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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 03.01.2019 02:51    Titel: Druckpunkt eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich gehe also durch diese schäbige Stadt, die ich verabscheue und bin in Gedanken versunken. Und plötzlich bin ich überrascht, dass ich vor einem Schaufenster stehen bleibe. Das passiert mir häufig. Diese Stadt frisst sich in mein Hirn; sie verursacht irreversible Schäden, tötet Nervenzellen und was weiß ich. Und diese Menschen, die in ihr hausen, diese Menschen mit ihren dumpfen Mienen, die sind verloren, sie sind Gefangene. Ich bin also stehen geblieben und lunger vor diesem blöden Schaufenster herum, aus dem mich die debilen, toten Augen nackter Schaufensterpuppen anschauen; Puppen, die weder Geschlechtsorgane noch Brustwarzen besitzen. Die haben sie nicht nötig. Ich zünde mir eine Zigarette an und blicke in Augen, die mich nicht wirklich sehen. Hinter mir höre ich ein Geräusch und ich drehe mich um. Eine Frau, beladen mit drei vollen Einkaufstüten, schnauft an mir vorbei, und ich inhaliere Rauch. Das ist der Geschmack der großen, weiten Welt. Sie schmeckt nach einem sinubronchialen Syndrom. Die Frau schnauft sich ihren Weg in eine unbekannte Zukunft; gleich wird sie aus meinem Blickfeld verschwunden sein. Ich nehme noch einen Zug, dann werfe ich die Kippe auf den Boden und trete sie aus. Sie schmeckt mir gerade nicht. Rumstehen, ohne zu rauchen fühlt sich allerdings nicht richtig an - also setze ich mich wieder in Bewegung. Ein Fußmarsch ist die Pause zwischen zwei Zigaretten.
Die Gegend hier ist grau; die Straßen sind grau, die Häuser grau, der Himmel grau, die Menschen grau. Graue Gesichter an grauen Körpern, die in grauer Kleidung stecken und graue Gedanken denken. Ich stelle mir manchmal vor, wie ich plötzlich etwas unerwartetes tue, etwas gänzlich Absurdes, das diese graue Gestalten aus ihrer Routine herausreißt, sie dazu zwingt, sich wirklich mit der Gegenwart zu befassen und nicht wie Zombies durch die Gegend zu wanken, und immer fällt mir dann ein, dass auch ich eine dieser grauen Gestalten bin, eine Gestalt, der es wohl nicht möglich ist, etwas anderes zu tun, als weiter zu machen, wie bisher. Wahrscheinlich geht es Vielen so. Aber vielleicht würde sich einer davon doch noch dazu überwinden, etwas Absurdes zu tun, würde sozusagen über sich hinaus wachsen und dann vor mich treten, eine Entenmaske vor dem Gesicht, und 'eitriger blauer Sahnekübel!' rufen oder was weiß ich.Irgendeinen Unsinn halt. Und ich würde apathisch an ihm vorüber gehen um schließlich wieder mit der grauen Masse zu verschmelzen, aus der ich gekommen bin.
Neben mir hupt ein Auto, doch ich hupe nicht zurück. Ich habe ja auch keine Hupe. Mittlerweile bin ich in der Straße, in der Arne wohnt; ich habe es nicht bemerkt, dass ich hier her gelaufen bin. Da ich schon mal hier bin, gehe ich zu Arnes Haus, betätige die Klingel und warte. Ich darf das, also klingeln, aber ich bin auch kein normaler Kunde. Normale Kunden müssen per Handy kurz anklingeln, nur einmal, das ist wichtig, dann weiß Arne, dass unten jemand steht. Wenn die Tür geöffnet wird, geht der Kunde in die Wohnung hoch, setzt sich auf die Couch und muss für mindestens dreißig Minuten dort sitzen bleiben, damit die Nachbarn sich nicht wundern, dass ständig Leute ein und aus gehen oder irgendwie so. Ich habe es nie ganz verstanden. Jedenfalls - dann wird erstmal einer gebaut, während der Fernseher meist Tierdokus zeigt. Löwen, die Gnus jagen und so ein Zeug. Wenn man länger dort sitzt und genug gekifft hat, dann identifiziert man sich manchmal irgendwann mit einem der Tiere; ob mit einem der Löwen oder mit einem Gnu - das ist wohl eine Sache der eigenen Persönlichkeit. Aber vielleicht geht es auch nur mir so. Der Türdrücker summt nun und ich gehe ins Treppenhaus, die Treppen hoch und ich sehe Arne, der im Türrahmen steht und sich die Nase reibt. Sein Gesicht ist ausdruckslos wie immer. Er trägt eine Jogginghose und ein Donald Duck T-Shirt. Wortlos macht er mir Platz und ich betrete die Wohnung. Er geht zur Couch und setzt sich.
"Tag", sage ich und schließe die Tür.
"Grüß dich."
Ich nehme neben ihm Platz, drehe mich zum Fernseher und sehe, wie ein Elefant versucht, einen kleinen Hügel hinauf zu steigen.
"Hast du schon alles weggeraucht?", sagt Arne.
"Was?" Der Elefant müht sich ab. "Nein, war nur zufällig in der Gegend.
"Wieder spazieren gewesen?"
Nun versucht ein anderer Elefant, zu helfen. "Sozusagen."
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Arne sich zu mir hindreht. "In letzter Zeit bist du echt verplant, Alter. Und ständig läufst du sinnlos durch die Gegend." Er dreht sich wieder weg.
"Hab wohl so 'ne Phase."
"Ist es wegen Julia?"
Der Elefant schafft es endlich. "Ne."
"Mh, mh."
"Hat keinen besonderen Grund", sage ich.
Arne erebt sich. "Wohl eine allgemeine Sinnkrise." Er geht zum Schrank, macht ihn auf und nimmt einen Beutel heraus. Er geht zurück zur Couch.
"Weiß nicht", sage ich.
Er nimmt die Papers, die auf dem Tisch gelegen haben, nimmt einen Flyer und beginnt, eine Tüte zu bauen. "Aber was ist nun mit Julia?"
"Was soll sein?"
Er dreht immer inside-out, so dass das überstehende Papier am Ende abgerissen wird. "Na, die hat dich ja übel abblitzen lassen."
"Is mir egal", sage ich.
Arne lacht. "Na denn."
Er kennt mich lange genug, dass er weiß, es ist sinnlos, weiter zu bohren. Bei einem Konzert vor zehn Jahren bin ich ihm das erste Mal begegnet, es war irgendein Punk-Konzert, und die Band, die dort gespielt hat, ist so underground gewesen, dass sich niemand mehr an ihren Namen erinnert. Irgendwas mit Genozid oder so, was weiß ich. Arne hat die ganze Zeit abwechselnd Bier getrunken und gekifft, und irgendwann hat er auf einen Verstärker gekotzt.
Nun zündet er die Tüte an und nimmt einen tiefen Zug.
Ich starre wieder auf den Bildschirm. Die Elefanten planschen gerade in einem Wasserloch und wirken fröhlich. Die tägliche Abkühlung im Wasserbad ist laut des Kommentators wichtig für die Tiere; da es dort, wo sie leben, ja so heiß ist. Sie schlagen mit ihren Rüsseln auf die Wasseroberfläche, das Wasser spritzt.
"Rüssel sind cool", sage ich.
Arne reicht mir die Tüte. Ich lehne ab. Er zuckt mit den Schultern - jedenfalls tut er das meistens in solchen Fällen.
"Schon", sagt er. "Rüssel sind cool."
Auf der ständigen Suche nach Nahrung sind Elefanten fast immer in Bewegung. Sie müssen sich auch in schwierigem Gelände bewegen können und entwickeln dabei trotz ihrer Körpermasse eine erstaunliche Sicherheit.
"Es können doch nicht ständig Tierdokus im Fernsehen laufen", sage ich.
"Mh?"
"Fast immer wenn ich hier bin, laufen Tierdokus."
Arne nimmt einen weiteren Zug. "Ja, und?"
"Die können doch nicht immer laufen." Ich schaue ihn an.
Nun zuckt er zweifelsfrei mit den Schultern. "Laufen oft welche."
Ich wende mich wieder dem Bildschirm zu. Das Schlammbad ist ein wichtiger Bestandteil der Routine, sagt der Kommentator.
"Was machst du gerade eigentlich so?", sagt Arne.
"Nix."
"Hängst nur so rum?"
Alle drei Tage brauchen die Tiere die Flasche. Auch nachts. "Schon."
"Wird das nicht öde?"
Ich antworte nicht.
Nach einer Weile sagt er: "Elefanten sind krasse Tiere."
Ich nicke. Ob er es bemerkt hat, weiß ich nicht. Es ist mir auch egal.
Arne nimmt noch einen Zug, dann legt er die halb gerauchte Tüte in den Aschenbecher. "Elefanten", sagt er.
Es ödet mich an. Ich stehe auf.
"Willst wieder gehen?"
"Ja", sage ich. "Brauch was zu trinken."
"Nimm dir halt ne Cola aus dem Kühlschrank."
Ich gehe zur Wohnzimmertür. "Ne, muss einkaufen."
Arne schaut mich an, dann schaut er wieder zum Bildschirm und sagt: "Okay."
Ich verlasse die Wohnung und trete auf die Straße. Ich muss wirklich einkaufen. Das ist eigentlich auch der Grund, weshalb ich heute überhaupt rausgegangen bin. Eben ist es mir wieder eingefallen. Hunger habe ich auch. Beim Rewe gibt es diese Gyros-Reis-Pfanne, die ist okay, die kann man kaufen. Oder ich kaufe Hackfleisch. Wenn man nicht weiß, was man kochen soll, kauft man Hackfleisch. Denn Hackfleisch geht immer, außer man ist Vegetarier oder Veganer. Also Hackfleisch, Cola, irgendein Maggi-Fix, vielleicht auch Bier. Hauptsache Hackfleisch.
Jemand rempelt mich an; ich schaue auf, doch die Person ist schon an mir vorbei gegangen. Ich drehe mich um und sehe einen Typen mit Glatze eilig davonhetzen. So ein Wichser. In dieser Stadt wimmelt es von Wichsern, die sind überall. Sie fahren den Bus, mit dem man zum Bahnhof fährt, sie geben einem den Burger, den man bestellt hat, sie klingeln an der Tür, um die Heizung abzulesen. Und immer haben sie auch dieses Gesicht, diesen Blick, bei dem man sofort weiß, ah, ein Wichser. Und Wichser waren es, die das Straßengewirr geplant haben, durch das ich mich kämpfen muss. Das Gefüge ergibt keinen logischen Sinn und überall sieht es gleich aus.
Der Rewe erscheint vor mir als ein hässliches Gebilde. Über dem Eingang steht, eingebettet in ein Bild, das diverses Gemüse zeigt: Frisch aus deiner Region. Ich brauche keinen Einkaufswagen. Ich gehe durch die Gänge und packe mir eine große, rote Paprikaschote, Maggi-Fix-für-Bauerntopf-mit-Hackfleisch und eine Flasche Cherry-Coke. Kartoffeln habe ich noch zu Hause, fällt mir ein. An der Fleischtheke lasse ich mir 250g Rinderhack geben und die Frau, die mich bedient, schaut mich freundlich an. Sie wünscht mir einen schönen Tag. Ich erwidere irgendetwas und gehe weiter.
An der Kasse stehen zwei Leute - ich stelle mich an. Vor mir steht eine alte Frau, die zwei Köpfe kleiner ist als ich und vor ihr steht ein Typ, der eine Warze am Nacken hat. Ich erinner mich, gelesen zu haben, dass Warzen mitunter ansteckend sind. Und dass sie Epithel-Geschwulste der oberen Hautschicht sind. Wenn mir langweilig ist, surfe ich oft auf Wikipedia. Während ich versuche, nicht an Feigwarzen am Anus zu denken, fällt mir das Tütchen mit dem Hackfleisch aus den Händen. Ich hebe es wieder auf.
Der Mann mit der Warze packt nun seine Sachen ein und die kleine, alte Frau tritt vor und kramt in ihrer Handtasche. Ich rücke nach. Auf dem Förderband liegen Äpfel, eine Packung Milch, Merci und Speck. Komischer Einkauf. Ich lege meinen Kram auf das Band und die Frau sucht mühsam Kleingeld zusammen. Sie braucht ewig. Ich hoffe, dass ich, wenn ich alt bin, nicht so eine Person werde. Falls ich überhaupt alt werden sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, alt zu sein; wie ich gebückt herum laufe, mich über spielende Kinder aufrege; wie ich in meinem Wohnzimmer hocke, das seit gut dreißig Jahren nicht tapeziert wurde, obwohl ich so viel rauche. Endlich hat die Frau es geschafft, zu bezahlen. Ich hole meine Brieftasche aus der Hosentasche.
Die  Kassiererin zieht die Waren über den Scanner und sagt: "Vier Euro vierundneunzig."
Ich zähle mein Geld und stelle fest, dass ich nur vier Euro dabei habe. Drecksscheiß. Warum habe ich nicht daran gedacht, genug Geld mitzunehmen?
"Ich habe nur vier Euro", sage ich.
Die Kassiererin schaut mich an und wendet sich wieder ab. "Dann müssen Sie wohl etwas zurück legen."
Es ist mir peinlich. Ich drehe mich um. Hinter mir steht ein fetter Mann mit Schweinsgesicht, der mich spöttisch angrinst. So ein Wichser. Ohne Vorwarnung schlage ich ihm mit der Faust ins Gesicht.

