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Von Mandeln bis Granatsplittern (Arbeitstitel)

 
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Gast







BeitragVerfasst am: 23.08.2019 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bernd!

Für mich muss nicht jede Figur gleich eine plotrelevante Funktion erfüllen. Ich selbst bin kein großer Fan von der Aufs-Wesentliche-Reduziererei, für mich darf es ruhig schön ausgeschmückt sein; ein Raum mit viel "unnützer" Deko, dafür aber mir besonderem Ambiente.
Wenn deine Figuren während des Schreibens aufgetaucht sind, dann würde ich sie ganz einfach drinlassen. Einfach dem Prozess vertrauen; dein Unterbewusstsein wird schon seine Gründe gehabt haben, sie dabei haben zu wollen. Wo ihr Platz im "großen Ganzen" sein wird, das weiß es bestimmt auch. Lass es nur machen.
Wenn ich selbst jedoch merke, dass ich während des Schreibens ein "flaues" Gefühl habe und es fließt nicht mehr so richtig, dann halte ich inne, markiere mir den Teil, wo es angefangen hat, schwierig zu werden und drücke die Return-Taste. Dann horche ich in mich hinein und wenn es mir einen kleinen Stich (so in der Art jedenfalls) versetzt, dann heißt das, dass mit der Geschichte bisher alles in Ordnung war und ich einfach nur keine Energie mehr habe. Zack, Päuschen und weiter geht's. Wenn nach dem Löschen jedoch Erleichterung verspüre, dann zeigt mir das, dass ich falsch abgebogen bin und nehme diesmal einfach eine andere Abzweigung.

Zu deinem vorherigen Post mit der Drahtschere: einfach ein paar Seiten zurückspringen und die Drahtschere an der passenden Stelle einbauen.

Hoffe, das hilft.

Liebe Grüße
Finn

P.S.
Zitat:
Ich wollte ja dieses Mal erst plotten und dann schreiben aber die Plotarbeit fällt mir sauschwer.


Dann lass das Plotten einfach bleiben. Funktioniert ohne sowieso tausend Mal besser und macht einen Heidenspaß. Zumindest für mich, da ist ja jeder anders.
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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 615
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 23.08.2019 15:52    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Bernd,

ich bin einmal so unverschämt und rate Dir - und das ist ehrlich ganz freundlich gemeint - dass Du das Plotten keinesfalls sein lassen solltest (entschuldige, dass ich Dir da widerspreche, ink_in_mind).
Seit ich vor meiner langen Pause in Deiner AG war, bin ich mir ziemlich sicher, dass Du Dich absolut verzettelst, wenn Du nicht vorher plottest.
Das ist natürlich nur mein Eindruck, und nichts davon ist böse und übergriffig gemeint. Es steht Dir freilich völlig frei. Aber mein gut gemeinter Rat: Du scheinst mir eher der Pflicht-Plotter-Typ zu sein, probier es einmal und schau, wie weit Du damit kommst.

Liebe Grüße und viel Erfolg,
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 24.08.2019 05:34    Titel: Antworten mit Zitat

Moinsen,

besten Dank Euch beiden für die guten Hinweise!

@Timm: vielleicht sind wir uns in der Schreibweise ja ähnlich. Geht mir sogar häufig so, wie Du beschrieben hast, nur lösche ich immer sehr ungern.
Mir wäre es lieber, wenn andere das für mich tun. Macht natürlich keiner, also muss ich das am Ende machen, was ja so oft als "kill your darlings" beschrieben wird.
Wenn die Geschichte richtig gut werden soll, dann kann man natürlich immer aus den unterschiedlichsten Perspektiven rangehen.
Alexanders Welt und seine ganz eigene Sicht der Dinge, Veronicas Welt im Osten und ihre eiskalte, berechnende Art, ihr "Spiel" mit den Männern aus dem Westen, dann wiederum der junge Stabsarzt, der mit mit der Luftrettung beschäftigt ist und an der Grausamkeit des Krieges zerbricht, auch die weißrussische Babuschka, die im Wald Pilze (sehr sinnvoll nach der Tschernobyl-Katastrophe aber was ist schon die Reaktorkatastrophe angesichts des WK III mit seinen Millionen Todesopfern?) ...
All diese Figuren sollen dann ja zusammenfinden und miteinander agieren, zumindest mit dem Prota.
Wenn ich aber ein Kapitel schon genau einkreise: Nordheide am 2. Oktober 1986 und bin dann nach 15 Seiten schon wieder 1.600 km weiter in den Pripjetsümpfen, dann ist irgendetwas schief gelaufen.

@Selanna: hey freut mich, maL wieder etwas von Dir zu hören! Alles gut bei Dir? Ja, Du weißt sicherlich noch aus dem "Sonnenprinzen" was für ein Chaos-/Wurschteltyp ich bin. Absolut! Struktur ist bei mir das Gebot der Stunde und ohne die Verschalung, das Stahlgerüst, fällt alles in sich zusammen.
Ich habe für dieses Manuskript eine Tabelle für den Szenenaufbau nach dem einfachen Prinzip: Zeit / Figuren / Aktion / Konflikt und da wird es schon wieder wurschtelig.

Vielleicht bin ich ja auch in einem Stadium, wo man weniger schreiben und sehr viel mehr lesen sollte. Wie machen es die Erfolgsschriftsteller? Im Genre Thriller oft sehr gut zu beobachten, wie auf einmal Figuren auftauchen, die erst am Ende dann zu einem gelungenen Höhepunkt miteinander verwoben werden. Also dem Leser lange Informationen vorenthalten und diese dann im richtigen Moment mit einem Knalleffekt präsentieren.
Auch weitere Recherche kann nicht schaden.
Ich weiß nicht, ob es mir konkret weiterhilft: "Der Archipel Gulag" von Alexander Solschenizyn. Stalin-Ära, eine ganz andere Epoche und andere geographische Region: Workuta in Nordrussland statt Pinsk/Polessie/Breszkaja Woblasz aber vielleicht hilfreich, um eine Vorstellung vom sowjetischen Arbeitslagersystem zu bekommen.

Tatsache ist: ich muss unbedingt mal nach Weißrussland!!! Allein die orthodoxen Kirchen unter dem unendlichen russischen Himmel bringen den auch nur halbwegs poetisch angehauchten Menschen zum Träumen.
Mit den russischen Babuschkas vor der Isba-Holzhütte sitzen, selbstgebrannten Samogon trinken und den russischen Sagen lauschen: Baba Jaga, Koschtschej, Boginka, Rusalka, Wodjanoi und Kikimora. Einfach mal in die slawische Mythologie eintauchen.
Die Sommersonnenwende, Iwan-Kupala-Tag (russisch Иван-Купала; weißrussisch Купалле; ukrainisch Івана Купала), Mädchen mit Blumenkranz im Haar, der Sprung über das Feuer ...
Also alles Dinge, die man aber nur abseits der Skyline von Minsk in den kleinen Dörfern findet. Wälder, Moore und Millionen von Gewässer. Einfach nur geil! Leider spreche ich kein Russisch Sad

Die besten Grüße und schönes Wochenende!


