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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Buddy Ravage


 

 
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Johann B
Abc-Schütze

Alter: 31
Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 15.07.2016 13:46    Titel: Buddy Ravage eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo lieber Leser,

Für meinen Einstand habe ich einen kleinen Abschnitt aus meiner Sci-Fi/Endzeit-Krimiserie 'Buddy Ravage' ausgewählt (1. Band, 3. Kapitel). Es ist eine in 5 Bänden angelegte Serie, die ich (mit Hilfe eines kleinen Teams) selbst verlege. Der 1. Band erscheint bereits in der 2. Auflage.
Alle Meinungen, Anmerkungen, Kritiken interessieren mich sehr, da sie es mir ermöglichen, meine zukünftigen Arbeiten zu verbessern. (auch wenn sie auf diesen Abschnitt keinen Einfluss mehr haben können)


(Cover von Band 1)


Nacht. Die billigste Bar im schlechtesten Teil des übelsten Viertels der letzten Stadt, in der man sich zur Zeit aufhalten will. Besoffene kriechen vollgekotzt durch die Gosse. Überall rauchen, spritzen, trinken, pöbeln, raufen verlorene Gestalten mit toten Blicken. Der Wahnsinn steht in ihre aufgedunsenen Visagen geschrieben.
Die Straße und das 'Domizil' sind fest in der Hand der LEDERJACKEN. Je härter die Zeiten, desto mehr Menschen suchen den Schutz einer Bande. Erst waren sie nur ein Haufen von Raufbolden. Hatten es vor allem auf Mutanten abgesehen. Mittlerweile ist das ganze Nordend in ihrer Hand. Läden zahlen gerne Schutzgeld. Wer zahlt ist sicher. Nicht nur vor den LEDERJACKEN selbst, sondern auch vor dem üblichen Gesindel.
Den Eingang flankieren zwei Kolosse in Jeans & Fliegerjacken. Wer in der Bar eine Prügelei anzettelt, muss damit rechnen, sie mit diesen beiden zu beenden. Viele probieren ihr Glück trotzdem. Manche sehnen sich so sehr nach Gefühlen, dass ihnen ein gebrochenes Jochbein das Herz wärmt.
Gewaltiger Pitbull schnarcht zu den Füßen seines Besitzers. Kampfhunde erfreuen sich großer Beliebtheit. Keine Ausbildung. Hunger sorgt für tödliche Aggressivität. Die Türsteher grüßen freundlich. Wir sehen uns häufig.
Tabakrauch füllt den Raum bis unter die Decke, belegt die Schleimhäute. Trockener Rachen, husten, röcheln. Zwanzig oder dreißig Gäste. Männer mit Schnauzbärten & ungepflegten Frisuren, die hinten länger sind als vorn. Trainingsjacken, Jogginghosen, Baseballkappen. Sportlich wirkt keiner von ihnen. Ringe in den Ohren, Veilchen auf den Wangen. Holzknüppel in Reichweite, Messer in den Taschen. Stillose Frauen, billige Huren, angetrunkene Flittchen & vergessene Schnapsdrosseln. Eine abgewrackte Trine zieht ihr T-Shirt hoch, zeigt einem alten Sack ihre schlaffen Titten. Er gibt ihr einen Drink aus. Trauriger Haufen. An der Bar sitzen zwei LEDERJACKEN, rauchen, trinken, prahlen.
„...dann ist das auch scheißegal, ob die sieben oder acht Leute sind.“
„Darfst keine Hemmungen haben. Musst einem so lange auf die Ohren hauen, bis er dann auch nicht mehr aufsteht.“
Sie sind sich einig. Schnaps auf Ex, noch eine Runde. Jeder hier könnte das Portemonaie gestohlen haben.
„Hätte mir denken können, dass ich dich hier finde.“
Junge Frauenstimme. Zu unverbraucht für diesen Ort.
„Ich suche dich schon seit Tagen.“
Umdrehen, hinschauen. Rastazöpfe, Kaugummi. Entfernte Erinnerung. Kindheit? Film?
„Seit Tagen?“
„Du erkennst mich nicht. Hat dich ja auch ganz schön erwischt.“
Sie ist das Mädchen. Sie lebt.
„Bist ziemlich durcheinander, was? Vor fünf Tagen hast du mit dem Vollstrecker gekämpft, der mich verfolgt hat. Ich konnte mich retten. Warst nirgendwo zu finden und jetzt treffe ich dich zufällig hier. Hast du das Gerät dabei?“
Vor fünf Tagen? Es war nicht gestern? Nie auf das eigene Gedächtnis verlassen. Auf dem Schlauch stehen ist unangenehm.
„Welches Gerät?“
Ihre Miene versteinert, sie wischt sich zwei Strähnen aus dem Gesicht, Pupillen werden weit.
„Wo ist es? Willst du mir sagen, dass du es nicht mehr hast?“
Wenn eine Frau sauer ist, ohne dass du weißt warum, hast du immer ein großes Problem. Am besten gar nicht antworten. Lass sie reden, vielleicht klärt sich alles.
„Was hast du damit gemacht? Ich hatte es dir zugesteckt, als du am Boden lagst. Der Vollstrecker hätte mich beinahe umgebracht, verstehst du?“
