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Die Würfel sind gefallen


 
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Corydoras
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 38
Beiträge: 772
Wohnort: Niederösterreich


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

Damit hast du vorzüglich erklärt, warum ich Magie in Fantasy nicht leiden kann und warum ich in SF höchstens Hard Science Fiction ertrage. Laughing

Was das jetzt mit LP zu tun hat?
Ich würde es entweder genauer beschreiben oder den Zusatz "mit Gentechnik" gleich weglassen. Also ganz oder gar nicht, kein Zwischending. Damit sollten dann beide Fraktionen (die pedantischen Leser, und die denen die Details wurscht sind) zufrieden sein.


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nothingisreal
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4595
Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Corydoras hat Folgendes geschrieben:
Damit hast du vorzüglich erklärt, warum ich Magie in Fantasy nicht leiden kann und warum ich in SF höchstens Hard Science Fiction ertrage. Laughing

Was das jetzt mit LP zu tun hat?
Ich würde es entweder genauer beschreiben oder den Zusatz "mit Gentechnik" gleich weglassen. Also ganz oder gar nicht, kein Zwischending. Damit sollten dann beide Fraktionen (die pedantischen Leser, und die denen die Details wurscht sind) zufrieden sein.


Ich lese als jemand mit rudimentären wissenschaftlichen Kenntnissen unglaublich gerne Low SF und bin damit sehr glücklich. Für mich muss es eine logische Erklärung geben, die vielleicht so in der Zukunft existieren könnte, aber bitte nicht in Detail, ich will ja kein Sachbuch lesen.


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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Leveret Pale
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 23
Beiträge: 785
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BeitragVerfasst am: 14.09.2016 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bleibe bei meinem Zwischending, das ist noch zumindest irgendwo glaubwürdig und definitiv ein besserer Kompromiss, als gar nichts zu über die möglichen wissenschaftlichen Hintergründe und die Herkunft zu schreiben.
Für meine Eliriumsaga habe ich eine eigene Physik konzipiert, die Magie logisch macht, aber diesen Aufwand werde ich nicht für jede Geschichte betreiben.
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Leveret Pale
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 23
Beiträge: 785
Wohnort: Jenseits der Berge des Wahnsinns


BeitragVerfasst am: 27.09.2016 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

So, das ist der Anfang, den ich bisher ausgearbeitet habe. Vielleich wird das doch ein ganzer Roman. Das Potenzial hat es glaube ich. Was ist eure Meinung? Ist das Bild jetzt etwas klarer?


Tagebuch eines letzten Menschen


11. April 2137
Die Würfel sind gefallen
Es ist, als hätte die gesamte Menschheitsgeschichte, alle Kriege und Werke, Kämpfe und Eroberungen nur mit dem Ziel existiert, an diesen Punkt zu kommen. Als hätten unsere Vorfahren sich nur vermehrt und gelebt, damit ihr Stammbaum in dieser letzten Generation entweder aufblüht oder abstirbt. Es ist ein Spiel gewesen, bei dem die Gewinner alles kriegen und die Verlierer nichts als einen sanften Tod. Die Würfel sind gefallen, die Gesellschaft ist endgültig gespalten, und der untere, der abgeschnittene Teil wird entsorgt. Oben, in den künstlichen Paradiesen, der Skyline der Welt, herrschen die Übermenschen, durch Gentechnik und Informationstechnologie unsterblich und perfekt, Götter, thronend auf ihrem eigenen Olymp aus Glas, Silizium und Stahlbeton. Armeen aus Robotern, Androiden und Drohnen dienen ihnen als Sklaven, sodass sie nicht arbeiten müssen und sich vollständig dem Vergnügen, der Forschung und den Künsten widmen können, ganz wie es ihnen beliebt. Ihre Vorfahren haben richtig gehandelt, sodass sie nun alles besitzen und oben sind.
Und unten sind wir, die letzten Menschen, die in den dunklen Gassen im Schatten der zyklopischen Bauten vor uns hin modern. Unsere Vorfahren standen an der falschen Stelle in der Hierarchie der Welt, als die Würfel fielen. Hier unten gibt es nichts, keine Pflanze sprießt aus dem Beton, wir leben von Rationen und Narkotika, die uns von oben zugeworfen werden, kennen Jobs und Eigentum nur aus den Erzählungen unserer Großeltern. Wir vegetieren, niemand braucht uns, wir können nichts verändern, wir sind die Kakerlaken, die im Keller der Welt rumkriechen, während aus allen Fugen Insektizide dringen. Wir werden weniger, von Jahr zu Jahr, sterben langsam aus, seitdem das Programm vor fünfzehn Jahren die Zwangssterilisierung aller verbliebenen homo sapiens angeordnet hat. Die Menschheit und die Menschlichkeit werden aussterben, die Götter, die wir oder genauer unsere Vorfahren hervorgebracht haben, werden das Universum regieren und es nach ihrem Willen gestalten. Eines Tages werden sie vergessen, dass es uns gab, und werden glauben, von Anfang an dagewesen zu sein und das Universum erschaffen zu haben.
12. April 2137
Ich habe noch einmal durchgelesen, was ich gestern geschrieben habe. Was habe ich mir dabei eigentlich gedacht? Ich habe in dieses kostbare Notizbuch, eins dieser aus Papier, die nicht mehr hergestellt werden, hineingeschrieben. Mit einem sogenannten Kugelschreiber, ebenfalls eine Rarität, die vom Aussehen an die Touchpens erinnert, aber eine Spur aus Tinte hinterlässt, eine schwarze Flüssigkeit. Ich glaube, ich habe mir diese Utensilien vor zehn Jahren in einem Spezialgeschäft von dem wenigen Geld gekauft, das ich damals noch von meinem Erbe besessen habe. Mittlerweile habe ich gar kein Geld mehr, aber es gibt sonst nirgendwo Geld und Geschäfte mehr. Das Programm hat ja vor acht Jahren die endgültige Sozialisierung unserer Gesellschaft verkündet – was auch immer das sein soll.
Warum ich mir diese teuren Utensilien gekauft habe? Das war, nachdem ich dieses eine Buch gelesen habe, »1984« hieß es, oder so. Ich habe es um ehrlich zu sein nicht verstanden, nicht wirklich. Es ist sehr abstrakt, aber mir gefiel die Idee eines Tagebuches, wie es der Hauptcharakter darin führt. Vielleicht mochte ich diesen rebellischen Hauch, der von der Idee ausging, also kaufte ich mir die Sachen dazu, aber ich war all die Jahre zu träge, um mit dem Tagebuchführen anzufangen. Es gab ja auch nichts zu berichten, bis plötzlich mich gestern, und heute wieder, diese Melancholie und dieser sonderbare Schreibdrang ergriffen. Es fühlte und fühlt sich merkwürdig an, dieses Schreiben auf diesem Papier, befreiend, aber auch ungewohnt und irgendwie habe ich Angst, dass ich diesen Text verlieren könnte – er ist schließlich nur auf diesem dünnen Gewebe gespeichert, nicht im Netz. Und gleichzeitig bin irgendwie froh, dass das hier nicht digital abgespeichert und vom Programm analysiert wird. Ich bin froh, wie dieser heldenhafte Charakter in dem Roman, dass ich ein persönliches Geheimnis habe, auch wenn es total sinnlos ist. Die Sache ist verrückt. Und wenn ich darüber nachdenke, wird es noch schräger. Vor hundert Jahren noch, das weiß ich aus Büchern, haben viele Menschen täglich mit solchen Instrumenten Informationen festgehalten, und davor Jahrhunderte lang. Es gab gar keine Alternativen, gar keine Bildschirme oder Tastaturen.
Haben sogar wir, die Nichtgenetischmodifizierten, die Nichtgötter, die Bürger Klasse B, uns so sehr von unserer ursprünglichen Natur entfremdet? Was bedeutet es eigentlich noch ein Mensch zu sein? In den alten Büchern, die ich mir aus den Archiven der Internationalbibliothek heruntergeladen habe, scheint das Menschsein so… anders, bunter, manchmal tragischer und finster, aber selbst depressives Schwarz scheint mir eine lebendigere Farbe zu sein, als das Grau, in dem ich das Gefühl habe zu leben. Lebe ich überhaupt? Ich existiere, ich esse, ich habe Sex, ich erlebe Abenteuer in der VR-Maschine. Alle meine Bedürfnisse werde erfüllt, aber irgendetwas fehlt. Etwas Wahres, etwas Ursprüngliches, aber ich kann es nicht ausmachen. Oder? Vielleicht täusche ich mich.  Vielleicht denke ich einfach zu viel nach. Ich sollte mehr Sex haben, vielleicht bin dann ausgeglichener. Gina, so heißt mein persönlicher Gynoid, hat mir erst heute Morgen statistisch dargelegt, dass ich sie in den letzten Monaten immer weniger und seit zwei Wochen gar nicht mehr benutzt habe. Laut meinen Blutwerten habe ich auch zu wenig Serotonin. Sie hat meine Diät auf eine tryptophanreichere angepasst. Zusätzlich hat sie mir Antidepressiva oder alternativ dazu eine Dosis RLP-Mitragynin empfohlen, damit es mir besser geht und ich wieder Lust bekommen. Ich habe abgelehnt. Ich weiß nicht, ich fühle mich schlecht, verzweifelt, aber ich will mich nicht aus diesem Zustand befreien, zumindest nicht so. Es ist, als würde sich das Wahre oder das Fehlende, welches ich suche, langsam vor mir auftun und wenn ich mich nicht dem Leiden hingebe, sondern weiterlebe, so wie alle anderen, dann würde ich den Weg zu diesem Wahren wieder verlieren. Es ist kompliziert. Vielleicht werde ich verrückt, schizophren, aber nein, dann hätte man mich längst deportiert und geheilt. Nein, das ist es nicht. Ich bin nicht krank und ich fühle mich nicht krank, auch nicht psychotisch, im Gegenteil, ich fühle mich äußerst gesund und klar. Ich muss darüber nachdenke. Ich glaube, ich mach mal einen, wie hieß das nochmal, genau, einen Spaziergang draußen, nicht in einer VR. Ich war seit Monaten nicht mehr außerhalb meiner physischen Wohnung.
Am Abend
Ich habe ganz vergessen, wie es draußen ist, oder ich habe es erst heute wieder bewusst wahrgenommen. Anfangs fühlte ich mich etwas verunsichert. Ich schallte mich selber einen Idioten. Ich hätte in meiner gemütlichen Wohnung bleiben, etwas mit Gina Spaßen haben und dann ein paar Stunden in der VR Maschine verbringen können. Gemütlich ein paar Stunden durch die Dungeons von Dark Cycle wandern oder online mit meinen Cousins auf einem virtuellen See segeln gehen… aber nein, ich musste raus, die Realität endlich wieder wahrnehmen, den Boden unter den Füßen nach all den Jahren wieder spüren, ansonsten, so scheint es mir, wäre mein Kopf explodiert – auch wenn das eine unsinnige Vorstellung sein mag. Ich verließ die Wohnung und ging durchs Treppenhaus nach unten zur Straße. Es war absolut still, abgesehen von dem gelegentlichen Piepen und Zurren der Roboter, die die Wände und Böden entlangkrabbelten und durch die Luft sausten. In riesigen, dunklen Strömen schlängelten sich ihre Schwärme zwischen den schillernden Glasfassaden der Wolkenkratzer. Die Straßen waren abgesehen davon so gut wie ausgestorben. Gelegentlich raste ein vereinzeltes Fahrzeug vorbei und aus größerer Entfernung sah ich ein oder zwei Mal eine kleine Gruppe Menschen zusammen spazieren, aber ich verlor sie aus den Augen, während ich durch die Welt aus glänzenden, weißen Beton und Glas wanderte. Obwohl ich nicht mehr in meiner Wohnung war, fühlte ich mich nicht wirklich so, als wäre ich draußen. Ich fühlte mich freier, die Luft war frischer, gewiss. Aber trotzdem war ich irgendwie von der Welt losgelöst.
Alle zwanzig Meter stand ein künstlicher »Baum«, der den Weg beleuchtete und – laut den Informationseinblendungen vom Programm durch mein Glass-Augenimplantat – die Schadstoffe aus der Luft filterte und Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umwandelte. Ulkige Installationen. Die hatte es das letzte Mal, als ich draußen gewesen bin, noch nicht gegeben, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Das Programm arbeitet unermüdlich an der Perfektionierung unserer Welt, nein, korrigiere: Der Welt. Sie gehört ja nicht mehr uns, sondern eher gehören wir ihr und es. Dem Programm, der allwissenden KI, die vor fünfzig Jahren von den Vereinten Nationen installiert wurde und kurz darauf dieselben abgeschafft hat und seitdem die Erde und unsere die Kolonien auf Mond, Mars und den Jupitermonden regiert. Die Welt gehört den Göttern und ihrem Programm, das vor 15 Jahren beschloss, dass homo sapiens, also Wesen wie ich, sich nicht mehr vermehren dürfen. Nicht, dass wir das noch im großen Stil getan hätten. Meine Generation vergnügt sich am liebsten in der VR Maschine oder mit Androiden und Gynoiden. Sex mit einem anderen Menschen erscheint mir auch irgendwie ekelhaft. Wenn ich allein daran denke, was da an Krankheitserregern und Körpersäften ausgetauscht wird, schüttelt es mich. Und man müsste sich dafür auch erst einmal treffen. Schrecklich kompliziert. Deshalb habe ich es nie gemacht und mich einfach mit den vom Programm bereitgestellten Gynoiden begnügt. (Ob es so ist wie das ursprüngliche?) Die Generation meiner Eltern hingegen hatte noch keine kostenlosen Gynoiden, weswegen… Ich will eigentlich gar nicht so genau darüber nachdenken, aber jedenfalls haben meine Eltern mich gezeugt… wofür eigentlich? Keine Ahnung, ich habe seit Jahren nichts mehr von meiner Mutter gehört und Vater hat Suizid begannen, da war ich noch ein Teenager. Ich wurde in diese Welt geboren, in der es für meinesgleichen keine Verwendung und keine Zukunft gibt. Das hat auch das Programm festgestellt. Wir werden verköstigt, mit Sex, mit Drogen, mit Spaß und allem, schließlich sind wir Menschen, aber eigentlich sind wir nicht viel anders, als ein altersschwacher Mann, dem ein Medizinandroide zum Abschied eine palliative Mischung injiziert, damit er mit einem Lächeln auf seinen brüchigen Lippen und möglichst schnell in den Tod sinkt und eine halbe Stunde später ohne großes Aufheben von einem Roboter im Krematorium entsorgt werden kann.
Den Kopf mit solchen Gedanken schwanger, trottete ich über die stillen Straßen. Meine Gedanken schwankten von einer Überlegung zur nächsten und ich rief mir Dinge ins Gedächtnis, die ich in Büchern gelesen oder in der VR Maschine erlebt hatte und versuchte daraus zu konstruieren, was mir fehlen könnte, etwas, was es früher gab und nun nicht mehr. Zuerst fiel mir der Himmel ein. Ich kannte ihn zwar aus den VRs, aber ich hatte ihn nie in der Wirklichkeit gesehen.  Ich reckte den Kopf und blinzelte nach oben, aber dort sah ich nichts als die Signallichter und Konturen der Unterseite der Oberen Stadt. War es wirklich das, was mir fehlte? Der Himmel? Irgendein Gefühl sagte mir, dass es nicht das sein konnte. Der Himmel war viel zu trivial, zu simple, als das seine Abwesenheit mich derart beeinflussen könnte. Aber dann kam mir ein anderer Gedanke: Was wenn mir nicht nur eine Sache fehlte, sondern mein Gefühl des Fehlens und das Verlangen nach etwas Wahren das Resultat einer ganzen Matrix aus fehlenden Trivialitäten war? Vielleicht war es wirklich das. Vielleicht unterschätzte ich den Mangel an Himmel und den Mangel an Bewegung. Ich entschied, der Theorie eine Chance zu geben und beschloss, den echten Himmel aufzusuchen. Dazu musste ich in die Obere Stadt, dorthin wo die Klasse A Bürger, die Übermenschen, leben. Ich fragte das Programm über meine Implantate, nach dem Weg nach oben und bekam eine klare Antwort. In der süßen Stimme Ginas trug mir das Programm die Informationen aus dem Netz vor:
»Bürgern der Klasse B ist der Zutritt zu den oberen Leveln prinzipiell seit der Verordnung des Paragraph 1743a§§ aus dem Jahr 2134 nicht mehr gestattet. Für eine Sondergenehmigung wird eine persönliche Einladung durch einen Bürger der Klasse A oder ein triftiger Grund benötigt. Wollen Sie einen Antrag für eine Sondergenehmigung stellen?«
Ich zögerte. Mein Herz schlug plötzlich schneller und ich fühlte mich unwohl in meiner Haut, aber dann zwang ich mich zuzustimmen und krächzte ein »Ja«.
»Edgar Kodmani, Bürger der Klasse B, homo sapiens, ohne genetische Modifizierung, lediglich mit den Standardimplantaten im ZNS, Iris und linken Unterarm ausgestattet, alleinwohnend, ohne Beziehung. Sind das Sie?«
»Ja«, antwortete ich nervös. Warum fragte das Programm? Die Implantate konnten doch jederzeit anhand meiner DNA meine Identität feststellen.
»Haben Sie Verwandte oder Freunde, die Bürger der Klasse A sind?«
»Nein«
»Haben Sie Verwandte oder Freunde, die in den vergangenen fünf Jahren zur Rehabilitation deportiert wurden?«
»Nein«
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu den höheren Cityleveln?«
Ich zögerte. Mir war unwohl zumute. Ich fühlte mich, als würde ich ein Verbrechen begehen. Ein Gedankenverbrechen, wie es in dem Buch von damals geheißen hatte. Wie konnte ich wegen solcher lächerlichen Gründen verlangen in die Obere Stadt gelassen zu werden?
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu den höheren Cityleveln? Bereitet Ihnen diese Frage Unwohlsein? Ich verzeichne einen Anstieg an Stresshormonen in ihrem Blut. Wollen Sie ein Beruhigungsmittel?«
»Nein«, antwortet ich energisch und gab mir einen Ruck »Ich möchte in die Obere Stadt als Tourist. Ich würde sie gerne besichtigen und den Himmel sehen, einmal möchte ich in meinem Leben den echten Himmel sehen«
Für einen Moment schien es mir, als würde das Programm die Luft anhalten und irgendwo aus den kleinen Mikrochips in meinem Körper ein Surren dringen. Dann hörte ich ein Klicken und Ginas Stimme sagte: »Registriert. Wollen Sie etwas hinzufügen zu ihrem Antrag?«
»Nein, das wäre es«, antwortete ich.
»Bitte warten Sie, Bitte warten Sie, bitte warten Sie. Der Antrag wurde abgelehnt.«
»Oh«
»Wenn Sie den Himmel sehen wollen, empfehle Ich Ihnen das VR-Programm Astronautics. Eine realistische Simulation der Oberfläche des Mars, des Erdmondes und des Jupitermondes Europa. Inklusive eines Historymode, in dem Sie in den Charakter von Nil Armstrong schlüpfen und 1969 als erster Mensch den Erdmond betreten können.«
»Nein Danke, ich würde lieber etwas Reales erleben.«, und bevor das Programm noch etwas sagen konnte, befahl ich »Offlinemode aktivieren«
»Verstanden« Mit einen Piepen schalteten meine Implantate in den Offlinemodus. Ich war zum ersten Mal seit Monaten offline und es irritierte mich etwas, als die sonst stets präsenten Anzeigen über meinen gesundheitlichen Zustand und meinen Aufenthaltsort aus meinem Sichtfeld verschwanden, aber ich hatte ein starkes Verlangen nach Ruhe und das Gefühl, dass die Argumentierungen mich dabei nur stören würden.
Ich spazierte noch etwas herum und dachte, nach wusste aber nicht, wie ich weiter vorgehen sollte und entschloss mich letztendlich umzukehren. Ich fühlte mich niedergeschlagen und müde, wirklich müde. Meine Beine taten weh von der ungewohnten Belastung, aber irgendwie war das ein angenehmer Schmerz, ein wohlverdienter Schmerz. Mehr wie eine Belohnung, als eine Bestrafung. Obwohl der Tag objektiv ein Misserfolg war und ich genauso verloren und weglos dastehe, wie heute Morgen, habe ich das Gefühl, als würde ich mich in die richtige Richtung bewegen, weiter den Abgrund hinab der Wahrheit entgegen. Ich werde morgen weiter darüber nachdenken. Jetzt bin ich zu müde. Ich werde jetzt versuchen ohne die Hilfe einer (oder mehrerer) Pille Dihyd einzuschlafen. Das ist mir schon seit Jahren nicht mehr gelungen, aber irgendwie habe ich das Gefühl heute keine chemische Hilfe zu brauchen.

