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Der Wolf


 

 
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YukiTheCat
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Beiträge: 12
Wohnort: Hessen / Katzenkorb


BeitragVerfasst am: 17.03.2016 03:05    Titel: Der Wolf eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Miau an alle fleißigen Schreiberlinge!
Das Kätzchen macht gerade Frühjahrsputz auf seinem Laptop und hat dabei eine längst verschollen geglaubte Geschichte gefunden. Diese möchte es nun gerne mit euch teilen. Die Idee zu der Geschichte kam dem Kätzchen (das damals noch reichlich grün hinter den Fellohren war Embarassed ) übrigens im Traum - so wie fast immer. Konstruktive Kritik, Anregungen, Tipps zur Verbesserung und ein Schälchen Milch sind ausdrücklich erwünscht Wink
Viel Spaß!

Der Wolf

Jake und Cheryl hatten die Stadt hinter sich gelassen. Auf dem Rücksitz ihres Fluchtwagens lagen eine Sporttasche voller Bargeld und eine Schusswaffe. Der Überfall war ein voller Erfolg gewesen.
Die Bullen würden ewig brauchen, um den alten Knacker und seine nervige Töle zu finden. Bis dahin würden sie längst über alle Berge sein.
Seit dem Moment, in dem Jake der verschrumpelten Rosine eine Kugel in die Brust gejagt und dem verdammten Köter den Schädel weggeblasen hatte, war nicht mehr als eine Stunde vergangen. Das Adrenalin in seinen Adern ebbte langsam ab, aber er fühlte sich noch immer unglaublich gut. Überlegen. Erregt. Was zum Teil Cheryls Verdienst war, die ihren Kopf in seinen Schoß gelegt hatte. Er spürte ihre heiße Zunge und fühlte sich unbesiegbar.
Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Er spürte Cheryls Zähne und schaute für den Bruchteil einer Sekunde nach unten auf ihren Kopf, der sich langsam hob und senkte.
„Hey, Babe, nicht so wil...“ Der Rest seiner Worte ging in einem lauten Knall unter. Ein Ruck ging durch das Auto und beide wurden nach vorne geschleudert. Cheryl schrie auf und stieß mit dem Kopf heftig gegen das Lenkrad. Jakes Gurt schnitt sich schmerzhaft in seine Haut. Reflexartig stieg er auf die Bremsen, die empört aufquietschten. Schließlich kam das Auto zum Stehen. Cheryl hob benommen den Kopf. Eine Beule zeichnete sich an ihrer rechten Schläfe ab, ansonsten schien sie in Ordnung zu sein. Ihre Augen waren geweitet, aber klar.
„Was zum Teufel war das denn?“
„Keine Ahnung“, brummte Jake und befreite sich von seinem Gurt. Er stieg aus dem Wagen. Es war stockfinster, bis auf den linken Scheinwerfer, der die Dunkelheit zerschnitt. Jake ging vorne um das Auto herum, seine Schritte klangen unnatürlich laut auf dem Asphalt. Die vordere, rechte Seite des Autos war vollkommen eingedellt. An der Stelle, an der einmal der Scheinwerfer gewesen war, klebte jetzt ein Gemisch aus Glassplittern, Blut und etwas, das wie Fell aussah.
„Das ist ja widerlich.“
Cheryl war ebenfalls ausgestiegen und stand jetzt zitternd neben ihm. Sie trug nur ein T-shirt und ihr roter Lippenstift war verschmiert. Mit dem Gedanken, wo sie ihn so verschmiert hatte, zog Jake seinen Hosenstall zu.
„Vielleicht ein Reh oder so“, sagte er und spuckte auf den dunklen Boden.
„Fahren wir weiter.“
Er wandte sich um, aber Cheryl blieb wo sie war und betrachtete immer noch fasziniert und angeekelt die Fleischfetzen, die am verbogenen Metall hingen.
„Sollten wir nicht...?“ Ihr Stimme klang zögernd.
„Was? Die Polizei rufen?“ Jake lachte rau auf. Verdammt, er brauchte dringend eine Zigarette.
„Nein“, erwiderte Cheryl ruhig, als hätte sie seinen Vorschlag wirklich ernst genommen. „Aber zumindest nachschauen, was wir da erwischt haben.“
Jake wusste, dass sie das nicht sagte, weil sie Mitleid oder Schuldgefühle hatte. Dafür kannte er sie inzwischen zu gut.
„Scheiß drauf. Fahren wir weiter. Andy wartet mit 'ner neuen Karre auf uns, schon vergessen?“
In diesem Moment erklang ein lautes, gequältes Winseln. Cheryl blickte Jake mit hoch gezogenen Augenbrauen an. Sie zog ihr Handy aus der Hosentasche, schaltete das Fotolicht an und ging ein Stück die Straße zurück.
„Verdammt noch mal, Cheryl, steig wieder ein!“ Aber sie hörte nicht.
Nur ein paar Meter hinter ihrem Wagen blieb sie stehen und leuchtete auf eine dunkle Masse am Boden.
„Heilige Scheiße...“, flüsterte sie.
Es war ein Wolf. Er lag auf der rechten Seite, Blut quoll aus seinem Maul und aus seinen Ohren. Sein Bauch war aufgerissen und seine schleimigen Gedärme lagen dampfend auf dem kalten Asphalt. Er lebte noch, hechelte und wimmerte. Der metallische Geruch von warmen Blut lag schwer in der Luft.
Inzwischen war Jake bei seiner Partnerin und packte sie unsanft am Arm.
„Entweder kommst du jetzt, oder...“ Dann fiel auch sein Blick auf den Wolf. Und es war nicht das Blut auf seinem schmutzig grauen Fell, das Jake schaudern ließ. Auch nicht die gräulichen Darmschlingen oder das Stück weißer Knochen, das aus seinem linken Vorderbein ragte. Es war sein Auge. Das linke Auge, hellbraun und trotz aller Todesqual seltsam lebendig, welches genau ihn ansah und niemanden sonst. Vorwurfsvoll und hasserfüllt starrte es ihn an.
Das wirst du bereuen.
„Tja, das sind dann wohl schon drei Opfer auf unserer heutigen Liste, was?“ Cheryl beugte sich noch ein wenig weiter über das sterbende Tier. Sie atmete tief ein, inhalierte den widerlichen Geruch und besah sich den Wolf ganz genau, als müsste sie sich jedes zerschmetterte Körperteil einprägen.
Jake riss sich von dem vorwurfsvollen Blick des Wolfes los. Er musste an den Hund denken, den er vor nicht einmal zwei Stunden erschossen hatte. Seltsam. An das Gesicht des alten Knackers konnte er sich kaum erinnern. Aber an den Hund. Ein Schäferhund mit scharfen Augen. In ihnen hatte der selbe Vorwurf gelegen wie in denen des Wolfes. Der selbe Hass. Ein bitterer Geschmack machte sich in Jakes Mund breit. Er spuckte erneut angewiedert aus und wandte sich von dem sterbenden Vieh auf der Straße ab.
„Komm, die Show ist vorbei. Fahren wir weiter.“ Cheryl richtete sich auf und lächelte. Für einen kurzen Moment hielt er ihren verschmierten Lippenstift für Blut. Als hätte nicht die Kollision mit einem Auto den Wolf so zugerichtet, sondern sie.
„Okay, Boss.“ Mit federnden, ausgelassenen Schritten ging sie zum Auto zurück. Jake schüttelte den Kopf. Er brauchte dringend eine Zigarette.

