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feindfrau 2


 
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3802

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 08.05.2019 00:05    Titel: Antworten mit Zitat

Und das der Moment, wo ich bereue, mich zum Text geäußert zu haben. Weil was ich dazu äußerte dich womöglich mit dazu getrieben hat, den Anfang zu töten.
Darf ich jetzt zurückrudern? Confused

"Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben." Das klingt so ... ja, so viel schwächer als der ursprüngliche Einstieg. Ich glaube, das Glauben schwächt es so ab. Und überhaupt: Glauben sie nicht an nichts, die Menschen und der Erzähler.

"Das Licht in diesem Teil der neuen Welt bildete jederzeit eine am Zenit stehende Sonne ab" vielleicht, wenn es denn nicht mehr so überhöht klingen soll? (Ich denke ja inzwischen, es sollte doch, aber ich weiß ja auch nicht, wo du damit hinwillst. Ach, ich gebe zu, inwischen mag ich die Eigenschaft des Lichts als Formulierung auch einfach sehr.)

Insgesamt: Liest sich der Text in der neuen Version einfacher, und bis auf den Einstiegssatz stolpere ich dabei über nichts, was mich stören würde (ganz neutral gemeint, den Lesefluss stören kann ja gut oder schlecht sein). M.E. wäre das jetzt eher die Sprache dieser neuen Welt. Ob das so soll und ob letztlich die poetischere oder die einfachere Version besser den Inhalt transportiert, den du transportiert haben willst, das weißt du nur ganz allein.
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Diamond
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 264



BeitragVerfasst am: 08.05.2019 02:08    Titel: Re: feindfrau 2 Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ich habe die Überarbeitung gelesen. Weniger Kommas ja, lesbarer auch, aber so im direkten Vergleich betrachtet, habe ich keine klare Tendenz zu einer bestimmten Version. Ich möchte Dir auch nicht in den Text pfuschen, hätte aber ein/zwei Vorschläge für den ersten Absatz. Nimm Dir, was Du brauchst.

LG Diamond  

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben.

Mit Tagesanbruch war es da,
Das "war es da" ist eine Formulierung, über die ich zweimal nachdenken musste. Ich frage mich, wenn es da war bei Tagesanbruch, sagt das nichts darüber aus, wann es erscheint. Geht es auf wie die Sonne oder geht einfach ein Licht an. Ich denke, wenn statt des "war" eine richtiges Verb, also kein Hilfsverb,  dort stehen würde, hätte der Satz mehr Aussagekraft, dann klingt es nicht wie Hier bin ich, nun freu dich.

als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet, der in den folgenden Stunden reglos und unbarmherzig am Himmel stehen würde. - Zweimal Konjunktiv in einem Satz? Das "hätte" genügt eigentlich, um den Vergleich einzuleiten, der sich ja nur im Nebensatz fortsetzt, weshalb es für mich dort keinen Konjunktiv (stehen würde) mehr bräuchte.

Dieses Licht riss alles an sich, was es zu fassen bekam, die Oberflächen, die Kanten der Dinge, und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. - Dieser Satz ist etwas zerrissen in der Handlung, das ist aber auch nur meine Meinung. Vielleicht wäre Umstellen eine Alternative.

Mein Vorschlag:
Dieses Licht riss (alles - braucht es nicht, weil du es noch in diesem Satz ausführst, das ist dann doppelt gemoppelt) an sich, was es zu "fassen" (in seinen Schein/Strahl?) gerät? bekam, und und trennte (die) Oberflächen und (die) Kanten ((der Dinge (Welche Dinge eigentlich? Das ist etwas ungenau.)) aus seiner (Die Umgebung des Lichts? Wenn ja, ist das die Umgebung, es gibt ja nur eine (?) dann genügt ein Artikel, hier -der-) Umgebung heraus.(, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. - Das "uns" wäre für mich an dieser Stelle verzichtbar, es ist ja nur ein "Lagebericht" zum Licht, das "vor Augen stand" müsste dann natürlich auch entsprechend geändert werden. Vielleicht braucht es den Schwanz ab "bis..." auch nicht. Es Klänge evtl. sogar spannender.)

Und jetzt nochmal ohne Einschübe und Anmerkungen:
Das Licht riss an sich, was es zu fassen bekam, und trennte Oberflächen und Kanten aus der Umgebung heraus. - Hier fehlt zwar noch die Präzisierung der "Dinge", aber es ist auch nur ein Vorschlag. In einem weiteren Satz könntest Du dann zum Beispiel noch auf das "uns" hinweisen, also den Schwanz anfügen, sollte es für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig sein. Wenn nicht, eignet sich diese Stelle vielleicht auch, um den Ich-Erzähler einzuführen. Letztlich ist das alles Geschmacksache, da ist jeder Autor sein eigener Herr und so soll es auch sein.

Nicht dass einer von uns diesen oder ähnliche Gedanken in Worte gefasst hätte, sich selbst oder anderen gegenüber – zu unsinnig schien es, Dinge begreifen zu wollen, die längst begriffen waren. Man suchte also nicht nach Worten, sondern nach Nahrung, huschte von Deckung zu Deckung oder band sich das eigene Hab und Gut auf den Rücken und folgte in einer quälenden Langsamkeit den Schlagschatten der Wolkenkratzer und Brückenpfeiler, die wie letzte Relikte einer vergangenen Ordnung aus der Ödnis ragten.

Und so waren es nicht der Kampf um die letzten Ressourcen oder das damit einhergehende Misstrauen, die alles umfassende Präsenz von Hunger und Durst, die uns zunehmend voneinander trennten, sondern eine Ernüchterung und Sprachlosigkeit, aus der sich keiner zu lösen vermochte; als wäre es, bei Licht betrachtet, unmöglich, sich noch irgendeiner Form der kollektiven Täuschung hinzugeben, irgendeiner Illusion, einem Trost, in dem das Wissen um unsere Situation hätte verschwinden können – so dass die meisten von uns sich damit begnügten, in einem dämmrigen Zustand auf den Einbruch der Nacht zu warten, die mit ihren namen- und gestaltlosen Schrecken geradezu erträglich wirkte.

