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Prolog "Eloann"


 

 
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 24.01.2019 14:50    Titel: Prolog "Eloann" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo allerseits,

ich würde gerne folgenden Prolog zur Kritik stellen. Neben meinem aktuellen Projekt ist dies der Beginn einer anderen Geschichte, die sich parallel entwickelt. Der vorliegende Prolog ist ein Dialog zwischen dem Prota Eloann und dem Prior seines Ordens, aus dem er gleich fliegen wird. Das Problem ist, dass ich den Raum, in dem sich beide befinden, nicht sehe. Da ist ein Tisch, eine Pergamentrolle und ne Glocke. Die Frage ist, ist das an dieser Stelle wichtig, muss da mehr kommen oder trägt der Dialog alleine? Die übergeordnete Frage ist allerdings: Taugt das so überhaupt?

Viele Grüße
Silke

***********************************************

  „Ich habe an dem Mädchen nicht eines der Merkmale feststellen können, die eine Austreibung rechtfertigt hätten.“ Eloann spreizte den Daumen der rechten Hand ab. „Erstens: Es sprach in keiner fremden Sprache.“
  „Diesen Punkt hast du bereits zu deiner Verteidigung hervorgebracht, Bruder Eloann.“ Der Prior beugte sich über das Pergament, das ausgerollt vor ihm lag, und tippte auf eine bestimmte Stelle. „Und ich lese gerne noch einmal die Beobachtung vor, die Bruder Thonest diesbezüglich zu Protokoll gegeben hat. Dort heißt es: Das Mädchen, dem die Eltern einst den Namen Allesna verliehen … nun die Stätte des verwerflichen Wirkens eines Namenlosen … hier: klar und deutlich verfällt ihr Dialekt in das Vallarische, worin sie mehrere Minuten Unflätigkeiten skandiert, bis das Zeichen der Keldarim den Fluss an verdorbenen Silben versiegen lässt.“
  „Vallarisch?“ Eloann verdrehte die Augen. „Vallarisch?“ Für einen Moment sackte sein Kopf auf die Unterarme, die er auf der Tischplatte gekreuzt hatte. „Prior“, erschöpft blickte er auf und faltete bedächtig die Hände. Es fiel ihm immer schwerer, in einem beherrschten, der Position seines Gesprächspartners angemessenen Tonfall zu reden. „Das Mädchen sprach sicher kein Vallarisch. Seht, das Kind war völlig ausgetrocknet. Seine Eltern hatten es zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Tage ohne ausreichende Versorgung in der Scheune angebunden!“
  „Das bedeutet, du zweifelst Bruder Thonests Beobachtung an?“
  „Das einzige, was ich nicht anzweifle, ist, dass an Bruder Thonest ein fantasiebegabter Dichter verloren gegangen ist. Alles andere zweifele ich nicht nur an, ich weiß, dass es sich so nicht ereignet hat. Das Mädchen skandierte nicht ein Wort in Vallarisch! Es hatte noch nicht einmal mehr die Kraft zu stöhnen!“
  „Nun, Bruder Thonest behauptet, dass deine Sorgfalt bei der Aufnahme der fünf Zeichen der Besessenheit von vorne herein zu wünschen übrig ließ. So sollst du nicht bemerkt haben, in welch verstörender und verwerflicher Weise das Mädchen seinen Unterleib …“
  „Das Mädchen litt unter Krämpfen!“ Eloann musste mit aller Gewalt an sich halten. Wie oft hatten sie diese Befragung schon durchgeführt? Viermal? Zehnmal? Ihm war, als säße er geschlagene Jahre in diesem stickigen Raum, Aug in Aug mit seinem Prior, der das vor ihm ausgebreitete Pergament, das Bruder Thonests Aussage enthielt, sicher bereits auswendig kannte. „Es krampfte. Es hatte keine Kontrolle mehr über sich!“
  „Außerdem tauchten über Nacht Male an ihrem Körper auf, die gemäß Bruder Thonest eindeutige Zeichen des Namenlosen darstellten.“
  „Male?“ Eloann atmete durch und wischte sich über den Mund. „Es waren frische blaue Flecken. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sie geschlagen worden ist.“
  „Geschlagen? Und von wem?“
  „Vom Vater? Der Mutter? Vielleicht war es auch ihr Bruder, ich weiß es nicht.“
  „Das sind schwerwiegende Anschuldigungen, Bruder Eloann.“
  „Nicht minder schwer als das, was mir zur Last gelegt wird.“
  Der Prior legte sorgfältig die Hände nebeneinander auf dem Tisch ab und blickte Eloann müde an. „Eloann“, sein Ton wurde sanft, „wie lange bist du bereits Mitglied dieses Konvents?“
