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Sommernachtstraum der anderen Art


 
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Municat
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BeitragVerfasst am: 27.12.2017 19:00    Titel: Sommernachtstraum der anderen Art eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Legt bei dem Spinner mal jemand ne neue CD ein?“


Laut ist es. Laut, stickig und heiß. Ich schmecke Salz auf der Zunge. Wie von Schinken in Salzteig, nur ohne Schinken und ohne Teig. Kein Essen. Ich bin hungrig. Aber ich bin nicht hier, um zu essen. Nicht heute. Heute ist Donnerstag. Donnerstag ist Session. Sie spielen schon. Fiddle, Banjo und Steel Guitar. Neues Salz, ein dicker Tropfen diesmal. Ich schwitze mehr als Mary neben mir. Warum, weiß ich nicht. Mary klatscht und springt, obwohl sie so blass ist. Zerbrechlich, durchsichtig fast. Ist das normal? Mary. Meine Feleena, wie in dem Song. Sie will tanzen. Aber ich nicht. Mir ist nicht nach tanzen. Dreh dich weg von mir, dreh dich endlich weg! Da vorne spielt die Musik. Sonst interessiert es dich doch auch einen Dreck, ob ich neben dir stehe. Na wunderbar, da kommt der Kerl mit dem Gitarrenkasten und mit dem unverschämten Grinsen. Der kann seine Finger nicht bei sich behalten. Hör auf, sie so anzustarren! Los, tanz mit ihm und lass mich in Ruhe. Ich will nicht.

Der Song ist aus. Sie haben aufgehört zu spielen. Gleich werden sie singen. El Paso, Feleena, natürlich, wie immer. Es geht schon los. Simon? Natürlich Simon! Wer auch sonst. Früher wollten sie mich hören. Jetzt wollen sie nur noch Simon. Simon mit dem Segelfliegerohren. Simon und Mary. Aber die zweite Stimme fehlt. Simon singt alleine. Das geht nicht! Merkt ihr das nicht? Ohne Mary ist ein Loch in dem Song. Ein Loch, das blutet. Es blutet den Song aus. Das Blut klebt an meinen Füßen. Schweiß auf der Zunge und Blut an den Füßen. Verdammt, ich muss hier raus, bevor ich an dem Blut ersticke oder im Schweiß ertrinke.

Der Ausgang, die Tür. Endlich. Sie quietscht furchtbar laut. Ich drücke sie zu und sperre den Lärm aus. Zumindest fast. Ein Schatten der Melodie quält immer noch meine Ohren. Ein Schatten mit einem grässlichen, blutenden Loch. Das Loch heißt Mary. Der soll aufhören! Der Schatten und Simon. Und der Gitarrenkasten-Mann. Weiter. Zum Meer. Als ob das Meer still wäre. Nein, ist es nicht, aber das Getöse von Wellen ist anders. Es schreit nicht, es singt nicht, es lacht nicht, lacht mich nicht aus, weil meine Freundin anderen Männern schöne Augen macht. Weil sie mit anderen Männern lieber singt als mit mir. Verdammt, dabei ist meine Stimme doch so schön. Schön kratzig sagt Mama. Mit Seele eben! Ja genau, mit Seele. Hört ihr das, ihr verdammten Schönlinge? Meine Stimme hat eine schöne Seele. Naja, vielleicht nicht schön, aber echt. Ehrlicher als die von Simon. Oder die von dem Gitarrenkoffer-Mann.

Das Meer ist laut, aber gleichmäßig wie die Stille. Es überrollt mich mit schreiender Ruhe. Welle für Welle. Der Sand knirscht, wenn er gegen die Felsen gedrückt wird. Wie brechende Knochen. Mary mag das Meer. Und ich mag Mary. Und das Meer. Lass mich in Ruhe! Nein, lasse ich nicht, kann ich nicht, will ich nicht, werde ich nicht. Wieder Salz im Mund, aber mehr als ein Tropfen. Ausspucken oder Klappe zu, so macht man das im Meer.

Das Boot mit dem Außenboarder. Da liegt es und wartet auf mich. So wie Mary auf mich warten sollte. Aber das tut sie nicht. Wie Feleena aus dem Song. Ich kann den Cowboy so gut verstehen. Der bittere Geschmack soll endlich weg. Ich weiß, wie der Motor angeht und wie man das Boot lenkt. Ist ja auch total einfach. Die Wellen unter mir und der Wind um die Nase, das tut gut. Sollen sie doch singen und tanzen ohne mich. Ich hab was Besseres vor, jawohl das hab ich. Auf die Seite ihr Fische und Möwen, jetzt komm ich! Ich will, dass sich das gut anfühlt. Richtig gut, nicht so bitter wie zu lang durchgezogener Tee. Schneller! Ich fühle es noch nicht! Mach Zucker in den Tee, damit er nicht mehr so bitter schmeckt.