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Pnin
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Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 03.01.2019 10:29    Titel: Re: Druckpunkt Antworten mit Zitat

Der Schluss ist doof. Da solltest Du Dir schon noch mal den eigenen Kopf zerbrechen und nicht jenen des Hintermannes. Das Kinn als Druckpunkt-Pointe befriedigt vielleicht den einzigen Nicht-Wichser der Story, aber ich als Leser erlebe da keine Klimax.

Die ersten Sätze würde ich streichen und erst beginnen mit:
U-Banane hat Folgendes geschrieben:
Ich bin also stehen geblieben und lunger vor diesem blöden Schaufenster herum, aus dem mich die debilen, toten Augen nackter Schaufensterpuppen anschauen; ...

Für den Rest brauchst Du nur noch eine gut in der Hand liegende Feuerwaffe, mit der Du die Arbeit eines entführten Lektors unterstützt. Der Aufwand lohnt. Wie der Besuch bei Arne belegt, kannst Du sogar Trägheit und Öde plastisch und packend erzählen. Super, wie Du Dialog und Beschreibung verknüpfst. Perfektes Timing. In dieser Passage glüht Dein Talent wie Arnes Ofen. Was man da riecht, kann echt süchtig machen.
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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 04.01.2019 00:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für den Kommentar.

Ich hatte selbst das Empfinden, dass dieses Abrupte irgendwie ganz gut kam; auch, dass nicht so ganz klar ist, warum es nun eskaliert.

Zitat:
Die ersten Sätze würde ich streichenDie ersten Sätze würde ich streichen

Ich glaube, das mache ich auch. Ist 'ne gute Idee. Bin mittlerweile mit vielen Teilen, insbesondere dem Anfang, auch nicht so zufrieden.
Danke @ Dialogszene. Fand die selbst auch am gelungensten; das schien es wohl zu "leben".
Ich denke, ich sollte auch diese eher generischen alles-ist-doof Monologe im Kopf des Protagonisten reduzieren, oder? Lesen sich wohl zu naja, generisch. Das ist halt die Ansicht des Protas, dass er das so empfindet, wobei seine Ansicht natürlich nicht gerechtfertig sein muss. Aber glaube, das ist bisher nicht so gut gelöst.

