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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 09:45    Titel: Antworten mit Zitat

Die Szene, auf die sie sich in ihrer Rückblende bezieht, aus neutraler Sicht:

„Leibesvisitation!“, ordnete der Anführer an. Suna knurrte, als ein Soldat sie mit spöttischem Grinsen abtastete und seine Hände länger als notwendig auf ihren Brüsten verharrten. Auch ein paar ihrer Brüder liefen zornesrot an.

Und das Ganze aus ihrer subjektiven Sicht, etwa einen halben Tag später:
(ich musste die Szene ergänzen, da sie später ein Messer braucht und es irgendwie in den Knast hinein und wieder heraus kriegen muss)

Unter ihrem Kleid nestelte sie ein handlanges Wurfmesser hervor. Sie hatte es an ihrer intimsten Stelle durch die Leibesvisitation geschmuggelt. Zu ihrem Schlangenfrau-Kostüm gehörte praktischerweise eine Art Unterhose, damit die Zuschauer bei ihren Verrenkungen nicht alles zu sehen bekamen. Dort hatte sie nicht mal der Soldat zu betatschen gewagt.

Würde sie selber, knapp 14, wütend, "berühren" sagen, oder eher etwas direkter und umgangssprachlicher?


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schwarzistdiekatz
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

Da du oben das Wort "verharrten" schreibst würde ich trotz dem versteckten Perspektivenwechsel (Ich weiß, was du meinst) hier von der "Dualität" her, bei der nächstmöglichen unsittlichen Handlung weiter unten nicht ins Umgangsprachliche abdriften. Also zb "zu berühren" oder "anzugreifen" nehmen.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 09:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hab mich für "berühren" entschieden. Cool

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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:


Ich finde es ziemlich lächerlich, von ihrer Unberührtheit zu sprechen, wenn sie offensichtlich schon längere Zeit von ihrem Vater und ihren Brüdern sexuell missbraucht wird. Spielt die "eigentliche Defloration" später eine Rolle, oder weshalb betonst du das?



Ich hab auch dafür eine Begründung im Text einfließen lassen:

Zitat:
Die Schande wäre unvorstellbar, wenn ihr Zukünftiger nach der Hochzeitsnacht den Brautpreis von ihrem Vater zurückfordern würde
.

In manchen Regionen ist es noch heute üblich, das blutige Laken als Beweis für den Vollzug aus dem Fenster zu hängen.


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Diamond
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

im Mittelalter, soweit mir bekannt, wurde die körperliche Vollziehung der Ehe vor Zeugen vorgenommen. Da hätte es also kein blutiges Laken als Beweis gebraucht. Dass dies beim Adel tatsächlich so war, weiß ich mit Sicherheit. Was ich nicht mit Gewissheit sagen kann, ist, ob das auch beim einfachen Volk Sitte war. Ich kann auch nicht sagen, wo man derartige Quellen findet. Aber hier im Forum gibt es ein paar Histo-Schreiber, vielleicht kann Dir da jemand weiterhelfen.

LG Diamond
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schwarzistdiekatz
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BeitragVerfasst am: 04.05.2019 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Diamond hat Folgendes geschrieben:
Hallo Thomas,

im Mittelalter, soweit mir bekannt, wurde die körperliche Vollziehung der Ehe vor Zeugen vorgenommen. Da hätte es also kein blutiges Laken als Beweis gebraucht. Dass dies beim Adel tatsächlich so war, weiß ich mit Sicherheit. Was ich nicht mit Gewissheit sagen kann, ist, ob das auch beim einfachen Volk Sitte war. Ich kann auch nicht sagen, wo man derartige Quellen findet. Aber hier im Forum gibt es ein paar Histo-Schreiber, vielleicht kann Dir da jemand weiterhelfen.

LG Diamond


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 08.05.2019 15:13    Titel: Antworten mit Zitat

So, das erste Kapitel aus der zweiten Hälfte des Buches. Wie angedrohtgekündigt hat sich die Örtlichkeit per SF-Technologie verändert.
Der Erzähler wendet sich erstmals einer Person zu, die bisher nur über Dritte zu Wort kam. Meine Hauptfrage ist mal wieder die Schlüssigkeit.
(Falls jemand Rechtschreibfehler findet, ich hab das heute Nacht linear lang runtergeschrieben, lautet meine Ausrede. Laughing )

Das Mädchen lehnte an der Brüstung der Terrasse und schaute über die Stadt. Es war einer der langen Sommerabende. Zögerlich leuchteten die ersten Lichter auf. Von der Straße drang auch um diese Abendstunde noch vielfältiger Lärm herauf. Von einer der anderen Terrassen des Appartementkomplexes wehten leise Musik und Kinderlachen herüber. Es duftete nach gebratenem Fleisch.
Anna seufzte und  blickte nach oben. Nicht mal der Himmel war derselbe geblieben. Die kristallklare Tiefe war einem immer irgendwie dunstigem Firmament gewichen. Nachts schienen weniger Sterne am Himmel zu stehen. Alles war anders.
Sie griff ihre Krücke und humpelte nach drinnen. Mit der großen Glastür blendete sie die Geräusche der Stadt aus.
In dieser Stadt war sie geboren und aufgewachsen. Die erste Zeit hatte sie noch gehofft, irgendetwas Vertrautes wiederzufinden. Ein Haus, einen Platz, irgend eine Kleinigkeit.
Sogar die große Kathedrale war nicht mehr die, welche sie gekannt hatte. Kriege und Feuer hatten Stadt und Kirche immer wieder zerstört und neu entstehen lassen.
Auf dem großen Sofa im Wohnzimmer legte sie stöhnend ihre Beine hoch. Das Stehen und Laufen strengte sie immer noch an. Immerhin war die zweite Gehhilfe schon überflüssig geworden.
Die Ärzte hatten ihr Hoffnung gemacht, dass sich bei konsequentem Training eine sechste Operation als unnötig erweisen könnte. Sie war ja schließlich noch jung.
Bei diesem Satz hatte sie sich ein Lachen verkneifen müssen. Ja. 716 Jahre und ein paar Monate, um genau zu sein.
An manchen Tagen fühlte sie sich genauso alt.
Adrian war noch nicht zu Hause. Das war nichts Neues. Anna kam inzwischen auch so klar.  
Offiziell war sie jetzt seine Tochter, die für die Dauer ihres Studiums bei ihm eingezogen war. Und die wegen eines ärgerlichen Sportunfalls die Semesterferien in Papas Appartement verbrachte. Diese Version hatte Adrian nicht ganz uneigennützig verbreitet.
Sie pustete eine vorwitzige Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Das Schlimme an kurzen Frisuren war, dass sie ständig geschnitten werden mussten, um gepflegt zu wirken. Bei ihrem ersten Besuch beim Friseur vor einigen Monaten hatte sie fast geweint, als ein Großteil ihrer nachgewachsenen Haarpracht der Schere zum Opfer fiel. Es würde noch Jahre dauern, bis sie in alter Länge über ihre Schultern fließen würden.
Auf dem Couchtisch lagen Kinderbücher. In bunten Bildern erklärten sie den Jüngsten die Welt.
(Und den Ältesten, wie Anna sarkastisch feststellte). Wie funktionierte eine Fabrik? Wohin ging der Müll? Was taten die Bauarbeiter?
Bei einigen Dingen musste sie lachen. Wie lebten die Menschen im Mittelalter.
Sie bewunderte Adrian für seine Engelsgeduld. Wie einem Kleinkind erklärte und zeigte er Anna die banalsten Dinge seines Alltags. Er scheute vor keinem noch so peinlichen Thema zurück, und wenn es die richtige Benutzung einer Toilette war. Alleine das Wort war eine Herausforderung für sich.
Vor einem Jahr hatte sie noch einfach ihren Hintern in Richtung Misthaufen gehalten.
Und damit hatte alles angefangen, dachte sie bitter.
Im Flur klapperte etwas. Adrian war endlich zurück.
„Tut mir leid, Anna. Ist später geworden“
„Schon gut!“, zuckte sie mit den Schultern. „Hab mich nicht gelangweilt!“
Er strubbelte ihr kumpelhaft das Haar.
„He!“, protestierte sie.
„Hast du schon gegessen?“
Er wartete keine Antwort ab.
„Ich hab uns was vom Chinesen mitgebracht!“