Manchmal kam es vor, dass jemand eine Geschichte aus der alten Welt erzählte – Geschichten aus der neuen Welt gab es nicht – und sich die anderen in den wohltuenden Schatten drängten, den die Worte auf das Heute warfen. Dann schien es für eine Weile so, als gäbe es ein Hinsehen und Begreifen ohne Schmerz, oder wenn ein Schmerz darin lag, dann schien er zumutbar, weil man ihn auf Dutzende Herzen und Köpfe verteilen konnte oder weil er einen vergessen ließ, dass man ein Individuum war.

Und doch: Hatte die Geschichte ihr Ende gefunden, hinterließ sie meist nichts als ein vages Bild, einen Gedanken oder eine Empfindung, die im Licht des nächsten Tages unweigerlich verblassten; kaum verwunderlich, dass man in den Geschichtenerzählern wenig mehr als Exzentriker sah, die selbst unter den übrigen Vagabunden einen zweifelhaften Ruf genossen. Bestenfalls hielt man sie für Spinner, nicht willens oder fähig zu akzeptieren, dass es längst nichts mehr zu erzählen gab.

Ich empfand den besonderen Argwohn, den man diesen Menschen entgegenbrachte, als durchaus gerechtfertigt – schließlich war ich einer von ihnen. Und wenn ich nicht mehr an meine Mitmenschen glaubte, glaubte ich an meine Geschichten noch weniger, es sei denn, sie brachten mir eine Mahlzeit oder eine Unterkunft ein; dann konnte ich mich für einen Tag mit ihnen versöhnen.[/fixed][/justify]

*

Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben. Mit Tagesanbruch war es da, als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet, der in den folgenden Stunden reglos und unbarmherzig am Himmel stehen würde. Dieses Licht riss alles an sich, was es zu fassen bekam, die Oberflächen, die Kanten der Dinge, und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand.

Nicht dass einer von uns diesen oder ähnliche Gedanken in Worte gefasst hätte, sich selbst oder anderen gegenüber – zu unsinnig schien es, Dinge begreifen zu wollen, die längst begriffen waren. Man suchte also nicht nach Worten, sondern nach Nahrung, huschte von Deckung zu Deckung oder band sich das eigene Hab und Gut auf den Rücken und folgte in einer quälenden Langsamkeit den Schlagschatten der Wolkenkratzer und Brückenpfeiler, die wie letzte Relikte einer vergangenen Ordnung aus der Ödnis ragten.

Und so waren es nicht der Kampf um die letzten Ressourcen oder das damit einhergehende Misstrauen, die alles umfassende Präsenz von Hunger und Durst, die uns zunehmend voneinander trennten, sondern eine Ernüchterung und Sprachlosigkeit, aus der sich keiner zu lösen vermochte; als wäre es, bei Licht betrachtet, unmöglich, sich noch irgendeiner Form der kollektiven Täuschung hinzugeben, irgendeiner Illusion, einem Trost, in dem das Wissen um unsere Situation hätte verschwinden können – so dass die meisten von uns sich damit begnügten, in einem dämmrigen Zustand auf den Einbruch der Nacht zu warten, die mit ihren namen- und gestaltlosen Schrecken geradezu erträglich wirkte.

Manchmal kam es vor, dass jemand eine Geschichte aus der alten Welt erzählte – Geschichten aus der neuen Welt gab es nicht – und sich die anderen in den wohltuenden Schatten drängten, den die Worte auf das Heute warfen. Dann schien es für eine Weile so, als gäbe es ein Hinsehen und Begreifen ohne Schmerz, oder wenn ein Schmerz darin lag, dann schien er zumutbar, weil man ihn auf Dutzende Herzen und Köpfe verteilen konnte oder weil er einen vergessen ließ, dass man ein Individuum war.

Und doch: Hatte die Geschichte ihr Ende gefunden, hinterließ sie meist nichts als ein vages Bild, einen Gedanken oder eine Empfindung, die im Licht des nächsten Tages unweigerlich verblassten; kaum verwunderlich, dass man in den Geschichtenerzählern wenig mehr als Exzentriker sah, die selbst unter den übrigen Vagabunden einen zweifelhaften Ruf genossen. Bestenfalls hielt man sie für Spinner, nicht willens oder fähig zu akzeptieren, dass es längst nichts mehr zu erzählen gab.

Ich empfand den besonderen Argwohn, den man diesen Menschen entgegenbrachte, als durchaus gerechtfertigt – schließlich war ich einer von ihnen. Und wenn ich nicht mehr an meine Mitmenschen glaubte, glaubte ich an meine Geschichten noch weniger, es sei denn, sie brachten mir eine Mahlzeit oder eine Unterkunft ein; dann konnte ich mich für einen Tag mit ihnen versöhnen.
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Inkognito
Hobbyautor


Beiträge: 481



BeitragVerfasst am: 08.05.2019 19:33    Titel: Re: feindfrau 2 Antworten mit Zitat

@ Jenni

Oje, bereuen und töten … ich glaube, dazu fehlt mir der Sinn für Dramatik Laughing
Letztendlich ist ja nichts passiert, das nicht rückgängig gemacht werden könnte. Ich stimme dir insbesondere zu, was das glauben angeht, das hatte ich beim Überarbeiten gar nicht auf dem Schirm, aber klar, wenn ich es jetzt so lese, geht das natürlich nicht.

Gerade der erste Satz hat ja doch schon ein paar Änderungsversuche hinter sich, und ein wenig stört es mich schon, noch keine elegantere Lösung als besaß die Eigenschaft gefunden zu haben. Wobei du auch da recht hast, die Eigenschaft des Lichts hat es schon verdient, im Text zu bleiben.

Was den Rest angeht: Ich sehe das eigentlich nicht unbedingt als eine Abkehr von der ursprünglichen Sprache, eher ein notwendiges Glätten; der Ton bleibt ja doch mehr oder weniger erhalten und ist, hoffe ich, auch einer, den man auf Länge durchhält, vorausgesetzt, der Inhalt passt.

