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Die Dunklen kommen


 

 
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Arado
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 59
Beiträge: 5
Wohnort: Tübingen


BeitragVerfasst am: 17.04.2016 19:50    Titel: Die Dunklen kommen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi zusammen, ich versuche es einmal. mit dem Exposé zur Geschichte.



Exposé


Die Menschen von Ginovera sind ein friedliches und freundliches Volk, das auf einer begrenzten Fläche lebt und aufgrund der natürlichen Grenzen ihres Lebensraums kein Interesse haben, weitere Gebiete zu erforschen. Ihr Lebensraum ist zum einen durch ein hohes Gebirge und zum Anderen durch das Meer begrenzt, in dem angriffslustige große Fische leben.


In dieser ruhigen Welt geschieht plötzlich das Unfassbare: gesunde Menschen werden müde und kraftlos und sterben innerhalb weniger Tage. Die Heiler der Welt stehen vor einem Rätsel und müssen hilflos zusehen, wie Kranke in jedem Alter sterben. Es stellt sich heraus, dass allen Verstorbenen ein seltsames, dunkles Mal auf dem Rücken gemeinsam ist. Die Leute sind hochgradig beunruhigt und davon überzeugt, dass etwas Unheimliches die Stadt heimsucht.
Elomar, die Matriarchin der Stadt weiß, dass sie handeln muss. Dabei entdeckt sie, dass Keanu, ein etwas kränklicher junger Mann, mehr über die Angriffe zu wissen scheint. Nachdem er selbst zum Opfer wird, geschieht etwas Merkwürdiges: anstatt immer matter zu werden und zu sterben, scheint er kräftiger zu werden. Darüber hinaus ist er in der Lage

In der Stadt macht sich immer mehr Angst breit, weil die Angreifer nicht zu sehen oder zu fassen sind. Es werden die üblichen Verdächtigen gesucht und gefunden. Schließlich werden Vermutungen laut, dass Zugereiste, die vor der Stadt in einer Enklave leben die "Dunklen" sein könnten. Es kommt zu ersten Übergriffen auf die Außenseiter.
Bei einem Besuch in der Enklave durch eine Abordnung der Matriarchin stellt sich heraus, dass auch in der Enklave unerklärliche Todesfälle mit dem selben Mal aufgetreten sind. Die Verdächtigungen werden daher entkräftet und die Stadt verbündet sich mit der Enklave zu einer Zweckgemeinschaft.
Die nächste Verdächtige ist eine uralte Schamanin, die seit vielen Jahren außerhalb der Stadt lebt. Ein wilder Mob versucht die alte Frau zu töten, im letzten Moment kann dank Keanus Intervention die Matriarchin die Lynchjustiz verhindern. Die Schamanin erinnert sich dunkel daran, dass eine ähnliche Heimsuchung die Stadt vor vielen hundert Jahren schon einmal befallen hat. Sie verspricht, dass sie versucht, eine Lösung zu finden.
Die Stadtbewohner versuchen sich zwischenzeitlich durch Wohngemeinschaften vor den Übergriffen zu schützen. Dabei wird Keanu ein weiteres Mal überfallen, als er versucht, seine Freundin Lirsana zu beschützen. Anschließend ist seine Behinderung vollständig behoben und er kann die Angreifer sogar grob erkennen. Durch Zufall erkennen den Menschen, dass die geheimnisvollen Angreifer verletzt werden können. Die Jagd auf die Wesen beginnt. Es werden verzweifelte Versuche unternommen, die Angreifer zu bekämpfen oder zu fangen. Nach großen Problemen gerät endlich ein Wesen in eine Falle und Keanu gelingt es, Kontakt mit dem Wesen aufzunehmen.
Er berichtet, dass diese "Dunklen" auf dem ganzen Planeten von anderen Lebewesen Energie rauben und damit die Menschen regelrecht abernten. Sobald eine Gegend "abgeerntet" ist, ziehen die  "Dunklen" weiter.
Verzweiflung macht sich breit in der Stadt, da niemand weiß, wie die unsichtbaren Wesen bekämpft werden können. Der Matriarchin stehen viele fähige und mutige Menschen zu Seite, aber sie fragt sich, ob ihre Stadt vor dieser Heimsuchung gerettet werden kann ...

12Wie es weitergeht »




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Stefanie
Dichter und Denker


Beiträge: 1118



BeitragVerfasst am: 18.04.2016 07:24    Titel: Antworten mit Zitat

Da scheint ein Stück zu fehlen.
"Darüber hinaus ist er in der Lage " .... Was???

Das ganze klingt verworren und hat keine klare Linie.
Erst werden Menschen krank, dann ist von Angriffen die Rede.
Kenau wird überfallen und ist danach geheilt??
Dann kommen Außerirdische ins Spiel.
Der Abschluss fehlt.

Das ist keine Expose, sondern eher ein erster, ganz grober Entwurf einer Geschichte.

Im Einstand soll eigentlich eine Geschichte oder zumindest ein Auszug gepostet werden.
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schrei.ben.
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 100



BeitragVerfasst am: 18.04.2016 07:59    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich klingt das Ganze nach üblicher und nicht unbedingt schlechter Fantasy. Zwei Dinge jedoch sind mir aufgefallen:

Zitat:
Die Menschen von Ginovera

Daraus wird nicht ersichtlich, dass es sich nicht um ein Land, sondern lediglich "eine stadt" handelt.

Zitat:
In dieser ruhigen Welt geschieht plötzlich das Unfassbare: gesunde Menschen werden müde und kraftlos und sterben innerhalb weniger Tage


Später berichtest du von "Angriffen". Ich dachte zuerst an eine Krankheit, weil es sich eher so liest.

Den Halbsatz hat Stefanie ja schon erwähnt.

Wie gesagt, ich finde es recht genretypisch und könnte mir vorstellen, dass da was draus wird!

Greez, Ben
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Wolfin
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 127
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 18.04.2016 10:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

als Idee recht brauchbar.

Ich bin aber irgendwie an zweitklassige Fantasy erinnert.


_________________
Mir reicht, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn ich möchte.
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omchen
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 70
Beiträge: 55
Wohnort: paragauy


BeitragVerfasst am: 18.04.2016 21:05    Titel: arado Antworten mit Zitat

Hallo arado

leider muss ich mich den Meinungen der anderen anpassen. Vielleicht hast du eine konkrete Vorstellung in deinem Kopf und schreibst zu überstürzt. (Geht mir auch manchmal so) Im Moment allerdings überfordert mich die Vielfältigkeit um den Inhalt zu verstehen. Rolling Eyes

liebe Grüße omchen

Gebe aber nicht auf.
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Harald
Geschlecht:männlichFlachmann-Preisträger

Alter: 71
Beiträge: 5234
Wohnort: Schlüchtern


BeitragVerfasst am: 18.04.2016 21:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Arado,

das ist kein Exposé, sondern ein ausschweifender Klappentext.

Ein Exposé beschreibt das Manuskript bis zur Auflösung und dient mit einer Leseprobe zusammen dem Verlagslektor als Einschätzung der Möglichkeit, dieses MS eventuell zu verlegen.

Als Klappentext wäre es wieder zu ausführlich.

Was ich gelesen habe, klingt nicht uninteressant, kommt mir aber irgendwie schon bekannt vor …

Steht schon irgendwo eine Leseprobe?


_________________
Liebe Grüße vom Dichter, Denker, Taxi- Lenker

Harald

Um ein Ziel zu erreichen ist nicht der letzte Schritt ausschlaggebend, sondern der erste!
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Arado
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 59
Beiträge: 5
Wohnort: Tübingen


BeitragVerfasst am: 19.04.2016 17:38    Titel: Danke schon mal vorab, pdf-Datei Antworten mit Zitat

--- Exposé---
Da habe ich falsche Informationen, und werde dies gerne überarbeiten Danke. In meinen Infos stand: Exposé geht nicht bis zum Ende. Ich halte mich an Eure Empfehlung und überarbeite das.
Danke.