Anna rümpfte die Nase und humpelte zum Esstisch, auf dem zwei Kunststoffbehälter standen.
 Auch so eine Verschwendung, die sie nicht verstand. Das Essen hierzutage schmeckte zwar interessant, aber inzwischen vermisste sie die frischen Sachen von ihrem Bauernhof.
Adrian hatte sich eine Dose Bier aus dem Kühlschrank geholt und schob ihr eine Milch hin.
Sie griff nach dem Glas und verzog das Gesicht. Warum musste man die Milch erst geschmacklich töten, um sie dann in Pappkartons zu füllen? Außer der Farbe hatte das Zeug nichts mehr mit echter Milch gemein.
Mühsam hantierte sie mit der Gabel. Mit Werkzeugen zu essen war für Anna immer noch ungewohnt. Wenn sie alleine war, konnte sie auf sowas verzichten, aber in Adrians Gegenwart gab sie das brave Töchterlein.
Sie zog die Beine auf den Stuhl.
„Na, wieder mal keine Unterwäsche gefunden?“ witzelte er. Mit gerunzelter Stirn folgte Anna seinem Blick und zog errötend das Longshirt über die Knie. Die heutige Mode mit Höschen und Schlüpfern kratzte und zwickte an den privatesten Stellen.
„Du hattest mir versprochen, dass wir hinfahren, wenn ich soweit bin“, erinnerte sie ihn an ein älteres Gespräch. „Ich bin soweit!“
Er angelte konzentriert die letzte Nudel aus der Essensbox.
„Traust du dir das wirklich zu?“
„Ja, Adrian, du hast es versprochen!“
„Ich weiß. Ich will nur nicht, dass du Blödsinn machst, von der Klippe springst oder so.“
Anna schnaubte. „Hältst du mich wirklich für so bescheuert? Vor allem-danach? Wer sonst sollte so am Leben hängen?“
„Schon gut, Prinzessin. Übermorgen ist Wochenende. Ich hau mich jetzt hin!“ Er gähnte.

Anna lag noch lange wach. Sie hatte sich nackt aufs Bett gelegt. Die Klimaanlage war ihr suspekt. Lieber ließ sie die Decken weg.
War sie wirklich bereit, an den Ort zurückzukehren? Sie musste. Etwas trieb sie dorthin. Seufzend blickte sie auf das Bild neben ihrem Bett. So ziemlich der einzige persönliche Einrichtungsgegenstand in dem Raum, der sonst leer und nüchtern wie die Zelle einer Nonne war.
Anna war  noch nicht angekommen. Persönlichen Besitz anzuhäufen erschien ihr falsch.
Sie drehte das Licht hoch und betrachtete das Foto. Es war ihr allabendliches Ritual. Früher hatte sie vor dem Schlafen immer gebetet. Aber dieser Gott war für sie im Feuer gestorben. Sie berührte das Papier. Strich zärtlich mit dem Finger darüber.
Es war ein Ausdruck aus den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera. Das etwas körnige Bild zeigte Michael, vor dem Eingang von Adrians Geologenstation. Ihr Held, der sie vor dem Scheiterhaufen retten wollte und dabei selber im Feuer starb.
Konnte man jemanden lieben, dessen einzige Berührung ein tröstender Griff an die Schulter gewesen war? Ja, Anna konnte es.
„Michael“, flüsterte sie.
Von der zweiten Heldin gab es leider kein Bild. Aber Adrian hatte ihr von dem kleinen Zigeunermädchen erzählt, welches ebenso wie Anna vom Inquisitor zum Tode verurteilt worden war und ihm Rache bis aufs Blut geschworen und vollstreckt hatte.
Anna hoffte, dass beide jetzt an einem Ort waren, wo es ihnen besser ging.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Cool... Also kann ich davon ausgehen, dass alles verständlich und logisch ist...

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Diamond
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BeitragVerfasst am: 14.05.2019 04:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

dann wollen wir mal...

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Das Mädchen lehnte an der Brüstung der Terrasse und schaute über die Stadt. Es war einer der langen Sommerabende. Zögerlich leuchteten die ersten Lichter auf. Von der Straße drang auch um diese Abendstunde noch vielfältiger Lärm herauf. Von einer der anderen Terrassen des Appartementkomplexes wehten (schallten? der Wind weht, aber Geräusche?)  leise Musik und Kinderlachen herüber. Es duftete nach gebratenem Fleisch.

Grundsätzlich gibt es für mich an diesem ersten Absatz nicht viel zu meckern. Gut fände ich, wenn die Stadt einen Namen hätte. "Das Mädchen" würde ich direkt mit Namen einführen, das tust Du zwar im zweiten Absatz, aber ich fände es direkt am Anfang geschickter.

Anna seufzte und  blickte nach oben. Nicht mal der Himmel war derselbe geblieben. Die kristallklare (Nachthimmel kristallklar? Ich würde das Adjektiv weglassen) Tiefe war einem immer irgendwie dunstigem Firmament gewichen. Nachts schienen weniger Sterne am Himmel zu stehen. Alles (das würde ich präzisieren, etwas konkreter ausdrücken, weil ich alles so herrlich nichtssagend finde) war anders.

Sie griff ihre Krücke und humpelte (humpelt man nicht ohne Krücke?) nach drinnen. Mit der großen Glastür blendete sie die Geräusche der Stadt aus. (Ich finde Satz 2 etwas umständlich, dass es ruhig wird, wenn sie die Tür schließt, lässt sich besser ausdrücken als mit dem Wort ausblenden, das scheint mir in diesem Zusammenhang nur wenig passend zu sein)
In dieser Stadt war (wurde) sie geboren und aufgewachsen (wuchs auf, ohne Hilfsverb dann).
Die erste Zeit (Der Sprung ist zu gewaltig, weil der Kontext fehlt, hier würde ich dem Leser ein Häppchen zur Orientierung servieren) hatte sie noch gehofft, irgendetwas Vertrautes wiederzufinden. Ein Haus, einen Platz, irgend eine Kleinigkeit.
Sogar die große Kathedrale war nicht mehr die, welche sie gekannt hatte. Kriege und Feuer hatten Stadt und Kirche immer wieder zerstört und neu entstehen lassen.
Auf dem großen Sofa im Wohnzimmer legte sie stöhnend (Warum muss sie stöhnen?) ihre Beine hoch. Das Stehen und Laufen strengte sie immer noch an. Immerhin war die zweite Gehhilfe schon überflüssig geworden.
Die Ärzte hatten ihr Hoffnung gemacht, dass sich bei konsequentem Training eine sechste Operation als unnötig erweisen könnte. Sie war (ja) schließlich noch jung.
Bei diesem Satz hatte sie sich ein Lachen verkneifen müssen. Ja. 716 Jahre und ein paar Monate, um genau zu sein.
An manchen Tagen fühlte sie sich genauso alt.