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Michel Teló – Ai se eu te pego
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 24.08.2019 12:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muss sagen, du erschlägst einen geradezu mit Hintergrundinformationen (zumindest mich). Deshalb habe ich mir jetzt auch nicht alles durchgesehen. Aber nach allem, was ich bisher mitbekommen habe, kommt mir irgendwie vor, dass gerade da der Hund begraben liegen könnte.

Mir kommt vor, primäre Triebfeder für dein Schreiben sind nicht die Geschichte und die Charaktere selbst, sondern gewisse Hintergründe und Schauplätze, die du *unbedingt* einbringen willst, und du konstruierst die ganze Handlung um diese Fixpunkte herum. Da kann es natürlich schnell passieren, dass du an einen Punkt kommst, wo deine Figuren nicht so wollen, wie du es für sie vorgesehen hast, oder wo die Geschichte einfach nicht mehr "passt" und sich nicht in Richtung deines Plans entwickeln will.

Ich tue mir immer schwer, Leuten bei Schreibblockaden oder anderen Schwierigkeiten Tipps zu geben, weil ich selbst sehr oft damit Probleme habe, aber ich teile mal meine bisherhige Erfahrung und vielleicht hilft es dir weiter: Ich hatte bisher bei allen Romanen, die ich NUR aufgrund eines bestimmten Hintergrunds (eine historische Epoche, eine gesellschaftspolitische Idee, ein bestimmtes Grundthema, ...) als zündende Idee begonnen habe, immer das Problem, dass an irgendeinem Punkt Charaktere, Handlung und Thema nicht mehr zusammengepasst haben. Ich bin beim Plotten kein "Planer-Typ", so gern ich das auch wäre, und dementsprechend gelingt es mir einfach nicht, eine glaubwürdige Geschichte in einen vorgegebenen Kontext "hineinzuzimmern". Stattdessen muss ich IMMER mit den Charakteren und/oder der Handlung beginnen und diese sich erstmal von allein entwickeln lassen, bevor ich dann Hintergrunddetails einfüge, die zur Geschichte passen (!). Von Zeit zu Zeit bedeutet das leider auch, dass ich eine Geschichte doch nicht in der Epoche spielen lassen kann, in der ich sie gern schreiben würde, oder dass der ein oder andere Schauplatz und Eckpunkt, der mich interessiert, nicht vorkommen kann.

Ich weiß natürlich nicht, ob es dir auch so geht, aber ein bisschen hört es sich für mich so an. Du weißt ganz genau, wo und wann deine Geschichte spielen soll und welche politischen Hintergründe diskutiert werden sollen, aber hast Probleme deine Handlung so hinzubiegen, dass deine Charaktere auch alle Punkte abklappern und es Sinn ergibt. Wenn das so ist, kann ich dir aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nur raten, einmal auf Abstand zu gehen, dir Zeit zu nehmen, deine Charaktere kennenzulernen und zu hinterfragen (Würde dein Prota sich wirklich in seine zukünftige Freundin verlieben? Ist sie auch in ihn verliebt? Warum belügt sie ihn? Wieso ist er so vernarrt in sie, dass er bereit ist, ihretwegen so viel auf sich zu nehmen?). Lass deinen Figuren Freiraum, diese Fragen ehrlich und ungezwungen zu beantworten - und nimm in Kauf, dass sie vielleicht doch anders sind, als du es von ihnen möchtest. Vielleicht steckst du ja fest, weil dein Prota in Wirklichkeit gar nicht so verblendet ist, wie du ihn haben möchtest, und sich für seine Freundin nicht blindlings in die Pripjetsümpfe stürzen würde? Oder weil seine Freundin gar nicht so eine falsche Schlange ist, wie dein Plot es von ihr verlangt, und sie ihm ihre politischen Hintergründe nicht verschweigen will?
Natürlich ist das eine Herausforderung, gerade wenn du schon so viel geschrieben hast und dich mental schon so sehr auf einen bestimmten Handlungsverlauf eingestellt hast. Aber besser du hinterfragst diese Dinge jetzt, als du quälst dich weiter und hast am Ende trotzdem das Gefühl, dass die Geschichte nicht für dich passt.
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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 24.08.2019 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Murnockerl,

damit hast Du meine Texte also wirklich exakt dort gepackt, wo sie auch tatsächlich kranken!
Donnerwetter, bin richtig beeindruckt! Ich wusste die ganze Zeit, dass es irgendetwas ist, was meine Geschichten so wenig lebendig und qualitativ nicht gut macht, platt gesagt.
Es ist wirklich exakt so wie Du es auf den Punkt gebracht hast. Warum sehe ich so etwas selber nicht - vielleicht konnte ich aus nur nicht artikulieren.
Es stimmt auffällig!!! Bei mir steht die Zeitepoche im Fokus. Die geschichtlichen Ereignisse (WK III natürlich fiktiv), die Kulissen und die atmosphärischen Schilderungen!
Die Figuren sind (wenn ich mal ganz ehrlich bin) nur Staffage, im Grunde genommen mehr Statisten als handlungstreibende Akteure.
Anders formuliert: ich liebe Konsalik-Romane, die in der Zeit des WK II spielen. Kulisse, Atmosphäre das passt alles auch hundertprozentig! Viele orginelle Nebenfiguren, über die man sich schlapp lachen kann.
Hingegen empfinde ich seine typischen Protagonisten, der blonde Stabsarzt "Hans Meier" aus Kölle, der gute und ehrbare Deutsche, der sich gegen "die asiatische Grausamkeit der Mongolen" durchsetzt, als extrem lächerlich.
Dann noch die blonde "Krankenschwester Helga" aus Wuppertal, die verrückt vor Sehnsucht nach Hans ist und sich sogar mit dem Fallschirm absetzt, nur um bei ihrem Liebsten zu sein, bereit ist mit ihm zu sterben.
Natürlich auch der obligate Kampf zweier liebesentbrannten Frauen, die blonde und gute Helga gegen die triebhaft-animalische Anastasia, die schöne russische Chirurgin aus dem Feldlazarett.