@ Diamond

Zitat:
Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben.

Mit Tagesanbruch war es da,
Das "war es da" ist eine Formulierung, über die ich zweimal nachdenken musste. Ich frage mich, wenn es da war bei Tagesanbruch, sagt das nichts darüber aus, wann es erscheint. Geht es auf wie die Sonne oder geht einfach ein Licht an. Ich denke, wenn statt des "war" eine richtiges Verb, also kein Hilfsverb,  dort stehen würde, hätte der Satz mehr Aussagekraft, dann klingt es nicht wie Hier bin ich, nun freu dich.


Ich dachte, dass der Sinn des war es da im Folgenden präzisiert wird: als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet – damit ist für mich klar, dass es eben keinen Sonnenaufgang, kein langsam zunehmendes Licht gibt, keinen Übergang. Bzw.: Es kommt den Menschen eben so vor. Diesen Umstand, das An-Aus finde ich im Es war da eigentlich recht präzise und elegant verwortet.

Zitat:
als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet, der in den folgenden Stunden reglos und unbarmherzig am Himmel stehen würde. - Zweimal Konjunktiv in einem Satz? Das "hätte" genügt eigentlich, um den Vergleich einzuleiten, der sich ja nur im Nebensatz fortsetzt, weshalb es für mich dort keinen Konjunktiv (stehen würde) mehr bräuchte.


Warum nicht zweimal Konjunktiv in einem Satz, wenn der Satz es erfordert? Die Aussage, man müsse einen Vergleich lediglich mit einem Konjunktiv einleiten und könne im Rest des Vergleichs wieder zum Indikativ wechseln … nee, die teile ich nicht.

Zitat:
Dieses Licht riss alles an sich, was es zu fassen bekam, die Oberflächen, die Kanten der Dinge, und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. - Dieser Satz ist etwas zerrissen in der Handlung, das ist aber auch nur meine Meinung.


Ja, vielleicht ist es eine Frage des Geschmacks, der Gewohnheiten oder der Wahrnehmung. Was für den einen zerrissen ist, ist für den anderen eine Lesebewegung mit Einschüben und Kehren, die verhindert, dass der Satz langweilig wird, weil er sich stur von A nach B bewegt.

Zitat:
Mein Vorschlag:
Dieses Licht riss (alles - braucht es nicht, weil du es noch in diesem Satz ausführst, das ist dann doppelt gemoppelt) an sich, was es zu "fassen" (in seinen Schein/Strahl?) gerät? bekam, und und trennte (die) Oberflächen und (die) Kanten ((der Dinge (Welche Dinge eigentlich? Das ist etwas ungenau.)) aus seiner (Die Umgebung des Lichts? Wenn ja, ist das die Umgebung, es gibt ja nur eine (?) dann genügt ein Artikel, hier -der-) Umgebung heraus.(, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. - Das "uns" wäre für mich an dieser Stelle verzichtbar, es ist ja nur ein "Lagebericht" zum Licht, das "vor Augen stand" müsste dann natürlich auch entsprechend geändert werden. Vielleicht braucht es den Schwanz ab "bis..." auch nicht. Es Klänge evtl. sogar spannender.)


Mit dem Satz hadere ich durchaus auch noch, aber ich merke, dass es mir schwer fällt, ihn derart zu sezieren – man seziert ja, was tot ist – sprich: natürlich kann man jedes seiner Elemente herauslösen und bei Licht betrachten, sich fragen, ob es notwendig ist, aber manchmal frage ich mich, ob man in dem Moment, in dem man etwas derart betrachtet, überhaupt noch das Ganze sieht.
Mal im Einzelnen: das alles hätte ich schon gern, weil sonst die Gefahr der Verwirrung noch größer wird. Du fragst ja, auf wen sich seiner Umgebung bezieht – auf alles. Das Licht reißt alles an sich und trennt alles aus seiner Umgebung heraus, bis alles deutlich und unleugbar vor Augen steht. Wenn ich jetzt alles aus dem Satz streiche und du fragst, worauf sich seiner Umgebung beziehe, und ich sage, auf alles, dann würde man fragen: Welches alles? – und ich müsste antworten: Das alles, das ich aus dem Satz gestrichen habe?
So zumindest mein Gedankengang, der in meinem Kopf schlüssiger und zwingender scheint als in geschriebener Form.
Zu den Dingen – ja, hier geht es mir gar nicht darum, präzise zu sein, denn letztlich gemeint ist alles, und das ist eben grundsätzlich.
Auch auf den Schluss des Satzes möchte ich nicht verzichten, denn der ist ja das eigentlich Wichtige. Es geht eben nicht um einen bloßen "Lagebericht" zum Licht – das Licht kann ja sein, wie es will; was interessant ist, ist die Wirkung, die es auf die Menschen hat bzw. die Frage, warum sie es überhaupt so wahrnehmen. Darum geht es mir, dieses Nicht-Wegschauen-Können, das Vor-Augen-Stehen der Situation – nicht darum, Licht zu beschreiben.

Zitat:
Das Licht riss an sich, was es zu fassen bekam, und trennte Oberflächen und Kanten aus der Umgebung heraus.


Jetzt mal ganz doof gefragt: Gilt das nicht für jede Art von Licht? Es ist ja so, dass sich die ursprüngliche Passage aus meiner Sicht schon recht nah an einer sprachlich aufgehübschten Banalität bewegt, aber so reduziert wirkt es auf mich dann noch viel platter, als es vielleicht ohnehin schon ist.

Das klingt jetzt wahrscheinlich so, als würde ich Kritik grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen – tue ich nicht, und ich schätze auch die Mühe, die dahintersteckt. Aber ich muss ja auch erst einmal ausloten, wo ich stehe, und das geht am besten, wenn ich sehe, wo ich mich abgrenze.