Adrian war noch nicht zu Hause. (Die Stelle ließe sich besser lesen, wenn Du bei Annas Perspektive bleibst, aber im ersten Satz verlierst Du sie, weil die Aussage, dass Adrian noch nicht zuhause ist, sich nicht durch Annas Handeln ausdrückt. Sie könnte zum Beispiel auf ihn warten, schon ist mir als Leser klar, dass er nicht zuhause ist.) Das war nichts Neues. Anna kam inzwischen auch so klar.  
Offiziell war sie jetzt seine Tochter, die für die Dauer ihres Studiums bei ihm eingezogen war. Und die wegen eines ärgerlichen Sportunfalls die Semesterferien in Papas Appartement verbrachte. Diese Version hatte Adrian nicht ganz uneigennützig verbreitet.
Sie pustete eine vorwitzige (was soll das sein?) Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Das Schlimme an kurzen Frisuren war, dass sie ständig geschnitten werden mussten, um gepflegt zu wirken. (Wer denkt das? Der Autor oder Anna?) Bei ihrem ersten Besuch beim Friseur vor einigen Monaten hatte sie fast geweint, als ein Großteil ihrer nachgewachsenen Haarpracht der Schere zum Opfer fiel. Es würde noch Jahre dauern, bis sie in alter Länge über ihre Schultern fließen würden.
Auf dem Couchtisch lagen Kinderbücher. In bunten Bildern erklärten sie den Jüngsten die Welt. (Die Sätze sind mir auch zu losgelöst von Anna)
(Und den Ältesten, wie Anna sarkastisch feststellte). Wie funktionierte eine Fabrik? Wohin ging der Müll? Was taten die Bauarbeiter?
Bei einigen Dingen musste sie lachen. Wie lebten die Menschen im Mittelalter.

Sie bewunderte Adrian für seine Engelsgeduld. Wie einem Kleinkind erklärte und zeigte er Anna die banalsten Dinge seines Alltags. Er scheute vor keinem noch so peinlichen Thema zurück, und wenn es die richtige Benutzung einer Toilette war. Alleine das Wort (welches Wort? Toilette?) war eine Herausforderung für sich. - Hier charakterisierst Du Adrian, das hätte ich mir an der Stelle gewünscht, an der Du ihn eingeführt hast)
Vor einem Jahr hatte sie noch einfach ihren Hintern in Richtung Misthaufen gehalten.

Hier mache ich mal Schluss. In dieser Zeit zu schreiben, fällt Dir leichter, habe ich den Eindruck. Ich frage mich, was das Ziel dieses Kapitels sein soll, wohin sollen es führen? Das ist mir nicht ganz klar. Hat Anna nur das Ziel, auf Adrian zu warten? Oder geht es dem Autor nur darum, den Zeitsprung zu machen? Warum passiert da nix weiter? Der Text plätschert mit Informationen und Rückblicken und Zeitschlenkern dahin, aber mehr ist da nicht. Warum wartet Anna auf Adrian? So wichtig scheint er nicht zu sein, wenn er nur ihr Haar strubbelt. Sie ist ja nicht mal froh oder erleichtert, dass er endlich zuhause ist, sie zeigt keine Regung. Ich denke, da geht noch mehr.

LG Diamond

Und damit hatte alles angefangen, dachte sie bitter.
Im Flur klapperte etwas. Adrian war endlich zurück.
„Tut mir leid, Anna. Ist später geworden“ - Eine Entschuldigung ohne Vorwurf ist ein verschenkter Konflikt.
„Schon gut!“, zuckte sie mit den Schultern. „Hab mich nicht gelangweilt!“
Er strubbelte ihr kumpelhaft das Haar.
„He!“, protestierte sie.
„Hast du schon gegessen?“
Er wartete keine Antwort ab.
„Ich hab uns was vom Chinesen mitgebracht!“

Anna rümpfte die Nase und humpelte zum Esstisch, auf dem zwei Kunststoffbehälter standen.
 Auch so eine Verschwendung, die sie nicht verstand. Das Essen hierzutage schmeckte zwar interessant, aber inzwischen vermisste sie die frischen Sachen von ihrem Bauernhof.
Adrian hatte sich eine Dose Bier aus dem Kühlschrank geholt und schob ihr eine Milch hin.
Sie griff nach dem Glas und verzog das Gesicht. Warum musste man die Milch erst geschmacklich töten, um sie dann in Pappkartons zu füllen? Außer der Farbe hatte das Zeug nichts mehr mit echter Milch gemein.
Mühsam hantierte sie mit der Gabel. Mit Werkzeugen zu essen war für Anna immer noch ungewohnt. Wenn sie alleine war, konnte sie auf sowas verzichten, aber in Adrians Gegenwart gab sie das brave Töchterlein.
Sie zog die Beine auf den Stuhl.
„Na, wieder mal keine Unterwäsche gefunden?“ witzelte er. Mit gerunzelter Stirn folgte Anna seinem Blick und zog errötend das Longshirt über die Knie. Die heutige Mode mit Höschen und Schlüpfern kratzte und zwickte an den privatesten Stellen.
„Du hattest mir versprochen, dass wir hinfahren, wenn ich soweit bin“, erinnerte sie ihn an ein älteres Gespräch. „Ich bin soweit!“
Er angelte konzentriert die letzte Nudel aus der Essensbox.
„Traust du dir das wirklich zu?“
„Ja, Adrian, du hast es versprochen!“
„Ich weiß. Ich will nur nicht, dass du Blödsinn machst, von der Klippe springst oder so.“
Anna schnaubte. „Hältst du mich wirklich für so bescheuert? Vor allem-danach? Wer sonst sollte so am Leben hängen?“
„Schon gut, Prinzessin. Übermorgen ist Wochenende. Ich hau mich jetzt hin!“ Er gähnte.

