14 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Winterkalender (sieben Lieder)


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Lyrik -> Feedback
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Feire Fiz
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 65
Beiträge: 58
Wohnort: Görlitz


BeitragVerfasst am: 24.01.2017 19:22    Titel: Winterkalender (sieben Lieder) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Winterkalender
 
   1 Der Baum vor meinem Fenster
   2 Regen
   3 Goldenes Weltalter
   4 jehí or wa-jehí or
   5 Wintersonne
   6 Im Wald
   7 Anbruch
  
  
  
   1
   Der Baum vor meinem Fenster
  
  
"Halten kann ich dich nicht länger
Licht! dem Gotteskeim entsprossen
Hab dein Übermaß genossen
Brich hervor aus meiner Enge!"
 
Ach wer wird der Feuerwälder
Tigeraugnes Gold verhüllen?
Schwester Wärme bräunt die Fülle
Wie ein altes Ölgemälde
 
Staunend schau ich auf und sehe
Leuchtend geht das Fest zur Neige
Honigtrunken steigt der Reigen
Um Aurora zu erspähen
 
Achtung! stachen spitze Blicke
Durch der Blätterwaben Gitter?
Sternenblitze Sonnensplitter
Rissen kalte grelle Lücken
 
Toter Schlangen wirr Gebälke
Starren schon in offnen Wunden
Baumfee will vom Stoff gesunden
Läßt zu Erde ihn verwelken
 
Willst in Licht den Geist verzücken
Du ohn Stundenglas und Hippe?
Kann ja durch dein schwarz Gerippe
In des Himmels Helle blicken!
 
 
 
   2
   Regen
 
 
Ihr seht der Wolken Mondesfleisch verbleichen
In Räumen ohne Ferne ohne Streben
Auf dem Asphalt hört ihr die Reifen kleben
Der Nässe Leim will jeden Schwung erweichen
 
Die Tropfen sprühen längs der Sonne Speichen
Ihr Spinnenrad verdreht des Tages Leben
Gardinengrau in grauen Lichtgeweben
Vernetzt der Wegewirrsal blindes Zeichen
 
Und wollt ihr nun in Zeugungen erblitzen?
Entladungen! die durch die Blutbahn stürmen
Geschleuderte! die sich in Kapseln schirmen
 
Geräderte! die Staub und Sterne schwitzen
Zufallgewürfelt in das Chaos münden -
Wer wird euch in dem Nebelschoß entzünden?
 
 
 
   3
   Goldenes Weltalter
 
 
Vergessen hast du schon die blasse Ahnung
Die dich befiel als Frost die Gluten mischte
Des Frühlings widerschreckende Ermahnung
Den roten Grund der Keime jäh erfrischte
 
Der Büsche Schwall zerbrach in dürren Schäumen
Das alte Meer in rosiger Entzündung
Der Fischer zieht sein Netz ein voll von Träumen
Die mürben Sprüche einer Engelskündung
 
Erwacht bist du zur Armut der Vollendung
Die spärlich letzten gelben Fingerzeige
Sind Tropfen dir saturnischer Verschwendung
Licht füllt den Kelch wenn du ihn leerst zur Neige
 
 
 
   4
   jehí or wa-jehí or
 
 
Das älteste der Wesen
Ein Wort im Geist gelesen
Des Geistes Sinngestalt
Die Raum und Leib durchkündet
Erscheinend sich empfindet
Im Sein Bewußtsein gründet
Das LICHT wird niemals alt!
 
 
 
   5
   Wintersonne
 
 
Willst du mich mit deinem harten Glanze
Mit der Zähne Lächeln überzeugen?
Schneeverjüngt blühst du im Wolkenreigen
Bis der Schleier lodert fort im Tanze
 
Abendrot entblößt von deinem Lachen
Muß zu früh dein Treiben offenlegen
Willst du deine Glut am Frost erregen?
All dein Licht erstarrt zum Blick des Drachen
 
Sieh! Der Möwenmäuler sichelscharfe
Lästerlippen schäumen wütendweißen
Speichel aus und ihre Zungen reißen
Silberstürme aus der Strahlenharfe
 
Deine Lust verraten ihre Lieder
Deines Schweigens gläserne Gefühle
Splittern durch die Konsonanzenmühle
Weichgemahlen flockt dein Leib hernieder
 
 
 
   6
   Im Wald
 
 
Das Leichentuch des Lichtes wird zerfallen
Aus schwarzer Fäulnis glänzt ein frischer Segen
Und aus zerscherbten Pfützen wäscht der Regen
Ein Lächeln von verschimmernden Kristallen
 
Die Schmelze läßt den klaren Schmerz verschwimmen
Im lauen Einerlei gelaßner Lüste
Und durch die filigranen Strauchgerüste
Löst sich ein Seufzer leiser Vogelstimmen
 
