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Stadt Land Turm


 

 
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 60
Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 01.01.2019 20:00    Titel: Stadt Land Turm eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stadt Land Turm


Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont

Ingeborg Bachmann



Hier leben etwa 160 000 Einwohner, Menschen, eingeboren, aus allen Himmelsrichtungen eingewandert und niedergelassen, Menschen, die allein leben, Familien gegründet haben, Kinder geboren, arbeiten oder krank sind, arbeitslos, in Fabriken gehen, ein Geschäft führen, im Büro sitzen, die Geh- und Fahrwege reinigen, Nachtwache halten; Menschen, die nichtsesshaft sind, im Apartment wohnen,, in einem großen Haus, im Keller oder in der Garage; die Stadt hat ein großes Kraftwerk, dass die Wohnungen, Büros, Geschäfte, Kaufhäuser, Schulen, Kirchen, Moscheen und Synagogen mit Energie versorgt und kleinere Werke in den Hinterhöfen, die dasselbe tun; ein Dom befindet sich fast in der Mitte, davor ein Platz, aus dem sternförmig die Straßen hervorgehen, ausstrahlen bis zum Ring, sich weiter verzweigen in die Stadtteile hinaus, in kleine Seitenstraßen münden, Abkürzungen und Umwege bilden; eine Stadtautobahn kreuzt dies alles, führt nah am Münster vorbei, an Mitte mit seinen Museen, der Universität, den Banken und Kaufhäusern; ein Viertel im Norden hat einen Güterbahnhof, eine Fabrik, die Tausenden von Menschen Beschäftigung bietet; hier befinden sich auch die heruntergekommensten Behausungen, die Häuser, in denen noch Kohleöfen heizen, kleine Läden von türkischen Einwohnern, das Wasserwerk mit seinen vielfältigen Gerüchen; dagegen im Westen liegen Parkanlagen und Villen, elegante Geschäfte; und überall gibt es Luxusmodernisierungen; über der Stadt wabert eine Dunstglocke aus Milliarden von Partikeln, mikroskopisch oder größer, die Schutz und Fluch sind, Dunst, der von Winden zerschnitten wird und auch von Flugzeugen und Drohnen und die Luft, sie durchsetzt die Nacht, in der geatmet, gehustet und geweint und vielleicht auch gelacht wird; bald beginnt der Tag und der Kampf, das Glück und das Unglück, aber bemerkt jemand, dass um 5.02 Uhr das Nest der dort brütenden Turmfalken vom Südturm des Doms fallen wird?

5.01 Uhr

die Zeilen flackern vor ihren Augen, streben auseinander, von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, über das Erzgebirge zum schwarzen Meer, über die Nordsee, die Highlands, viel weiter noch, bis kein Land, keine See mehr ist, nur noch Zeilen, die wieder zusammenfließen, ein Heer von Zeichen, auf die sie ruckweise niedersinkt, während im Nacken nacheinander sieben Wirbelgelenke knacken und der Kopf fast auf die Stapel von Papieren und Büchern aufsetzt; bevor ihre Stirn auf den Schreibtisch aufschlägt und sie hochfährt, die Hand auf dem Mittelmeer, der Spann zwischen Daumen und Zeigefinger eine spiegelverkehrte Bucht zur Côte d´Azur bildet, mit Cannes, Nizza, Monaco und San Remo gegenüber, oh ja, die französische Riviera, da muss sie hin nach dem Examen, wenn es vorbei ist, das Schwitzen, die Ströme, Golfströme; das Zittern, die Erdbeben, von Lissabon, die Kontinentalplatten, die sich gefährlich aneinander reiben, dahin, oder vielleicht nach Kalifornien, weil überall die Erde beben kann, also doch lieber an die Ostsee; auf der Seebrücke von Ahlbeck im Gleichschritt gehen und zwischen den Ritzen der Planken das ruhige Meer betrachten, die regenbogenfarben schillernden Wellen aus denen die Möwen auffliegen, das heisere Schreien, mit dem sie doch wieder nur den Sturm ankündigen, nein, das Mittelgebirge, oder ja, der Gardasee mit seinen Bergen und Palmwedeln und verwunschenen Orten, den Gassen von Malcesine – da kommt die Stirn endlich auf Papier zu liegen, fast driftet das Herz in tiefen Schlaf und sie schreckt auf, sieht in der Fensterscheibe, hinter der der Dom ist, ein fremdes Gesicht, eine verwaschene Landschaft, fast kommen ihr die Tränen, die Schichtung von Licht und Glas blendet sie, aber es ist nur sie selbst, die aus dem Halbschlaf hochschreckt, die über die Seiten gebeugt dasitzt, schon die ganze Nacht und versucht zu lernen, die ganze Welt umrundet hat, bis sie hier wieder aufsetzt in ihrem Studentenapartment und kaum ein Bewusstsein hat von den vergangenen sechzig Sekunden, in denen sie fast eingenickt ist; jetzt wird sie aufstehen und sich für den Schlaf umziehen -