Anna lag noch lange wach. Sie hatte sich nackt aufs Bett gelegt. Die Klimaanlage war ihr suspekt. Lieber ließ sie die Decken weg.
War sie wirklich bereit, an den Ort zurückzukehren? Sie musste. Etwas trieb sie dorthin. Seufzend blickte sie auf das Bild neben ihrem Bett. So ziemlich der einzige persönliche Einrichtungsgegenstand in dem Raum, der sonst leer und nüchtern wie die Zelle einer Nonne war.
Anna war  noch nicht angekommen. Persönlichen Besitz anzuhäufen erschien ihr falsch.
Sie drehte das Licht hoch und betrachtete das Foto. Es war ihr allabendliches Ritual. Früher hatte sie vor dem Schlafen immer gebetet. Aber dieser Gott war für sie im Feuer gestorben. Sie berührte das Papier. Strich zärtlich mit dem Finger darüber.
Es war ein Ausdruck aus den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera. Das etwas körnige Bild zeigte Michael, vor dem Eingang von Adrians Geologenstation. Ihr Held, der sie vor dem Scheiterhaufen retten wollte und dabei selber im Feuer starb.
Konnte man jemanden lieben, dessen einzige Berührung ein tröstender Griff an die Schulter gewesen war? Ja, Anna konnte es.
„Michael“, flüsterte sie.
Von der zweiten Heldin gab es leider kein Bild. Aber Adrian hatte ihr von dem kleinen Zigeunermädchen erzählt, welches ebenso wie Anna vom Inquisitor zum Tode verurteilt worden war und ihm Rache bis aufs Blut geschworen und vollstreckt hatte.
Anna hoffte, dass beide jetzt an einem Ort waren, wo es ihnen besser ging.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 14.05.2019 08:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Diamond!
Danke für deine Anmerkungen! Einige davon sind für mich sehr hilfreich, andere rühren daher, dass der Text aus dem Kontext gerissen eingestellt wurde. So hatte ich die Person Adrian schon an anderer Stelle eingeführt.

Kurz zusammengefasst, in der ersten Einführung der Person Anna aus ihrer Perspektive sind keine größeren Widersprüche erkennbar? Das hilft mir enorm. Ich hatte Bedenken, dass der Leser keinen Bezug zu ihr findet.


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Diamond
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BeitragVerfasst am: 14.05.2019 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Kurz zusammengefasst, in der ersten Einführung der Person Anna aus ihrer Perspektive sind keine größeren Widersprüche erkennbar? Das hilft mir enorm. Ich hatte Bedenken, dass der Leser keinen Bezug zu ihr findet.


Größere Widersprüche sind mir auf das erste Lesen nicht aufgefallen, aber das heißt erstmal nix. Was den Bezug zu Anna betrifft, der ist nicht schwer, wenn Du aus ihrer Perspektive schreibst. Was das für und mit Anna Fühlen betrifft, sieht die Sache schon anders aus. Auf der Couch sitzen und auf jemanden warten müssen, da kann einem schnell mal die Decke auf den Kopf fallen, da fehlt halt ein bisschen Pfeffer im Text. Als sie auf dem Balkon steht, könnte sie schon nach Adrian Ausschau halten, weil er aber nicht in Sicht ist, humpelt sie rein, rutscht irgendwie aus, denn die Welt ist ihr ja fremd, und kommt alleine nicht mehr hoch. Schon wird es höchste Zeit, dass Adrian kommt und das Warten hat einen Sinn. Das ist nur ein banales Beispiel dafür, wie Du die Langeweile auflösen könntest.

LG Diamond
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hab ein bissel weitergemacht. Ich oute mich jetzt mal als "Bojenschreiber"
Die Szene ist mir heute Nacht durch den Kopf geschossen und hat eine etwas abstrusere ältere Variante abgelöst.



Stolz betrachtete er sein Werk. Fast glaubte er, Annas Präsenz zu spüren. Er setzte sich auf die Steinbank, schloss die Augen und genoss die warme Frühlingssonne, die über den Teich genau auf seinen Platz fiel. Er fühlte sich Anna nahe wie selten zuvor. Mit ihren Augen vor seinem Gesicht döste er ein.
Etwas rüttelte an seiner Schulter. Er öffnete die Augen. Vor ihm stand Anna, mit merkwürdiger Frisur. „Michael!“, wisperte sie tränenerstickt. „Wach auf!“
Er wich zurück. Wenn ihn Anna im Traum so klar erschien und ihn berührte, erwachte er meist mit samenfeuchter Hose. Und das brauchte er jetzt wirklich nicht. Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig. „Michael! Ich bin's wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht. Er ächzte unwillig. Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen. Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?! „Anna?“, keuchte er, immer noch völlig verunsichert.
Er rutschte von der Steinbank. Seine Beine versagten und er fiel vor ihr auf die Knie. Genau wie sie. Zögerlich hob er die Hand und verharrte. Er hatte Panik, sie könnte sich zwischen seinen Fingern in Luft auflösen. Sie achtete nicht auf sein Zögern und fiel ihm mit einem erstickten Schluchzen um den Hals. Sie war es wirklich. Und sie war so echt.
Er musterte sie verstohlen. Ihre merkwürdige Haartracht, ihr Kleid, das eher in Adrians Welt zu passen schien. Sie stützte sich auf einen komischen hellblauen Metallstab. Beim Aufstehen verzog sie schmerzhaft das Gesicht. Michael erwachte aus seiner Starre und half ihr auf die Beine. Auf den Stab gestützt humpelte sie zu Adrian, der Michael ebenfalls in die Arme schloss.
„Hat Suna überlebt?“, fragte er zur Begrüßung. Michael nickte. „Suna geht's gut.“
Er glaubte, eine ganze Lawine von Adrians Seele poltern zu hören.

Verunsichert saßen sie auf der Pritsche in Annas Kabine. Die ersten Emotionen waren verflogen. Adrian hatte sich sein Geologenwerkzeug geschnappt und war nach draußen verschwunden.
Beide suchten einen Anfang. Schüchtern trafen sich ihre Blicke. Anna kaute nervös an ihren Krallen. Schließlich platzte Michael heraus. „Ist schon bescheuert. Wir suchen und finden uns durch die Jahrhunderte, und dann wissen wir nicht, worüber wir reden sollen!“ Anna lachte nervös. „Tja, irgendwie wissen wir ja auch überhaupt nichts voneinander. Außer, dass du mich retten wolltest!“
„Und gescheitert bin“, setzte er dumpf hinzu.
„Du sitzt hier, ich sitze hier. Also gescheitert würde ich das nicht nennen.“ Sie lächelte. „Das mit der Eiche finde ich süß von dir. Danke!“
Er druckste herum. „Hast du doch selber beim Verhör gesagt, hier fehlt eine Eiche.“
„Wusstest du, dass die in siebenhundert Jahren immer noch steht?“
Michael schüttelte den Kopf. „Nein. Woher denn?“
„Na, ohne den Baum hätten wir dich nie gefunden!“
„Und ich hab sie eigentlich gepflanzt, um mit der Sache abzuschließen. Morgen wollte ich zurück ins Kloster. Für immer.“
Anna betrachtete mit gerunzelter Stirn ihre Fingernägel. Auch Michael schaute interessiert hin.
„Was ist denn mit denen passiert?“
„Das ist so, wenn die ausgerissen werden“, murmelte sie. „Dann wachsen die schief. Und am Kleinen ist gar keiner mehr nachgewachsen.“
Michael schluckte bitter und wandte den Blick ab.
Anna lächelte und strich vorsichtig über seinen Wangenknochen. „Ist schon ok.“
„O...was? Was heißt das ?“
Sie stutzte. Was hatte sie da gerade gesagt? Ohgott, sie redete schon wie Adrian! „Ok heißt in Ordnung“, erklärte sie. „Das sagen später alle so.“ Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Michael wagte sich kaum zu rühren.
„Erzähl mir mehr von da!“, bat er.
Anna erzählte ihre Geschichte. Wie sie ohne Erinnerung in einem weißen Raum erwachte, zwischen piepsenden Kästen, mit Schläuchen, die in ihren Körper führten. Wie sich ein unbekannter Mann als Adrian vorstellte und von Michael erzählte.
Sie sprach von den Ärzten, die versuchten, erst ihr nacktes Leben und dann ihre Füße zu retten.
Von den Schreien, die sie in ihren Träumen verfolgten und von denen sie wusste, dass es ihre eigenen waren. Und von Erinnerungsfetzen, vom Geräusch, wenn Knochen brachen und Sehnen rissen, vom Geruch, wenn sich Blut und Exkremente mischten.
Michael hielt sie im Arm und lauschte stumm. Mehr konnte er nicht tun. Aber das reichte Anna.  Er war bei ihr. Sie waren zusammen.
„Gute Nacht!“ Schüchtern küssten sie sich zum ersten Mal, bevor jeder auf seine Pritsche rutschte.