Gruß
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findling
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BeitragVerfasst am: 04.01.2019 08:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ehe er sichs versieht, habe ich ihn auf den Mund geküsst. Engel und Dämon in einem gehe ich an der baff erstarrten Schlange vorbei zum Blumenständer vor der Kasse, bunter Rosengruss, Namibia, fairtrade, Euro 3,99 ... sie sind mein, ich hab sie erschaffen und jetzt hauche ich ihnen Liebe und Leben ein ... die letzte, eine blutrote, für die Kassiererin ... "stimmt schon" meine vier Euro gleiten mit einer warmen Berührung in ihre andere Hand. Wir lächeln, alle.
Gott sei Dank.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 04.01.2019 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Setz 2 Striche auf "Der Schluss ist doof". Dein Ende scheint mir so eine Notlösung zu sein, die man irgendwie überall anhängen kann, um ein abruptes Ende herbeizuführen. Vielleicht liegt das nur an mir, aber ich habe den Eindruck, sowas schon sehr oft gelesen zu haben, also das mit der plötzlichen, scheinbar unbegründet entstehenden Gewalt. Soll er doch lieber mit einer Entenmaske rumlaufen oder etwas anderes verrücktes machen. Und wenn das dann noch als Bezug zu den vorherigen Reflexionen auftaucht: Perfekte Geschichte.

Deinen Vorschlag, die "ich finde die Welt scheiße" Reflexionen des Protagonisten einzudünnen, finde ich sehr gut. Vielleicht lassen sich diese Reflexionen, die ja erst mal nur Behauptungen sind, mehr in die Umgebung einflechten? Dadurch würden sie mehr legitimiert.
Es kann sehr gut daran liegen, dass ich schon seit einem Jahr eine Hausarbeit über Faserland vor mir herschiebe, aber im Stil sehe ich den Kracht überall, in der Sprache der Protagonisten, in der Wahrnehmung, in der Hervorhebung des Banalen. Find ich gut, würd ich aber beobachten - gerade am Anfang ist das noch sehr krachtig, bei der Dealerszene gewinnt dein Text mehr an anderen Facetten. Generell stört es mich nicht, wenn dein Stil einem anderen Autoren sehr ähnelt, andere - beispielsweise Juroren - sicherlich schon. Das sage ich, um mich wieder mal an Pnin anzuschließen:

Setz 2 Striche auf "Was man da riecht, kann echt süchtig machen".


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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U-Banane
Schreiber-Lehrling


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BeitragVerfasst am: 05.01.2019 01:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eredor hat Folgendes geschrieben:
Setz 2 Striche auf "Der Schluss ist doof". Dein Ende scheint mir so eine Notlösung zu sein, die man irgendwie überall anhängen kann, um ein abruptes Ende herbeizuführen. Vielleicht liegt das nur an mir, aber ich habe den Eindruck, sowas schon sehr oft gelesen zu haben, also das mit der plötzlichen, scheinbar unbegründet entstehenden Gewalt. Soll er doch lieber mit einer Entenmaske rumlaufen oder etwas anderes verrücktes machen. Und wenn das dann noch als Bezug zu den vorherigen Reflexionen auftaucht: Perfekte Geschichte.

Deinen Vorschlag, die "ich finde die Welt scheiße" Reflexionen des Protagonisten einzudünnen, finde ich sehr gut. Vielleicht lassen sich diese Reflexionen, die ja erst mal nur Behauptungen sind, mehr in die Umgebung einflechten? Dadurch würden sie mehr legitimiert.
Es kann sehr gut daran liegen, dass ich schon seit einem Jahr eine Hausarbeit über Faserland vor mir herschiebe, aber im Stil sehe ich den Kracht überall, in der Sprache der Protagonisten, in der Wahrnehmung, in der Hervorhebung des Banalen. Find ich gut, würd ich aber beobachten - gerade am Anfang ist das noch sehr krachtig, bei der Dealerszene gewinnt dein Text mehr an anderen Facetten. Generell stört es mich nicht, wenn dein Stil einem anderen Autoren sehr ähnelt, andere - beispielsweise Juroren - sicherlich schon. Das sage ich, um mich wieder mal an Pnin anzuschließen:

Setz 2 Striche auf "Was man da riecht, kann echt süchtig machen".


Hi,
danke für deinen Kommentar.
Der Schluss scheint wohl echt unbeliebt zu sein.  Die Idee, dass der Protagonist dann letztendlich derjenige ist, der irgendetwas Absurdes tut, ist aber gut. Muss mir da etwas weirdes ausdenken.  
Werde wohl auch die inneren Monologe mehr verbinden mit Dingen, die gerade live passieren in der Geschichte.
Das mit Faserland ist lustig, da ich den Roman tatsächlich vor einer Weile las. Wahrscheinlich lungerte der Ton des Romans noch in meinem Unterbewusstsein.

Gruß
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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 05.01.2019 21:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

findling hat Folgendes geschrieben:
Ehe er sichs versieht, habe ich ihn auf den Mund geküsst. Engel und Dämon in einem gehe ich an der baff erstarrten Schlange vorbei zum Blumenständer vor der Kasse, bunter Rosengruss, Namibia, fairtrade, Euro 3,99 ... sie sind mein, ich hab sie erschaffen und jetzt hauche ich ihnen Liebe und Leben ein ... die letzte, eine blutrote, für die Kassiererin ... "stimmt schon" meine vier Euro gleiten mit einer warmen Berührung in ihre andere Hand. Wir lächeln, alle.
Gott sei Dank.


Hi,
übersah den Comment irgendwie.
Aber: ?
Weiß nichts damit anzufangen.

Gruß
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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 10.01.2019 02:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Habe die Story überarbeitet. Den Anfang gestraft, neues Ende usw. Der Teil mit Arne und der Elefantendoku ist unverändert.

