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Prolog - Der Schwarm


 

 
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markbannstorm
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 16
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 27.01.2019 19:48    Titel: Prolog - Der Schwarm eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Königin des siebzehnten Schwarms streifte durch die graue Dimension.
Wo ist der verfluchte Nexus? Wie Nebelschwaden zogen Gebiete unterschiedlicher Energiedichte vorbei und täuschten ihren Verstand. Da! In ihrem echten Körper hätte das Antennenherz angefangen, gegen den Chitinpanzer zu hämmern. Ihre Begleiter, ein Dutzend gelber Leuchtflecken, begannen zu pulsieren und huschten zu der Unregelmäßigkeit.
Doch niemand schickte einen der dünnen Fäden, die im Grau die Kommunikation ermöglichten, zu ihr zurück. Vielmehr reihten sie sich wieder in die Suchformation ein. Zum hunderttausendsten Mal zerplatzte ihre Hoffnung wie die schillernde Blase einer Tau-Anemone bei Sonnenaufgang.
Warum hoffen wir immer noch? Nach der hunderttausendsten Enttäuschung? Sie beantwortete sich ihre eigene Frage. Weil wir wissen, dass der Übergang in die normale Dimension hier sein muss.
Sie dehnte ihr Sichtfeld aus. Ein Meer dunkelgelber Flecken umgab sie. Fünfzigtausend. Für einen Moment durchbrach Verzweiflung ihre Konzentration. Der kümmerliche Rest meines Schwarms. Nach der verlorenen Schlacht gegen die Hybriden hatten sie ihren Heimatplaneten über den Nexus in der kalten Zone verlassen um zu überleben.
Wie lange müssen wir noch durch das Grau wandern? Der Beginn ihrer Reise schien Äonen zurückzuliegen und die Hälfte der Zeit suchten sie bereits nach einem Nexus in diesem Abschnitt der grauen Dimension. Sie schickte einen Kommunikationsfaden zu ihrem Heerführer: „Übermittle die Erinnerung.“ Rikkan wusste welche.
Wie unzählige Male zuvor, entdeckte sie nichts Neues: Mitten zwischen den grauen Schlieren bildete sich ein winziger schwarzer Strudel. Ein Bündel Kommunikationsfäden schoss daraus hervor und rief ein Wort ‚kommt‘. Auch wenn der Nexuskanal zu klein schien, folgte Rikkan dem Ruf.
Der Kanal endete in einem Körper, den ein anderes Wesen bewohnte. Es wollte ihn in einen toten Gegenstand zwingen. Der Heerführer des siebzehnten Schwarms weigerte sich und schlug zurück. Er verdrängte den ursprünglichen Bewohner und übernahm dessen Körper. Als er die extreme Hässlichkeit bemerkte, schüttelte ihn der Abscheu: Keine Flügel, das Skelett schützte nicht die Organe, sondern befand sich im Inneren, nur vier Gliedmaßen, die Augen starr nach vorne gerichtet. Die Unterschiede überwältigten ihn.
So gelang es einem anderen Wesen kurze Zeit später, seinen neuen Körper zu töten und ihn auf diese Weise zurück ins Grau zu schicken.

Zehn Einheiten ihres Schwarms hatten Ähnliches berichtet. Die elfte blieb verschollen. Alle stimmten in ihrer Einschätzung überein: Die Welt jener Wesen eignete sich für eine Besiedlung und sie musste einen Nexus besitzen. Sie erinnerten sich deutlich an die Ausstrahlung.
Dünne Fäden wanden sich durch das Grau und berührten die Königin. „Grüner Fleck gesichtet.“
„Verfolgen. Treibt ihn zu mir.“ Sie verschluckte‚ ‚falls es euch gelingt.‘ Zu oft waren ihre Soldaten vergeblich hinter dem Wesen hergejagt. Wieder spielte es mit ihnen. Sie sah den grünen Schemen zwischen ihren gelben Einheiten hindurch huschen. Und doch. Etwas ist anders.
Das Spiel dauerte länger als sonst. Der Fleck näherte sich ihr in einem chaotischen Muster. Es extrapoliert, wohin es getrieben wird. Sie schwebte ein Stück entgegen. „Bleibt zurück“, befahl sie ihren Begleitern. Ohne Zweifel intelligent. Das Wesen hatte ihr Manöver bemerkt und schoss direkt auf sie zu.
Sie warf einen zarten Kommunikationsfaden, der zitternd eine Flügelspannweite vor dem grünen Fleck verharrte. Das Wesen zögerte einen Moment, bevor es die Verbindung herstellte.
„Wer seid ihr und was wollt ihr hier?“
Laut und fordernd. Sie musste sich zurückhalten, denn so redete sonst niemand mit ihr. „Ich bin die Cai Zartessa, die Königin des siebzehnten Schwarms. Wir suchen den Nexus zu einem Planeten in der Normaldimension.“ Sie setzte hinzu: „Hast du einen Namen?“
„Ich heiße Janina.“ Gut. Mit einem namenlosen Wesen zu verhandeln hätte keinen Sinn gehabt.
Janina fuhr fort: „Wir haben den Planeten zuerst entdeckt. Er gehört uns. Verschwindet.“
„Er ist bestimmt groß genug, um noch unseren Schwarm aufzunehmen. Bist du einer der ‚Menschen‘, die dort leben?“
„Zieht weiter. Der Nexus ist zerstört und diese Welt hat einen Wächter.“
„Aber...“
„Zieht weiter“, unterbrach sie das Wesen. „Ihr werdet keinen Zugang finden.“ Es zerriss den Kommunikationsfaden und jagte in einem irrsinnigen Tempo durch die Reihen der Schwarmeinheiten.
Hatte dieses Wesen namens Janina die Wahrheit gesagt? Suchten sie vergeblich nach dem Nexus? Aber jetzt weiterziehen, auf eine neue Äonen dauernde Reise? So leicht lässt sich eine Cai Zartessa nicht einschüchtern.„Wir suchen weiter. In der Richtung, aus der das Wesen gekommen ist.“
Später: Ohne Wechsel zwischen Tag und Nacht gab es im einförmigen Grau keinen Anhaltspunkt für das Verstreichen der Zeit. Die Königin hatte den Befehl zum Wenden gegeben, als ihr eine winzige Unregelmäßigkeit in der ursprünglichen Richtung auffiel.
Blitzartig flog sie darauf zu. Hinter Schlieren verbarg sich ein schwarzer Strudel, so klein wie eine Borste an ihrer Vorderklaue. Die gelbe Aura, die ihr Wesen im Grau repräsentierte, begann vor Erregung zu zittern.
Der Zugang! Der Kanal blinkte und schwankte, als ob er sich jeden Moment schließen könnte. Ich muss ihm folgen. Sofort! Sie stürzte in die Dunkelheit.