Sie waren gerade eingestiegen und hatten die Wagentüren zugezogen, als Cheryl schon wieder Anstalten machte, auf seinen Schoß zu klettern.
„Hey, Boss, du solltest dich etwas entspannen...“ Sie seufzte und nestelte an seiner Hose herum. Noch vor einer halben Stunde hätte Jake das zugelassen. Aber jetzt lagen die Dinge anders. Vor seinem geistigen Auge tauchte ständig dieses hellbraune Auge auf. Sex war das letzte, was er jetzt brauchte. Er stieß sie unwirsch in ihren Sitz zurück.
„Wir haben jetzt keine Zeit für sowas. Andy wartet.“ Und damit ließ er den Motor an. Er blickte in den Rückspiegel und sah kurz etwas aufblitzen. Etwas hellbraunes. Er fluchte leise und gab Gas.
Cheryl hatte die Arme vor der Brust verschrenkt und schmollte. Jake warf einen kurzen Blick in ihre Richtung.
„Gib mir mal die Kippen. Im Handschuhfach.“
„Leck mich.“
Jake stieß genervt die Luft aus.  
„Schnall dich wenigstens an.“
„Leck mich.“
Jake drückte das Gaspedal noch etwas mehr nach unten. Je schneller sie bei Andy waren, desto besser.

Sie fuhren. Jake konnte nicht sagen, wieviel Zeit seit ihrem Zusammenprall mit dem Wolf verstrichen war. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Zu allem Überfluss hatte sich ein dichter Nebel gebildet, der ihn zwang, langsamer zu fahren. Außerdem war noch kein einziges Auto an ihnen vorbeigefahren. Nicht, das Jake nicht erleichtert gewesen wäre. Je weniger Leute ihr Auto sahen, desto besser. Aber trotzdem sagte ihm sein Instinkt, dass irgendetwas nicht stimmte.
Cheryl lehnte mit dem Kopf an der Scheibe, ihr Atem ließ das Glas in regelmäßigen Abständen beschlagen. Ihre Augen waren geschlossen. Für jeden anderen sah sie so aus, als würde sie schlafen. Doch Jake wusste es besser.
„Cheryl“ - ihre Augen klappten sofort auf - „schau mal auf die Karte. Wir müssten schon längst in der nächsten Stadt sein. Irgendwas ist hier faul.“ Cheryls Lippen teilten sich, aber Jake kam ihr zuvor.
„Halt die Klappe. Guck einfach auf die verdammte Karte oder ich halte an und schmeiß dich raus.“ Er sagte das ohne den Blick von der Straße zu nehmen, konnte ihr dämliches Grinsen jedoch fast spüren.
„Klar, Boss“, gurrte sie und zog die Karte aus dem Fach an der Tür.
Sie faltete sie auf und studierte sie eindringlich.
„Und?“, fragte Jake nach ein paar Minuten.
„Keine Ahnung. Wir sind irgendwo in der Scheißpampa, würd' ich sagen.“ Cheryl unterdrückte ein Gähnen. Als Jake zu ihr schaute sah er, dass sie die Karte verkehrt herum hielt. Wut flammte ihn ihm auf. Er bremste hart und brachte das Auto an der Straßenseite zum stehen. Dann riss er ihr die Karte aus der Hand. Cheryl schien völlig unbeeindruckt.
„Ich muss mal pinkeln.“
Jake atmete einmal tief ein und wieder aus. Diese Frau machte ihn wahnsinnig.
„Dann geh!“, murmelte er voll unterdrücktem Zorn und schaute auf die Karte. Cheryl seufzte genervt auf, öffnete die Wagentür und stieg aus. Jake blickte noch einmal kurz von der Karte hoch und sah gerade noch, wie ihre schwarzen Turnschuhe im Nebel verschwanden.
„Geh nicht zu weit weg!“, rief er ihr hinterher.
„Fick dich!“, kam zurück.
Jake schwor sich, den nächsten Auftrag wieder alleine durchzuziehen.  
Er widmete sich der Karte. Es war so, wie er vermutet hatte. Sie hätten schon längst da sein müssen. Es waren rund 20 Meilen von Tower bis Ely. Und sie fuhren schon über eine Stunde auf dieser endlosen Straße; zumindest kam es ihm so vor. Ein dumpfes Pochen in seiner rechten Schläfe setzte ein. Wahrscheinlich war er einfach irgendwo falsch abgebogen.
Bist du nicht.
Jake hob den Kopf und sah im Seitenspiegel ein hellbraunes Auge. Als er blinzelte, verschwand es.
„Scheiße...“ Jake rieb sich über die Augen und beugte sich zum Handschuhfach. Das Verlangen nach einer Zigarette war übermächtig. Er zündete sich eine an und inhalierte den Rauch. Aus einem Reflex drehte er das Radio an. Er wusste nicht, was er erwartete. Vielleicht ein „Rentner und Hund in eigenem Haus erschossen und ausgeraubt. Die Polizei fahndet nach...“ Aber da war nichts. Nur Rauschen. Jake schaltete das Radio wieder ab. Wo blieb Cheryl? Konnte es so lange dauern, einen Baum zum Pissen zu finden? Gereizt drückte er den Glimmstengel im Aschenbecher aus.
„Diese kleine, blöde...“ Er wollte gerade austeigen, als er plötzlich einen spitzen Schrei hörte. Es klang verdammt nach Cheryl. Er stieg aus und versuchte, die Richtung zu bestimmen, aus der der Schrei gekommen war. Der Nebel war inzwischen noch dichter geworden und der linke Autoscheinwerfer war machtlos gegen die milchigen Schwaden.
Mit großen Schritten ging Jake um das Auto herum zum Waldrand, wo Cheryls Turnschuhe vor gerade mal zehn Minuten verschwunden waren.
„Cheryl?!“ Keine Antwort. Plötzlich das Knacken von Zweigen. Als würde sich etwas durch das Unterholz kämpfen. Für einen kurzen Moment sah Jake einen Wolf vor sich. Einen Wolf, mit gebleckten Zähnen, grauem Fell und blitzenden Augen. Aber es war Cheryl, die plötzlich aus dem Dickicht brach und vor ihm auf die Knie fiel. Sie atmete heftig.
„Was zum...“ Jake kam nicht weiter. Cheryl packte mit einer Hand seinen Arm. Sie war warm und feucht. Als Jake seinen Blick von ihren zerwühlten Haaren löste und auf seinen Arm richtete, sah er Blut, das im spärlichen Licht fast schwarz schimmerte.
„Schnell! Ins Auto!“ Cheryls Stimme klang drängend, aber nicht panisch. Dafür war sie nicht der Typ. Er zog sie nach oben, öffnete die Beifahrertür und schob sie ins Auto. Dann nahm er selbst hinterm Steuer platz und fuhr los. Cheryls Atem normalisierte sich langsam. Mit einem Taschentuch wischte sie an ihrer rechten Hand herum. Sie fluchte leise vor sich hin.
„Erklärst du mir vielleicht mal, was passiert ist?“
„Ich wurde gebissen. Nicht weiter schlimm.“
„Gebissen?“
„Ja, verdammt, ge-biss-en. Bist du schwer von Begriff?“
„Deinem losen Mundwerk hat's wohl nicht geschadet. Leider.“
Jake konzentrierte sich wieder auf die Straße.
„Wir haben 'nen Erste-Hilfe-Kasten im...“
„Nein, fahr einfach weiter“, entgegnete Cheryl unwirsch. Sie hatte sich ein dickes Bündel Taschentücher um die Hand gewickelt. Jake zuckte mit den Achseln.
Für kurze Zeit war es ruhig im Wageninnern. Jake dachte schon, dass Cheryl nun wirklich eingeschlafen sei. Doch dann fing sie plötzlich an zu reden, als würde sie den Faden aus einem früheren Gespräch einfach wieder aufnehmen.
„Es war ein Wolf. Der Wolf, um genau zu sein. Der mit dem zermatschten Bauch und den blutenden Ohren.“ Ihr Stimme klang ruhig, so als würde sie eine Bemerkung über das Wetter machen.
Jake brummte zum Zeichen, dass er ihr zuhörte.
„Ich wollte einfach nur pinkeln. Dann hab ich so'n komisches Knurren gehört. Und dann stand er plötzlich da, mit seinen baumelnden Eingeweiden. Und dann hat er mich gebissen.“ Jake brummte erneut. Er dachte an das Auge im Seitenspiegel.
„Tolle Geschichte, Babe. Aber das Vieh, das wir angefahren haben, lag in den letzten Atemzügen. Der war so gut wie hinüber. Vielleicht war es ein anderer. Sollen ja nicht mehr so selten sein hier in der Gegend.“
Aber Cheryl blickte ihn nur fest an an. „Es war der Wolf.“
„Wenn du meinst...“
„Er rächt sich. Auch für den Hund von dem Alten.“
„Mach dich nicht lächerlich, Cheryl.“ Jake kam sich vor, als würde er mit einem Kind reden.
Was immer sie da draußen erwischt hatte, war vielleicht nur verärgert darüber, dass Cheryl ihm in den Vorgarten hatte pissen wollen. Außerdem war eine Bisswunde ein geringes Übel. Wenn sie nicht bald nach Ely kamen, oder überhaupt in irgendeine gottverdammte Ortschaft, dann hatten sie ein ziemliches Problem. Momentan konnten sie nur weiterfahren und darauf hoffen, dass endlich der Tag hereinbrach und der Nebel sich verzog. Andy würde nicht ewig am vereinbarten Treffpunkt warten.