Die Lichter vorne an der Bar werden immer kleiner, genau wie die Köpfe im Wasser zwischen den Felsen. Was machen die da überhaupt, die Köpfe? Was wollen die im Wasser? Und warum lachen alle und spritzen sich nass? Klar, die Nacht ist warm und die Luft in der Bar stickig, aber das ist doch kein Grund! Deshalb muss man doch nicht mitten in der Nacht schwimmen gehen, wenn der dünne Stoff an den Körpern klebt und durchsichtig wird. Pobacken und Brüste. Mary Brüste. Das war bestimmt Simons Idee. Oder die vom Gitarrenkoffer-Mann. Natürlich. Sie wollen ihren Körper sehen, sie alle. Aber das sollen sie nicht! Das ist mein Mädchen!

Schneller, das geht doch bestimmt noch schneller! Jetzt sehen sie mich. Endlich. Die Stille ist lauter als der Motor. Geht doch. Sie winken. Lachen sie noch? Nein, tun sie nicht mehr, jetzt schreien sie. Sie alle. Jetzt lacht keiner mehr über mich. Gut so. Da ist Mary. Direkt vor dem Felsen. Verflucht … der Felsen! Salzwasser spritzt überall hin, aber es schmeckt nicht mehr nach Salz. Nicht nur. Es schmeckt nach Benzin und nach Blut. Mein Blut. Marys Blut. Der Motor ist aus. Still.


„Ich hab doch bei der letzten Runde schon gesagt, du sollst bei dem Spinner eine neue CD einlegen! Damit hab ich nicht irgendwann gemeint, sondern sofort! Wofür wirst du eigentlich überhaupt bezahlt?“


Diese Oberschwester kreischt schon wieder wie eine Furie. Eine Furie mit Federn. Und einer langen, gespaltenen Zunge. Ob sie wohl Haare auf den Zähnen hat? Oder einen Damenbart? Bestimmt hat sie einen Damenbart. Einen Flaum über der Lippe und aufgeplatzte Adern überall im Gesicht. weil sie sich immer so aufregt. Der Pfleger soll sich nicht alles gefallen lassen. Los, sag ihr deine Meinung! Oh, er tut es diesmal wirklich. Guter Mann, weiter so.


„Als ob der was merken würde. Der liegt doch eh im Koma.“


„Vielleicht hört er was, vielleicht auch nicht. Aber du weißt genau, was seine Freundin gesagt hat. Er soll immer Musik hören. Sie glaubt eben, dass er davon irgendwann wieder aufwacht. Muss ich dich daran erinnern, wie viel sie uns in die Kaffeekasse gelegt hat, damit wir uns drum kümmern, dass das Gedudel nie aufhört? Und jetzt ist es schon seit ner Stunde ruhig in dem Zimmer.


Mary. Meine Mary. Sie war hier! Und sie kommt wieder. Und sie will, dass ich wieder aufwache. Wenn ich doch nur diesen verdammten Matsch aus meinem Kopf kriegen würde. Aber vielleicht muss ich ja gar nicht mit dem Kopf anfangen. Einen Arm bewegen, das wäre es. Damit ich sie halten und drücken kann. Meinen Arm spüren, das kann doch so schwer nicht sein. Oder wenigstens die Hand, oder einen mickrigen Finger. Komm schon beweg dich. Bewegt euch, ihr Finger. Krümmt euch. Ballt euch zur Faust. Warum gehorcht ihr mir nicht? Das kann doch so schwer nicht sein! Hallo? Was will der denn jetzt? Hab ich mich so in dem Pfleger getäuscht? Der soll bloß aufpassen, was er sagt.


„Ich versteh sowieso nicht, warum das Mädel den Kerl wieder haben will. Er hat sie mitten in der Nacht mit dem Boot angefahren. Ist geradeaus auf die zugerast und hat nicht mal versucht, auszuweichen. Sie hätte tot sein können. Trotzdem sitzt sie jeden Tag an seinem Bett und heult sich die Augen aus, weil er nicht aufwacht. Der Spinner hat das süße Ding doch gar nicht verdient.“


Pass auf Bürschchen! Pass auf, was du sagst. Du rührst meine Mary nicht an. Denk nicht mal dran! Ich muss das verhindern. Ich brauche einen Plan. Der Matsch muss aus meinem Kopf, egal wie. Mit den Augen fange ich an. Dann kann ich sie sehen und ihn beobachten. Und sie sieht, dass ich sie sehe und auf sie aufpasse. Und er sieht, dass ich ihn im Blick habe.


„Schwester?“

„Oberschwester, so viel Zeit muss sein.“

„Oberschwester, wir brauchen nen Doc. Das Mädel sollten wir auch anrufen. Der Spinner macht seine Augen auf.“

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Municat
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BeitragVerfasst am: 08.01.2018 13:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Tja ... das ist nun der einzige Text, von dem ich jetzt schon weiß, dass er keine Punkte von mir bekommt.