Gut gelaunt blickte Adrian auf eine Anzahl grauschwarzer Steine, die er auf seiner Seite des Frühstückstisches aufgebaut hatte. „Hat sich gelohnt!“, eröffnete er den Jugendlichen, die Hand in Hand in die Messe traten. „Wir müssen noch ein paar Tage bleiben!“
Michael nahm skeptisch einen der unscheinbaren Klumpen und drehte ihn ratlos.
„Aha, das ist also ein Stein!“, stellte Anna ironisch fest.
„Ihr habt ja keine Ahnung!“ Pikiert räumte Adrian seine Schätze in eine mit Schaumstoff ausgeschlagene Kiste.
„Irgendwie muss ich ja mein Häuschen im Grünen und mein Cabrio wieder reinbekommen!“ Demonstrativ musterte er Annas Fußgelenke. Sie verzog das Gesicht zu einem entschuldigenden Grinsen.
„Was meinte er damit?“, fragte Michael nach dem Frühstück, als Adrian mit seinem Rucksack aus der Schleuse verschwunden war. Anna seufzte und legte ihre Füße auf seinen Schoß. Rot zeichneten sich die Nähte auf der blassen Haut ab. Michael folgte ihnen vorsichtig mit dem Finger.
„Adrian verdient bei seinen Reisen sehr viel Geld“, erklärte sie. „Er hat das alles beiseitegelegt und wollte sich irgendwann ein Haus am Stadtrand kaufen. Mit Garten und so. Na ja, und dann kam ich und brauchte einen Heilkundigen, der mich wieder zusammenflickt, ohne Fragen zu stellen...He! Hör auf! Das kitzelt!“


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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 00:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

auf geht's...

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Stolz betrachtete er sein Werk. - Wer ist er? Der Name wäre hier schon wichtig zur Orientierung, sofern die Textstelle nicht ein Ausschnitt aus einem längeren Kapitel ist. Ist vorher erklärt, was sein Werk ist?

Fast glaubte er, - Mit fast tue mich schwer... ich weiß, was Du meinst, das kann man auch so stehen lassen, aber vielleicht gibt es eine andere Formulierung, die klanghafter ist? Annas Präsenz zu spüren. Allerdings könnte man hier, die Reihenfolge bemängeln. In meinen Augen wäre es sinnvoller, dass er sich erst setzt und die Augen schließt und dann glaubt...

Er setzte sich auf die Steinbank, schloss die Augen und genoss die (warme - bräuchte es für mich nicht) Frühlingssonne, die über den Teich (genau) auf seinen Platz (fiel - schien?) Er fühlte sich Anna nahe wie selten zuvor.

Mit ihren Augen vor seinem Gesicht döste er ein. - Dass er eindöst okay, aber mit ihren Augen vor dem Gesicht? Mir fehlt da ein Verb. Stellt er sich das vor? Sieht er ihre Augen?

Etwas (ggf. Jemand? Etwas kann nicht rütteln) rüttelte an seiner Schulter. Er öffnete die Augen.
Vor ihm stand Anna, mit merkwürdiger Frisur. - Was ist denn eine merkwürdige Frisur? Ein exaktes Bild wäre stattdessen angebrachter.
„Michael!“, wisperte sie (tränenerstickt. - Warum weint Anna nicht einfach?) „Wach auf!“

Er wich zurück. - Er sitzt, da kann er nicht weichen, nur mit dem Oberkörper, aber das steht da nicht.

Wenn ihn Anna im Traum so klar erschien und ihn berührte, erwachte er meist mit samenfeuchter Hose. - Hier stimmt die Grammatik nicht. - Wenn Anna ihm im Traum erschien und (ihn - muss da nicht stehen, weil klar ist, dass sie ihn berührt) berührte, ... Und das brauchte er jetzt wirklich nicht. - Hier wird es jetzt haarig, wenn er träumt, dann denkt er nicht, das passiert dann einfach.

Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig. „Michael! Ich bin's wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht.

Er ächzte unwillig. - Und was passiert vorher? - Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen. Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?!

„Anna?“, keuchte er, - Wovon ist er denn hier außer Atem? (immer noch völlig verunsichert. - Dass er verunsichert ist, geht aus der Handlung hervor)

Er rutschte von der Steinbank. Seine Beine versagten (Muss er nicht aufstehen, damit die Beine Versagen können und er anschließend wieder auf die Knie Fall kann?) und er fiel vor ihr auf die Knie. Genau wie sie. Zögerlich hob er die Hand und verharrte.
Er hatte Panik, sie könnte sich zwischen seinen Fingern (Er hat doch nur die Hand gehoben? Also entweder hat er nur Angst, dass sie sich wieder in Luft auflöst oder er berührt sie, damit das zwischen seinen Fingern geschehen kann) in Luft auflösen.
Sie achtete nicht auf sein Zögern und fiel ihm mit einem erstickten Schluchzen um den Hals.
Sie war es wirklich. - Denkt wer? Anna weiß doch, dass sie echt ist. Also muss vorher klar sein, dass er das erkennt. Was auch für den nächsten Satz gilt. Und sie war so echt.
Er musterte sie verstohlen. Ihre (merkwürdige - wieder ein Wort ohne Bild) Haartracht, ihr Kleid, das eher in Adrians Welt zu passen schien. Sie stützte sich auf einen (komischen - ? Wieder kein Bild) hellblauen Metallstab.
Beim Aufstehen verzog sie schmerzhaft das Gesicht. - Was passiert denn dazwischen, dass sie nun aufstehen muss?
Michael erwachte aus seiner Starre - erwachen ist hier kein gutes Verb, er könnte sich aufrappeln und ihr dann auf die Beine helfen- und half ihr auf die Beine.
Auf den Stab gestützt humpelte sie zu Adrian - (Wo kommt der denn jetzt auf einmal her, aus einiger Entfernung?)), der Michael - Jetzt hat er einen Namen? Das kommt reichlich spät. - ebenfalls in die Arme schloss.
„Hat Suna überlebt?“, fragte er zur Begrüßung.
Michael nickte. „Suna geht's gut.“ Er glaubte, eine ganze Lawine von Adrians Seele poltern zu hören. “


Puh... Da geht aber alles durcheinander. Der Text ist zwar sehr kurz, aber es fehlt jede Struktur. Du wirfst die Personen hin und her, wie es eben gerade kommt. Ja, so geschieht es im Alltag überall, aber da sieht man alles. Wenn man ein Buch liest, muss man sich als Leser vom Autor führen lassen, das geschieht in diesem Text nicht, Du führst den Blick des Lesers nicht. Es geschieht alles sehr wirr, wie einfach mal dahingeschrieben. So lieblos wirkt es dann eben auch auf mich, als ob der Autor sich damit nicht viel mehr Arbeit machen möchte als nötig.