Danke euch beiden fürs erneute Reinschauen.
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Diamond
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BeitragVerfasst am: 08.05.2019 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

@Inko, wenn Du das Licht neu erfinden möchtest oder erfunden hast für diese Geschichte, ist das völlig in Ordnung. Ansonsten ist Licht für mich eben immer noch Licht, mit allen Eigenschaften usw. Manche Autoren nennen die Dinge wie sie sind, andere wollen das lieber vermeiden. Du möchtest einen einzigartigen Text schreiben, vielleicht Wort und Satz neu erfinden, alles anders machen. Das möchte ich Dir nicht madig machen und bin raus.
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Inkognito
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Beiträge: 481



BeitragVerfasst am: 08.05.2019 22:32    Titel: Antworten mit Zitat

Diamond hat Folgendes geschrieben:
@Inko, wenn Du das Licht neu erfinden möchtest oder erfunden hast für diese Geschichte, ist das völlig in Ordnung.


Wo habe ich geschrieben, ich möchte "das Licht neu erfinden"?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Ansonsten ist Licht für mich eben immer noch Licht, mit allen Eigenschaften usw.


Und für mich nicht? Was hat die Frage, ob Licht "immer noch Licht" ist, "mit allen Eigenschaften usw." mit dem Text oder meinen Ideen dahinter zu tun?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Manche Autoren nennen die Dinge wie sie sind, andere wollen das lieber vermeiden.


Findest du es nicht ein wenig anmaßend, mir zu erklären, was ich möchte oder nicht möchte? Dass ich es lieber vermeide, die Dinge zu nennen, wie sie sind? Was ist das überhaupt: Die Dinge nennen, wie sie sind?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Du möchtest einen einzigartigen Text schreiben, vielleicht Wort und Satz neu erfinden, alles anders machen.


Auch hier wieder: Du erklärst mir, was ich möchte, ohne in irgendeiner Weise auf das einzugehen, was ich geschrieben habe. Wie fändest du das, wenn ich dir erklären würde, was du willst oder nicht willst, noch dazu, ohne es irgendwie an deinen Worten festzumachen?
Wieso sollte ich "Wort und Satz neu erfinden" wollen? Oder "alles anders machen"? Das hier ist doch keine experimentelle Literatur, also bitte.

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Das möchte ich Dir nicht madig machen und bin raus.


Wenn du hier nicht (mehr) diskutieren möchtest, respektiere ich das. Wie gesagt, es ist mir jedes Mal unangenehm, wenn ich kritikresistent erscheine, weil ich versuche, meinen Standpunkt einzugrenzen. Ich habe jetzt in einigen Beiträgen versucht zu erklären, worum es mir mit diesem Text geht – damit kann man sich auseinandersetzen, ohne mir zu erklären, was ich möchte.
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Diamond
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 264



BeitragVerfasst am: 09.05.2019 01:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ich denke, Du interpretierst mehr in meine wenigen Sätze hinein als sie wirklich aussagen. Ich verstehe nicht, was so falsch daran ist, dass Du einen ambitionierten Eindruck hinterlässt und von den herkömmlichen Formulierungen abweichen, Dich unterscheiden möchtest. Das habe ich mit keinem Wort negativ gemeint und bin erstaunt, wie schnell aus einem Staubkorn ein Felsbrocken werden konnte. Deshalb bin ich jetzt endgültig raus aus diesem Thread und werde zukünftig einen Bogen um Deine Texte machen.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Diamond hat Folgendes geschrieben:
@Inko, wenn Du das Licht neu erfinden möchtest oder erfunden hast für diese Geschichte, ist das völlig in Ordnung.


Wo habe ich geschrieben, ich möchte "das Licht neu erfinden"?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Ansonsten ist Licht für mich eben immer noch Licht, mit allen Eigenschaften usw.


Und für mich nicht? Was hat die Frage, ob Licht "immer noch Licht" ist, "mit allen Eigenschaften usw." mit dem Text oder meinen Ideen dahinter zu tun?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Manche Autoren nennen die Dinge wie sie sind, andere wollen das lieber vermeiden.


Findest du es nicht ein wenig anmaßend, mir zu erklären, was ich möchte oder nicht möchte? Dass ich es lieber vermeide, die Dinge zu nennen, wie sie sind? Was ist das überhaupt: Die Dinge nennen, wie sie sind?

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Du möchtest einen einzigartigen Text schreiben, vielleicht Wort und Satz neu erfinden, alles anders machen.


Auch hier wieder: Du erklärst mir, was ich möchte, ohne in irgendeiner Weise auf das einzugehen, was ich geschrieben habe. Wie fändest du das, wenn ich dir erklären würde, was du willst oder nicht willst, noch dazu, ohne es irgendwie an deinen Worten festzumachen?
Wieso sollte ich "Wort und Satz neu erfinden" wollen? Oder "alles anders machen"? Das hier ist doch keine experimentelle Literatur, also bitte.

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Das möchte ich Dir nicht madig machen und bin raus.


Wenn du hier nicht (mehr) diskutieren möchtest, respektiere ich das. Wie gesagt, es ist mir jedes Mal unangenehm, wenn ich kritikresistent erscheine, weil ich versuche, meinen Standpunkt einzugrenzen. Ich habe jetzt in einigen Beiträgen versucht zu erklären, worum es mir mit diesem Text geht – damit kann man sich auseinandersetzen, ohne mir zu erklären, was ich möchte.
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Inkognito
Hobbyautor


Beiträge: 481



BeitragVerfasst am: 09.05.2019 07:47    Titel: Antworten mit Zitat

Diamond hat Folgendes geschrieben:
ich denke, Du interpretierst mehr in meine wenigen Sätze hinein als sie wirklich aussagen.


Das mag durchaus sein, aber ich habe ja auch nur meine Sichtweise und Lesart zur Verfügung. Ich habe anhand deiner Änderungsvorschläge und Anmerkungen versucht, meinen Standpunkt zu formulieren, was in der Werkstatt immer eine problematische Sache ist, weil man schnell als jemand dasteht, der keine Kritik annimmt und dessen Text man nicht zu kommentieren braucht. Und wenn ich dann – ohne dass auf ein Wort von mir Bezug genommen wird – gesagt bekomme, ich würde eben "alles anders machen" und "vielleicht Wort und Satz neu erfinden" wollen, sprich: da erübrigt sich dann eh jede Diskussion … ja, dann reagiere ich halt, wie ich reagiert habe.