Ich glaube, wir sind uns da beide einig, dass in der heutigen Zeit kaum noch jemand diesen Schnulz lesen will. Diese albernen Plattitüden und moralinsauren Stereotypen.
Aber ich liebe Konsalik, überspringe eben diese Szene und pathetischen Dialoge ganz schnell. Wenn er mich dafür hautnah in die Schlacht von Stalingrad, Monte Cassino nimmt. Wenn ich die dreckverschmierten Landser
im Herbstschlamm auf der Rollbahn zwischen Smolensk und Moskau begleiten darf - und das kann Konsalik meines Erachtens meisterhaft schildern, dann bin ich bereit, dafür jede Menge in Kauf zu nehmen!
Dafür verzeih ich ihm jede Albernheit, jeden Pathos, jede immer wiederkehrende Moraldiskussion über die Sinnlosigkeit des Krieges (Konsalik reitet z.B. tausendfach auf "In stolzer Trauer"/"Gefallen für Großdeutschland" herum, bis es einem zum Halse heraushängt - muss ihn damals echt mitgenommen haben!) und es können zig unglaubwürdige Hauptfiguren wie Hans und Helga durch die Geschichte hüpfen.
Wenn nur ein paar clevere und orginelle Szenen dabei sind, bin ich schon sehr zufrieden. Anspruchslos, oder?

Okay, dann werde ich mich mal intensiver mit meinen Hauptfiguren beschäftigen, zumindest solange bis sie widerspruchsfrei sind.
Solange ich mit der Hauptgeschichte nicht weiterkomme, bastle ich an "ausgekoppelten Szenen" herum. Alexander: Umfeld und Familie, Abitur, Eintritt i.d. Bundeswehr. Veronica: der Selbstmord ihrer Mutter, ihr teuflischer Vater, ihre Art und Perfektion, wie sie Männer um  den Finger wickelt ... bei ihr weiß ich aber nicht so recht, wie ich ihre berechnenden, materialistischen Charakterzüge besser beleuchten kann.
Der Leser muss nicht alles wissen, zunächst muss der Autor seine Figuren fertig entwickelt haben, so dass sie allein losmarschieren können.

Grüße


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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 24.08.2019 17:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hingegen empfinde ich seine typischen Protagonisten, der blonde Stabsarzt "Hans Meier" aus Kölle, der gute und ehrbare Deutsche, der sich gegen "die asiatische Grausamkeit der Mongolen" durchsetzt, als extrem lächerlich.
Dann noch die blonde "Krankenschwester Helga" aus Wuppertal, die verrückt vor Sehnsucht nach Hans ist und sich sogar mit dem Fallschirm absetzt, nur um bei ihrem Liebsten zu sein, bereit ist mit ihm zu sterben.
Natürlich auch der obligate Kampf zweier liebesentbrannten Frauen, die blonde und gute Helga gegen die triebhaft-animalische Anastasia, die schöne russische Chirurgin aus dem Feldlazarett.


Das klingt in der Tat ziemlich schrecklich und nicht unbedingt nachahmenswert Laughing

Zitat:
Viele orginelle Nebenfiguren, über die man sich schlapp lachen kann.


Warum dann nicht diese Art von Figuren nehmen und zu deinen Protagonisten machen? Es braucht nicht immer (oder meiner Meinung nach sogar nie wink ) eine pathetische Liebesgeschichte oder Protagonisten, die von großen Gefühlen bewegt sind und sich wahnsinnig ernst nehmen.
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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 25.08.2019 06:22    Titel: Antworten mit Zitat

Belarus - ein Land zum Verlieben:
https://www.youtube.com/watch?v=q37qWA2cL5w Grillspaß Nähe Tschernobyl - Wodka saufen, Papyrossi rauchen, etc. bedient natürlich alle Klischées
https://www.youtube.com/watch?v=YpCSXFZa0JQ
https://www.youtube.com/watch?v=rPprbc0U8yU - aber ein großartiges Land mit dem alten "Sowjetcharme" (?!?), in dem die Zeit stehengeblieben ist ---- absolut faszinierend. Ein Füllhorn für tausende von Geschichten ...
Sehr günstig soll es auch sein. Ich muss da unbedingt hin - ohne Russischkenntnisse macht's natürlich keinen Sinn. Okay, off topic ...

Moin Murnockerl,
ja, Du hast natürlich recht! Originelle Nebenfiguren, die mit einem "Running Gag" durch die Szenerie hüpfen, wären ganz bestimmt nicht verkehrt.
Wichtig ist deren Glaubhaftigkeit. Um noch einmal auf Konsalik zurückzukommen: in "Wer stibt schon gerne unter Palmen?"
https://de.wikipedia.org/wiki/Wer_stirbt_schon_gerne_unter_Palmen%3F_(Roman) landete ein Schiffsbrüchiger auf einer
einsamen Insel. Eines Tages kommen zwei weitere Gestrandete dazu. Ein deutschstämmiger Polizeiinspektor aus Papeete (Frz.-Polynesien) und eine mutmaßliche deutschstämmige Ehegattenmörderin. Zwei Männer und eine Frau auf einer ansonsten menschenleeren Insel - allein das birgt schon viel Konfliktpotenzial in sich. Der Polizist ist aber derart von einem fanatischen Pflichterfüllungswillen besessen, dass er die Frau unbedingt des Mordes überführen will und eine Laiengerichtsverhandlung durchführt. Die beiden haben mit Mühe und Not einen Flugzeugabsturz überlebt, da würde kein normaler Mensch an so etwas Aberwitziges denken. Eifersüchteleien das auf jeden Fall aber auf gar keinen Fall eine Fortführung der beruflichen Aufgaben. Konsalik lässt diesen Konflikt aber allein schon aus dramaturgischen Gründen
quasi bis zum letzten Blutstropfen ausfechten. Mich hat das in der Geschichte, die handwerklich wirklich tadellos gemacht ist, wahnsinnig gestört, aber Konsalik halt.
Na ja, das wollte ich noch einmal loswerden.

Okay, für mich heißt das: ich muss zur Ausgangssituation der Geschichte zurück und mir überlegen, welche Personen brauche ich überhaupt und in welcher Konstellation sollen sie glaubhaft und nachvollziehbar miteinander interagieren?
Mit diesen Personen muss dann auch die Perspektive eingehalten werden. Alles, was diese Figuren nicht sehen, das muss/soll der Leser auch nicht mitbekommen. Auch das empfinde ich als extrem schwierig: wann kommt welche Information und was muss ich vorenthalten, damit es eine überraschende Wendung gibt. Brauche ich überhaupt dieses "twisted points"? In einem spannenden Thriller vielleicht aber das ist ja gar nicht mein Genre.