--- Da fehlt etwas ---
Korrekt anscheinend kann ich nicht kopieren Smile Hier der Nachtrag zum fehlenden Satz:

Nachdem er selbst zum Opfer wird, geschieht etwas Merkwürdiges: anstatt immer matter zu werden und zu sterben, scheint er kräftiger zu werden. Darüber hinaus ist er in der Lage die Fremden schemenhaft wahrzunehmen.

--- Steht schon irgendwo eine Leseprobe? ---
Derzeit noch nicht, ich kann hier aber gerne das erste Kapitel einstellen,


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Arado
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 59
Beiträge: 5
Wohnort: Tübingen


BeitragVerfasst am: 19.04.2016 18:36    Titel: ---gewünschte Leseprobe--- pdf-Datei Antworten mit Zitat

---Leseprobe---

Die Dunklen kommen


Erklärende Bilder zum Roman:

Die Stadt Ginavera mit der bekannten Umgebung


Ein RabCat, auch Katzenhäschen genannt


Ein "Dunkler"


Das "Mal" welches in den Rücken eingedrückt bei den Toten gefunden wird


Ein Klumfis, kleine Froschähnliche Hüpfer


Die Protagonisten
Keanos Wilneas, Junge, 14 Jahre, körperlich schwach, hellwach, kreativ; leichte Art der Kinderlähmung, wird gehänselt, mutig, klug, gewitzt. Sein Rabcat heißt Trillie
Lirsana Wartengo, Freundin, 14 Jahre, heimliche Bewunderin, beschützt Keanos; starkes Mädchen, hochgewachsen, helle Haut, Familie ist hier anerkannt. Ihr Rabcat heißt Willibi
Rofer  Ringerts Schulfreunde, Chaninka Vertifer Schulfreundin
Gegenspieler zu Keanos: Der Junge Kizuno, ein stürmischer aufmüpfiger Junge

Der Rat von Ginavera
Elomar Junotau Matriarchin, Regentin und Ratsvorsitzende,
Helenka Karsimanja Agrarlehrerin
Rasscat Mummelser Kartenzeichnerin
Untinka Kamleser Astronomin und Zeitenplanerin
Ullana Wallomata Heilerin und Giftbeauftragte
Maximola Timeasi Gastwirtin
Roxxana Lehrmena Fischerin und Seewirtin
Mennaris Kunglema Gelehrter
Seramar Bridonni Ingenieur für Dampftechnik
Jeramar Boller          Oberster Techniker und Dampfgelehrter
Horalis Semijiaduk Händler und Fruchtgelehrter
Jannik Koramalaser Glasmacher (Optiker)
Fennekai Duranja Obermineur und Steingelehrter
Neues Ratsmitglied:
Hermal Koramalaser, Sohn des ehrbaren Glasmachers Jannik Koramalaser

Weitere Stadtbewohner:
Haatu Gastwirt
Pontosis Dampffabrikarbeiter
Oskaan Tuchmacher
Eglin          Alte weise Frau
Irstak Schuster
Druska Sailg Ersatzkindergärtnerin
Krintus Heiler
Sverneck Algerdan und Miesokay Domnawek, Schiffbauer
Neama oberste Heilerin
Piriuka Fischer
Kiribein Metzger
Zinta Schneiderin
Oikridia und Tselupaih  Ihliasinas, Nachtwache (weibliches Ehepaar)
Melinga Brüder Nachtwache

Enklave der Merger
Meralingo Ebualdson Bürgermeister der beiden Enklaven
Ibrima Kaldomay Seher und einer der Ältesten
Madschke Lama bester Freund von Meralingo
Svönnikir Musomai Gelehrter Schulmeister
Villi Musadenka die Erste Heilerin
Ulata Ebulda Zwillings Mädchen 14
Marga Ebulda Zwillings Mädchen 14
Varino Ulfadsor Schwester eines Verstorbenen Merger



Zeit: Imperfekt, Vergangenheitsform (3. Person)
Zahlensystem: Dutzend
Längeneinheit: Ellas (1 Ella entspricht knapp einem Meter)
Gewichtsmaß: Pont (2 Pont entsprechen einem Kilogramm)
Zeitmaß: 24 Stunden, 12 Monate,
Währung: Matras, seltene wertvolle kleine Glitzersteinchen
Bank: Kein Bankwesen jeder bewahrt das bisschen selber im Haus auf
Bevölkerung: ca. 5000 Leute, werden sehr alt bis zu 125 Jahre
Typen: Südlich, Europäisch, gebräunt, dunkles Haar, häuslich, tierlieb, meiden Gefahr, intelligent,wissbegierig, grüner Daumen, kaum Geiz, Prahlsucht, Völlerei, (wenige Ausnahmen)
Sex: Monogamie, Liebe ist mit beiderlei Geschlecht möglich
Götter: Beide Sonnen werden verehrt; Die große helle namens Lixana und kleine kräftige namens Minata
Landwirtschaft: Steckrüben, Saim genannt. Diverse Früchte, Wurzeln, Pilze, sehr naturbelassen,
Nahrungsmittel: SAIM Pflanze. Aus den Rüben werden diverse Ess- und trinkbare Sachen hergestellt. Schalen und Blätter werden auch genutzt. Aus dem Saft wird mit Zugange einiger anderer Mittel eine Art Bier (Matera) gebraut. Mark ist sehr nahrhaft, Stärkehaltig wie Manjok, Kartoffeln,
Regierungsform: Matriarchat
Verwaltung: Rat 12 Mitglieder, 1 Vorsitzende, die Matriarchin. Rat tagt im Zentralhaus (Ratshalle), Halle für allerlei Veranstaltungen
Bildung: Schulsystem, eine Art Gesamtschule, Industrielle Ausbildung und Landwirtschaftsshule
Meer: Riesiges Meer, schöner Strand, Naturhafen, schmackhafte große Fische, wenige aber starke Gräten.
Fische: wandern in den Gewässern landeinwärts, im Meer gibt es
grauenhafte Monster: vermutlich eine Mischung aus Hai und Mantis, frißt keine Menschen, wirft Boote um, Leute ertrinken, sehr gefährlich.
Gezeiten: Kein Mond keine Gezeiten

Tiere:

Rabcats (Katzenhäschen) kleine putzige Tierchen, die bei der Geburt eines Menschen ihm in die Wiege gelegt werden. Werden so alt wie Menschen, ständige Begleiter. Senden eine Welle aus, die die Menschen beruhigt und kräftigt. Fressen kleine Rüben, Herdentiere werden einmal im Jahr läufig, versammeln sich dann auf einer großen Wiese mit vielen Löchern. Der Höhlenbereich ist riesig, für Menschen nicht zugänglich. Populationsdichte ist gering es gibt mindestens so viele Rabcats wie Menschen, eher mehr.

Klumfis, kleine Froschähnliche Hüpfer, fressen Reste und räumen hinter Haus und Hof auf, fressen die Fliegen und anderes Ungeziefer. Friedlich, niedlich, können Böses fressen, das sogar deutlich größer ist als sie selbst Faktor 3-4, sind sinnvoll und werden geduldet.