  „Achtzehn Jahre.“
  „Achtzehn Jahre!“, bestätigte der Prior. „Ich habe dich von Anfang an wie einen Sohn behandelt, war es nicht so?“
  „Das kann ich bestätigen.“
  „Du warst zehn, meine ich, als dich dein Onkel dem Konvent überantwortete.“
  „Elf“, korrigierte Eloann. „Und ich bin meinem Onkel noch heute für seine Entscheidung dankbar.“
  „Er beschrieb dich als boshaft und unbelehrbar. Als Störenfried, mit dem ein Auskommen unmöglich sei.“
  „Mir ist bewusst, dass mir meines Onkels Urteil nicht zum Vorteil gereicht, aber ich möchte anmerken, dass er auf meine Anwesenheit auf seinem Hof von Anfang an keinen großen Wert gelegt hat. Möglicherweise sah er nur das in mir, was er sehen wollte.“
  „Und auf genau dieselbe Art verteidigst du dich in dieser Angelegenheit. Meinst du nicht, dass es allmählich an der Zeit ist, zu den eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten zu stehen, anstatt sie immer auf den Schultern anderer verteilen zu wollen?“
  „Das bedeutet, Ihr schenkt den Ausführungen unseres geschätzten Bruder Thonest mehr Glauben als meinem Urteil?“
  „Ich finde, dass Bruder Thonest seine Beobachtungen zu einer schlüssigen Beurteilung zusammengefasst hat, während mir deine Behauptungen mehr wie Blätter im Wind erscheinen. Ich neige dazu, Bruder Thonest zuzustimmen, dass dein Zögern, dein Zweifeln letztlich zum Misslingen der Austreibung und somit zum Tode des Mädchens geführt haben. Ich kann aus den mir vorliegenden Protokollen keinen anderen Schluss ziehen.“
  „Ich war von Anfang an gegen diese Austreibung, Prior.“
  „Dennoch gab ich dir die Order, Bruder Eloann, denn Demut und Gehorsam sind unabdingbare Pfeiler unseres Glaubens. Es gibt keinen Ermessensspielraum.“
  „Ich bleibe dabei: Das Mädchen war nicht besessen.“
  „Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe …“ Der Prior rieb sich über das Gesicht. „Wenn du wenigstens jetzt … deinen Glauben beweisen würdest. Deinen Irrtum eingestehen würdest.“
  „Ich irre mich nicht!“
  „Und was ist dem Mädchen dann widerfahren? Welche Erklärung hast du sonst für sein befremdliches Verhalten.“
  „Das wisst Ihr, Prior.“
  „Ich bitte dich! Ihre Eltern sind mir als durch und durch fromme Menschen bekannt! Ihr Vater hat bisher in jeder Schwarznacht das Opfer dargebracht, genau so wie Keldarim es verlangt.“
  „Bei der Untersuchung des Mädchens habe ich Anzeichen dafür gefunden, dass sie erst kürzlich niedergekommen war.“
  „Bruder Eloann, sie war zwölf!“
  „Ich weiß. Und es ist mir nicht entgangen, dass ihr Vater bei jeder sich bietenden Gelegenheit auftauchte, um meine Untersuchungen zu unterbrechen oder mich abzulenken. Er wirkte unruhig und aggressiv!“
  „Was in Anbetracht der Sorgen, die er sich um seine Tochter gemacht haben muss, nachvollziehbar war.“ Der Prior beugte sich vor. „Eloann“, sagte er eindringlich, „warum sollte der Vater seine Tochter quälen und missbrauchen, dann aber das Konvent verständigen? Das ergibt keinen Sinn!“
  „Moment, die Nachbarn haben das Konvent verständigt, nicht die Eltern! Natürlich musste uns der Vater Zutritt gewähren, um den Schein zu wahren.“
  Der Prior lehnte sich wieder in seinen Stuhl zurück. „Hast du denn im Haus der Familie oder auf dem Grundstück einen Säugling oder wenigstens Anzeichen für die Anwesenheit eines solchen vorgefunden?“
  „Nein, aber das hat nichts zu heißen. Es gibt im Hof einen versiegten Brunnen und der ist tief. Ich frage mich, was einer am Grund des Schachts finden würde, würde er sich die Mühe machen nachzusehen.“
  „Wärst du auch bereit, diese ungeheuerlichen Anschuldigungen vor dem Vater selbst hervorzubringen?“
  „Jederzeit!“
  „Nun, das werde ich sicher nicht zulassen.“ Der Prior richtete sich auf.     „Eloann, mit jedem Tag, den wir hier sitzen, mit jedem einzelnen Wort, dass deinen Mund zu deiner vermeintlichen Verteidigung verlässt, verschlechtert sich deine Lage.“