Es kam keine Ortschaft. Nicht einmal ein Schild. Jake kam es vor, als würden sie auf einem Laufband fahren. Einem Laufband umgeben von dunklen Wäldern und eingehüllt in undurchdringlichen Nebel. Das Radio war tot, genauso der Handyempfang. In Jakes Kopf kreisten die Gedanken darum, in welche Scheiße sie hier geraten waren. Und wie sie wieder herauskamen.
„Jake...?“ Cheryls Stimme klang seltsam schwach. Außerdem nannte sie ihn fast nie bei seinem Namen. Er fuhr langsamer.
„Was ist?“ Er warf ihr einen kurzen Blick zu. Sie hatte die Beine angezogen und starrte durch die Frontscheibe auf den spärlichen Lichtkegel des verbleibenden Scheinwerfers.
„Mir ist schlecht. Können wir kurz anhalten?“
Er fuhr rechts ran. Kaum standen sie, presste Cheryl ihre unverletzte Hand auf ihren Mund, gab ein würgendes Geräusch von sich und stürzte auf die Straße hinaus. Er hörte ein wiederliches, spritzendes Geräusch, als sie sich am Straßenrand übergab. Kurz darauf ließ sie sich wieder in den Sitz fallen. Im Licht des Wageninneren sah Jake die dunklen Schatten unter ihren Augen und ihre unnatürliche Blässe. Ihr Blick wirkte abwesend. Nur der rote Lippenstift leuchtete immer noch auf ihrem Mund und der umliegenden Haut. Ohne ein Wort stieg Jake aus, ging zum Kofferraum und holte den Erste-Hilfe-Kasten. Als er wieder zurückkehrte nahm er ihre Hand und entfernte die blutigen Taschentücher.
„Sieht tatsächlich aus wie von 'nem Wolf.“ Der Biss befand sich an Cheryls Handgelenk. Als er ihren Arm drehte konnte er den Gegenbiss ausmachen. Es sah ziemlich schmerzhaft aus.
„Sag ich doch, Herr Doktor Klugscheißer.“ Sie verdrehte genervt die Augen. In ihrem geschwächten Zustand hatte es nicht ganz die gewohnte Wirkung. Jake lächelte lautlos.
„Herr Doktor Klugscheißer wird’s schon richten. Und jetzt halt still.“
Jake reinigte die Wunde. Das Wasserstoffperoxid schäumte auf Cheryls Haut und sie sog scharf die Luft ein. Als das Handgelenk verbunden war, drehte sie ihren Arm ungläubig hin und her.
„Ziemlich gut für 'nen Mörder und Räuber.“
„Danke...?“
Cheryl lächelte schwach und blickte wieder nach vorne auf die Straße. Jake betrachtete ihren zarten Hals und hatte auf einmal das starke Bedürfnis, sie zu küssen. Er wollte sich gerade zu ihr beugen, als sie wieder sprach.
„Jake...“ Ihre Stimme war kaum ein Flüstern. Er folgte ihrem Blick. Im Scheinwerferlicht ihres einäugigen Autos stand ein Wolf. Blut tropfte von seinen Ohren auf den Boden. Seine Eingeweide hingen einfach so aus seinem aufgerissenen Bauch, wie ein lästiges Anhängsel. Er stand sicher auf allen vier Beinen, obwohl aus dem linken Vorderbein ein Stück Knochen ragte. Der Wolf. Er starrte Jake und Cheryl an. Nein.
Er starrte nur Jake an.
Das Pochen in seiner Schläfe war wieder da, stärker als zuvor. Cheryl schien wie versteinert.
Langsam, unendlich langsam, sank Jake wieder in seinen Sitz zurück. Er ließ den Motor aufheulen. Es störte den Wolf nicht. Er stand einfach da.
„Scheißvieh...“, murmelte Jake. Er wollte Gas geben. Diesen elenden Wolf, der einfach nicht mehr leben durfte und wegen dem sie in diesen Schlamassel hineingeraten waren, plattfahren. Aber gerade, als er den Motor anschmeissen und das Gaspedal durchtreten wollte, hörte er ein unmenschliches Knurren rechts von sich. Jake hatte keine Zeit mehr zu reagieren, als Cheryl sich auf ihn stürzte. Sie schlug ihre Zähne in seinen rechten Arm und ein stechender Schmerz fuhr durch seine Nervenbahnen. Sie war wie eine Furie. Immer und immer wieder biss sie zu. Jake schlug ihr auf den Kopf, aber seine Schläge schienen sie nur noch wilder zu machen. Die Autotür. Jake versuchte, die Tür zu öffnen. Sie war verriegelt. Die Waffe auf dem Rücksitz. Jake drehte sich nach rechts, riss seine Füße hoch und stemmte sie gegen das wilde Tier, das einmal seine Partnerin gewesen war. Er musste die Waffe erreichen. Doch dann traf sein Blick den von Cheryl. Ihr Gesicht war blutverschmiert, ihre Zähne waren nicht mehr die eines Menschen. Er konnte ihren Lippenstift in all dem Rot nicht mehr ausmachen. Ihr Augen waren nicht mehr blau, sondern hellbraun. Und mit einem wilden Jaulen stürzte sie sich erneut auf ihn.