13. April 2137
Ich habe es! Ich weiß es, ich weiß, was ich suche, was mir fehlt, dieses sonderbare »Wahre«! Ich würde jubeln, wenn es nicht alles nur verkomplizieren würde. Es ist mir beim Frühstück eingefallen. Ich stand auf, wunderbar ausgeschlafen, wie seit Monaten nicht mehr und das ohne Schlafmittel, und fühlte mich ungewohnt geistig klar. Kaum, dass mir Gina den Frühstückbrei serviert hatte, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Es ist so offensichtlich und ich wundere mich noch immer, das es mir nicht davor eingefallen ist, es mir nicht auf der Zunge gelegen hat, obwohl mein Denken voller Indizien darauf ist: Was mir fehlt, ist ein Sinn und ein Zweck für meine Existenz!
Kaum hatte ich diese Erkenntnis und den Brei heruntergeschlungen, setzte ich mich auf einen Sitzsack und wollte mit dem Nachdenken über diese neue Erkenntnis beginnen: Woher sollte ich einen Sinn bekommen, wo konnte ich ihn finden und warum hatte ich keinen? Weiter als diese Anfangsfragen, kam ich nicht. Das Denken fiel mir zu schwer. Ich bin einfach nicht geübt darin, längere Zeit lang die Konzentration aufrechtzuerhalten und einen Gedanken zu folgen, schon gar nicht ohne die Hilfe eines informationsspeichernden Mediums wie diesem Notizbuch oder eines Tablets. Zusätzlich fragte mich Gina mehrmals, ob sie etwas für mich tun könnte, ob ich Sex oder Medikamente haben wollte. Ich verneinte und befahl ihr in ihren Schrank und für die nächsten Stunden offline zu gehen. Sie gehorchte. Sobald sie weg war, fühlte ich mich gleich freier. Ich stand noch einmal auf, ging zum Versorgungsspender und ließ mir ein Glas Wasser, etwas 4G-Adderall, um besser denken zu können, und noch eine kleine Portion Speisebrei ausgeben. Ich ließ mich erneut auf dem Sitzsack nieder, schlug die Beine übereinander, schluckte die Pille und während ich im Brei rumstocherte, begann ich ernsthaft nachzudenken. [...]
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Heidi
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Wohnort: Hamburg
Der goldene Durchblick


BeitragVerfasst am: 28.09.2016 22:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Leveret,

ich finde, da könntest du, wenn du Lust hast, gut was Größeres draus machen. Der alte Teil bietet sich wunderbar als Prolog an (mich hat der schon angesprochen, bevor du die neue Version eingestellt hast) und in den Tagebucheinträgen sind schöne Ansätze. Allerdings erklärst du zu viel - vermutlich auch, weil du den Text in tagebuchform geschrieben hast. Besser mit einer Szene anfangen (vielleicht die, wo er nach oben will, um den Himmel zu sehen). Die ganzen Informationen kannst du im Laufe der Geschichte häppchenweise einfließen lassen. Auch wäre es gut, wenn du genauer auf Begriffe wie VR Maschine oder Gynoiden eingehen würdest - in der Szene.

Vieles, was du hier ansprichst war schon bei der einen oder anderen Jugenddystopie Thema (zB. die Sache mit dem Papier in Ursula Poznanskis "Die Verratenen-Trilogie" oder Smartphone-Abhängigkeit/Überwachung in Eden Acadamy von Lauren Miller, um nur zwei Beispiele zu nennen; da gibts ja unendlich viele auf dem Markt), aber ich finde das macht nichts, wenn du die Handlung spannend aufbaust und interessante Figuren entwickelst.  

Leveret Pale hat Folgendes geschrieben:

12. April 2137
Ich habe noch einmal durchgelesen, was ich gestern geschrieben habe. Was habe ich mir dabei eigentlich gedacht? Ich habe in dieses kostbare Notizbuch, eins dieser aus Papier, die nicht mehr hergestellt werden, hineingeschrieben. Mit einem sogenannten Kugelschreiber, ebenfalls eine Rarität, die vom Aussehen an die Touchpens erinnert, aber eine Spur aus Tinte hinterlässt, eine schwarze Flüssigkeit. Ich glaube, ich habe mir diese Utensilien vor zehn Jahren in einem Spezialgeschäft von dem wenigen Geld gekauft, das ich damals noch von meinem Erbe besessen habe. Mittlerweile habe ich gar kein Geld mehr, aber es gibt sonst nirgendwo Geld und Geschäfte mehr. Das Programm hat ja vor acht Jahren die endgültige Sozialisierung unserer Gesellschaft verkündet – was auch immer das sein soll.


Ich habe in diesem Abschnitt mal alle habe markiert, weil es eindeutig zu viele sind. Versuche anders zu formulieren, das tut dem Stil gut. Oder wolltest du "umgangssprachlich" schreiben? Wenn das so ist, müsstest du die Sprache insgesamt lockerer gestalten und damit spielen und trotz allem ein paar weniger "habe", das nervt sonst beim Lesen.
 
Leveret Pale hat Folgendes geschrieben:

Sex mit einem anderen Menschen erscheint mir auch irgendwie ekelhaft. Wenn ich allein daran denke, was da an Krankheitserregern und Körpersäften ausgetauscht wird, schüttelt es mich. Und man müsste sich dafür auch erst einmal treffen. Schrecklich kompliziert.


Spannende Sache, und wenn man bedenkt, wie die Welt in immer größeren Schritten entkeimt wird, absolut topaktuell. Der markierte Satz wirkt aber etwas aufgesetzt.