  „Ich habe nichts anderes zu erzählen als die Wahrheit. Denn die Wahrheit ist es, die Keldarim schmückt und ihr ewigen Glanz verleiht, mit dem sie ihre Feinde überstrahlt.“
  „Spar dir diese Blasphemie. Ich hätte anderes von dir erwartet.“
  Eloann schwieg einen Moment, dann erwiderte er leise: „Ich hätte auch anderes von Euch erwartet.“
  Die Augen des Prior wurden schmal. „Was willst du damit sagen?“
Eloanns Kiefer mahlten, dann sagte er entschlossen: „Mir ist nicht entgangen, dass sich Bruder Thonest bei der letzten Wahl vehement für Eure Person eingesetzt hat.“
  „Richtig. Während du dich der Stimme enthalten hast, wie so oft. Worauf willst du hinaus?“
  „Darauf, dass im Sommer die nächsten Wahlen anstehen und Ihr mit Bruder Gorlif einen ernstzunehmenden Konkurrenten habt, der Euch den Rang abläuft. Ist es nicht so, Prior?“
  „Du willst also andeuten …“
  „Richtig! Dass Ihr es Euch nicht leisten könnt, einen so leidenschaftlichen Fürsprecher wie Bruder Thonest zu verlieren, zumal sich Gorlifs Thesen steigender Popularität erfreuen.“
  „Du wagst es also tatsächlich“, seufzte der Prior.
  „Ja.“ Eloann lächelte leicht. „Ich wage es. Ich, das kleinste Rädchen im Uhrwerk des Konvents. Habt Ihr Euch in dieser Form nicht einmal über mich geäußert? Ich glaube, es war Bruder Lorenz, zu dem Ihr spracht.“
  „Du belauschst mich auch noch?“
  „Verzeiht, aber nein. Dieser Teil des Klosters ist sehr hellhörig. Es war unmöglich, Eure Worte nicht zu verstehen.“
  Der Prior verschränkte die Finger und beugte sich wieder vor. „Nun, tatsächlich sagte ich zu Bruder Lorenz Folgendes: Ich habe einmal eine Uhr repariert, die einen äußerst komplizierten Mechanismus enthielt, von dem ich annahm, dass er auf das Feinste konstruiert sei. Am Schluss blieb ein winziges Rädchen übrig. Dennoch lief die Uhr daraufhin zuverlässig und mit bewundernswerter Präzision. Bruder Eloann ist wie dieses Rädchen. Man meint, er gehöre zwingend zu unserer Gemeinschaft. Tatsächlich ist er ebenso unbedeutend und überflüssig wie dieses winzige Zahnrad.“
  Eloann wackelte mit dem Kopf. „Für mein Zeugnis sollte man es noch einmal unformulieren.“
  „Ach, Eloann ...“ Der Prior atmete schwer. „Warum bist du nicht wie dieses Rädchen geblieben. Warum dieser plötzliche Einsatz?“
  „Ich wollte das Mädchen retten.“
  „Das ist dir gründlich misslungen!“ Der Prior packte eine Glocke auf dem Tisch und schwenkte sie. Ein volles, gebieterisches Läuten erfüllte den Raum. „Ich denke, in der Sache ist nun alles gesagt. Für die Zukunft gebe ich die den Rat, besser zu tun, was man dir aufträgt. Du siehst, wohin es sonst führt, wenn du meinst, über der Order zu stehen.“
  Die Tür wurde geöffnet und zwei kräftige Mönche in der derben, rehbraunen Tracht von Keldarims Soldaten traten ein. Der Prior nickte in Eloanns Richtung und sie nahmen beiderseits von ihm Aufstellung.
  „Bruder Eloann, so sehr ich es bedaure, aber hiermit entlasse ich dich mit sofortiger Wirkung aus dem Konvent. Da du mit leeren Händen kamst, wirst du mit leeren Händen gehen, so wie wir alle diese Welt eines Tages mit leeren Händen verlassen werden.“ Der Prior ruckte mit dem Kinn. Die beiden Mönche legten Eloann je eine Hand auf die Schulter.
  „Schon gut“, murmelte er und stand auf. „Ich werde dem Konvent sicher kein Ungemach bereiten.“ Er wandte sich zum Gehen.
  „Das freut mich zu hören“, sagte der Prior gleichgültig und begann das Pergament auf seinem Tisch zusammenzurollen.
  Noch bevor Eloann mit seiner schweigsamen Eskorte die Tür erreichte, rief der Prior: „Eine Sache habe ich noch vergessen.“ Zu dritt drehten sie sich um. „Entfernt Keldarims Rad!“
  Eloann fühlte, wie sein Gesicht alle Farbe verlor. „Prior …“, stammelte er, „… bitte …“
  „Ihr habt meine Order gehört, Brüder. Entfernt das Rad und dann raus mit ihm. Möge Keldarim sich seiner annehmen.“
  Eloann ließ sich widerstandslos abführen. Erst als sie ihn in den Raum brachten, entkleideten und die Prozedur einleiteten, fing er an zu schreien. Doch er musste nicht lange schreien, denn schon bald raubte ihm der Schmerz die Besinnung.