Große Vögel die Fische jagen, gelten als friedlich geben sehr gute Eier, schwer zu ernten im Urwald


Kapitel 1
Gernrod Leisuk

Gernrod Leisuk saß an seinem Boot und pfiff ein munteres Liedchen. Er war wie sein Vater und sein jüngerer Bruder ein Netzeflechter. Mit seinen 121 Jahren war er noch sehr rüstig und trank gerne, wenn der Durst groß genug war, ein großes Glas Matera, eine Art Bier, in einem Zug leer. Am frühen Nachmittag hatte Gernrod seine Netze repariert und zwei von anderen Bürgern ebenfalls geflickt. Er entschied sich, dass Zeit war, diese Netze den Kunden zu bringen. Sein Werkzeug verstaute er wie immer in seinem Rucksack, dann rollte er die beiden Netze zusammen und knotete sie auf seinen Rucksack. Gutgelaunt stimmte er ein lustiges Liedchen an und ging mit strammen Schritten auf die Stadt Ginavera zu, seiner Stadt, die eigentlich die einzigen Stadt weit und breit war. Die Bürger, die ihm begegneten, grüßten freundlich und Gernrod hob ebenfalls seine Kappe zum Gruß. Er freute sich auf den Abend, sein lieber Mann hatte ihm versprochen, eine Salisa-Suppe mit Pilzen zu kochen und er war einfach der bessere Koch.

Da auf Ginavera Eheschließungen unter beiderlei Geschlecht nichts Anrüchiges hatte, gab es kaum Streit und die Stadt mit ihren gut 5000 Einwohnern war ausgesprochen friedlich. Das lag auch an der Regierungsform, denn in Ginavera herrschte das Matriarchat, eine Regentin. Die geachtete Matriarchin hieß Elomar Junotau und sie umgab sich mit einem Rat aus 12 angesehenen Bürgern beiderlei Geschlechts. Von der anderen Bachseite grüßten die Ihliasinas, zwei schöne junge Frauen, die sich erst im letzten Sommer getraut hatten. Sie glichen sich wie ein Ei dem anderen und waren doch aus zwei verschiedenen Familien. Sie sangen mit Gernrod einige seine Lieder und er fühlte sich herrlich jung dabei.

Kurz darauf sah Gernrod den jungen Keanos auf einem umgestürzten Baumstamm sitzen, neben ihm seine Freundin Lirsana, die mit ihm durch dick und dünn ging. Gernrod grinste beiden zu und schmunzelte in sich hinein, als er daran dachte, wie Lirsana ihren Keanos vor spottenden Kindern wie ein Furie verteidigte. Keanos war ein lieber Bursche und ein helles Köpfchen, leider war er durch eine leichte Form der Kinderlähmung etwas gehbehindert. Daher schlossen ihn die anderen Kindern oft von ihren Wettkämpfen aus, aber Lirsana sorgte dafür, dass keines der Kinder ihn mehr zu verspotten wagte. Sie waren schon ein seltsames Pärchen, der schwächelnde Keanos und die starke, selbstbewusste Lirsana. Um die Jugendlichen herum wuselten ihre Rabcats Willibi und Trillie und jagten sich gegenseitig.

Lirsana wandte sich wieder Keanos zu, als Gernod vorbei gegangen war. „Ich mag Gernrod sehr,“ meinte sie, „er ist immer freundlich und behandelt uns nicht wie kleine Kinder wie einige andere ...“ Keanos nickte: „Ja, mir wurde neulich auf dem Markt tatsächlich ein Lutscher angeboten. Und dann kann man ja nicht mal nein sagen. Ich habe ihn aber gleich der kleinen Meretild gegeben, die hat sich gefreut.“ Lirsana schüttelte den Kopf: „Ich glaube, ich wäre nicht so ruhig geblieben wie du. Ich hätte mich wohl richtig geärgert. Ich bewundere, dass du immer so ruhig und überlegt bist.“ Keanos lachte sie freundlich an: „Und ich finde es toll, wie schnell und stark du bist und dass du dir nichts gefallen lässt.“ Ein wenig trauriger setzte er hinzu: „Na ja, da habe ich halt ein Problem mit dem dummen Bein. Ich wünsche mir oft, dass ich ganz gesund wäre, dann könnte ich dich beschützen, nicht anders herum.“ Seine Freundin lächelte: „Ach was, Keanos, ich kann mich doch selbst schützen und dabei dich gleich mit, das passt doch. Dafür hast du die besseren Ideen und bist klüger.“ Dann mussten beide lachen: „Unglaublich, wir loben uns gegenseitig …“ „Komm, lass uns zum Fluss hinunter gehen!“

Am Stadteingang dampften die Kraftmaschinen der Weberei und zischten ihr Lied. Gernrod hatte die Technik der Dampfmaschinen nicht so recht verstanden, aber bei der neusten Technik musste er auch nicht mehr mithalten. Nur die Ingenieure, Techniker und Dampfer verstanden es, damit unfallfrei umzugehen und seit der Rat vor Jahren eine Verordnung zum sicheren Betrieb vorschrieb, kam es auch nicht mehr so oft zu Explosionen der Dampfkessel. Diese mächtigen Maschinen wurden für allerlei Arbeiten eingesetzt. Als Pumpen oder Antriebe für die ganzen Maschinen die in der modernen Stadt an allen Ecken gebraucht wurden. Oder als Antrieb auf den Zugmaschinen für die Ernte. Findige Ingenieure bauten diese Dampfmaschinen auch in kleinen Fahrzeuge ein um rasch von einem zum anderen Ende der Stadt zu kommen. Überall sah man diese modernen Techniken und das polierte Messing schimmerte im Glanz der beiden Sonnen.

Die Stadtbewohner grüßten Gernrod Leisuk und er grüßte freundlich zurück. Es war eine schöne, heile Welt, alle waren sehr freundlich, oder fast alle. Einige wenige waren dann doch etwas Besonderes, sie fühlten sich als bessere Menschen. Einer von diesen kam gerade auf der anderen Straßenseite dem Netzeflechter entgegen: der reiche Kaufmann Graumer Zieg, dem er nur leicht zunickte. Er mochte diesen gierigen Menschen nicht. Fast alle Ginoveraner waren vollkommen zufrieden, mit dem was sie hatten. In der Regel ein kleines Haus mit ausreichend Platz für die meist kleine Familie. Die Felder gaben genug Nahrung für alle her, und die Saim-Pflanze lieferte außer Nahrung auch noch das Material für Kleidung und eine Art von Papier. Zahlungsmittel waren kleine, glitzernde Steinchen, Matras genannt, die in der Nähe des Gebirges abgebaut wurden und deren Gewicht und Farbe den Wert ausmachte. Diese kleinen Steinchen waren selten und hatten daher einen vom Rat festgelegten Wert.

Die meisten Bürger kamen mit wenigen Matras zurecht, da vieles auf Tauschhandel beruhte. Nur für besondere Dinge sparten sie eine Weile, bis die Menge Matras ausreichte, um es von einem der Kaufleute zu kaufen. Graumer Zieg hatte von allen Kaufleuten stets die höchsten Preise, dennoch verstand er sich darauf, seltene Ware zu besorgen. Graumer Zieg war richtig gierig nach Matras und hortete sie in großen Mengen, während die meisten Familien nur wenige davon besaßen. Gernrod mochte auch nicht, wie der Mann sich kleidete. Die meisten Bewohner Ginoveras kleideten sich zweckmässig in bequeme Hemden und Hosen, nur an Festen putzten sie sich heraus und trugen gerne bunte und kunstvoll bestickte Kleidung.

Graumer Zieg aber lief immer in einer dieser Festtagskleidungen herum, zumeist knallrot und sehr auffallend. Er wollte wohl demonstrieren, dass er essich leisten konnte, auch an normalen Werktagen mit dem besten Gehrock auszugehen. Sein polierter Gehstock war immer mit dabei und er schwenkte ihn so auffällig, dass er nicht zu übersehen war. Gernrod runzelte die Stirn und fragte sich, warum das einem Menschen so wichtig sein konnte. Dabei trottete Graumers Rabcat mindestens einen Meter hinter ihm her. Es gab Leute, die waren sich sicher, dass Graumer Zieg sein Rabcat bereits ein oder mehrere Male geschlagen hatte, aber keiner wollte oder konnte das beweisen. So tat das kleine Rabcat, das was am besten war, es blieb außerhalb der Reichweite. Graumer Zieg stolzierte weiter der Straße entlang und Gernrod verlor ihn aus den Augen.