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Ich bin also stehen geblieben und lunger vor diesem blöden Schaufenster herum, aus dem mich die debilen, toten Augen nackter Schaufensterpuppen anschauen. Puppen, die weder Geschlechtsorgane noch Brustwarzen besitzen. Die haben sie nicht nötig. Ich zünde mir eine Zigarette an und blicke in Augen, die mich nicht wirklich sehen. Früher habe ich oft hier eingekauft, Hosen, Pullis und so, einmal sogar einen Schal - ich weiß nicht mehr, was ich mir dabei gedacht habe, denn ich trage nie Schals. Hinter mir höre ich ein Geräusch und ich drehe mich um. Eine Frau, beladen mit drei vollen Einkaufstüten, schnauft an mir vorbei, und ich inhaliere Rauch. Das ist der Geschmack der großen, weiten Welt. Sie schmeckt nach einem sinubronchialen Syndrom. Die Frau schnauft sich ihren Weg in eine unbekannte Zukunft; auf einer ihrer Einkaufstüten prangt das Logo von H&M. Gleich wird die Frau aus meinem Blickfeld verschwunden sein. Ich nehme noch einen Zug, dann werfe ich die Kippe auf den Boden und trete sie aus. Sie schmeckt mir gerade nicht. Rumstehen ohne zu rauchen fühlt sich falsch an - ich setze mich in Bewegung. Ein Fußmarsch ist die Pause zwischen zwei Zigaretten.
Die Gegend hier ist grau; die Straße sind grau, die Häuser grau, der Himmel grau, die Menschen grau. Graue Gesichter an grauen Körpern, die in grauer Kleidung stecken und graue Gedanken denken.
Neben mir hupt ein Auto, doch ich hupe nicht zurück. Ich habe ja auch keine Hupe. Mittlerweile bin ich in der Straße, in der Arne wohnt; ich habe es nicht bemerkt, dass ich hier hergelaufen bin. Da ich schon mal hier bin, gehe ich zu Arnes Haus, betätige die Klingel und warte. Ich darf das, also klingeln, aber ich bin auch kein normaler Kunde. Normale Kunden müssen per Handy kurz anklingeln, nur einmal, das ist wichtig, dann weiß Arne, dass unten jemand steht. Wenn die Tür geöffnet wird, geht der Kunde in die Wohnung hoch, setzt sich auf die Couch und muss für mindestens dreißig Minuten dort sitzen bleiben, damit die Nachbarn sich nicht wundern, dass ständig Leute ein und aus gehen oder irgendwie so. Ich habe es nie ganz verstanden. Jedenfalls - dann wird erstmal einer gebaut, während der Fernseher meist Tierdokus zeigt. Löwen, die Gnus jagen und so ein Zeug. Wenn man länger dort sitzt und genug gekifft hat, dann identifiziert man sich manchmal irgendwann mit einem der Tiere; ob mit einem der Löwen oder mit einem Gnu - das ist wohl eine Sache der eigenen Persönlichkeit. Aber vielleicht geht es auch nur mir so. Der Türdrücker summt nun und ich gehe ins Treppenhaus, die Treppen hoch und ich sehe Arne, der im Türrahmen steht und sich die Nase reibt. Sein Gesicht ist ausdruckslos wie immer. Er trägt eine Jogginghose und ein Donald Duck T-Shirt. Wortlos macht er mir Platz und ich betrete die Wohnung. Er geht zur Couch und setzt sich.
"Tag", sage ich und schließe die Tür.
"Grüß dich.
Ich nehme neben ihm Platz, drehe mich zum Fernseher und sehe, wie ein Elefant versucht, einen kleinen Hügel hinauf zu steigen.
"Hast du schon alles weggeraucht?", sagt Arne.
"Was?" Der Elefant müht sich ab. "Nein, war nur zufällig in der Gegend.
"Wieder spazieren gewesen?"
Nun versucht ein anderer Elefant, zu helfen. "Sozusagen."
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Arne sich zu mir hin dreht. "In letzter Zeit bist du echt verplant, Alter. Und ständig läufst du sinnlos durch die Gegend." Er dreht sich wieder weg.
"Hab wohl so 'ne Phase."
"Ist es wegen Julia?"
Der Elefant schafft es endlich. "Ne."
"Mh, mh."
"Hat keinen besonderen Grund", sage ich.
Arne erhebt sich. "Wohl eine allgemeine Sinnkrise." Er geht zum Schrank, macht ihn auf und nimmt einen Beutel heraus. Er geht zurück zur Couch.
"Weiß nicht", sage ich.
Er nimmt die Papers, die auf dem Tisch gelegen haben, nimmt einen Flyer und beginnt, eine Tüte zu bauen. "Aber was ist nun mit Julia?"
"Was soll sein?"
Er dreht immer inside-out, so, dass das überstehende Papier am Ende abgerissen wird. "Na, die hat dich ja übel abblitzen lassen."
"Is mir egal", sage ich. Aber das stimmt nicht. Nur: Was bringt es mir, darüber zu reden? Ist nicht mein Ding.
Arne lacht. "Na denn."
Er kennt mich lange genug, dass er weiß, es ist sinnlos, weiter zu bohren. Bei einem Konzert vor zehn Jahren bin ich ihm das erste Mal begegnet, es war irgendein Punk-Konzert, und die Band, die dort gespielt hat, ist so underground gewesen, dass sich niemand mehr an ihren Namen erinnert. Irgendwas mit Genozid oder so, was weiß ich. Arne hat die ganze Zeit abwechselnd Bier getrunken und gekifft, und irgendwann hat er auf einen Verstärker gekotzt.
Nun zündet er die Tüte an und nimmt einen tiefen Zug.
Ich starre wieder auf den Bildschirm. Die Elefanten planschen gerade in einem Wasserloch und wirken fröhlich. Die tägliche Abkühlung im Wasserbad ist laut des Kommentators wichtig für die Tiere; da es dort, wo sie leben, ja so heiß ist. Sie schlagen mit ihren Rüsseln auf die Wasseroberfläche, das Wasser spritzt.
"Rüssel sind cool", sage ich.
Arne reicht mir die Tüte. Ich lehne ab. Er zuckt mit den Schultern - jedenfalls tut er das meistens in solchen Fällen.
"Schon", sagt er. "Rüssel sind cool."
Auf der ständigen Suche nach Nahrung sind Elefanten fast immer in Bewegung. Sie müssen sich auch in schwierigem Gelände bewegen können und entwickeln dabei trotz ihrer Körpermasse eine erstaunliche Sicherheit.
"Es können doch nicht ständig Tierdokus im Fernsehen laufen", sage ich.
"Mh?"
"Fast immer, wenn ich hier bin, laufen Tierdokus."
Arne nimmt einen weiteren Zug. "Ja, und?"
"Die können doch nicht immer laufen." Ich schaue ihn an.
Nun zuckt er zweifelsfrei mit den Schultern. "Laufen oft welche."
Ich wende mich wieder dem Bildschirm zu. Das Schlammbad ist ein wichtiger Bestandteil der Routine, sagt der Kommentator.
"Was machst du gerade eigentlich so?", sagt Arne.
"Nix."
"Hängst nur so rum?"
Alle drei Tage brauchen die Tiere die Flasche. Auch nachts. "Schon."
"Wird das nicht öde?"
Ich antworte nicht.
Nach einer Weile sagt er: "Elefanten sind krasse Tiere."
Ich nicke. Ob er es bemerkt hat, weiß ich nicht. Es ist mir auch egal.
Arne nimmt noch einen Zug, dann legt er die halb gerauchte Tüte in den Aschenbecher. "Elefanten", sagt er.
Es ödet mich an. Ich stehe auf.
"Willst wieder gehen?"
"Ja", sage ich. "Brauch was zu trinken."
"Nimm dir halt ne Cola aus dem Kühlschrank."
Ich gehe zur Wohnzimmertür. "Ne, muss einkaufen."
Arne schaut mich an, dann schaut er wieder zum Bildschirm und sagt: "Okay."
Ich verlasse die Wohnung und trete auf die Straße. Ich muss wirklich einkaufen. Das ist eigentlich auch der Grund, weshalb ich heute überhaupt rausgegangen bin. Eben ist es mir wieder eingefallen. Hunger habe ich auch. Beim Rewe gibt es diese Gyros-Reis-Pfanne, die ist okay, die kann man kaufen. Oder ich kaufe Hackfleisch. Wenn man nicht weiß, was man kochen soll, kauft man Hackfleisch. Denn Hackfleisch geht immer, außer man ist Vegetarier oder Veganer. Also Hackfleisch, Cola, irgendein Maggi-Fix, vielleicht auch Bier. Hauptsache Hackfleisch.