Für jeglichen Feedback wäre ich dankbar....

123Wie es weitergeht »




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Kiara
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 39
Beiträge: 325
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 27.01.2019 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Den zweiten Teil, ab "Treibt ihn zu mir" fand ich um einiges interessanter.
Eventuell kannst du den Anfang bzw. die Infos anders/später in den Text einweben, häppchenweise. Zu viele Infos am Anfang schrecken manch Leser ab und machen das Lesen anstrengender.

Der "zweite" Teil gefällt mir gut! Liest sich flüssig.

Ist nur meine Einschätzung dazu.

Der Titel ist bereits urheb. geschützt, mMn, von F. Schätzing. Nur so.

Vielen Dank für deinen Text!
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Django121
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 25
Beiträge: 3
Wohnort: Tirol, Österreich


BeitragVerfasst am: 28.01.2019 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist jetzt das Erste mal, dass ich mich hier einbringe, also nimm meine Kritik vielleicht nicht ganz zu ernst smile

Also, im Titel steht ja Prolog, es soll sich hier also um einen Roman halten schätze ich mal. Somit willst du also den Leser hier packen und im zeigen was in deiner Fantasy/Sci-fi Welt (Wird das hier Urban Fantasy? Also nachdem die Insekten Menschen übernehmen und dann die zwei Schwärme in ihren menschlichen Hosts gegeneinander kämpfen?) passiert, wie sie funktioniert (zumindest teilweise) und auf was ich mich in den folgenden Kapiteln einstellen darf/muss. Außerdem sollte der Prolog natürlich Lust auf mehr machen und viele Fragen aufwerfen.
Soweit so gut, ich bin aufjedenfall gespannt wie es weitergeht und finde die Idee ansprechend, ja ansprechend genug um auch ein Kapitel 1 zu lesen wenn es erscheint.

Verwirrt bin ich auch ein wenig, nur weiß ich nicht ganz ob im guten oder schlechten Sinne. Du bewirfst uns mit den Eigenheiten deiner Schöpfung: Nexi, Kommunikationsfäden, Übernahme anderer Körper, Graue Dimension, Leuchtflecken usw.
Ich finde die Ideen alle toll und spannend, nur sind sie eben in der ersten Hälfte dieser Geschichte so verteilt, dass es den Lesefluss erschwert. Beim ersten durchlesen habe ich zuerst die Kommunikationsfäden im oberen Teil übersehen und dann erst am Ende verstanden was du meinst, dann bin ich noch einmal nach oben und habe es zusammengesetzt.
Ich finde es eigentlich toll, einfach in das Geschehen geworfen zu werden, aber finde man sollte die Balance ein klein wenig besser treffen und den ersten Sätzen eine leichtere Verdaulichkeit zukommen lassen; Wie schon mein Vorposter anmerkte, ich wollte es hier nur nochmal in meine Worte fassen, weil es mir wirklich genau gleich erging.

Nach mehrmaligem Lesen macht alles Sinn (soweit Fantasy-Insekten aus grauen Dimensionen halt Sinn machen), aber ich musste mir durch mehrmaliges Lesen und durch Gedankenspiele mit den Werkzeugen, die du uns gegeben hast, selbst Antworten auf meine Fragen basteln. Ich finde das sehr toll und wenn eine Geschichte mich dazu anregt das zu machen, dann macht sie aufjedenfall einiges richtig (ich könnte ja auch einfach das metaphorische Buch zuschlagen und es vergessen). Andererseits ist der Prolog vielleicht der falsche Ort; also zu früh um dem Leser das kombinieren der Puzzleteile abzuverlangen.

