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Das Tal im Himmel


 

 
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Gast







BeitragVerfasst am: 22.06.2019 13:27    Titel: Das Tal im Himmel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Tal im Himmel - Kapitel 1


Komm schon …
Larrsen kniff die Augen noch enger zusammen.
Komm schon …
Gleich würde er fallen. Das Wasser hatte sich schon längst zu einem Tropfen geformt und dieser hing nun schwer von der Gesteinsdecke herab. Es konnten nur noch Augenblicke sein.
Komm schon, verdammt nochmal!
Platsch! Der Tropfen fiel in eine kleine Pfütze zu Larrsens Füßen.
„Ich wusste es!“, rief er. Erschrocken über die eigene Lautstärke schaute er vorsichtig zu seinem schnarchenden Kollegen, der mit verschränkten Armen und dem Kinn auf der wulstigen Brust, auf dem Hocker neben ihm saß.
Nichts passiert. Zum Glück. Wenn der alte Umba eines nicht leiden konnte, dann aus seinem Schlaf gerissen zu werden. Das hatte Larrsen zu seiner Anfangszeit hier unten schmerzlich erfahren müssen, als er seinen Kollegen wegen eines unheimlichen Geräusches weckte, das sich hinterher als das Fiepen einer Ratte herausgestellt hatte. Zum Dank hatte ihm Umba eine runtergehauen und den liebevollen Ratschlag erteilt, sich gefälligst ein paar Eier wachsen zu lassen. Seitdem hatte er es nicht mehr gewagt, den alten Kauz zu stören oder ihn — wenn er denn mal wach war — mit seinen Fragen auf den Geist zu gehen. Doch diesmal … Er schaute zur Decke und kaute auf seiner Unterlippe herum. Die Tropfen häuften sich. Und dass es überhaupt tropfte kam schon selten genug vor. Die Wassermassen des schon seit Tagen anhaltenden Regens bahnten sich langsam aber sicher einen Weg durch das Gestein des Verließes. Und das gefiel ihm nicht.
Er schielte zu seinem Kollegen, der kurz ein wohliges Schmatzen verlauten ließ und mit der Schnarcherei fortfuhr. Er wollte es ihm sagen, er musste es ihm sagen, doch es hatte drei verdammte Wochen gedauert, bis er wieder schmerzfrei kauen konnte.
Platsch!
Wieder glitt der Blick zur Decke. Heute war es richtig schlimm. Die Abstände, in der die Tropfen fielen, wurden mit jedem Mal geringer. Und er hatte darauf bis gerade genaustens geachtet. Doch wie konnte er Umba davon überzeugen?
Ein kalter Lufthauch zog durch die Spalten der schweren Eichentüre und brachte das Feuer der Fackeln zum Flackern. Larrsen zog den Kragen seiner grauen Uniform enger.
Vielleicht sollte er eine Strichliste führen. Doch ihm fehlte erstens etwas womit er schreiben konnte, zweitens etwas worauf er schreiben konnte und drittens etwas, das eine zeitliche Einteilung ermöglichte. Er seuftzte. Wahrscheinlich machte er sich nur wieder verrückt. Er stand auf, ging ein paar Schritte auf und ab, blickte in die leerstehenden Zellen, die sie hier unten bewachten und suchte vergeblich nach einem auf dem Boden liegenden Steinchen, dem er mithilfe eines gezielten Trittes seinen Frust aufdrücken konnte. Doch natürlich lag hier nichts. Er hatte ja auch schon dreimal durchgefegt. Konnte ja sein, dass hier doch mal ein Vorgesetzter auftauchte und nach dem Rechten sah, und da wollte er aufgrund eines ungefegten Bodens nicht die Chance auf seine Versetzung in die