Gut, du siehst es anders und verstehst nicht, warum ich mich angegriffen fühle. Ich wiederum verstehe nicht, wie man das nicht sehen kann – also werden wir im Zweifelsfall wohl immer aneinander vorbeireden. Oder ich habe mich halt mal wieder unmöglich gemacht, das kann auch gut sein.

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Deshalb bin ich jetzt endgültig raus aus diesem Thread und werde zukünftig einen Bogen um Deine Texte machen.


Das sollte nicht schwer sein, denn im Moment kann ich mir nicht vorstellen, in Zukunft noch Texte in dieses Forum einzustellen.
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schwarzistdiekatz
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 208
Wohnort: Graz


BeitragVerfasst am: 09.05.2019 08:01    Titel: Antworten mit Zitat

Also, um zum Text zurückzukommen. Finde deine 2. Version deutlich ansprechender und lesbarer (für mich).
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 105



BeitragVerfasst am: 09.05.2019 12:38    Titel: Re: feindfrau 2 Antworten mit Zitat

Liebe Inko,

grundsätzlich finde ich die Überarbeitung gelungen, und es ist eine viel leserfreundlichere Version entstanden, ohne dass dein Stil darunter gelitten hat. Das bist immer noch du.

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Ich habe mich mal an einer überarbeiteten Version versucht. Ob sie eine Verbesserung darstellt, fällt mir schwer einzuschätzen, dazu bin ich wahrscheinlich zu nah am Text. Ich denke aber schon, den Text etwas geglättet zu haben.

Ich hänge mal zwei Versionen an, inhaltlich gleich, einmal formatiert und einmal im üblichen Forumsformat.

*

Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben. Mit Tagesanbruch war es da, als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet, der in den folgenden Stunden reglos und unbarmherzig am Himmel stehen würde. Dieses Licht riss alles an sich, was es zu fassen bekam, die Oberflächen, die Kanten der Dinge, und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. Allein bei diesem ersten Abschnitt hätte ich deine ursprüngliche Version beibehalten. Unverändert. Den ruhigen Einstieg empfinde ich sprachlich besonders gelungen, und hier gibt es ja auch keine Problematik mit Schachtelsätzen. Mit der Überarbeitung hast du diesen Eindruck ein bisschen zerstört, so dass es sich für mich jetzt nicht mehr ganz so rund liest.

Nicht dass einer von uns diesen oder ähnliche Gedanken in Worte gefasst hätte, sich selbst oder anderen gegenüber – zu unsinnig Macht es wirklich keinen Sinn oder ist es vielmehr unnötig? Für mich macht das einen Unterschied. Ich denke "Es schien unnötig ..." ist passender, oder? schien es, Dinge begreifen zu wollen, die längst begriffen waren. Man suchte also nicht nach Worten, sondern nach Nahrung, huschte von Deckung zu Deckung oder band sich das eigene Hab und Gut auf den Rücken und folgte in einer quälenden Langsamkeit den Schlagschatten der Wolkenkratzer und Brückenpfeiler, die wie letzte Relikte einer vergangenen Ordnung aus der Ödnis ragten. Hier fand ich das Bild mit den Sonnenuhren schöner, obwohl man natürlich nicht den Sonnenuhren, sondern deren Stabschatten folgt. Ich bin erst über den Begriff "Schlagschatten" gestolpert und würde in diesem Fall lediglich "Schatten" schreiben.

Und so waren es nicht der Kampf um die letzten Ressourcen oder das damit einhergehende Misstrauen, die alles umfassende Präsenz von Hunger und Durst, die uns zunehmend voneinander trennten, sondern eine Ernüchterung und Sprachlosigkeit, aus der sich keiner zu lösen vermochte; als wäre es, bei Licht betrachtet, unmöglich, sich noch irgendeiner Form der kollektiven Täuschung hinzugeben, irgendeiner Illusion, einem Trost, in dem das Wissen um unsere Situation hätte verschwinden können – so dass die meisten von uns sich damit begnügten, in einem dämmrigen Zustand auf den Einbruch der Nacht zu warten, die mit ihren namen- und gestaltlosen Schrecken geradezu erträglich wirkte.

Manchmal kam es vor, dass jemand eine Geschichte aus der alten Welt erzählte – Geschichten aus der neuen Welt gab es nicht – und sich die anderen in den wohltuenden Schatten drängten, den die Worte auf das Heute warfen. Dann schien es für eine Weile so, als gäbe es ein Hinsehen und Begreifen ohne Schmerz, oder wenn ein Schmerz darin lag, dann schien er zumutbar, weil man ihn auf Dutzende Herzen und Köpfe verteilen konnte oder weil er einen vergessen ließ, dass man ein Individuum war.

Und doch: Hatte die Geschichte ihr Ende gefunden, hinterließ sie meist nichts als ein vages Bild, einen Gedanken oder eine Empfindung, die im Licht des nächsten Tages unweigerlich verblassten; kaum verwunderlich, dass man in den Geschichtenerzählern wenig mehr als Exzentriker sah, die selbst unter den übrigen Vagabunden einen zweifelhaften Ruf genossen. Bestenfalls hielt man sie für Spinner, nicht willens oder fähig zu akzeptieren, dass es längst nichts mehr zu erzählen gab.

Ich empfand den besonderen Argwohn, den man diesen Menschen entgegenbrachte, als durchaus gerechtfertigt – schließlich war ich einer von ihnen. Und wenn ich nicht mehr an meine Mitmenschen glaubte, glaubte ich an meine Geschichten noch weniger, es sei denn, sie brachten mir eine Mahlzeit oder eine Unterkunft ein; dann konnte ich mich für einen Tag mit ihnen versöhnen.