Das sind meine Gedanken, wie du siehst hat der Text doch einige hervorgebracht, ich werde aufjedenfall weiterlesen, also hoffe ich, es gibt auch etwas weiterzulesen.

Viel Erfolg beim schreiben.
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markbannstorm
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 16
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 28.01.2019 22:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank Kiara und Django121!
Werde an einer hoffentlich verbesserten Version arbeiten.

hier mal der Klappentext, den ich nicht vorher angegeben habe, weil ich eine Reaktion allein auf den Prolog haben wollte.

---------
Zwischen dem Inselstaat Samica und dem Dschungelreich Carthe bricht Krieg aus. Drei junge Erwachsene geraten in den Strudel der Ereignisse um ein uraltes Amulett, während 50000 Wesen aus einer anderen Dimension Zugang zur Welt der Menschen suchen.
In einer Gesellschaft, die Samicaner hasst und Frauen unterdrückt, muss eine junge Samicanerin beweisen, wer der wahre Engel Gottes ist.

Sie blickte ihn mit großen Augen an. „Du hilfst mir doch, oder?"
Er sah zu Boden. „Ich hasse Leichenwespen."
„Prima. Dann lass uns sie vernichten."

Der erste Band der Omega-Chroniken beginnt in einer mittelalterlichen Welt vor dem Hintergrund eines Konflikts zweier unterschiedlicher Gesellschaften und der Gefahr fremder Wesen aus einer anderen Dimension.
----------

Ich bin gerade dabei das Buch (Omega - Der Engel Gottes) noch einmal zu überarbeiten....


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Lapidar
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Beiträge: 2981
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 01.02.2019 02:47    Titel: Antworten mit Zitat

freut mich sehr. Denn dein Buch hat Potential smile

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"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
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markbannstorm
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 16
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 03.02.2019 13:37    Titel: 1. Tira, Selia, Haran – von Drogira nach Janagan pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sorry, komme im Moment nicht zum überarbeiten des Prologs. Falls jemand Interesse hat, ist hier schon mal das nächste Kapitel.

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Tira

„Wir werden für die sichere Reise und den Erfolg eurer Tochter beten, Meister Finn“, bedankte sich der Priester für die Goldmünze.
Ihr Vater führte Tira aus der Priesterhütte.
„Warum hast ihm Gold gegeben?“, fragte sie. „Du glaubst doch nicht an den allwissenden Gott.“
„Unterschätze nie die Macht der Kirche. Irgendwann wird es sich auszahlen.“
Díe Kutsche vor der Poststation Drogiras kam in Sicht. Ihre Mutter und Zek warteten dort.
„Wir denken an dich, Tira.“ Ihre Mutter drückte sie.
„Ich komme euch besuchen“, versprach Tira und umarmte ihre Mutter. Sie drehte sich zu ihrem Vater um. Mit ernster Miene reichte sie ihm die Hand. „Auf Wiedersehen, Vater.“
Der lachte, hob sie ein Stück empor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Du bist die Beste, Tira. Du wirst es ihnen allen zeigen.“ Für einen Moment schlang sie ihre Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn.
Zek, ihr Leibwächter, trat heran. Er fasste sie an den Schultern und ging in die Hocke, um ihr in die Augen zu sehen. „Vergiss nicht, das Davonrennen zu üben. Dein Blasrohr hast du dabei?“
Sie nickte.
„Gut.“ Er deutete in Richtung einer jungen Frau in schneeweißer Uniform. „Du bist in guten Händen.“
Die Frau strich sich eine blonde Strähne aus ihrer Stirn und rief „Einsteigen!“
Tira kletterte in die Kutsche. Die beige Farbe ihres Kleides wechselte zu glänzendem Blau. Zek verstaute ihre zwei Kisten unter den Sitzen.
Die Uniformierte sah durch das offene Fenster der Kutschentür. „Alles in...“ Ihre Augen weiteten sich. Sie fasste an ihren Hals.
„Was ist?“, fragte Tira.
„Nichts. Eine alte Erinnerung“, antwortete die Frau. „Ich heiße Selia. Ich bin der Begleitschutz für die Kutsche.“
„Ich bin Tira. Ich fange als Schülerin auf Burg Janagan an.“
„Dann Willkommen. Du siehst noch sehr jung aus. Die anderen Schüler sind alle älter“, stellte Selia fest.
Tira fasste das als Kompliment auf. „Danke. Du musst gut sein. Du siehst auch jung aus, für einen Leibwächter der Zauberer.“
„Leibwächter?“ Selia überlegte kurz. „Ach du meinst die weiße Uniform?“
Tira nickte.
„Nein. Ich bin Rekrutin. Das Weiß verdanke ich meinem tadellosen Lebenswandel und dem Glauben an den allwissenden Gott.“
„Meinen Glückwunsch. Die Farbe ist beeindruckend.“
Selia suchte einen Augenblick nach Ironie in Tiras Gesichtsausdruck. Doch diese lächelte sie mit großen Augen an. „Danke. Es geht los“, antwortete Selia. „Ich werde beten und um eine sichere Reise bitten.“ Sie zog sich zurück und gab das Signal zum Aufbruch.
Bei so vielen Gebeten kann ja nichts schief gehen.Eine Peitsche knallte. Die Kutsche ruckte an. Tira winkte ihren Eltern und Zek beim Vorbeifahren zu. Sie lehnte sich auf den gepolsterten Sitz zurück und überlegte, welche Lektüre sie für die drei Stunden Fahrt bis Janagan herauskramen sollte.

