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Wie viel tragen deine Protagonisten von dir selbst in sich?

 
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1072
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 11.10.2018 05:39    Titel: Antworten mit Zitat

Nitokris hat Folgendes geschrieben:

...

Mein Protagonist ist männlich, von der Seite aus gibt es schon mal wenig Gemeinsamkeiten mit mir. Er ist arrogant, egoistisch, weitgehend gefühllos - und er hasst Bücher. Auch hier nicht die geringste Verwechslungsgefahr also. Laughing

Trotzdem gibt es Berührungspunkte zwischen unseren beiden Welten. Während ich zum Beispiel ein grundlegendes Interesse an einigen speziellen Modellen verschiedener Automarken habe, liebt er durch die Bank weg alle teuren, schönen Autos - je höher motorisiert, desto besser. Und als fiktiver Charakter hat er natürlich, wie Gerling schon erwähnt hat, wesentlich mehr Möglichkeiten, diesen Interessen nachzugehen... Ich habe ihm unter anderem einen Range Rover TDV6 Autobiography spendiert. Very Happy

...


Hallo,

für mich scheint es nahezu unmöglich, einem Protagonisten ein qualifiziertes Interesse an irgendeinem Hobby unterzujubeln, das einen selbst überhaupt nicht interessiert. Irgendwoher irgendwelche Begriffe zu klauen, hilft da nicht viel. Das vergrault nur Leser, die sich bei so etwas wirklich auskennen.

Ich könnte z.B. keinen Protagonisten schreiben, der sich mit einem anderen qualifiziert über das Stricken unterhält, weil ich davon nun gar keine Ahnung habe. Ich habe ja schon Probleme, wenn meine weiblichen Protas sich schminken sollen.

Grüße
Rainer
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Willebroer
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2631
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 11.10.2018 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:

Hallo,

für mich scheint es nahezu unmöglich, einem Protagonisten ein qualifiziertes Interesse an irgendeinem Hobby unterzujubeln, das einen selbst überhaupt nicht interessiert. Irgendwoher irgendwelche Begriffe zu klauen, hilft da nicht viel. Das vergrault nur Leser, die sich bei so etwas wirklich auskennen.

Ich könnte z.B. keinen Protagonisten schreiben, der sich mit einem anderen qualifiziert über das Stricken unterhält, weil ich davon nun gar keine Ahnung habe. Ich habe ja schon Probleme, wenn meine weiblichen Protas sich schminken sollen.

Grüße
Rainer


Könnte aber auch andererseits dazu motivieren, sich doch mal mit neuen, bislang unbekannten Themen zu beschäftigen.
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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 39
Beiträge: 550
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 11.10.2018 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Sehe ich auch so - doch ein bisschen Interesse kann von unschätzbarem Vorteil sein.
Wenn es, wie aufgeführt, um das Stricken geht, und eher eine Abneigung dazu besteht, ist es schwierig, diese Arbeit richtig zu beschreiben, auch wenn man sich gezwungenermaßen damit befasst. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, einen guten Text abzuliefern, geringer.

Geht es jetzt zum Beispiel um das Schreinern und jemand hat da keine Ahnung von, aber wenigstens etwas Interesse daran, dann fällt es auch leichter, in diese Materie einzusteigen. Und der Text wird davon profitieren.

Ergo, wenn ich überhaupt keinen Bock auf ein Thema habe, werde ich auch nicht darüber schreiben. In alles andere arbeite ich mich hinein, dass erweitert, wie bereits angerissen, den Horizont.
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g a s t
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 268



BeitragVerfasst am: 11.10.2018 21:14    Titel: Nur mal so in den Thread gesagt Antworten mit Zitat

Mag sein, das Interesse wächst mit dem Wissen. Cool

Edit: Uh, oh, leicht offtopic (?). Meine Protagonisten - tragen sicher mehr von mir in sich, als ich erkenne. Ich erschaffe sie ja aus mir selbst heraus. - Hm. Rolling Eyes
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Milten
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 23
Beiträge: 10
Wohnort: Schleswig-Holstein


BeitragVerfasst am: 12.10.2018 00:57    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich einen Charakter plane versuche ich tatsächlich genau das zu vermeiden.
Da ich aus meiner Perspektive in Meinungsfragen natürlich immer auf der "richtigen" Seite stehe und man ja bekanntlich einen Konflikt braucht denke ich ganz gern darüber nach, wie es wäre eine extremere Sicht zu haben, beispielsweise  wenn ich sehr stolz auf meinen Beruf wäre, oder übertrieben in der Vergangenheit schwelge.
generell halte ich mich für einen ausgeglichenen und nicht sehr konfrontativen Typen. Wenn ich mich selbst als Charakter geschrieben hätte, dann würde es wohl darauf hinauslaufen, dass ich für die Handlung sehr langweilig wäre.
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1072
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 12.10.2018 06:21    Titel: Antworten mit Zitat

Willebroer hat Folgendes geschrieben:
Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:

Hallo,

für mich scheint es nahezu unmöglich, einem Protagonisten ein qualifiziertes Interesse an irgendeinem Hobby unterzujubeln, das einen selbst überhaupt nicht interessiert. Irgendwoher irgendwelche Begriffe zu klauen, hilft da nicht viel. Das vergrault nur Leser, die sich bei so etwas wirklich auskennen.