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PhilipS
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BeitragVerfasst am: 24.01.2019 16:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

um deine letzte Frage zuerst zu beantworten: Ja, das taugt definitiv was. Es gibt ein paar Schnitzer, aber ich finde, das ist ein gelungener Einstieg. Auch was das Inventar betrifft, fehlt der Stelle nichts. Der Raum ist nicht wirklich wichtig, sondern was darin geredet wird. Wenn Du ihn noch ein bisschen ausführlicher beschreiben willst, kannst Du Dir überlegen, welcher Raum im Konvent das ist.

- Das Arbeitszimmer des Priors? Wenn ja, was könnte sich dort befinden? Heilige Texte? Religiöse Symbole und Bilder an den Wänden? Dann könntest Du einbauen, dass Eloann in seiner Verzweiflung den Blick zu der Ikone des Hl. Wasweißich hebt und ihn um Beistand bittet.

- Eine Art "Verhörraum" im Keller? Dann könntest Du das als Foreshadowing verwenden und einbauen, dass Eloann sich wundert, in dem Raum befragt zu werden, in dem sonst die Austreibungen vorgenommen werden.

Grundsätzlich aber solltest Du versuchen, das nebenher einfließen zu lassen, weil es Dir bisher gut gelingt, keine überflüssigen Einführungen und Infodump im Text zu haben.

Weitere Anmerkungen:

- Es heißt "der Konvent", nicht "das Konvent"
- Am Anfang sind ein, zwei Stellen, an denen Du die Körperbewegungen der Figuren sehr genau beschreibst. Ich nehme an, Du möchtest sichergehen, dass Deine Leser*innen dasselbe Bild im Kopf haben wie Du. Das ist verständlich, aber umständlich und sollte m. E. gekürzt werden.
- Deine Figuren drücken sich sehr gewählt aus, was ich in Ordnung finde. "Ermessensspielraum" oder "Er wirkte unruhig und aggressiv" klingt für mich aber zu sehr nach Kriminalistik. Dieses Thema deutet sich zwar an, aber wenn mein Verdacht zutrifft, und deine Welt pseudomittelalterlich sein soll, passt es nicht so recht.
- Du schreibst einmal "Das hat nichts zu heißen". Meinem Gefühl nach kann man "Das muss nichts heißen" oder "Das hat nichts zu bedeuten" sagen.
- Der Vorwurf der Blasphemie durch den Abt scheint mir ein wenig aus dem Nichts zu kommen. Eloann hat doch erstmal nur (als Ordensbruder) die Heilige Schrift oder eine Doktrin seines Glaubens paraphrasiert. Zwar tut er das, um seine Überzeugung zu bekräftigen, dass Thonest falsch gehandelt habe, aber Blasphemie scheint mir das noch nicht zu sein. Vielleicht schwächst Du das ab zu etwas wie "Spar dir die heiligen Worte, Eloann."

Jedenfalls ein gelungener Einstieg, nach dem ich weiterlesen würde.


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Coma Beth
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BeitragVerfasst am: 24.01.2019 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,
ich finde, wie mein Vorredner, dass der Dialog funktioniert. Ich finde auch, dass es keine genauere Beschreibung des Raumes braucht, weil es darum ja gar nicht geht.
Auch macht es Sinn, dass die Sprecher sich so gewählt ausdrücken. Was ich jedoch als Vorschlag anbringen möchte:
Wenn Eloann gerade zu Unrecht beschuldigt und auch noch rausgeworfen wird, hat er dann wirklich noch die Geduld, so zu reden? Würde sich eine aufgebrachte Person nicht etwas direkter ausdrücken? Ich würde mit Fortschreiten des Dialoges die Eloquenz bei Eloann deutlich senken, das hilft bei der Übermittlung seiner Gefühle.
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Michel
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BeitragVerfasst am: 24.01.2019 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich lese mich in den Prolog ein wenig wie in ein Drehbuch für einen [Wasauchimmer]-Film ein. Geräusche/Dialog aus dem Off, noch laufen die Namen der Schauspieler, erst ganz allmählich gesellt sich zum Dialog ein Bild.
Im Film funktioniert das (manchmal) gut, hier fehlt mir tatsächlich der optische Aufhänger. Da brauche ich nicht viel und allmählich baue ich mir schon ein irgendwie passendes Bild zusammen, aber am Anfang sitzen die Figuren für mich ziemlich im luftleeren Raum. Ein paar Häppchen, aus denen meine Phantasie den Rest stricken kann, fände ich hilfreich. So wie schon genannt: Ein, zwei Utensilien wie Heiligenbilder/Bibeln/Schriftrollen/Kerzenständer würden mir schon reichen, insbesondere, wenn der Begriff "Arbeitszimmer des Priors" o.ä. genannt würde.