LG Katinka
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Inkognito
Hobbyautor


Beiträge: 481



BeitragVerfasst am: 10.05.2019 09:11    Titel: Antworten mit Zitat

@ schwarzistdiekatz

schwarzistdiekatz hat Folgendes geschrieben:
Also, um zum Text zurückzukommen. Finde deine 2. Version deutlich ansprechender und lesbarer (für mich).


Schön, freut mich.

@ Katinka2.0

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
grundsätzlich finde ich die Überarbeitung gelungen, und es ist eine viel leserfreundlichere Version entstanden, ohne dass dein Stil darunter gelitten hat. Das bist immer noch du.


Auch das freut mich zu hören.

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
Inkognito hat Folgendes geschrieben:

Das Licht in diesem Teil der neuen Welt ließ uns stets an eine im Zenit stehende Sonne glauben. Mit Tagesanbruch war es da, als hätte jemand einen Baustrahler eingeschaltet, der in den folgenden Stunden reglos und unbarmherzig am Himmel stehen würde. Dieses Licht riss alles an sich, was es zu fassen bekam, die Oberflächen, die Kanten der Dinge, und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand. Allein bei diesem ersten Abschnitt hätte ich deine ursprüngliche Version beibehalten. Unverändert. Den ruhigen Einstieg empfinde ich sprachlich besonders gelungen, und hier gibt es ja auch keine Problematik mit Schachtelsätzen. Mit der Überarbeitung hast du diesen Eindruck ein bisschen zerstört, so dass es sich für mich jetzt nicht mehr ganz so rund liest.


Da schlägst du ja, glaube ich, in eine ähnliche Kerbe wie Jenni, und ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass ich den Anfang wohl in der ersten Version belassen werde. Eine Änderung, die ich wohl aus der Überarbeitung übernehmen werde, ist der Wechsel vom "man" zu "wir" an dieser Stelle:

Alte Version hat Folgendes geschrieben:
und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es einem deutlich und unleugbar vor Augen stand.


Neue Version hat Folgendes geschrieben:
und trennte es aus seiner Umgebung heraus, bis es uns deutlich und unleugbar vor Augen stand.


Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Nicht dass einer von uns diesen oder ähnliche Gedanken in Worte gefasst hätte, sich selbst oder anderen gegenüber – zu unsinnig Macht es wirklich keinen Sinn oder ist es vielmehr unnötig? Für mich macht das einen Unterschied. Ich denke "Es schien unnötig ..." ist passender, oder? schien es, Dinge begreifen zu wollen, die längst begriffen waren.


Wahrscheinlich ist es sowohl sinnvoll als auch notwendig – hier geht es ja nur darum, wie es scheint. Und es scheint den Menschen … ja, ich würde sagen, sowohl unsinnig als auch unnötig. Ich halte das an dieser Stelle für recht gleichgültig, welchen der beiden Ausdrücke man verwendet, lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Man suchte also nicht nach Worten, sondern nach Nahrung, huschte von Deckung zu Deckung oder band sich das eigene Hab und Gut auf den Rücken und folgte in einer quälenden Langsamkeit den Schlagschatten der Wolkenkratzer und Brückenpfeiler, die wie letzte Relikte einer vergangenen Ordnung aus der Ödnis ragten. Hier fand ich das Bild mit den Sonnenuhren schöner, obwohl man natürlich nicht den Sonnenuhren, sondern deren Stabschatten folgt. Ich bin erst über den Begriff "Schlagschatten" gestolpert und würde in diesem Fall lediglich "Schatten" schreiben.


Ja, die Sonnenuhren mochte (mag) ich auch, sie führten aber andernorts dazu, dass mir erklärt wurde, ein Wolkenkratzer würde sich ja gar nicht als Sonnenuhr eignen; was mir natürlich auch klar ist, und ich weiß auch, dass der ursprüngliche Satz nicht behauptete, die Wolkenkratzer wären Sonnenuhren oder würden als solche genutzt, und ich weiß auch, dass es eigentlich nur um die Bahn geht, die der Schatten beschreibt und in der man sich bewegt, und dass das Ganze schon nah genug am Schattenwurf einer Sonnenuhr ist, um es als Bild verteidigen zu können, aber dennoch wollte ich schauen, ob ich eine Version finde, die ohne Sonnenuhren auskommt, um dem Text diese Diskussion zu ersparen.
Für Schlagschatten hatte ich mich entschieden, weil es mir um den blau markierten Aspekt ging:

Wikipedia hat Folgendes geschrieben:
Der Schlagschatten wird auf einem hellen Hintergrund hervorgerufen, wenn das Objekt davor von einer nahezu punktförmigen Lichtquelle (Sonne, Scheinwerfer, Fotoblitz) beleuchtet wird. Dieser Schatten ist bemerkenswert scharf und wird daher vom Betrachter besonders intensiv wahrgenommen. Er bildet das Objekt zumindest teilweise ab und lässt – ebenso wie der Körperschatten – erkennen, aus welcher Richtung das Licht kommt.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3715
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BeitragVerfasst am: 16.05.2019 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ich schleiche schon geraume Zeit um den Text herum, weil ich es extrem schwierig finde, meine Gedanken in einen begreiflichen und nicht seitenlang ausufernden Kommentar zu übersetzen. Aber jetzt versuche ich es mal.

Vorab etwas Grundsätzliches:
Diesen Text in die Kategorien „Unterhaltung“ und „Fantasy“ einzustellen, finde ich eigenartig. Hätte der Titel nicht bei mir eine Ahnung ausgelöst, hätte ich ihn – aufgrund der Kategorien – wohl gar nicht angeklickt.
Man kann zwar bekanntermaßen endlos darüber streiten, wo die Grenze zwischen U und E verläuft – oder darüber, ob fantastische Elemente (etwa ein Licht, dessen Quelle unbekannt ist und das auch eher metaphorisch bzw. doppeldeutig zu lesen ist) nicht die Zuordnung zu „Fantasy“ rechtfertigen. Aber solchen Erwägungen dient m. E. die Rubrizierung im dsfo nicht, sondern sie soll einfach helfen, dem Text „seine“/“die richtigen“ Leser zuzutreiben.
Aber vielleicht war das ja sogar beabsichtigt: mal zu schauen, inwieweit das Geschriebene U-/Genre-Leser anspricht.

