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Asexuelle Urban Fantasy als Genre?

 

 
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BluesmanBGM
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 15



BeitragVerfasst am: 30.10.2019 14:29    Titel: Asexuelle Urban Fantasy als Genre? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mal eine generelle Genrefrage: gibt es eigentlich bereits ein Genre wie asexuelle, sapiosexuelle oder aromantische Urban Fantasy? Falls nicht, sollte es ein solches Genre geben? Und würde eine Zielgruppe existieren? Okay, ich weiß zumindest von meinen Lesern, dass es durchaus eine kleine Zielgruppe gibt, aber wie sieht es auf dem großen Markt aus?

Ich persönlich mag fantasievolle Stories mit Magie und Wunder, und leihe mir auch gerne mal Urban Fantasy aus der Jugendbücherei aus. Was mir in diesen Geschichten aber oft störend auffällt, ist, dass viele davon zwar im Prinzip einen echten "sense of wonder" und einen Einblick in magische Welten vermitteln könnten, aber dann viel Potential verschenken, weil sich die Charaktere meist verhalten wie konservative Darsteller einer generischen Teenie-Soap-Opera (und vor allem, weil der romantische Aspekt dann einen zu großen Teil der Handlung einnimmt).

Wie schon an anderer Stelle geschrieben - wie glaubwürdig ist z.B. irgendein uraltes/magisches Wesen, wenn es dadurch charakterisiert wird, dass es sich verhält wie ein schüchternes Schulmädchen, das sich nicht entscheiden kann, ob nun der sexy Vampir oder der süße Werwolf aus der Nachbarklasse der bessere Liebhaber und Beschützer wäre? Oft ist dann ein Großteil der Handlung und Dialoge nur diesem einen Thema gewidmet, vermutlich damit junge Leser/innen ihre "Lebenswirklichkeit" darin erkennen und sich mit den Charakteren identifizieren sollen. Aber führt das nicht zu einer gewissen Einseitigkeit? Was wäre so schlimm daran, wenn eine Story z.B. ohne Liebesleid und Küsse auskommen würde?

Eine Idee wie komplexe Freundschaft oder Seelenverwandschaft (oder auch intellektuelle Faszination) zwischen männlichen und weiblichen Charakteren scheint für viele Autoren in diesem Genre oft geradezu undenkbar, und wird umgehend durch IMO konstruierte Romanzen und sexuelle Spannungen ersetzt. Da habe ich oft den Eindruck, dass gerade auch ältere Autoren bei ihren Geschichten dann sehr stark eigene Erwartungen, Wertvorstellungen und Klischees auf Charaktere und Leser projizieren. Und oft läuft es dann auf arg konservativen Kram heraus z.B. mit emotional gebeutelten Mädchen, starken männlichen Beschützern, üblichen Rollenbildern, sowie Charakteren, deren Dialoge definitiv nicht durch den Bechdel-Test kämen etc. (okay, das ist zugegeben ein sehr theoretisches Kriterium).

Würde es einem Genre, das dem Leser magische oder ungewöhnliche Welten und Realitäten nahe bringen möchte, nicht helfen, wenn auch die Charaktere deutlich "anders" wären? In dem Sinne wäre doch die häufige Tendenz zu 08/15-Romanzen eher suboptimal, und eine z.B. asexuelle, aromantische und/oder sapiosexuelle Urban Fantasy würde dem Genre (und der Interaktion der Charaktere) auch neue Impulse bringen. Oder würde es den Erwartungen der meisten Leser zu sehr widersprechen, und gar nicht mehr als Teil des Genres angesehen, sondern ohne Romanze und Sex z.B. als "Kinderbuch" betrachtet?

Chris
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Thomas74
Geschlecht:männlichHobbyautor

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Beiträge: 352
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 30.10.2019 14:37    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, bitte nicht noch eine Aufsplitterung in kreative Subgenres... Rolling Eyes
"Guten Tag, kann ich helfen?"
"Ja, ich suche asexuelle Urban Fantasy mit Steampunk-Elementen, aber bitte mit Regionalbezug!"
"Ja, dort hinten links, gleich neben den veganen homoerotischen Vampir-Jugendromanen auf Recyclingpapier für Leser zwischen 16 und 17 3/4...!"