Der Wolf stand auf der Straße und beobachtete das seltsame Ungetüm aus Metall, das sich heftig hin und her wiegte. Schreie drangen aus den Innereien des Ungetüms und der Wolf witterte Blut. Ruhig stand er da und wartete. Als die Schreie langsam schwächer wurden und schließlich ganz verstummten, schien er endlich zufrieden. Er legte sich auf den kühlen Asphalt, bettete den Kopf auf seine schmutzigen Pfoten und starb.

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Mara
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BeitragVerfasst am: 17.03.2016 06:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo! Das ist mein erstes Feedback, das ich schreibe, daher bin ich darin noch nicht sehr versiert. Aber das ist mir an deinem Text aufgefallen:

Grundsätzlich fängt er sehr spannend an und es passiert unaufhörlich etwas - also keine Spur von Langeweile.

Beim ersten Absatz hätte ich den letzten Satz "Der Überfall war ein voller Erfolg gewesen" weggelassen. Das zeigst du ja schon durch die ersten zwei Sätze und muss daher in meinen Augen nicht mehr explizit gesagt werden. Statt dessen würde ich den ersten und zweiten Absatz zusammenfassen.

Ja, und im zweiten Absatz hat es mich gleich einmal kurz aus dem Text geworfen: "Verschrumpelte Rosine" - was ist da jetzt gemeint, habe ich mich gefragt. Und den Begriff "Töle" kenne ich als Österreicherin gar nicht.

Ganz generell: Eine publizierte Krimiautorin hat mir einmal gesagt: Tiere zu verletzen oder töten geht überhaupt nicht. Selbst wenn es in einem Krimi vor Leichen nur so wimmelt - verletze niemals ein Tier. Das nimmt der Leser übel.

Das Verhältnis der beiden Protagonisten zueinander ist mir unklar. Zuerst beschreibst du die intime Handlung der beiden. Dann wird die Frau ganz distanziert als "Partnerin" bezeichnet, und kurz darauf bezeichnet sie den Mann als "Boss".

Zudem für mich widersprüchlich: Zuerst bringen die beiden kaltblütig einen Mann und einen Hund um. Auch die Frau scheint dies ja nicht weiter berührt zu haben, sonst wäre es nicht zu der intimen Handlung im Auto gekommen. Aber auf einmal hat sie Gewissensbisse wegen eines angefahrenen Wolfes? Das war für mich nicht stimmig.

Spannend war die Beschreibung zuvor, mit dem plötzlichen "Knall". Da sie ja offenbar auf der Flucht sind, konnte das wirklich vieles sein: von einem schießenden Verfolger, bis zu einem Polizisten, der in den Reifen schießt, oder einem vielleicht bis dato nicht erwähnten Dritten im Auto, der auf einmal alles an sich reißen will.

Ich habe ehrlich gesagt in der Mitte aufgehört zu lesen, da ich überhaupt nicht dein Zielpublikum bin. Für mich persönlich ist das alles viel zu grausam, ekelig und ordinär.

Ich hoffe dennoch, dass dir mein Eindruck von deinem Text ein bisschen weiterhilft.
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YukiTheCat
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BeitragVerfasst am: 17.03.2016 13:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Mara Wink

Danke, dass du dir trotzdem die Zeit genommen hast - auch wenn es nicht ganz dein Ding war;-) Ja, es ist grausam - liegt vielleicht daran, dass ich nach dem Abi als Tierarzthelferin viele solcher Dinge gesehen hab. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und das ist auch gut so.

Das für dich einiges im Unklaren geblieben ist - z.B. die Beziehung der Personen untereinander, der Raubüberfall, der zeitlich vor dem Geschehen liegt, sowie das Anfahren des wilden Tieres - hilft mir sehr weiter, da es mir zeigt, wo ich die Geschichte noch einmal entsprechend abändern muss. Wie schon gesagt, sie hat ein paar Jährchen auf dem Buckel und muss mal dringend entrümpelt werden Wink

In der Tat bin ich, vor allem bei Filmen, auch kein Fan davon, wenn Tieren Gewalt angetan wird. Andererseits werden in Thrillern, Krimis, etc. haufenweise Menschen getötet, z.T. auch Kinder, und es stört scheinbar niemanden. Warum? Weil der Mörder am Ende seine gerechte Strafe erhält? Nun, die erhält er hier auch. Trotzdem würde es mich brennend interessieren, was die anderen Schreiberlinge darüber denken - Gewalt an Tieren, ja oder nein? Aber das ist vielleicht mal ein Thema für einen separaten Thread.

Auf jeden Fall nochmals danke für dein Feedback, Mara Wink


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BeitragVerfasst am: 17.03.2016 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

also für mich waren die Beziehung der Personen etc. relativ schnell relativ klar. Wink

Ich finde, es ist eine ganz gute kleine Gruselgeschichte. Klar sind da ein paar Stellen, an denen man noch herumfeilen könnte. So hat mich etwa irritiert, dass er mit offener Hose aussteigt und sie die ganze Zeit nur mit einem T-Shirt bekleidet rumläuft... Laughing

Die Tatsache, dass hier ein Wolf dran glauben muss... Naja. Finde ich nicht so abschreckend. Und er bekommt ja seine "Revanche".

Aber insgesamt eine gelungene Idee. Danke dafür.