Jemand rempelt mich an; ich schaue auf, doch die Person ist schon an mir vorbeigegangen. Ich drehe mich um und sehe einen Typen mit Glatze eilig davon hetzen. So ein Wichser. In dieser Stadt wimmelt es von Wichsern, die sind überall. Sie fahren den Bus, mit dem man zum Bahnhof fährt, sie geben einem den Burger, den man bestellt hat, sie klingeln an der Tür, um die Heizung abzulesen. Und immer haben sie auch dieses Gesicht, diesen Blick, bei dem man sofort weiß, ah, ein Wichser. Und Wichser waren es, die das Straßengewirr geplant haben, durch das ich mich kämpfen muss. Das Gefüge ergibt keinen logischen Sinn und überall sieht es gleich aus.
Der Rewe erscheint vor mir als ein hässliches Gebilde. Über dem Eingang steht, eingebettet in ein Bild, das diverses Gemüse zeigt: Frisch aus deiner Region. Ich brauche keinen Einkaufswagen. Ich gehe durch die Gänge und packe mir eine große, rote Paprikaschote, Maggi-Fix-für-Bauerntopf-mit-Hackfleisch und eine Flasche Cherry-Coke. Kartoffeln habe ich noch zu Hause, fällt mir ein. An der Fleischtheke lasse ich mir 250g Rinderhack geben und die Frau, die mich bedient, schaut mich freundlich an. Sie wünscht mir einen schönen Tag. Ich erwidere irgendetwas und gehe weiter.
An der Kasse stehen zwei Leute - ich stelle mich an. Vor mir steht eine alte Frau, die zwei Köpfe kleiner ist als ich und vor ihr steht ein Typ, der eine Warze am Nacken hat. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass Warzen mitunter ansteckend sind. Und dass sie Epithel-Geschwulste der oberen Hautschicht sind. Wenn mir langweilig ist, surfe ich oft auf Wikipedia. Während ich versuche, nicht an Feigwarzen am Anus zu denken, fällt mir das Tütchen mit dem Hackfleisch aus den Händen. Ich hebe es wieder auf.
Der Mann mit der Warze packt nun seine Sachen ein und die kleine, alte Frau tritt vor und kramt in ihrer Handtasche. Ich rücke nach. Auf dem Förderband liegen Äpfel, eine Packung Milch, Merci und Speck. Komischer Einkauf. Ich lege meinen Kram auf das Band und die Frau sucht mühsam Kleingeld zusammen. Sie braucht ewig. Ich hoffe, dass ich, wenn ich alt bin, nicht so eine Person werde. Falls ich überhaupt alt werden sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, alt zu sein; wie ich gebückt herumlaufe, mich über spielende Kinder aufrege; wie ich in meinem Wohnzimmer hocke, das seit gut dreißig Jahren nicht tapeziert wurde, obwohl ich so viel rauche. Endlich hat die Frau es geschafft, zu bezahlen. Ich hole meine Brieftasche aus der Hosentasche.
Die Kassiererin zieht die Waren über den Scanner und sagt: "Vier Euro vierundneunzig."
Ich zähle mein Geld und stelle fest, dass ich nur vier Euro dabei habe. Drecksscheiß.
"Ich habe nur vier Euro", sage ich.
Die Kassiererin schaut mich an und wendet sich wieder ab. "Dann müssen Sie wohl etwas zurück legen."
Es ist mir peinlich. Ich drehe mich um. Hinter mir steht ein fetter Mann mit Schweinsgesicht, der mich spöttisch angrinst. So ein Wichser.
"Was grinsen Sie so blöd?" Ich frage das viel zu laut; es fällt mir auf und es ist mir unangenehm.
Der Wichser mit dem Schweinsgesicht schaut mich verwirrt an. Er scheint empört zu sein. "Was erlauben Sie sich?"
"Nein, was erlauben Sie sich?", sage ich.
Das Gesicht des Typen läuft rot an. "Was -", beginnt er, doch ich lass ihn nicht ausreden.
"Das pisst mich an", unterbreche ich ihn. Die anderen Kunden schauen mich seltsam an.
Ich drehe mich zu der Kassiererin. Ihre Augen zucken hin und her.
"Ich stelle die Cola zurück", sage ich.
Ich gehe los und drehe mich nicht um. Als ich die Getränkeabteilung erreiche, stelle ich die Cherry-Coke zurück an ihren Platz. Dann kehre ich zurück zur Kasse. Vor mir hat sich eine längere Schlange gebildet und ich warte. Der Typ mit dem Schweinsgesicht geht gerade zum Ausgang.
Als ich dran bin, bezahle ich und verlasse den Laden.
Ich gehe zügig durch die Straßen. Das Maggi-Fix und das Hackfleisch habe ich in meiner Jacke verstaut, die Paprika halte ich in den Händen. Das sieht sicher seltsam aus. Ich passiere einen Typen, der in sein Smart-Phone vertieft ist. Mittlerweile ist es früher Abend und Leute, die von ihrer Arbeit nach Hause kommen gehen umher. Eine junge Frau unterhält sich lautstark mit einem Typen, den sie Kevin nennt. Die Frau hat eben gesagt: Der Hund ist nicht mit Absicht böse, Kevin. Mehr habe ich nicht verstanden, nur diesen Satz. Kevin und die Frau verschwinden nun aus meiner Realität. Vor mir liegt der Heimweg. Ich habe eigentlich keine Lust auf Bauerntopf.  
Die Straßenlaternen haben sich gerade eingeschaltet. Das hat mich überrascht. Ich glaube, ich habe noch nie bewusst gesehen, wie sie sich eingeschaltet haben. Hier in dieser Straße leuchten sie orange. Natriumdampf-Orange. Ich habe mal gelesen, dass Natriumdampflampen weniger Insekten anziehen aufgrund ihres Farbspektrums. Ich komme mir albern dabei vor, mit einer Paprikaschote in der Hand durch die Straßen zu laufen. Spontan betrete ich den Eingang zum Park, da ich gerade darauf zugelaufen bin. Der Kies knirscht unter meinen Turnschuhen. Ich passiere einen Basketballkorb am Wegesrand, der auf einem kleinen abgetrennten Platz steht. Der Boden dort besteht ebenso aus Kies; wohl damit sich spielende Kinder bei einem Korbleger leichter auf die Fresse legen können. Mich überrascht, dass der Basketballring noch dran ist. Meist überleben die nicht lange in freier Wildbahn.
Ich blicke wieder nach vorne; ein Stück weiter entfernt stehen Bänke, die ich nur schemenhaft erkenne. Es ist recht dunkel worden. Als ich näher komme, sehe ich, dass jemand auf einer der Bänke sitzt. Die Person blickt anscheinend auf - ich kann es nicht genau sagen. Wenn ich nun ein Räuber wäre - Räuber; wer benutzt denn heutzutage noch das Wort Räuber? Räuber und Halunken, Schurken und Ganoven. Taugenichtse. Jedenfalls kann ich nun erkennen, dass die Person eine Frau ist. Sie hält eine Handtasche umklammert. Ich schätze die Frau auf ungefähr Sechzig. Sie schaut mich an, als ich die Bank erreiche, doch sie sagt nichts. Ich setze mich neben ihr hin. Die Paprika halte ich vor mir auf dem Schoß wie eine Trophäe. Der erste Preis eines Wettbewerbs, an dem außer mir niemand teilgenommen hat.
"Guten Abend", sage ich ohne sie anzuschauen. Ich glaube, ich wirke zwielichtig.
Die Frau sagt eine Weile nichts, dann erwidert sie den Gruß.
"Brauchen Sie eine Paprika?", frage ich.
"Eine Paprika?", sagt sie zögernd. Sie klingt nicht ängstlich.
"Ich möchte sie nicht weiter mit mir herumschleppen. Wollen Sie sie?" Ich drehe mich zu ihr hin und halte die Schote hoch.
Die Frau runzelt die Stirn. "Nein, danke."
Ich wende mich wieder ab und betrachte die Paprika in meinen Händen. "Schade", sage ich und denke an das Hackfleisch in meiner Jackentasche, in dem sich mittlerweile die Bakterien vermehren.
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rncw
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BeitragVerfasst am: 10.01.2019 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