Grüße


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 06:23    Titel: Antworten mit Zitat

Moinsen,

Das Textgerüst steht (ca. 50.000 Wörter). Habe mich jetzt aber total verhaspelt. Die Logikbrüche werden immer größer.
So kann die Organisation der SanKette nicht eingehalten werden. Der Truppenverbandsplatz (TVP) des Panzerbataillons steht unmittelbar in der heißen Zone, wo gestorben wird, was das Zeugs hält. Alles steht bereit, um sofort mit lebenserhaltenden Maßnahmen eingreifen zu können. Truppenarzt und die SanSoldaten der Verbandsplatzgruppe können noch einmal genüßlich eine Kippe rauchen.

Dann kommt es. Das Schreckgespenst wird wahr. MASS CASUALTY SITUATION - der vielgefürchtete Massenfall von Verwundeten.
Das was halt naturgemäß eintritt, wenn ein Panzerbataillon der Bundeswehr von einem Panzerregiment des Warschauer Paktes in Klump und Asche geschossen wird. [vor allem schwerste Brandverletzungen oder hässliche Kombinationen aus Brand und Splitter]
Jetzt werden sie aus allen Kanälen mit zerschossenem und sterbenden Menschenfleisch geflutet. Sie werden mit gepanzerten Sanfahrzeugen, mit Radfahrzeugen und auch von Trägern angeschleppt werden.

Hochbetrieb und maximaler Stress für den Sichtungsarzt. Der muss nach Triagekonzept blitzschnell entscheiden, wer welche lebensrettenden Maßnahmen erhält und wie er eingruppiert wird.
Also maximale menschliche Dramatik!
Die Panzerschlacht war so intensiv, dass er auf einen Schlag 50 hoffnungslose Fälle bekommt.
Die erhalten eine farbig gekennzeichnete Feldkrankenkarte und werden an ein stilles Örtchen zum Sterben abgelegt. Was sie noch bekommen: Infusion und starke Schmerzmittel. Und einen evangelischen Feldgeistlichen, der ihnen das Sterben/Krepieren erleichtern soll.

Hier ist die ganze schriftstellerische Phantasie gefragt.
Man kann die abstrusesten Szenen einbauen. Leichtverletzte oder in Panik geratene Soldaten, die vom Gefechtsfeld fliehen und den TVP stürmen. Prügeleien, um die wenigen "privilegierten" Hubschrauberplätze, zu ergattern. Völlig sinnlose und menschenverachtende Befehle von der Division, die dem Bataillon noch mehr sinnloses Blut kosten. Immer wieder Artillerieüberfälle, die Hubschrauberverkehr unmöglich machen. Weder Warschauer Pakt noch NATO nehmen noch irgendwelche Schonung auf die SanEinrichtungen des Gegners. Das Rote Kreuz wird missachtet, da schon viel zu viel passiert ist.

Und jetzt zu den Logikbrüchen.
Ich kann ja nicht mit Vollgas auf eine hochdramatische Szene auf dem TVP einsteigen, um die dann 1-2 Kapitel später in GRÜN noch einmal auf dem HVP weiter eskalieren zu lassen.

SanKette der Bundeswehr:
Verwundetennest Kampftruppe - (luft)beweglicher Arzttrupp (BAT) - TVP Bataillon - HVP Division - Lazarett/BW-Krankenhaus/SanBunker, etc.

Hauptverbandsplatz (HVP) d. 3. Panzerdivision in Schneverdingen/ Nordheide. Das "Knochenhaus der Division", da hier am Fließband erstmalig unter Feldbedingungen operiert wird. Hier werden die Konsalikschen Schilderungen der SanEinrichtungen in Stalingrad noch einmal zum Leben erweckt. Mitleidlos amputieren und die abgetrennten Gliedmaßen dann in einen Blecheimer schmeißen, den irgendein armer SanGefreiter dann stündlich leeren muss. Die Blutsuppe von Schneverdingen.

Also noch einmal sehr ähnlich wie auf dem TVP, allerdings noch in einer viel größeren Dimension. Und wenn man in Kapitel 1 schon Vollgas gegeben hat, ist die Gefahr sehr groß, dass sich das in den Folgekapiteln wiederholt oder vielleicht schon abgestumpft ist. Ich denke ich habe mir mit dem ersten Kapitel schon viel Wind aus den Segeln genommen.

Aber ich denke, alles was nicht unmittelbar mit dem Prota zu tun hat, muss gnadenlos raus. Die Entscheidungen des Sichtungsarzt können hochdramatisch sein, er kommt aber erst ins Spiel, wenn er vor der Bahre des Protas steht und dann entscheidet … "Nein, der kommt sofort in den HVP, Befehl vom DivArzt!" "ICH bin hier der Sichtungsarzt!!"
Der Divisionsarzt ist ein Golfkumpel vom Prota. Woher zur Hölle weiß er, dass ein kleiner Panzerhauptmann irgendwo bei Bad Bevensen einen Nierenschuss erhalten hat … ein Divisionsarzt hat zu Beginn der Kampfhandlungen des WK III sich um ganz andere Dinge zu kümmern, als um den Jungen.

Vor diesen Logikbrüchen stehe ich gerade ... grübel ... grübel ...


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 01.10.2019 05:09    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwie stört mich dieses Konstrukt:

Leuchtkegel tasteten das Ufer ab.
Es regnete in Strömen. Weiter hinten bellten Schäferhunde, die jetzt immer näher kamen.
Das halbnackte Mädchen lag wie ein junger Hund zitternd im Gras.


Passt nicht, oder? Hunde hinten oder vorne. Wer kommt näher?
Hat jemand Verbesserungsvorschläge?


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 01.10.2019 06:41    Titel: Antworten mit Zitat

Die Suchscheinwerfer rissen das das Ufer aus der Dunkelheit.
Das Hundegebell kam näher. Zitternd lag das halbnackte Mädchen im feuchten Gras.

(zumindest ich bin nicht in der Lage, die Hunderasse am Gebell zu erkennen...)


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 02.10.2019 04:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Thomas,

besten Dank für den Gedankenanstoß1 Damit hast Du mir wieder auf die Sprünge geholfen. Manchmal ist man wie vernagelt.

Die Szene bleibt sicherlich intensiver wenn ich ganz bei Veronicas Gedankenwelt bleibe, alles, was sie nicht sieht, bekommt der Leser auch nicht mit.

Besten Dank! Viele Grüße!


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 03.10.2019 09:14    Titel: Antworten mit Zitat

Was haltet Ihr von dieser Passage?

In den vergangenen Wochen war das Leben so unauffällig wie möglich weitergegangen. Der Gedanke der Flucht, der süße Duft nach Freiheit im Westen hatte sich eines Tages wie ein Vogel auf ihre Brust gesetzt und war mit der Zeit immer größer geworden. Der kleine Spatz hatte sich auf einmal in einen Seeadler verwandelt, der mit seinen kräftigen Schwingen in den Morgenwind aufbrach und am Ende durch nichts mehr zu bändigen sein wird.