Ich könnte z.B. keinen Protagonisten schreiben, der sich mit einem anderen qualifiziert über das Stricken unterhält, weil ich davon nun gar keine Ahnung habe. Ich habe ja schon Probleme, wenn meine weiblichen Protas sich schminken sollen.

Grüße
Rainer


Könnte aber auch andererseits dazu motivieren, sich doch mal mit neuen, bislang unbekannten Themen zu beschäftigen.


Hallo,

Auf der einen Seite: Ja. Natürlich. Aber um auf das Original-Threadthema zurückzukommen: Wenn der Protagonist nun mal eine ganz andere Persönlichkeit hat als ich, und zu ihm/ihr das Hobby passt, aber nicht zu mir ...

Auf der anderen Seite spielt solch ein Hobby des Protagonisten ja oft eher eine Nebenrolle. Es gibt vielleicht einen Dialog, der daran aufgehängt ist, aber in Wirklichkeit die Handlung vorantreiben soll. In so einem Fall merke ich oft, dass ich beim Wikipedia-Surfen mit irgendeiner interessanten Welle entgleite und viel zu viel Zeit in etwas absolut Nebensächliches investiere.

Nachdenkliche Grüße
Rainer
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Willebroer
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2631
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 12.10.2018 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

In der Realität kann man die Auseinandersetzung mit unangenehmen CharakterenTypen auch nicht immer vermeiden. Manchmal braucht man gar nicht lange zu suchen. Ignorieren funktioniert da nicht immer. Soll man sich da zur Erholung eine gepolsterte Welt herbeischreiben? Oder sich in sinnlosem Ärger zerfasern?

Davon abgesehen, kann man die Frage, was wichtig ist und was nicht, natürlich auch nicht theoretisch lösen.

Allein ein Konzept zu durchdenken (ob es einem gefällt oder nicht) kann eine gute Übung sein.
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NikCe
Schreiberling


Beiträge: 259



BeitragVerfasst am: 12.10.2018 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Liegt es nicht auf der Hand, dass die eigenen Protagonist*innen ein Stück von uns in sich tragen? Angefangen bei Oberflächlichkeiten wie Aussehen über Hobbys bis zu Konfliktempfinden. Nur jemand, der gerne Krimis schreibt/liest, manövriert die eigenen Figuren in ein Setting, in dem ein Verbrechen geklärt werden muss.

Überraschender wäre es für mich, wenn die Figuren rein gar nichts von ihrem* Schöpfer* in sich trügen. Das könnte ich mir nur damit erklären, dass die Figuren  Versatzstücke sind, die beliebig austauschbar sind und nach Schema F funktionieren.

Ich finde mich in jeder meiner Figuren auf die eine oder andere Weise wieder, wäre da gar nichts von mir, würde ich diese Figur nicht erschreiben.

Darum finde ich die Frage interessanter, wie wenig von der eigenen Person in den Protagonist*innen steckt. Denn das muss man mal schaffen, über etwas (gut) zu schreiben, dass jemanden selbst nicht tangiert. Mithilfe von Gegenteilen zu arbeiten (zB ich bin Morgenmuffel, meine Prota nicht) reicht da mMn nicht, da die Figur dadurch ja wieder ein Stück von mir in sich hat, nur eben ins Negative verkehrt. Sagen wir, eine vegan lebende Person schreibt über einen* Jäger*, dann ist der Mordtrieb der Figur ebenso ein Teil von der schreibenden Person, nur eben unter anderen Vorzeichen (was der/die* Autorin* ablehnt, ist für die Figur eine Leidenschaft). Wäre die schreibende Person nicht vegan, gäbe es für sie vielleicht keinen Anreiz über einen* Jäger* zu schreiben.
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g a s t
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 268



BeitragVerfasst am: 12.10.2018 19:27    Titel: Monster-Mum Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
(...) dass ich beim Wikipedia-Surfen mit irgendeiner interessanten Welle entgleite (...)

Schöne Umschreibung für die Freuden der Recherche. Smile
Oder auch die Nebenpfade ... Nebelpfade ...

Logo, die Prota liebt Tee und ich nun nicht gerade, aber irgendwas Eigenes fließt doch immer mit ein, unbeabsichtigt. Was mich umtreibt seit dem letzten Posting: Wenn ich ein Monster erschaffen kann, bin ich dann eins?
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