 : Mr. Green


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Optimismus ist, bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!!" zu rufen.
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Daniel de Iguazu
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 42
Beiträge: 51
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 30.10.2019 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Bluesman,

bin da bei dir.

Ich mag Urban-Fantasy, aber die Liebesgeschichten darin sind meistens der langweilige Teil.

Übrigens habe ich auch einen Urban-Fantasy-Roman geschrieben und es gibt eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die ist aber eher Randthema.

So viel zu meinem persönlichen Geschmack, aber du wolltest ja wissen, was der Markt will. Hier kann ich nur raten. Geschichten mit einem starken männlichen Wesen (wie bei Twilight) sind halt bei Mädchen und jungen Frauen sehr beliebt, aber es gibt halt schon sehr viele Bücher in dieser Art.

Bei unkonventioneller Urban-Fantasy gibt es weniger Konkurrenz und wenn die Geschichte innovativ ist, kann ich mir schon eine hohe Nachfrage vorstellen. Ich würde das aber nicht als asexuell beschreiben. Romance und Sex finde ich OK, aber leider ist das dann immer zu konventionell, zu lahm und steht zu sehr im Mittelpunkt. Das liegt aber auch oft an dem niedrigen psychologischen Wissen der Autoren und Leser. Da verhalten sich alte mächtige Wesen, Meuchelmörder, Dämonen, etc. wie Teenager. Das ist für mich der größte Logikbruch schlechthin.
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Daniel de Iguazu
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Beiträge: 51
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 30.10.2019 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Oh, bitte nicht noch eine Aufsplitterung in kreative Subgenres... Rolling Eyes
"Guten Tag, kann ich helfen?"
"Ja, ich suche asexuelle Urban Fantasy mit Steampunk-Elementen, aber bitte mit Regionalbezug!"
"Ja, dort hinten links, gleich neben den veganen homoerotischen Vampir-Jugendromanen auf Recyclingpapier für Leser zwischen 16 und 17 3/4...!"


Mit einer Schlagwortsuche würde das bei einem Onlineshop gut funktionieren: #Urban-Fantasy #Steampunk #Veganismus #Bayern

Wäre gut, wenn das Amazon mal einführen würde. Oder gibt es das schon und ich habe es noch nicht herausgefunden?
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Thomas74
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 45
Beiträge: 352
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 30.10.2019 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Das sind dann die Genres, wo 1-3 Suchergebnisse angezeigt werden?
Ich persönlich finde es furchtbar, alles bis ins kleinste Detail katalogisieren und sezieren zu müssen. Wie kann ich mir sowas im Buchladen vorstellen?  So eine Art Apothekerschrank für Bücher, mit hunderten beschrifteten Fächern? Gruselig.


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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 565
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BeitragVerfasst am: 30.10.2019 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bluesman,

ich verstehe, was Du meinst.
Ich fürchte nur, dass die Fantasy, die für Jugendliche geschrieben wird, schon einen gewissen Romantikanteil enthalten sollte, da sich in der Pubertät ja auch recht viel ums andere Geschlecht und das Sich-Verlieben dreht. Und abgedroschen mögen die Szenarien für ältere Leser sein (also die, die nicht mehr Young Adult sind), denn die haben dann ja schon Dutzende solcher Plots gelesen. Aber wenn Du mit 14, 15, 16 Jahren anfängst, die ersten Fantasyromanzen zu lesen, ist das wahrscheinlich noch nicht so abgedroschen, sondern neu.

Gibt es denn keine Urban Fantasy für Erwachsene? Kommt da auch in der Regel eine Romanze vor?

Was mir außerdem einfällt (aber ich bin kein Fantasy-Kenner): Ist der Vampir nicht an und für sich in unserer Kultur etwas Erotisches? Schon bei Goethe und Bram Stoker? Wenn dem so ist, gehört Erotik wohl einfach zum Standardrepertoire von Vampiren. Auch Hexen würde ich aus kultureller Sicht einen gewissen Erotikfaktor (angeblicher Sex mit dem Teufel, die große Verführerin der Männerwelt) zusprechen (das ist jetzt nicht meine Meinung und ich will keine Vorurteile verbreiten, nur der kulturellen Konnotation nachspüren), ebenso Walküren. Wie ist das denn mit anderen magischen Wesen? Gibt es unerotische Fantasywesen?