mir gefällt die Story. Die Logik des Protas kommt authentisch rüber. Hm, das zweite Ende finde ich besser als das erste, aber mir fehlt hier auch trotzdem noch die Klimax (wenns eine in sich geschlossene Geschichte is), irgendwas, das denn Sinn der Geschichte auf nen Höhepunkt bringt. Der letzte Satz ist nich weniger skuril oder skuriler als die Sätze davor, hätte mir mehr erwartet als Höhepunkt. Aber ja, dein Stil zu schreiben zieht in die Geschichte rein, man hat das Gefühl an der Lebensrealität des Protas teilzuhaben, weil auch die Wortwahl fast immer passt (nur bei Arne hab ich ein 'nun' als zu gehoben empfunden). Die Reflektionen und Beurteilungen der Umgebung gefallen mir besonders Smile


_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 10.01.2019 16:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo U-Banane,

ich habe mir nur die Neuversion deines Textes durchgelesen und mich gut amüsiert, einige Gedankengänge konnte ich von Anfang bis Ende und darüber hinaus verfolgen und darüber gut gelaunt die Schultern zucken. Der Bewusstseinsstrom Deines Protagonisten (ich gehe aufgrund einiger Hinweise von männlichem Geschlecht aus) ist nahe dran an authentisch, denn ich finde, dass jeweils einige Spitzen zu dick oder langatmig aufgetragen sind. Wohlgemerkt, dass ist Kritik auf höherem Niveau.
Zum Beispiel hier:

"Puppen, die weder Geschlechtsorgane noch Brustwarzen besitzen. Die haben sie nicht nötig." Stoner-Gedanken oder die tagtäglichen Überlegungen eines selbst, dass sich auf eine ziemlich graugewordene Weise seine Umwelt zusammenreflektiert. Allerdings gefällt mir der zweite Satz als Leser weniger gut, weil er für mich keinen Mehrwehrt ergibt. Es folgt " Ich zünde mir eine Zigarette an und blicke in Augen, die mich nicht wirklich sehen", wieder mit einem redundanten zweiten Teil. Mir gefällt der Stil der Erzählung außerordentlich gut, aber an derartigen Stellen fehlt mir der semantische Bezug auf die Gedankenwelt des Protagonisten. "Augen, die mich nicht wirklich sehen" - im Ernst: sie sehen ihn gar nicht. Ich will dir hier keinen Verbesserungsvorschlag machen, nur irgendwie darlegen, was ich mit "zu dick oder zu langatmig" aufgetragen meine - manchmal geht der Gehalt verloren. Vielleicht kann man diese und andere Stellen kürzen, das würde ich zumindest vorschlagen.

"Rumstehen ohne zu rauchen fühlt sich falsch an - ich setze mich in
Bewegung. " Hier könnte ein "aber auch" rein, finde ich.

 "Ein Fußmarsch ist die Pause zwischen zwei Zigaretten. "
Ich liebe solche Sätze.

"Neben mir hupt ein Auto, doch ich hupe nicht zurück. Ich habe ja auch keine Hupe. "
Geht auch knackiger. "Neben mir hupt ein Auto. Mangels einer Hupe hupe ich nicht zurück" zB

"hier hergelaufen" Ein Wort

"Jedenfalls - dann wird erstmal einer gebaut, während der Fernseher meist Tierdokus zeigt. " Irgendwie stört mich der Fernseher als Handlungsträger. "...im Fernsehen Tierdokus laufen"?

Dass er die Identifikation mit Gnu oder Löwe auf die Psychoanalyse bezieht, finde ich übrigens große Klasse.

"Aber vielleicht geht es auch nur mir so. " Hier wieder eine Ungenauigkeit. Bezieht sich der Satz auf den Umstand des sich allgemein in die Tiere Hineindenkens oder auf die feinere Unterscheidung, in welches Tier man sich hereindenkt?

Es folgen bis zum Dialog ein paar Sätze, die ich stilistisch nicht so schön finde wie die Zeilen zuvor. Zweimal "gehen", viele "und"s. "Sein Gesicht ist ausdruckslos wie immer" gibt mir irgendwie auch keinen Mehrwehrt, reiht sich aber natürlich in stilistisch fragwürdige Stoner-Gedanken ein.

Es folgt ein Dialog, den ich im Gegensatz zur ganzen Umfassung recht schwach finde. Die Einschübe des Geschehens auf dem Bildschirm gefallen mir außerordentlich gut, die wörtliche Rede ist mir persönlich auch im Kontext des ganzen Textes zu einfach gehalten und enthält überwiegend jene Wendungen, welche ich bei der bisherigen Stimmung des Protagonisten wortwörtlich erwarten könnte, insbesondere die allg. Sinnkrise. Diese Kritik ist natürlich eine rein subjektive; es ist klar, dass auch hier ein bestimmtes Ziel verfolgt wird. Mich reißt das Gespräch jedenfalls heraus, nachdem ich einem Faden aus differenziertem postmodernen Nihilismus gerne gefolgt bin.

Danach lese ich gern weiter. "und die Band, die dort gespielt hat, ist so underground gewesen, dass sich niemand mehr an ihren Namen erinnert." ist total real, wie man so schön sagt.

"Nun zündet er die Tüte an und nimmt einen tiefen Zug. " Hier finde ich, sollte das "nun" durch eine andere Wendung ersetzt werden. Sie steht da so gänzlich bezuglos.

"Die Elefanten planschen gerade in einem Wasserloch und wirken fröhlich."
Wirken fröhlich ist irgendwie eine komische Formulierung.

"Auf der ständigen Suche nach Nahrung sind Elefanten fast immer in Bewegung. Sie müssen sich auch in schwierigem Gelände bewegen können und entwickeln dabei trotz ihrer Körpermasse eine erstaunliche Sicherheit. " Ist das die Erzählerstimme der Sendung? Dann wünschte ich mir Anführungszeichen. Oder Kursivschreibung.

"Nun zuckt er zweifelsfrei mit den Schultern." Warum zweifelsfrei?

"Arne nimmt noch einen Zug, dann legt er die halb gerauchte Tüte in den Aschenbecher." Ich glaube nicht jeder, der noch nie eine Tüte in der Hand hatte, versteht, warum das hier geschieht.

"Ich verlasse die Wohnung und trete auf die Straße." Auf dem Hinweg lagen zwischen Wohnung und Straße aber noch Treppen.

Der "Wichser"-Part ist für mich nicht zu beanstanden.

Das wiederum: "Der Rewe erscheint vor mir als ein hässliches Gebilde. " finde ich wieder nicht so schön, das kannst Du doch besser!

"Ich gehe durch die Gänge und packe mir eine große, rote Paprikaschote, Maggi-Fix-für-Bauerntopf-mit-Hackfleisch und eine Flasche Cherry-Coke...." ein.

"Ich hoffe, dass ich, wenn ich alt bin, nicht so eine Person werde. " Was für eine Person? Die ihre Handtasche durchsucht? Damit dieser Satz nahegeht, könnte er meines Erachtens noch Präzisierung gebrauchen.

""Dann müssen Sie wohl etwas zurück legen." " zurücklegen*

"Es ist mir peinlich" -> "Das ist mir peinlich"* ?

"Hinter mir steht ein fetter Mann mit Schweinsgesicht, der mich spöttisch angrinst." Das ist so doppelt gemoppelt im wahrsten Sinne des Wortes. Schlage Schweinsäuglein vor.

An der Kasse gefällt mir der Dialog weit besser. Er hat sein unerwartetes Momentum, bildet aber auch das Umherschweifende Ich des Erzählers ab.

"ch passiere einen Typen, der in sein Smart-Phone vertieft ist. " Wenn dazu nichts weiter kommt, würde ichs streichen. Die Info ist echt zu alltäglich.

Den Laternenpart finde ich echt gut.