Ihren Freundinnen konnte sie nichts sagen. Sie ging zwar nicht auf die bekannte katholische Theresienschule Berlin-Weißensee, aber immerhin doch auf Halles zweitbeste Schule.
Selbstverständlich nicht etwa die ordinäre Arbeiter- und Bauernfakultät, sondern die vornehme Polytechnische „Soja-Kosmodemjanskaja“ Oberschule in der Liebenauer Straße, die ausschließlich für Kinder von hochwohlgeborenen Eltern des SED-Kaders vorbehalten war. Wer das Riesenglück besaß und in der PKO sein Abitur machen durfte und dort dann auch noch die richtigen Kontakte schloss, der konnte anschließend sofort in der SED durchstarten.

„Auferstanden aus Ruinen. Und der Zukunft zugewandt. Seid allzeit und immer bereit!", soweit die übliche Propaganda. Aber die Menschen drüben waren auch nicht dümmer als im Westen. Sie wussten schon sehr genau, wie man Karriere machte. Alles war vorgeprägt: angefangen von der Pionierorganisation "Ernst Thälmann", den Jungen Pionieren, wartete anschließend die sofortige Laufbahn in der SED-Staatspartei. „Wo ein Genosse ist, da ist auch die Partei!“. SED-Kreisleitung, SED-Bezirksleitung und dann irgendwann einmal ins Politbüro und dann konnte man von ganz oben schon nach ganz unten hinunterblicken. Für die DDR galt immer-hin die volle Emanzipation der politisch aktiven Frau – zumindest in der Theorie, die graue Praxis war hingegen ganz anders und das wusste auch Veronica.


Ich versuche nur einen Abschnitt aus Veronicas Leben komprimiert darzustellen oder ist das zu viel Infodump? Man merkt aber schon, dass ich nicht viel Ahnung davon habe, wie das politische Karieresystem in der DDR funktionierte. Reichte es, wenn die Kinder aus einer "hochrangigen SED-Politbürofamilie" kamen oder mussten auch die sich erst einmal beweisen, etc.?


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 03.10.2019 10:44    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Alles war vorgeprägt: angefangen von der Pionierorganisation "Ernst Thälmann", den Jungen Pionieren, wartete anschließend die sofortige Laufbahn in der SED-Staatspartei. „Wo ein Genosse ist, da ist auch die Partei!“. SED-Kreisleitung, SED-Bezirksleitung und dann irgendwann einmal ins Politbüro


Die Reihenfolge ist falsch. Junge Pioniere (zuerst, blaue Halstücher) und Thälmannpioniere (rote Halstücher) waren Pflichtprogramm, ohne Karrieremöglichkeit. Erst in der (warum nicht erwähnten?) Freien Deutschen Jugend konnte man durch Eigeninitiative und Hervortun in nebenschulischen Aktivitäten aufsteigen und Funktionen übernehmen. Das war übrigens die Grundvoraussetzung für ein entsprechendes Studium an einer der "Kaderschmieden" (sinnigerweise teils direkt auf dem Gelände einstiger NAPOLA-Einrichtungen)

Zitat:
Polytechnische „Soja-Kosmodemjanskaja“ Oberschule
 

Hätte nie jemand so getrennt gesagt. POS oder Polytechnische Oberschule wurde immer zusammen genannt.

Zitat:
SED-Staatspartei


Absolut ungebräuchlicher Begriff. Es hieß entweder nur SED oder "die Partei".
Mitgliedschaft in Blockparteien war übrigens kein Ausschluß-Kriterium, die hatten teils eigene Kaderschmieden. Zumindest weiß ich von der LDPD, da hatte mein Vater sein Fernstudium Marxismus-Leninismus als Voraussetzung für eine leitende Position einer Firma gemacht.


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BeitragVerfasst am: 03.10.2019 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Thomas,

besten Dank für Deine Hinweise!
Dann muss ich wohl wesentlich genauer recherchieren - hab mir das wohl zu einfach gemacht.
Im Prinzip wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass Veronica schon von Haus aus die besten Startchancen auf eine Laufbahn in der Partei hatte.
Und dennoch hatte sie ihr lukratives "Nebeneinkommen", indem sie in Interhotels Männer aus dem Westen aushorcht.

Eigentlich hätte es sie nicht nötig gehabt--- und es waren wohl ganz andere Frauen, die es vielleicht wirklich (wirtschaftlich) nötig hatten/dazu gezwungen wurden … da ist noch Recherchebedarf.
Okay, da ist noch jede Menge Recherchebedarf, um glaubhafte Hintergründe zu bekommen.

Viele Grüße


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BeitragVerfasst am: 13.10.2019 10:03    Titel: Antworten mit Zitat

Gefallenenliste PzBtl 84 Panzergefecht bei Bad Bevensen
(Stand: 03.10.1986 00:00Z)
+++ Verteiler S1 PzBrig 8/BtlKdr/OPZ/S1 PzBtl 84  +++

† 02.10.86 Hauptmann Dietmar von Madelungen – Kopfschuss
† 02.10.86 Hauptmann Rudolf Pröttke – schwere Brandverletzung
† 03.10.86 S2 Oberleutnant Wilhelm Deisenheim – Granatsplitter
† 02.10.86 Leutnant Ronny Blickerfeld – Brustschuss
† 02.10.86 Hauptfeldwebel Klaus Taschewski – Granatsplitter
† 02.10.86 Hauptfeldwebel Ernst Steinemann - schwere Brandverletzung
† 02.10.86 Oberfeldwebel Sven Maleikus – Halsdurchschuss u. Granatsplitter
† 02.10.86 Feldwebel Hans Rockstedt – Granatsplitter, innere Blutungen
† 02.10.86 Unteroffizier Thorsten Jürgensen - Granatsplitter
† 02.10.86 Unteroffizier Jürgen Maler-Bohrmann – Brustschuss
† 03.10.86 Unteroffizier Werner Riegel - schwere Brandverletzung
† 02.10.86 Fähnrich Klaus Berthold – Kopf- u. Bauchschuss
† 02.10.86 Hauptgefreiter Rüdiger Kloß – Rückenschuss
† 02.10.86 Obergefreiter Bernd Ziecker - Granatsplitter
† 03.10.86 Obergefreiter Thomas Jakob Klein – Herzschuss   
† 02.10.86 Gefreiter Jens Detlefsen – Granatsplitter
† 03.10.86 Jäger Karl-Heinz Lengerich – Brustschuss
† 02.10.86 Pionier Dieter Wackershausen  – Granatsplitter  und viele mehr …

Verwundetenliste  PzBtl 84 Panzergefecht bei Bad Bevensen
(Stand: 03.10.1986 00:00Z)

02.10.86 Hauptmann Alexander von Strielow - Nierendurchschuss
03.10.86 S1 Oberleutnant Heinrich Lewerenz – Brandverletzung und sehr viele mehr ……

Allein aus diesen traurigen Liste ergeben sich schon wieder 300 Schicksale der Angehörigen des Panzerbataillons 84 und der großen Zahl, die vor BAD BEVENSEN ihr Leben lassen bzw. ins Gras beißen mussten.
Volltreffer auf eigenen Kampfpanzer: Überlebenswahrscheinlich nicht Null aber doch sehr, sehr gering. Leopard 2 - Richtschütze kommt nicht mehr aus dem Turm raus, eigene Munition geht hoch ...