Zweiter Punkt: Ziemlich dialoglastig. Das funktioniert schon und mit dem Inhalt des Gesprächs wirfst Du ein Thema in den Ring, das mich als Leser nicht kalt lassen kann. Ein Mädchen, sehr wahrscheinlich unschuldig, im Namen irgendeines höheren Wesens ermordet - und jeder Hinweis darauf wird von der Inquisition geleugnet. Thematisch hast Du mich am Haken, aber ich musste mich schon anstrengen, durch das Gespräch hindurch bei der Stange zu bleiben (bis zum Schluss jedenfalls, dort nicht mehr) - im Buchladen hätte ich das Werk vielleicht erst mal weggelegt. Ich hätte irgendeinen Wendepunkt gebraucht, bei dem der Motor anspringt - die Kloster-Innenpolitik fand ich interessant, aber noch nicht ganz ausreichend dafür.

Klingt nach viel Motzen, ist aber auf hohem Niveau: Das liest sich vom Dialogüberhang mal abgesehen süffig runter, erzeugt Spannung und wirft ein erstes Bild auf den Protagonisten und den möglichen Antagonisten.
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 26.01.2019 19:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

vielen Dank für eure Rückmeldungen.

Zunächst einmal ... der Konvent ... der... Shocked  also ... was soll ich sagen? Wie peinlich! Embarassed Wink

Ich werde versuchen, euren Input einfließen zu lassen, vor allem Michels Einwand mit dem "luftleeren Raum", denn mir geht es genauso, je öfter ich den Prolog lese. Ich denke, einige Eindrücke des Raumes, nebenbei eingeflochten, sind dazu ausreichend. Das müssen keine ellenlagen Beschreibungen sein.

Blasphemie - stimmt, das kommt zu unvermittelt und heftig daher. Das ändere ich um, ebenso wie die Stolperer in den Formulierungen.

Danke nochmal!
Viele Grüße
Silke
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 26.01.2019 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

es taugt, ja. Ich habe gespannt bis zum Schluss gelesen, dennoch würde ich dieses Buch nicht in der Buchhandlung kaufen, weil du mir zu wenig beschreibst. Ich sehe eine schwarze Kammer, in der Mitte ein Holztisch von einer unsichtbaren Quelle beleuchtet, an ihm zwei gesichtslose Männer, irgendwann taucht noch eine Tür auf und zwei weitere Gesichtslose.
Frag dich, wieso du den Raum nicht siehst. Kann es sein, dass du noch kein Gefühl für diese Kirche als ganzes hast? Mach die Augen zu und sieh dich um, gehe durch die Räumlichkeiten. Woher kommt das Licht? Wie hoch sind die Decken? Aus was bestehen die Wände, was steht vor ihnen? etc.

Den Dialog könnte man kürzen. Ich glaube auch, der Dialog würde anders verlaufen, wenn sie das zum zehnten Mal durchkauen. So einsteht der Eindruck, du würdest den Leser Informationen vermitteln. Warum überhaupt zehn mal? Warum ist es nicht das erste Mal?

Das Ende ließ mich verwirrt zurück. Vielleicht bin ich blöd, aber was soll ich mir unter "Rad entfernen" vorstellen? Du bist so detailliert davor, das Ende klapperst du in zwei Sätzen ab und ich kann mir darunter noch weniger vorstellen als davor.


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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 28.01.2019 13:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:
Ich sehe eine schwarze Kammer, in der Mitte ein Holztisch von einer unsichtbaren Quelle beleuchtet, an ihm zwei gesichtslose Männer, irgendwann taucht noch eine Tür auf und zwei weitere Gesichtslose.