in der Tiefgarage, auf Abschnitt vier, zieht sie doch die Taschenlampe heraus, nicht weil das Licht zu schwach ist, denn hier ist gute Sicht, die fast helle Notbeleuchtung lässt genug erkennen; etwas scheint über die dämmrigen Ecken zu flackern, etwas, das ihr nicht wohlgesonnen ist; sie steigt in ihren Wagen, lässt den Motor an, er stottert, bald muss sie das Auto zur Reparatur bringen, was das kosten wird, dabei will sie sich einen neuen Laptop kaufen; sie biegt um die erste Kurve, sieht den Schlagbaum, gleich wird er sich öffnen, wenn sie durch die Lichtschranke fährt, ja, er rührt sich, hebt an, geht hoch, sie kann passieren, sie rast durch eine weitere Kurve, gleich ist sie auf der Stadtautobahn, da atmet sie erleichtert auf, nur ein leichtes Ziehen, hinten am Hals, erinnert an ihre Furcht im Dunkeln; sie fährt an der Milchfabrik vorbei, wo ihre Freundin Katharina arbeitet, da kriegt sie wenigstens kein Burnout; in der Ferne taucht der Dom auf, sie kann schon die beleuchteten Türme sehen, er hat etwas Anheimelndes, wie er so in der Nacht steht, fast freut man sich, am Wochenende könnte sie ihn mit Lars besichtigen, der steht auf so etwas; als sie die Kirche passiert, ist das Ziehen hinten plötzlich verschwunden und sie hat eine Idee, was sie als nächstes machen wird -

es ist kalt, ihr ganzer Körper schmerzt, vor allem der Kopf, niemals hat sie solche Kopfschmerzen erlebt; sie greifen wie ein starrer Helm um ihre Stirn, ihr Hinterhaupt, und innen dröhnt monoton ein Dauerton von solcher Intensität, dass ihr übel davon ist; sie versucht sich zur Seite zu drehen, aber dann merkt sie, sie liegt in der Badewanne, weiß plötzlich, sie hat Tabletten genommen; ihre Hand rutscht vom Rand ins Wasser und verursacht eine Fontäne, die ihr ins Gesicht spritzt, sodass sie ihre Augen öffnet, sie das schummrige Licht der Kerzen sieht, die sie angezündet hat, um dem Ganzen etwas Feierliches zu geben; das Glas, mit dem sie die Pillen heruntergespült hat, steht noch auf dem Waschbecken, es blinkt trübe; unvermittelt richtet sie sich auf, einen Seegang verursachend, der Wellen bis über die Kante schlägt, rutscht über den Rand der Wanne, landet hart auf dem Rücken auf der Badematte aus Gummi, die sofort an ihr kleben bleibt; sie bleibt liegen, döst sofort wieder weg und merkt, dass ihr Kopf frei wird, sich wie an einem Seil von ihrem Körper löst, zur Decke schwebt, von wo sie auf sich herunter sehen kann, ihrem vom Kerzenlicht grau schimmernden Leib, der kaum Konturen hat und durchscheinend wird, sich von der Matte hebt und zu ihrem Kopf aufsteigen will; eine Hand löst sich auch vom Boden, ein Finger zeigt auf sie, doch sie schüttelt sich abwehrend aus dem Nacken heraus, dreht das Gesicht zur Decke, die in feine Partikel zerstiebt, deren Stäube ihr in die Nase und die Augen rieseln, durch das Dach erscheint der Himmel und der frühe Morgen wird sichtbar, irgendwo im Westen muss der Dom sein, dunkel ist es noch, aber sie weiß, dass bald die Sonne über den Horizont steigt und den Himmel in gelbes Licht tauchen wird -

er steht vor dem Portal des Doms, legt die Hand auf die kunstgeschmiedete Klinke; in diesem Moment weiß er, dass die Tür geschlossen sein wird; er spürt das kalte Metall auf der Handfläche, beginnt zu beten: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade - seine Hand umschließt fester den Griff, der Schweiß leitet seine Hitze in das Element - der Herr ist mit dir - vor seinen Augen steigt eine Sternschnuppe auf, die die Form einer leuchtenden Erdbeere hat - du bist gebenedeit unter den Frauen - die Beere schwirrt auf, steigt hoch - und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus - steigt entlang der steilen Fassade nach oben, dass ihm schwindelt und er taumelt - heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder - und dringt durch ein Turmfenster in das Innere der Kirche - jetzt und in der Stunde unseres Todes - und rollt hinab die Treppen und poltert vor den Altar - Amen. Er lässt erleichtert die Klinke los, geht weiter, nach Osten.