Das Thema hat sich mir einfach aufgedrängt: zuerst der Rahmen, danach das kranke Hirn des Protagonisten. Das Setting habe ich umgestellt, als die erste Version fast fertig war. Zuerst war ich gedanklich - wie so oft  - in Irland. Der Prota mit seiner krankhaften Eifersucht hat sich irgendwie selbst geschrieben und entwickelt. Irgendwann fiel mir dann die EL-Paso-Trilogie ein, in der (aus 3 verschiedenen Perspektiven in 3 Songs) ein ähnliches Eifersuchtsdrama zwischen Feleena und dem namenlosen Cowboy besungen wird - allerdings in einer staubtrockenen Wüste. Das Meer wollte ich aber unbedingt im Spiel haben, um den Bezug zu Emily zu wahren. Also ist mein Setting zwar über den größen Teich Richtung El Paso gewandert, aber eben nicht in die Wüste, sondern in einen Ort mit Krankenhaus und Strandbar irgendwo in Florida oder Californien.

Der Prota liegt im Koma, weil er bei dem Unfall, den er selbst verursacht hat, schwer verletzt wurde. Mary glaubt, dass ihm die Musik dabei hilft, wieder aufzuwachen, aber genau das Gegenteil passiert: Der Prota erinnert sich genau dann, wenn die Musik aufhört zu spielen ... You only know what You got, when it´s gone

Zitat:
Simon mit dem Segelfliegerohren.
über diesen Rechtschreibfehler könnte ich mich grün und blau ärgern!

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hobbes
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BeitragVerfasst am: 08.01.2018 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Tut mir leid, aber das ist mir zu eindimensional. Da ist überhaupt nichts zwischen den Zeilen. Typ schafft es, sich vor lauter Eifersucht quasi selbst ins Koma zu verfrachten, seine Freundin fast noch dazu, sie liebt ihn bekloppterweise immer noch, tada, er wacht wieder auf. Fertig.

Aber immerhin ein netter Ohrwurm.
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 09.01.2018 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

Was für ein Szenario: hirnloser Macho fährt affektgesteuert seine zerbrechliche Angebetete fast platt und liegt anschließend selbst als von ihr Angehimmelter im Koma? Und das mit einem seltsam möchtegern-selbstironischen Touch? Oder kommt das Ganze nur so schief und daneben bei mir an?

Ja, es handelt sich um Gedächtnisbilder. Ja es handelt sich um einen Bewusstseinsstrom. Ausgelöst durch Leere? Vielleicht durch inhaltliche, sprachliche und literarische Leere.

Das bügelt auch ein recht willkürlich erscheinender Verweis auf Shakespeare im Titel nicht aus. Eher deutet auch dieses in meinen Augen noch auf "einfach-mal-ein-Eifersuchts- und-Liebesdrama-zusammengestrickt" hin, so nach dem Motto: wird schon hinhauen. Tut es aber nicht.

Fast zur Nebensache wird mir hier schon die Frage, die ich beim lesen dieses Stückes nicht loswerde: weshalb der Halbkomatöse vom Pflegepersonal die ganze Zeit "Spinner" genannt wird. Vielleicht versteckt sich hier eine Selbst-Kritik der Erzählstimme? Oder hat die Liebende dem Personal in liebevoller Aufopferung von "ihrem Spinner" berichtet, der sie nur beinahe am Felsen zerquetscht hätte?

Was mir bleibt ist ein Kopfschütteln und ein schal-ratloses Gefühl.

Ich fürchte, dieser Kommentar ist gemein, aber der Text ist es auch: zu mir, als Leser eines dsfo-Zehntausenders.


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Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 09.01.2018 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

Schade. Denn eigentlich find ich de Idee gar nicht doof. Gut, wer weiß schon, was einem Komapatienten durch den Kopf geht, das ist schon sehr spekulativ, aber meinetwegen, auch die Formatierung, wo der Kopf des LI verlassen wird, rechtsbündig und fett, überdeutlich, ist ganz charmant. Die Geschichte selbst hätte etwas weniger Drama vertragen können, aber gut, ist halt so gelaufen. Was ich aber gar nicht leiden kann, ist dieser Zwang, alles für den letzten Deppen durchzuerklären, damit auch ja jeder genau versteht, was da abgelaufen ist, wäre ja auch zu schade, wenn noch ein Fünkchen Unklarheit bleiben würde. Und das Ende? Das hat es sehr eilig.