Genau so geht es mir auch. Confused Ich denke, es ist eher eine Skizze, die grob zeigt, wo es hingehen soll. Ok, Butter bei die Fisch: Ich glaube, ich habe noch kein Gefühl für die ganze Geschichte überhaupt. Wink

Ich habe mich gerade gefragt (und finde es doof, dass ich nicht früher darauf gekommen bin), wieso die beiden da so rumsitzen und sich unterhalten, obwohl es eigentlich eine Untersuchung des Misslingens dieser Austreibung ist. Warum keinen Untersuchungsausschuss? Die Typen, die am Schluss reinkommen, stehen die ganze Zeit neben dem Prior. Bruder Thonest ist dabei und bringt seinen Standpunkt vor, dann haben wir noch einen Larifari-Bruder (vielleicht den erwähnten Lorenz), der nicht so recht weiß, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite steht, am Schluss aber einknickt und auch dafür ist, dass Eloann rausgeschmissen wird, weil der nämlich nicht einfach das getan hat, wozu man ihn zu dem Mädchen geschickt hat (den Exorzismus), sondern weil er die Besessenheit anzweifelte und Anzeichen dafür sah, dass das Mädchen schlicht und ergreifend von seinen Eltern misshandelt worden ist.

Ich überarbeite den Prolog unter diesen Gesichtspunkten.

Was das "Rad der Keldarim" oder hier "Keldarims Rad" angeht, so wollte ich den Leser absichtlich im Unklaren darüber lassen, worum es sich dabei handelt. Auf jeden Fall tut es weh, wenn das weggemacht wird. Aber ich muss noch einmal drüber nachdenken, ob die Auflösung, die mitten im Buch käme, nicht zu banal ist.

Liebe Grüße
Silke
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PhilipS
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BeitragVerfasst am: 28.01.2019 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Ich habe mich gerade gefragt (und finde es doof, dass ich nicht früher darauf gekommen bin), wieso die beiden da so rumsitzen und sich unterhalten, obwohl es eigentlich eine Untersuchung des Misslingens dieser Austreibung ist. Warum keinen Untersuchungsausschuss? Die Typen, die am Schluss reinkommen, stehen die ganze Zeit neben dem Prior. Bruder Thonest ist dabei und bringt seinen Standpunkt vor, dann haben wir noch einen Larifari-Bruder (vielleicht den erwähnten Lorenz), der nicht so recht weiß, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite steht, am Schluss aber einknickt und auch dafür ist, dass Eloann rausgeschmissen wird, weil der nämlich nicht einfach das getan hat, wozu man ihn zu dem Mädchen geschickt hat (den Exorzismus), sondern weil er die Besessenheit anzweifelte und Anzeichen dafür sah, dass das Mädchen schlicht und ergreifend von seinen Eltern misshandelt worden ist.


Gute Idee! Das würde für mehr Dynamik und Abwechslung sorgen und böte vielleicht auch die Gelegenheit, mehr Details einfließen zu lassen.

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Was das "Rad der Keldarim" oder hier "Keldarims Rad" angeht, so wollte ich den Leser absichtlich im Unklaren darüber lassen, worum es sich dabei handelt. Auf jeden Fall tut es weh, wenn das weggemacht wird. Aber ich muss noch einmal drüber nachdenken, ob die Auflösung, die mitten im Buch käme, nicht zu banal ist.


Ich fand es ziemlich offensichtlich, dass das Rad das Symbol des Ordens ist, da ja klar gemacht wird, dass Keldarim von den Mönchen verehrt wird. Ich würde das drinlassen. Vielleicht erwähnst Du es ein paar Mal, in einem Zusammenhang, der das noch deutlicher macht. So könnte Eloann zum Beispiel das Rad berühren, wenn er die Heilige Lehre zitiert oder so.


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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 28.01.2019 18:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ach, das ist ein Tattoo oder sowas. Also für meinen Geschmack würde ich das gern bisschen deutlicher vor Augen sehen. Ich hasse es unbegründet im Unklaren gelassen zu werden und das ist so ein Fall. Ich will sehen, was der Figur passiert, der ich das ganze Buch lang folgen soll, ich will mit ihr mitfühlen, mit ihr leiden. Das geht nicht, wenn ich nicht weiß, was ihr angetan wird. Dabei muss es keine detailliert beschriebene Folterszene sein. Wenn sie das Tattoo zum Beispiel ausbrennen, reicht mir schon zu wissen, dass der eine Bruder ein glühendes Eisen auf das Tattoo legt. Nächstes Kapitel. Oder wenn sie es herausschneiden, die Messerspitze die Haut durchsticht. Nächstes Kapitel. Mehr brauche ich echt nicht.

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Michel
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BeitragVerfasst am: 28.01.2019 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Auch so ein Satz, den ich schon in -zig Fäden wiederholt habe: Ich werde gern im Unklaren gelassen - möchte aber auch wissen, worüber.
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agu
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BeitragVerfasst am: 10.03.2019 12:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

viele Punkte. über die ich auch gestolpert sind, wurden von meinen Vorrednern ja schon angemerkt.
Ich finde den Dialog im Großen und Ganzen auch recht griffig und spannend, er reißt durchaus mit. Ich würde wohl weiterlesen. Du müsstest überall noch einmal mit dem feinen Kamm drüber gehen, was Formulierungen im Detail angeht, Satzzeichen usw.
Außerdem würde ich beim Mädchen als Personalpronomen "sie" verwenden, nicht "es".