Selia

Selia beendete ihr Gebet an den allwissenden Gott im Reiten. Sobald sie auf das Pferd gestiegen war, hatte ihre Uniform die ursprüngliche grüne Farbe angenommen. In den gepflasterten Straßen Drogiras ritt sie hinter der Postkutsche, die heute unter ihrer Obhut stand. Eine Routineaufgabe, die oft den Rekruten übertragen wurde, insbesondere die Strecke Drogira – Burg Janagan. Die Rückzugsgebiete der Schwarzen lagen weit entfernt auf der anderen Seite Samicas. Mit der Garnison auf Janagan in unmittelbarer Nähe, schien ein Überfall unwahrscheinlich. Trotzdem würde sie ihre Pflicht keinen Augenblick vernachlässigen. Die Kutsche und ihre Insassen waren ihr anvertraut.
Sie verließen die Außenbezirke Drogiras. Die Pflastersteine wichen einer dünnen Schicht Schotter. Auf der vielbefahrenen Straße begegneten ihnen Kutschen, Fuhrwerke und Reiter.
Der Kutscher winkte Selia. „Nach der Südost-Kreuzung könnte es gefährlich werden“, rief er ihr zu.
Selia ritt heran. Über den Hufschlag konnte sie die Worte kaum verstehen. „Warum?“, fragte sie.
„Irgendein Idiot hat das Gerücht verbreitet, die Zauberer wollen eine Kiste Gold nach Janagan transportieren.“ Er lehnte sich aus dem Kutschbock zu Selia hinüber. „Kurz vor den Säuberungen könnte die Versuchung für die Schwarzen groß genug sein, wenn sie von dem Gerücht erfahren.“
„Haben wir das Gold geladen?“, fragte Selia ohne Umschweife.
„Quatsch. Das ist eine Falschmeldung. Aber das wissen die Schwarzen nicht.“
„Warum sollten sie ausgerechnet unsere Kutsche überfallen?“ Sie rückte näher. Ein Reiter überholte sie im Galopp. „Aber ich werde aufpassen“, versprach sie. Sie kaute ein Stück des getrockneten Blattes Engelskraut, das ihr Pater Tener gegeben hatte. Es sollte ihre Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit verbessern.
An der Südost-Kreuzung bog die Kutsche ab. Der Weg stieg an und in der Ferne wuchs der Kegel des Hrangi empor, an dessen Fuß Burg Janagan lag. Dunst verschleierte die Spitze des erloschenen Vulkans.
Sie ritt zehn Pferdelängen voraus und suchte unablässig am Wegrand und zwischen den Bäumen nach Auffälligkeiten. Ein Sonnenstrahl blitzte durch die Blätter hindurch.
Das Gesicht beugte sich zu ihr herunter. Nicht ihre Mutter oder ihr Vater. Etwas glitzerte und drehte sich im Sonnenlicht. Sie griff mit ihren kleinen Händen danach. Es schmeckte kalt. Lachen.Sie griff an ihren Hals und holte das Amulett unter der Uniform heraus. Das Medaillon aus Mondmetall glitzerte und drehte sich im Sonnenlicht. Nur das Zeichen in der Mitte, ein Omega, schien das Licht zu verschlucken. Warum kam diese alte Erinnerung jetzt? War dies ein Hinweis ihres Gottes?
Hinter einer Biegung stand fünfzig Meter entfernt ein Karren am Weg. Ein Mann lag reglos auf der Ladefläche. Selia erstarrte. Ein Hinterhalt? Lieber sichergehen.
„Überfall!“, schrie sie und zog ihr Schwert. Ein Pfeil zischte durch die Luft und schlug gegen die Kutsche. Mit knallender Peitsche trieb der Kutscher die Pferde zum Galopp. Steine und Gras flog durch die Luft, als sich zwei Seile quer über den Weg spannten.
„Halt!“, schrie sie. Der Kutscher zog die Bremse. Zu spät. Die Pferde stürzten und gingen zu Boden. Die Seile rissen. Der abrupte Halt schleuderte den Kutscher über sein Gespann. Stöhnend brach er zusammen. Selia sprang ab. Sie stürmte auf den schwarzgekleideten Mann zu, der mit gezogenen Schwert zur Kutsche rannte.
Als er sie bemerkte, nahm er die Abwehrstellung eines routinierten Schwertkämpfers ein und wartete.
„Allwissender Gott. Bitte hilf mir.“ Gegen einen erfahrenen Kämpfer hätte sie nur mit einem göttlichen Zufall eine Chance.
Doch ihr Gegner beschränkte sich darauf ihre hastigen Attacken abzuwehren. Er war gut. Nur ein paarmal durchbrach ihr Schwert seine Deckung und fügte ihm unbedeutende Schnitte zu. Aus Richtung Kutsche hörte sie eine fremde Männerstimme und ... die Schülerin Tira! Sie konzentrierte sich und verdoppelte ihre Anstrengungen.
Ein Schleier legte sich über ihre Sicht. Was ist das? Schlieren wirbelten um einen schwarzen Strudel, der sich wie ein Faden im Grau verlor. Was passiert mit mir? Sie übersah die unbewaffnete Hand, die auf ihre Nase knallte. Blut tropfte auf das Amulett. Ein gelber Farbfleck huschte durch den Nebel und verschwand in dem Medaillon.
Ein Pfiff ertönte und ihr Gegner ließ von ihr ab.