Liebe Grüße
Selanna


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Corydoras
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Beiträge: 773
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BeitragVerfasst am: 30.10.2019 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ich persönlich würde dir sowas sofort abkaufen.

Mir fallen mittlerweile schon Bücher oder Filme explizit auf, die mir einmal etwas anderes erzählen als die immer gleiche und immer fade Liebesgeschichte, weil es wirklich erschreckend selten vorkommt. Teilweise werden ganze Plots und Prämissen zerstört und schnell schnell abgearbeitet, damit man ja schön das Geschmachte in den Vordergrund stellen kann.

Mich persönlich nervt es, wie sehr ein einziges Genre (Romanze) praktisch alle anderen infiltriert. Stelle dir vor JEDER Roman und JEDER Film hätte zwingend eine Actionszene... würde jeder lästig finden. Warum es hier geduldet, bzw. geradezu erwartet wird, ist mir nicht klar.

In meinen Geschichten kommt Romantik auch bestenfalls am Rande vor, und dann als "normal zum Alltag zugehörig" wie essen und schlafen. Im Vordergrund erzähl ich lieber eine originellere Geschichte.

Aber - und das weiß ich auch - damit bin ich sehr alleine und ich werde mein Zeugs schlecht verkaufen können, weil der Markt gerne Schema F beibehalten möchte. Confused
Dafür würde ich - wie eingangs erwähnt - auch deine Geschichte mit dieser Gewichtung vermutlich viel eher kaufen.


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Maunzilla
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BeitragVerfasst am: 30.10.2019 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Dazu muß man folgendes sagen: die überwiegende Mehrheit der Leser von Romanen ist weiblich. (Die der Autoren inzwischen ebenfalls.) Deshalb gibt es heutzutage fast nur noch knutschende und keine gruseligen Vampire mehr.
Es wird das produziert, was die größte Zielgruppe kauft.


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Corydoras
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BeitragVerfasst am: 30.10.2019 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Dazu muß man folgendes sagen: die überwiegende Mehrheit der Leser von Romanen ist weiblich. (Die der Autoren inzwischen ebenfalls.) Deshalb gibt es heutzutage fast nur noch knutschende und keine gruseligen Vampire mehr.
Es wird das produziert, was die größte Zielgruppe kauft.


Naja, ich bin eine Frau und von meinen lesenden Freundinnen wollen auch alle lieber einen originellen Plot lesen.

Mag nur meine Filterblase sein, keine Ahnung, aber das ist ein bisschen vorschnell geurteilt, dass alle Frauen angeblich so etwas lesen möchten.


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 31.10.2019 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Wo du schon den Bechdel-Test erwähnst, vielleicht bräuchten wir auch einen BluesmanBGM-Test: Kommen zwei eigentlich sexuell kompatible Charaktere vor, aber keine Romanze? Könnte durchaus ein Kaufkriterium sein und sagt mMn mehr über eine Geschichte aus als der Bechdel-Test, wo automatisch alles mit weniger als drei Charakteren durchfällt oder wo nie mehr als zwei Personen gleichzeitig beisammen sind (sofern nicht beide weiblich sind), ganz egal, wie stark die Frauenrollen sind und welchen Anteil sie haben.

Von meinen drei Büchern in Arbeit würden immerhin 1¼ den BluesmanBGM-Test bestehen (mit dem viertel meine ich, dass ein Buch im Prinzip aus vier ineinander verflochtenen Novellen besteht und zumindest der anteilsmäßig längste Strang ohne Sex oder Romance auskommt (mit der Ausnahme, dass meine Protagonistin kurz darüber nachdenkt, ob sie lesbisch oder bisexuell sein könnte, nachdem ihr jemand prophezeit hat, sie würde in der Zukunft mit einer Frau zusammensein)). Bechdel-Test bestehen übrigens alle drei.