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lebefroh
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

Gut finde ich das. Toll geschrieben, packend, meine Neugier schon bei Titel erweckend.

Aber dann der letzte Abschnitt. Da kann ich nicht mehr folgen. Hatte mir eine Auflösung gewünscht, kann sie aber nicht erkennen.

Schade, ich dachte erst es würden mehr Punkte.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 12.01.2019 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Da sind sehr schöne Beschreibungen dabei. Aber wenn ich fertig mit Lesen bin, schaue ich zurück auf den Text und frage ihn: Ja und? Was jetzt?
Eine Antwort auf die Frage kann ich nicht finden. Wo ist die Verknüpfung zwischen den einzelnen Passagen?
Kann aber auch sehr gut sein, dass ich etwas übersehe.


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 13.01.2019 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Stadt, drei Frauen, ein seltsamer Er, der den Rosenkranz als fliegende Erdbeere polternd vor den Altar beamt. Während die erschöpfte Studentin wegnickend von besseren Zeiten träumt, fährt eine andere durch den herandämmernden Morgen Richtung Stadt in eine sich andeutende Zukunft hinein und die dritte stirbt am Suizid. Und der Leser weiß um die Dimensionen der Stadt und die vielen namenlosen anderen, die dort wohnen.

Ich bekomme die (un)haltbare Gegenwart nicht zu greifen und auch nicht die gestundete Zeit aus Bachmanns Zeilen – und hier fällt mir auf, dass ich die Sache mit der gestundeten Zeit in den bisher kommentierten Texten kaum im Kopf hatte, so eigen waren die Texte. Aber hier steht das Motto oben drüber. Und ich finde den Bogen nicht, der von hier aus geschlagen werden soll.

Was mich erreicht, ist die Stimmung, die sehr treffend eingefangen wird. Ich erkenne meine alte Heimatstadt wieder (die nicht diese ist), das Fremde, Verlorene wie das Anheimelnde. Die beleuchtete Kathedrale, der „Leuchtturm“, der einem Orientierung gibt, einem das Zentrum anzeigt. Der gelbe Morgenhimmel. Einsamkeit und Geborgenheit im selben Atemzug. Das ist schön gemacht. Mir ist das sehr vertraut. Passend ist auch das Spröde in der Sprache. Fast eintönig.

Womit ich nicht zurechtkomme ist dieser Erdbeertyp. Dieser Absatz verursacht in mir innere Abwehr, beinahe Ekel. Ich mochte den Rosenkranz noch nie, „die Frucht deines Leibes“ insbesondere und in Verbindung mit dem Erdbeerbild schon gar nicht. Ist aber vielleicht eine höchst subjektive Aversion. Doch ich verstehe ihn schlichtweg nicht, diesen düsteren, hitzigen Beter. Insgesamt schwingt dieser Text dennoch, entwickelt etwas eigenes. Ganz zusammenbringen kann ich ihn nicht. Und am liebsten möchte ich den letzten Absatz streichen.

Die Kriterien: E – würde sagen ja. Wenn auch ein Hauch Thriller durch die Tiefgarage weht und vom „Illuminati“-Typen vor der Domtür ausgeht und das Drama im Suizid steckt. Vorgaben – Die Minute und das parallele Geschehen in der Gegend: ja. Die (un)haltbare Gegenwart – ich finde sie nicht und auch nicht die gestundete Zeit als Inspiration... naja, vielleicht einen Hauch davon bei der Studentin, die von später träumt und insofern etwas aufschieben, auf später vertagen muss.


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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Tape Dispenser
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

E-Literatur bedeutet nicht, endlos lange Bandwurmsätze aneinanderzureihen. Genau das passiert hier. Sie sind aber nicht in sich verschachtelt, weil irgendwelche Nebensätze eingeschoben werden. Hier entstehen sie durch triviale Aufzählungen, die für die eigentliche, nicht auserzählte und noch nicht einmal besonders stark angerissene Geschichte (die sich in Andeutungen verliert), keine Rolle spielen.
Ein Turmfalke, ein Nest - ja und? Eine Pille, eine Badewanne, eine Protagonistin, die sich lieber ein Laptop kaufen möchte – Dann Perspektivwechsel: Er (Lars?) erzeugt am Schluss eine stenschnuppenförmige Erdbeere und benedeit Maria?