Leveret Pale hat Folgendes geschrieben:

Kaum, dass mir Gina den Frühstückbrei serviert hatte, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Es ist so offensichtlich und ich wundere mich noch immer, das es mir nicht davor eingefallen ist, es mir nicht auf der Zunge gelegen hat, obwohl mein Denken voller Indizien darauf ist: Was mir fehlt, ist ein Sinn und ein Zweck für meine Existenz!


Diese Erkenntnis ist ein gutes Thema (oder das Thema überhaupt), bleib dran!

Liebe Grüße
Heidi
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V.K.B.
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Das goldene Rampenlicht Das silberne Boot
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BeitragVerfasst am: 28.09.2016 22:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Leveret,
erstmal ein paar Kleinigkeiten und Fehler, die mir aufgefallen sind.

Zitat:
Alle meine Bedürfnisse werde erfüllt
werden

Zitat:
Ich muss darüber nachdenke.
nachdenken

Zitat:
etwas mit Gina Spaßen haben
verstehe ich nicht. Meinst du "mit Gina etwas Spaß haben"?
Zitat:


Ich verließ die Wohnung und ging durchs Treppenhaus nach unten zur Straße.
Sind diese ganzen, ständig wiederkehrenden genauen Informationen wirklich nötig? Das liest sich gerade ziemlich anstrengend. Mir ist klar, du willst darstellen, wie dein Erzähler denkt, dass er viel denkt und an jedes Detail, wie akribisch er ist, aber den ein oder anderen Leser wirst du damit auf dem Weg verlieren.

Zitat:
Sie gehört ja nicht mehr uns, sondern eher gehören wir ihr und es. Dem Programm
ihm? dem Programm? Wie dem auch sei, an dieser Stelle holpert es sowieso stark.

Zitat:
zu simple, als das seine Abwesenheit mich derart beeinflussen könnte.
simpel im Deutschen, dass hier mit 2s

Zitat:
Ich spazierte noch etwas herum und dachte, nach wusste aber nicht,
und dachte nach, wusste aber…

Zitat:
Was mir fehlt, ist ein Sinn und ein Zweck für meine Existenz!
Hmmm, also als Erleuchtung nehme ich ihm das gerade nicht wirklich ab. Er hat schließlich den ganzen Tag eigentlich über nichts anderes nachgedacht.

Zitat:
schluckte die Pille und während ich im Brei rumstocherte, begann ich ernsthaft nachzudenken.
Hat er das nicht vorher auch schon getan?

Um jetzt was zum ganzen zu sagen, muss ich erst einmal anmerken, dass mir das Lesen zunehmend schwieriger fiel. Das ist alles stimmig, aber leider kommt eben gerade diese eine zentrale Eigenschaft der Welt deines Protagonisten beim Leser an (zumindest bei mir): Die innere Leere, die Langweile, die Sinnlosigkeit. Ich weiß jetzt zwar genau, wie er sich in seiner Welt fühlt, aber große Lust das weiterzulesen hätte ich nicht – jedenfalls nicht, wenn es so bleibt. Da passiert einfach zu wenig, viele der Gedankengänge sind trivial und zwar stimmig zu seiner Existenz, aber eben zu trivial, um einen Leser zu fesseln, der in einer interessanteren Welt lebt. Ich empfehle starkes Kürzen. Wenn es dir gelingt, den Text auf etwa ein Drittel seiner jetzigen Länge zu verdichten, könnte das Ganze interessant werden. Auch an der Länge der Sätze solltest du arbeiten, zumal dein Protagonist mit Stift auf Papier schreibt und keine Edit-Funktion hat. Ich kenne das Problem, ewig lange faseln ohne eigentlich voranzukommen und unnötige Mammutsätze zu fabrizieren kann ich selber auch ganz gut – und krieg auch jedes Mal einen rüber. Für einen selbst ist das alles okay und man fliegt beim Lesen nur so darüber, doch der Leser quält sich durch oder gibt auf.

Noch etwas ist mir aufgefallen: Die Beschreibung der Welt im ersten Eintrag und im Vergleich zum Rest, da liegt eine gravierende Diskrepanz dazwischen. Zuerst hatte ich den Eindruck eines heruntergekommenen Ghettos, eines Wastelands in dem die letzten Menschen dahinvegetieren. Keine Brave New World die alles zu bieten hat nur keinen Sinn. Das kommt erst im zweiten Eintrag rüber. Ich weiß nicht, ob das Absicht ist, aber ich würde es ändern, weil da zuerst ein ganz anderer Eindruck entsteht – ohne erkennbaren Mehrwert für Leser und Geschichte.

Versteh mich nicht falsch, das soll jetzt bestimmt kein Totalverriss sein, da habe ich schon wesentlich Schlimmeres gelesen. Nur mit den von mir angesprochenen Problemen nimmt es mir die Lust am Weiterlesen, was schade ist, weil ich die Welt sehr interessant finde und durchaus denke, dass das Ganze Potential hat.

Nur meine subjektive Sichtweise, ich hoffe da ist was Hilfreiches für dich dabei.

beste Grüße,
Veith


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scura
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BeitragVerfasst am: 30.09.2016 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Die Frage um die sich den Roman handelt ist ja dann quasi: Was ist der Sinn des Lebens?
Durchaus eine edle Frage. Hast du da selbst für dich eine Antwort parat?
Ich glaube nämlich die Geschichte wird sonst etwas lahm wenn du immer nur fragst aber nie antwortest... (und die Antworten können ja vielseitig sein: Kinder, Haustiere, Kunst, leben um zu leben, 42...) oder er macht sich auf die Reise, auf die Suche... bei den Göttlichen... vielleicht findet er dann auch nix...

Ach ja und es gab da mal eine soziologische Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal"... da wurde die Auswirkungen von Langzeitarbeitlosigkeit untersucht. Da war quasi ein ganzes Dorf erst plötzlich und dann langfristig arbeitslos... viele Bewohner sind passiv und depressiv geworden... haben Resigniert... an diese Studie muss ich immer denken wenn ich an deine Geschichte denke...
Aber der springende Punkt ist ja... diese Personen haben schon gearbeitet und ihnen wurde etwas weggenommen... deine Figur hat noch nie gearbeitet oder? Wieso kann er eigentlich lesen und schreiben? War er in einer Schule? Und wieso? Und bist du dir sicher, dass Menschen auch wenn sie wissen das sie übertrumpft werden nichts künstlerisches beginnen? Falls ja... wie erklärst du dir dann das Phänomen des Kunsthandwerks oder das manche einfach nette Aquarellbilder malen (auch ohne ein Picasso zu sein). Oder das was hier in diesem Forum viele machen... auch ohne ein Goethe oder Kafka zu sein? (Du verstehst was ich meine?)

Ach und wieso wurde deine Figur plötzlich von diesem Schreibdrang erfüllt? Gibt es da einen Auslöser? Weil er tut jahrelang nix. Und das Papier ist selten und teuer... und dann denkt er sich einfach so ach ich könnte doch einmal meine Gedanken aufs das teure und seltene Papier bringen... ich persönlich fände da einen zündenden Auslöser nett.


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Im blinzeln eines Augenblickes,
dein verhülltes Lächeln,
in dem mein ganzes Hoffen in die Zukunft liegt.
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Leveret Pale
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Wohnort: Jenseits der Berge des Wahnsinns


BeitragVerfasst am: 06.10.2016 19:56    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hast du da selbst für dich eine Antwort parat?

Ja.

Vielen Dank für all eure Einwände und Kommentare. Ich habe den Text nocheinmal überarbeitet, poliert und weiter daran geschrieben.

