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Ein Roman


 

 
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Soleatus
Autor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 17.10.2019 07:31    Titel: Ein Roman eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

.






      Der Anfang macht sich auf, das Ende zu besuchen,
      Was selten ist, weil viel sie trennt;
      Und bringt zwei Flaschen Weins mit sich, und Käsekuchen!
      Wie man's von guten Freunden kennt.
      Und als die ganze Welt er nun durchwandert hat,
      Und ankommt, trifft er auf - die Wahrheit:
      Das Ende ist er selbst! Und isst und trinkt sich satt.







.

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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 534
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 17.10.2019 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Soleatus,

Lyrik ist ja sonst nicht so mein Ding - aber das hier gefällt mir.

Cheers

Pickman


_________________
"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2057
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 17.10.2019 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

inhaltlich finde ich das Gedicht klasse, wirklich eine schöne Idee, die ein bisschen zum Nachdenken bringt. Erster Impuls: Sind Anfang und Ende gleich, weil alles ein Kreis ist und man am Ende sozusagen wieder am Anfang ankommt? Oder, weiter gedacht, sind Anfang und Ende Personifikationen der gleichen Entität, nämlich des Romans selbst, und das Durchwandern der Welt der literarische Weg durch die Handlung, wobei sich der Anfang langsam zum Ende entwickelt. Erst am Schluss wird klar, wie man vom Anfang zum Ende kommt und wie die beiden (stimmig) zusammenhängen. Erscheint mir die plausiblere Deutung.

Was mich rauswirft, ist der krasse Harmoniebruch im dritten Vers, das nachgestellte "und Käsekuchen" wirkt beinahe wie ein dichterischer Tiefschlag, ja geradezu ein Attentat aufs Metrum. Warum braucht es das? Kognitive Dissonanz ist doch hier eigentlich noch kein Thema, die kommt am Ende.

Den starken lyrischen Abfall (auch in der Sprache) der zweiten Hälfte des letzten Verses kann ich nachvollziehen, eigentlich ist es ja trivial, dass der Anfang zum Ende wird, wenn er sich dort hinbewegt. Trotzdem ruft es dem Leser ein "denk mal – warum?" entgegen.

Im dritten Vers will mir das allerdings nicht in den Kopf. Wir haben den metaphorischen Weg vom personifizierten Anfang zum Ende, aber das müsste doch (noch) harmonisch laufen. Warum also hier dieser Stolperstein? (Bei dir gehe ich davon aus, dass das Absicht und der Effekt gewollt ist, und kein Versehen oder ungeschickter Formulierung geschuldet.)

Beste Grüße,
Veith


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Soleatus
Autor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 18.10.2019 07:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!

Pickman, schön, dich als "Selten-Lyriker" hier im Faden zu lesen - um so mehr, wenn dir der kleine Siebenzeiler zusagt.

V.K.B., freut mich, dass dir der Inhalt zusagt. Zum dritten Vers: Hm. Das ist für mich kein "krasser Harmoniebruch", sondern ganz gewöhnliche Verssprache; also auch keine besonders markierte Textstelle. Das Metrum leidet auch nicht darunter?! Hm. Hm. Da liegt augenscheinlich unsere sprachliche Wahrnehmung sehr weit auseinander, ich wüsste aber nicht, was sich da tun ließe ... Vielleicht schildert ja noch jemand seinen Eindruck diese Stelle betreffend und hilft uns so bei der Einordnung?!

Mit Dank für eure Rückmeldungen,

Soleatus
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RAc
Schreiberassi


Beiträge: 77



BeitragVerfasst am: 18.10.2019 09:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

ich stimme weitgehend mit V.K.B. überein, vor Allem was den Käsekuchen angeht. Klingt so ein bisschen wie "der am wenigsten unpassende Reim auf 'besuchen.' " Und Käsekuchen zu Wein? Würde man da (vor Allem bei einem besseren Tropfen) nicht eher Baguette und einen guten Käse mitbringen? Taugt auch besser zum Satt Essen (beim Käsekuchen antizipiere ich am nächsten Morgen eher ein unangenehmes Völlegefühl, also kurzfristige Befriedigung mit Boomerang).