Als Leser fühle ich mich hier verschaukelt und hege den Verdacht, der Autor/die Autorin wusste selber nicht, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln sollte. Eine andere Möglichkeit wäre, dass ich zu blöd bin. Beides ist möglich. Falls dies alles Sinn ergibt, dann erschließt er sich mir nicht und warte gespannt auf die anderen Kommentare.
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UtherPendragon
Hobbyautor


Beiträge: 335



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen Text blicke ich nicht ganz. Die Überdosis finde ich sehr schön dargestellt. Was für mich nicht immer funktioniert, sind die Aneinanderreihnungen von Sätzen durch Kommata, was manchmal zu syntaktischen Verwirrungen führt.
So z.B. hier:
" über der Stadt wabert eine Dunstglocke aus Milliarden von Partikeln, mikroskopisch oder größer, die Schutz und Fluch sind, Dunst, der von Winden zerschnitten wird und auch von Flugzeugen und Drohnen und die Luft, sie durchsetzt die Nacht, in der geatmet,"

Die einleitende Beschreibung der Stadt gefällt mir zwar, sie kommt mir aber im Vergleich zu den fast mystischen Szenen später im Text sehr banal vor, insbesondere, dass das Kraftwerk "Energie liefert".

In der Tiefgarage stieß mir insbesondere Folgendes auf: " gleich wird er sich öffnen, wenn sie durch die Lichtschranke fährt, ja, er rührt sich, hebt an, geht hoch, sie kann passieren, sie rast durch eine weitere Kurve, gleich ist sie auf der Stadtautobahn" Nach all den Aufzählungen ist es mir hier zu viel. Gut, die Schranke hebt sich. Gut, das soll die Angst vor der Dunkelheit an den Leser bringen. Hm.

Alles in allem ein vielfältiger Text, der stilistisch mir nicht ganz ausgereift scheint und keine geschlossene Art und Weise erkennen lässt, sich mit der Vorgabe zu beschäftigen. Positiv ganz klar die Beschreibung der Überdosis und auch die Erdbeere hats mir angetan. Nach Vorgaben für mich eher unteres Mittelfeld, aber vor allem weil ich den Bezug auf das Gedicht vermisse. Vielleicht ändert sich das nach dem dritten Lesen.


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 06:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
eine sehr beschreibende und langweilige Einleitung, bei der mir die Lust am Lesen vergeht. Viel zu lang, viel zu erklärend. Und letztendlich nur den Vorgaben geschuldet, die Region zu etablieren?

Dann kommen vier Fragmente, vier kurze Einblicke in Leben diverser Personen. Zusammen krieg ich die Fragmente nicht, der Sinn erschließt sich mir nicht. Eine Minute Alltag. Das Thema gestundete Zeit, auch wenn du es so schön vorangestellt hast, erscheint mir nur am Rande. Sonst sind die Vorgaben umgesetzt.

Aber ist das jetzt E? Ungewöhnliche lange Mamutsätze, fast SoC. Der war beim letzten Wettbewerb verlangt. Leider geben mir diese Einblicke wenig. Ich nehme nichts davon mit, es bleibt an der Oberfläche, und ich frage mich, welche Relevanz hat diese Geschichte, außer die geforderten Vorgaben des Wettbewerbs zu erfüllen. Für mich ein Retortentext, generisch, beinahe prozedual. Für mich geht E anders, aber das ist individuell.

Auch beim zweiten Lesen bleibt nichts, das ich aus der Geschichte mitnehme, keine Denkanstöße, alles belanglos. Man merkt zwar, dass du dir bei den Fragmenten der Personen etwas gedacht hast, aber das kommt für mich im Text nicht rüber. Sorry, ist nicht meins.

Grüße,
Veith


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Municat
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko smile

Eine Studentin im Examen-Stress, eine leitende Angestellte mit nächtlichen Angst-Zuständen, eine verzweifelte Frau, die sich in der Badewanne das Leben nehmen will und dann doch wieder rauskrabbelt, bevor sie ertrinkt - Und alle denken sie in irgendeiner Weise an den Dom, wo ein Reisender (Lars?) an der Tür rüttelt und auf seltsame, übersinnliche Weise das Nest des Turmfalken zum Absturz bringt.

Durch die Wahl der Interpunktion, die letztendlich jeden er Abschnitte in einen einzigen langen Kettensatz verwandelt, erzeugst Du eine emotionale Distanz zu den Einzelschicksalen. Wie eine Kamera, die von einem Ort zum nächsten zoomt, ohne großartig zu bewerten. Passt gut zu der Aufgabenstellung, wie ich finde.