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BluesmanBGM
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 15



BeitragVerfasst am: 31.10.2019 09:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Ich persönlich finde es furchtbar, alles bis ins kleinste Detail katalogisieren und sezieren zu müssen. Wie kann ich mir sowas im Buchladen vorstellen?  So eine Art Apothekerschrank für Bücher, mit hunderten beschrifteten Fächern? Gruselig.


Da stimme ich dir prinzipiell zu, ich bin auch absolut kein Freund von festen Kategorien und Schubladen. Ein Buch oder Genre hat oft unterschiedliche Bedeutungen für unterschiedliche Leser. Ich habe auch schon jugendliche Urban Fantasy gelesen, die mich wirklich beeindruckt hat, eben weil sie aus den Kategorien gefallen ist. Aber es gibt IMO zu wenig davon und sie ist oft schwer zu finden, weil selbst Buchtitel, Marketing und Cover manchmal den falschen Eindruck vermitteln.

Und ich habe da eben auch den Eindruck, dass gerade die Urban Fantasy zu oft von Anfang an in einer festen Schublade steckt, weil schon vorab genau "seziert" wurde, was die größtmögliche Leserzahl haben möchte. Und das sind meiner Ansicht nach dann Standardformeln, die es einem Buch gar nicht mehr erlauben, aus seiner festen Kategorie auszubrechen bzw. mehr zu werden, als die Summe seiner Teile

Und da wäre es doch gut, wenn man seinen persönlichen Wunsch nach einer etwas anderen Art von Herangehensweise an das Genre mit einem prägnanten Wort umschreiben könnte. Aber gibt es so ein Wort?

Wenn man sagt, man möchte ein Buch für Jugendliche, dann bekommt man meist eben den üblichen Romantikkram, bei dem z.B. die Rettung der Welt weitaus weniger relevant erscheint, als die Frage, für welchen der acht bis zwölf süßen Beschützerjungs sich das Mädel nach 9 Bänden entscheiden wird. Wenn man sagt, man möchte ein Buch für Erwachsene, dann ist es oft ziemlich das selbe Plotmuster, nur dass es halt deutlicher zur Sache geht. Und wenn man sagt, man möchte ein Buch für Kinder? Dann fällt zwar der Romantikkram weg, aber dafür dann oft auch die Komplexität.

Deswegen fände ich es persönlich ganz nett, wenn man zum Buchladen oder in die Bücherei gehen könnte, und dort einfach sagen würde, man möchte bitte z.B. eine aromantische oder asexuelle, aber dennoch auch inhaltlich komplexe Urban Fantasy. Also eine Geschichte, wo sich die Charaktere tatsächlich um die eigene Handlung kümmern, und wo z.B. die starke, weibliche "Auserwählte der Prophezeiung" (auch ein Standarmuster) nicht gleich emotional gebeutelt völlig den Faden verliert, nur weil der heiße Dreamboy gerade mit einer tiefen und männlichen Stimme gesprochen hat, und so unglaublich gut riecht, dass sie nur noch an ihn denken kann. Das ist doch Sülz, und ich frage mich manchmal, warum speziell auch weibliche Autorinnen ihre Heldinnen so charakterisieren, als wären sie ohne Junge und Beschützer unvollständig.

Das ist jetzt alles vermutlich höchst widersprüchlich, da ich selbst nicht so genau weiß, wie ich das Problem definieren soll.

Chris
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Mysi101
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 27
Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 31.10.2019 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Selanna hat Folgendes geschrieben:
Gibt es unerotische Fantasywesen?


Trolle und Kobolde fallen mir dazu ein. Smile

Twilight ist mir persönlich (mittlerweile) auch zu übertrieben kitschig, obwohl ich es immer noch gerne lese/schaue. Wie hier im Thread schon erwähnt wurde, finde auch ich über 200 Jahre alte Vampire, die sich plötzlich wie Teenager verhalten, unglaubwürdig; was ich mit 17 aber als vollkommen logisch befunden habe. Liebe macht einen wieder jung. lol2

Aber ich persönlich finde es immer schön, wenn zumindest ein Hauch von Romantik dabei ist, auch wenn es komplexer ist. In meinen Projekten ist es ein wichtiges Thema, was ich aber keineswegs mehr in den Vordergrund stellen möchte, als das eigentliche Geschehen. Aber nicht nur Romantik, sondern auch andere zwischenmenschlichen Beziehungen wie Freundschaft und Liebe in der Familie (Eltern, Geschwister).