Gruß,
Frank


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YukiTheCat
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BeitragVerfasst am: 17.03.2016 16:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für dein Feedback, Frank Wink

Da sieht man mal wieder, wie blind man seinem eigenen Geschreibsel gegenüber werden kann: ich bin automatisch davon ausgegangen, dass meine weibliche Prota OBENRUM nur ein T-Shirt trägt; untenrum ist sie natürlich nicht nackt Very Happy Aber für den geneigten Leser klingt es wirklich, als hätte sie NUR ein T-Shirt an^^
Also danke für deine scharfe Beobachtungsgabe, Frank! Das war mal wieder eindeutig eine zweideutige Sache Wink


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BeitragVerfasst am: 17.03.2016 17:06    Titel: Antworten mit Zitat

YukiTheCat hat Folgendes geschrieben:
... Das war mal wieder eindeutig eine zweideutige Sache Wink


Wahrscheinlich bin ich deshalb darüber gestolpert. Very Happy


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YukiTheCat
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BeitragVerfasst am: 31.05.2016 15:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Miau, nach ewiger Zeit nochmal eine überarbeitete Fassung Wink Man möge mir verzeihen, dass soviel Zeit ins Land ging - ich bin eine vielbeschäftigte Katze Smile Die blutigen Stellen sind geblieben, von daher sollten Menschen zarten Gemüts lieber...na, ihr wisst schon Wink

Der Wolf

Jake und Cheryl hatten die Stadt hinter sich gelassen. Auf dem Rücksitz ihres Fluchtwagens lag neben einer Sporttasche voller Bargeld eine Schusswaffe. Die Nummer mit dem verirrten Touristenpärchen zog wirklich immer wieder. Die Polizei würde ewig brauchen, um den alten Mann und seinen Hund zu finden; dafür hatte Jake gesorgt. Bis dahin würden er und seine Partnerin längst über alle Berge sein.

* * *

Seit dem Moment, in dem Jake dem alten Mann und seinem Köter je eine Kugel in die Brust gejagt hatte, war nicht mehr als eine Stunde vergangen. Das Adrenalin in seinen Adern ebbte langsam ab, aber er fühlte sich noch immer unglaublich gut. Überlegen. Erregt. Was zum Teil Cheryls Verdienst war, die ihren Kopf in seinen Schoß gelegt hatte. Er spürte ihr heiße Zunge und fühlte sich unbesiegbar.
Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Er spürte Cheryls Zähne und schaute für den Bruchteil einer Sekunde nach unten auf ihren Kopf, der sich langsam hob und senkte.
„Hey, Babe, nicht so wil...“ Der Rest seiner Worte ging in einem heftigen Knall unter. Ein Ruck ging durch das Auto und beide wurden nach vorne geschleudert. Reflexartig stieg Jake auf die Bremsen, die empört aufquietschten. Cheryl schrie auf und stieß mit dem Kopf heftig gegen das Armaturenbrett. Der Gurt schnitt schmerzhaft in Jakes Haut. Schließlich kam das Auto zum Stehen und Cheryl hob benommen den Kopf. Eine Beule zeichnete sich an ihrer rechten Schläfe ab, ansonsten schien sie in Ordnung zu sein. Ihre Augen waren geweitet, aber klar.
„Was zum Teufel war das denn?“
„Keine Ahnung“, brummte Jake und befreite sich von seinem Gurt. Er stieg aus dem Wagen und zog fluchend seinen Hosenstall zu. Es war stockfinster, bis auf den linken Scheinwerfer, der die Dunkelheit zerschnitt. Jake ging vorne um das Auto herum, seine Schritte klangen unnatürlich laut auf dem Asphalt. Die rechte Seite des Autos war vollkommen eingedellt. An der Stelle, an der einmal der Scheinwerfer gewesen war, klebte jetzt ein Gemisch aus Blut und etwas, das wie Fell aussah.
„Das ist ja widerlich.“ Cheryl war ebenfalls ausgestiegen. Ihr roter Lippenstift war verschmiert.
„Vielleicht ein Reh oder so“, sagte Jake und spuckte auf den dunklen Boden. „Fahren wir weiter.“
Er wandte sich um, aber Cheryl blieb wo sie war und betrachtete immer noch fasziniert und angeekelt die Fleischfetzen, die am verbogenen Metall hingen.
„Sollten wir nicht...?“ Ihr Stimme klang zögernd.
„Was? Die Polizei rufen?“ Jake lachte rau auf. Verdammt, er brauchte dringend eine Zigarette.
„Nein“, erwiderte Cheryl ruhig, als hätte sie seinen Vorschlag wirklich ernst genommen.
„Aber zumindest nachschauen, was wir da erwischt haben.“ Jake wusste, dass sie das nicht sagte, weil sie Mitleid oder Schuldgefühle hatte. Dafür kannte er sie inzwischen zu gut.
„Scheiß drauf. Fahren wir weiter. Andy wartet mit 'ner neuen Karre auf uns, schon vergessen?“
In diesem Moment erklang ein lautes, gequältes Winseln. Cheryl blickte Jake mit hoch gezogenen Augenbrauen an. Sie zog ihr Handy aus ihrer Hosentasche, schaltete das Fotolicht an und ging ein Stück die Straße zurück.
„Verdammt noch mal, Cheryl, steig wieder ein!“ Aber sie hörte nicht.
Nur ein paar Meter hinter ihrem Wagen blieb sie stehen und leuchtete auf eine dunkle Masse am Boden.
„Heilige Scheiße...“, flüsterte sie. Es war ein Wolf. Er lag auf der rechten Seite, Blut quoll aus seinem Maul und aus seinen Ohren. Seine schleimigen Gedärme lagen dampfend auf dem kalten Asphalt. Er lebte noch, hechelte und wimmerte. Der metallische Geruch von warmen Blut lag schwer in der Luft.
Inzwischen war Jake bei seiner Partnerin und packte sie unsanft am Arm.
„Entweder kommst du jetzt, oder...“ Dann fiel auch sein Blick auf den Wolf. Und es war nicht das Blut auf seinem schmutzig grauen Fell, das Jake schaudern ließ. Auch nicht die gräulichen Darmschlingen oder das Stück weißer Knochen, das aus seinem linken Vorderbein ragte. Es war sein Auge. Das linke Auge, hellbraun und trotz aller Schmerzen seltsam lebendig, welches genau ihn ansah und niemanden sonst. Vorwurfsvoll und hasserfüllt starrte es ihn an.
Das wirst du bereuen.
Unwillkürlich dachte Jake an den Hund von dem alten Mann: ein deutscher Schäferhund mit scharfen Augen, stumpfen Fell und Stachelhalsband. Seltsam. An das Gesicht des Alten konnte er sich kaum erinnern, den hasserfüllten Blick des Hundes sah er jedoch klar und deutlich vor seinem inneren Auge. Und in dem Auge des Wolfes.
„Tja, das sind dann wohl schon drei Opfer auf unserer heutigen Liste, was?“ Cheryl beugte sich noch ein wenig über den Wolf. Sie atmete tief ein, inhalierte den widerlichen Geruch und besah sich das Tier ganz genau, als müsse sie sich jedes zerschmetterte Körperteil einprägen. Wahrscheinlich war sie die einzige Frau im Umkreis von tausend Meilen, die beim Anblick von Blut und Tod erst so richtig in Fahrt kam.
Jake riss sich von dem vorwurfsvollen Blick des Wolfes los. Ein bitterer Geschmack machte sich in seinem Mund breit. Er spuckte erneut angewidert aus und wandte sich von dem sterbenden Vieh auf der Straße ab.
„Komm, die Show ist vorbei. Fahren wir weiter.“ Cheryl richtete sich auf und lächelte. Für einen kurzen Moment hielt er ihren verschmierten Lippenstift für Blut. Als hätte nicht die Kollision mit einem Auto den Wolf so zugerichtet, sondern sie.
„Okay, Boss.“ Mit federnden, ausgelassenen Schritten ging sie zum Auto zurück. Jake schüttelte den Kopf. Er brauchte dringend eine Zigarette.