Die unhaltbare Gegenwart spüre ich hier deutlich. Die Geschichte selbst fließt wie die Zeit durch die FInger. Die Darstellung (sowohl die weit rausgezoomte Perspektive, als auch die Interpunktion) ist außergewöhnlich und setzt sich von Genre-Texten ab, auch wenn es hier bestimmt Stimmen gibt, die in dem letzten Abschnitt ein "verbotenes" Fantasy-Element sehen.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte bewertet habe.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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hobbes
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Text, da bin ich wieder. Kaum fange ich an zu kommentieren, lande ich schon wieder bei den Titeln. Obwohl ich mit deinem (noch?) nicht recht etwas anzufangen weiß, mag ich ihn sehr, er war einer der Gründe, warum ich deinen Text als einen der erste angeklickt habe. Ich habe ihn gelesen (den Titel, den Text), sofort ins Herz geschlossen und davon bin ich bisher noch nicht wieder abgekommen.

Tja, und nun wirst du dich vielleicht wundern, warum du es trotzdem "nur" auf Platz 3 geschafft hast, also bei mir. Na ja, es war knapp. Hätte genausogut Platz 2 werden können und wäre es vielleicht auch geworden, hätte ich an einem anderen Tag, in einer anderen Stimmung Punkte vergeben.

Ich mag dich immer noch sehr, mag deine Erzählsprache und wenn ich einen Grund (für "nur" den dritten Platz) suchen müsste, dann vielleicht, dass mir bei deinem Konkurrent das "übergeordnete Ganze" besser gefallen hat.
Wobei, vielleicht habe ich da noch etwas nicht verstanden, Ha!, genau, es ist ja noch die Frage offen, was das mit dem herabstürzenden Nest eigentlich soll und gerade kommt mir die Vermutung, Stadt Land Turm - ist das etwa auch die Einteilung der Abschnitte? Stadtleben, Landleben, diejenige, die sich im übertragenen Sinn den Turm hinunterstürzt. Aber wie passt dann der er im letzten Abschnitt hinein?
Ah, noch ein Moment. Westen, Osten und wieder die Frage vom Anfang. Ist er etwa derjenige, der die Turmstürzerin "bemerkt"?
Puh, da hast du es aber ernst gemeint (hihi).

Und wenn das vielleicht so ist, ändert das jetzt doch noch was an meinen Plätzen? Herrje.

Und wenn das vielleicht so ist, bist du eventuell Literättins Text? Von wegen, wenn einer den Titel kapiert, findet er ihn genial (oder so ähnlich)?

...

So, ich hab da noch mal drüber nachgedacht. Und glaube, das ist tatsächlich des Rätsels Lösung. Da geht es dahin, mein Argument. Und wirklich, es ändert was, nämlich zwei Punkte mehr für dich. Willkommen auf Platz 2 smile
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hier haben wir erst eine Beschreibung der Gegend, der Stadt und ihrer Umgebung. Die gefällt mir sehr. Da zum Schluss ein Hinweis darauf, was den Turmfalken passieren wird.

Dann wird gezoomt.

In das Zimmer und den Kopf einer Studentin.

In eine Tiefgarage, aus der sich eine andere Frau mit dem Auto und ihrer Furcht auf den Weg macht

ins Badezimmer einer anderen, die Tabletten genommen hat.
In allen diesen Beobachtungen taucht der Dom auf. Am Horizont, von weitem gesehen.
(Hat er eine Kirchturmuhr? Haben Dome sowas?)

In den zum Schluss scheinbar ein Mann eindringt, ein Kranker?, Gebete murmelnd. Er sieht ihn nicht von Weitem, er steht unten, davor. Aber es ist nur eine Sternschnuppe/eine Erdbeere, die schließlich dort die Treppe runter vor den Altar fällt, wonach er, der gar nicht drin war, weiter geht gen Osten. Diese Szene etwas surreal, erklärt aber vielleicht, warum das Nest vom Turm fällt?

Kein Genre. Ungefügig. Inhaltlich anspruchsvoll.

Lädt zum mehrmals Lesen ein. Sprachlich anspruchsvoll.

Zeitdehnung erstreckt sich auf mehrere Orte.

Der Titel erinnert an das Spiel Stadt Land Fluss.

Mir gefällt, dass ich nicht weiß, was da eigentlich am/im Dom passiert ist.

Motto/Thema nicht leicht zu erkennen. Weitergehen( (in der Zeit, im Leben) scheint mir ein mögliches Stichwort. Etwas hinter sich lassen.
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Heidi
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 21:30    Titel: Re: Stadt Land Turm Antworten mit Zitat

Das Ende ist recht spektakulär, zwischendrin bin ich aber eingedöst. Ich muss hier noch mal ran. Momentan will noch kein Bild in mir entstehen, das nachhaltig wirkt, auch ist da noch nichts, was mich loslässt. Mal sehen, vielleicht kommt das ja beim erneuten Lesen.