An manchen Stellen ist es etwas zu viel des Guten mit der Formalität der Rede, da leidet die Lesbarkeit. Ich denke, es hilft, da einfach etwas zu verknappen, ein paar Formulierungen zu vereinfachen, auf Einschübe zu verzichten und stattdessen lieber zwei Sätze draus zu machen.

Hier z.B.
(Blau der Alternativvorschlag)
Nun, Bruder Thonest behauptet, dass deine Sorgfalt bei der Aufnahme der fünf Zeichen der Besessenheit von vorne herein zu wünschen übrig ließ.
Nun, Bruder Thonest behauptet, dass deine Sorgfalt bei der Aufnahme der fünf Zeichen der Besessenheit zu wünschen übrig ließ.

Mir ist bewusst, dass mir meines Onkels Urteil nicht zum Vorteil gereicht, aber ich möchte anmerken, dass er auf meine Anwesenheit auf seinem Hof von Anfang an keinen großen Wert gelegt hat.
Mir ist bewusst, dass mir meines Onkels Urteil nicht zum Vorteil gereicht. Aber bedenkt, dass er mich von Anfang an nicht auf seinem Hof haben wollte.

Ich neige dazu, Bruder Thonest zuzustimmen, dass dein Zögern, dein Zweifeln letztlich zum Misslingen der Austreibung und somit zum Tode des Mädchens geführt haben.
Ich neige dazu, Bruder Thonest zuzustimmen. Dein Zögern und dein Zweifeln haben zum Misslingen der Austreibung und somit zum Tode des Mädchens geführt.

Meinst du nicht, dass es allmählich an der Zeit ist, zu den eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten zu stehen, anstatt sie immer auf den Schultern anderer verteilen zu wollen?
Meinst du nicht, dass es allmählich an der Zeit ist, zu den eigenen Fehlern zu stehen, statt sie immer auf die Schultern anderer zu verteilen?

Und eins noch (das stört mich wirklich):
Während der ganze Dialog sehr nah am Geschehen ist und durch seine Unmittelbarkeit den Leser in deine Welt zieht, passt mir der letzte Absatz gar nicht. Da bin ich bei Nothingisreal.
Das im Unklaren lassen funktioniert hier vor allem deshalb nicht gut, weil der Leser bis vor einem Satz noch ganz nach am Erzähler dran war - und dieses plötzliche Aussperren als unangenehmer Bruch erscheint. Du müsstest also die Prozedur im gleichen Detaillevel wie zuvor entweder zumindest anreißen, bevor Du abblendest. Oder Du verzichtest ganz auf den letzten Absatz, und gehst erst später darauf ein, wenn er z.B. die Narbe betrachtet oder ihn jemand darauf anspricht oder so.


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Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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RocketJo
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BeitragVerfasst am: 10.03.2019 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Aloha

Zuerst mal:
Ich mag den Anfang. Mir persönlich erscheint der Raum auch nicht zu leer oder das Gespräch zu lang. Das ist allerdings auch ein Stil, den ich mag, von daher triffst du da genau meinen Geschmack mit.

Bei agus Einwand mit dem "es" für das Mädchen: Ich würde es so stehen lassen, zumindest wenn der Prior spricht. Das "sie" (also das biologische Geschlecht) wäre mir in dem Fall sonst ein Ausdruck von zu viel Nähe. Bei Eloann kann man aber darüber nachdenken, es zu ändern. Gehen würde, meine ich, beides in dem Fall.

Zwei Sachen sind mir gegen Ende aufgefallen, von denen eine schon erwähnt wurde:
Die Blasphemie, von der der Prior spricht, ist in meinen Augen nicht vorhanden. Jedenfalls dann nicht, wenn in Eloanns Stimme kein Sarkasmus liegt. Ich kenne die Religion (noch) nicht, die du da aufbaust, aber Eloanns Rede hört sich für mich eigentlich korrekt an ^^

Für das andere zitiere ich dich mal:

Zitat:
„Du willst also andeuten …“
  „Richtig! Dass Ihr es Euch nicht leisten könnt, einen so leidenschaftlichen Fürsprecher wie Bruder Thonest zu verlieren, zumal sich Gorlifs Thesen steigender Popularität erfreuen.“
  „Du wagst es also tatsächlich“, seufzte der Prior.
  „Ja.“ Eloann lächelte leicht. „Ich wage es. Ich, das kleinste Rädchen im Uhrwerk des Konvents. Habt Ihr Euch in dieser Form nicht einmal über mich geäußert? Ich glaube, es war Bruder Lorenz, zu dem Ihr spracht.“
  „Du belauschst mich auch noch?“
  „Verzeiht, aber nein. Dieser Teil des Klosters ist sehr hellhörig. Es war unmöglich, Eure Worte nicht zu verstehen.“
  Der Prior verschränkte die Finger und beugte sich wieder vor. „Nun, tatsächlich sagte ich zu Bruder Lorenz Folgendes: Ich habe einmal eine Uhr repariert, die einen äußerst komplizierten Mechanismus enthielt, von dem ich annahm, dass er auf das Feinste konstruiert sei. Am Schluss blieb ein winziges Rädchen übrig. Dennoch lief die Uhr daraufhin zuverlässig und mit bewundernswerter Präzision. Bruder Eloann ist wie dieses Rädchen. Man meint, er gehöre zwingend zu unserer Gemeinschaft. Tatsächlich ist er ebenso unbedeutend und überflüssig wie dieses winzige Zahnrad.“
  Eloann wackelte mit dem Kopf. „Für mein Zeugnis sollte man es noch einmal unformulieren.“
  „Ach, Eloann ...“ Der Prior atmete schwer. „Warum bist du nicht wie dieses Rädchen geblieben. Warum dieser plötzliche Einsatz?“
  „Ich wollte das Mädchen retten.“
  „Das ist dir gründlich misslungen!“ Der Prior packte eine Glocke auf dem Tisch und schwenkte sie. Ein volles, gebieterisches Läuten erfüllte den Raum. „Ich denke, in der Sache ist nun alles gesagt. Für die Zukunft gebe ich die den Rat, besser zu tun, was man dir aufträgt. Du siehst, wohin es sonst führt, wenn du meinst, über der Order zu stehen.“
  Die Tür wurde geöffnet und zwei kräftige Mönche in der derben, rehbraunen Tracht von Keldarims Soldaten traten ein. Der Prior nickte in Eloanns Richtung und sie nahmen beiderseits von ihm Aufstellung.
  „Bruder Eloann, so sehr ich es bedaure, aber hiermit entlasse ich dich mit sofortiger Wirkung aus dem Konvent. Da du mit leeren Händen kamst, wirst du mit leeren Händen gehen, so wie wir alle diese Welt eines Tages mit leeren Händen verlassen werden.“ Der Prior ruckte mit dem Kinn. Die beiden Mönche legten Eloann je eine Hand auf die Schulter.
  „Schon gut“, murmelte er und stand auf. „Ich werde dem Konvent sicher kein Ungemach bereiten.“ Er wandte sich zum Gehen.
  „Das freut mich zu hören“, sagte der Prior gleichgültig und begann das Pergament auf seinem Tisch zusammenzurollen.


In dem gesamten Abschnitt ist mir der Prior zu statisch. Eloann greift seine Position und ihn persönlich an. Die Situation zwischen den beiden scheint schon eine Weile sehr gespannt zu sein, Eloann hat den Prior ja offensichtlich auf ganzer Linie enttäuscht (vielleicht auch mehr als einmal?). Und Eloann provoziert ihn ja ganz offensichtlich. Da darf der Prior ruhig mehr aus sich rausgehen, wütender und bedrohlicher wirken. Ihm zeigen, wer eigentlich im Konvent die Hosen anhat. So wie ich ihn empfinde (und mir ist er wenig sympathisch), würde er in der Situation vermutlich die Stimme senken und in etwa dem Tonfall sprechen, in dem ein wütender Hund knurrt (ich hoffe, du verstehst mich. Ich ziehe leider zu oft Analogien zu Hunden Rolling Eyes ).
Und die Gleichgültigkeit am Ende passt auch nicht. Wenn es eine vorgeschobene ist, vielleicht. Aber dann müsste es schon Zeichen von unterdrückter Wut geben. Und wenn es nur weiße Fingerknöchel oder engere Augen sind.

Und das Ende der Szene ist sehr abgehakt. Das könnte fast von mir sein Razz

Aber davon abgesehen finde ich die Szene gut, wie sie ist. Ich meine, mehr Aktion in einem Gespräch schadet nie, aber in dem Fall kann ich eigentlich sehr gut damit leben. Die Figuren haben passende Stimmen, man kann aus den Worten die Stimmung herauslesen und der Raum interessiert mich ungefähr gar nicht, wenn ich ehrlich bin.

Hoffe, ich war hilfreich ^^

Gruß
Rocket
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