Als Gernrod seine beiden Netze abgeliefert hatte, spielte er noch eine Weile mit seinem Rabcat Tikki, das bis jetzt brav neben ihm her getrottet war, ehe er sich auf den weiteren Heimweg machte. Die Rabcats waren kleine putzige Tierchen und gehörten zu den Einwohnern  der Stadt wie die Hand an den Arm. Bereits bei der Geburt erhielt jeder Ginoveraner in der Stadt sein persönliches Rabcat, es wuchs mit ihm auf und begleitete ihn zeitlebens. Diese niedlichen und liebenswerten Tierchen standen mit ihrem Menschen auf, begleiteten ihn überall hin und gingen mit ihm wieder schlafen. Da sie Selbstversorger waren und kleine Rüben fraßen, die überall wie Unkraut wuchsen, waren sie äußerst pflegeleicht und wurden von ihren Menschen sehr geliebt. Tikki brachte Gernrod ständig zum Lachen mit seinen Kapriolen. Er rannte munter voraus, stoppte plötzlich ab und rollte sich über die Seite, um wieder zu Gernrod zurück zu rennen. Das kleine Kerlchen hatte sichtlich Freude an dem Spiel.

Gernrod sinnierte weiter … Streit gab es eigentlich so gut wie nie in seiner Stadt, Gernrod konnte sich nicht daran erinnern, jemals in seinem langen Leben einen richtigen Streit erlebt zu haben. Gut vor über 20 Jahren hatten die Burgers einmal einen kleinen Zwist mit den Nachbarn und es gab blutige Nasen, aber das war schon so lange her. Ein paar der Mitbürger ärgerten sich mehr oder weniger offen über die Gier des Kaufmanns Zieg, aber als Streit konnte man das nicht bezeichnen. Im Gegenteil, der Spaßvogel Torokay Jamlis, der gerne Leute parodierte, brachte seine Mitmenschen stets zum Lachen, wenn er herumstolzierte wie der Kaufmann und auch genauso blasiert sprach. Graumer Zieg war davon nicht sehr begeistert und hatte Torokay schon mehrmals heftig deshalb zurechtgewiesen. Aber man konnte selbst das keinen Streit nennen, denn Torokay lachte einfach darüber.

Gernrod ging über den Marktplatz, an dem sich die vier Stadtbereiche trafen, und trank noch ein Matera mit seinem jüngeren Bruder Samuuhska, der mit seinen 101 Jahren der Jüngste in der großen Familie der Leisuks war. Ihr Vater war letztes Jahr mit 148 Jahren verstorben und wurde anständig im Moor beigesetzt, so wie es der Brauch seit unzähligen Zeiten verlangte. Er erreichte damit ein schönes Alter, wobei es nicht ungewöhnlich war, wenn die Menschen über 150 Jahre alt wurden. Da die meisten Ginoveraner sich auch bis ins hohe Alter körperlich betätigten, waren die meisten Alten bis zuletzt noch sehr fit und beweglich. Samuushka fragte seinen Bruder: „Wie geht es deinem Mann? Ich habe ihn schon ein paar Tage nicht mehr gesehen?“ Gernrod lächelte und erwiderte: „Im Moment blüht alles in seinem kleinen Kräutergarten, da werkelt er Tag und Nacht drin. Ich bekomme ihn kaum noch aus dem Garten. Dafür kocht er mit den Kräutern zurzeit noch leckerer als sonst!“ Samuushka lachte: „Oh, dann müsst ihr meine Frau und mich mal wieder zum Essen einladen, wir sind ja immer ganz begeistert!“ Sein Bruder nickte und meinte: „Das ist eine wirklich gute Idee, wir machen uns mal wieder einen gemütlichen Abend zusammen, Hermanuk wird sich sehr freuen.“ Dann erzählte Samuushka noch ein paar witzige Anekdoten aus ihrer gemeinsamen Jugend und Gernrod ging lachend mit Tikki nach Hause.

Endlich kam Gernrod am Haus seines Partners Hermanuk an und es empfing ihn ein herrlicher Essensduft. Nach der üblichen herzlichen Begrüßung aßen sie ihr Abendbrot, das ihre Hauptmahlzeit war, und unterhielten sich danach draußen vor dem Haus in den Schaukelstühlen über den folgenden Tag. Natürlich gönnten sie sich dabei eine herzhafte und wohlriechende Pfeife. Tikki und Hermanuks Rabcats Sirsta rasten ums Haus und benutzten den Garten als Rennbahn. Als die beiden genug hatten, kuschelten sie sich auf dem Schoß ihrer Menschen zusammen und diese fühlten sich dabei wunderbar.

Tikki und Sirsta stießen kleine Laute der Zufriedenheit aus, eine Mischung zwischen Fiepen und Schnurren. Alsbald sprangen sie wieder auf die Staße und spielten mit anderen Rabcats fangen.

„Die Saim-Ernte steht vor der Türe, da werden alle Bürger wieder mithelfen müssen. So viel Saim wie in diesem Jahr hatten wir im vorigen Jahr nicht.“ „Ja, da hatten uns die Saimbohrer gut ein Viertel weggefressen, diese ekelhaften Bohrlarven.“ „Schade, dass unsere Rabcats die nicht jagen können, dann hätten wir sicher Ruhe.“ „Oder diese Klumfis, die fressen doch sonst alles Ungeziefer und putzen die Straßen.“ „Ja, diese Klumfis, was sich unsere Sonnengötter nur bei denen gedacht haben, aber irgend einen Grund müssen sie ja gehabt haben, diese Klumfis zu schaffen“

Beide lachten und schauten ihren beiden Rabcats zu, wie sie schon wieder im Gras umher hüpften und mit einigen anderen Rabcats Fangen spielten. Sie freuten sich immer wieder über die Farbenvielfalt und die Lebendigkeit dieser herzigen Tierchen. Vereinzelt hüpften die kleinen Klumfis, krötenartige Tierchen, durch die Gegend, die die Wege sauber hielten, wenn etwas heruntergefallen und irgendwie verwertbar war. Man sah diese kleinen Putzer überall und duldete sie, da sie ja die heimlichen Saubermänner der Stadt waren. Aus dem Hafenbereich ertönte das Dampfhorn der Hauptfabrik, das bedeutete, es war Zeit, langsam die Leuchtmoose aus der untergehenden Sonne zu holen und ins Haus zu hängen.

Die Leuchtmoose speicherten tagsüber das warme Sonnenlicht der beiden Sonnen, wenn sie im Freien hingen. Die größere  Hauptsonne war bereits untergegangen und nur noch die kleinere weiße Sonne spendete für die nächste halbe Stunde Licht. Also sammelten die beiden ihre Leuchtmoose aus der Wiese. Sobald sie diese anhoben, begannen sie recht hell mit einem gelblichen Ton aufzuleuchten. Bei den anderen Häuschen sah man das gleiche Schauspiel, die Stadt machte sich bereit für die Nachtruhe.

Im Häuschen hingen sie die Moose an die vorbestimmten Plätze und strichen einmal über die Flächen, sofort begannen diese zu leuchten. Dort würden sie für die restliche Nacht ein sanftes Licht abgeben. Lediglich aus dem Schlafgemach blieb das Leuchtmoos draußen, dann konnte man gut einschlafen. Diese Beleuchtung hielt über Nacht und wurde dunkler, wenn man eine längere Zeit nicht darüber strich. Die Rabcats hüpften noch eine Weile durch das Zimmer und kuschelten sich schließlich zu ihren Menschen. Bald bewiesen tiefe Atemzüge dass sie schliefen. Draußen auf den Straßen wurde es zusehends ruhiger, einige Spätheimkehrer suchten den Weg zu ihren Häusern, hier und da schlichen ein paar Verliebte durch die Gassen. Ansonsten stellte sich die Stadt auf die Nachtruhe ein. Die Sterne flammten am Firmament auf und die riesige Spiralgalaxis bedeckte mit ihren Farben den Nachthimmel. Von der Meerseite her wehte hin und wieder ein leichter salziger Wind und die großen Seevögel zogen hinaus auf die See. Niemand wusste, wie und wo sie übernachteten.