Altstadt gefährden. Er blieb stehen, schloss die Augen und lächtelte. Ja, die Altstadt. Dort spielte das Leben, dort war was los, dort gab es was zu tun! Dort hatte sein Beruf Bedeutung. Und dort waren auch Leute, die es schätzten, wenn man sich Mühe gab. Und wenn darunter gewisse Leute waren, dann hatte man auch Chancen darauf, versetzt zu werden. Oberaufseher, stelle sich das einer mal vor. Er stellte es sich vor: wie er Aufgaben verteilen durfte, wie ihm die Verantwortung oblag, dass auch alles geregelt ablief, wie die Leute ihm respektvoll zulächelten anstatt sich in aller Offensichtlichkeit über seine Größe lustig zu machen. Nicht nur klein, auch schmächtig war er. Dazu die große Nase. Die perfekte Mischung um in der Gesellschaft die Rolle der Witzfigur einzunehmen. Tja, das Leben hatte es mit ihm nicht gut gemeint, doch wie sein Vater schon immer zu sagen pflegte, solle man niemals den Umständen die Schuld in die Schuhe schieben, wenn man etwas aus sich machen wolle. Und beim Schöpfer, das wollte er!
Er schnappte sich ein weiteres Mal den Besen und wollte gerade mit dem Fegen beginnen, als …
Platsch.
Er drehte sich kurz zu der kleinen Pfütze um. Mach dich nicht verrückt, ermahnte er sich. Die Langeweile treibt seine Spielchen mit dir.
Er wandte sich wieder seiner überflüssigen Aufgabe zu, setzte an und …
Platsch, platsch!
Der Besen fiel achtlos zu Boden, Larrsen schritt eilig zu dem Riss in der Decke. Zwei verdammte Tropfen! Das mulmige Gefühl in seiner Magengegend nahm zu. Langsam konnte man schon sagen, dass es hier unten reinregnete. Ja, das war etwas, was seiner Aussage Dringlichkeit verlieh und Rechtfertigung genug, um Umba zu wecken.
Er zögerte, schaute auf die dicken, haarigen Arme seines Kollegen. Ein aufflackernder Phantomschmerz in Larrsens Kiefer erinnerte ihn daran, dass das Wecken keine gute Idee sein würde. Er knirrschte mit den Zähnen. Es waren doch nur ein paar Tropfen, verdammt nochmal. Wieso machte ihn das bloß so verrückt? Er besann sich um Fassung. Ganz ruhig, das ist doch nur Wasser. Nur Wasser. Also schnapp dir jetzt den Besen und …
Platsch, Platsch.
„Umba? Hey, Umba!“ Larrsen schüttelte seinen Kollegen an der Schulter. Nichts tat sich, Umba schmatzte kurz, dann schnarchte er weiter. Larrsen begann heftiger zu schütteln — Platsch, Platsch — und heftiger.
Der Fleischberg auf dem kleinen Hocker kam in Bewegung. Ein paar unartikulierte Laute folgten. Larrsen hörte mit dem Schütteln auf. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was er getan hatte. Mit Entsetzen beobachtete er, wie sich die von roten Äderchen durchzogenen Nasenflügel aufblähten und die Brauen senkten.
Oh, oh.
Umbas Lider flackerten noch eine Weile, dann öffneten sie sich und er schaute verdutzt durch die Gegend. „Was … was ist los?“
Erst jetzt fiel Larrsen auf, dass er selbst an seinen Fingern herum nestelte und sein Gewicht ständig von einem Fuß auf den anderen verlagerte.
„Es tropft!“, schoss es aus ihm heraus.
Pause. „Was?“
„Hier regnet es rein, Umba.“
„Wo?“ Umba beugte sich leicht vor, der Hocker ächzte.
„Na hier, siehst du?“ Larrsen fuchtelte mit dem Finger über der Stelle mit dem Riss herum. Mit Unbehagen beobachtete er, wie sich die Gesichtszüge Umbas verfinsterten. Dass es in diesem Moment nicht von der Decke tropfte machte die Situation nicht besser.