Mittlerweile habe ich die bisherigen Kommentare gelesen, und hänge mich mal an einen Schnipsel der Diskussion an:
Jenni hat Folgendes geschrieben:
Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Bis jetzt haben wir ihn noch nicht dabei beobachtet, wie er seinen Mitmenschen eine Geschichte erzählt.

Ganz genau. Wir haben ihn dabei beobachtet, wie er uns eine Geschichte erzählt.

Genau diese Differenz ist für mich der Reiz, die eigentliche Idee dieses Einstiegs.
Deine Ausführungen, warum hier überhaupt das Setting einer Postapokalypse gewählt wurde, finde ich durchaus überzeugend. In diesem Kontext lässt sich ein anderes, internes Drama glaubhaft erzählen: das eines Geschichtenerzählers als Vertreter einer bedrohten Art.
Von seinen Mitmenschen mit Argwohn betrachtet, im Glauben an seine Geschichten erschüttert, möchte er wenigstens einen fiktiven Zuhörer (Leser) vom Recht auf die Fortexistenz seiner Identität überzeugen. Bewusst oder unbewusst benutzt er dafür einen erzählerischen Duktus, ich ahne sogar einen Hang zur Distinktion: Er sieht und weiß vielleicht nicht mehr als andere, aber immerhin denkt er mehr darüber nach.
Den kompletten Text gelesen, dann zum Anfang zurückgekehrt, scheint mir das bereits den ersten Worten eingeschrieben:
Zitat:
Das Licht in diesem Teil der neuen Welt

Der Ich-Erzähler denkt weiterhin „global“, obwohl in der neuen Welt jede globale Infrastruktur oder Kommunikation zusammengebrochen scheint. Er fabuliert indirekt, das Licht in anderen Teilen der Welt sei anders oder könne anders beschaffen sein. Da bis jetzt keine Freunde oder Verwandte in entlegenen Teilen der Welt erwähnt wurden, nehme ich an, ihm ist dieser Blick (diese Spekulation) über den Tellerrand aus dem Prinzip des Geschichtenerzählens heraus wichtig.

Im weiteren Verlauf stößt der Leser dann auf die anfangs gegeißelten Schachtelsätze, die hervorragend zu diesem Duktus passen. Nein, ich kann Kiara nicht zustimmen, Satzkonstruktion sei „einfach eine Geschmacksfrage“ (ein Argument, das ich, nebenbei bemerkt, in vielen Fallen für ein Ausweichmanöver halte, um sich der anstrengenden Begründung einer Meinung zu entziehen). Ein Erzähler, der viel schachtelt (und entsprechend viele Kommata benötigt), versucht das Wesen der Dinge zu durchdringen und betrachtet sie im Dialog mit ihrem Kontext, also etwa ihrer konkreten Umgebung oder seiner eigenen Interpretation. Er wird damit natürlich nur Leser erreichen, denen das „schmeckt“ - aber  das sagt doch deutlich mehr über einen Menschen/Erzähler/Leser aus als etwa die Frage, ob man lieber grüne oder gelbe Birnen mag.
Zitat:
Und so waren es nicht der Kampf um die letzten Ressourcen oder das damit einhergehende Misstrauen, die alles umfassende Präsenz von Hunger und Durst, die uns zunehmend voneinander trennten, sondern eine Ernüchterung und Sprachlosigkeit, aus der sich keiner zu lösen vermochte; als wäre es, bei Licht betrachtet, unmöglich, sich noch irgendeiner Form der kollektiven Täuschung hinzugeben, irgendeiner Illusion, einem Trost, in dem das Wissen um unsere Situation hätte verschwinden können – so dass die meisten von uns sich damit begnügten, in einem dämmrigen Zustand auf den Einbruch der Nacht zu warten, die mit ihren namen- und gestaltlosen Schrecken geradezu erträglich wirkte.

Das von mir Eingefettete könnte es sein, was Jenni meinte, der Text verberge zu viel. Warum ab hier Konjunktiv, und warum innerhalb des Konjunktivs die Formulierung „bei Licht betrachtet“, die ja an sich eine Faktizität behaupten möchte, die doch gerade durch den Konjunktiv relativiert wird? Das war die einzige Stelle des Textes, wo ich mich auch fragte, ob der Erzähler mich so quälen muss.

EDIT. Fast vergessen ... ich würde weiterlesen wollen!
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Inkognito
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Beiträge: 481



BeitragVerfasst am: 19.05.2019 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nebenfluss.

Herumgeschlichen bin ich um deinen Kommentar nicht – ich war schlicht nicht da.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Diesen Text in die Kategorien „Unterhaltung“ und „Fantasy“ einzustellen, finde ich eigenartig. Hätte der Titel nicht bei mir eine Ahnung ausgelöst, hätte ich ihn – aufgrund der Kategorien – wohl gar nicht angeklickt.
Man kann zwar bekanntermaßen endlos darüber streiten, wo die Grenze zwischen U und E verläuft – oder darüber, ob fantastische Elemente (etwa ein Licht, dessen Quelle unbekannt ist und das auch eher metaphorisch bzw. doppeldeutig zu lesen ist) nicht die Zuordnung zu „Fantasy“ rechtfertigen. Aber solchen Erwägungen dient m. E. die Rubrizierung im dsfo nicht, sondern sie soll einfach helfen, dem Text „seine“/“die richtigen“ Leser zuzutreiben.


