenn man älter wird, erkennt man, da ist immer das selbe Gerippe darunter.


Das ist ja gerade der Unterschied. Es gibt Bücher, die die Zeit überdauern. Bei denen entdeckt man auch beim dritten Lesen noch etwas Neues. Und dann gibt es die, die in ein paar Jahren nicht mehr interessant sind, weil Dutzendware. Diese Art von Langeweile wächst natürlich mit zunehmender Leseerfahrung.

kioto hat Folgendes geschrieben:
Aber natürlich auch daran, dass man selber dauernd versucht, Geschichten zu konstruieren. Bei mir habe ich den Verdacht, dass mir das den Genuss von Buch und Film immer mehr beeinträchtigt, leider.


Bei mir ist das eher umgekehrt. Lesen inspiriert mich nach wie vor, ich möchte dann gleich selbst wieder etwas machen, und andererseits frage ich mich, warum ich all dieser Literatur überhaupt noch was hinzufügen will. Aber auch hier kommt es drauf an, was ich lese. Natürlich.
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Soleatus
Autor


Beiträge: 787



BeitragVerfasst am: 04.11.2019 23:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Über das, was Ingold da sagt, nachgedacht habend: Kann man denn, so ganz grundsätzlich, "für später schreiben"? Das mit dem "auf leichte und rasche Rezeption angelegt": Hm. Keine Ahnung, dafür lese ich viel zu wenig "heutiges"; aber wenn, lege ich es auch schnell wieder weg, meist mit einem Stirnrunzeln. Meint, da fehlt mir etwas, das ich in älteren Texten finde; aber ob sich die nun eher "an der Ewigkeit" ausgerichtet haben, scheint mir doch fragwürdig.
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 57
Beiträge: 33
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 05.11.2019 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, geschrieben für die Ewigkeit ... neee ...
Damit ein Text so sein kann,
müsste die Sprache mehr oder weniger stehenbleiben.

Wer liest heute noch Shakespeare? Oder Goethe?
Oder auch nur was vom Beginn des letzten Jahrhunderts?
Ein paar Liebhaber ... aber sonst?

"Sogar" Karl May, der so volkstümelnde und SEHR blümelnde Schriftsteller ...
Oder, ein viel besseres Beispiel und visionärer, Jules Verne.

Noch nicht mal die Kids lesen ihn heutzutage noch. Glaube ich.
Zumindest in den Büchereien gibt es sie nur noch vereinzelt.

Kein Vergleich zu meiner Jugend ... da war das alles noch STOFF.

Dieser Stoff funktioniert nur noch in der Grabbelkiste der Animationsfilme.
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 57
Beiträge: 33
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 05.11.2019 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Aber ich will es nicht ins Lächerliche ziehen oder ironisieren.

Leichte Kost ...
wer heute vom Schreiben lebt, MUSS zumindest verdauliche Kost liefern.

Wenn diese verdauliche Kost dann auch noch gut ist ...
um so besser ...
dann kann es sein, dass sie in zehn, zwanzig Jahren noch gelesen wird.

Aber echte Klassiker?
Wer kann das heute noch.

Warten wir also auf den ersten echten neuen Klassiker.
Mit dem später Deutsch-Schüler gequält werden können Cool ,
da auch ein solcher neuer Klassiker einmal angestaubt wirken wird.

Ich erinnere nur an die Qual inzwischen mehrfacher Schülergenerationen,
wenn sie mit Dürrenmatt traktiert werden.
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 102
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 05.11.2019 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

Herr Meier hat Folgendes geschrieben:


Ich erinnere nur an die Qual inzwischen mehrfacher Schülergenerationen,
wenn sie mit Dürrenmatt traktiert werden.


Ist das inzwischen so? Meine Kids lasen Dürrenmatt noch ganz gerne im Deutschunterricht. Der ist doch gerade ein Beispiel dafür, dass Weltliteratur
sehr unterhaltsam sein kann. (Die Physiker, Der Besuch der Alten Dame, die Krimis)  
Wenn du jetzt Thomas Mann genannt hättest...

LG
Dlurie


_________________
Aus Hitler und Stalin lassen sich keine Wallensteine mehr machen.
(F. Dürrenmatt, Theaterprobleme)
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Taranisa
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 50
Beiträge: 926
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 05.11.2019 11:46    Titel: Antworten mit Zitat

Warum ich schreibe? Weil es Geschichten gibt, die einfach erzählt werden wollen. Und weil es mir Spaß macht, meine Kreativität auf diese Art auszuleben.

Für wen? Die Erstfassung für mich, weil die Geschichte einfach "raus will", die Endfassung für alle, die ich damit erreichen oder zumindest gut unterhalten kann.