LG Diamond
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 07:22    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine Anmerkungen. Ich werde sehen, welche davon für mich anwendbar sind.

Zitat:
wie einfach mal dahingeschrieben. So lieblos wirkt es dann eben auch auf mich, als ob der Autor sich damit nicht viel mehr Arbeit machen möchte als nötig.


 Rolling Eyes Und ich dachte, dass Unterforum heißt Werkstatt und nicht Verriss. Das ist für mich keine sachliche Textarbeit, sondern nur ein abschließendes Gesamturteil.


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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 08:06    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Und ich dachte, dass Unterforum heißt Werkstatt und nicht Verriss. Das ist für mich keine sachliche Textarbeit, sondern nur ein abschließendes Gesamturteil.


Richtig, das Unterforum heißt Werkstatt. Ich weiß nicht, wie oft ich hier im Forum schon die Hinweise gelesen habe, Reihenfolge beachten, wörtliche Rede in eine neue Zeile usw, gefühlt bestimmt Hunderttausend mal. Und ganz neu bist Du hier auch nicht mehr, da gehe ich davon aus, dass Du es wenigstens schon einmal irgendwo gelesen hast, bietest deinen Text aber trotzdem so an. Dabei sind das ganz einfache formale Dinge, die einem Autor nicht viel Arbeit machen und den Leuten, die den Text lesen und hier und da helfen sollen, die Arbeit erleichtern. Es ist nicht so, dass die Korrektur keine Arbeit macht, ich muss mich auch mit Deinem Text beschäftigen und gebe mir Mühe, da kann ich erwarten, dass wenigstens einfache formale Dinge befolgt werden. Das ist es, was ich kritisiere, was für mich lieblos wirkt. Dieses Stück Text in dieser Form würde Dir jeder Lektor um die Ohren hauen und das Forum ist eben auch kein Streichelzoo. Vor allem kannst Du es besser, das hast Du ja schon oft gezeigt.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 08:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hhmm...das ist mir selber noch gar nicht aufgefallen. So gesehen hast du recht.
Im Original hab ich nämlich die wörtliche Rede auf jeweils neuen Zeilen stehen.
Hab den Text hier einfach reinkopiert.
Ich hab mein OpenOffice auf A5 stehen, möglicherweise liegt es daran, dass die Formatierung hier umgeworfen wird.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 08:28    Titel: Antworten mit Zitat

Test:

Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig. „Michael! Ich bins wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht. Er ächzte unwillig. Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen. Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?! „Anna?“, keuchte er, immer noch völlig verunsichert.

Ja, das ist es. Embarassed

Im Original

Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig.
 „Michael! Ich bins wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht.
 Er ächzte unwillig. Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen.
Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?!
 „Anna?“, keuchte er, immer noch völlig verunsichert.

Fehler gefunden. Nächstes Mal wird's besser.


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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:

Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig.
 „Michael! Ich bins wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht.
 Er ächzte unwillig. Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen.
Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?!
 „Anna?“, keuchte er, immer noch völlig verunsichert.


So ist der Text viel übersichtlicher! Da sieht man auch besser, wo er noch Haken hat.

(Aber - das bräuchte es für mich nicht.) So liest es sich mMn besser:
Die Traumgestalt blieb hartnäckig.
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

mir sind ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, die ich im Text kommentiert habe. Grundsätzlich kann ich den Geschehnissen klar folgen, und ich verstehe Diamonds Anmerkungen nicht ganz. Ich empfinde den Text weder als durcheinander noch sehe ich, dass du wirr zwischen den einzelnen Personen hin- und herspringst.

Wenn ich die Geschichte richtig verfolgt habe, hast du den auktorialen Erzähler gewählt, der ja durchaus die Perspektiven abschnittsweise wechseln kann, oder nicht? Zuerst beschreibt er aus der Sicht von Michael (so wie bereits aus der Sicht von Suna und dann Anna erzählt wurde), während hier im letzten Abschnitt wieder auf alle drei Charaktere gezoomt wird. Korrekt?

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Hab ein bissel weitergemacht. Ich oute mich jetzt mal als "Bojenschreiber"
Die Szene ist mir heute Nacht durch den Kopf geschossen und hat eine etwas abstrusere ältere Variante abgelöst.