Selbst diejenigen, die Glück haben und ein hochintensives, modernes Panzergefecht überleben, gehen mit einem schweren Trauma davon. Wenigstens mit einem Knallschaden, ein oder beide Ohren taub ...

Einer von ihnen ist Hptm v.Str., einer der ganz wenigen Überlebenden seines Bataillons. Ich weiß nicht, soll er diese Listen die ganze Zeit in seinem Kopf herumtragen oder soll das Ganze von anderen schwerwiegenden Erlebnissen überlagert werden?


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 18.10.2019 07:16    Titel: Antworten mit Zitat

Was haltet ihr vom Beginn des letzten Kapitels?

III. 5. Der große Sumpf

Es gingen in Russland von Dorf zu Dorf diese Kinderschreck-Sagen um, die bei empfindlichen Gemütern ein Magengrummeln verursachten.
Von dieser widerlichen Hexe Ба́ба-Яга́ - Baba Jaga. Man stellte sich darunter eine besonders böse alte Waldfrau vor, die in einer Hütte aus Hühnerbeinen mitten im Sumpf lebt.
Eine Hexe ohne Zähne, die aus einem gar schaurigen Ammenmärchen entstammt, das man sich nachts erzählt, damit sich die kleinen Kinder vor lauter Angst in die Hose scheißen.
Jene lebendige Tote, zahnlos und mit ewig teuflischem Grinsen, die ihr Süppchen aus Menschenfleisch kochte. Je jünger, desto besser. In der garstigen Sagenwelt der Russen. Hier regieren der Knochenmann Koschtschej (Кощей), der junge Bräute vor ihrer Hochzeitsnacht raubte, Boginka, der böse Geist der Mutter eines verstorbenen Kindes ... eine nackte, hinkende Alte, die an regnerischen Tagen und nachts durch Wälder und Felder zieht ... außerdem die aufgerissenen Mäuler der auf alle Ewigkeit gequälten Seelen der beiden Wassertrolle Rusalka (Руса́лка) und Wodjanoi (водяно́й) ... außerdem Kikimora (кикимора) der biestige Quälgeist, der in der Sturmnacht Deine gepeinigte Seele endgültig in den Wahnsinn treibt ...
Und dieser Ort war hier.
Genauso wie das Hexenhaus aus Knochen so stieg das geheimnisvolle Straflager mit seinem vielfachen Stacheldrahtverhau im trüben Morgennebel vor den übermüdeten Augen von Alexander und Wallace auf.
Es war still. Und es stank. Widerlich. Nach Moder, Faulschlamm, Schwefelwasserstoff und verrottendem Menschenfleisch. Alexander kroch es kalt den Rücken herunter.
Was zur Hölle ist das? Das KZ der Russen? Ein Gulag? So eine Scheiße wie Workuta?
„Wir müssen jetzt die Nerven behalten.“, raunte ihm Wallace zu. „Wir sind am Ziel unserer Wünsche angekommen. Ehrlich gesagt, ich hätte keinen Deutschen Pfennig darauf gesetzt, ehrlich! Aber jetzt sind wir endlich da.“
„Jaaa!“, flüsterte Alexander. Ihm war plötzlich warm ums Herz geworden.

Sie hätten auf sie hören sollen. Auf die alte Babuschka Galina Ulinskaja mit ihrem roten geblümten Kopftuch und ihren zittrigen Fingern, die nicht weit von hier, gerade vor der Tür ihrer zerfallenen Isba saß und über das Leben lamentierte. Über die vielen erlebten Dinge aus der Traumzeit, so wie sie früher einmal gewesen war.
„Die Leute von heute? Alles королева – Schwuchteln! Ich habe meine Kinder mit der Knute aufgezogen und aus ihnen allen ist etwas geworden. Die stehen jetzt ihren Mann. Der Große Vaterländische Krieg, ja der war schrecklich. Da lagen hier überall nackte Leichen herum. Und zwar gestapelt! Aber Tschernobyl? Lächerlich, die Strahlung sieht man ja noch nicht einmal. Was wisst Ihr denn schon? Damals haben wir gelebt und die jungen Leute haben es unter den Maibäumen getrieben. Aber jetzt ist es hier so still wie im Himmel geworden.“

Es war noch früh am Morgen, als sie auf das StraLag Nichenaja Semlja stießen.
Unheimlich und unwirklich. Wie der Auftakt zu einer dieser alten Sagen. Nebelbänke hingen über den Prypjatfluss und das große Froschkonzert hatte noch nicht angesetzt.
Doch die Stille war längst nicht endgültig.
StraLag – Straflager – von einer Seite rein und dann nicht mehr raus. Nur noch mit den Füßen voran. Es hieß, die Toten aus den StraLags würden einfach ins Moor geworfen.
Auf der anderen Seite des Außenzauns trotteten Molosser, Mastiffs, japanische Tosa-Kampfhunde und Mastino Napoletanos entlang. Keine athletischen Schäferhunde, sondern Fleischberge aus Muskelmasse mit erschreckend kräftigen Zähnen. Alle mit Sicherheit auf Mann abgerichtet. Um Eier abzubeißen, Unterschenkelknochen abzunagen, Flüchtige zu stellen, dann zu Fall zu bringen und am Ende totzubeißen.


Ja, ich weiß, ist ziemlich grottig geworden.
Meine Absicht ist es, das Straflager, in dem Veronica steckt, wie ein Geisterhaus aus dem Morgennebel der magischen Pripjetsümpfe aufsteigen zu lassen.
Scheint aber gründlich misslungen, oder?
Die Aufzählung der Hunderassen passt nicht. Zwischen Pinsk und Pripjet, das ist "der Arsch der Heide", da gibt es mit Sicherheit keine bunte Auswahl von Kampfhundrassen.
Habt Ihr noch gute Ideen, was ich noch streichen könnte?


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 20.10.2019 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

Selten einen so schlechten Text gelesen, oder?
Bin mit dem Manuskript einmal durch. Jetzt kommt die radikale Überarbeitung.