Am Morgen krochen die ersten Sonnenstrahlen durch die Gassen und weckten nach und nach die liebenswerten Menschen in Ginavera aus dem Schlaf. Die Türen und Fenster öffneten sich und überall reckten und streckten sich die Menschen. Bald danach duftete es aus vielen Häusern nach leckerem Frühstück, so auch bei Gernrod und Hermanuk. Während Gernod das Häuschen lüftete und die Rabcats nach draußen zum Spielen ließ, zauberte Hermanuk ein herzhaftes Frühstück. In dünne Scheiben geschnittene und gebratene Saimknollen, gewürzt mit den frischen Kräutern aus dem kleinen Garten sowie gemahlene Knollenpflanzen und diverse Früchte, gedörrt und frisch, dazu ein duftender Tee, um gut in den Tag zu starten. Als kleine Überraschung hatte Hermanuk einen gerauchten Fisch entgratet und schön aufgeschnitten. Als alles gerichtet war, deckten die beiden draußen vor der Tür den kleinen Tisch und frühstückten gemeinsam.

So saßen die beiden da und begrüßten die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Einige Frühaufsteher grüßten von der Straße herüber und man plauderte über das, was gerade anstand. Und überall hüpften die kleinen Rabcats herum und stimmten die Menschen fröhlich. Die Gastwirtin Maximola Timeasi winkte ihnen zu, als sie vorbei ging. Gernrod mochte die gutgelaunte Frau sehr und daher rief er ihr zu: „Was bist du schon so früh auf den Beinen, Gastwirtin?“ Maximola grinste und kam näher: „Ich war am Strand und habe Muscheln gesucht. Ich nehme diese so gerne zum Dekorieren und frühmorgens findet man einfach die schönsten Stücke.“ Sie zeigte ihnen einige große Nautilusmuscheln und die Männer nickten anerkennend: „Das sind wirklich äußerst schöne Exemplare. Und du hast auch ein wunderbares Händchen zum Dekorieren. Bei dir in der Gaststube ist es immer so gemütlich, ganz abgesehen vom guten Essen und kühlen Matera!“ Die Gastwirtin strahlte und freute sich sehr über die netten Worte: „Danke, ihr beiden, wobei mir Hermanuk im Kochen nicht nachsteht! Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!“ Die beiden verabschiedeten die Frau mit einem Winken. Während sie noch frühstückten, kamen die großen Vögel von der Meerseite zurück und flogen landeinwärts über die große Barriere. Sie sahen den eleganten Seglern zu und machten sich ihre Gedanken, wo diese mächtigen Seevögel die Nacht verbrachten.

Schließlich ging Gernrod hinunter zur Anlegestelle, hier würde er mit seinen Kunden über weiteren Arbeiten an den Netzen reden und bestimmt wieder mit reichlich Arbeit zurückkehren. Die  Fische in dem Meer waren kräftig und es gab immer Arbeit für einen geschickten Netzeflechter. Als er zur Anlegestelle hinunter ging, kamen ihm zwei gute Freunde entgegen, als sie ihn sahen, begannen sie erfreut zu lächeln: „Dich schicken Lixana und Minata, schau mal, was die Ungeheuer der See mit unseren Netzen gemacht haben, die haben die Leinen zerrissen und mit etwas beschmiert, das wir nicht kennen. Wir bekommen die Leinen nicht mehr verbunden, unsere Knoten halten nicht mehr.“ Gernrod ließ sich die Netze zeigen, sie waren zerrissen. Brachiale Kräfte waren hier am Werk gewesen, eindeutig die Manatis, Gernrod kannte diese Schäden und er wusste, dass diese Monster ein Sekret aussonderten, das die Knoten nicht halten ließ. Es sei denn man wusste, wie man Spezialknoten flechten konnte. Gernrod war der Einzige, der diese Knoten beherrschte, aber auch nur, weil er von seinen Mergern-Freunden ein spezielles Werkzeug erhalten hatte. Damit konnte er drei Knoten an derselben Stelle machen, wo andere nur einen hinbekamen, und mit drei Knoten hielt das Netz auch wieder.

Innerhalb zweier Stunden hatte er die beiden Netze repariert und seine Freunde waren wieder glücklich. „Wir lassen dir zwei Körbe mit feinen Schnitten bringen, das können unsere Frauen besonders gut und du, mein Freund, bist uns das wert. Kein anderer  hätte diese Netze retten können.“ Zufrieden gingen sie ihrer Wege und Gernrod lief weiter zur Anlegestelle. Dort stand der alte Kapitän und schaute auf die See hinaus. Auch wenn er mit seinem Fernglas hinaus blickte und Gernrod den Rücken zuwandte, wusste er, wer kam. „Gernrod, mein Freund, schön, dich wieder zu sehen.“ Mit diesen Worten drehte sich der alte Kapitän zu Gernrod um und die beiden fielen sich in die Arme. Gernrod schaute in das von der See gezeichnete Gesicht des alten Kapitäns. Seine Haut war wie Leder und er hatte auf See Dinge gesehen, die andere in der Stadt niemals beschreiben konnten. Gernrod sah in das Gesicht und lächelte. „Deine alte Wunde, sie drückt dich wieder. Ist er immer noch da dieser Schmerz, wenn die Manatis kommen?“ „Ja, der Haken ist immer noch drinnen, vernarbt und verwachsen. Daher weiß ich genau, wenn diese Manatis kommen, denn dann juckt der Haken immer besonders stark. Aber sag, was ist mit dir, wer hat dir Leid angetan, mein alter Freund? ddu schaust aus, als hätten dich hundert Bohrlarven angeknabbert?“

Gernrod lächelte, er konnte dem alten Seebären nichts verheimlichen, sie kannten sich schon das ganze Leben und waren stets gute Freunde gewesen. „Ich verstehe das nicht, wenn ich abends schlafen gehe, dann fühle ich nichts, aber ich träume, dass sich ein Tier auf mich setzt und mich auf den Boden drückt. Natürlich ist da nichts, aber am Morgen fehlt mir die Kraft und mein Rücken schmerzt und dann dieser Abdruck da auf meinem Rücken.“ Der alte Kapitän nahm ihn beiseite, sie gingen an Bord eines der Dampfschiffe und dann unter Deck in die Kabine.

„Zeig mal, Gernrod“, sprach er mit seiner sonoren Stimme und Gernrod drehte sich um und hob sein Gewand. Der alte Kapitän hatte schon einiges gesehen. „Bei allen fetten Tastenteufeln der See, das ist das Mal der Meermonster, ich dachte, die wären hier ausgestorben, seit wann hast du dieses Mal?“ „Meermonster? Übertreibst du jetzt nicht alter Freund? Ich kenne keine Meermonster und ich bemerke das Mal bei mir seit gut zwei Wochen.“ „Nun, mein Freund, ich habe keinen anderen Namen, deswegen nenne ich es eben Meermonster. Meine Ahnen haben diese Geschichte weitergegeben, aber es wurde schon lange kein solches Mal mehr gesehen. Es muss viele hundert Jahre her sein, als es zuletzt auftrat und ich kann dir nicht helfen. Bitte suche Rat bei den Ältesten hier in der Stadt. Ich würde dir vielleicht noch raten, die Stelle mit dem doppelt gebrannten Saim-Schnaps einzureiben und den dreifach gebrannten runterzuspülen, aber du weißt so wie ich, dass das gar nichts helfen würde. Es würde nur gut schmecken.“  

Gernrod verabschiedete sich von seinem Freund. Dann ging er zu seinen Freunden am Stadtrand. Sie hatten eine Wagenfahrt zum Moor organisiert und gerne fuhr Gernrod mit ihnen mit. Hier am Moor der Gedächtnisse wurden ihre Lieben nach dem Tod in Tücher eingewickelt und im tiefen Moor versenkt. Man wusste, dass das Moor von hier unten aus weiter strömte und ihre geliebten Verstorbenen langsam, aber immer weiter in das Hinterland schob, weiter und weiter hinaus in die endlosen Weiten des ewigen Moores. Dort würden ihre Verstorbenen irgendwann zu den anderen Lieben gelangen, die bereits vor ihnen gegangen waren und man würde sich irgendwann wiedersehen.