"Der Boden dort besteht ebenso aus Kies; wohl damit sich spielende Kinder bei einem Korbleger leichter auf die Fresse legen können"
Nur ein Vorschlag: "Der Boden dort besteht ebenso aus Kies, dann können sich spielende Kinder auch leichter auf die Fresse legen"

Den Schluss finde ich stilistisch sehr gut; er lässt mich angesichts der Geschichte nicht WOW rufen, aber das ist wohl auch kaum die Absicht. Er enthält ein paar schöne, im positiven Sinne redundante Überlegungen.

Ich hoffe, meine "Kritik" kommt Dir nicht anmaßend vor. Ich habe den Text sehr gern gelesen und erkenne in Teilen Sachen wieder, das macht er gut.
Nichtsdestotrotz finde ich ihn noch etwas hin- und herschwankend in seinem Stil.

EDIT: Jetzt erst den Titel gelesen. WHAAAT? Und das mit dem Dialog in der Mitte sehen wohl andere anders als ich.

Herzliche Grüße
UP


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U-Banane
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Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 11.01.2019 22:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

rncw hat Folgendes geschrieben:
Hm, das zweite Ende finde ich besser als das erste, aber mir fehlt hier auch trotzdem noch die Klimax (wenns eine in sich geschlossene Geschichte is), irgendwas, das denn Sinn der Geschichte auf nen Höhepunkt bringt. Der letzte Satz ist nich weniger skuril oder skuriler als die Sätze davor, hätte mir mehr erwartet als Höhepunkt.

Hi,
danke für deinen Kommentar.
Stimmt, dass das zweite Ende keinen Klimax darstellt, aber irgendwie fand ich das Ende so auch schlüssig, eben ein eher offenes Ende. Kam mir recht konsequent vor, da auch die Story selbst eher von einem ziellos umherirrenden Protagonisten lebt, der ständig verpeilt was er eigentlich vorhatte, plötzlich keine Lust mehr auf Dinge hat usw. So bleibt es der Fantasie überlassen, zu was das alles noch führen könnte.  Keine Ahnung, ob das Spaß macht allerdings bzw. ob es befriedigend ist. :E

Gruß

UtherPendragon hat Folgendes geschrieben:
Hallo U-Banane,

Hi,
danke auch für deinen Kommentar
Finde witzig, dass der Text bei Einigen so ein trübseliges Gefühl hervorruft, bei anderen Leuten aber auch Schmunzeln. :E Finde auch, dass da beides drin ist: Einerseits irgendwie eine Leere, die der Protagonist empfindet, aber auch eine im Kern humorvolle Wahrnehmung der Realität. Oder? Also nicht ganz so 100% hoffnungslos depressiv, ein wenig ambivalent.



Zitat:
Allerdings gefällt mir der zweite Satz als Leser weniger gut, weil er für mich keinen Mehrwehrt ergibt.

Nehme den Satz vllt. raus, mal sehen.

Zitat:
Es folgt " Ich zünde mir eine Zigarette an und blicke in Augen, die mich nicht wirklich sehen", wieder mit einem redundanten zweiten Teil.

Davor stand ja " aus dem mich die debilen, toten Augen nackter Schaufensterpuppen anschauen" - Deswegen dachte ich, dass ich nun "wirklich" einfügen musste bei ", die mich nicht wirklich sehen", da die Augen ihn in Wirklichkeit natürlich gar nicht sehen können. Müsste ich die erste Formulierung irgendwie umbauen, damit ich nur "Augen, die mich nicht sehen" schreiben kann, denke ich.

Zitat:
Hier könnte ein "aber auch" rein, finde ich.

Lustigerweise hatte ich in der ersten Version an der Stelle ein "allerdings" stehen, löschte es aber wieder. Vllt. sollte ich es wieder einfügen, oder eben das vorgeschlagene "aber auch".

Zitat:
Ich liebe solche Sätze.

Danke!

Zitat:
Geht auch knackiger. "Neben mir hupt ein Auto. Mangels einer Hupe hupe ich nicht zurück" zB

Glaube, ich mache einfach: "Neben mir hupt ein Auto, doch ich hupe nicht zurück." Und omitte den zweiten Satz einfach.

Zitat:
...im Fernsehen Tierdokus laufen"?

Hm, naja, wenn man das so sieht, das "zeigen" eine aktive Handlung ist ... aber weiß nicht, ob das zwingend so sein muss?


Zitat:
Hier wieder eine Ungenauigkeit. Bezieht sich der Satz auf den Umstand des sich allgemein in die Tiere Hineindenkens oder auf die feinere Unterscheidung, in welches Tier man sich hereindenkt?

Auf das allgemeine sich-hinein-denken. Weil ich ja "man" schrieb. Wenn ich das "man" durch "ich" ersetzen, kann ich den Satz mit "ob mit einem der Löwen oder mit einem Gnu - das ist wohl eine Sache der eigenen Persönlichkeit" wohl nicht bringen.



Zitat:
Es folgt ein Dialog, den ich im Gegensatz zur ganzen Umfassung recht schwach finde.

Echt? Fand den Arne-Part eigentlich selbst auch am stimmungsvollsten. Aber stimmt, dass es eigentlich nichts neues addet.

Zitat:
Hier finde ich, sollte das "nun" durch eine andere Wendung ersetzt werden. Sie steht da so gänzlich bezuglos.

Ok, könnte wohl ein "Arne zündet sich die Tüte an und nimmt einen tiefen Zug" werden. Aber dachte halt, dass das "nun" verdeutlichen soll, dass man nun wieder im "jetzt" ist.

Zitat:
Wirken fröhlich ist irgendwie eine komische Formulierung.

Inwiefern?

Zitat:
Ist das die Erzählerstimme der Sendung? Dann wünschte ich mir Anführungszeichen. Oder Kursivschreibung.

Ja, ist die Erzählerstimme. Kursiv wäre eine Möglichkeit. Ich schreibe halt alles in Notepad. :E Aber dachte, das wäre ersichtlich. Mal sehen.

Zitat:
Warum zweifelsfrei?

Dachte, weil vorher gesagt wurde, dass Arne "wahrscheinlich" mit den Schultern zuckte, während der Protagonist nicht hinschaute, aber vermutet, dass er es tat, da er es eben in solchen Situationen immer tut.

Zitat:
Auf dem Hinweg lagen zwischen Wohnung und Straße aber noch Treppen.

Stimmt. Wohl unpräzise formuliert.

Zitat:
Was für eine Person? Die ihre Handtasche durchsucht? Damit dieser Satz nahegeht, könnte er meines Erachtens noch Präzisierung gebrauchen.

Stimmt einerseits, aber anderseits könnte ich mich rausreden mit: Der Typ denkt eben so, dass er diese Frau sieht, die alt und langsam ist, ewig beim Bezahlen braucht, und das einfach auf "so eine Person" runterbricht? Mal schauen.

Zitat:
"Hinter mir steht ein fetter Mann mit Schweinsgesicht, der mich spöttisch angrinst." Das ist so doppelt gemoppelt im wahrsten Sinne des Wortes.

Inwiefern? "Schweinsgesicht" impliziert für mich ja nicht, dass er spöttisch grinst?

Zitat:
Wenn dazu nichts weiter kommt, würde ichs streichen. Die Info ist echt zu alltäglich.

Ok, streiche ich wohl.

Zitat:
Den Schluss finde ich stilistisch sehr gut; er lässt mich angesichts der Geschichte nicht WOW rufen, aber das ist wohl auch kaum die Absicht. Er enthält ein paar schöne, im positiven Sinne redundante Überlegungen.

Danke!  Begann ein neue Ende und überlegte, wie ich es enden lassen könnte, aber dann dachte ich: Eigentlich kann ich hier einfach aufhören. Wirkte irgendwie passend.

Zitat:
Ich hoffe, meine "Kritik" kommt Dir nicht anmaßend vor.