---

So, nun etwas konzentrierter. Tja, was soll ich sagen. Es ist eine Dehnungsgeschichte (schade, dass so wenige Raffungen dabei sind, ich habe eher einen Hang zu Biografien), gut geschrieben, gewählte Szenen verschiedener Menschen, einmal eine Person vor der Fensterscheibe (weiblich, Studentin, vermutlich wohlhabend, da in einem Apartment lebend), die sich selbst sieht, kurz glaubt, es sei jemand anders, weil halb im Schlaf, dann einmal eine Person in der Tiefgarage (wieder weiblich, vermutlich nicht wohlhabend, oder vielleicht auch knausrig, wenn es um Geldangelegenheiten geht, die Autoreparatur setzt ihr zu), die dann losfährt, schwer in Gedanken, dann aber den Dom sieht und sofort die Idee hat, mit Lars (wer auch immer das sein mag) den Dom vielleicht zu besichtigen. Dann gibt es noch eine Person mit einem schmerzenden Körper, die Person liegt in der Badewanne, nimmt Tabletten und erst dachte ich, aha, Suizid, auch, weil die Person dann (sie ist weiblich, viel mehr kann ich nicht rauslesen) später begleite, wie sie zur Decke schwebt und sich von außen betrachtet. Dann aber denke ich, ne, muss nicht gleich Suizid sein, ist vielleicht einfach nur ein Gefühl, durch den Schmerz ausgelöst, eventuell. Die Frau löst sich von ihrem Körper und guckt sich halt mal von außen an. Und sie weiß dann abschließend auch noch, dass der Dom bald gelb leuchten wird, weil ja die Sonne den Horizont übersteigen wird. Die letzte Episode (abgesehen von der Eingangs Domstory) begleitet schließlich einen Mann, der vor dem Dom steht, die Hand an der Klinke, er will da wohl rein, ist vielleicht unentschlossen, weil er in diesem Handlungszustand verharrt und anfängt ein Gebet zu sprechen. Und exakt dann geschieht es. Wie eingangs angekündigt fällt ihm nun das Nest vor die Füße. Er muss nicht mehr rein in die Kirche, spricht noch sein abschließendes Amen, ist erleichtert und geht Richtung Osten. Ich deute das mal so: Er betet jetzt dorthin oder geht dorthin (Mekka).

So viel dazu.
Die Dehnung ist gut gelungen, das Thema ist gut umgesetzt, das Motto ist nicht erkenn- bzw. erspürbar. Klar, es ist früh morgens, am Horizont wird gelbes Licht sichtbar, der Dom wird damit ausgeleuchtet, alles dreht sich darum, um diesen Dom, aber die Figuren sind mMn nicht davon motiviert, ihre Motvation wird im Grunde gar nicht thematisiert, der Dom wird von außen auf sie zugeschnitten. Die Figuren sehen ihn, aber es entsteht keine Verbindung, außer eben dieses: Dort, der Dom. Ich spüre diese Figuren nicht, sie wirken auf mich inhaltsleer, es sind Äußerlichkeiten, die sie mir präsentieren, ich kann nichts Allgemeinmenschliches entdecken, was eine Verbindung herstellt zwischen ihnen.

Der Stil ist sehr ausgereift und durchdacht, für meinen Geschmack etwas zu perfekt ausgeformt.
Ich habe den Eindruck, der Text will eine Aussage vermitteln, irgendetwas, das ich zwischen den Zeilen herauslesen soll, das gelingt mir nicht. Vielleicht täusche ich mich auch und der Text will, dass ich eine Verbindung zwischen den Figuren herstelle - wenn das so ist, das ist nicht gelungen. Die einzige Verbindung ist dieser Dom und der sagt mir dann auch nichts weiter, als dass er dort eben steht. Ein Gebäude, oben mit einem Nest, das Nest fällt. Ja und? Dann fällt es halt runter, der Mann geht in Richtung Osten. Gut für ihn, die Frau in der Wann, toll, dass sie sich mal aus einer anderen Perspektive hat anschauen können, die Frau in ihrem klapprigen Auto, super, sie hat nun eine Ausflugsidee und die Studentin hat sich als fremde Person gesehen.
Einzige Verbindung: Sie sind alle Menschen mit Bedürfnissen und Perspektiven, aber das alleine reicht mir nicht.

Dein Text bekommt den letzten Punkt.