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RememberDecember59
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BeitragVerfasst am: 09.01.2018 23:50    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Verfasser/in,
eine interessante Idee und ein origineller Umgang mit Thema und Motto, wie ich finde. Ein paar Kritikpunkte habe ich dennoch. Zum einen die Dialoge, die fand ich ein bisschen hölzern und unnatürlich. Und mich hat auch das Ende gestört, muss ich leider sagen. Dass die Geschichte damit endet, dass er aufwacht, Marys Namen hört, etc. - etwas klischeehaft für meinen Geschmack. Ich glaube beinahe, der Text hätte mehr Eindruck bei mir hinterlassen, wenn er nicht aufgewacht wäre. Gerne gelesen habe ich den Text trotzdem, ob es noch für Punkte reicht, wird sich noch zeigen.

***

Nach dem Lesen und Kommentieren der anderen Texte habe ich mich dazu entschieden, keine Punkte zu geben.


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Bartimäus: "...-was ist das?"
Kobold: "Hätte mich das jemand anders gefragt, o Herr, der ihr Schrecklich und Unübertrefflich seid, hätte ich ihn einen Dummkopf genannt, bei Euch jedoch ist diese Frage ein Zeichen jener entwaffnenden Schlichtheit, welche der Born aller Tugend ist. ..."

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jaeani
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BeitragVerfasst am: 11.01.2018 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

neutraler Kommentar
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 12.01.2018 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte gefällt mir. Endlich mal eine, die sich sofort erschließt, und trotzdem nicht schwach ist. Das Hineinsteigern in die Eifersucht kommt wirklich sehr gut rüber, ist nachvollziebar, ja bisweilen sogar nachfühlbar. Bis auf das Losrasen mit dem Boot. Ich dachte erst, es wäre ein Gedankenbild, eine Ausrast-Fantasie, aber nein, er hat das wirklich gemacht. Und seine Freundin hält trotzdem noch zu ihm. Vielleicht war er am Ende gar erfolgreich, sie noch näher an sich zu binden, in dem Moment, als er sie schon aufgegeben hatte und umbringen wollte? (Er muss das zumindest in Kauf genommen haben, so eine Außenborderschraube kann einen Menschen ganz schön zerfetzen, hab als Jugendlicher mal einen solchen Unfall gesehen, gar nicht schön)

Der Bewusstseinstrom ist zwar nicht extrem, aber schön eingefangen und wirkt mir auch nicht zu künstlich überliterarisiert wie einige andere in diesem Wettbewerb. Motto der Stille ist spürbar und Gedächtnisbilder klar vorhanden, man hat ja auch nichts anderes im Koma.

Auf jeden Fall ein Kandidat für Punkte, aber die vergebe ich erst, wenn ich alles gelesen habe.


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»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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d.frank
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Beiträge: 817
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 13.01.2018 01:43    Titel: Antworten mit Zitat

Auch hiermit tue ich mich schwer,
Eine eigentlich einfache Sache (Eifersucht) wird lang und breit gedacht, ohne mich mit neuen Erkenntnissen zu bereichern. Dann endet das in einem Showdown und das wiederum ebenfalls in Erwartbarem. Ok, das mit der CD und Musik allgemein ist ein schönes Detail aber das reicht nicht. Mir kommt es so vor, als hätte der Autor sich von den Vorgaben einschränken lassen, deshalb wirkt die Geschichte starr und zusammengezimmert.


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Angst
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Alter: 28
Beiträge: 1672



BeitragVerfasst am: 14.01.2018 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Mein erster Gedanke zu diesem Beitrag: Der Titel gefällt mir überhaupt nicht.
Auch nach dem Lesen des gesamten Textes nicht.
Ansonsten gehört dieses Teil bisher zu meinen Favoriten.
Die Gedankengänge haben eine klare Richtung, ohne allzu direkt zu sein.
Das vermisse ich bei vielen anderen Bewusstseinsströmen.
Wobei, das Ende ist dann vielleicht doch etwas zu klar.
Jedenfalls: Das Erzählte hat einen eigenen Stil. Das ist mir schon viel wert.
Japp. Das Teil ist gut.