„Warte, gleich müsste es … manchmal, da dauert es ein bisschen länger, das habe ich schon feststellen können.“
Umbas Mund öffnete sich leicht, er bewegte den Unterkiefer zur Seite und sah Larrsen mit müdem Blick an.
Komm schon, bettelte er im Stillen die Decke an. Sein Blick huschte zwischen seinem Kollegen und dem Riss an der Decke her.
„Jetzt gleich, jeden Moment, warte.“ Zu seiner Erleichterung formte sich das Wasser abermals zu einem Tropfen, der schnell an Größe gewann. „Jeden Augenblick!“, Larrsen machte ein paar beschwichtigende Handbewegung während sein Blick weiterhin an der Decke haftete.
„Es … tropft?!“ Die Stimme Umbas war unheilverkündend. Der Hocker ächzte ein weiteres Mal auf, als sich die fleischigen Massen erhoben.
Larrsen traute sich nicht hinzusehen, flehte den Tropfen förmlich an herunterzufallen.
Umba schlurfte auf ihn zu, er konnte seine Präsenz deutlich spüren.
„Es … TROPFT?!“
Die bassige Stimme fuhr ihm durch Mark und Bein. „Bitte“, wisperte er der Decke entgegen.
Dann, endlich: Platsch, platsch.
„Da! Siehst du?!“ Er zeigte wie wild mit dem Finger auf die kleine Pfütze zu seinen Füßen, auf deren Oberfläche sich kreisförmige Wellen ausbreiteten. Larrsen leckte sich über die Lippen, wusste gar nicht, wo er zuerst anfangen sollte. „Pass auf, Umba: zuerst waren es ab und an mal ein paar Tropfen, wie du dich sicherlich erinnerst. Aber in der letzten Zeit fielen hier immer häufiger welche von der Decke. Und das liegt am Regen, das ist ganz klar. Aber jetzt halt dich fest: heute reden wir nicht mehr von nur einem Tropfen, der fällt, sondern von zwei hintereinander. Von zwei hintereinander, Umba, ist das nicht merkwürdig?!“ Seine Ekstase flachte ab, als er in das Gesicht seines Kollegen blickte. Dieser schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
Oh, oh.
„Das einzig Merkwürdige bist DU!“, hörte er noch, bevor ihn die Faust am Wangenknochen traf. Larrsen fiel stöhnend zu Boden. Der Schmerz breitete sich rasant in seinem ganzen Kopf aus und gewann mit jedem Augenblick an Intensität.
„Wegen so einer Scheiße weckst du mich?! Du bist doch nicht mehr ganz dicht, verdammt nochmal!“
Larrsens Augen füllten sich gegen seinen Willen mit Tränen; den Schmerz, den er verspürte war definitiv heftiger als beim letzten Mal. Er tastete benommen nach seinem Hut, den er in der kleinen Pfütze zu greifen bekam. Der Filzstoff hatte sich mit Wasser vollgesogen. Er setzte ihn sich geistesabwesend auf den Kopf, spürte, wie es ihm kalt und nass an den Schläfen hinablief. Er hatte es gewusst, wieso machte er auch ständig die gleichen Fehler. Das würde eine ordentliche Beule geben.
„Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du mich verdammt nochmal nur wecken sollst, wenn es wichtig ist. Und ein paar von der Decke fallende Tropfen sind das nicht!“
Larrsen schaute nicht auf, er fühlte sich wie ein geprügelter Hund.
Sein Kollege trat näher zu ihm heran. „Schau nach links und sag mir, was du siehst!“, zischte er.
Larrsen tat wie ihm geheißen, traute sich jedoch nicht, aufzublicken, als er die Antwort gab: „Zellen.“