Meine persönliche Meinung: Zwischenmenschliches, egal, ob Liebe, Freundschaft, Familie gehört zu einem guten Roman dazu, egal, welches Genre. Natürlich müssen sie nicht alle auf einmal vorkommen. Siehe der Herr der Ringe, der mit nur einem kleinen Hauch Liebe auskommt, in dem Freundschaft und Zusammenhalt jedoch großgeschrieben wird.


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Daniel de Iguazu
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BeitragVerfasst am: 02.11.2019 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das sind dann die Genres, wo 1-3 Suchergebnisse angezeigt werden?

Nein, bei Urban-Fantasy und Bayern wahrscheinlich Null smile

Zitat:
Ich persönlich finde es furchtbar, alles bis ins kleinste Detail katalogisieren und sezieren zu müssen. Wie kann ich mir sowas im Buchladen vorstellen?  So eine Art Apothekerschrank für Bücher, mit hunderten beschrifteten Fächern? Gruselig.

Aber mir ging es nicht um das Genre, sondern um Schlagwörter. Ein Genre muss nach nach wie vor festgelegt werden. Somit muss sich der Verlag schon entscheiden, ob sein Urban-Fantasy-Romance-Krimi eher Fantasy, Liebesgeschichte oder Krimi ist. Im Buchladen wäre der Roman dann einfach unter dem Genre zu finden. Mit den Schlagwörtern könnte man bei einem Onlineshop wie Amazon besser suchen und wer die Schlagwörter nicht nutzen will, muss es ja auch nicht.

Ich habe eben gerade mal aus Spaß bei Amazon "Urban Fantasy Romance Krimi" in das normale Suchfeld eingegeben. Gar nicht mal so schlecht, zumindest passen die Bücher mehr oder weniger zu den Schlagwörtern
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 03.11.2019 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Dazu muß man folgendes sagen: die überwiegende Mehrheit der Leser von Romanen ist weiblich. (Die der Autoren inzwischen ebenfalls.) Deshalb gibt es heutzutage fast nur noch knutschende und keine gruseligen Vampire mehr.
Es wird das produziert, was die größte Zielgruppe kauft.


Das sehe ich auch so. Dröseln wir es einmal auf, wobei Interesse an Fantasy vorausgesetzt wird:

Die größte Zielgruppe dürften Mädchen und junge Frauen sein, die von der wahren Liebe mit dem klassischen Beschützer und Helden träumen. Eventuell, weil sie im wirklichen Leben zu sehr mit der Realität konfrontiert sind. Diese Zielgruppe ähnelt der "Weibchen findet Milliardär" Fangruppe.

Die zweitgrößte wäre vielleicht Frauen, die entweder genug davon gelesen haben oder reif genug sind oder glücklich mit ihrem Partner leben. Sie lesen am liebsten Romane, in denen Liebe zwar dabei sein kann, die aber nicht das Hauptelement darstellt. Die wollen auch die starke Frau lesen.

Die dritte größte stellt vielleicht die der männlichen Leser dar. Die wollen Kampf und Machtstreben und wenn Liebe, dann einen Quickie und weiter geht's.

und so weiter. lol


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*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
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*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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preusse
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BeitragVerfasst am: 03.11.2019 16:49    Titel: Antworten mit Zitat

Murmel hat Folgendes geschrieben:

Die dritte größte stellt vielleicht die der männlichen Leser dar. Die wollen Kampf und Machtstreben und wenn Liebe, dann einen Quickie und weiter geht's.

und so weiter. lol


Ich muss doch sehr bitten! lol
Meine Helden nehmen sich Zeit für ihre Damen, da möchte ich hier mal in aller Form betonen.
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BluesmanBGM
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BeitragVerfasst am: 05.11.2019 10:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Murmel hat Folgendes geschrieben:
Die größte Zielgruppe dürften Mädchen und junge Frauen sein, die von der wahren Liebe mit dem klassischen Beschützer und Helden träumen. Eventuell, weil sie im wirklichen Leben zu sehr mit der Realität konfrontiert sind. Diese Zielgruppe ähnelt der "Weibchen findet Milliardär" Fangruppe.