4 Punkte.


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»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Jenni
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Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 14.01.2018 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Der Komapatient! Gefühlt gab es früher in jedem Wettbewerb einen Komapatienten, aber tatsächlich schon lange nicht mehr.
Dieser Komapatient hat aus Eifersucht einen Unfall verursacht, bei dem seine Freundin schwer verletzt wurde und er selbst im Koma endete, und aus Eifersucht wacht er jetzt wieder auf. In komödiantischer Hinsicht eine Idee, ja. Aber, come on, der war von der Musik so abgelenkt, dass er nicht auf die Idee kam aufzuwachen, aber jetzt wo er es beschließt, da kann er einfach so die Hand bewegen und die Augen öffnen? Das tut mir leid, aber ich kann es nicht ernstnehmen. Dann noch dieses Ärgernis, dass ich erst darüber weggetäuscht werde, dass er im Koma liegt, nicht die Art überraschender Pointe, die ich mag. Und selbst wenn diese Geschichte realistischer und dramaturgisch interessanter erzählt wäre, bräuchte es noch mehr, um ihr eine Bedeutung über ihr privates kleines Drama hinaus zu verleihen.
Auch zum Thema muss ich sagen, ich sehe es hier nur am Rande umgesetzt. Erinnerungen die durch fehlende Musik ausgelöst werden, das ist für mich kein "Gedächtnisbild" im Sinne eines "gespeicherten Wahrnehmungsbildes", oder jedenfalls nur im weitesten Sinne.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 15.01.2018 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Nimm mir das nicht übel, aber der Titel ist wirklich furchtbar. Laughing Die Geschichte hingegen besser. Aber es ist so...ich kriege es nicht in Worte gefasst, weil es für mich keine fertige Geschichte ist. Die Leerstelle im Song ist toll, auch wenn mir das „Blut“ in der Hinsicht, auch wenn es mit „ihr“ ja verbunden ist, zu oft erwähnt wird. Generell sind ein paar Stilmittel dabei, die provozieren, die schockieren, die dramatisieren wollen, und das tun sie leider nur wenig subtil. Und ich habe schon viel zu oft solche Plot Twists, die ja nun wirklich keine mehr sind, gelesen, besonders oft in DSFo-Wettbewerben. (Woran liegt das?) Ich war also nicht besonders überrascht darüber, dass er im Koma liegt, eher gelangweilt, weil die Sprache nichts tut, ihr Potenzial nicht voll ausnutzt, sondern sich mehr in gedanklichen Floskeln verliert. Spannend finde ich wieder das Ende. Die Hauptperson wacht auf, weil eben KEINE Musik ertönt, und das wiederum gibt eine so großartige Rückkopplung auf die Beziehung der beiden. Hier gehe ich also mit gemischten Gefühlen raus.

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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Heidi
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BeitragVerfasst am: 15.01.2018 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Keine schlechte Idee. Da liegt jemand im Koma und durchläuft noch mal die Geschehnisse vor dem Unfall, der ihn in diesen Zustand gebracht hat - zumindest verstehe ich den Text so.
Die Geschehnisse werden mir mehr oder weniger wie eine Geschichte erzählt; es kommen keine Gedankensprünge, etwa durch einen neuen Sinneseindruck, also keine abrupte Bewegung in eine andere Richtung.
Es kommen keine Bilder, keine Gerüche, irgendetwas, was der "Denker des Textes" wahrnimmt, wodurch ein neuer Gedanke angestoßen wird, ihn in eine andere Richtung strömen lässt. Da er im Koma liegt, ist eine Umsetzung mit gegenwärtigen Sinneseindrücken natürlich schwierig, aber ich denke, gerade hier liegt die Stärke des Themas. Ich könnte mir vorstellen, dass eine eher surreal vermixte Umsetzung anders sprechen könnte, sodass ich empfinde, was in diesem Menschen vorgeht.
Stil und Aufbau finde ich gut, aber es entsteht kein Bild, es fehlt mir etwas Echtes, ich spüre den Text nicht. Keine Leere und auch keine heranrollende Stille, oder Steigerung. Was meine Bewertung aber am meisten beeinflusst und weshalb es keine Punkte geben wird, ist die brave Umsetzung ohne Brüche. Hier ginge bei weitem mehr.
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Schlomo
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BeitragVerfasst am: 16.01.2018 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Wahnsinn, ist das stark! Irgendwie kann ich mir sogar denken, wer es geschrieben hat …

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Mathematik bringt dich besser durch Zeiten ohne Ruhe als Ruhe durch Zeiten ohne Mathematik. (Frei nach Freewheelin' Franklin )
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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 19.01.2018 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das blutende Loch namens Mary, ein gruseliges Lied, zu singen in Schatten, wenn der Sand an Felsen knirscht. Mary sollte warten wie ein Boot mit Außenboarder, wie also Boote warten, auf den Wellen dümpelnd, angebunden an den Steg oder halb auf der Seite liegend in den Strand gegraben, so also sollte Mary warten. Und wie beim Boot, weiß der betrunkene Erzähler, was bei Mary zu tun sei: er weiß wie der Motor angeht und man das Boot lenkt. Etwas hölzerne Sexmetapher, wo er aber recht hat, hat er recht: Ist total einfach mit Meerys Wellen unter ihm und dem Wind um die Nase. Moment. Sind wir noch beim Sex? Mit Fischen auf der Seite und durchgezogenem Tee? Wo ist der denn durchgezogen? Und wo kommt jetzt der Zucker hin? In den Bauchnabel? Oh ein Felsen, Blut, Benzin, stillere Stille.
Willkommen bei der Pointe: der erste Satz ist bewusst, aber ungeschickt doppeldeutig angelegt. Denn wer nennt einen CD-Spieler tatsächlich einen Spinner? Und dann wird klar, dass Oberschwester Furia Feder-Flaum-Damenbart doch den Komatösen meint, dessen Spinnerei erst durch einige Infodumps erklärt werden muss: Irgendwie hat er es geschafft, mit seinem Boot beinahe seine Mary umzufahren, das offensichtlich mehr von Eifersucht als Logik angetrieben wurde, es sei denn Mary kann auf dem Wasser gehen.
Insgesamt also eher unbefriedigend wie zu lang durchgezogener Tee. Aber selbst mit viel Zucker reicht es nicht für Punkte.
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Michel
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BeitragVerfasst am: 19.01.2018 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