„Leere Zellen! Verstehst du? Leere Zellen! Hier unten gibt es keine Gefangenen zu überwachen, nichts, was uns auf irgendeine Weise gefährlich werden könnte. Kapierst du das?“
„Ja.“
„Ich will, dass du das verdammt nochmal in deinen Schädel kriegst, Junge! Hier unten gibt es nichts zu tun, wird es nie was zu tun geben und das ist auch verdammt gut so. Bezahlte Ruhe nenne ich das, was besseres gibt es nicht. Und das will ich mir nicht nehmen lassen, nur weil einem Hosenscheißer wie du es zu langweilig wird. Du versuchst krampfhaft irgendetwas zu finden, dass die Nächte hier unten interessanter macht, aber dann leg dir wenigstens irgendeine Beschäftigung zu, die Sinn hat. Zeichne, schnitze, was weiß ich. Solange ich weiterhin ungestört pennen kann, ist mir das egal! Verstanden?“
„Ja.“
Eine kleine Pause verging, nur das Flackern des Fackellichts war zu hören.
Umba schnaufte hörbar aus, dann senkte sich seine Stimme ein wenig. Vor Larrsens Augen schob sich seine fleischige Hand. „Jetzt nimm schon, Mann.“
Larrsen ließ sich von ihm aufhelfen. Umba rückte ihm den Hut zurecht, dann legte er seine Pranke auf Larrsens Schulter. „Du willst ein bisschen mehr Spannung und Sinn. Ich verstehe das. Für dich sind es noch drei Monate …“
„Vier.“
„Was?“
„Es sind noch vier Monate.“
„Dann eben vier, ist doch auch egal. So lange ist das jedenfalls nicht mehr. Benimm dich, schnitz ein bisschen, dann lege ich ein gutes Wort für dich ein und du wirst versetzt.“
„In die … Altstadt?“ Larrsen nestelte wieder an seine Fingern herum.
„Ja, wenn du Glück hast. Ansonsten wirst du wahrscheinlich weiter südlich in eine der neueren Siedlungen versetzt. Doch auch da stehen Verbreche an der Tagesordnung, das sagt man sich zumindest im Eck.“
Das Eck war, wie Larrsen wusste, die Klatschküche der Suffköpfe, und wenn man auf den neusten Stand gebracht werden wollte, was Politik und den Alltag Thromwalls betraf, dann ging man hier hin. Meist stellten sich die Gerüchte als wahr heraus.
„Also …“, sagte Umba weiterhin und schlug ihm leicht gegen die Schulter. „Es warten bessere Tage auf dich.“ Er breitete seine Arme aus und drehte sich leicht hin und her. „Und das hier unten, das sind die meinen.“
Larrsen nickte. Ja, Umba war als Wärter schon ziemlich lange im Geschäft wie er zu seiner Anfangszeit mitgeteilt bekommen hatte. Auf Wunsch hin hatte man ihn hierherversetzen lassen. In ein kleines Verließ unterhalb einer fast nie besuchten Hügel-Kappelle.
Umba hatte es sich wieder auf seinem Hocker bequem gemacht, die Arme verschränkt.
„Ich will, dass du dir morgen Schnitzzeug mit bringst", sagte er.
Larrsen nickte und dachte, dass er das Schnitzen noch langweiliger fand, als hier dumm herum zu sitzen, doch er traute sich nicht, seinem Kollegen Widerworte zu geben. Er hatte sich beruhigt, und man merkte, dass es ihm — wenn auch nur ein bisschen — leid tat, dass er Larrsen so heftig geschlagen hatte.
Platsch, platsch.
„Und das da.“ Er deute mit dem Kinn zur Decke. „Hier unten wird es schon mal an ein paar Tagen nasser, das ist völlig normal. Kein Grund sich deswegen in die Hosen zu scheißen und mich zu wecken.“
Larrsen nickte wieder.
„Schnitzzeug!“, ließ er nochmal verlauten ehe er seine Augen schloss.
„Ja, Schnitzzeug“, murmelte Larrsen, dann nahm auch er wieder Platz.