Dort von der Buche spiegeldunklen Häuten
Von austernrauhen Eichen und Robinien
Siehst du der Mutter perlmuttweiche Linien
In die planetenreifen Tropfen gleiten
 
Ihr Brunnenlied im Grabesschoß der Erde
Erfüllt die arabesken Himmelsrisse
Aromisch mit dem Trunk der Finsternisse
In Knospenmündern quillt es still Es-werde
 
 
 
   7
   Anbruch
 
 
Aus fernen Welten kommst du hergeschwirrt
Schon blinkt dein Gruß und in dem Zwitschernest
Des jungen Tages schlüpft ein Freudenfest
Ein Sonnenvogel der bald flügge wird
 
Der goldenen Leere himmelweites Dach
Zerspringt wie eine Eierschale bricht
Da schreckt von Angesicht zu Angesicht
Der Wärme Flügel mich und ich bin schwach
 
Wie hab ich dich ersehnt du süßes Wort
Erbettelt deiner Ankunft herben Klang
Des Winters Vorhalt dehnte sich zu lang
 
Da bricht herein dein duftender Akkord
Mein Herz verschlägt sich glücklich weh und bang
Zu deiner Blütenreinheit Schneegesang



_________________
sato bandhum asati nir avindan
hrdi pratishya kavayo manisha
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
purpur
Reißwolf


Beiträge: 1023



BeitragVerfasst am: 24.01.2017 20:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Feire Fitz,

ich bin verzückt,
mir fehlen die Worte!
Leider, aber
ich genieße,
gleich
nochmals!
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
Pia
Btterer Nachgeschmack,
das Baumsterben,
betrübt mich sehr.
Wie wahr doch...
"Das LICHT wird niemals alt!"


_________________
.fallen,aufstehen.
TagfürTag
FarbTöneWort
sammeln
nolimetangere
© auf alle Werke
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Feire Fiz
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 65
Beiträge: 58
Wohnort: Görlitz


BeitragVerfasst am: 24.01.2017 23:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Pia.
Das "Baumsterben" im ersten Gedicht meint "nur" den Herbst, wo letzlich das schwarze Gerippe dasteht.
Das Nie-alt-Werden des Lichts meint den schlichten physikalischen Sachverhalt, daß Licht immer nur als gegenwärtige Lichtausbreitung stattfindet: Im Unterschied zur Luft ist es mit seinem Ausbreitungsmedium identisch, deshalb altert es nicht, obwohl es der Erstling der Schöpfung ist. Ein metaphysisches Rätsel.
 
Es freut mich sehr, sehr!, wie es Dich "verzückt". Danke!


_________________
sato bandhum asati nir avindan
hrdi pratishya kavayo manisha
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
purpur
Reißwolf


Beiträge: 1023



BeitragVerfasst am: 24.01.2017 23:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Feire Fitz,

Dein Opus hab ich noch lange nicht
in seiner Umfänglichkeit begriffen,
höchstens "angedaut". Bastele gerade
in c4d eine Lichtregie in einer
Unterwasserwelt und Deine Worte
"das Licht wird nicht alt" spielt eine
entscheidende Rolle Wink dabei!
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
Pia

ps "Erstling der Schöpfung" ist auch
wunderbar Wink


_________________
.fallen,aufstehen.
TagfürTag
FarbTöneWort
sammeln
nolimetangere
© auf alle Werke
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Feire Fiz
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 65
Beiträge: 58
Wohnort: Görlitz


BeitragVerfasst am: 25.01.2017 14:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Erstling der Schöpfung" ist üblicherweise die Kurzfassung des Weisheisliedes in "Sprüche" (lat. "proverbia", gehört zur "salomonischen" Literatur des Alten Testaments) Kap. 8, Vers 22 ff mit dem Anfang:
"JHWH hat mich gehabt im Anfang seiner Wege".
 
Aber ich habe mich (bereits mit dem hebräischen Titel) auf das erste Schöpfungswort in Genesis 1 bezogen, wo es heißt: "Und es sprach Gottheit: Es werde Licht; und es ward Licht."


_________________
sato bandhum asati nir avindan
hrdi pratishya kavayo manisha
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 4714
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 01.02.2017 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

Auf Wunsch des Autors in den Feedback verschoben.

_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Lyrik -> Feedback Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Vorstellung nach sieben Jahren x40 Roter Teppich & Check-In 4 01.01.2020 11:11 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Land der sieben Träumer malu_vs Werkstatt 9 18.10.2019 10:11 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge briefing sieben Uhr dreißig Tula Werkstatt 7 01.06.2019 18:50 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge "Die Weisheit der Singfrauen&quo... A.F. Daring Einstand 6 01.08.2017 14:16 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Sieben Kammern Matthias Jecker Werkstatt 7 10.12.2016 01:11 Letzten Beitrag anzeigen


Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!