Tira

Tira rappelte sich auf. Ihr Kopf schmerzte. Der abrupte Halt hatte sie auf die gegenüberliegende Wand geschleudert. Ein junger Mann mit pechschwarzer Weste riss die Kutschtür auf. „Wo ist das Gold?“, fuhr er sie an.
„Das Gold?“ Sie überlegte einen Augenblick. „Sie haben eine Kiste unter dem Kutschboden befestigt.“ Der Mann verschwand. „Idiot“, murmelte Tira. Sie packte ihre Lektüre, die sie auf der Fahrt gelesen hatte. Sekunden später tauchte das Gesicht wieder auf.
„Da ist keine...“
Tira rammte das Buch in den offenen Mund. „Allgemeine Rechtskunde“, kommentierte sie den gurgelnden Schmerzensruf, als der Mann zurücktaumelte. „Räuberischer Überfall steht auf Seite fünfundsechzig.“ Sie rückte auf die gegenüberliegende Seite der Kutsche, die Hand an der Türklinke. Dahinter klirrten Schwerter. Ihre Begleiterin hatte Probleme mit den Schwarzen.
Der Räuber erschien mit rotem Gesicht und zusammengekniffenen Lippen. „Wo ist das Gold, du kleine Ratte?“, fauchte er. „Ich ritze dir eine Narbe in dein hübsches Gesicht.“  Er fuchtelte mit dem Dolch in ihre Richtung.
Tira blickte unter die Sitzbank und sah dann weg. „Ich weiß von keinem Gold.“
Der Mann entdeckte die zwei unter den Sitzen verstauten Kisten. Er zerrte die kleinere von beiden heraus. „Was ist da drin?“
„He, das sind meine Bücher“, antwortete Tira. „Die brauche ich. Da ist kein Gold drin.“
Der Mann grinste, wuchtete sich die Kiste über die Schulter und rannte davon. Tira hörte einen Pfiff. Die Kampfgeräusche verstummten.
Sekunden später riss Selia die Kutschtür von der anderen Seite auf. Ihre Nase blutete. „Bist du in Ordnung?“
„Ja“, versicherte Tira.
„Gut. Ich sehe nach dem Kutscher.“ Selia rannte nach vorne und kniete sich neben den am Boden liegenden Mann.
Tira folgte ihr. Die gestürzten Pferde wieherten und schnaubten. Sie schnappten nach ihr, als sie zu nahe kam. Der Kutscher richtete sich stöhnend auf. Zu zweit halfen sie ihm auf die Beine.
Räder knirschten. Der abgestellte Karren fuhr an. Tira zählte drei Männer darauf. „Willst du sie nicht verfolgen?“, fragte sie Selia.
„Nein. Meine Pflicht liegt hier. Ich bin für euch verantwortlich.“ Sie sah dem Karren nach. „Die Schwarzen haben noch zwei Monate. Dann werden wir mit dem Gesinde aufräumen.“
„Die Säuberungen?“, fragte Tira. „Da dürfen doch keine Rekruten teilnehmen.“
„In zwei Wochen finden die Abschlussprüfungen statt“, antwortete Selia. „Ich habe eine Abmachung mit Hauptmann Karr. Wenn ich den Rekord im Hindernislauf breche, darf ich an den diesjährigen Säuberungen teilnehmen.“ Selia grinste. Dann wurde sie schlagartig ernst.
„Vorsicht!“, rief sie dem Kutscher zu, der zu seinen Pferden gehumpelt war.
„Diese Schweine“, fluchte dieser mit Tränen in den Augen. „Ich muss sie aus dem Geschirr schneiden.“ Er wandte sich an Selia und Tira. „Solange sie so unruhig sind, kann ich nicht heran. Am besten ihr holt Hilfe aus der Burg.“
„Kommst du alleine zurecht?“, fragte Selia. „Es wird eine Stunde dauern, bis jemand bei dir eintrifft.“
Der Kutscher winkte ab: „Mir geht es gut. Ich werde auf die Pferde und die Fracht aufpassen. Reitet los.“
Selia stieg auf ihr Pferd und zog Tira nach oben, so dass sie mit ihrem blauen Kleid seitwärts vor ihr im Sattel saß. Als sie lostrabten, hielt sich Tira an Selias Arm fest. Sie sah, dass sich die Lippen der Rekrutin stumm bewegten.
„Betest du zum allwissenden Gott?“, fragte sie.
„Ich habe ihm gedankt, dass der Überfall so glimpflich abgelaufen ist.“
„Ach, aber wir waren nicht in tödlicher Gefahr.“
„Wie kommst du darauf?“
„Die Schwarzen hatten Kleidung an.“
Selia überlegte einen Moment. „Du hast recht. Sie hätten riskiert, dass sich ihre Kleidung zu Obsidian verwandelt. Aus dieser Sicht hatte ich das nicht betrachtet.“
„Die Sicht des Anderen“, murmelte Tira.
„Was meinst du?“
„Das ist ein Leitspruch meines Vaters: Nur die Sicht des Anderen ermöglicht einen erfolgreichen Geschäftsabschluss.“
„Dein Vater ist Händler?“
„Handelsherr Finn. Vielleicht hast du von ihm gehört.“
„Finn?“ Selia dachte nach. „Ich erinnere mich. Er hat einen guten Ruf. Auch auf Burg Janagan.“
„Das wird ihn freuen.“ Tira wechselte zurück zum ursprünglichen Thema. „Bist du nicht enttäuscht, dass dein Gebet für eine gute Reise versagt hat?“
„Nur der allwissende Gott weiß alles.“ Selia blickte zurück zu dem Feldweg, auf dem der Lastkarren frische Spuren hinterlassen hatte. „Vielleicht war der göttliche Zufall dieses Überfalls nicht für uns wichtig, sondern für die Schwarzen.“ Selia lächelte und setzte hinzu: „Aus Sicht der Anderen.“