Wobei man aber doch prinzipiell fragen könnte, ob Mädchen und junge Frauen diese Erwartungen aus sich heraus haben (was immer das bedeuten mag) oder ob ihnen diese Erwartungen eben von den Medien und dabei ganz besonders auch von der ("magisch-mystischen") Jugendliteratur vorzitiert werden.

Und leicht übertrieben und provokativ gesagt, sieht es doch bisweilen so aus, dass einem der Klappentext eines Buches dann zwar von einer starken und unabhängigen Heldin erzählt, der weibliche Hauptcharakter im Buch selbst aber dann eher als Dekorationsstück, beschützenswerte Mimose oder eben als Motivation und ultimativer "Preis" für männliche Helden gezeigt wird. Im dem Sinne könnten also selbst Leserinnen, die anfangs eher nach starken Heldinnen gesucht haben, ungewollt bei solchen Büchern landen.

Es erscheint mir auch so, dass in der Literatur weibliche Heldinnen in Form von Kindern (also Alter unter 14) oft weitaus aktiver, unabhängiger und non-konformistischer sind, als ihre ältere Gegenstücke im Teenager-Alter. Wo eine Heldin im jüngeren Alter noch aktiv voranschreitet und sich mit Begeisterung auf das Abenteuer konzentriert, ist die Teenage-Heldin oft eher damit beschäftigt, die Schmetterlinge im Bauch zu zählen, und vom emotionalen Sturmwind in Körper und Seele abgelenkt zu sein, nur weil der superheiße Vampirboy sein nasses Hemd auszieht oder mit sonorer Stimme gesprochen hat - oder sie sich einfach nicht zwischen all den love interests entscheiden kann. Und weil sie emotional so abgelenkt ist, macht sie Fehler und überschätzt sich und wird gleich noch beschützenswerter - und der Kreis schließt sich.

Um mal meine eigenen Charaktere aus einer Diskussion zu dem Thema zu zitieren: "Ist dir in solchen Büchern noch nie aufgefallen, dass die attraktiven Heldinnen oftmals emotional als so unsicher geschrieben sind, dass sie am Ende doch nur wieder mit männlichen Beschützern als vollständig gelten? Und wenn die Jungs zusammen aufbrechen, um ein großes, langes, magisches Schwert zu suchen, mit dem sie den Oberbaddie kraftvoll niederstrecken können, dann brechen die Mädels ebenfalls zusammen auf, um einen magischen Kelch mit heiligem Wasser zu finden, mit dem sie ihre männlichen Beschützer beim Kampf heilen können. Aktiv und passiv. Das Individuum ist niemals vollständig, solange es nicht in einem Partner oder in der Gruppe aufgeht. Denk mal darüber nach..."

Im Nachwort zu meinem ersten Band hatte ich meine Entscheidung gegen Romantik vielleicht auch ganz treffend formuliert, nämlich wie folgt:

"Zum Zweiten war mir die Abwesenheit von konstruierter Romantik wichtig. Man könnte dem Verhältnis von Rick und Seli nun sicherlich einige Namen und Schubladen verpassen, die vielleicht von asexuell bis sapiosexuell reichen würden. Aber bräuchte es diese Kategorien?
Am Ende sind sie nur zwei Lebewesen und freie Geister in einem großen Abenteuer. Zwei auf grundsätzlicher Ebene sehr verschiedene Lebewesen, zwischen denen eigentlich eine immense evolutionäre Kluft liegt. Und trotzdem finden sie humorvolle und geistige Wege zueinander und lernen sich besser verstehen. Und das war mir sehr viel wichtiger, als sexuelle Spannung und Liebelei."

Ich kann von meiner obskuren Weltsicht zwar nicht auf andere Leute schließen, aber mir persönlich würde es gefallen, wenn sich gerade Autoren der Urban Fantasy dazu Gedanken machen würden.

Chris
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