* * *

Sie waren gerade eingestiegen und hatten die Wagentüren zugezogen, als Cheryl schon wieder Anstalten machte, auf seinen Schoß zu klettern.
„Hey, Boss, du solltest dich etwas entspannen...“ Sie seufzte und nestelte an seiner Hose herum. Noch vor einer halben Stunde hätte Jake das zugelassen. Aber jetzt lagen die Dinge anders. Vor seinem geistigen Auge tauchte ständig dieses hellbraune Auge auf. Sex war das letzte, was er jetzt brauchte. Er stieß sie unwirsch in ihren Sitz zurück.
„Wir haben jetzt keine Zeit für sowas. Andy wartet.“ Und damit ließ er den Motor an. Er blickte in den Rückspiegel und sah kurz etwas aufblitzen. Etwas hellbraunes. Er fluchte leise und gab Gas.
Cheryl hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schmollte. Jake warf einen kurzen Blick in ihre Richtung.
„Gib mir mal die Kippen aus dem Handschuhfach.“
„Leck mich.“
Jake stieß genervt die Luft aus.  
„Schnall dich wenigstens an.“
„Leck mich.“
Jake drückte das Gaspedal noch etwas mehr nach unten. Je schneller sie bei Andy waren, desto besser.
Sie fuhren. Jake konnte nicht sagen, wieviel Zeit seit ihrem Zusammenprall mit dem Wolf verstrichen war. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Zu allem Überfluss hatte sich ein dichter Nebel gebildet, der ihn zwang, langsamer zu fahren. Außerdem war noch kein einziges Auto an ihnen vorbeigefahren. Nicht, das Jake nicht erleichtert gewesen wäre. Je weniger Leute ihr Auto sahen, desto besser. Aber trotzdem sagte ihm sein Instinkt, dass irgendetwas nicht stimmte.
Cheryl lehnte mit dem Kopf an der Scheibe, ihr Atem ließ das Glas in regelmäßigen Abständen beschlagen. Ihre Augen waren geschlossen. Für jeden anderen sah sie so aus, als würde sie schlafen. Doch Jake wusste es besser.
„Cheryl“ - ihre Augen klappten sofort auf - „schau mal auf die Karte. Wir müssten schon längst in der nächsten Stadt sein. Irgendwas ist hier faul.“ Cheryls Lippen teilten sich, aber Jake kam ihr zuvor.
„Halt die Klappe. Guck einfach auf die verdammte Karte oder ich halte an und schmeiß dich raus.“ Er sagte das ohne den Blick von der Straße zu nehmen, konnte ihr dämliches Grinsen jedoch fast spüren.
„Klar, Boss“, gurrte sie und zog die Karte aus dem Fach an der Tür.
Sie faltete sie auf und studierte sie eindringlich.
„Und?“, fragte Jake nach ein paar Minuten.
„Keine Ahnung. Wir sind irgendwo in der Scheißpampa, würd' ich sagen.“ Cheryl unterdrückte ein Gähnen. Als Jake zu ihr schaute sah er, dass sie die Karte verkehrt herum hielt. Wut flammte ihn ihm auf. Er bremste hart und brachte das Auto an der Straßenseite zum stehen. Dann riss er er ihr die Karte aus der Hand. Cheryl schien völlig unbeeindruckt.
„Ich muss mal pinkeln.“
Jake atmete einmal tief ein und wieder aus. Diese Frau machte ihn wahnsinnig.
„Dann geh!“, murmelte er voll unterdrücktem Zorn und schaute auf die Karte. Cheryl seufzte genervt auf, öffnete die Wagentür und stieg aus. Jake blickte noch einmal kurz von der Karte hoch und sah gerade noch, wie ihre schwarzen Turnschuhe im Nebel verschwanden.
„Geh nicht zu weit weg!“, rief er ihr hinterher.
„Fick dich!“, kam zurück.
Jake schwor sich, den nächsten Auftrag wieder alleine durchzuziehen, Erfolgsquote hin oder her.
Er widmete sich der Karte. Es war so, wie er vermutet hatte. Sie hätten schon längst da sein müssen. Es waren rund 20 Meilen von Tower bis Ely. Und sie fuhren mindestens schon eine Stunde; zumindest kam es ihm so vor. Ein dumpfes Pochen in seiner rechten Schläfe setzte ein. Wahrscheinlich waren sie einfach irgendwo falsch abgebogen. Seid ihr nicht. Jake hob den Kopf und sah im Seitenspiegel ein hellbraunes Auge. Als er blinzelte, verschwand es.
Leise fluchend beugte er sich zum Handschuhfach und griff nach seinen Zigaretten. Er zündete sich eine an und inhalierte den Rauch tief. Das Pochen blieb hartnäckig. Aus einem Reflex drehte er das Radio an. Er wusste nicht, was er erwartete. Vielleicht ein „Rentner im eigenen Haus erschossen und ausgeraubt. Die Polizei fahndet nach...“ Aber da war nichts. Nur Rauschen. Jake schaltete das Radio wieder ab. Wo blieb Cheryl? Konnte es so lange dauern, einen Baum zum Pissen zu finden? Gereizt drückte er den Glimmstengel im Aschenbecher aus.
„Diese kleine, blöde...“ Er wollte gerade austeigen, als er plötzlich einen spitzen Schrei hörte. Es klang verdammt nach Cheryl. Er stieg aus und versuchte, die Richtung zu bestimmen, aus der der Schrei gekommen war. Der Nebel war inzwischen noch dichter geworden. Der linke Autoscheinwerfer war machtlos gegen die milchigen Schwaden. Mit großen Schritten ging Jake um das Auto herum zum Waldrand, wo Cheryls Turnschuhe vor gerade mal zehn Minuten verschwunden waren.
„Cheryl?!“ Keine Antwort. Nur das schwere Ächzen der Kiefern im Wind. Plötzlich das Knacken von Zweigen. Als würde sich etwas durch das Unterholz kämpfen. Für einen kurzen Moment sah Jake einen Wolf vor sich. Einen Wolf, mit gebleckten Zähnen, grauem Fell und blitzenden Augen. Aber es war Cheryl, die plötzlich aus dem Dickicht brach und vor ihm auf die Knie fiel. Sie atmete heftig.
„Was zum...“ Jake kam nicht weiter. Cheryl packte mit einer Hand seinen Arm. Sie war warm und feucht. Als Jake seinen Blick von ihren zerwühlten Haaren löste und auf seinen Arm richtete, sah er Blut, das im spärlichen Licht schwarz schimmerte.
„Schnell! Ins Auto!“ Cheryls Stimme klang drängend, aber nicht panisch. Dafür war sie nicht der Typ. Jake zog sie nach oben, öffnete die Beifahrertür und schob sie ins Auto. Dann nahm er selbst hinterm Steuer platz und fuhr los. Cheryls Atem normalisierte sich langsam. Mit einem Taschentuch wischte sie an ihrer rechten Hand herum. Es war mit Blut vollgesogen. Sie fluchte leise vor sich hin.
„Erklärst du mir vielleicht mal, was passiert ist?“
„Ich wurde gebissen. Nicht weiter schlimm.“
„Gebissen?“
„Ja, verdammt, ge-biss-en. Bist du schwer von Begriff?“
„Deinem losen Mundwerk hat's wohl nicht geschadet. Leider.“ Jake konzentrierte sich wieder auf die Straße.
„Wir haben 'nen Erste-Hilfe-Kasten im...“
„Nein, fahr einfach weiter.“, entgegnete Cheryl unwirsch. Sie hatte sich ein dickes Bündel Taschentücher um die Hand gewickelt. Jake zuckte mit den Achseln.
Für kurze Zeit war es ruhig im Wageninnern. Jake dachte schon, dass Cheryl nun wirklich eingeschlafen sei. Doch dann fing sie plötzlich an zu reden, als würde sie den Faden aus einem früheren Gespräch einfach wieder aufnehmen.
„Es war ein Wolf. Der Wolf, um genau zu sein. Der mit dem zermatschten Bauch und den blutenden Ohren.“ Ihr Stimme klang ruhig, so als würde sie eine Bemerkung über das Wetter machen.
Jake brummte zum Zeichen, dass er ihr zuhörte.
„Ich wollte einfach nur pinkeln. Dann hab ich so'n komisches Knurren gehört. Und dann stand er plötzlich da, mit seinen baumelnden Eingeweiden. Und dann hat er mich gebissen.“ Jake brummte erneut. Er dachte an das Auge im Seitenspiegel.
„Tolle Geschichte, Babe. Aber das Vieh, das wir angefahren haben, lag in den letzten Atemzügen. Der war so gut wie hinüber. Vielleicht war es ein anderer. Sollen ja nicht mehr so selten sein hier in der Gegend.“
Aber Cheryl blickte ihn nur fest an an. „Es war der Wolf.“
„Wenn du meinst...“
„Er rächt sich. Auch für den Hund von dem Alten.“
„Mach dich nicht lächerlich, Cheryl.“ Jake kam sich vor, als würde er mit einem Kind reden.
Was immer sie da draußen erwischt hatte, war vielleicht nur verärgert darüber, dass Cheryl ihm in den Vorgarten hatte pissen wollen. Außerdem war eine Bisswunde ein geringes Übel. Wenn sie nicht bald nach Ely kamen, oder überhaupt in irgendeine gottverdammte Ortschaft, dann hatten sie ein ziemliches Problem. Momentan konnten sie nur weiterfahren und darauf hoffen, dass endlich der Tag hereinbrach und der Nebel sich verzog. Andy würde nicht ewig am vereinbarten Treffpunkt warten.