11. April 2137
Die Würfel sind gefallen.
Es ist, als hätte die gesamte Menschheitsgeschichte, alle Kriege und Werke, Kämpfe und Eroberungen nur mit dem Ziel existiert, an diesen Punkt zu kommen. Als hätten unsere Vorfahren sich nur vermehrt und gelebt, damit ihr Stammbaum in dieser letzten Generation entweder aufblüht oder abstirbt. Es ist ein Spiel gewesen, bei dem die Gewinner alles kriegen und die Verlierer nichts als einen sanften Tod. Die Würfel sind gefallen, die Gesellschaft ist endgültig gespalten, und der untere, der abgeschnittene Teil, wird schleichend entsorgt. Oben, in den künstlichen Paradiesen, der Skyline der Welt, herrschen die Übermenschen, durch Gentechnik und Informationstechnologie unsterblich und perfekt, Götter, thronend auf ihrem eigenen Olymp aus Glas, Silizium und Stahlbeton. Armeen aus Robotern, Androiden und Drohnen dienen ihnen als Sklaven, sodass sich vollständig dem Vergnügen, der Forschung und den Künsten widmen können, ganz wie es ihnen beliebt. Ihre Vorfahren haben richtig gehandelt, sodass sie nun alles besitzen und oben sind.
Und unten sind wir, die letzten Menschen, die in den dunklen Gassen im Schatten der zyklopischen Bauten vor uns hin modern. Unsere Vorfahren standen an der falschen Stelle in der Hierarchie der Welt, als die Würfel fielen. Hier unten gibt es nichts, keine Pflanze sprießt aus dem Beton, wir leben von Rationen und Narkotika, werden bedient, ruhiggestellt und bewacht von Sexsklavenrobotern, kennen Jobs und Eigentum nur aus den Erzählungen unserer Großeltern, das einzige Aufregende in unseren Leben sind die Abenteuer in den virtuellen Realitäten. Wir vegetieren, niemand braucht uns, wir können nichts verändern, wir sind die Kakerlaken, die im Keller der Welt rumkriechen und sich an den Speisen dort bis zur Bewegungsunfähigkeit fettfressen, während aus allen Fugen Insektizide dringen. Wir werden weniger, von Jahr zu Jahr, sterben langsam aus, seitdem das Programm vor fünfzehn Jahren die Zwangssterilisierung aller verbliebenen Homo sapiens angeordnet hat. Die Menschheit und die Menschlichkeit werden aussterben, die Götter, die wir oder genauer unsere Vorfahren hervorgebracht haben, werden das Universum regieren und es nach ihrem Willen gestalten. Eines Tages werden sie vergessen, dass es uns gab, und werden glauben, von Anfang an da gewesen zu sein und das Universum erschaffen zu haben.
12. April 2137
Ich habe mir noch einmal durchgelesen, was ich gestern geschrieben habe. Was dachte ich mir eigentlich dabei? Wann habe ich das überhaupt geschrieben? Es klingt so fremd und abstrakt. Meine Erinnerungen daran sind undeutlich, wie verrührt. Dieses Pathos ist für mich ungewöhnlich, es klingt, als würde ich in einem Elend vor mich hinvegetieren, dabei fehlt mir in Wirklichkeit nichts, zumindest physisch. Die ganzen Umstände sind bizarr.
Ich habe sinnloserweise in dieses kostbare Notizbuch, eins dieser aus Papier, die nicht mehr hergestellt werden, hineingeschrieben - und tue es hiermit schon wieder! Mit einem sogenannten Kugelschreiber, ebenfalls eine Rarität, die vom Aussehen an die Touchpens erinnert. Er hinterlässt eine Spur aus Tinte, eine schwarze Flüssigkeit, auf dem Gewebe. Es ist faszinierend.
 Ich glaube, ich habe mir diese Utensilien vor zehn Jahren in einem Spezialgeschäft von dem wenigen Geld gekauft, das ich damals noch von meinem Erbe übrig hatte. Mittlerweile habe ich gar kein Geld mehr, aber es gibt heutzutage sowieso nirgendwo Geld und Geschäfte. Das Programm hat ja vor acht Jahren die endgültige Sozialisierung unserer Gesellschaft verkündet – was auch immer das sein soll. Geld und Privateigentum sind so gut wie verschwunden, sogar meine Wohnung und mein Essen gehören dem Staat - oder dem Programm, ist ja dasselbe.
Warum ich mir diese teuren Utensilien gekauft habe? Das war, nachdem ich dieses eine Buch gelesen habe, »1984« hieß es, oder so. Ich habe es, um ehrlich zu sein, nicht verstanden, nicht wirklich. Es ist zu abstrakt, aber mir gefiel die Idee eines Tagebuches, wie es der Hauptcharakter darin führt. Vielleicht mochte ich diesen rebellischen Hauch, der von der Idee ausging. Ich war aber all die Jahre zu träge, um mit dem Tagebuchführen anzufangen. Es gab ja auch nichts zu berichten, bis plötzlich mich gestern, und heute wieder, dieser sonderbare Schreibdrang ergriff. Es fühlt sich merkwürdig an, das Schreiben auf Papier, befreiend und ungewohnt. Irgendwie verspüre ich Angst, dass ich diesen Text verlieren könnte – er ist nur auf diesem dünnen Gewebe gespeichert, nicht im Netz. Und gleichzeitig bin irgendwie froh, dass das hier nicht digital abgespeichert und vom Programm analysiert wird. Ich bin froh, wie dieser heldenhafte Charakter in dem Roman, dass ich ein persönliches Geheimnis habe, auch wenn es total sinnlos ist. Die Sache ist verrückt. Und wenn ich darüber nachdenke, wird es noch schräger. Vor hundert Jahren noch, das weiß ich aus Büchern, haben viele Menschen täglich mit solchen Instrumenten Informationen festgehalten, und davor Jahrhunderte lang. Es gab damals keine Alternativen, keine Bildschirme oder Tastaturen. Was für eine merkwürdige Welt das gewesen sein muss, oder ist unsere Welt merkwürdig? Vielleicht sind wir diese Merkwürdigkeit gewohnt, weil wir in ihr aufgewachsen sind, und erkennen sie nicht mehr als das, was sie ist?
Haben sogar wir, die Nichtgenetischmodifizierten, die Nichtgötter, die Bürger Klasse B, uns so sehr von unserer ursprünglichen Natur entfremdet? Was bedeutet es eigentlich noch ein Mensch zu sein? In den alten Büchern, die ich mir aus den Archiven der Internationalbibliothek heruntergeladen habe, scheint das Menschsein so… anders, bunter, manchmal tragischer und finster zu sein. Auf jeden Fall Interessanter. Selbst depressives Schwarz scheint mir eine lebendigere Farbe zu sein, als das Grau, in dem ich glaube zu leben. Lebe ich überhaupt? Ich existiere, ich esse, ich habe Sex mit einer Maschiene, ich erlebe Abenteuer in den virtuellen Realitäten. Alle meine Bedürfnisse werden erfüllt, aber irgendetwas fehlt. Etwas Wahres, etwas Ursprüngliches, aber ich kann es nicht ausmachen. Ich habe das Gefühl verzweifelt mit dem Fingernagel an einer Betonwand zu kratzen, hinter der die Antwort auf alles liegt. Oder? Vielleicht täusche ich mich und es gibt nichts hinter der Wand.  Vielleicht denke ich zu viel nach. Ich sollte mehr Sex haben, vielleicht bin dann ausgeglichener. Gina, so heißt mein persönlicher Gynoid, hat mir erst heute Morgen statistisch dargelegt, dass ich sie in den letzten Monaten immer weniger und seit zwei Wochen gar nicht mehr benutzt habe. Laut meinen Blutwerten habe ich einen niedrigen Serotoninspiegel. Sie hat meine Diät auf eine tryptophanreichere angepasst. Zusätzlich hat sie mir Antidepressiva oder alternativ dazu, eine Dosis RLP-Mitragynin empfohlen, damit es mir besser geht und ich wieder Lust bekommen. Ich habe abgelehnt. Ich weiß nicht, ich fühle mich schlecht, verzweifelt, aber ich will mich nicht aus diesem Zustand befreien, zumindest nicht so. Es ist, als würde sich das Wahre oder das Fehlende, welches ich suche, langsam vor mir auftun, desto länger ich leide und nachdenke. Wenn ich mich nicht dem Leiden hingebe, sondern weiterlebe und betäube, dann würde ich den Weg zu diesem Wahren wieder verlieren. Wenn ich lang genug kratze, so fülht es sich das an, könnte ich die Betonwand wegtragen, auch wenn meine Finger dabei anfangen zu bluten. Es ist kompliziert. Ich werde verrückt, schizophren, aber nein, dann hätte man mich längst deportiert und geheilt. Nein, das ist es nicht. Ich bin nicht krank und ich fühle mich nicht krank, schon gar nicht psychotisch, im Gegenteil, ich fühle mich äußerst gesund und klar. Ich muss darüber nachdenke. Ich glaube, ich gehe draußen spazieren, nicht in einer VR. Ich war seit Monaten nicht mehr außerhalb meiner physischen Wohnung.
Am Abend
Ich hatte vergessen, wie es draußen ist, oder es erst heute wahrgenommen.
Anfangs war ich verunsichert. Ich schallte mich einen Idioten. Ich hätte in meiner gemütlichen Wohnung bleiben, etwas Spaß mit Gina haben und dann ein paar Stunden in der VR Maschine verbringen können. Entspannt wäre ich durch die Dungeons von Dark Cycle gewandert oder wäre online mit meinen Cousins auf einem virtuellen See segeln gegangen - und hätte alles wieder vergessen, mich betäubt. Nein, ich musste raus, die Realität endlich wahrnehmen, den Boden unter den Füßen nach all den Jahren wieder spüren, ansonsten, so scheint es mir, wäre mein Kopf explodiert – auch wenn das eine unsinnige Vorstellung sein mag.
Ich verließ die Wohnung und trat auf die Straße. Es war absolut still, abgesehen von dem Piepen und Zurren der Roboter, die die Wände und Böden entlangkrabbelten und durch die Luft sausten. In dunklen Strömen schlängelten sich ihre Schwärme zwischen den schillernden Glasfassaden der Wolkenkratzer. Die Straßen waren, abgesehen davon, wie ausgestorben. Gelegentlich raste ein vereinzeltes Fahrzeug vorbei.  Aus größerer Entfernung sah ich ein oder zwei Mal eine kleine Gruppe Menschen zusammen spazieren, aber ich verlor sie aus den Augen, während ich durch die Welt aus glänzenden, weißen Beton und Glas wanderte. Obwohl ich nicht mehr in meiner Wohnung war, fühlte ich mich nicht wirklich so, als wäre ich draußen. Ich fühlte mich freier, die Luft war frischer, gewiss. Aber trotzdem, war ich irgendwie von der Welt losgelöst.
Alle zwanzig Meter stand ein künstlicher »Baum«, der den Weg beleuchtete und – laut den Informationseinblendungen vom Programm durch mein Glass-Augenimplantat – die Schadstoffe aus der Luft filterte und Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umwandelte. Ulkige Installationen. Die hatte es das letzte Mal, als ich draußen gewesen bin, noch nicht gegeben. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Das Programm arbeitet unermüdlich an der Perfektionierung unserer Welt, nein, korrigiere: Der Welt. Sie gehört ja nicht mehr uns, sondern eher gehören wir ihr und es. Dem Programm, der allwissenden KI, die vor fünfzig Jahren von den Vereinten Nationen installiert wurde und kurz darauf dieselben abgeschafft hat. Seitdem beherrscht ein von Bürgern der Klasse A kontrollierter Algorithmus die Erde und unsere die Kolonien auf Mond, Mars und den Jupitermonden. Die Welt gehört den Göttern und ihrem Programm, das vor 15 Jahren beschloss, dass homo sapiens, also Wesen wie ich, sich nicht mehr vermehren dürfen. Nicht, dass wir das noch im großen Stil getan hätten. Meine Generation vergnügt sich am liebsten in der VR Maschine oder mit Androiden und Gynoiden. Sex mit einem anderen Menschen erscheint mir auch irgendwie ekelhaft. Wenn ich allein daran denke, was da an Krankheitserregern und Körpersäften ausgetauscht wird, schüttelt es mich. Und man müsste sich dafür auch erst einmal treffen. Wen? Ich kenne ja niemanden persönlich. Deshalb habe ich es nie gemacht und mich einfach mit den vom Programm bereitgestellten Gynoiden begnügt. (Ob es so ist wie das ursprüngliche?) Die Generation meiner Eltern hingegen hatte noch keine kostenlosen Gynoiden, weswegen… Ich will eigentlich gar nicht so genau darüber nachdenken, aber jedenfalls haben meine Eltern mich gezeugt… wofür eigentlich? Keine Ahnung, ich habe seit Jahren nichts mehr von Mutter gehört und Vater hat Suizid begannen, da war ich noch ein Teenager. Ich wurde in diese Welt geboren, in der es für meinesgleichen keine Verwendung und keine Zukunft gibt. Das hat auch das Programm festgestellt. Wir werden verköstigt, mit Sex, mit Drogen, mit Spaß und allem, schließlich sind wir Menschen. Aber eigentlich sind wir nicht viel anders, als ein altersschwacher Mann, dem ein Medizinandroide zum Abschied eine palliative Mischung injiziert, damit er mit einem Lächeln auf seinen brüchigen Lippen und möglichst schnell in den Tod sinkt und eine halbe Stunde später ohne großes Aufheben von einem Roboter im Krematorium entsorgt werden kann.
Den Kopf mit solchen Gedanken schwanger, trottete ich über die stillen Straßen. Meine Gedanken schwankten von einer Überlegung zur nächsten und ich rief mir Dinge ins Gedächtnis, die ich in Büchern gelesen oder in der VR Maschine erlebt hatte und versuchte daraus zu konstruieren, was mir fehlen könnte, etwas, was es früher gab und nun nicht mehr. Zuerst fiel mir der Himmel ein. Ich kannte ihn zwar aus den VRs, aber ich hatte ihn nie in der Wirklichkeit gesehen.  Ich reckte den Kopf und blinzelte nach oben, aber dort sah ich nichts als die Signallichter und Konturen der Unterseite der Oberen Stadt. War es wirklich das, was mir fehlte? Der Himmel? Irgendein Gefühl sagte mir, dass es nicht das sein konnte. Der Himmel war viel zu trivial, als das seine Abwesenheit mich derart beeinflussen könnte. Aber dann kam mir ein anderer Gedanke: Was wenn mir nicht nur eine Sache fehlt, sondern mein Gefühl des Fehlens und das Verlangen nach etwas Wahren das Resultat einer ganzen Matrix aus fehlenden Trivialitäten war? Vielleicht war es wirklich das. Vielleicht unterschätzte ich den Mangel an Himmel und den Mangel an Bewegung. Ich entschied, der Theorie eine Chance zu geben und den echten Himmel aufzusuchen. Dazu musste ich in die Obere Stadt, dorthin wo die Klasse A Bürger, die Übermenschen, leben. Ich fragte das Programm über meine Implantate nach dem Weg nach oben und bekam eine klare Antwort. Mit der süßen Stimme Ginas trug mir das Programm die Informationen aus dem Netz vor:
»Bürgern der Klasse B ist der Zutritt zu den oberen Levels prinzipiell seit der Verordnung des Paragraphen 1743a§§ aus dem Jahr 2134 nicht mehr gestattet. Für eine Sondergenehmigung wird eine persönliche Einladung durch einen Bürger der Klasse A oder ein triftiger Grund benötigt. Wollen Sie einen Antrag für eine Sondergenehmigung stellen?«
Ich zögerte. Mein Herz schlug plötzlich schneller und ich fühlte mich unwohl in meiner Haut, aber dann zwang ich mich zuzustimmen und krächzte ein »Ja«.
»Edgar Kodmani, Bürger der Klasse B, homo sapiens, ohne genetische Modifizierung, lediglich mit den Standardimplantaten im Zentralnervensystem, Iris und linken Unterarm ausgestattet, alleinwohnend, ohne Beziehung. Sind das Sie?«
»Ja«, antwortete ich nervös. Warum fragte das Programm? Die Implantate konnten doch jederzeit anhand meiner DNA meine Identität feststellen.
»Haben Sie Verwandte bis zum dritten Grad oder Freunde, die Bürger der Klasse A sind?«
»Nein«
»Haben Sie Verwandte oder Freunde, die in den vergangenen fünf Jahren zur Rehabilitation deportiert wurden?«
»Nein«
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu den höheren Citylevel?«
Ich zögerte. Mir war unwohl zumute. Ich fühlte mich, als würde ich ein Verbrechen begehen. Ein Gedankenverbrechen, wie es in dem Buch von damals geheißen hatte. Wie konnte ich wegen solcher lächerlichen Gründen verlangen in die Obere Stadt gelassen zu werden?
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu den höheren Citylevel? Bereitet Ihnen diese Frage Unwohlsein? Ich verzeichne einen Anstieg an Stresshormonen in ihrem Blut. Wollen Sie ein Beruhigungsmittel?«
»Nein«, antwortet ich energisch und gab mir einen Ruck »Ich möchte in die Obere Stadt als Tourist. Ich würde sie gerne besichtigen und den Himmel sehen, einmal möchte ich in meinem Leben den echten Himmel sehen«
Für einen Moment schien es mir, als würde das Programm die Luft anhalten und irgendwo aus den kleinen Mikrochips in meinem Körper ein Surren dringen. Dann hörte ich ein Klicken und Ginas Stimme sagte: »Registriert. Wollen Sie etwas hinzufügen zu ihrem Antrag?«
»Nein, das wäre es«, antwortete ich.
»Bitte warten Sie, Bitte warten Sie, bitte warten Sie. Der Antrag wurde abgelehnt.«
»Oh«
»Wenn Sie den Himmel sehen wollen, empfehle Ich Ihnen das VR-Programm Astronautics. Eine realistische Simulation der Oberfläche der prähistorischen Erde, des Mars, des Erdmondes und des Jupitermondes Europa. Inklusive eines Historymode, in dem Sie in den Charakter von Nil Armstrong schlüpfen und 1969 als erster Mensch den Erdmond betreten können.«
»Nein Danke, ich würde lieber etwas Reales erleben.«, und bevor das Programm noch etwas sagen konnte, befahl ich »Offlinemode aktivieren«
»Verstanden« Mit einen Piepen schalteten meine Implantate in den Offlinemodus. Ich war zum ersten Mal seit Monaten offline. Es irritierte mich. Die sonst stets präsenten Anzeigen über meinen gesundheitlichen Zustand und meinen Aufenthaltsort verschwanden aus meinem Sichtfeld. Aber ich hatt das Gefühl, dass die Argumentierungen mich nur dabei stören würden nachzudenken.
Ich spazierte herum und dachte nach. Ich war ratlos, wie ich weiter vorgehen sollte und entschloss mich letztendlich umzukehren. Ich fühlte mich niedergeschlagen und müde, wirklich müde. Meine Beine taten weh von der ungewohnten Belastung. Irgendwie war es ein angenehmer Schmerz, ein wohlverdienter Schmerz. Mehr wie eine Belohnung, als eine Bestrafung. Obwohl der Tag objektiv ein Misserfolg war und ich genauso verloren und weglos dastehe, wie heute Morgen, habe ich das Gefühl, als würde ich mich in die richtige Richtung bewegen, weiter den Abgrund hinab und damit der Wahrheit entgegen. Ich werde morgen weiter darüber nachdenken. Jetzt bin ich zu müde. Ich werde versuchen ohne die Hilfe einer (oder mehrerer) Pille Dihyd einzuschlafen. Das ist mir schon seit Jahren nicht mehr gelungen, aber irgendwie habe ich das Gefühl heute keine chemische Hilfe zu brauchen.