Noch nie hatte einer aus der Stadt das Ende des Moores gesehen, geschweige denn versucht, es zu erreichen. Überhaupt hielten sich fast alle Ginoveraner entweder in oder in der Nähe der Stadt auf, besuchten eventuell noch Verwandte in kleineren Ansiedlungen außerhalb oder gingen zum breiten Sandstrand, an den das herrliche türkisblaue Meer brandete. Einige wenige besuchten die  Merger zu Handelszwecken, wenn es ihnen nicht reichte, dass diese einmal in der Woche auf den Markt kamen. Nur die Mineure, die nach den Matras-Glitzersteinchen, dem Zahlungsmittel, suchten, entfernten sich bis in die Nähe der Gebirgskette. Alle anderen Bürger hielten sich davon fern. Da oben ging es nicht ganz geheuer zu, das wussten alle.

Gernrod traf sich mit einigen Menschen aus der Stadt am Moor der Gedächtnisse und man gedachte der Verstorbenen. Die Rabcats mochten das Moor nicht und hielten sich in einiger Entfernung. Die Klumfis hingegen hielten sich aber hier seit einer Weile in Scharen auf. Die Klumfis säuberten auch das Moor, da waren sich die Menschen sicher.

Als sie weitergingen, grollte es von der hohen Felswand rechts des Moores. Diese Gebirgswand war so lang wie das Moor und schien unendlich hoch. Hoch oben auf den Gipfeln lag das ganze Jahr über Schnee, so hoch war der Gebirgskamm und noch nie hatte ein Stadtbewohner dieses Gebirge überwunden. Aber sie hatten auch kein großes Interesse daran, es zu überqueren, da sich dahinter nur Gefahren befanden. Das Grollen kam von dem Vulkan, der sich auf der gegenüberliegenden Seite befand. Man konnte ihn nicht sehen, aber das Grollen machte klar, dass er da war. Seit Hunderten von Jahren war der Vulkan nicht mehr ausgebrochen, aber sein Grollen machte allen klar, dass er jederzeit zum Ausbruch bereit war. Dieser mächtige Gebirgskamm, der ihre bekannte Welt von dem Vulkan abschottete, zog sich vom Moor her kommend über das Land hin bis hinaus zum Meer. Er bildete eine natürliche Grenze für die Bewohner, denn sowohl Moor als auch das Meer waren für sie Grenzen an die sich die Menschen hielten.

Der Gebirgskamm wurde einfach nur „Die Bergwand“ genannt. Hier lebten viele, oft merkwürdige Tiere und man sah einige Lichter, das waren diese Merger, eine kleinere Händlergruppe, die außerhalb der Stadt lebten und arbeiteten. Keiner wusste mehr genau, wann diese zum ersten Mal erschienen waren oder von wo sie stammten. Man wusste nur eines ganz genau, ihre Waren waren besonders gut. Sie hatten Porzellan und Eisen, Dieses Eisen wussten die Merger sogar zu Stahl zu veredeln, das war deutlich besser als das, was man in Ginavera herzustellen wusste. Gernrod hatte wenig mit den Mergern zu tun, aber er traf sich mit zwei von ihnen unregelmäßig an dem Moor der Gedächtnisse. Sie waren an seiner Flechtkunst interessiert und er bekam hin und wieder etwas kleines, aber besonderes von ihnen. So hatte er einen feinen, sehr scharfen Dolch erhalten, nachdem er ihnen beim Flechten eines sehr langen, starken Seils geholfen hatte. Bei sich bedauerte Gernrod, dass der Kontakt zu den Mergern nie so richtig gut wuchs, aber zumindest war man sich nicht fremd.

Als er am Nachmittag auf einer Bank unter einem uralten Baum saß und seine Pfeife schmauchte, kam einer der Merger zu ihm und setzte sich grüßend zu ihm. Die beiden sprachen eine Weile über ihre Tabakvorlieben, tauschten einige Tabakproben aus und redeten über alles Mögliche. Gernrod sah die spielenden Kinder der Merger, die immer näher zu ihnen kamen. Sie hatten keine Angst vor ihm und er würde diesen liebenswerten Menschen auch niemals ein Leid antun.

Die Merger hatten eine deutlich hellere Haut, waren durchwegs einen halben Kopf größer und hatten einen wachen Blick. Handwerklich waren sie im Metallwesen weiter als die Städter, aber Gernrod konnte immer wieder mit seiner Flechtkunst beeindrucken. Nach einer Weile trennten sie sich wieder und Gernrod ging weiter zu den großen Saim-Feldern. Er hatte zwei Seile erhalten, die er reparieren konnte. Diese würde er dann bei den Mergern wieder abgeben und im Gegenzug sicherlich wieder etwas sehr Gutes von ihnen erhalten.

Auf dem Rückweg kamen die Moorbesucher und Gernrod an den großen Anpflanzungen der Weststadt vorbei und die Rabcats stießen wieder zu ihren Menschen. Hier wurden bereits die ersten Ernten zusammengetragen und auf die Wagen geladen. Sobald zwei der großen Wagen beladen waren, kam ein Dampfrad, eine Art Zugmaschine und schleppte die Wagen in die Stadt. Es ging hier eben alles ein bisschen gemächlicher zu, das war das Schöne an Ginavera, jeder hatte seinen Platz, jeder konnte nach seiner Fasson glücklich werden und jeder hatte dazu auch sein Rabcat. Schwer schnaufend zog das Dampfrad die beladenen Wagen vom Feld auf den Weg, ab da lief das Dampfrad schneller und die Kinder liefen jubelnd daneben her.

Einer der Älteren grüßte Gernrod und sie sprachen über die diesjährige Ernte. „Na, Visildal, wie verläuft die Ernte, haben dir die Bohrlarven wieder zugesetzt, oder ging es diesmal? Im letzten Jahr haben die ja so richtig getobt.“ „Hallo Gernrod, dieses Mal haben die Klumfis die meisten der Larven gefressen. Wir überlegen, ob wir nicht etwas Moor auf die Felder geben, da scheinen sich diese Klumfis sehr wohl zu fühlen. Auf diese Weise könnten sie noch besser aufpassen und noch mehr Larven fressen. Jetzt muss ich aber los, ich glaube der Dampfradfahrer will den großen Gang einlegen, also mach‘s gut und wir sehen uns an der neuen Matera-Schwemme.“ Mit einigen der Feldarbeiter ging Gernrod zusammen langsam der Stadt entgegen und sie sangen ihre alten Lieder, die Rabcats tanzten wie immer um sie herum und die jungen Kinder tobten dazu zwischen ihnen durch und versuchten mitzusingen. So gingen sie dem späten Sonnenlicht entgegen in die Stadt zurück.

Am anderen Morgen musste Hermanuk seinen Mann Gernrod wecken, obwohl dieser normalerweise als erster auf den Beinen war und bereits den Tee kochte. „Was ist los, Gernrod, du siehst so komisch aus, hast du schlecht gelegen oder geschlafen?“ Tikki fiepte leise und lag bei Gernrod auf dem Bett, als wollte er ihn beschützen.