Sie schaut ständig hinter sich, als würde jemand mithören. Alle Umstehenden wirken desinteressiert. Die Jukebox spielt einen alten Song von Springsteen. Am anderen Ende des Tresens bekommen sich zwei Säufer in die Haare.
„Komm mal her Alter! Ich hau dir in die Fresse!“
Kampfschrei. Knüppel saust durch die Luft, Holz auf Knochen, dumpfes Knacken, Schädel fällt auf Tisch. K.O. mit einem Schlag. Statt mit dem einfachen Sieg zufrieden zu sein, schimpft er weiter.
„Hässliche Mutantenvisage! Hast doch zu lang am Krater gestanden!“
Er greift in die Tasche, Metall blitzt auf, jetzt wird kurzer Prozess gemacht. Aufstehen.
„Lass ihn in Ruhe. Der hat genug.“
Sollte mich nicht in mehr Kneipenschlägereien einmischen. Angetrunkener, Messer in der Hand, ihm ist alles egal. Er würde einen Mann abstechen und nicht einmal vor seinen Freunden damit angeben.
„Halt du mal die Schnauze!“
Blut tropft aus der stümperhaft vernähten Wunde in seinem Gesicht. Qualitätsarbeit von Doktor Benn.
Die anderen machen ihm Platz, wollen keinen Ärger. Jedenfalls nicht jetzt. Nicht mit jemandem, der die Waffe schon gezogen hat. Sie bilden eine Allee aus Gaffern, zünden noch schnell eine Kippe an, um das folgende Blutbad angemessen zu genießen. Im Rücken des Messerschwingers taucht ein Türsteher auf, zwei Köpfe größer, packt ihn am Genick, es zerbricht fast in seiner Pranke. Messer fällt auf den Boden, Metall auf Stein. Im Schwitzkasten wird der Betrunkene nach draußen begleitet. Sie werden den Pitbull mit ihm spielen lassen. Der beste Freund des Menschen.
Wieder dem Mädchen zuwenden. Fragen, was sie will.
„Keine Ahnung wo von du sprichst. Lag eine Zeit lang bewusstlos auf der Straße. Wenn du was in meine Tasche gesteckt hast, ist es jetzt in den Händen irgendeiner Hyäne.“
Sie reißt ihre Augen noch weiter auf, den Mund auch, steht einen Moment lang einfach nur da.
„Scheiße. Das kann doch nicht sein. Wir müssen es wieder finden.“
„Meine Hilfe kostet.“
„Ist das dein Ernst? Ich habe kein Geld.“
„Dann musst du wohl allein suchen.“
Nicht die eigenen Regeln brechen. Keine Ausnahmen für hübsche Frauen. Ein guter Privatdetektiv greift nur ein, wenn er dabei ist oder dafür bezahlt wird.
Sie zieht ihren Rucksack zurecht, bindet sich die Rastas zu einem Zopf, schlendert zum Ausgang, dreht sich um, lächelt.
„Mein Name ist Spinoza. Merk ihn dir, wir werden uns bestimmt noch einmal treffen.“
Die Szene hat sich beruhigt. Alle hängen tief in ihren Gläsern. Scharfer Ethanol reinigt die Seele. Ein Wasser bestellen, drei Tramadol schlucken. Reinigt die Gedanken. Keine Chance, hier drinnen einen Hinweis auf den Verbleib meines Portemonaies zu finden. Zu viele Verdächtige.
Das einzig Wertvolle darin war das Kleingeld. Wenn es hier in Alkohol umgesetzt wurde, hat der Dieb die leere Geldbörse sicher auch in der Nähe entsorgt. Sie einfach auf den Boden fallen lassen oder in einen Mülleimer. Beweise vernichten. Falls Spinoza Recht hat, und die ganze Sache schon fünf Tage her ist, liegt es vielleicht zwischen dem Abfall in der Gasse hinter der Bar. Nur eine Vermutung. Immerhin.


Liebe Grüße
Johann

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jon
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 53
Beiträge: 257
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 18.07.2016 17:10    Titel: Antworten mit Zitat

Der reduzierte, oft nur noch stichwortige Stil beißt sich mit dem Hang zur Ausführlichkeit (weniger wäre hier aus meiner Sicht mehr, auch in Sachen Bildhaftigkeit), vor allem aber mit dem hier am Anfang offenbar werden Hang zum Erklären. Beispiele:
„Je härter die Zeiten, desto mehr Menschen suchen den Schutz einer Bande.“
und
"Kampfhunde erfreuen sich großer Beliebtheit."
Das erste (Hintergründe ansagen) sollte man bei halbswegs szenischem Erzählen sowieso nicht machen. Aber auch das zweite ist zu informierend für die ganze auf den Moment fokussierte erzählweise - ein "erwartunsgemäß" oder "was sonst." wüde die selbe Aufgabe erfüllen, wäre aber dichter dran am Erleben des Protas

"verlorene Gestalten mit toten Blicken. Der Wahnsinn steht in ihre aufgedunsenen Visagen geschrieben. "
Das ist ein Widerspruch - "Wahnsinn" ist alles andere als "tot".