Fortsetzung folgt

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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 808
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 22.06.2019 20:36    Titel: Antworten mit Zitat

Gut geschrieben, finde ich!
Mir gefallen die Charaktere, die Beschreibung, die Wortwahl. Die Szene fühlt sich insgesamt etwas langgezogen an, doch wenn sie so später im Kapitel I steht, vor und nach Spannenderem, passt sie. Als Buchanfang wäre es jetzt nicht mein Favorit, aber das muss ja nichts heißen.
Da sind nur einige wenige Kommafehler, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind, aber das ist Korrektoratsangelegenheit (was ein Wort).
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Jadea
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 38
Beiträge: 42
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 22.06.2019 21:02    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt das sehr gut!
Anhand deiner Beschreibungen konnte ich mich sofort in die Situation einfinden Daumen hoch²
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Gast







BeitragVerfasst am: 22.06.2019 22:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hach, ich freue mich gerade riesig über eure Kommentare, vielen lieben Dank, ihr zwei! smile extra

@Kiara Die Szene ist noch viel, viel länger Verstecken Hoffentlich kann ich den Leser lange genug bei der Stange halten, haha.
Es ist übrigens das Spannendste, was ich seit langem geschrieben habe Laughing Mag es lieber, wenn die Geschichte etwas langsamer ins Rollen kommt, zumindest was Ereignisse angeht. Will ja selbst erstmal die ganze Atmosphäre und die Charaktere kennenlernen. Aber kann das gut verstehen, dass das bei manch einem nicht so gut ankommt. Beim Lied von Eis und Feuer wurde es mir auch recht schnell zu viel des Guten, da konnte mich dann irgendwann auch der spannungversprechende Prolog nicht mehr über die geballte Langeweile hinwegtrösten, die mir da entgegenschlug. Zumindest empfand ich so vor ein paar Jahren. Vielleicht sollte ich der Reihe eine neue Chance geben.Grr <-- (der Smiley macht doch kein "Grr", oder? Für mich schaut er kritisch denkend drein. Evtl. "hmm"?)
Oha, Kommafehler! Ein nie enden wollender Krieg mit den Biestern. Wärst du so freundlich mir ein paar anzustreichen? smile Übersehe die sehr gerne. Beim Drüberlesen habe ich übrigens noch ein paar Rechtschreib- und Grammatikfehler gefunden. Warum eigentlich immer erst, wenn der Text schon online ist und nicht bei den drölftausend Durchgängen davor? Vielleicht steigert die entsetzliche Vorstellung, dass jemand Fehler finden könnte, nachdem der Text nicht mehr editierbar ist, ja die Konzentration nochmal um ein Vielfaches. Vorstellen könnte ich mir das.

@Jadea Da ich gerade mit Beschreibungen früher sehr zu kämpfen hatte, freut mich das mega! smile extra

Nochmal ein fettes wie herzliches Dankeschön an euch zwei!

LG
Finn
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 44
Beiträge: 172



BeitragVerfasst am: 23.06.2019 09:35    Titel: Re: Das Tal im Himmel Antworten mit Zitat

Moin,

ich muss mich da einfach mal anschließen! Das war das spannendste Tröpfeln von einer Decke, über das ich je gelesen habe. Das liegt auch daran, weil - mir zumindest - nicht klar ist, ob Larrsen das Tröpfeln nur aufgrund seiner Langeweile als bedrohlich wahrnimmt oder ob da nicht doch etwas dran ist. So eine kleine Restunsicherheit blieb bei mir bis zum Schluss. Auch der Aufbau der Szene ist saugudd. Larrsen ist als Charakter sehr präsent und greifbar. Ich fühle definitiv mit ihm! Ich habe aber das klitzekleine Gefühl, dass mir die beiden Burschen in dieser charakterlichen und physiognomischen Konstellation schon einmal begegnet sind. Aber das ist nur ein winziger Wermutstropfen.

Ich habe mir erlaubt, die Fehler anzustreichen, die mir aufgefallen sind. Ich empfinde das als gute Übung, da ich manchmal mit der Zeichensetzung hadere. Ich hoffe, ich habe es auch verbessert. Very Happy  Ich habe mich nur auf die relevanten Sätze konzentriert und dazwischen Auslassungszeichen gesetzt.

Hier scheint mir das Tempus nicht zu stimmen:
Zitat:
Das Tal im Himmel - Kapitel 1


Das hatte Larrsen zu seiner Anfangszeit hier unten schmerzlich erfahren müssen, als er seinen Kollegen wegen eines unheimlichen Geräusches weckte, das sich hinterher als das Fiepen einer Ratte herausgestellt hatte.


Ich meine, "als er seinen Kollegen wegen eines unheimlichen Geräusches geweckt hatte, das sich hinterher als das Fiepen einer Ratte herausstellte", sei richtiger. Also richtig eben.

Zitat:
Doch ihm fehlte erstens etwas, womit er schreiben konnte, zweitens etwas, worauf er schreiben konnte, und drittens etwas, das eine zeitliche Einteilung ermöglichte. (...) Die perfekte Mischung, um in der Gesellschaft die Rolle der Witzfigur einzunehmen.
(...) Sagt man das so? -> Er besann sich um Fassung.  Vllt doch nur: Er fasste sich.
(...) Vllt zwei Sätze: Nichts tat sich. Umba schmatzte kurz, dann schnarchte er weiter.
(...) Daumen hoch -> Mit Entsetzen beobachtete er, wie sich die von roten Äderchen durchzogenen Nasenflügel aufblähten und die Brauen senkten.
(...)
Dass es in diesem Moment nicht von der Decke tropfte, machte die Situation nicht besser.
(...)
„Jeden Augenblick!“ Larrsen machte ein paar beschwichtigende Handbewegung, während sein Blick weiterhin an der Decke haftete.
(...)
Aber jetzt halt dich fest: Heute reden wir nicht mehr von nur einem Tropfen, der fällt, sondern von zwei hintereinander.
(...)
Larrsens Augen füllten sich gegen seinen Willen mit Tränen; deR Schmerz, den er verspürte, war definitiv heftiger als beim letzten Mal
(...)
Würde ich in zwei Sätze teilen: Du versuchst krampfhaft irgendetwas zu finden, dass die Nächte hier unten interessanter macht. Aber dann leg dir wenigstens irgendeine Beschäftigung zu, die Sinn hat.
(...)
Klingt komisch. Vllt: Eine kleine Pause entstand? Eine kleine Pause verging, nur das Flackern des Fackellichts war zu hören.
(...)
weiterhin würde ich weglassen