„Ich weiß es nicht, aber ich komme mir vor, als hätte ich nicht die Nacht geschlafen, sondern gearbeitet, irgendwie fehlt mir die Kraft heute.“ „Na komm, ich habe das Frühstück bereits gerichtet und dein Tee ist schon fertig. Danach fühlst du dich wieder besser!“ Beim Waschen spürte Gernrod die Vertiefung an seinem Rücken wieder, die er aber nicht richtig sehen konnte und zog sich an. Er erinnerte sich aber, dass diese Vertiefung seit zwei Tagen zu sehen war, und hatte das Gefühl, dass diese jeden Tag etwas tiefer wurde. Ihm fiel auch das Gespräch mit dem alten Kapitän wieder ein und es überlief ihn kalt. Dann schüttelte er den Kopf und ermahnte sich, das Ganze nicht überzubewerten. Nach dem herzhaften Frühstück ging er wieder zur Arbeit wie jeden Tag, aber heute brauchte er deutlich mehr Kraft, um auf den Beinen zu bleiben.

Lediglich sein hüpfendes Rabcats gab ihm den Humor zurück und am Stadtrand angekommen, pfiff Gernrod bereits wieder seine Lieder. Da traf er auf einige ältere Frauen, sie kamen aus der Nähe des Moores. „Hallo Gernrod, bist du wieder auf dem Weg die Netze zu flicken? Ich weiß gar nicht, was wir ohne dein Können machen würden. Deine Knoten halten deutlich besser als die der Jüngeren.“ Einige der anderen alten Frauen nickten zustimmend. Gernrod lächelte ihnen zu. „Danke, Marja, na ihr Lieben, kommt ihr von der alten Schamanin zurück? Wie geht es ihr denn so?“ „Ach ja, sie wird älter und älter, irgendwann hat sie uns alle überlebt. Ich glaube fast, die ist unsterblich, aber es geht ihr gut und sie hat immer wieder eine Rezeptur die wir noch nicht kennen.“

„Ja, das ist das Schöne an ihr, da ist man eine erfahrene Kräutermischerin, noch nicht mal Hundert und die uralte Schamanin kennt immer noch etwas Neues. Wenn ihr sie wieder besucht, sagt ihr bitte einen lieben Gruß von meinem Mann und mir, ja?“, meinte Gernod. „Aber natürlich, mein Lieber, das richten wir ihr doch gerne aus.“ Zusammen setzten sie sich auf eine der vielen Bänke und betrachteten die Boote die in dem Hafen ein- und ausfuhren. Von dieser Bank hatte man einen guten Blick auf den gesamten Hafen.

Die drei alten Dampfschiffe der Manatis Abwehr liefen gerade wieder ein. „Schaut, der alte Kapitän hat seine Leute mal wieder gedrillt, der ist und bleibt eben ein Seemann aus echtem Schrot und Korn.“, meinte Marja. „Ja, und er ist einer der wenigen, der weiß, wie man mit diesen Monstern der See umzugehen hat.“ Alle stimmten der alten Marja zu „Wisst ihr noch, damals, als die Manatis die halbe Fischerfamilie der Beratutas gefressen haben...“ Bedrücktes Schweigen herrschte bei den Anwesenden, als sie hinaus auf den Hafen blickten. Ehe Gernrod aufstand, meinte er noch: „Ich möchte jedenfalls nicht von solch einem Monster gefressen werden!“. Wieder nickten die alten Frauen und Gernrod verabschiedete sich und ging nach Hause.

Am anderen Morgen kam Gernrod fast nicht alleine aus dem Bett und sein geliebter Mann musste ihn stützen und zum Tisch bringen. Dabei sah Hermanuk zum ersten Mal diesen Abdruck auf Gernrods Rücken. Der Abdruck hatte die Form eines dreiblättrigen, spitz zulaufenden Blattes, die Ränder sahen irgendwie zerfranst aus und es war offenbar noch Schweiß in der Vertiefung.

An diesem Tag musste Gernrod sogar zwei Tassen starken Tee trinken, bevor er sich zur Arbeit aufmachen konnte. Müden Schrittes bewegte er sich durch die Stadt, das Atmen fiel ihm schwer und die Füße waren wie Blei. Selbst die witzigen Sprünge seines Rabcats Tikki, das ihm vorauseilte, brachten nur ein müdes Lächeln in sein zerfurchtes Gesicht. Irgendwie spürte Tikki das und hielt sich nur noch eng bei ihm und strich ihm um die Beine.

Gernrod bückte sich langsam und streichelte Tikki ausgiebig, der dafür dankbar fiepte. Im Hafenbereich traf Gernrod auf seine Freunde und besprach die künftigen Aufträge. Wie immer trafen sich die Freunde bei den drei schweren Dampfbooten mit den Dampfharpunen.

Die drei Boote waren von der Bürgerwehr gebaut worden, um auf dem Meer die gefährlichen Manatis zu vertreiben, große Fische, die wie eine Mischung aus Mantarochen und riesigem Hai aussahen und Fischerboote angriffen, die zu weit aufs Meer hinaus ruderten. Glücklicherweise mussten die Boote schon einige Zeit nicht mehr auslaufen.

Der befehlshabende Kapitän aber hielt die Mannschaft immer auf Trab und alle machten auch mit, wussten sie doch genau um die Gefahr. Einige seiner besten Freunde sprachen ihn auf seine Kraftlosigkeit an, aber Gernrod meinte immer wieder, es sei wohl nur eine vorübergehende Schwäche.

Als er an diesem Abend nach Hause kam, hatte er keinen Appetit und fiel sogar ohne seine geliebte allabendliche Pfeife und Unterhaltung mit Hermanuk ins Bett. Sein Mann deckte ihn zu und gab ihm einen Gutenachtkuss. Mit besorgter Miene blieb er noch einige Zeit neben dem Bett stehen und lauschte dem schweren Atem von Gernrod.

Tikki rollte sich am Fußende zusammen. Hermanuk wollte Gernrod nicht stören und beschloss, in der Wohnstube auf dem Sofa zu schlafen. In der Nacht meinte Hermanuk ein Geräusch zu hören. Er stand auf und schaute ins Schlafszimmer. Tikki stand ganz steif auf dem Bett und fiepte kläglich. Hermanuk streichelte die verschwitzte Stirn von Gernrod und träufelte ihm etwas Wasser in den Mund.

Dann öffnete er das Fenster um die angenehme kühlende Abendluft herein zu lassen. Gernrod mochte so sehr die frische Nachtluft. Schon als kleiner Junge war er draußen, sooft es ging, er hatte in den vielen Sommernächten im Freien gelegen und kannte die Sternbilder am herrlichen Nachthimmel. Hermanuk wusste das, sie hatten sich in jungen Jahren so kennen gelernt und jetzt versuchte er seinem geliebten Gernrod die Nachtruhe so angenehm wie nur möglich zu machen. Alle Fenster waren weit geöffnet, die Luft konnte ungestört durchwehen und vor bösen Monstern musste man sich hier in der Stadt nicht fürchten, das war allen klar.

Gernrod murmelte im Schlaf und Hermanuk zog sich wieder zurück. Am folgenden Tag konnte Gernrod gar nicht mehr aufstehen und röchelte nur noch. Hermanuk rannte aufgelöst zu dem Heiler Krintus und bat ihn, sich Gernrod anzusehen: „Krintus, du musst dringend zu Gernrod kommen. Es geht ihm sehr schlecht. Er kann nicht mehr aufstehen, fühlt sich schwach und hat Atemprobleme.“

Krintus packte seinen Heilerrucksack und eilte mit Hermanuk zu dessen Haus. Krintus untersuchte Gernrod gründlich und sah zwar die Vertiefung an seinem Rücken, konnte aber sonst nichts feststellen. „Gernrod, ich denke, du hast einfach einen kleinen Schwächezustand. Immerhin bist du auch schon 121, da kann man nicht immer Bäume ausreißen.