13. April 2137
Ich habe es! Ich weiß es, ich weiß, was ich suche, was mir fehlt, dieses sonderbare »Wahre«! Ich würde jubeln, wenn es nicht alles nur verkomplizieren würde. Es ist mir beim Frühstück eingefallen. Ich stand auf, wunderbar ausgeschlafen, wie seit Monaten nicht mehr und das ohne Schlafmittel, und fühlte mich ungewohnt geistig klar. Kaum, dass mir Gina den Frühstückbrei serviert hatte, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Es ist so offensichtlich und ich wundere mich noch immer, dass es mir nicht davor eingefallen ist. Es muss mir auf der Zunge gelegen haben, denn, wenn ich jetzt meinen ersten Eintrag noch einmal lese, finde ich überall Indizien darauf: Was mir fehlt, ist ein Sinn und ein Zweck für meine Existenz!
Kaum hatte ich diese Erkenntnis und den Brei heruntergeschlungen, setzte ich mich auf einen Sitzsack und wollte mit dem Nachdenken über diese neue Erkenntnis beginnen: Woher sollte ich einen Sinn bekommen, wo konnte ich ihn finden und warum hatte ich keinen? Weiter als zu diesen Anfangsfragen, kam ich nicht. Das Denken fiel mir zu schwer. Ich bin nicht geübt darin, längere Zeit lang die Konzentration aufrechtzuerhalten und einen Gedanken zu folgen, schon gar nicht ohne die Hilfe eines informationsspeichernden Mediums wie diesem Notizbuch oder eines Tablets. Zusätzlich fragte mich Gina mehrmals, ob sie etwas für mich tun könnte, ob ich Sex oder Medikamente haben wollte. Ich verneinte und befahl ihr, in ihren Schrank und für die nächsten Stunden offline zu gehen. Sie gehorchte.
Sobald sie weg war, fühlte ich mich gleich freier. Ich stand auf, ging zum Versorgungsspender und ließ mir ein Glas Wasser, etwas 4G-Adderall, um besser denken zu können, und noch eine kleine Portion Speisebrei ausgeben. Ich ließ mich erneut auf dem Sitzsack nieder, schlug die Beine übereinander, schluckte die Pille und während ich im Brei rumstocherte, begann ich ernsthaft nachzudenken. Nach kurzer Zeit machte sich die Wirkung der Amphetamine auf meinen Geist bemerkbar. Ich hatte zuvor das Präparat nur wegen der stimmungssteigernden Effekte genommen, oder länger in VR Spielen mitmachen zu können, aber jetzt bemerkte ich auch die leistungssteigernde Wirkung, wie sie von den letzten Schriftstellern im ausgehenden 21. Jahrhunderts zelebriert wurde. Meine Gedanken nahmen Struktur an und rasselten in einer berauschenden Geschwindigkeit durch meinen Verstand, verformten sich, zerlegten sich und erschufen sich neu. Was ist überhaupt »Sinn«? Ich dachte zurück an meine Schulzeit. Ich war in einem der letzten Jahrgänge gewesen, die noch auf eine öffentliche Schule gingen, bevor die Schulpflicht abgeschafft worden war. Ich hatte in diesen Jahren viel geschwänzt und mich herumgetrieben, genauso wie meine Mitschüler und Lehrer, aber ich weiß, dass vor allem Definitionen uns ohne Ende eingetrichtert worden waren. Vor allem zu den vielen postmodernen und neuzeitlichen Strömungen. Aber eine Definition von »Sinn«? Daran konnte ich mich nicht erinnern.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 07.10.2016 01:11    Titel: Antworten mit Zitat

Also, der Anfang kommt jetzt klarer rüber, wo wir sofort wissen, dass die Klasse B Bürger eigentlich alles haben, was sie brauchen. Nur eben keinen Sinn. Das Wort "modern" ist noch übrig und kling nach wie vor eher nach äußerlichem Verfall und stört mich hier. Ihr Leben hat eher was von "schlafwandeln" als von "modern". Das Bild der Pestizide erschließt sich mir auch nicht ganz, oder versuchen die Bürger Klasse A bzw Das Programm aktiv, sie zu dezimieren?

Gut gefallen hat mir das Bild mit dem Kratzen an der Betonwand, die man vielleicht irgendwann durchbrechen könnte. Auch die restlichen Gedanken sind im Mittelteil deutlicher geworden.

Schön auch die Änderungen am Schluss, die Lehrer der letzten Generation, die genauso wie ihre Schüler schwänzen. Alles wird eben bedeutungslos, wenn man alles hat.

Ich kann mir nicht helfen, aber je öfter ich das lese, desto weniger lese ich eine Zukunftsvision, sondern immer mehr eine Parabel auf unsere heutige Konsumgesellschaft. Es scheint mir fast, als ob wir die Klasse A Götter überhaupt nicht brauchen, im so zu werden wie die Klasse B Bürger. Ersetze die Gynoiden durch Prostituierte, die VR durch PS4+3D Headset und das Dahinvegetieren zuhause durch das Dahinvegetieren im Büro-Cubicle und willkommen im modernen Tokyo. Deprimierend irgendwie.


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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 18.10.2016 17:09    Titel: Antworten mit Zitat

Okay. Entschuldigung erst einmal, dass ich nicht auf Fragen und Einwände geantwortet habe. Ich hatte schlicht kaum Zeit, und die wenige, die ich hatte, habe ich dafür verwendet, um diese Geschichte hier fertig zu schreiben. Die Rohfassung ist fertig und hat einen Umfang von ca. 10 000 Wörtern, weshalb ich sie nicht mehr hier rein stellen werde.


Zitat:

Zitat:
12. April 2137
Ich habe noch einmal durchgelesen, was ich gestern geschrieben habe. Was habe ich mir dabei eigentlich gedacht? Ich habe in dieses kostbare Notizbuch, eins dieser aus Papier, die nicht mehr hergestellt werden, hineingeschrieben. Mit einem sogenannten Kugelschreiber, ebenfalls eine Rarität, die vom Aussehen an die Touchpens erinnert, aber eine Spur aus Tinte hinterlässt, eine schwarze Flüssigkeit. Ich glaube, ich habe mir diese Utensilien vor zehn Jahren in einem Spezialgeschäft von dem wenigen Geld gekauft, das ich damals noch von meinem Erbe besessen habe. Mittlerweile habe ich gar kein Geld mehr, aber es gibt sonst nirgendwo Geld und Geschäfte mehr. Das Programm hat ja vor acht Jahren die endgültige Sozialisierung unserer Gesellschaft verkündet – was auch immer das sein soll.

Ich habe in diesem Abschnitt mal alle habe markiert, weil es eindeutig zu viele sind. Versuche anders zu formulieren, das tut dem Stil gut. Oder wolltest du "umgangssprachlich" schreiben? Wenn das so ist, müsstest du die Sprache insgesamt lockerer gestalten und damit spielen und trotz allem ein paar weniger "habe", das nervt sonst beim Lesen.

Hmm, eigentlich habe ich nur versucht ganz normal zu schreiben. Hier ist der Perfekt und damit die vielen "haben" doch eigentlich richtig, oder? Ich versuche das etwas umzuformulieren.

Zitat:

Ich kann mir nicht helfen, aber je öfter ich das lese, desto weniger lese ich eine Zukunftsvision, sondern immer mehr eine Parabel auf unsere heutige Konsumgesellschaft. Es scheint mir fast, als ob wir die Klasse A Götter überhaupt nicht brauchen, im so zu werden wie die Klasse B Bürger. Ersetze die Gynoiden durch Prostituierte, die VR durch PS4+3D Headset und das Dahinvegetieren zuhause durch das Dahinvegetieren im Büro-Cubicle und willkommen im modernen Tokyo. Deprimierend irgendwie.

Als Parabel war das nie gedacht und um ehrlich zu sein, sehe ich es auch nicht ganz so, auch wenn es viele Parallelen gibt. Dahinvegetieren zuhause ist ein hedonistisches Betäuben, während das Dahinvegetieren im Büro Arbeit ist - entfremdete, anstrengen und sinnlose, aber auf jeden Fall was anderes, als der Brave New World Dauerurlaub. Auch fehlt in der Welt von 2137 etwas Relevantes: Es werden keine Ideen mehr konsumiert und es gibt keine Wirtschaft mehr, weil Güter kostenlos geworden sind. Die Menschheit wurde seit jeher von Ideen gelenkt und durchgerüttelt. Früher war die Idee eines "Gottes" maßgebend, danach die Idee des "Äthers", die Ideen des "Absolutismus", dann die von "Freiheit" , "Gleichheit", "Nationalismus", "Kommunismus", "Demokratie","Verfassung", "Gesellschaftsvertrag", heutzutage noch dazu die Idee einer Marke, wie Apple, oder einer Einstellung wie "Veganismus", "Vegetarismus", "Fitnesswahn"... Immer entwickeln und konsumieren Menschen neue Ideen, durch die sie ihre Welt wahrnehmen, beurteilen und gestalten und damit auch das Rad der Weiterentwicklung, der Wirtschaft und der Geschichte in Schwung halten. In der Welt meiner Geschichte ist die Suche bzw. das Erfinden von neuen Ideen de facto zum erliegen gekommen. Die Menschen haben sich in ihre kleinen Wohnungen verkrochen, es gibt keine sozialen Bewegungen, keine konkrete Regierung, nix, keine soziologische oder philosophische Entwicklung. Die Welt steht still. Unsere ist hingegen noch ziemlich laut und geradezu besessen von neuen Ideen, die in Form von Hashtags in Sekundenschnelle neuentstehen und wieder verfallen. Der Kampf AfD vs aufgeklärte Menschen, ist z.B. auch ein Kampf der Ideen.

Zitat:
Nur meine subjektive Sichtweise, ich hoffe da ist was Hilfreiches für dich dabei.

Ja definitiv. Eure Kommentare waren sehr inspirierend. Danke!
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Der goldene Durchblick


BeitragVerfasst am: 18.10.2016 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Leveret Pale hat Folgendes geschrieben:

Hmm, eigentlich habe ich nur versucht ganz normal zu schreiben. Hier ist der Perfekt und damit die vielen "haben" doch eigentlich richtig, oder? Ich versuche das etwas umzuformulieren.


Das ist schon richtig. Natürlich kannst du auch so formulieren, wie du es getan hast, meine Vorschläge sind subjektiv - also, so wie ich an den Text herangehen würde. Wenn es meine Geschichte wäre, würde ich versuchen anders zu formulieren, um solche Wiederholungen zu vermeiden.
Durch die ich-habe-Wiederholungen klingt deine Geschichte so, als würde dein Erzähler das mal eben einem Freund schildern und nicht so sehr literarisch. Das heißt selbstverständlich nicht, dass das schlecht ist. Es ist Geschmackssache (und bisher bin ich die einzige Person, die dich darauf hingewiesen hat, sonst hat es niemanden gestört). Ich persönlich finde halt, dass, wenn man einen eher umgangssprachlichen Stil beabsichtigt, das auch sitzen muss (also, dass im gesamten Text mit "einfachen" Ausdrücken gespielt wird). Das aber ist, wie gesagt, meine subjektive Ansicht.

Hast du denn jetzt was Größeres damit vor, oder belässt du es dabei?

Liebe Grüße
Heidi
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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 19.10.2016 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Das ist schon richtig. Natürlich kannst du auch so formulieren, wie du es getan hast, meine Vorschläge sind subjektiv - also, so wie ich an den Text herangehen würde. Wenn es meine Geschichte wäre, würde ich versuchen anders zu formulieren, um solche Wiederholungen zu vermeiden.

Ich stimme dir komplett zu, bezüglich des Umformulieren, ich wollte nur sicher gehen, dass, das, was ich bereits geschrieben hatte, grammatikalisch richtig war. Ging irgendwie nichts ganz klar aus deinem Beitrag hervor.