* * *

Es kam keine Ortschaft. Kein Schild. Keine Autos. Jake kam es vor, als würden sie auf einem Laufband fahren. Einem Laufband umgeben von dunklen Wäldern und eingehüllt in undurchdringlichen Nebel. Das Radio war tot, genauso der Handyempfang. In Jakes Kopf kreisten die Gedanken darum, in welche Scheiße sie hier geraten waren. Und wie sie wieder herauskamen.
„Jake...?“ Cheryls Stimme klang seltsam schwach. Außerdem nannte sie ihn fast nie bei seinem Namen. Er fuhr langsamer.
„Was ist?“ Er warf ihr einen kurzen Blick zu. Sie hatte die Beine angezogen und starrte durch die Frontscheibe auf den spärlichen Lichtkegel des verbleibenden Scheinwerfers.
„Mir ist schlecht. Können wir kurz anhalten?“
Er fuhr rechts ran. Kaum standen sie, presste Cheryl ihre unverletzte Hand auf ihren Mund, gab ein würgendes Geräusch von sich und stürzte auf die Straße hinaus. Er hörte ein wiederliches, spritzendes Geräusch, als sie sich am Straßenrand übergab. Kurz darauf ließ sie sich wieder in den Sitz fallen. Im Licht des Wageninneren sah Jake die dunklen Schatten unter ihren Augen. Sie war noch blasser als sonst. Nur der rote Lippenstift leuchtete immer noch auf ihrem Mund und der umliegenden Haut. Ohne ein Wort stieg Jake aus, ging zum Kofferraum und holte den Erste-Hilfe-Kasten. Als er wieder zurückkehrte nahm er ihre Hand und entfernte die blutigen Taschentücher.
„Sieht tatsächlich aus wie von 'nem Wolf.“ Der Biss befand sich an Cheryls Handgelenk. Als er ihren Arm drehte konnte er den Gegenbiss ausmachen. Es sah ziemlich schmerzhaft aus.
„Sag ich doch, Herr Doktor Klugscheißer.“ Sie verdrehte genervt die Augen. In ihrem geschwächten Zustand hatte es nicht ganz die gewohnte Wirkung. Jake lächelte lautlos.
„Herr Doktor Klugscheißer wird’s schon richten. Und jetzt halt still.“ Jake reinigte die Wunde. Das Wasserstoffperoxid schäumte auf Cheryls Haut und sie sog scharf die Luft ein. Als das Handgelenk verbunden war, drehte sie ihren Arm ungläubig hin und her.
„Ziemlich gut für 'nen Mörder und Räuber.“ Sie klang ehrlich erstaunt.
„Danke für die Blumen, Ma'am.“
Cheryl lächelte schwach und blickte wieder nach vorne auf die Straße. Jake betrachtete ihren zarten Hals und hatte auf einmal das starke Bedürfnis, sie zu küssen. Er wollte sich gerade zu ihr beugen, als sie wieder sprach.
„Jake...“ Ihre Stimme war kaum ein Flüstern. Er folgte ihrem Blick. Im Scheinwerferlicht ihres einäugigen Autos stand ein Wolf. Blut tropfte von seinen Ohren auf den Boden. Seine Eingeweide hingen aus seinem Bauch wie ein lästiges Anhängsel. Er stand sicher auf allen vier Beinen, obwohl aus dem linken Vorderbein ein Stück Knochen ragte. Der Wolf. Er starrte Jake und Cheryl an. Nein. Er starrte nur Jake an.
Das Pochen in seiner Schläfe war wieder da, stärker als zuvor. Cheryl schien wie versteinert.
Langsam, unendlich langsam, sank Jake wieder in seinen Sitz zurück. Er ließ den Motor aufheulen. Es störte den Wolf nicht. Er stand einfach da.
„Scheißvieh...“, murmelte Jake. Er wollte Gas geben. Dieses elende Vieh, das einfach nicht mehr leben durfte und wegen dem sie in diesen Schlamassel hineingeraten waren, plattfahren. Aber gerade, als er das Gaspedal durchtreten wollte, hörte er ein unmenschliches Knurren rechts von sich. Jake hatte keine Zeit mehr zu reagieren, als Cheryl sich auf ihn stürzte. Sie schlug ihre Zähne in seinen rechten Arm und ein stechender Schmerz fuhr durch seine Nervenbahnen. Sie war wie eine Furie. Immer und immer wieder biss sie zu. Jake schlug ihr auf den Kopf, aber seine Schläge schienen sie nur noch wilder zu machen. Die Autotür. Jake versuchte, die Tür zu öffnen. Sie war verriegelt. Aber wie konnte das sein? Die Waffe auf dem Rücksitz. Jake drehte sich nach rechts, riss seine Füße hoch und stemmte sie gegen das wilde Tier, das einmal seine Partnerin gewesen war. Sie packte seinen rechten Fuß und biss hinein. Mühelos zerriss sie den Stoff seiner Jeans. Die Zähne, die sich in Jakes weiches Fleisch bohrten, waren nicht länger die eines Menschen. Jake schrie auf. Er musste die Waffe erreichen. Doch dann traf sein Blick den von Cheryl. Ihr Gesicht war blutverschmiert, ihre Zähne gebleckt. Er konnte den Lippenstift in all dem Rot nicht mehr ausmachen. Ihr Augen waren nicht mehr blau, sondern hellbraun. Und mit einem wilden Jaulen stürzte sie sich erneut auf ihn.