Bleib ein paar Tage im Bett, Hermanuk wird dir einen Tee nach meinem Rezept und eine Saim-Suppe machen. Dann kommst du schnell wieder zu Kräften.“ So verabreichte er Gernrod eine heilende Salbe für den Rücken, gab ihm einen starken Wurzelsaft und versprach Hermanuk, dass er sich Gernrod am Folgetag erneut ansehen würde.

Aber der Heiler sollte sich irren.

Als Hermanuk am nächsten Morgen aus der Wohnstube, in der er aus Rücksicht auf den Kranken übernachtet hatte, ins Schlafzimmer kam, reagierte Gernrod nicht auf seinen Guten-Morgen-Gruss. Irritiert sah er, dass Gernrods Rabcat unbeweglich neben Gernrod lag. Normalerweise strich es immer um sein geliebtes Herrchen herum.

Hermanuk beugte sich über Gernrod, der auf dem Bauch lag und legte ihm die Hand auf den Arm. Er erschrak bis ins Mark: Gernrods Körper war eisig kalt – er war tot. Ein lauter Schrei hallte durch das Haus und von draußen schauten die ersten Menschen sich um. Die Freunde kamen und wollten wissen, ob sie helfen konnten. Heramuk schluchzte verzweifelt auf. Er beugte sich zu Tikki und nahm ihn in den Arm. Langsam löste sich die Starre des armen zitternden Rabcats wieder, aber es brach in ein klagendes Fiepen aus. Das Fiepsen des kleinen Tieres wurde lauter und trauriger. Das kleine Rabcat trauerte auf seine Weise um seinen geliebten Begleiter.

Dann untersuchte Hermanuk Gernrods Rücken. Die merkwürdige Wunde war mittlerweile grau bis fast schwarz geworden. Dieser Abdruck hatte die Form eines dreiblättrigen, aufrecht stehenden,  spitz zulaufenden Blattes, die Ränder sahen zerfranst aus, etwa so wie die Blätter der Marabuspflanze.

Der Heiler Krintus kam kurz darauf und war wie vor den Kopf geschlagen. Er stand vor einem Rätsel, die Wunde am Rücken war mit Sicherheit nicht tödlich. Gernrod hatte auch keines der gefährlichen Fieber gehabt und eine Wunde wie diese hatte er noch nie gesehen...

Der Heiler Krintus war völlig sprachlos, er hatte sonst auf alle Krankheiten in der Stadt die passende Heilung, aber das hier war für ihn unfassbar. Er drückte Hermanuk sein Beileid aus und ging traurig nach Haus. Die restlichen Freunde waren schnell benachrichtigt in der kleinen Stadt. Gemeinsam mit dem schluchzenden Hermanuk wuschen sie Gernrod und wickelten ihn in ein Tuch.

Tags darauf war die Versenkung, eine Art Beerdigung angesetzt worden. Auf einem kleinen Wagen brachten sie ihn einem Trauerzug hinaus aus der Stadt. Der Trauerzug war gewaltig, viele Hunderte gingen aus der Stadt mit zur Versenkung ins Moor der Gedächtnisse. Hier wurden die Verstorbenen dem Moor anvertraut, es nahm die Verstorbenen mit zurück in die Erde und auf die neue große Reise. Seit Urzeiten wurden die Verstorbenen auf diese Weise beigesetzt.

Tränen flossen reichlich, die Freunde stützten Hermanuk und die kleine Bürgerkapelle spielte traurige Musikstücke. Von oben aus der Enklave der Merger waren auch Trauernde gekommen. Selbst in der Trauer hielten sie noch etwas Abstand. Sie spielten einige traurige Lieber und gesellten sich nach und nach zu den anderen Trauernden.

Gernrod hatte es tatsächlich verstanden, die Grenzen zwischen den beiden Völkern zu überwinden. Nun war er verstorben, aber die beiden Gruppen standen, verbunden in der Trauer, beisammen und weinten die gleichen Tränen um ihren geliebten Freund. Von oben auf der Anhöhe der Merger spielten Hörner ihr Klagelied und es wurde über das Moor der Gedächtnisse getragen.

So ging ein liebenswerter Mitbürger viel zu früh hinüber zu den Ahnen. Das dreieckige Mal auf dem Rücken blieb allerdings allen ein Rätsel…

Am Ende der Trauerfeier zogen dann zwei Gruppen ihrer Wege, die einen hinauf in die Enklave der Merger, die andere hinunter zu den wartenden Dampfwagen um alle in die Stadt zurück zu fahren. Da es sonst keinen richtigen Kontakt zu den Mergern gab war damit auch eine der wenigen Kontakte erloschen. Da Gernrod verstorben war, wurden auch die Kontakte zu den Mergern immer weniger und nach und nach schienen sie ganz zu versiegen.

So lebten die Merger in ihrer Enklave weiter und in der Stadt ging das Leben weiter. Das war der endlose Gang des Lebens, zum Glück und der Freude gehörte auch der Tod, das vergaßen die Menschen hier in Ginavera niemals.

...

(Bin gerade erst bei Kapitel 14)

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Lilala
Sonntagsschreiber


Beiträge: 22



BeitragVerfasst am: 19.04.2016 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Arado,

Ich muss gestehen, dass ich deine Leseprobe nicht bis zum Ende gelesen habe. Ich war leider etwas gelangweilt. Ich versuche dir mal zu erklären, warum. Ich finde, du beschreibst sehr viel und gibst dem Leser schon direkt am Anfang sehr viele Informationen über deine Welt. Dinge, wie die Währung in der Welt sind zu dem Zeitpunkt, zu dem du sie beschreibst noch gar nicht relevant. Das kann man, wenn nötig, später im Kontext erklären.
Versteht das nicht falsch, es ist großartig, wenn du die ganzen kleine Details deiner Welt kennst. Die kannst du gegebenenfalls an der passenden Stelle erwähnen, und selbst wenn du sie nicht erwähnst, machen sie deine Welt "rund" und authentisch.

 Hast du schon mal etwas von dem Prinzip "show don't tell" gehört? Ich glaube, dass würde deinen Text deutlich interessanter machen.

Aber lass dich von meiner Kritik nicht entmutigen. Alles ist subjektiv, und das ist nur meine persönliche Meinung.
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BirgitJ
Autor


Beiträge: 573
NaNoWriMo: 51762
Wohnort: DD


BeitragVerfasst am: 20.04.2016 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

versuche mal das Exposé aus der Sicht der Hauptfigur zu schreiben. Wessen Geschichte erzählst du im Buch? Vielleicht Elomars, dann liegt der Fokus im Exposé auch auf ihr.

Zitat:
Elomar, die Matriarchin der Stadt weiß, dass sie handeln muss. Dabei entdeckt sie, dass Keanu, ein etwas kränklicher junger Mann, mehr über die Angriffe zu wissen scheint.


Was entdeckt sie hier und wie macht sie es? Natürlich nicht ausführlich beschreiben. Oft hilft schon eine andere Wortwahl. Auf diese Weise gehören die großen Wendepunkte der Geschichte ins Exposé, nicht kleine Handlung, jedes Gespräch muss erwähnt werden.

Mehr als das Exposé habe ich jetzt nicht angeschaut.

Beste Grüße von BirgitJ


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"Das Erbe der Porzellanmalerin" Aufbau Taschenbuch Juni 2019
"Das Geheimnis der Zuckerbäckerin" Aufbau Taschenbuch Oktober 2018
"Das Geheimnis der Porzellanmlerin" Aufbau Taschenbuch Dezember 2017
"Der Duft des Teufels" Aufbau Taschenbuch Juli 2017
"Luther und der Pesttote" Aufbau Taschenbuch April 2016
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