Stolz betrachtete er sein Werk. Fast glaubte er, Annas Präsenz zu spüren. Er setzte sich auf die Steinbank, schloss die Augen und genoss die warme Frühlingssonne, die über den Teich genau auf seinen Platz fiel. Er fühlte sich Anna nahe wie selten zuvor. Mit ihren Augen vor seinem Gesicht döste er ein. Wohl eher "Mit ihrem Gesicht vor seinem inneren/ geistigen Auge ..."
Etwas Jemand rüttelte an seiner Schulter. Er öffnete die Augen. Vor ihm stand Anna, mit merkwürdiger Frisur. Das klingt tatsächlich merkwürdig, hier würde ich einfach genau das schreiben, was er sieht: ... Anna mit kurzen Haaren." „Michael!“, wisperte sie tränenerstickt Wenn sie lediglich wisperte, dann kein Ausrufezeichen. „Wach auf!“
Er wich zurück. Wenn ihn Anna im Traum so klar erschien und ihn berührte, erwachte er meist mit samenfeuchter Hose Ist das nicht ein wenig übertrieben?. Und das brauchte er jetzt wirklich nicht. Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig. „Michael! Ich bin's wirklich!“ Sie schüttelte ihn regelrecht. Er ächzte unwillig. Dann sah er in einiger Entfernung Adrian stehen. Sein Herz begann zu rasen. Das war kein Traum?! Nur ein Satzzeichen benutzen „Anna?“, keuchte er, immer noch völlig verunsichert.
Er rutschte von der Steinbank. Seine Beine versagten Komma und er fiel vor ihr auf die Knie. Genau wie sie. Zögerlich hob er die Hand und verharrte. Er hatte Panik, sie könnte sich zwischen seinen Fingern in Luft auflösen. Sie achtete nicht auf sein Zögern und fiel ihm mit einem erstickten Schluchzen um den Hals. Sie war es wirklich. Und sie war so echt. Und in diesem Moment setzt bei mir im Hintergrund die Titelmusik von Lovestory ein. Ne, Spaß beiseite, das ist mir persönlich zu kitschig und zu schnell abgehandelt. Das "erstickte Schluchzen", "um den Hals fallen" und "sie war so echt" klingen abgedroschen und schon tausend Mal gehört. Dabei ist das doch ein Schlüsselmoment, ihr erstes Wiedersehen! Ich finde, hier kannst du dich noch viel mehr in die beiden hineinversetzen und die Leser ihre Emotionen spüren lassen.
Er musterte sie verstohlen. Ihre merkwürdige Haartracht dito, wie oben, ihr Kleid, das eher in Adrians Welt zu passen schien. Sie stützte sich auf einen komischen hellblauen Metallstab. Beim Aufstehen verzog sie schmerzhaft das Gesicht. Michael erwachte aus seiner Starre und half ihr auf die Beine. Auf den Stab gestützt humpelte sie zu Adrian, der Michael ebenfalls in die Arme schloss.
„Hat Suna überlebt?“, fragte er zur Begrüßung. Michael nickte. „Suna geht's gut.“
Er glaubte, eine ganze Lawine von Adrians Seele poltern zu hören.
Hier fehlt ein Übergang zur nächsten Szene.
Verunsichert saßen sie auf der Pritsche in Annas Kabine. Die ersten Emotionen waren verflogen ja, das finde ich auch. Aber wie kann das so schnell sein? Ich dachte, das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick? Scheint kein großes Feuer zwischen den beiden zu sein, ein bissel unlogisch Adrian hatte sich sein Geologenwerkzeug geschnappt und war nach draußen verschwunden.
Beide suchten einen Anfang. Schüchtern trafen sich ihre Blicke. Anna kaute nervös an ihren Krallen Nägeln, sie ist ja kein Tier. Schließlich platzte Michael heraus. „Ist schon bescheuert unpassendes Adverb, besonders, da er aus der Vergangenheit kommt. Wir suchen und finden uns durch die Jahrhunderte, und dann wissen wir nicht, worüber wir reden sollen!“ Anna lachte nervös. „Tja, irgendwie wissen wir ja auch überhaupt nichts voneinander. Außer, dass du mich retten wolltest!“
„Und gescheitert bin“, setzte er dumpf hinzu.
„Du sitzt hier, ich sitze hier. Also gescheitert würde ich das nicht nennen.“ Sie lächelte. „Das mit der Eiche finde ich süß von dir. Danke!“
Er druckste herum. „Hast du doch selber beim Verhör gesagt, hier fehlt eine Eiche.“
„Wusstest du, dass die in siebenhundert Jahren immer noch steht?“
Michael schüttelte den Kopf. „Nein. Woher denn?“
„Na, ohne den Baum hätten wir dich nie gefunden!“
„Und ich hab sie eigentlich gepflanzt, um mit der Sache abzuschließen. Morgen wollte ich zurück ins Kloster. Für immer.“
Anna betrachtete mit gerunzelter Stirn ihre Fingernägel. Auch Michael schaute interessiert hin.
„Was ist denn mit denen passiert?“
„Das ist so, wenn die ausgerissen werden“, murmelte sie. „Dann wachsen die schief. Und am Kleinen ist gar keiner mehr nachgewachsen.“
Michael schluckte bitter und wandte den Blick ab.
Anna lächelte und strich vorsichtig über seinen Wangenknochen. „Ist schon ok.“
„O...was? Was heißt das ?“
Sie stutzte. Was hatte sie da gerade gesagt? Ohgott, sie redete schon wie Adrian! „Ok heißt in Ordnung“, erklärte sie. „Das sagen später alle so.“ Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Michael wagte sich kaum zu rühren.
„Erzähl mir mehr von da!du benutzt viele Ausrufezeichen, wo gar keines hinkommt, bat er.
Anna erzählte ihre Geschichte. Wie sie ohne Erinnerung in einem weißen Raum erwachte, zwischen piepsenden Kästen, mit Schläuchen, die in ihren Körper führten. Wie sich ein unbekannter Mann als Adrian vorstellte und von Michael erzählte.
Sie sprach von den Ärzten, die versuchten, erst ihr nacktes Leben und dann ihre Füße zu retten.
Von den Schreien, die sie in ihren Träumen verfolgten und von denen sie wusste, dass es ihre eigenen waren. Und von Erinnerungsfetzen, vom Geräusch, wenn Knochen brachen und Sehnen rissen, vom Geruch, wenn sich Blut und Exkremente mischten. sehr bildhaft Daumen hoch
Michael hielt sie im Arm und lauschte stumm. Mehr konnte er nicht tun. Aber das reichte Anna.  Er war bei ihr. Sie waren zusammen.
„Gute Nacht!“ Warum Ausrufezeichen? Schüchtern küssten sie sich zum ersten Mal, bevor jeder auf seine Pritsche rutschte.
Hier fehlt ein Übergang zur nächsten Szene.
Gut gelaunt blickte Adrian auf eine Anzahl grauschwarzer Steine, die er auf seiner Seite des Frühstückstisches aufgebaut hatte. „Hat sich gelohnt!“, eröffnete er den Jugendlichen Begriff? Ich dachte, Anna geht als Studentin durch und ist deutlich älter, als Suna? Bei Jugendlichen denke ich an pickelige Teenager auf dem Pausenhof. Jugendliche sind Minderjährige zwischen 14 und 18 Jahren. , die Hand in Hand in die Messe traten. „Wir müssen noch ein paar Tage bleiben!“
Michael nahm skeptisch einen der unscheinbaren Klumpen und drehte ihn ratlos.
„Aha, das ist also ein Stein!“, stellte Anna ironisch fest.
„Ihr habt ja keine Ahnung!“ Pikiert räumte Adrian seine Schätze in eine mit Schaumstoff ausgeschlagene Kiste.
„Irgendwie muss ich ja mein Häuschen im Grünen und mein Cabrio wieder reinbekommen!“ Demonstrativ musterte er Annas Fußgelenke. Sie verzog das Gesicht zu einem entschuldigenden Grinsen.
„Was meinte er damit?“, fragte Michael nach dem Frühstück, als Adrian mit seinem Rucksack aus der Schleuse verschwunden war. Anna seufzte und legte ihre Füße auf seinen Schoß. Rot zeichneten sich die Nähte auf der blassen Haut ab. Michael folgte ihnen vorsichtig mit dem Finger.
„Adrian verdient bei seinen Reisen sehr viel Geld“, erklärte sie. „Er hat das alles beiseitegelegt und wollte sich irgendwann ein Haus am Stadtrand kaufen. Mit Garten und so. Na ja, und dann kam ich und brauchte einen Heilkundigen, der mich wieder zusammenflickt, ohne Fragen zu stellen...He! Hör auf! Das kitzelt!“


Wieder gerne gelesen.

LG Katinka
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.05.2019 13:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo und danke für dein Feedback.
Ja, die Formatierung hat auch die Absätze "gefressen".

Tja, mit dem Wort Jugendliche habe ich auch gehadert.
Die beiden sind um die 17, wird an anderer Stelle erwähnt.
Nach mittelalterlicher Auffassung sind sie also erwachsen, man galt ab etwa 14 als volljährig.
Allerdings kommt Adrian aus einer Zeit, wo sie noch als minderjährig gelten und sich ja auch teilweise so benehmen.
(gut, wenn man das live an gleichaltrigen Kindern studieren kann ^^)

Die Beziehung...ich umreiße mal so, sie sehen sich vorher nur aus Distanz, das ist das erste Mal, dass sie direkt miteinander reden. Sie haben sich jeweils gegenseitig in ihren Träumen hochstilisiert, wissend, dass sie sich wohl nie wiedersehen. Als sich dann entgegen aller Naturgesetze plötzlich die Möglichkeit ergibt, drucksen sie natürlich unsicher rum, wollen nicht das Bild kaputt machen, dass sie jeweils vom anderen haben.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 26.05.2019 18:26    Titel: Antworten mit Zitat

@Katinka 2.0: Ich wollte die Titelmusik von Lovestory einbauen, aber es gab Probleme mit der GEMA... Razz
Also hab ich es umformuliert...