* * *
Der Wolf stand auf der Straße und beobachtete das seltsame Ungetüm aus Metall, das sich heftig hin und her wiegte. Schreie drangen aus dem Inneren des Ungetüms und der Wolf witterte Blut. Ruhig saß er da und wartete. Als die Schreie langsam schwächer wurden und schließlich verstummten, schien er endlich zufrieden. Er legte sich auf den kühlen Asphalt, bettete den Kopf auf seine schmutzigen Pfoten und starb.


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Wenn ich gefragt werde "Wie schreiben Sie?", antworte ich ohne zu zögern: "Ein Wort nach dem anderen." - Stephen King
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BeitragVerfasst am: 15.06.2016 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

Da kommst Du auf einer fluffigen, rosa Zuckerwolke hereingeschwebt und puff: Das gar niedliche Kätzchen entpuppt sich als ausgewachsenes Raubtier, das seine Krallen an einer echt fetzigen Story wetzt.

Realistische Dialoge, keine Längen und eine nette Idee. Liest sich gut weg. Smile

Allerdings ist die Geschichte etwas vorhersehbar. Was das zu erwartende Schicksal der beiden menschlichen Hauptakteure angeht. Überrascht hat mich, dass der Wolf am Ende tatsächlich stirbt. Überraschung ist per se gut, aber in dem Fall war ich eher irritiert als geflasht. Der Wolf ist mit heraushängenden Eingeweiden und einem Bein, aus dem der blanke Knochen hervortrat, locker herumspaziert. Und offenbar war er auch recht zügig unterwegs. Er konnte Cheryl in ein Wesen seiner Art verwandeln und das Auto samt Insassen in eine Paralleldimension, Vorhölle oder Ähnliches katapultieren. Schließlich sind sie nicht vom Weg ab- und trotzdem nie angekommen. All das würde mich zu der Annahme bewegen, dass es sich bei dem Wolf um einen Werwolf handelt. Ein unsterbliches Geschöpf und außerdem ein formidabler Krieger. Und der legt sich hin und stirbt einfach? Oder war er von etwas besessen, das aus seinem Körper entfleucht ist, sobald die Racheaktion erledigt war?

Eine perfide Wende am Ende - und ich hätte die Geschichte noch spannender gefunden.

Viele Grüße
Mary
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Assy
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BeitragVerfasst am: 18.06.2016 10:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Yuki,

offen gestanden lese ich wenige Geschichten im Einstand. Wenn, dann nur die ersten Zeilen bzw. Absätze. Aus Zeitgründen kommt es daher sehr selten vor, dass ich eine Geschichte komplett lese.

Deine Kurzgeschichte habe ich ganz gelesen Laughing Schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil sie mich gefesselt hat, du mein Kopfkino angesprochen hast und sie noch dazu spannend war.

Vom Handwerk her würde ich sagen, dass du recht gute Arbeit geleistet hast. Natürlich könntest du die ein oder andere Formulierung abändern oder auch das ein oder andere Adjektiv streichen. Vom Gesamtbild her trotzdem eine solide Arbeit.

Das Ende allerdings solltest du dir noch mal durch den Kopf gehen lassen. Ich persönlich finde es, in Verbindung mit der mystischen Atmosphäre, unpassend und für mich als Leser absolut unbefriedigend.
Und um dir sofort eine Richtung anzubieten Laughing Was würdest du davon halten, wenn der Wolf sich plötzlich verwandelt würde (wieder in einen Menschen etc.) oder dass seine Verletzungen wie von Geisterhand heilen würden? Doch einfach abnippeln - krepieren? Neee!

LG
Assy
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Diamond
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Beiträge: 287



BeitragVerfasst am: 18.06.2016 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yuki,

nachdem ich Deine Kurzgeschichte gelesen hatte, musste ich zunächst etwas nachdenken, um die Tragweite richtig zu erfassen. Insgesamt gefällt sie mir sehr gut, was vor allem daran liegt, dass Du flüssig und locker schreibst.
Was ich mir zusätzlich noch gewünscht hätte, sind ein paar mehr Antworten, gerade in der Auseinandersetzung der Protagonisten mit dem Überfall. Hier interessiert mich vor allem das Warum, vielleicht auch noch die eine oder andere Info zum Hintergrund und was mit diesem Überfall erreicht wurde/ für die Protagonisten besser geworden ist.
Ob es denn ein totes Tier sein muss, das die Flucht behindert, ist meiner Meinung nach Geschmackssache. Ich frage mich an dieser Stelle hauptsächlich, ob dieser Situation ein Funken Gewissen guttun würde, um den Protagonisten etwas mehr Menschlichkeit einzuhauchen.
Ansonsten weiter so!

VG Diamond
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misterdoogalooga
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Alter: 48
Beiträge: 32
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 25.08.2016 16:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Yuki-Cat

Habe gesehen, dass du noch eine neuere Version geschrieben hast – ich beziehe mich auf die erste Version.

Insgesamt sehr spannend (obwohl ich dich um deine Träume ein bisschen bedauere, denn das müssen ja Horrornächte sein!!!)

Meine Anmerkungen:
Cheryl hatte doch zum Zeitpunkt des Autounfalls Jakes „Dings“ im Mund. Nach dem heftigen Aufprall fehlen ihr entweder sämtliche Zähne, oder sein bestes Stück ist nicht mehr wie es früher war – oder beides Wink

Die Sprache ist insgesamt extrem cool und flott, ändert aber plötzlich im Finale, als man das Ende aus der Perspektive des Wolfes sieht – ist das bewusst so gewählt?


- Er blickte in den Rückspiegel und sah kurz etwas aufblitzen. Etwas hellbraunes.

Mir ist nicht klar, wie etwas hellbraunes aufblitzen kann?

Insgesamt eine unterhaltsame Horrorkurzgeschichte

Süße Träume


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