"der anderen Art" hätte ich weggelassen, das erklärt schon zu viel und nimmt die Neugier.
Jemand hat aus Eifersucht versucht, seine Freundin mit dem Motorboot zu überfahren. Jetzt liegt er im Wachkoma und hört die Einwürfe des Personals. Etwas zu viel erklärt am Schluss, das banalisiert das Rätsel. Die Sprache finde ich für einen SoC noch deutlich zu strukturiert, da sieht man sozusagen noch den Puppenspieler, der die Fäden zieht.
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finis
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BeitragVerfasst am: 19.01.2018 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Das ist ein solider Text, der die Aufgabenstellung erfüllt. Die Idee mit dem Koma finde ich nett, wenn auch vielleicht etwas optimistisch. Aber ja, die Vorstellung, dass ein Komapatient alles hört und mitbekommt und sich davon eventuell zum Aufwachen bewegen lässt, ist natürlich schön.

Du schaffst es dabei, eine Geschichte zu erzählen, die einige Facetten hat und unterschiedliche Fragen anreißen könnte. Leider tut sie gerade letzteres irgendwie nicht. Dabei wäre da sehr viel Potential. Man könnte zum Beispiel über Possessivität und Gewalt und Anziehung nachdenken - in Ansätzen kommt das ja durchaus, aber Du bleibst da für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Mir fehlt also sozusagen der doppelte Boden, durch den ich etwas mehr daraus mitnehmen könnte, als "nur" den Verlauf der Handlung.

Trotzdem wirklich gern gelesen.

LG
finis


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Tjana
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BeitragVerfasst am: 20.01.2018 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ein Loch im Song
Toller Satz!

Eifersucht - ein Unfall mit dem Boot

Der Text gefällt mir - irgendwie - , hab gespannt weitergelesen. Am Ende dann erscheint mir die Einhaltung der Vorgaben grenzwertig. Das Gedächtnisbild entlarvt sich plötzlich als Erwachen aus dem Koma, ist also realer, als ich mir das bei einem erinnernden Bewusstseinsstrom wünsche


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poetnick
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BeitragVerfasst am: 21.01.2018 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ein neutraler ‚Kommentar‘ um werten zu können; die Tiefenfülle des Materials ließ mir
keine andere Wahl.

Beste Grüße - Poetnick


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Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 21.01.2018 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe gerade Angst vor der Macht meiner Kritik und sorge mich um meine Urteilsfähigkeit. Deshalb an dieser Stelle kein inhaltlicher Kommentar.

Danke für deine Teilnahme am Wettbewerb.


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
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BeitragVerfasst am: 21.01.2018 22:17    Titel: Antworten mit Zitat

Literättin hat Folgendes geschrieben:
Was für ein Szenario: hirnloser Macho fährt affektgesteuert seine zerbrechliche Angebetete fast platt und liegt anschließend selbst als von ihr Angehimmelter im Koma? Und das mit einem seltsam möchtegern-selbstironischen Touch? Oder kommt das Ganze nur so schief und daneben bei mir an?

Ja, es handelt sich um Gedächtnisbilder. Ja es handelt sich um einen Bewusstseinsstrom. Ausgelöst durch Leere? Vielleicht durch inhaltliche, sprachliche und literarische Leere.

Das bügelt auch ein recht willkürlich erscheinender Verweis auf Shakespeare im Titel nicht aus. Eher deutet auch dieses in meinen Augen noch auf "einfach-mal-ein-Eifersuchts- und-Liebesdrama-zusammengestrickt" hin, so nach dem Motto: wird schon hinhauen. Tut es aber nicht.

Fast zur Nebensache wird mir hier schon die Frage, die ich beim lesen dieses Stückes nicht loswerde: weshalb der Halbkomatöse vom Pflegepersonal die ganze Zeit "Spinner" genannt wird. Vielleicht versteckt sich hier eine Selbst-Kritik der Erzählstimme? Oder hat die Liebende dem Personal in liebevoller Aufopferung von "ihrem Spinner" berichtet, der sie nur beinahe am Felsen zerquetscht hätte?

Was mir bleibt ist ein Kopfschütteln und ein schal-ratloses Gefühl.

Ich fürchte, dieser Kommentar ist gemein, aber der Text ist es auch: zu mir, als Leser eines dsfo-Zehntausenders.