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Kiara
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BeitragVerfasst am: 20.10.2019 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist nicht so schlecht, finde ich. Es ist unausgereift, aber nicht schlecht - meiner Meinung nach.
Bis zum Dialog ist es lesbar, die Dialoge sind gestelzt, finde ich. So würden die Männer nicht reden, denke ich. Schon gar nicht dieses langgezogene Jaaa. Mach die Kerle mürrischer, wie den Nebel. Sie fühlen sich vielleicht ängstlich und freuen sich, lassen es aber nicht raus. Dazu sind sie doch durch die Kämpfe viel zu emotionslos.
Der folgende Absatz reißt mich dann raus, den Szenenwechsel raff ich nicht. Ich hätte es gerne geradliniger, aber das mag Geschmackssache sein.
Der Absatz mit den Hunden ist wieder besser, bis auf die Aufzählung. Hier würde ich eine Steigerung bevorzugen, die mit Eier abbeißen endet - fang mit dem am wenigsten Schlimmsten an, damit der Effekt nicht verloren geht. Die beißen, reißen, sind rasend in ihrem Instinkt und der anerzogenen Kampfeslust. Da nagen sie nichts ab, da zerfetzen sie.

Wollte dir nur meine Gedanken da lassen, weil der Thread sonst so vereinsamt ist. Ist meist dein Monolog hier. Sieh es als kurze Unterbrechung, dass ich schrieb, und als Aufmunterung, weiter zu machen.
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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 21.10.2019 04:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Kiara,

besten Dank für Deine Zeilen und Deine Aufmunterung!
Ja, ich weiß, mein Manuskript erfreut sich nicht unbedingt großer Beliebtheit. Ist mir aber egal, natürlich mache ich weiter.

III. 5. Der große Sumpf
gehört mit zu den schwächsten Kapiteln. Dabei sollte der Schluss ja der Knalleffekt sein. Wallace hat Alexander in diesem holländischen Militärhospital aufgesucht, ihm erzählt, dass seine Veronica bei Dannenberg/Elbe von einem sowj. Einsatzkommando verhaftet und in dieses
1.000 km weiter östlich in dieses unsägliche Lager Nichenaja Semlja verschleppt. Wallace und Alexander nehmen fremde Identitäten an, schlüpfen in die Uniform des Feindes und sickern über die Demarkations-/Waffenstillstandslinie in das sowjetisch besetzte Westdeutschland, erleben viele wilde Dinge in der Kriegslandschaft, haben z.B. eine Auseinandersetzung mit Veronicas Vater in ihrer Heimatstadt Halle/Saale (bei der Begegnung kommt der Vater um), dann weiter nach Polska, bei Brest über den Bug nach BELORRRUSSIA, sie sind jetzt im roten Riesenreich der Sowjetunion und erleben auch dort ihre Abenteuer.
Mal kommen sie unerkannt in Pinsk bei einer Babuschka in einer Art Sowjethotel unter, dann verplappern sie sich und werden von wütenden Dorfbewohner durch die wild-verwunschenen Pripjetsümpfe gejagt.
Die Gegend ist allerdings so unwirtlich und derart schwer passierbar (für Fahrzeuge schon mal gar nicht), das sie eine ernsthafte Verfolgung nicht fürchten müssen.

Damals hießen die Pripjetsümpfe auch "Wehrmachtsloch", da in den Waldsümpfen ganze Armeen einfach so verschwinden konnten. Auch war die Partisanenaktivität aufgrund des besonderen Geländes stets besonders hoch.
In den Pripjetsümpfen wüteten im Sommer 1941 die Fegelein-Brüder (Hermann u. Waldemar Fegelein) mit ihrer "Reiter-SS" in einer beispiellosen Vernichtungsaktion gegen die jüdische Dorfbevölkerung.

Gut, das war allerdings 40 Jahre vor der Erzählzeit. Angesichts des Massenmordes dürften aufgeklärte Weißrussen nicht besonders "deutschfreundlich" sein. Allerdings soll die weißrussische Dorfbevölkerung sprichwörtlich warmherzig und gastfreundlich gegenüber Besuchern aus dem Westen sein. Soweit zu der Stimmung und dem Setting.
Nichenaja Semlja liegt übrigens nicht weit von Pripyat entfernt - der Tschernobylstadt, wo sich ein Jahr zuvor die Reaktorkatastrophe ereignet hat.

Nach all den Abenteuern von Alexandern und Wallace ist das Erreichen ihres Zieles allerdings sehr enttäuschend. Der holprige Spannungsaufbau verpufft ganz schnell wieder.
Tja, und die Hunde? Ich weiß nicht welche Rassen die Russen in ihrem GULAG-System verwendet hätten aber ganz bestimmt keine japanischen Tosa-Kampfhunde. Die Überleitung zum zeitgenössischen SPIEGEL-Artikel ist auch nicht besonders gelungen.

Mir sind ganz andere Dinge wichtig.
Alexander ist bereit, sein Leben für Veronica zu opfern. Allerdings kennt er ihren Opportunismus noch nicht. Sie ist die knallharte Überlebenskämpferin und steigt aufgrund ihres guten Aussehens in der Hierarchie der Gefangenen kometenschnell auf.
Nämlich ins Bett des Lagerkommandanten, so sie (so traurig das auch ist) mit den Waffen einer Frau und ihrem Körper jeden Tag um ihr Überleben kämpfen muss. Wird der Kommandant ihr überdrüssig oder wird ein schöneres, jüngeres und attraktiveres Mädchen ins Lager eingeliefert, dann müsste sie sofort um ihre "Stellung" kämpfen. Sie hat mitansehen müssen, dass einige ihrer Vorgängerinnen mit Kopfschuss und nackt in der Grube endeten.
Alexander und Wallace befreien in einer Nacht-u.-Nebel-Aktion Veronica und müssen feststellen, dass sie die "Hure des Kommandanten" geworden ist.
Sie erwischen sie in flagranti und Alexander legt sie aus Jähzorn um, da er es nicht ertragen kann, dass er all diese Strapazen und schwierigen Situationen x-mal sein Leben zu riskieren auf sich genommen hat, für eine Frau, die es am Ende nicht wert war.
Das sie es aus Opportismus getan hat, um zu überleben, sieht er nicht.

Schwaches Ende, oder?


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BeitragVerfasst am: 01.11.2019 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Moin zusammen,

ich habe das finale Kapitel noch einmal gründlich überarbeitet.
Wer mag, ich stell es auch gerne rein.
So richtig gut ist es aber noch lange nicht. Vor allem der Schluss ist extrem schwach.
Die beiden Männer dringen unbemerkt in das Lager ein und erwischen Veronica in flagranti mit dem Lagerkommandanten.
Ja, und nun?
Das habe ich mich auch gefragt. Was würde denn überhaupt Sinn machen?
Die beiden sind vom Lazarett in Utrecht/NL aufgebrochen, auf abenteuerliche Weise durch das Kriegsgebiet, durch die besetzte BRD, die zerbombte DDR, Polen, Weißrussland, sind endlich da … und dann so ein schwaches Ende?!?