Haran

Haran saß auf der Ladefläche des Karrens. Er versuchte, die Schnittwunden des Schwertkämpfers zu behandeln, die dieser aus dem Kampf mit der Soldatin davongetragen hatte.
„Kannst du nicht langsamer fahren!“, herrschte er den Mann auf dem Kutschbock an. „Bei dem Geholper kann ich die Wunden nicht versorgen.“
„Keine Chance. In einer Stunde sind die Soldaten auf unserer Spur. Bis dahin müssen wir die Ost-West Straße erreichen.“ Der junge Mann drehte sich um. „Wie schlimm ist es denn, kleiner Bruder? Wird er es überleben?“
„Nur, wenn sich die Schnitte nicht entzünden“, antwortete Haran.
„Wenn die Soldaten uns erwischen, sind die Schnitte unsere geringste Sorge“, stellte der Fahrer fest.
„Du weißt, dass ich nur mitgekommen bin, um eure Wunden zu versorgen. Wenn ich das nicht darf, bleibe ich das nächste Mal im Lager.“
„Fünf Minuten.“ Harans Bruder hielt das Fuhrwerk an. „Ich sehe mir inzwischen unsere Beute an.“
Haran verschmierte großzügig eine Salbe aus Heilkräutern auf Brust und Arme des Schwertkämpfers. „Das hat ja toll geklappt“, bemerkte er. „Wie war das? Nicht einmal ein Leibwächter der Zauberer würde dir Probleme bereiten?“
„Die Weiße war verdammt schnell und hat unerwartete Fehler gemacht“, antwortete dieser. „Die konnte ich nicht ausnutzen. Sonst hättet ihr mich aus Obsidian meißeln müssen.“
„Ja, der Zauber ist unfair. Wenn sie dich getötet hätte, hätte sich nicht einmal die Farbe ihrer Uniform geändert.“
Neben ihnen begann ein wüstes Fluchen. „Dieses elende Luder! Nur verfluchte Bücher.“
„Bücher?“ Haran sah zu seinem Bruder, der in der Holzkiste wühlte und ein Buch nach dem anderen auf die Ladefläche schleuderte. Er schnappte sich einen der Bände, die in der Nähe gelandet waren. „Carthesische Sprachlehre“, las er. „Schön. Mein Carthesisch bedarf einer Auffrischung.“
Auf dem nächsten Buch stand ‚Samicas Handelspolitik‘. „Interessant“. Haran ließ von seinem Patienten ab und sammelte die verstreuten Bücher ein.
„Endlich eine lohnende Beute“, stellte er fest. „Das ist, als ob man eine Eiterbeule aufschneidet, und es spritzt Honig heraus.“
„Haran“, ermahnte ihn sein Bruder. „Deine Vergleiche sind zum Kotzen! Das hätte eine Kiste voller Gold sein sollen.“ Er fuhr den Schwertkämpfer an: „Warum hast du uns alarmiert, dass dies der Goldtransport ist?“
„Die weiße Uniform“, antwortete der Kämpfer. „Es war die erste Kutsche seit Tagen, die von einem Leibwächter der Zauberer begleitet wurde. Warum sollten sie sonst einen ihrer Elite-Soldaten abstellen?“
„Unter dem Sitz stand noch eine zweite Kiste“, überlegte Harans Bruder. Er wandte sich an Haran. „Wir hätten die mitnehmen können, wenn du uns geholfen hättest.“
„Sobald Raub kein Verbrechen mehr ist, werde ich euch gerne helfen“, entgegnete Haran. „Bis dahin beschränke ich mich darauf, eure Wunden und Krankheiten zu heilen.“
Sein Bruder knallte mit der Peitsche und trieb ihr Zugpferd an. Der Karren setzte seine holprige Fahrt fort.