Holla, da hatte aber jemand richtig böse Laune, was? Das ist ja einer der abgründigsten Verrisse, die ich je in einem Wettbewerb gesehen habe. Chapeau!

Nee, mal ehrlich, muss das wirklich so ad hominem sein? Mit sachlicher Textkritik hat sowas mMn nichts mehr zu tun.


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BeitragVerfasst am: 21.01.2018 22:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hmmmm ... deutlich weiter hinten als ich gehofft hatte ... leider

Denjenigen, die mir Punkte da gelassen haben, vielen Dank Laughing

Dafür einige wirklich aufschlussreiche Kommentare von Euch smile


@ Hobbes

Schade, dass Dir die Zwischentöne verborgen geblieben sind, aber ich weiß, man kann nicht jedermanns Geschmack treffen. Meine Intension war unter anderem auch, zu zeigen, welche Eindrücke, Erinnerungen und Emotionen den Prota zu seiner Amokfahrt getrieben haben. Da habe ich, denke ich, was seine Familienstruktur, Sozialkompetenz, Umgang mit Niederlagen und Konkurrenz einige Komponenten angerissen, die letztendlich zusammenkommen mussten, um ihn zum Ausrasten zu bekommen.


@ Literättin

Zitat:
Vielleicht durch inhaltliche, sprachliche und literarische Leere.
autsch, der sitzt ... aber keine Sorge, ich kann das ab.

Zitat:
weshalb der Halbkomatöse vom Pflegepersonal die ganze Zeit "Spinner" genannt wird.
Hier versteckt sich weder literarische Selbst-Kritik noch Marys Ärger, sondern einfach nur die Tatsache, dass das Pflegepersonal über Geschichte und Unfall-Hergang informiert ist. Der Pfleger kann einfach nicht verstehen, dass Mary immer noch zu ihm hält. Für ihn ist der Patient einfach nur ein Spinner, der es eigentlich nicht verdient hat, geliebt und gesund gepflegt zu werden. Er ist mit Sicherheit nicht der einzige Amerikaner, der so denkt.

Zitat:
Ich fürchte, dieser Kommentar ist gemein, aber der Text ist es auch: zu mir, als Leser eines dsfo-Zehntausenders.
keine böse Absicht ... ich werde versuchen, Dich beim nächsten mal weniger vor den Kopf zu stoßen.


@ holg

Zitat:
dieser Zwang, alles für den letzten Deppen durchzuerklären, damit auch ja jeder genau versteht, was da abgelaufen ist
jo, ich werden versuchen, künftig mehrere Löcher zu lassen.

Zitat:
Und das Ende? Das hat es sehr eilig.
da wiederum hätte ich das Gefühl gehabt, zu viel breit zu treten, wenn ich mehr geschrieben hätte.


@ RememberDecember59

Danke für Deinen ehrlichen Kommentar smile
Das Ende ja ... er wacht auf, das stimmt schon. Aber was ich halt (abweichend von einem "richtigen" Happy End zeigen wollte, ist, dass er eben nichts dazu gelernt hat. Er weiß, was er angerichtet hat - und trotzdem ist es wieder die Eifersucht (und nicht etwa Liebe), die ihn ins Leben zurück treibt.


@ Veith

Oh mann, danke! Du weißt ja gar nicht, wie gut mir Dein Kommentar an der Stelle tut! Du hast verstanden, was ich sagen wollte und meinen Bewusstseinsstrom so gesehen, wie ich ihn meine.

Zitat:
auch nicht zu künstlich überliterarisiert
joa, das ist mir auch aufgefallen, als ich die anderen Texte gelesen habe. Ich dachte schon, dass das ein Vorzug meines Textes sein könnte, aber außer Dir sehen das nicht viele so.

Ich freu mich total, dass ich es bei Dir in die Punkte geschafft habe. Das bedeutet mir viel.


@ Diana

Schade, dass ich Deinen Geschmack nicht getroffen habe.

Zitat:
Eine eigentlich einfache Sache (Eifersucht) wird lang und breit gedacht, ohne mich mit neuen Erkenntnissen zu bereichern.
ich wollte einige Aspekte zeigen, die zu seinem Ausraster geführt haben.
Unter Menschen fühlt er sich gehemmt, vergleicht sich ständig mit anderen Männern, die er für attraktiver (Gitarrenkoffer-Mann) oder erfolgreicher (Simon, den alle statt ihm singen hören wollen) hält, definiert sich über seine Freundin ... mit der er in Gesellschaft weder tanzen noch lachen will, sie quasi dazu treibt mit anderen Männern zu tanzen, genau das aber nicht erträgt. Seine Mutter verhätschelt ihn, hält Ärger von ihm fern, gaukelt ihm vor, das er toll ist ... und hilft ihm nicht, an seiner Sozialkompetenz zu arbeiten.