„Also …“, sagte Umba weiterhin und schlug ihm leicht gegen die Schulter.
(...)
Larrsen nickte. Ja, Umba war als Wärter schon ziemlich lange im Geschäft, wie er zu seiner Anfangszeit mitgeteilt bekommen hatte.
(...)
„Ich will, dass du dir morgen Schnitzzeug mitbringst", sagte er.
Larrsen nickte und dachte, dass er das Schnitzen noch langweiliger fand, als hier dumm herumzusitzen, doch er traute sich nicht, seinem Kollegen Widerworte zu geben
(...)
Kein Grund, sich deswegen in die Hosen zu scheißen und mich zu wecken.“ Da bin ich mir nicht sicher.
Larrsen nickte wieder.
„Schnitzzeug!“, ließ er nochmal verlauten, ehe er seine Augen schloss.


Ich freue mich auf eine Fortsetzung!

VG
Silke
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Daniel de Iguazu
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 42
Beiträge: 51
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 25.06.2019 19:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, mir gefällt dein Text smile

Die Geschichte mit den Tropfen ist spannend geschrieben. Die Charakter sind greifbar, alles wirkt plastisch, und ich fieberte sofort mit Larrsen mit.

Aber irgendwie finde ich das Kapitel etwas zu langatmig. Man bleibt dran, weil du alles sehr gut beschrieben hast, aber ich würde den Text trotzdem kürzen.
Das ist natürlich Geschmackssache. Ich finde auch, dass das Lied von Eis und Feuer viel Kürzungspotenzial hat. Viele Fans der Serie würden da wahrscheinlich aufschreien.

Ein paar Details:

Zitat:
„Und er hatte darauf bis gerade genaustens geachtet.“ Ich finde der Satz klingt etwas umständlich. Vorschlag: „bis gerade“ streichen oder den ganzen Satz streichen.

„Er seuftzte“ Ohne erstes „t“.

„Er stand auf, ging ein paar Schritte auf und ab, blickte in die leerstehenden Zellen, die sie hier unten bewachten(Komma)“

„(Es) konnte ja sein, dass hier doch mal ein Vorgesetzter auftauchte und nach dem Rechten sah,“ (Spekulation in die Zukunft, Konjunktiv 2) evtl. mit Würde-Form: „dass hier doch mal ein Vorgesetzter auftauchen und nach dem Rechten sehen würde.“ „Es“ am Anfang, weil es ansonsten kein vollständiger Satz ist. Bei Gedanken und wörtlicher Rede OK, aber hier würde ich davon absehen.

„und da (deshalb) wollte er aufgrund eines ungefegten Bodens nicht die Chance auf seine Versetzung in die Altstadt gefährden.“

„Er stellte es sich vor: wie er Aufgaben verteilen durfte“ Ich finde hier passt Komma besser als Doppelpunkt.

„Erst jetzt fiel Larrsen auf, dass er selbst an seinen Fingern herum nestelte und sein Gewicht ständig von einem Fuß auf den anderen verlagerte.“ „Erst jetzt fiel auf“ passt nicht so gut. Evtl. besser: „ Larrsen fiel nicht auf, dass er an seinen Fingern herum nestelte und sein Gewicht ständig von einem Fuß auf den anderen verlagerte.“ Dass es ihm nicht auffällt, klingt in dieser Situation wahrscheinlicher.


Ich freue mich auch auf eine Fortsetzung.
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Gast







BeitragVerfasst am: 29.06.2019 07:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, der Morgen lacht, die Sonne auch und ich erst recht, denn es ist Wochenendeee! Cool

Zwei weitere Kommentare -- ja, was habe ich mich gefreut! An dieser Stelle schon mal ein Vorab-Dankeschön, ein ganz, ganz fettes. Toll!