Tira

„Irgendetwas riecht hier penetrant. Hast du dir in letzter Zeit die Haare gewaschen?“ Bei Selias Frage verschlug es Tira für einem Moment die Sprache. „Bist du immer so direkt?“
„Ich lüge niemals und tue meine Pflicht gegenüber den Soldaten und dem allwissenden Gott.“ Sie rückte im Sattel etwas von Tira ab. Diese fuhr mit einer Hand durch ihre glatten schwarzen Haare. „Ich habe sie erst heute früh gewaschen.“
„Gut.“
„Du bist bei deinen Kameraden bestimmt äußerst beliebt.“
„Beliebtheit ist für die Erfüllung der Pflicht unwichtig.“
Tira drehte sich zu Selia und schnüffelte. „Du hast recht, irgendetwas riecht hier.“ Sie überlegte. „Wie schlechter Atem.“ Sie versuchte, die Quelle zu finden. „Kann es von deinem Amulett kommen?“
„Kaum. Mondmetall riecht nicht.“ Selia hob trotzdem das Medaillon an ihre Nase. „Pfui. Merkwürdig. Ich muss es in der Burg waschen.“

Die Königin stellte ihre Kommunikationsversuche mit Hilfe von Duftmolekülen ein. Vor wenigen Zeiteinheiten war sie einem Mikrokanal im Grau zu diesem Gegenstand gefolgt. Seitdem hatte sie nach einer Möglichkeit gesucht, mit den Wesen in unmittelbarer Nähe in Kontakt zu treten. Vergeblich.
Sie musste ihre Einschätzung der Intelligenz dieser Wesen korrigieren. Sie verständigten sich nicht über den Austausch von Duftmolekülen, wie jede intelligente Schwarmeinheit. Sie konnte auch keine Flügel an den Wesen entdecken, die für die Zeichensprache des Schwarms notwendig waren.
Außerdem stimmte etwas nicht mit dem Gegenstand, in dem sie sich befand. Winzige Energieströme transportierten Teile der herabgetropften Körperflüssigkeit des einen Wesens in das Innere. In der Mitte des kreisrunden Metalls stieg die Aktivität von Minute zu Minute.
Sie benötigte weitere Informationen.


Die Straße führte aus dem Wald. Vor dem grauschwarzen Kegel des Hrangi-Vulkans erhob sich das weiße Marmorschloss der Burg Janagan. Als sie auf das Tor zuritten, erstaunte Tira die gewaltige Größe. Der fünf Meter hohe Wall aus schwarzem Vulkangestein zog sich über einen halben Kilometer hin. Hinter dem Tor erstreckte sich ein Areal mit Unterkünften, Ställen, Grünflächen und viel freiem Platz. Dort trainierten Soldaten, bevor eine innere Mauer das Schloss der Zauberer schützte.
Selia verabschiedete sich, um Hilfe für die überfallene Kutsche zu organisieren, während ein Wachmann Tira zum Schloss führte.