Zitat:
Mir kommt es so vor, als hätte der Autor sich von den Vorgaben einschränken lassen,
ne, eigentlich nicht. Die Geschichte ist entstanden, als ich mich mit den Vorgaben auseinandergesetzt habe.


@ Angst

Juhuuuu ... danke für Deinen Kommentar und Deine Punkte smile Freut mich total, dass mein Stil bei Dir angekommen ist.

Den Titel würde ich nicht noch mal so wählen, da hast Du Recht. Ich hatte alles fertig, nur eben keinen Titel. Der kam dann irgendwie im Brainstorming: Spielt im Sommer ... Spielt in der Nacht ... der Prota ist nicht wach. Sommernachtstraum alleine geht nicht ... ist schließlich seit langem vergeben. ALso noch ein Zusatz hintendran. War fail, das weiß ich jetzt.


@ Jenni

Von den alten Wettbewerbstexten vor meiner Zeit hier im Forum habe ich nur wenige gelesen. Ein Komapatient ist mir dabei noch nicht untergekommen. Ist aber nu dauerhaft als NoGo gespeichert ... wird von mir nicht mehr kommen - versprochen!

Zitat:
Aber, come on, der war von der Musik so abgelenkt, dass er nicht auf die Idee kam aufzuwachen,
Die Musik hat in einer Gleichmäßigkeit vor sich hingedudelt, die ihn nicht erreicht hat. Als diese Gleichmäßigkeit durchbrochen wurde, kam er zumindest wieder so weit an die Oberfläche, dass sein Hirn gearbeitet hat. Vom Aufwachen war er da allerdings noch weit entfernt. Diesen Impuls setzt dann der Pfleger, der seine krankhafte Eifersucht triggert.

Zitat:
aber jetzt wo er es beschließt, da kann er einfach so die Hand bewegen und die Augen öffnen?
Die Hand bewegt er nicht ... das versucht er nur. Das mit den Augen bekommt er dann hin.


@ Eredor

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Deine Gedanken helfen mit weiter, um die nächsten Wettbewerbe noch intensiver durchzugestalten.

Zitat:
Nimm mir das nicht übel, aber der Titel ist wirklich furchtbar.
Das ist mir inzwischen klar, ja. Nie wieder Brainstorming zur Titel-Wahlt wink

Zitat:
Die Hauptperson wacht auf, weil eben KEINE Musik ertönt, und das wiederum gibt eine so großartige Rückkopplung auf die Beziehung der beiden. Hier gehe ich also mit gemischten Gefühlen raus.
Juhuu ... genau das wollte ich erreichen! Dann hab ich also doch nicht alles falsch gemacht.


@ Heidi

Danke Dir für Deine Hinweise! Das hilft, beim nächsten mal wieder einen besseren Text in die Runde zu schmeißen. Mir ist es wichtig, spürbar zu sein und Bilder entstehen zu lassen, also werde ich da dran arbeiten. In der Umsetzung zu brav war ich beim letzten Zehntausender auch schon, also muss ich mir wohl bei diesen E-Teilen einbläuen, dass die nicht nur sperrig sein DÜRFEN, sondern sperrig sein SOLLEN.

Ich arbeite dran smile


@ Schlomo

Vielen dank für Dein Lob und Deine Punkte! Das tut wirklich gut. Auch, wenn ich vermute, dass ich nicht der Autor bin, den Du gemeint hast ... weil wir noch nicht soooo viel miteinander zu tun hatten.


@ anderswolf

Jep, vermutlich ist der Prota soagar tatsächlich ziemlich triebgesteuert (wie viele verklemmte Menschen *ggg*) ... aber ne, so war es dann doch nicht gemeint.

Zitat:
Denn wer nennt einen CD-Spieler tatsächlich einen Spinner?
niemand ... aber wer nennt einen Psycho im Koma Spinner? Richtig ... der Pfleger.


@ Michel

joa, der Titel ist mist ... das ist mir inzwischen klar. Und ja, ich muss lernen, die Fäden bei solchen Texten loszulassen.


@ Finis

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Aus dem kann ich wirklich lernen. Mehr Tiefgang also beim nächsten Mal, das schaffe ich. Für mich waren die Bilder da, weil ich alles komplett im Kopf hatte ... auch die Hintergründe, die Abhängigkeiten und die Gewalt-Fantasien. In Zukunft muss ich einfach mehr davon in die Zeilen stecken.


@ Tjana

Zitat:
Toller Satz!
Danke Dir smile

Zitat:
Das Gedächtnisbild entlarvt sich plötzlich als Erwachen aus dem Koma, ist also realer, als ich mir das bei einem erinnernden Bewusstseinsstrom wünsche
Das Erwachen passiert erst am Schluss, als er die Augen öffnet. Das Gedächtnisbild entsteht, als die Gleichmäßigkeit der Dauerbeschallung durchbrochen wird.


@ Nebenfluss

Ich verkrafte Kritik! Immer her damit.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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