_________________
Hand_Tuch

Mein salzig nasses Haar
und deine Füße frieren nicht mehr
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Nihil
{ }

Moderator
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Beiträge: 7493



BeitragVerfasst am: 16.01.2019 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Seiner geschliffenen Sprache verdankt dieser Text seine Punkte. Denn handwerklich lässt sich hieran nichts aussetzen. Zunächst ein Panorama der Stadt mit ihren Gebäuden, Menschen, Atmosphären, der dann vier verschiedene Szenen angehängt sind, die sich in der gleichen Minute ereignen und auch ereignen können (bei anderen Texten muss manchmal in Lichtgeschwindigkeit gedacht werden, damit die inneren Mono- und Dialoge noch ins Wettbewerbsthema passen). Miteinander verbunden sind sie bedauerlicherweise nicht. So bleibt leider der Eindruck einer Aufzählung von eher wahllosen Szenen, die theoretisch auch durch eine Mutter beim Einkaufen, einen verpassten Elfmeter und eine tot vom Himmel fallende Taube ersetzt werden könnten. Auch innerhalb der Szenen geht es nicht um geborgte Zeit, die bald zurückzugeben ist – wie auch immer das sich äußern sollte –, was diesen Eindruck noch verstärkt. Leider deuten sich die Allgemeinplätze schon in der „Einleitung“ an:
Zitat:
die Stadt hat ein großes Kraftwerk, dass die Wohnungen, Büros, Geschäfte, Kaufhäuser, Schulen, Kirchen, Moscheen und Synagogen mit Energie versorgt und kleinere Werke in den Hinterhöfen, die dasselbe tun; ein Dom befindet sich fast in der Mitte, davor ein Platz, aus dem sternförmig die Straßen hervorgehen, ausstrahlen bis zum Ring, sich weiter verzweigen in die Stadtteile hinaus, in kleine Seitenstraßen münden, Abkürzungen und Umwege bilden

Mal davo abgesehen, dass Aufzählungen von Gebäuden eine zwar einfache, aber legitime Methode der Zeitdehnung sind, könnte diese Stadt sowohl in Niederfranken als auch am Bosporus liegen, verrät mir also nichts Spezifisches über diesen Ort. Da bleibt nach dem Lesen leider wirklich kaum noch was übrig, über das sich nachzudenken lohnt – auch wenn ich den Text, wie gesagt, für gut geschrieben halte. Aber „E“ ist das eigentlich nicht. Als solches würde ich aber auch nur eine Handvoll von Texten im ganzen Wettbewerb bezeichnen. Vom Inhaltlichen her hätte der Beitrag eigentlich keine 4 Punkte in diesem Wettbewerb verdient. Aber Rezensenten wie ich sind willkürliche Schweine und deshalb mach ich das so. Außerdem mag ich die rebellische Rakete am Ende.
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 15:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab es versucht. Embarassed

Ich habe es wirklich versucht, aber der Text erschließt sich mir einfach nicht.
Man könnte es hart ausdrücken und sagen: Ich bin wohl zu dumm.
Ich möchte es lieber milde ausdrücken und sagen: Des Autors Gedankengänge sind mir zu fremd.

Auch an sich trägt mich der Ton des Textes nicht. Bei der ellenlangen Einleitung musste ich mich schon zum dranbleiben zwingen. Den Teil mit der Studierenden fand ich ganz gut, der mit dem Parkhaus hat mir nicht wirklich was gesagt, dann ein Selbstmord und dann hat jemand eine religiöse Erscheinung und sieht eine Erdbeere in ein Turmfenster schweben?
Warum denn bitte eine Erdbeere? Die Symbolik dahinter bleibt mir völlig verschlossen. Das verbindende Element scheint mir der Dom und niemand bemerkt, dass das Turmfalkennest herunterfallen wird, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist? Ich kann hier noch weiter raten oder eben feststellen, dass dieses hier meins nicht ist, ist ja legitim

Edit:
Ich weiß jetzt zwar was das mit der Erdbeere ist, an meiner Einschätzung an sich hat das aber leider auch nichts wirklich geändert.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Catalina
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 23:58    Titel: Antworten mit Zitat

Dein Schreibstil wirkt auf mich unglaublich souverän. Deine Sprache ist trotz großer Klarheit, Gradlinigkeit und der Spärlichkeit an Sprachbildern das, was ich unter literarisch verstehe. Das ist mir bei diesem Text besonders aufgefallen und es beeindruckt mich sehr.

Leider verstehe ich den letzten Teil nicht. Ich vermute, er ist mehr als eine willkürliche Beschreibung eines psychotischen oder drogenkonsumierenden Mannes. Welche Bedeutung hat die Sternschnuppe in Form einer Erdbeere?

Stehen die vier Szenen in Verbindung?

Ich befürchte, durch dieses mangelnde Verständnis geht mir viel verloren. Und damit auch Dir - an Punkten.

Das abstürzende Nest hat mich sehr berührt gerade in seiner Beiläufigkeit. Alles andere ging mir nicht nahe, obwohl es so schön erzählt war.