Was soll Alexander mit Veronica machen?
Er erkennt, dass sie das alles nicht wert war.
Soll er mit dem Schotten unverrichteter Dinge wieder auf dem gleichen Weg zurück? Soll er Veronica im Lager ihren Schicksal überlassen?
Den beiden muss klar sein, dass auch der Rückmarsch außer Strapazen die gleiche Gefahr durch die Militärpolizei des Warschauer Paktes besteht, gleich ohne viel Federlesens an die Wand gestellt zu werden.

Und das alles für ein Mädchen, die am Ende alle verarscht hat.
Ich habe leider keine gute Antwort darauf. Kann mir jemand vielleicht einen guten Gedankenimpuls geben? Mein Kopf ist leer und unkreativ diesbezüglich.

Grüße und schönes WE!


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 15.11.2019 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Wer es noch lesen mag, hier die Kernaussage meines Manuskriptes:

1978: Alexander (BRD) lernt Veronica (DDR), die Liebe seines Lebens kennen und ist von ihr durch den Eisernen Vorhang getrennt. Sie flieht zu ihm in den Westen und lebt mit ihm bei seiner Familie. Dann bricht der WK III aus. Alexander wird verwundet und verbringt ein halbes Jahr im Lazarett. 1987 - mittlerweile ist Veronica verhaftet worden und in ein Straflager deportiert. Alexander ist genesen und erfährt durch einen Dritten von Veronicas Schicksal. Kurze Zeit später bricht er mit seinem Freund Wallace in die Ferne, mitten durch besetztes und Feindesland auf, um Veronica zu befreien. Es gelingt den beiden schließlich, Veronica zu befreien, doch die beiden erwischen sie in einem Akt der Untreue und des Verrats. Im Affekt tötet Alexander Veronica. Danach gehen Alexander und Wallace eines ungewissen Schicksals in einem fremden Land entgegen …

Ich weiß tausende von Schwachpunkten ...


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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 02.12.2019 06:04    Titel: Antworten mit Zitat

Und hier eines der schwächsten Kapitel:

3. Oktober 1986

v.Str., A.
Hauptmann. KpChef 2./PzBtl 84. PK-Nummer 030157 S 101026, 0 rh+
 02 1700Z OCT 86 Nierendurchschuss
 02 1800Z OCT 86 mit SanMTW vom Gefechtsfeld geborgen
 02 1830Z OCT 86 Einlieferung TVP/HVP. Sichtung StArzt Dr. Lemmerknecht
Triage/Kategorie III, korrigiert in I (Sofortbehandlung), gem. Sondereinweisung durch OFArzt Dr. Griefhahn
Diagnose: links perforierendes Nierentrauma
 02 1850Z OCT 86 Transport mit SanHubschrauber zum SanBunker Wedel
 02 2000Z OCT 86 Einlieferung. Schockraum. Vorbereitung auf 2 OPs.

„Leicht ist es, in die grauerregende Unterwelt hinabzusteigen, doch umso schwer, aus ihr wieder herauszufinden.“, so ähnlich hatte es Vergil in seiner Katabasis ausgedrückt.
Das Erste, was unten im Bauch der Erde auffiel, war das grauenvoll künstliche Licht.
Jeder, der das Reich der Krypta, etwa drei Meter unter der Erde betrat, der war schon ab der Eingangsschleuse in einer kompletten Welt aus flackerndem Neonlicht gefangen.
Nur die Hamburger U-Bahn lag mit zwölf Metern noch tiefer.
Der SanBunker Wedel war mit weißen Betonwänden und jeder Menge Rohrleitungen, die an der Decke verliefen, ausgekleidet. Eine neue Welt, die ihren ganz eigenen Regeln folgte. Genauso fahl und ungesund wie jeden Tag und Nacht künstlichen Automatenkaffee aus Pappbechern oder aufgewärmte pappige „Heiße Hexen“ aus der Mikrowelle. Alles auf Funktion getrimmt. In manchen Ecken stapelten sich einlagiges Klosettpapier und schwarze Leichensäcke. „Plastiksack BW-Einfach in Menschengröße“. Überall Erste-Hilfe-Kästen und Gasmasken, beziehungsweise ABC-Schutzmasken, so wie sie offiziell hießen.
Untertage. Kein Unterschied mehr zwischen Tag und Nacht.
Das streng eingeschränkte Leben im Tunnel. Wenn man das im San-Bunker überhaupt so nennen konnte. Die endlos in eine Richtung laufenden Neonröhren zuckten mit einer Hektik, als würden sie unverständliche Morsesignale aus dem Orkus senden.
Alles im Vollschutz. Fall-Out Shelter. Wer in Hamburger einen Atomschlag überleben wollte, dann nur hier. Die Kompartimente des HKH Wedel waren strikt nach Funktionalität getrennt. Vom breiten und angeschrägten Eingangsbereich verjüngten sich die Gänge in Vorbereitungs- und OP-Bereich mit seinen riesigen OP-Leuchten, in die Entgiftungssektion, Ambulanz, Station, Röntgen, Labor, Notstromgenerator im Maschinenraum und auf der anderen Seite in den Schlafbereich mit der Sektion für das Sanpersonal. Nach dem gleichen Muster wie im Atombunker Steintorwall. Fest installierte Feldbetten, zum Anschnallen und immer drei nebeneinander, um eine große Masse Mensch verstauen zu können. Warum diese aber festgebunden werden mussten, darauf hatten die Planer auch keine Antwort.
Aus einem Transistorradio plärrte Fancy – „Bolero - Hold me in your arms again”. Die Uhrzeiten hatten sich längst komplett zugunsten einer irrealen Scheinwelt verschoben. In allen Abteilungen herrschte nach der ersten Betriebsnahme wie immer maximaler Stress. Sämtliche Ärzteteams im SanBunker Wedel arbeiteten unter Hochdruck und ahnten jedoch nicht, was sich in diesen Stunden gerade über ihnen zusammenbraute.
Zur seiner Einweihung, ersten und einzigen scharfen Übung hatte Konteradmiral Dieter T., Befehlshaber des Territorialkommandos Hamburg und Schleswig-Holstein, noch getönt: „Ich weiß, dass wir diese Anlage niemals im Ernstfall in Betrieb nehmen werden. Falls dies wider aller Vernunft aber doch eines Tages Wahrheit werden sollte, dann Gnade uns Gott!“


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