Ansonsten finde ich die Sache richtig nett, vor Allem die Wendung am Ende (heisst das dann auch gleichzeitig wieder am Anfang? Embarassed ). Weil wenn man drüber nachdenkt, ist der erste Gedanke "Hm, wenn ich Jemanden besuche, etwas zum Essen und Trinken mitbringe und mich dann selber satt esse und trinke, nehme ich dem Gastgeber nicht das Gastgeschenk wieder weg?" Aber nein, da er ja sich selber besucht, wie er herausfindet, ist er gleichzeitig Gastgeber und Gast und darf deswegen natürlich auch ohne schlechtes Gewissen schlemmen.

Allerdings hat die Sache damit auch eine gewisse Tragik, denn wenn man statt eines Freundes sich selber trifft, ist man eigentlich einsam. Manche Leute kommen damit gut zu Recht, aber für mich ist das Zusammenschmellzen von Freund und Selbst eher tragisch (so wie Mr. Bean, der sich selbst ein paar Socken zu Weihnachten schenkt, die eine in die andere stopft und daraus eine Weihnachtssocke macht).

Ob im Roman Anfang und Ende wirklich dasselbe sind - Hm, meiner Meinung nach im Allgemeinfall nicht, aber im jeden Fall ein nachdenkenswertes Konzept. Ein sehr netter metazirkulärer Twist wäre dann natürlich, wenn Du es irgendwie schaffen würdest, dass die letzte Zeile wieder die erste ist, damit hat der Kopf wirklich was zum Wälzen (obwohl wir hier natürlich über ein Gedicht über einen Roman reden, also so ganz dasselbe ist es nicht. In dem Fall könnte man aber den Titel so ändern, dass er Lyrik mit einschliesst. Oder ist die Ungleichheit von Anfang und Ende etwas, das den Roman vom Gedicht zwingend unterscheidet?).

In jedem Fall - wie man merkt, jede Menge Denkfutter in den paar Zeilen. Ich bin selber kein grosser Fan von ungradzeiligen Gedichten, aber hier passt es schon, vermutlich weil der "rhythmische Schluckauf" den inhaltlichen Stolperstein widerspiegelt.

Danke!
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Nordica
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 122



BeitragVerfasst am: 18.10.2019 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,
mich hat der Käsekuchen spontan nicht gestört, ich finde, er verleiht dem Gedicht sehr früh eine gewisse Stimmung, einen trockenen Humor und eine leichte Ironie, die mich an Heine oder Kästner erinnern.
(Und bringt Rotkäppchen nicht auch Kuchen und Wein mit?)
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6043
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BeitragVerfasst am: 18.10.2019 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Mich hat der Käsekuchen nicht gestört. Metrisch ist da kein Problem..
Zum Wein passte Zwiebelkuchen vielleicht besser, aber das ist Geschmackssache.

Inhaltlich finde ich das ziemlich lustig. Anfang des Romans wandert durch den Roman, um Ende des Romans zu besuchen, und stellt fest, Ende ist Teil von ihm, also Teil des Romans, also er selbst. Denn was ist ein Anfang/Ende, ohne Anfang/Ende von etwas zu sein?

Ich vergleiche mit: Kopf macht sich auf, Fuss zu besuchen, und ...
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2057
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 18.10.2019 22:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

Zitat:
Da liegt augenscheinlich unsere sprachliche Wahrnehmung sehr weit auseinander
Ich bin kein Lyriker, von daher kann ich's schlecht erklären, ich kann auch nicht festmachen, woran es genau liegt. Es ist ein Bauchgefühl und vielleicht persönliches Harmonieverständnis. Was ich aber sagen kann: so, wie der dritte Vers dasteht, kommt er mir völlig disharmonisch vor, stünde dort stattdessen "und dazu Käsekuchen" (oder "und blauen Käsekuchen", "und –oh ja– Käsekuchen" oder wasauchimmer, jedenfalls 2 Silben mehr) würde ich nicht stolpern. Muss also irgendwie an der Silbenzahl liegen, oder betonte und unbetonte Silben? Vielleicht hilft dir das, zu verstehen, was ich meine?