Ich mag den Titel Deiner Geschichte. Bei den Vorgaben bin ich mir unsicher. Die Minute wurde beim genauen Hinsehen meist stark überzogen, eine Dehnung ist zwar aufgrund der Zeitangabe vorhanden, für mich aber nicht spürbar, weil mir der Zusammenhang der Szenen fehlt. Die gestundete Zeit fand ich, jedoch nicht durchgängig.
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lilli.vostry
Wortschmiedin


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BeitragVerfasst am: 22.01.2019 01:25    Titel: aw:StadtLandTurm Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe Deinen Text mit Interesse gelesen. Der Titel klingt nach einem Kinderspiel, Name, Stadt, Land, das ich gern mochte.

Der Texteinstieg - mit der Einwohnerzahl - sehr faktisch, trocken, hätte mich fast vom Weiterlesen abgehalten!
Ebenso die ellenlange Aufzählung, Beschreibung der Stadtviertel, extreme Zeitraffung, aber anstrengend zu lesen.

Der Mittelteil ganz anders, geheimnisvoll, rätselhaft, gut geschrieben, über eine Studentin, die am Schreibtisch die ganze Nacht hindurch lernt, in Gedanken um die Welt reist und so erschöpft ist, dass sie die letzten 60 Sekunden nicht mehr erinnern kann...
Sie will schlafen gehen, fährt aber durch die Stadt - warum und wohin? Wird nicht klar.

Aufhorchen lässt die kurze Notiz, 5.02 Uhr werde ein Nest mit brütenden Turmfalken vom Südturm des Doms fallen und kaum einer werde es bemerken. Woher weiß sie das? Eine Minute vorher geht es um sie.

Und kurz darauf erfährt man, dass sie Tabletten genommen hat, nach dem Baden ausrutscht, hart auf den Boden schlägt und es offensichtlich nicht überlebt...

Ein "er" - ihr Freund Lars? - steht vorm geschlossenen Dom und betet (?!) wieso, er kann doch nichts von ihrem Ende wissen... Sieht lediglich
eine Sternschnuppe am Himmel in Form einer Erdbeere, die durchs Domfenster fliegt und direkt vor dem Altar landet.

Eine zugleich traurige und komische Geschichte. Gefällt mir auch sprachlich, bis auf die kleinen Rechtschreib- und Kommafehler. Auffallend: die Textpassagen sind durch Bindestriche statt Kommas getrennt und wieder verbunden - wieso?

Mal schauen, wieviele Federn ich Dir gebe.

Grüße,
Lilli


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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Minute in Köln (?), eine beim Lernen eingeschlafene Studentin, eine Frau nach Suizidversuch, ein Betender vor dem Dom. Jede Perspektive ein Satz, ein Absatz. Sehr E – oder ist es maniriert? Bleibe mir unsicher.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3805

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 01:06    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Kleinstadt, die jede Kleinstadt sein könnte, minutiös beschreibst du ihr Fehlen von Besonderheiten. Du kündigst an, in einer Minute falle ein Nest vom Turm des Münsters, wahrscheinlich unbemerkt, und beschreibst uns dann vier gesichtslose Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen um die nächtliche Stunde noch wach sind. Eine Studentin mit Fernweh, eine Frau auf dem Heimweg, eine, die erfolglos versuchte, sich das Leben zu nehmen. Und ein Mann, der an der Tür des Münsters steht - und was dann passiert, ein Attentat oder nur in Gedanken? Wobei der Mann Christ ist und an einem Dom steht, also kein Attentat sondern Amoklauf? Ist es die Ursache dafür, dass die Falken vom Turm stürzen, oder soll das den Tod aller bedeuten? Oder nur in Gedanken. Es bleibt mir unklar, und ich habe das Gefühl, das ist auch gar nicht anders beabsichtigt. Entsprechend kann ich auch nicht feststellen, wie gut das Thema umgesetzt ist, (Un-)Haltbare Gegenwart, und bin doch irgendwie gespannt auf (Er-)Klärung.
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anderswolf
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Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:21    Titel: Antworten mit Zitat

Uns fallen gleich die Falken von den Türmen, denn nun geht sie los, unsere reim- und pointenlose Geschichte vom Dom mit dem Erdbeergeist. Unklar, was die Geschichte will, außer vielleicht die Vorgabe des Wettbewerbs zu erfüllen. Zwischen einer und zwei Minuten nach 5 Uhr früh greifen sich vier Menschen an den Kopf, und vielleicht muss man esoterischer als nur einfach religiös verwurzelt sein, um zu erahnen, was da überhaupt passiert. Vielleicht hilft auch Erdbeerwodka.
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