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BeitragVerfasst am: 17.03.2019 22:41    Titel: Sen – auf dem Festland (Carthe) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist das erste neue Kapitel der Überarbeitung:
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Bauer Sen riss büschelweise Unkraut aus dem Boden. Lasst mein Getreide in Ruhe. Schlingpflanzen streckten ihre Ranken nach den armlangen grünen Weizenhalmen aus. Rispengräser drängten in jede Lücke.
Fünf Jahre und fünfzehn Ernten. Danach wäre der Boden so ausgelaugt, dass sich der Ackerbau nicht mehr lohnte. Bis dahin duldete er keine Schmarotzer, die den Ertrag schmälerten.
In seiner Phantasie streckte ihm das Unkraut knochige Hände entgegen, wie die Hungernden in den Straßen von Dalrha vor zwei Jahren. Was wollt ihr?, hatte er ihnen damals zugerufen. Bettelt nicht. Helft, den Hunger zu besiegen.
Nicht einmal tausend Menschen waren dem Aufruf des Kaisers gefolgt. Wütend zog er eine Distel heraus. Die Stacheln brachen an den Schwielen seiner Hand. Er klopfte die Erde aus dem Wurzelballen. Ein fingernagelgroßes Stück Holzkohle kullerte davon - Überreste der Brandrodung.
Er hatte die ausgelaugten Äcker nahe Dalrha gesehen. Es schien, als fraß die Viertelmillion Einwohner der Hauptstadt jedes Jahr ein Stück des Dschungels. Übrig blieb eine felsige Wüste.
Doch was sollte der Kaiser tun? Die Samicaner weigerten sich, zusätzliches Getreide zu liefern. Er spuckte aus. Diese elenden Feiglinge. Verstecken sich hinter ihrem Zauber. Für einen Moment sehnte er sich nach seinem Schwert als Assassine des Kaisers. Nach der Leichtigkeit, mit der es Gliedmaßen vom Körper trennte und Leben beendete.
Doch er hatte sich für den harten Weg entschieden und die Waffe des Jägers gegen eine Hacke eingetauscht. Es war tausendmal schwieriger dafür zu sorgen, dass die Menschen überlebten, als sie zu töten.
Er warf das Unkraut in einen Jutesack, richtete sich auf und drückte den schmerzenden Rücken durch. Die Blätter der nahen Urwaldriesen raschelten. Der Instinkt des Jägers erwachte. Die Luft stand still. Was ist das für ein Geräusch? Ein dumpfes Brummen mischte sich dazu. Er hechtete zu dem Stab, den er am Feldrand abgelegt hatte. Aus den Büschen des Dschungelrands brach eine dunkle Wolke hervor und hielt auf ihn zu.
Allwissender Gott. Warum? Seine Finger krampften sich um den Stab. Ich werde kämpfen. Auch wenn es nichts nützt. Er schrie seine Wut hinaus, schwang die Waffe und stürmte wie ein Verrückter auf die Wolke zu.
Der Heuschreckenschwarm ließ sich nicht ablenken und hielt unbeirrt auf das Weizenfeld zu. Die ersten fingerlangen Insekten schwirrten um ihn herum. Er drosch mit dem Stab auf sie ein. Körper zerplatzten, das gelb-grüne Sekret spritzte auf seine Haare, Gesicht und Kleider.
Heuschrecken verdunkelten den Himmel. Dutzende krabbelten auf ihm. Er streifte sie ab, zertrampelte sie und schwang den Stab. Er tobte und fluchte - bis nach einer Minute die Sonne wieder schien.
Er drehte sich um. Eine grüne Decke hatte sich über das Feld gelegt. Wie eine träge Welle schwappte sie hin und her. Er rannte zurück und lauschte für einen Moment: Millionen winziger Kiefer raspelten an seinem Weizen und fraßen und fraßen.
Er nahm zwei der gefüllten Unkrautsäcke und schlug auf die Schädlinge ein. Flieht oder sterbt. Er stolperte über einen Stein und stürzte auf die getöteten Insekten.
Ein Stein? Auf meinem Feld? Sein Kopf ruckte herum. Ein faustgroßer Brocken rollte über die zerquetschten Körper und blieb kurz vor dem Gewimmel der lebenden Decke stehen.
Sen kniff die Augen zusammen. Falsch, schrie etwas in ihm. Der Steinbrocken war über einen kleinen Hügel gerollt. Er erstarrte. Von der Seite kullerte ein ellbogenlanges Holzstück heran und ein dutzend Meter weiter ein neuer Stein. Wie Schäferhunde ihre Herde trieben die drei Gegenstände die Insekten vor sich her.
Er stand langsam auf und schlich näher. Warte, mein Freund. Er stürzte sich auf den Steinbrocken und packte ihn mit beiden Händen. Das rotbraune Gestein kratzte an seiner Haut. Im nächsten Moment zappelte das Ding wie ein Fisch und schlüpfte durch die Finger. Allwissender Gott.
Die Heuschrecken stiegen auf. Sie fegten wie ein Regensturm gegen seinen Körper. Er senkte den Kopf und hielt den Arm vor das Gesicht. Dabei wich er zurück, tastete aber nach dem Stab. Ein paar von euch erwische ich noch. Bis er seine Waffe erreichte, war der Ansturm vorbei. Er zerschmetterte einige Nachzügler und sah dann auf das Feld.
Vereinzelt ragten angefressene Halme aus der Erde. Die merkwürdigen Steine und das Holzstück waren verschwunden. Nur der kahle Acker bezeugte, dass Sen nicht geträumt hatte.
Er erinnerte sich genau. Die Gegenstände hatten sich bewegt. Verzaubert. Er rammte den Stab in den Boden und zischte „Samica!“ Ich werde den obersten Jäger benachrichtigen.

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abc.lampe
Sonntagsschreiber


Beiträge: 15



BeitragVerfasst am: 27.03.2019 16:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo markbannstorm,

leider bin ich bei Fantasy komplett neu Embarassed . Mir gefällt die Beschreibung der gelb leuchtenden Punkte, die könntest du für mich ruhig genauer beschreiben, die sind stimmungsvoll und viel verheißend.
Zwei kleine Kritikpunkte: Die Visualisierung der vom Heerführer zur Königin geschickten Erinnerung ist für mich nicht stimmig. Werden da Emotionen oder Bilder transportiert?
und
Zitat:
Übergang in die normale Dimension

zu
Zitat:
Planeten in der Normaldimension


Normaldimension klingt, find ich, angenehmer. Bei diesen speziell für die Geschickte kreierten Orten und Begriffen mit den Bezeichnungen variieren, ist vielleicht etwas schwierig für den Leser.
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markbannstorm
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 16
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 30.03.2019 22:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo abc.lampe,

Vielen Dank für Deine Hinweise. Zur Erinnerung des Heerführers: Beim Lesen des Abschnittes nach längerer Zeit, muss ich Dir zustimmen. Ich werde den wohl überarbeiten oder vielleicht sogar ganz streichen.
Leider bin ich mit dem Überarbeiten etwas im Rückstand.....


Viele Grüße
MB


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