Stolz betrachtete er sein Werk. Fast glaubte er, Annas Präsenz zu spüren. Er setzte sich auf die Steinbank, schloss die Augen und genoss die Frühlingssonne, die über den Teich genau auf seinen Platz fiel. Er fühlte sich Anna nahe wie selten zuvor. Mit ihren Augen vor seinem Gesicht döste er ein.
Jemand rüttelte an seiner Schulter. Er öffnete die Augen. Vor ihm stand Anna, mit merkwürdig kurzen Haaren.
 „Michael!“, drängte sie energisch. „Wach auf!“
Er wich erschrocken vor der Erscheinung zurück und bekreuzigte sich.
„Nein“, keuchte er. „Du bist tot! Warum suchst du mich als Trugbild heim?“
  Aber die Traumgestalt blieb hartnäckig.
 „Michael! Ich bins wirklich!“
Sie schüttelte ihn regelrecht. Ihre Hand an seiner Kutte fühlte sich verdammt echt an.
Anna spürte seine Zweifel.
„Hier!“, hielt sie ihm ihre Hand hin. „Fass an, dann merkst du, dass ich kein Spuk bin.“
Zögerlich griff er nach ihrer Hand und verharrte.
 Er hatte Panik, sie könnte sich zwischen seinen Fingern in Luft auflösen.
Anna achtete nicht auf sein Zögern, griff beherzt zu und zog ihn von der Bank hoch.
Sie strahlte ihn an und fiel ihm mit einem erstickten Schluchzen um den Hals.
Langsam realisierte sein verwirrter Verstand, dass es wirklich Anna war, die hier gerade sein eben noch so klares Weltbild von Leben und Tod zu Staub zerfallen lies.
„Anna?“, akzeptierte er zögerlich die Tatsachen in seinen Armen.
„Ja, du dummer Junge“, lächelte sie mit feucht glitzernden Augen. „Die bin ich!“
„Aber ... wie?“
 Er musterte sie verstohlen. Ihre ungewohnt kurzen Haare, ihr Kleid, das eher in Adrians Welt zu passen schien. Sie stützte sich auf einen hellblauen Metallstab.
Da gewahrte er Adrian, der verlegen im Hintergrund von einem Bein aufs andere trat. Jetzt ergab das Ganze langsam einen Sinn.
„Adrian!“, begrüßte er seinen Freund. „Du lebst ja auch!“
„Scheint so“, blickte dieser an sich herunter.
 „Bis gestern hielt ich zumindest dich für tot. Hat Suna auch überlebt?“ Adrians Stimme zitterte leicht.
 Michael nickte. „Suna geht's gut.“
Er glaubte, eine ganze Lawine von Adrians Seele poltern zu hören.


Verunsichert saßen sie auf der Pritsche in Annas Kabine.
 Adrian hatte sich sein Geologenwerkzeug geschnappt und war nach draußen verschwunden.
Beide suchten einen Anfang. Schüchtern trafen sich ihre Blicke. Anna kaute nervös an ihren Krallen. Schließlich platzte Michael heraus. „Ist schon komisch. Wir suchen und finden uns durch die Jahrhunderte, und dann wissen wir nicht, worüber wir reden sollen!“ Anna lachte nervös.
 „Tja, irgendwie wissen wir ja auch überhaupt nichts voneinander.“
„Du hast mir einiges von dir erzählt“, wandte Michael ein.
„Ja, im Verhör...“
Er räusperte sich verlegen und mied ihren Blick. Anna fuhr unbeirrt fort.
„Immerhin wolltest du mich dann retten und hast dich gegen deinen Meister aufgelehnt.“
„Und bin gescheitert“, murmelte er dumpf.
„Du sitzt hier, ich sitze hier. Also gescheitert würde ich das nicht nennen.“ Sie lächelte. „Das mit der Eiche finde ich süß von dir. Danke!“
Er druckste herum. „Hast du doch selber gesagt, hier an deinem Lieblingsplatz fehlt eine Eiche.“
„Wusstest du, dass die in siebenhundert Jahren immer noch steht?“
Michael schüttelte den Kopf. „Nein. Woher denn?“
„Na, ohne den Baum hätten wir dich nie gefunden!“
„Und ich hab sie eigentlich gepflanzt, um mit der Sache abzuschließen. Morgen wollte ich zurück ins Kloster. Für immer.“
Anna betrachtete mit gerunzelter Stirn ihre Fingernägel. Auch Michael schaute interessiert hin.
„Was ist denn mit denen passiert?“
„Das ist so, wenn die ausgerissen werden“, murmelte sie. „Dann wachsen die schief. Und am Kleinen ist gar keiner mehr nachgewachsen.“
Michael schluckte bitter und wandte den Blick ab.
Anna lächelte und strich vorsichtig über seinen Wangenknochen.
 „Ist schon ok.“
„O...was? Was heißt das ?“
Sie stutzte. Was hatte sie da gerade gesagt? Ohgott, sie redete schon wie Adrian. „Ok heißt in Ordnung“, erklärte sie. „Das sagen später alle so.“
Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Michael wagte sich kaum zu rühren.
„Erzähl mir mehr von da“, bat er.
Anna erzählte ihre Geschichte. Wie sie ohne Erinnerung in einem weißen Raum erwachte, zwischen piepsenden Kästen, mit Schläuchen, die in ihren Körper führten. Wie sich ein unbekannter Mann als Adrian vorstellte und von Michael erzählte.
Sie sprach von den Ärzten, die versuchten, erst ihr nacktes Leben und dann ihre Füße zu retten.
Von den Schreien, die sie in ihren Träumen verfolgten und von denen sie wusste, dass es ihre eigenen waren. Und von Erinnerungsfetzen, vom Geräusch, wenn Knochen brachen und Sehnen rissen, vom Geruch, wenn sich Blut und Exkremente mischten.
Michael hielt sie im Arm und lauschte stumm. Mehr konnte er nicht tun. Aber das reichte Anna.  Er war bei ihr. Sie waren zusammen.
„Gute Nacht“,
 Schüchtern küssten sie sich zum ersten Mal, bevor jeder auf seine Pritsche rutschte.


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BeitragVerfasst am: 27.05.2019 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
@Katinka 2.0: Ich wollte die Titelmusik von Lovestory einbauen, aber es gab Probleme mit der GEMA... Razz


Schade, so ein interaktives Buch wäre sicherlich reizvoll Smile .

Ich finde, das erste Wiedersehen der beiden liest sich jetzt wesentlich authentischer und passt auch besser zu den Umständen ihres Kennenlernens.
So wie du es beschreibst, handelt es sich um eine gegenseitige Schwärmerei, die sich zu einem tieferen Gefühl entwickeln kann, wenn sie mehr voneinander erfahren. Deshalb würde ich das

Zitat:
Konnte man jemanden lieben, dessen einzige Berührung ein tröstender Griff an die Schulter gewesen war? Ja, Anna konnte es.


ebenfalls ihrem Verhalten anpassen und etwas moderater formulieren.

Im Gegensatz dazu:

Zitat:
Schüchtern küssten sie sich zum ersten Mal, bevor jeder auf seine Pritsche rutschte.


Ist das dein Ernst? Jetzt hat eine Entwicklung stattgefunden, sie küssen sich zum ersten Mal und du tust das so emotionslos in einem Satz ab? Jetzt musst du nochmal Love Story hören! Mit Text Laughing!

LG Katinka
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