Also ich habe die Rahmenhandlung fertig, mit ca. 10 000 Wörtern. Ich überlege mir, ob ich das jetzt noch strecke ausbaue, oder es dabei belasse und einfach noch etwas rumpoliere. Ich lasse es mal meine Testleser gegenlesen, was sie meinen und entscheid dann.
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Federfarbenfee
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BeitragVerfasst am: 19.10.2016 23:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Idee faszinierend und die Umsetzung unterhaltsam. Würde auf jeden Fall weiter lesen! Auch dein Zwischending aus "Wissenschaft und Unerklärlichem" stößt mir keineswegs sauer auf.

Dieser kleine Faux-Pas möchte aber bitte ausgemerzt werden Wink:

"Ich schallte mich einen Idioten."

Viele Grüße von
Mary
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 20.10.2016 21:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stieß gerade nach längerer DSFO-Abstinenz auf diesen Text. Der Erstentwurf hat mich so gefesselt, dass ich den ganzen Thread zumindest überflogen habe.

Mich erinnert das Setting an "Future" von Dmitry Glukhovsky. Ich fand das Buch recht gut und bin der Meinung, dass man auch mit einem fest vorgegebenen Anti-Happy-End einen ganz guten Roman machen kann.

Die Überarbeitungen haben mir, ehrlich gesagt, weniger gefallen, da zu viel philosophischer und technologischer Input.

Was ich damit sagen will ist: Die Idee ist richtig toll und ich finde, eine Kurzgeschichte wird dem nicht gerecht. Ich möchte dich zu einem Roman ermutigen, ich bin der Meinung, das ist hier durchaus möglich.
Sollte mal gesagt werden...


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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

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Leveret Pale
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Wohnort: Jenseits der Berge des Wahnsinns


BeitragVerfasst am: 24.10.2016 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:


Mich erinnert das Setting an "Future" von Dmitry Glukhovsky.

Hmm, ich kenne von D.G. nur Metro 2033, Metro 2034 und Metro 2035. Vielleicht werde ich mal in Future reinlesen. Aber eigentlich, und das merkt man vielleicht auch meinem Text, bin ich kein Science-Ficiton Leser und damit normalerweise kein SciFi Autor. Ich interessiere mich eher für Psychologie und Philosophie und nur hobbymäßig etwas für Informatik. Entsprechend hatte ich  beim Schreiben eher Sartres "Der Ekel" irgendwo im Hinterkopf gehabt, als irgendein SciFi Buch.
Was wohl auch daran schuld ist:
Zitat:
Die Überarbeitungen haben mir, ehrlich gesagt, weniger gefallen, da zu viel philosophischer und technologischer Input.

Zitat:

Was ich damit sagen will ist: Die Idee ist richtig toll und ich finde, eine Kurzgeschichte wird dem nicht gerecht. Ich möchte dich zu einem Roman ermutigen, ich bin der Meinung, das ist hier durchaus möglich.
Sollte mal gesagt werden...

Danke. Ich werde wahrscheinlich früher oder später in dem Setting noch ein paar Geschichten schreiben, allerdings hat dieser Charakter und seine Handlung bereits nach 60 Seiten ihr Potenzial komplett erschöpft, weshalb ich es bei dieser Geschicht erstmal dabei belasse.
Zitat:

Ich finde die Idee faszinierend und die Umsetzung unterhaltsam. Würde auf jeden Fall weiter lesen! Auch dein Zwischending aus "Wissenschaft und Unerklärlichem" stößt mir keineswegs sauer auf.

Dieser kleine Faux-Pas möchte aber bitte ausgemerzt werden

Danke und Danke für den Hinweis auf den Faux-Pas.

Meine Testleser sind übrigens mit dem Manuskript durch und sie sind einstimmig der Meinung, dass das die bisher beste Geschichte von mir wäre, die ich ihnen vorgelegt hätte. Auf jeden Fall um Welten besser, als das Manuskript des zweiten Elirium-Saga Bands...
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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 24.10.2016 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

So, neu überarbeiteter und etwas längerer Ausschnit des Texts. (ungefähr die ersten 40%)

11. April 2137

Die Würfel sind gefallen.
Es ist, als hätte die gesamte Menschheitsgeschichte, alle Kriege und Werke, Kämpfe und Eroberungen, nur mit dem Ziel existiert, an diesen Punkt zu kommen. Als hätten unsere Vorfahren sich nur vermehrt und gelebt, damit ihr Stammbaum in dieser letzten Generation entweder aufblüht oder abstirbt. Es ist ein Spiel gewesen, bei dem die Gewinner alles kriegen und die Verlierer nichts als einen sanften Tod. Die Würfel sind gefallen, die Gesellschaft ist endgültig gespalten, und der untere, der abgeschnittene Teil, wird schleichend entsorgt. Oben, in den künstlichen Paradiesen, der Skyline der Welt, herrschen die Übermenschen, durch Gentechnik und Informationstechnologie unsterblich und perfekt, Götter, thronend auf ihrem eigenen Olymp aus Glas, Silizium und Stahlbeton. Armeen aus Robotern, Androiden und Drohnen dienen ihnen als Sklaven, sodass sie sich vollständig dem Vergnügen, der Forschung und den Künsten widmen können, ganz wie es ihnen beliebt. Ihre Vorfahren haben richtig gehandelt, sodass sie nun alles besitzen und oben sind.
Und unten sind wir, die letzten Menschen, die in den dunklen Gassen im Schatten der zyklopischen Bauten vor uns hin modern. Unsere Vorfahren standen an der falschen Stelle in der Hierarchie der Welt, als die Würfel fielen. Hier unten gibt es nichts, keine Pflanze sprießt aus dem Beton, wir leben von Rationen und Narkotika, werden bedient, ruhiggestellt und bewacht von Sexsklavenrobotern. Wir kennen Jobs und Eigentum nur aus den Erzählungen unserer Großeltern; das einzige Aufregende in unseren Leben sind die Abenteuer in den virtuellen Realitäten. Wir vegetieren, niemand braucht uns, wir können nichts verändern, wir sind die Kakerlaken, die im Keller der Welt rumkriechen und sich an den Speisen dort bis zur Bewegungsunfähigkeit fettfressen, während aus allen Fugen Insektizide dringen. Wir werden von Jahr zu Jahr weniger, sterben langsam aus, seitdem das Programm vor fünfzehn Jahren die Zwangssterilisierung aller verbliebenen Homo sapiens angeordnet hat. Die Menschheit und die Menschlichkeit werden aussterben, die Götter, die wir oder genauer unsere Vorfahren hervorgebracht haben, werden das Universum regieren und es nach ihrem Willen gestalten. Eines Tages werden sie vergessen, dass es uns gab, und werden glauben, von Anfang an da gewesen zu sein und das Universum erschaffen zu haben.
Das ist absurd.
 