Gruß,
Veith


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Soleatus
Autor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 18.10.2019 23:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!

Rac, ich glaube, "Käsekuchen zu Wein" könnte ich sogar aus dem Gedicht heraus rechtfertigen - nicht ganz passend, aber am Ende eben doch nur ein Scheinwiderspruch wie "Anfang - Ende": Nach dem Durchwandern der Welt - eine große Anstrengung! - findet sich Der Anfang als Ende, Wein und Kuchen sind nicht mehr schlecht zueinander passend, sondern gemeinsam eine willkommene Gabe, alle Gegensätze lösen sich auf, alle Bedürfnisse sind befriedigt: und Vorhang.

Wäre aber nicht die Wahrheit ... Ich mag einfach das Wort "Käsekuchen" und verwende es immer mal wieder, gerne auch mit dem Reim "suchen" - hier ein Beispielzweizeiler:

    Des Teufels freier Nachmittag

    Heute will ich nichts versuchen
    Als ein Stückchen Käsekuchen.

Mr. Bean ist an mir vorübergegangen (wie die meisten Fernseh-Inhalte). Die Wesens-Gleichheit von Romananfang und -ende ist das, was der Text hauptsächlich verhandelt, denke ich; und da habe ich also auch keine feste Meinung (hätte ich eine, schriebe ich kein Gedicht über den entsprechenden Gegenstand). Aber hier kommt ja schon einiges an Anregungen zusammen, schön!

Nordica, Rotkäppchen als Zeugen aufzurufen ist ein wunderbarer Gedanke! Der "trockene Humor" des reinen Wortes "Käsekuchen" lässt micht nicht mehr los, seit ich in Jugendjahren (meint: vor Jahrzehnten) K.F. Waechters "Nächtlicher Lärm" zum ersten Mal gesehen habe ...

Firstoffertio, "Anfang des Romans wandert durch den Roman, um Ende des Romans zu besuchen, und stellt fest, Ende ist Teil von ihm, also Teil des Romans, also er selbst. Denn was ist ein Anfang/Ende, ohne Anfang/Ende von etwas zu sein?" Ich weiß nicht, ob es so klar ausgedrückt ist, sage aber trotzdem: Genau!

V.K.B., viel klarer ist's nicht; aber das muss es ja auch nicht werden. Wichtig ist die Rückmeldung an sich, denn nur so bekommt man als Verfasser ja ein Gefühl dafür, wo und wann man sich auf dünneres Eis bewegt und wo und wann nicht; und solche Einschätzungen, wie etwas leserseitig wirkt, sind wertvoll.

Vielen Dank für eure Rückmeldungen, sie haben mir viel gebracht!

Gruß,

Soleatus
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Tula
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 545
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 21.10.2019 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus

In der Tat ein feines und vor allem geistreiches Stück. Ich lese den Roman als Metapher für das Leben schlechthin, wie vom ersten Leser angedeutet, als ewiger Kreis von Suchen und Finden (das 'zu-sich-zurückkehren' mit einbegriffen), Erkenntnis und Zweifel, bis hin zum allerletzten Schluss: es gibt keine wirklich endgültige Wahrheit, oder auch: der Weg ist entscheidend, am besten mit Wein und Käsekuchen smile

Gern gelesen

LG
Tula


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aller Anfang sind zwei ...
(Dichter und Leser)
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Soleatus
Autor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 23.10.2019 22:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Tula!

"Roman" weiter gefasst zu denken, ist sicherlich lohnend hier?! Zum Beispiel so, wie du es vorschlägst.

Mit Dank für deine Rückmeldung,

Soleatus
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