Was ist U, was ist E, wo verläuft die Grenze, falls es eine gibt – ich finde es müßig, darüber zu diskutieren. Was ich sagen kann: es soll durchaus ein unterhaltsamer Text werden, einer, den man liest, weil man sich dabei unterhalten fühlt; ob daraus folgt, dass er keine zu komplizierten Schachtelsätze enthalten darf oder er sofort mit einem Protagonisten und einer Szene, einem Dialog beginnen muss … ich denke nicht.
Zur Einordnung als Fantasy, die ergibt sich allein schon aus dem postapokalyptischen Szenario – ich hatte zunächst Science-Fiction, aber ich glaube nicht, dass die Erzählung Science-Elemente enthalten wird. Fantastische Elemente dafür schon. Im vorangegangenen Roman gibt es Katzen mit Menschenköpfen und Sitzmöbel, die sich in Monsterfrösche verwandeln, eine sprechende Energydrinkdose … kurz, ich habe mir ein paar Gedanken zur Einordnung gemacht, auch wenn ich selbst das Kategorien-Tool im dsfo nie nutze und auch nie schaue, in welche Kategorien ein Text eingeordnet wurde.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Mittlerweile habe ich die bisherigen Kommentare gelesen, und hänge mich mal an einen Schnipsel der Diskussion an:
Jenni hat Folgendes geschrieben:
Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Bis jetzt haben wir ihn noch nicht dabei beobachtet, wie er seinen Mitmenschen eine Geschichte erzählt.

Ganz genau. Wir haben ihn dabei beobachtet, wie er uns eine Geschichte erzählt.

Genau diese Differenz ist für mich der Reiz, die eigentliche Idee dieses Einstiegs.
Deine Ausführungen, warum hier überhaupt das Setting einer Postapokalypse gewählt wurde, finde ich durchaus überzeugend. In diesem Kontext lässt sich ein anderes, internes Drama glaubhaft erzählen: das eines Geschichtenerzählers als Vertreter einer bedrohten Art.
Von seinen Mitmenschen mit Argwohn betrachtet, im Glauben an seine Geschichten erschüttert, möchte er wenigstens einen fiktiven Zuhörer (Leser) vom Recht auf die Fortexistenz seiner Identität überzeugen. Bewusst oder unbewusst benutzt er dafür einen erzählerischen Duktus, ich ahne sogar einen Hang zur Distinktion: Er sieht und weiß vielleicht nicht mehr als andere, aber immerhin denkt er mehr darüber nach.


Ich befinde mich immer noch in der Phase, in der ich in Schleifen um das Ausgangsszenario herumdenke, um die Frage, was es heißt, keine Geschichten mehr zu erzählen, was das für eine Menschheit ist, die keine Geschichten mehr erzählt, und wie sie in diesen Zustand gekommen ist – da gibt es ja verschiedene Wege, die man einschlagen kann, und ob ich letztlich das individuelle Drama des Erzählers spannender finde oder das grundlegende Gedankenspiel und seine Variationen, kann ich noch nicht sagen.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Den kompletten Text gelesen, dann zum Anfang zurückgekehrt, scheint mir das bereits den ersten Worten eingeschrieben:
Zitat:
Das Licht in diesem Teil der neuen Welt

Der Ich-Erzähler denkt weiterhin „global“, obwohl in der neuen Welt jede globale Infrastruktur oder Kommunikation zusammengebrochen scheint. Er fabuliert indirekt, das Licht in anderen Teilen der Welt sei anders oder könne anders beschaffen sein. Da bis jetzt keine Freunde oder Verwandte in entlegenen Teilen der Welt erwähnt wurden, nehme ich an, ihm ist dieser Blick (diese Spekulation) über den Tellerrand aus dem Prinzip des Geschichtenerzählens heraus wichtig.


Das kann durchaus sein. Natürlich ist "in diesem Teil der neuen Welt" auch einfach ein passender Einstieg in eine Geschichte, weil es mehrere Aspekte des Settings direkt präsentiert. Ein Erzähler ist halt ein Erzähler ist ein Erzähler.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Ein Erzähler, der viel schachtelt (und entsprechend viele Kommata benötigt), versucht das Wesen der Dinge zu durchdringen und betrachtet sie im Dialog mit ihrem Kontext, also etwa ihrer konkreten Umgebung oder seiner eigenen Interpretation..


Ja, das kann durchaus sein. Die andere Ebene ist dann der Dialog selbst, also die Interaktion des Erzählers mit seiner Umgebung/seinen Mitmenschen. Die wird natürlich noch andere Eigenheiten des Erzählers zeigen, auch insofern, als sie sich in der Sprache niederschlägt.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Und so waren es nicht der Kampf um die letzten Ressourcen oder das damit einhergehende Misstrauen, die alles umfassende Präsenz von Hunger und Durst, die uns zunehmend voneinander trennten, sondern eine Ernüchterung und Sprachlosigkeit, aus der sich keiner zu lösen vermochte; als wäre es, bei Licht betrachtet, unmöglich, sich noch irgendeiner Form der kollektiven Täuschung hinzugeben, irgendeiner Illusion, einem Trost, in dem das Wissen um unsere Situation hätte verschwinden können – so dass die meisten von uns sich damit begnügten, in einem dämmrigen Zustand auf den Einbruch der Nacht zu warten, die mit ihren namen- und gestaltlosen Schrecken geradezu erträglich wirkte.

Das von mir Eingefettete könnte es sein, was Jenni meinte, der Text verberge zu viel. Warum ab hier Konjunktiv, und warum innerhalb des Konjunktivs die Formulierung „bei Licht betrachtet“, die ja an sich eine Faktizität behaupten möchte, die doch gerade durch den Konjunktiv relativiert wird? Das war die einzige Stelle des Textes, wo ich mich auch fragte, ob der Erzähler mich so quälen muss.


Warum Konjunktiv … der ergab sich beim Schreiben so, und meistens vertraue ich dann meiner Intuition. Wollte ich das analysieren, könnte ich sagen: Weil der Erzähler hier ein Narrativ baut – es ist ja nicht gesagt, worin genau die Ernüchterung und Sprachlosigkeit, so es sie wirklich gibt, gründen – und gar nicht vorgibt, etwas anderes als einen Vergleich, eine Veranschaulichung zu suchen.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
EDIT. Fast vergessen ... ich würde weiterlesen wollen!


Freut mich. Im Moment kann ich noch nicht einschätzen, wie und wann ich das konkrete Weiterschreiben an dieser Idee beginne, ich bin erst einmal froh, einen Anfang gefunden zu haben.
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