Natürlich freut sich jeder Mensch, wenn von ihr/ihm für die Nachwelt (hier beliebige Größe einsetzen) etwas erhalten bleibt. Doch wenn ich meinen aktuellen Leib abgelegt habe, wie wichtig ist es mir/meiner Seele dann noch? Bekomme ich nach meinem Ableben mit, ob und wen ich damit erfreue?
Wäre interessant, dies herauszufinden, aber damit habe ich noch viel Zeit. Zeit, die ich lieber mit dem Schreiben verbringe.


_________________
"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 56
Beiträge: 643

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 08.11.2019 07:46    Titel: Antworten mit Zitat

Nun ja, Ingold arbeitet genau diesen Aspekt heraus, dass es eben "Verbrauchsliteratur" gibt - und solche, die einem etwas gibt. Es ist ein großer Unterschied, ob man schreibt, um anderen etwas zu geben, das über Unterhaltung und Ablenkung hinausgeht, oder ob man einfach nur für den Markt schreibt.

Aber es gibt die Leser ja trotzdem noch, die Bücher lieben ("brauchen", schreibt Ingold), die ihnen etwas Bleibendes geben. Wie du schreibst, Soleatus, "ein Vers, der mir bleiben wird" - das Lesen und Schreiben als ein Suchen und Finden. Das heißt nicht, dass sich ein Autor an seinen Schreibtisch setzt, um "für die Ewigkeit" zu schreiben. Sondern, dass das, was jemand schreibt, auch in zwanzig Jahren noch interessant ist. Das kann es heute kaum noch sein, weil es so viele Neuerscheinungen gibt. Da muss es schon etwas Besonderes sein.

Ich weiß, dass ich immer wieder zu den Werken von David Foster Wallace greifen werde und damit nicht die Einzige bin. So als Beispiel. Ingold nennt ein paar andere Autoren, die ich nicht kenne, vielleicht muss ich die mal ausprobieren. Danke für den Link, Soleatus!

Übrigens, was soll das heißen, wer liest heute noch Goethe? Goethe schwirrt einem ständig um die Ohren. Keine Zitatensammlung ohne Unmengen Goethe. Das ist wie mit der Bibel: All diese Redensarten, von denen man längst nicht mehr weiß, wo sie herkommen, sie sind sozusagen diffundiert.
Das ist halt nicht wegzudenkendes Kulturgut, egal, ob man das heute noch als Ganzschrift liest oder nicht.

Eine moderne Variante davon ist Loriot Wink
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 57
Beiträge: 33
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 08.11.2019 14:04    Titel: Antworten mit Zitat

Babella hat Folgendes geschrieben:


Übrigens, was soll das heißen, wer liest heute noch Goethe? Goethe schwirrt einem ständig um die Ohren. Keine Zitatensammlung ohne Unmengen Goethe.



schwirren schon ...

aber aus dem Regal nehmen?

Nicht gegen Goethe ...
und erst recht nicht gegen Loriot Wink
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Soleatus
Autor


Beiträge: 787



BeitragVerfasst am: 11.11.2019 11:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich finde inzwischen, Ingold springt hier deutlich zu kurz. Das stößt mir an vielen Stellen auf:

Ingold hat Folgendes geschrieben:
Was für den Augenblick "reicht", überwiegt bei weitem das, was allenfalls "bleibt". Nicht das Bleibende also zählt, vielmehr das, was sich momentweise durchsetzt, und was sich momentweise durchzusetzen vermag, darf – wiederum momentweise – als Erfolg gelten.

Wenn das - und so liest es sich - eine an dem Mengenverhältnis festgemachte Bestandaufnahme der Gegenwart sein soll, eine Unterscheidungsmöglichkeit: War das denn (seit Erfindung des Buchdrucks / seit Herausbildung einer breiteren literarischen Öffentlichkeit) je anders?!
Und wie soll ein Erfolg, erst einmal, anders als "momentweise" sein? "Was bleibt?" ist doch nicht die Frage; sondern "Was ist geblieben?", und damit geht uns das heute nicht viel an; es ist eine Frage, die bezogen auf das Heute die Zukunft beantworten muss.

Aber eigentlich melde ich mich hier noch einmal, weil mir gestern ein Epigramm von Ephraim Moses Kuh begegnet ist - ein Gegenstück zu Saadis Versen, gewissermaßen:

Der Dichterdrang

Ich dichte für den Nachruhm nicht:
Im Grabe macht er wenig Freude.
Ich mach ein Lied wie Seidenwürmer Seide;
Es quälet mich, es muss ans Licht.


Auch da findet sich sicher jemand wieder ...

@ Goethe: Ohne Goethe geht es nicht. Das ist ja nicht unbedingt eine Frage des eigentlichen Lesens seiner Texte oder der allgemeinen Verfügbarkeit seiner Zitate, sondern mehr eine seiner Wirkung; ohne die vieles nicht so wäre, wie es ist?!

Aber, Goethe-Zitate:

Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,
Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.


Steht so im Faust; und wäre ich böse, schlüge ich diese zwei Verse als Ersatz für den gesamten Ingold-Artikel vor ...
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