@silke

Zitat:
Moin,

ich muss mich da einfach mal anschließen! Das war das spannendste Tröpfeln von einer Decke, über das ich je gelesen habe. Das liegt auch daran, weil - mir zumindest - nicht klar ist, ob Larrsen das Tröpfeln nur aufgrund seiner Langeweile als bedrohlich wahrnimmt oder ob da nicht doch etwas dran ist. So eine kleine Restunsicherheit blieb bei mir bis zum Schluss. Auch der Aufbau der Szene ist saugudd. Larrsen ist als Charakter sehr präsent und greifbar. Ich fühle definitiv mit ihm! Ich habe aber das klitzekleine Gefühl, dass mir die beiden Burschen in dieser charakterlichen und physiognomischen Konstellation schon einmal begegnet sind. Aber das ist nur ein winziger Wermutstropfen.


Moin zurück, liebe Silke! Cool

Ein spannendes Tröpfeln, schreibst du, ein Juhu!, schreib ich. smile extra Ich hatte zwischenzeitlich ja immer mal wieder meine Zweifel, warum man sich für eine undichte Decke interessieren sollte, doch ich habe einfach weitergeschrieben, weil es in dem Moment einfach Spaß gemacht hat, herauszufinden, was es damit auf sich hat. Vor allem, wie Larrsen damit umgeht, haha.
Ich befürchte langsam aber, dass das Kapitel, welches die ganze Zeit unten im Verließ spielt, auf Dauer zu langatmig wird für den Leser. Man erforscht dabei ein bissl sLarrsens Vergangenheit (urgs, Infodump?), seine Schwächen, Stärken (glaube ich zumindest) und es wird natürlich ein wenig mehr passieren -- aber trotzdem. Vielleicht muss ich das Ganze mit etwas Dazwischengestreutes auflockern oder so, mal schauen Grr (<--- haha, da isser wieder!)

Dass du dieser Figurenkonnstellation schon einmal begegnet bist, kann sehr gut sein: unsicherer Frischling vs. miesgelaunter Veteran (oder so ähnlich), da besteht viel Konfliktpotenzial. Daran habe ich mich aber nicht orientiert. Habe einfach das genommen, was ich während des Schreibens passend fand lol2

Zitat:
Ich habe mir erlaubt, die Fehler anzustreichen, die mir aufgefallen sind. Ich empfinde das als gute Übung, da ich manchmal mit der Zeichensetzung hadere. Ich hoffe, ich habe es auch verbessert. Very Happy Ich habe mich nur auf die relevanten Sätze konzentriert und dazwischen Auslassungszeichen gesetzt.


Perfekt, das kann ich immer gut gebrauchen, lieben Dank! smile extra

Zitat:
Ich meine, "als er seinen Kollegen wegen eines unheimlichen Geräusches geweckt hatte, das sich hinterher als das Fiepen einer Ratte herausstellte", sei richtiger. Also richtig eben.


Ach du liebes bisschen, diese verdammten Zeiten ständig! Jedes Mal komme ich damit durcheinander. Hatte/habe, ein Pärchen, mit dem ich mich wohl nie gut verstehen werde. Vielen Dank! smile

Weiter:

1. So viele Kommafehler ... Embarassed ... da sage ich mal nichts zu, außer: Danke! smile
2.Ich meine, das so schon mal gelesen zu haben und ganz sicher meine ich, dass ich das seitdem immer mal wieder verwende. Finde ich irgendwie schön "sich um Fassung besinnen". Aber das schaue ich besser nochmal nach ...
3. Das finde ich gut. Übernommen!
4. Danke für den Daumen. smile Hier zwei an dich zurück für die tolle Arbeit, liebe Silke: Daumen hoch²
5.-8. So ... so viele Interpunktionsfehler ... arghhh ... Dankeschön!
9. Die Teilung lasse ich mir nochmal durch den Kopf gehen, finde ich aber nicht schlecht.
10. Haha, ja, das mit der Pause. Ich glaube, die lasse ich aber so. Gefällt mir nach wie vor sehr gut. Trotzdem Danke für den Alternativvorschlag smile
11. Oh ja, das "weiterhin" kommt weg. Danke! smile
12.-14. Wird so übernommen! Diese Kommafehler machen mich fertig, buhhuhu Crying or Very sad Zum Glück hast du sie entdeckt! Bei dem, wo du dir nicht sicher bist: ich meine, das kann man so machen, wegen der folgenden Infinitiv-Form. Da ist Kommasetzung optional, mein ich.