12. April 2137
Ich habe mir noch einmal durchgelesen, was ich gestern geschrieben habe. Was dachte ich mir eigentlich dabei? Wann habe ich das überhaupt geschrieben? Es klingt so fremd und abstrakt. Meine Erinnerungen daran sind undeutlich, wie verrührt. Dieses Pathos ist für mich ungewöhnlich, es klingt, als würde ich in einem Elend vor mich hinvegetieren, dabei fehlt mir in Wirklichkeit nichts, zumindest physisch. Die ganzen Umstände sind bizarr.
Ich habe sinnloserweise in dieses kostbare Notizbuch hineingeschrieben. Es ist eins dieser aus Papier, die nicht mehr hergestellt werden. Und ich schreibe hiermit schon wieder hinein! Auch wenn es jetzt natürlich keinen Unterschied mehr macht. Ich tue es mit einem sogenannten Kugelschreiber, ebenfalls eine Rarität, die vom Aussehen an die Touchpens erinnert. Er hinterlässt eine Spur aus Tinte, eine schwarze Flüssigkeit, auf dem Gewebe. Es ist faszinierend.
Es ist so faszinierend, dass ich nicht damit aufhören will, auch wenn ich eigentlich nichts zum Niederschreiben habe.
Ich glaube, ich habe mir diese Utensilien vor zehn Jahren in einem Spezialgeschäft von dem wenigen Geld gekauft, das ich damals noch von meinem Erbe übrig hatte. Mittlerweile habe ich gar kein Geld mehr, aber es gibt heutzutage sowieso nirgendwo Geld und Geschäfte. Das Programm hat ja vor acht Jahren die endgültige Sozialisierung unserer Gesellschaft verkündet – was auch immer das sein soll. Geld und Privateigentum sind so gut wie verschwunden, sogar meine Wohnung und mein Essen gehören dem Staat - oder dem Programm, ist ja dasselbe.
Warum ich mir diese teuren Utensilien gekauft habe? Das war, nachdem ich dieses eine Buch gelesen habe, »1984« hieß es, oder so. Ich habe es, um ehrlich zu sein, nicht verstanden, nicht wirklich. Es ist zu abstrakt, aber mir gefiel die Idee eines Tagebuches, wie es der Hauptcharakter darin führt. Vielleicht mochte ich diesen rebellischen Hauch, der von der Idee ausging. Ich war aber all die Jahre zu träge, um mit dem Tagebuchführen anzufangen. Es gab ja auch nichts zu berichten, bis plötzlich mich gestern, und heute wieder, dieser sonderbare Schreibdrang ergriff.
Es fühlt sich merkwürdig an, das Schreiben auf Papier, befreiend und ungewohnt. Irgendwie verspüre ich Angst, dass ich diesen Text verlieren könnte – er ist nur auf diesem dünnen Gewebe gespeichert, nicht im Netz. Und gleichzeitig bin irgendwie froh, dass das hier nicht digital abgespeichert und vom Programm analysiert wird. Ich bin froh, wie dieser heldenhafte Charakter in dem Roman, dass ich ein persönliches Geheimnis habe, auch wenn es total sinnlos ist. Die Sache ist verrückt. Und wenn ich darüber nachdenke, wird es noch schräger. Vor hundert Jahren noch, das weiß ich aus Büchern, haben viele Menschen täglich mit solchen Instrumenten Informationen festgehalten, und davor Jahrhunderte lang. Es gab damals keine Alternativen, keine Bildschirme oder Tastaturen. Was für eine merkwürdige Welt das gewesen sein muss. Oder ist unsere Welt merkwürdig? Vielleicht sind wir diese Merkwürdigkeit gewohnt, weil wir in ihr aufgewachsen sind, und erkennen sie nicht mehr als das, was sie ist?
Haben sogar wir, die Nichtgenetischmodifizierten, die Nichtgötter, die Bürger Klasse B, uns so sehr von unserer ursprünglichen Natur entfremdet? Was bedeutet es eigentlich noch ein Mensch zu sein? In den alten Büchern, die ich mir aus den Archiven der Internationalbibliothek heruntergeladen habe, scheint das Menschsein so… anders, bunter, manchmal tragischer und finster zu sein. Auf jeden Fall Interessanter. Selbst depressives Schwarz scheint mir eine lebendigere Farbe zu sein, als das Grau, in dem ich glaube zu leben.
Lebe ich überhaupt? Ich existiere, ich esse, ich habe Sex mit einer Maschine, ich erlebe Abenteuer in den virtuellen Realitäten. Alle meine Bedürfnisse werden erfüllt, aber irgendetwas fehlt. Etwas Wahres, etwas Ursprüngliches, aber ich kann es nicht ausmachen. Ich habe das Gefühl verzweifelt mit dem Fingernagel an einer Betonwand zu kratzen, hinter der die Antwort auf alles liegt. Oder? Vielleicht täusche ich mich und es gibt nichts hinter der Wand.  Vielleicht denke ich zu viel nach. Ich sollte mehr Sex haben, vielleicht bin ich dann ausgeglichener.
Gina, so heißt mein persönlicher Gynoid , hat mir erst heute Morgen statistisch dargelegt, dass ich sie in den letzten Monaten immer weniger und seit zwei Wochen gar nicht mehr benutzt habe. Laut meinen Blutwerten habe ich einen niedrigen Serotoninspiegel. Sie hat meine Diät auf eine tryptophanreichere angepasst. Zusätzlich hat sie mir Antidepressiva oder alternativ dazu, eine Dosis RLP-Mitragynin empfohlen, damit es mir besser geht und ich wieder Lust bekomme. Ich habe abgelehnt. Ich weiß aber nicht wirklich warum. Ich fühle mich schlecht, verzweifelt, aber ich will mich nicht aus diesem Zustand befreien, zumindest nicht so. Es ist, als würde sich das Wahre oder das Fehlende, welches ich suche, langsam vor mir auftun, je länger ich leide und nachdenke. Wenn ich mich nicht dem Leiden hingebe, sondern einfach weiterleben und mich betäuben würde, dann würde ich den Weg zu diesem Wahren wieder verlieren.
Wenn ich lang genug kratze, so fühlt es sich an, könnte ich die Betonwand wegtragen, auch wenn meine Finger dabei anfangen zu bluten. Es ist kompliziert. Ich werde verrückt, schizophren, aber nein, dann hätte man mich längst deportiert und geheilt. Nein, das ist es nicht. Ich bin nicht krank und ich fühle mich nicht krank, schon gar nicht psychotisch, im Gegenteil, ich fühle mich äußerst gesund und klar. Ich muss darüber nachdenke. Ich glaube, ich gehe draußen spazieren, nicht in einer VR. Ich war seit Monaten nicht mehr außerhalb meiner physischen Wohnung.
Am Abend
Ich hatte vergessen, wie es draußen ist, oder es erst heute wahrgenommen.
Anfangs war ich verunsichert. Ich schalte mich einen Idioten. Ich hätte in meiner gemütlichen Wohnung bleiben, etwas Spaß mit Gina haben und dann ein paar Stunden in der VR Maschine verbringen können. Entspannt wäre ich durch die Dungeons von Dark Cycle gewandert oder wäre online mit meinen Cousins auf einem virtuellen See segeln gegangen - und hätte alles wieder vergessen, mich betäubt. Nein, ich musste raus, die Realität endlich wahrnehmen, den Boden unter den Füßen nach all den Jahren wieder spüren, ansonsten, so scheint es mir, wäre mein Kopf explodiert – auch wenn das eine unsinnige Vorstellung sein mag.
Ich verließ die Wohnung und trat auf die Straße. Es war absolut still, abgesehen von dem Piepen und Zurren der Roboter, die die Wände und Böden entlangkrabbelten und durch die Luft sausten. In dunklen Strömen schlängelten sich ihre Schwärme zwischen den schillernden Glasfassaden der Wolkenkratzer. Die Straßen waren, abgesehen davon, wie ausgestorben. Gelegentlich raste ein vereinzeltes Fahrzeug vorbei.  Aus größerer Entfernung sah ich einmal eine kleine Gruppe Menschen zusammen spazieren, aber ich verlor sie aus den Augen, während ich durch die glänzende Welt aus weißen Beton, Kunststoff und Glas wanderte. Obwohl ich nicht mehr in meiner Wohnung war, fühlte ich mich nicht wirklich so, als wäre ich draußen. Ich fühlte mich freier, die Luft war frischer, gewiss. Aber trotzdem war ich irgendwie von der Welt losgelöst, abgeschnitten von ihr wie durch eine unsichtbare Mauer.
Alle zwanzig Meter stand ein künstlicher »Baum«, der den Weg beleuchtete. Laut den Informationseinblendungen vom Programm durch mein Glass-Augenimplantat filtern diese Geräte die Schadstoffe aus der Luft und wandeln Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um. Ulkige Installationen. Die hatte es das letzte Mal, als ich draußen gewesen war, noch nicht gegeben. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Das Programm arbeitet unermüdlich an der Perfektionierung unserer Welt, nein, korrigiere: Der Welt. Sie gehört ja nicht mehr uns, sondern gehören wir eher ihr oder es. Alles gehört dem Programm, der allwissenden KI, die vor fünfzig Jahren von den Vereinten Nationen installiert wurde und kurz darauf dieselben abgeschafft hat.
Seitdem beherrscht ein von Bürgern der Klasse A kontrollierter Algorithmus die Erde und unsere die Kolonien auf Mond, Mars und den Jupitermonden. Die Welt gehört den Göttern und ihrem Programm, das vor 15 Jahren beschloss, dass Homo sapiens, also Wesen, wie ich, sich nicht mehr vermehren dürfen.
Nicht, dass wir das noch im großen Stil getan hätten. Meine Generation vergnügt sich am liebsten in der VR Maschine oder mit Androiden und Gynoiden. Sex mit einem anderen Menschen erscheint mir auch ekelhaft. Wenn ich allein daran denke, was da an Krankheitserregern und Körpersäften ausgetauscht wird, schüttelt es mich. Und man müsste sich dafür auch erst einmal treffen. Wann? Wo? Wen? Ich kenne ja niemanden persönlich. Deshalb habe ich es nie gemacht und mich mit den vom Programm bereitgestellten Gynoiden begnügt. (Ob es so ist wie das ursprüngliche?)
Die Generation meiner Eltern hingegen hatte noch keine kostenlosen Gynoiden, weswegen… Ich will eigentlich gar nicht so genau darüber nachdenken, aber jedenfalls haben meine Eltern mich gezeugt… wofür eigentlich? Keine Ahnung, ich habe seit Jahren nichts mehr von Mutter gehört und Vater hat Suizid begangen, da war ich noch ein Teenager. Ich wurde in diese Welt geboren, in der es für meinesgleichen keine Verwendung und keine Zukunft gibt. Das hat auch das Programm festgestellt. Wir werden verköstigt, mit Sex, mit Drogen, mit Spaß und allem, schließlich sind wir Menschen. Aber eigentlich sind wir nicht viel anders, als ein altersschwacher Mann, dem ein Medizinandroide zum Abschied eine palliative Mischung injiziert, damit er mit einem Lächeln auf seinen brüchigen Lippen möglichst schnell in den Tod sinkt und eine halbe Stunde später ohne großes Aufheben von einem Roboter im Krematorium entsorgt werden kann.
Den Kopf mit solchen Gedanken schwanger, trottete ich durch die Straßen. Meine Gedanken schwankten von einer Überlegung zur nächsten und ich rief mir Dinge ins Gedächtnis, die ich in Büchern gelesen oder in der VR Maschine erlebt hatte. Ich versuchte daraus zu konstruieren, was mir fehlen könnte, etwas, was es früher gab und nun nicht mehr. Zuerst fiel mir der Himmel ein. Ich kannte ihn zwar aus den VRs, aber ich hatte ihn nie in der Wirklichkeit gesehen. Ich reckte den Kopf und blinzelte nach oben, aber dort sah ich nichts, als die Signallichter und Konturen der Unterseite der Oberen Stadt. War es wirklich das, was mir fehlte? Der Himmel? Irgendein Gefühl sagte mir, dass es nicht das sein konnte. Der Himmel war viel zu trivial, als das seine Abwesenheit mich derart beeinflussen könnte. Aber dann kam mir ein anderer Gedanke: Was, wenn mir nicht nur eine Sache fehlte, sondern mein Gefühl des Fehlens und das Verlangen nach etwas Wahrem die Resultate einer ganzen Matrix aus fehlenden Trivialitäten waren? Eine Entfremdung von der Welt durch viele kleine Details und Veränderungen? Vielleicht unterschätzte ich den Mangel an Himmel und den Mangel an Bewegung.
Ich entschied, der Theorie eine Chance zu geben und den echten Himmel aufzusuchen. Dazu musste ich in die Obere Stadt, dorthin wo die Klasse A Bürger, die Übermenschen, leben. Ich fragte das Programm über meine Implantate nach dem Weg nach oben und bekam eine klare Antwort. Mit der süßen Stimme Ginas trug mir das Programm die Informationen aus dem Netz vor:
»Bürgern der Klasse B ist der Zutritt zu den oberen Levels prinzipiell seit der Verordnung des Paragraphen 1743a§§ aus dem Jahr 2134 nicht mehr gestattet. Für eine Sondergenehmigung wird eine persönliche Einladung durch einen Bürger der Klasse A der Spezies Deus novus oder ein triftiger Grund benötigt. Wollen Sie einen Antrag für eine Sondergenehmigung stellen?«
Ich zögerte. Mein Herz schlug plötzlich schneller und ich fühlte mich unwohl in meiner Haut, aber dann zwang ich mich zuzustimmen und krächzte ein »Ja«.
»Edgar Kodmani, Bürger der Klasse B, Homo sapiens, ohne genetische Modifizierung, lediglich mit den Standardimplantaten im Zentralnervensystem, Iris und linken Unterarm ausgestattet, alleinwohnend, ohne Beziehung. Sind das Sie?«
»Ja«, antwortete ich nervös. Warum fragte das Programm? Die Implantate konnten doch jederzeit anhand meiner DNA meine Identität feststellen.
»Haben Sie Verwandte bis zum dritten Grad oder Freunde, die Bürger der Klasse A sind?«
»Nein«
»Haben Sie Verwandte oder Freunde, die in den vergangenen fünf Jahren zur Rehabilitation deportiert wurden?«
»Nein«
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu höheren Citylevel?«
Ich zögerte. Mir war unwohl zumute. Ich fühlte mich, als würde ich ein Verbrechen begehen. Ein Gedankenverbrechen, wie es in dem Buch von damals geheißen hatte. Wie konnte ich, wegen solcher lächerlichen Gründen, verlangen in die Obere Stadt gelassen zu werden?
»Aus welchen Gründen möchten Sie Zugang zu höheren Citylevel? Bereitet Ihnen diese Frage Unwohlsein? Ich verzeichne einen Anstieg an Stresshormonen in ihrem Blut. Wollen Sie ein Beruhigungsmittel?«
»Nein«, antwortete ich energisch und gab mir einen Ruck »Ich möchte in die Obere Stadt als Tourist. Ich würde sie gerne besichtigen und den Himmel sehen, einmal möchte ich in meinem Leben den echten Himmel sehen«
Für einen Moment schien es mir, als würde das Programm die Luft anhalten und irgendwo aus den kleinen Mikrochips in meinem Körper ein Surren dringen. Dann hörte ich ein Klicken und Ginas Stimme sagte: »Registriert. Wollen Sie etwas hinzufügen zu ihrem Antrag?«
»Nein, das wäre es«, antwortete ich.
»Der Antrag wurde abgelehnt.«
»Oh«
»Wenn Sie den Himmel sehen wollen, empfehle Ich Ihnen das VR-Programm Astronautics. Eine realistische Simulation der Oberfläche der prähistorischen Erde, des Mars, des Erdmondes und des Jupitermondes Europa. Inklusive eines Historymode, in dem Sie in den Charakter von Nil Armstrong schlüpfen und 1969 als erster Mensch den Erdmond betreten können.«
»Nein Danke, ich würde lieber etwas Reales erleben.«, und bevor das Programm noch etwas sagen konnte, befahl ich »Offlinemode aktivieren«
»Verstanden« Mit einen Piepen schalteten meine Implantate in den Offlinemodus. Ich war zum ersten Mal seit Monaten offline. Es irritierte mich. Die sonst stets präsenten Anzeigen über meinen gesundheitlichen Zustand und meinen Aufenthaltsort verschwanden aus meinem Sichtfeld. Aber ich hatt das Gefühl, dass die Argumentierungen mich nur dabei stören würden nachzudenken.
Ich spazierte herum und dachte nach. Ich kam zu dem Schluss, dass, auch wenn ich es nicht überprüfen konnte, der Mangel an Trivialitäten nicht die Ursache meiner Probleme ist. Meine Intuition sagte mir, dass das Fehlende viel größer ist, als die Summe vieler kleiner Teile es jemals sein könnte.
Ich war ratlos, wie ich weiter vorgehen sollte und entschloss mich letztendlich umzukehren. Ich fühlte mich niedergeschlagen und müde, wirklich müde. Meine Beine taten weh von der ungewohnten Belastung. Irgendwie war es ein angenehmer Schmerz, ein wohlverdienter Schmerz. Mehr wie eine Belohnung, als eine Bestrafung. Obwohl der Tag objektiv ein Misserfolg war und ich genauso verloren und weglos dastehe, wie heute Morgen, habe ich das Gefühl, als würde ich mich in die richtige Richtung bewegen, weiter den Abgrund hinab und damit der Wahrheit entgegen. Ich werde morgen weiter darüber nachdenken. Jetzt bin ich zu müde. Ich werde versuchen ohne die Hilfe einer (oder mehrerer) Pille(n) Dihyd einzuschlafen. Das ist mir schon seit Jahren nicht mehr gelungen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, heute keine chemische Hilfe zu brauchen.