Ansonsten: Ist mir zu viel Dekor, zu viel Stichworte-Text (ohne dass dahinter die passende Sicht des Protas spürbar wäre - dazu ist es {auch  wegen des Dekors} insgesamt zu wenig lakonisch) aber wenn ich diese Passagen "querlese" scheint es doch halbwegs spannend zu sein.


_________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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Soleatus
Autor


Beiträge: 795



BeitragVerfasst am: 20.07.2016 07:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Johann!

Sicher, ich schätze eher den weiten, gestalteten Satzes und bin daher gegenüber "Kurzsatztexten" wie diesem hier schon aus Prinzip vorsichtig; aber ich denke doch, du übertreibst es und schwächst dadurch deine Geschichte. Wenn du "Gewaltiger Pitbull schnarcht zu den Füßen seines Besitzers." schreibst, kann man das fehlende "ein" am Satzbeginn doch eigentlich nur als sprachwidrige Verstümmelung wahrnehmen?! Abgesehen davon muss jeder Text sich auch über die Satzspannung, bzw. deren Wechsel  dem Leser als abwechslungsreich darstellen, um seine Aufmerksamkeit frisch zu halten. Das geht sicher auch in einem "Kurzsatztext", aber dieser Text hier wirkt auf mich eher wie "Schlagloch an Schlagloch", eine lange Abfolge des immer gleichen.

Außerdem sollte dein Verfasser-Ich deinem Verleger-Ich mal auf die Finger hauen; für einen verlegten und damit veröffentlichten Text hat dieser hier ziemlich viele Fehler - "wieder finden" statt "wiederfinden", "Portemonaie" statt "Portemmonaie", "scharfer Ethanol" statt "scharfes Ethanol", anderes lässt zumindest stolpern: "nicht in mehr Kneipenschlägereien", erwartet wird sich "nicht mehr in Kneipenschlägereien"?!

Gruß,

Soleatus
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azareon35
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 231
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 06.08.2017 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Johann B.,

da will ich doch mal ein bisschen kritisieren. Ist alles nur meine persönliche Meinung, nimm dir, was du gebrauchen kannst.


Buddy Ravage
Klingt wie eine Comicfigur aus den 90ern, erfunden und gezeichnet von Rob Liefeld. Falls das Absicht ist, dann finde ich es saugeil! Cool

Zitat:
Die billigste Bar im schlechtesten Teil des übelsten Viertels der letzten Stadt, in der man sich zur Zeit aufhalten will. Besoffene kriechen vollgekotzt durch die Gosse. Überall rauchen, spritzen, trinken, pöbeln, raufen verlorene Gestalten mit toten Blicken. Der Wahnsinn steht in ihre aufgedunsenen Visagen geschrieben.

Oh ja, das sind definitiv die 90er. Frank Miller kriegt feuchte Augen. Very Happy
Scherz beiseite. Es vermittelt auf jeden Fall ein viszerales Bild, aber purpurne Prosa schießt da übers Ziel hinaus. Gerade solche hartgesottenen Detektivstories kommen besser mit beiger Prosa aus.
So z.B. Nacht. Die mieseste Bar in dieser beschissenen Stadt. Überall nur kranke Gestalten, die ihren kranken Machenschaften nachgehen.

Zitat:

Die Straße und das 'Domizil' sind fest in der Hand der LEDERJACKEN. Je härter die Zeiten, desto mehr Menschen suchen den Schutz einer Bande. Erst waren sie nur ein Haufen von Raufbolden. Hatten es vor allem auf Mutanten abgesehen. Mittlerweile ist das ganze Nordend in ihrer Hand. Läden zahlen gerne Schutzgeld. Wer zahlt ist sicher. Nicht nur vor den LEDERJACKEN selbst, sondern auch vor dem üblichen Gesindel.

Es dauert 'ne Weile, bis man merkt, dass das Ganze aus der Sicht von Jemandem erzählt wird. Das sollte im ersten Satz klar sein, sonst wirkt dieser Abschnitt wie ein Infodump und das stört.
Btw: LEDERJACKEN... also, als Gangname wäre ich da nicht begeistert. Wer sind ihre Rivalen, die KNICKERBOCKER? Aber das ist nur meine Meinung.

Zitat:

Sollte mich nicht in mehr Kneipenschlägereien einmischen. Angetrunkener, Messer in der Hand, ihm ist alles egal.

Das ist ein sehr guter Abschnitt. So etwas meine ich, wenn ich von beiger Prosa rede.

Ich hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen.

MfG
Azareon


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