Warum anmaßend? :E

Der Titel passt jedoch für die überarbeitete Version echt nicht mehr. Dachte an "Die Elefanten wirken fröhlich" als neuen Titel, aber den Satz fandest du komisch formuliert? :E

Gruß
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UtherPendragon
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Beiträge: 337



BeitragVerfasst am: 12.01.2019 02:43    Titel: Antworten mit Zitat

Bin gerade neben der Spur aber..

Wie wärs mit "fröhliche Elefanten"?

Voll Meta!


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nicolailevin
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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 15.01.2019 10:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hi

ich mag den Ton der Erzählung, erinnert mich irgendwie an Sven Regener - und nur zur Klarheit: das ist ein Kompliment!

"der Duft der großen weiten Welt" - ich sehe vor mir einen eher jungen Protagonisten, auf alle Fälle U30, so jemand sollte diesen Slogan aus den Siebzigern / Achtzigern eigentlich nicht mehr aktiv verwenden.

Gestolpert bin ich auch darüber, dass der Held die Colaflasche in die Getränkeabteilung zurückstellt. So ein leicht verpeilter Rebell würde die doch einfach stehen lassen - das machen bei mir im Rewe jedenfalls alle so. Nur ein superbraver Anpasser/Streber würde sie zurücktragen.

Das Ende ist ein bisschen lau, und ich würde auch mal überlegen, ob du deinen Helden nicht in ein längeres Abenteuer stürzen magst; ich glaub, der gewinnt, wenn er auf verschiedene Typen und Konstellationen trifft.
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Orschi
Geschlecht:männlichSchreiberassi


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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 15:20    Titel: Antworten mit Zitat

Es fehlt doch irgendwie eine drastische Wendung, die den Leser vor den Kopf stößt und völlig ratlos zurück lässt.
Ein  Drrrraaama.
Zitat:
Ohne Vorwarnung schlage ich ihm mit der Faust ins Gesicht.

So schlecht ist der Gedanke gar nicht.
Zumindest muss er das denken: "Ich wünschte mir, ich drösche ihm eins geziementlich aufs Maul. Dabei pflege ich eigentlich einen ganz anderen Wortschatz. Vor allem aber graut mir vor Konjunktiven." (oder so)
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Pnin
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Alter: 64
Beiträge: 20
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 17.01.2019 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Orschi hat Folgendes geschrieben:
Zumindest muss er das denken: "Ich wünschte mir, ich drösche ihm eins geziementlich aufs Maul..."


Der Protagonist gehört zum Projekt Chaos. So kämpft man doch nicht in einem Fight Club, so luschig schlagen sich nur elende Skribenten.
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U-Banane
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Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 18.01.2019 17:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

UtherPendragon hat Folgendes geschrieben:
Bin gerade neben der Spur aber..

Wie wärs mit "fröhliche Elefanten"?

Voll Meta!

Weiß nicht - Inwiefern Meta? :E
Gruß

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Hi

Hi,
danke für deinen Kommentar!
Sven Regner habe ich bisher nicht wirklich gelesen

Zitat:

 auf alle Fälle U30, so jemand sollte diesen Slogan aus den Siebzigern / Achtzigern eigentlich nicht mehr aktiv verwenden.

Findest du das problematisch? Ich mein', ich kenne ja auch 'ne Menge Slogans usw. aus den 1950ern, und das war auch vor meiner Zeit.

Zitat:
So ein leicht verpeilter Rebell würde die doch einfach stehen lassen - das machen bei mir im Rewe jedenfalls alle so. Nur ein superbraver Anpasser/Streber würde sie zurücktragen.

Weiß nicht, ich würde sie wohl zurückstellen. :E
Ich finde, der Ich-Erzähler ist auch gar nicht so richtig bewusst rebellisch. Ich glaube, der ist eigentlich schon auch korrekt und will gar nicht absichtlich anecken, aber er  fügt sich einfach dennoch nicht richtig ein in die Welt und macht komische Dinge.


Zitat:
Das Ende ist ein bisschen lau, und ich würde auch mal überlegen, ob du deinen Helden nicht in ein längeres Abenteuer stürzen magst; ich glaub, der gewinnt, wenn er auf verschiedene Typen und Konstellationen trifft.

Vielleicht ein wenig Anticlimax, das Ende. Kein Plan. Aber stimmt vielleicht, dass es interessant wäre, den Prota in weitere Begegnungen/Situationen zu schubbsen.
Im Prinzip könnte der Text hier vielleicht auch das erste Kapitel eines Romans sein. Weiß nicht. Aber dafür bin ich wohl eh zu faul.

Gruß

Orschi hat Folgendes geschrieben:
Es fehlt doch irgendwie eine drastische Wendung, die den Leser vor den Kopf stößt und völlig ratlos zurück lässt.

War ja in der Urfassung - also zumindest, eine plötzliche Wendung. :E
Weiß nicht, eigentlich mag ich es, dass die Geschichte einfach so "aus läuft".

Gruß
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nicolailevin
Geschlecht:männlichSchreiberassi


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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 18.01.2019 19:09    Titel: Antworten mit Zitat

U-Banane hat Folgendes geschrieben:
Sven Regner habe ich bisher nicht wirklich gelesen


Nachholen! Das ist ein Befehl.

Zitat:

Findest du das problematisch? Ich mein', ich kenne ja auch 'ne Menge Slogans usw. aus den 1950ern, und das war auch vor meiner Zeit.


Thema "Der Duft der großen weiten Welt": Der Typ lehnt zu Beginn die heutige Konsumwelt mit einem gewissen Reflexionsgrad vehement ab. Das beißt sich für mein Verständnis. Der würde auch nicht einem Choleriker mit einem "Wer wird denn da in die Luft gehen" begegnen. Sagt jedenfalls mein Gefühl.

Zitat:

Ich finde, der Ich-Erzähler ist auch gar nicht so richtig bewusst rebellisch. Ich glaube, der ist eigentlich schon auch korrekt und will gar nicht absichtlich anecken, aber er  fügt sich einfach dennoch nicht richtig ein in die Welt und macht komische Dinge.


Hm, nenn mich altmodisch, aber ich finde, du solltest deinen Helden kennen oder zumindest ein feines Gespür haben, was ihn treibt. In den ersten Sätzen klingt er für mich _sehr_ aufsässig und contra. Der hasst die ganze Welt, klar, da ist Attitude dabei, aber trotzdem ... Egal wie, wer wenn nicht DU, kennt ihn?

Zitat:

Im Prinzip könnte der Text hier vielleicht auch das erste Kapitel eines Romans sein. Weiß nicht. Aber dafür bin ich wohl eh zu faul.


Das fänd ich schade, aber du musst es wissen.
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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 19.01.2019 00:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi

Zitat:
Der Typ lehnt zu Beginn die heutige Konsumwelt mit einem gewissen Reflexionsgrad vehement ab.

Zitat:
. In den ersten Sätzen klingt er für mich _sehr_ aufsässig und contra.

Finde ich so eigentlich nicht. Sehe kein direktes Ablehnen der Konsumwelt hier. Finde, er ist durch nicht näher erläuterte Dinge diffus angepisst und hat dadurch eine allgemein niedrigere Toleranzgrenze und einen Hang zum schlecht-reden.
Also für mich ist er eben stimmig so, das wäre vom Verhalten und Denken  bei mir recht ähnlich wenn ich in so einer Stimmung und Lage wäre wie der Protagonist.
Verschiedene Wahrnehmungen und Denkprozesse wohl?

Gruß
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nicolailevin
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BeitragVerfasst am: 19.01.2019 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

U-Banane hat Folgendes geschrieben:

Verschiedene Wahrnehmungen und Denkprozesse wohl?


Bestimmt. Und Alter, Umgebung, Lebenssituation ... Was ich in erster Linie mitnehme: Ich find den Typen interessant und würde gern mehr von ihm wissen. Mich hast du am Haken. Also: Halt dich ran. Wink
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