13. April 2137

Ich habe es. Ich weiß, was ich suche, was mir fehlt, dieses sonderbare »Wahre«! Ich würde jubeln, müsste ich nicht weinen.
Es ist mir beim Frühstück eingefallen. Ich stand auf, wunderbar ausgeschlafen, wie seit Monaten nicht mehr und das ohne Schlafmittel. Ich fühlte mich ungewohnt geistig klar. Kaum, dass mir Gina den Frühstückbrei serviert hatte, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Es ist so offensichtlich und ich wundere mich noch immer, dass es mir nicht davor eingefallen ist. Es muss mir auf der Zunge gelegen haben, denn, wenn ich jetzt meinen ersten Eintrag noch einmal lese, finde ich überall Indizien darauf: Was mir fehlt, ist ein Sinn und ein Zweck für meine Existenz!
Kaum hatte ich diese Erkenntnis und den Brei heruntergeschlungen, setzte ich mich auf einen Sitzsack und wollte mit dem Nachdenken über diese neue Erkenntnis beginnen: Woher sollte ich einen Sinn bekommen, wo konnte ich ihn finden und warum hatte ich keinen? Weiter als zu diesen Anfangsfragen, kam ich nicht. Das Denken fiel mir zu schwer. Ich bin nicht geübt darin, längere Zeit lang die Konzentration aufrechtzuerhalten und einem Gedanken zu folgen, schon gar nicht ohne die Hilfe eines informationsspeichernden Mediums wie diesem Notizbuch oder eines Tablets. Zusätzlich fragte mich Gina mehrmals, ob sie etwas für mich tun könnte, ob ich Sex oder Medikamente haben wollte. Ich verneinte und befahl ihr, in ihren Schrank und für die nächsten Stunden offline zu gehen. Sie gehorchte.
Sobald sie weg war, fühlte ich mich gleich freier.
Ich stand auf und ging zum Versorgungsspender. Ich nahm mir ein Glas Wasser, etwas 4G-Adderall, um besser denken zu können, und noch eine kleine Portion Speisebrei. Ich ließ mich erneut auf dem Sitzsack nieder, schlug die Beine übereinander, schluckte die Pille und während ich im Brei rumstocherte, begann ich ernsthaft nachzudenken. Nach kurzer Zeit machte sich die Wirkung der Amphetamine auf meinen Geist bemerkbar. Ich hatte zuvor das Präparat nur wegen der stimmungssteigernden Effekte genommen, oder um länger in VR Spielen mitmachen zu können, aber jetzt bemerkte ich auch die leistungssteigernde Wirkung, wie sie von den letzten Schriftstellern im ausgehenden 21. Jahrhunderts zelebriert wurde. Meine Gedanken nahmen Struktur an und rasselten in einer berauschenden Geschwindigkeit durch meinen Verstand, verformten sich, zerlegten sich und erschufen sich neu. Was ist überhaupt »Sinn«?
Ich dachte zurück an meine Schulzeit. Ich war in einem der letzten Jahrgänge gewesen, die noch auf eine öffentliche Schule gingen, bevor die Schulpflicht abgeschafft worden war. Ich hatte in diesen Jahren viel geschwänzt und mich herumgetrieben, genauso wie meine Mitschüler und Lehrer, aber ich weiß, dass vor allem Definitionen uns ohne Ende eingetrichtert worden waren. Vor allem zu den vielen postmodernen und neuzeitlichen Strömungen. Aber eine Definition von »Sinn«? Daran konnte ich mich nicht erinnern.
Aber ich wusste doch, dass mir der Sinn fehlte, also musste ich wissen, was »Sinn« bedeutet, oder? Ich stutzte. Meine geistigen Zahnräder klemmten. Sinn. Was war überhaupt ein oder der Sinn? Sinn, das war Bedeutung. Er gab dem Leben eine höhere Bedeutung, aber wie sah so etwas aus? Unwillkürlich tippte ich auf die Steuerkonsole in meinem Unterarm. Mit einem Surren fuhren meine Implantate hoch, meine Herzfrequenz und GPS-Position erschienen im unteren Rand meines Sichtfelds.
»Programm, was ist Sinn?«
»Das Wort Sinn hat mehrere Bedeutungen.
Erstens: Mit Sinn bezeichnet man im Kontext der Sinnesorgane und der Wahrnehmung, die Fähigkeit zur Wahrnehmung und Empfindung bestimmter Reize.
Zweitens: Wenn ein Subjekt ein Verständnis oder besonderes Gespür für etwas hat, sagt man, er/sie/es hat Sinn dafür.
Drittens: Sinn kann im Kontext des Denkens verwendet verwenden z.B.: Ein Subjekt hat etwas im Sinne.
Viertens: Ein Sinn ist das Ziel und die Bedeutung oder der innere Wert und Zweck eines Subjekts oder Objekts.«, trug mir Ginas Stimme vor.
»Danke«, sagte ich und dachte nach. Das, was ich suchte, war die vierte Definition von Sinn. Der Zweck meiner Existenz. »Programm. Was ist der Zweck oder der Sinn meiner Existenz?«
»Der Sinn des menschlichen Lebens ist Glück. Alle Menschen streben nach Glück. Dieser Sinn beziehungsweise dieses Ziel wird dank der Technologie und des Programms für alle Menschen erfüllt. Kein Mensch muss heutzutage ein unglückliches und damit sinnloses Leben führen«
»Aber ich bin nicht glücklich«, sagte ich.
»Sie haben das Angebot an Antidepressiva nicht in Anspruch genommen«, stellte Ginas Stimme fest. Ich musste schlucken.
»Nein, ich habe abgelehnt.«
»Wie können Sie dann erwarten glücklich zu sein und damit einen Sinn zu empfinden, wenn Sie die technologische Errungenschaft der Psychopharmaka nicht benutzen? Vertrauen Sie dem Programm nicht?«
»Doch, das tue ich.«, sagte ich. Meine Hand zitterte. Hastig fügte ich hinzu »Vielen Dank. Implantate offline schalten«
Es gab ein Piepen, dann zurrte es und die Anzeigen in meinem Sichtfeld erloschen. Mir schwindelte es.
Konnte es wahr sein? War der Sinn des Lebens Glück? Entzog ich mich selber dem Glück und dem Sinn, durch mein Nachdenken und Hinterfragen? War ich selber Schuld, weil ich den Segen des Programms ablehnte? Hatte ich das Gefühl der Sinnlosigkeit künstlich erschaffen? Aber warum sollte ich das tun? Nein, das ergab wortwörtlich keinen Sinn. Das Programm musste mich belügen. Konnte es das überhaupt? Es wirkt zuerst widersprüchlich, doch je mehr ich darüber nachdachte, desto logischer erschien es mir.
Das Programm wollte aus irgendeinen Grund nicht, dass ich mich mit dem Sinn meines Lebens auseinandersetzte. Welchen Vorteil konnte es daraus ziehen? Oder, was viel erschreckender wäre, tat es das möglicherweise aus humanitären Gründen? Wusste das Programm die Antwort, hielt sie aber bewusst zurück, weil sie schädlich für mich sein könnte? Das erschien mir logisch, schließlich bereitete mir allein meine Suche nach dem Sinn psychische Schmerzen und hinderte mich daran glücklich zu sein.
Aber alles Glück der Welt ist doch nichts wert, wenn es auf Kosten der Wahrheit und des Sinns, existiert. Ich bin lieber unglücklich, solange ich dadurch dem Sinn näher komme. Es ist nichts als eine Intuition, die ich nicht erklären kann, aber die sich richtig anfühlt. Dieses irrationale Streben nach Wahrheit und Sinn, trotz des Schmerzes, fühlt sich zutiefst menschlich und natürlich an. Menschlich und natürlich, das sind Attribute, die dieser Welt, den Übermenschen und dem Programm fehlen.
Das Programm belügt mich möglicherweise gar nicht. Vielleicht kann es nicht verstehen, wie viel der Sinn für mich bedeutet. Anderseits: Kann ich mich wirklich anmaßen, dem Programm einen Fehler vorzuwerfen? Ich habe nur ein einziges, mit Amphetaminsalzen übertaktetes Gehirn. Dem Programm stehen Myriaden an Servern, Quantencomputern und unendliche Mengen an Daten zur Verfügung. Ich bin ein Staubkorn in der Wüste der bedeutungslosen Menschen und über mir thront der Berg des Programms. Was kann ich eigentlich von der Welt schon wissen? Ich bin beschränkt auf meine kleine Weltsicht, auf meinen Körper und seine Wahrnehmung, auf das wenige Wissen, welches ich speichern kann. Meine Welt besteht aus meiner Wohnung und den Illusionen der VRs.
Alles in mir zog sich zusammen. Ich fror. Ich realisierte, wie winzig und bedeutungslos ich bin und es tat weh. Es macht keinen Unterschied, ob ich nach dem Sinn suche oder in einer VR sitze. Niemand interessiert sich dafür, nur das Programm, aber das tut es nur, weil es dafür programmiert wurde. Ich habe keinen Einfluss auf die Welt, ich verändere nichts, ich bin fast so leblos wie ein Stein und genauso bedeutungslos.
Das Programm hat erkannt, dass mein Leben sinnlos ist, daher belügt es mich, um mich zu trösten. Aber diese Lügen funktionieren nicht mehr. Ich habe mich durch die Betonwand hindurchgekratzt. Meine Hände sind blutige Stümpfe und ich starre in das sinnlose Nichts.
Ich begann zu weinen. Ich tue es schon wieder. Ich habe es den ganzen Vormittag gemacht und ich werde es auch den ganzen Nachmittag lang machen.
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Heidi
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BeitragVerfasst am: 24.10.2016 22:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Leveret,

mir gefällts Cool Zwar kenne ich nicht all deine Werke, aber ich glaube, deine Testleser haben recht. Die Mischung aus SiFi und Philosophie ist gut. Trotz dem vielen Erzählen wirkt der Text jetzt lebendig (die Überarbeitung hat sich gelohnt), ich hatte keine Probleme durchzukommen. Ein spannendes Thema.

Ich hab ein paar Erbsen rausgeklaubt, falls du es veröffentlichen willst. Wirst du denn?

Zitat:
Ich muss darüber nachdenke.


Hier fehlt ein n.

Zitat:
Ich schalte mich einen Idioten.


Ich vermute, du meinst schelte, weil schalte ergibt so keinen Sinn (oder doch?)

Zitat:
»Nein«


Das ist einer der zahlreichen Sätze, in direkter Rede, bei denen du den Punkt vergessen hast. Wenn danach kein , sagte er, oder dergleichen kommt - es also ein in sich abgeschlossener Satz ist, musst du einen Punkt setzen. Ich führe jetzt nicht jeden einzelnen Satz an, schau einfach noch mal drüber. Es sind einige (auch welche, ohne direkte Rede).

Zitat:
Aber ich hatt das Gefühl, dass die Argumentierungen mich nur dabei stören würden nachzudenken.


hatte
Argumente

Zitat:
Meine Intuition sagte mir, dass das Fehlende viel größer ist, als die Summe vieler kleiner Teile es jemals sein könnte.


Wenn mich nicht alles täuscht, müsste hier sei eingesetzt werden.


Beim letzten Block (13. April 2137) bin ich mir nicht sicher, ob die Rückblende so gut tut, weil du ja sozusagen gleich beim Frühstück anfangen und dann weiter im Präsens schreiben könntest. Die Rückblende beginnt ja schon nach dem vierten Satz und dauert dann bis zum Ende. So gesehen, brauche ich die vier Sätze davor nicht wirklich.

Zitat:
Zusätzlich fragte mich Gina mehrmals, ob sie etwas für mich tun könnte, ob ich Sex oder Medikamente haben wollte.


könne
Zitat:

»Das Wort Sinn hat mehrere Bedeutungen. [...]


Hier empfehle ich "Sinn" kursiv zu formatieren, weil es besser hervortreten würde.

Zitat:
Drittens: Sinn kann im Kontext des Denkens verwendet verwenden z.B.: Ein Subjekt hat etwas im Sinne.


Da stimmt was nicht.

Zitat:
Ich realisierte, wie winzig und bedeutungslos ich bin und es tat weh.


Hier wechselst du in einem Satz von Präteritum auf Präsens.

Ich hoffe, dass ich nichts übersehen habe.

Liebe Grüße
Heidi
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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 25.10.2016 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heidi,
Vielen Dank für deine Hilfe und die Erbsen, die du gefunden hast.
Zitat:

Ich hab ein paar Erbsen rausgeklaubt, falls du es veröffentlichen willst. Wirst du denn?

Ich suche Momentan nach einem geeigneten Wettbewerb, bei dem ich den Text einreichen könnte, allerdings bin ich noch nicht fündig geworden und befürchte, es auch nicht zu werden. Ansonsten veröffentliche ich es wahrscheinlich irgendwann im November als eBook bei KDP und als Booklet oder Taschenbuch via BoD.

Zitat:
Zitat:
Zitat:
Ich realisierte, wie winzig und bedeutungslos ich bin und es tat weh.



Hier wechselst du in einem Satz von Präteritum auf Präsens.

Ja. Ist das aber nicht richtig? Schließlich realisierte er es in die Vergangenheit, aber seine Bedeutungslosigkeit ist für alle Zeiten und auch das Präsens gültig. Oder?

LG,
Leveret
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BeitragVerfasst am: 25.10.2016 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Leveret Pale hat Folgendes geschrieben:

Ja. Ist das aber nicht richtig? Schließlich realisierte er es in die Vergangenheit, aber seine Bedeutungslosigkeit ist für alle Zeiten und auch das Präsens gültig. Oder?


Um ehrlich zu sein, weiß ich das nicht. Ich bin darüber gestolpert, weil es sich nicht richtig anhörte (bin eine unverbesserliche Gefühlsschreiberin Embarassed). Wenn du sicher gehen willst, könntest du eventuell Willebroer oder jemand anderen, der Ahnung hat, fragen.
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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 25.10.2016 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm... Wenn ich nochmal nachfühle und darüber nachdenke, ist der Satz wirklich falsch, wegen seiner Präteritum-Präsens-Präteritum Konstruktion. Wenn ich das es tat weh streiche, ist es logisch und grammatikalisch auch richtig. Davor macht es keinen Sinn, weil es den Prota ja noch immer schmerzt. Und der Anhängsel ist überflüssig, weil sich das ganze ein paar Sätze weiter unten von selbst ergibt. Glaube ich.
Also richtig wäre meiner Meinung nach:
Zitat:
Ich realisierte, wie winzig und bedeutungslos ich bin.


Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast. Ich frag aber zur Sicherheit nochmal bei einer/m Dritten nach.
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BeitragVerfasst am: 02.11.2016 00:20    Titel: Antworten mit Zitat

So, mittlerweile bin ich mit der Novelle absolut fertig. Ich würde sie gern hier einstellen, aber das würde den Thread sprengen. Wer wissen will wie es ausgeht, den schicke ich sie gern via PN als doc oder pdf oder mobi.
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BeitragVerfasst am: 02.11.2016 22:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde gern zu Ende lesen. In welcher Form du mir die Geschichte schickst, ist mir egal.

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