Liebe Silke, nochmal vielen, vielen Dank. Habe mich wirklich riesig über deine Worte und Verbesserungsvorschläge gefreut. Hab noch einen wundervollen Samstag mit ganz viel Sonne und noch mehr Erholung! smile

Liebe Grüße
Finn
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Gast







BeitragVerfasst am: 29.06.2019 08:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Daniel

Daniel de Iguazu hat Folgendes geschrieben:
Hallo, mir gefällt dein Text smile

Die Geschichte mit den Tropfen ist spannend geschrieben. Die Charakter sind greifbar, alles wirkt plastisch, und ich fieberte sofort mit Larrsen mit.

Aber irgendwie finde ich das Kapitel etwas zu langatmig. Man bleibt dran, weil du alles sehr gut beschrieben hast, aber ich würde den Text trotzdem kürzen.
Das ist natürlich Geschmackssache. Ich finde auch, dass das Lied von Eis und Feuer viel Kürzungspotenzial hat. Viele Fans der Serie würden da wahrscheinlich aufschreien.


Moin Daniel!

Dass dich die Charaktere unterhalten haben, finde ich natürlich suuuuper. smile Aber auch mit dem Hinweis, dass dir das Ganze zu langatmig ist, kann ich viel anfangen. Die Langatmigkeit wurde nun schon mehrfach erwähnt und im Angesicht der Tatsache, dass sich das Kapitel noch eine ganze Weile streckt, befürchte ich, viele Leser zu verlieren. Klar, auf der einen Seite will ich die Leser zufrieden stellen, auf der anderen Seite will ich mein Werk selbst noch mögen. Ich mag es sehr, wenn man sich länger in einer Szene/an einem Schauplatz aufhält, als diesen nur kurz zu besuchen -- da hat man mehr Zeit, die Atmosphäre in sich aufzunehmen, sofern denn eine vorhanden ist. Doch manche Stellen sind -- nachdem ich mir die doppelt so lange Fortsetzung nochmal zu Gemüte geführt habe -- einfach zäh und müssen weg. Will das nach dem Prinzip "So wenig wie möglich, so viel wie nötig" fahren. Denke, damit kann ich mich durchaus arrangieren. Bin gespannt wie der Rest ankommen wird. smile

Zitat:
Ein paar Details:

Immer her damit! smile Gehe deine Anmerkungen der Reihe nach durch:

1. Da hast du verdammt recht, der Satz klingt wirklich grausig. Da muss ich nochmal ran. Danke dir!

2. - 3. Embarassed Embarassed Embarassed  Oh Mann ... Dankeschön! smile

4. Schon wieder ein Zeitenfehler, grrr. Mit den Dingern werde ich einfach nicht warm .Vielen Dank für den Hinweis mit dem Konjunktiv, da hast du völlig recht. Daumen hoch Eines "Es" bedarf es -- auch an dieser Stelle -- mMn aber nicht.

5. Hui, da bin ich mir nicht sicher. Darf man hier nicht "da" schreiben? Hmmmm.

6. Ich finde, ein Doppelpunkt passt besser. Aber das ist wirklich Geschmackssache, schätze ich.

7. Ein durchaus nachvollziehbarer Vorschlag. Der Satz klingt auch irgendwie schräg. Würde ich jedoch schreiben, dass es ihm nicht auffällt, dann machte ich einen plötzlichen Perspektivenschlenker zum auktorialen Erzähler, befürchte ich. Zwar kenne ich mich diesbezüglich auch nicht so gut aus, doch bisher sitzt der Erzähler ja in Larrsens Kopf und an dieser Stelle würde er ihn auf einmal verlassen. So kommt mir das zumindest vor.

Lieber Daniel, auch dir vielen lieben Dank für deine Worte, Korrekturen und Vorschläge. Das hat mir sehr weitergeholfen! smile extra

Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende! smile extra

Liebe Grüße
Finn
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