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Klara und Heinz - Happy end.


 

 
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Wolfin
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 127
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 04.04.2016 22:16    Titel: Klara und Heinz - Happy end. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das soll das Ende meiner Episodengeschichte werden. Klara und Heinz sind schon lange verheiratet. Sie haben sich nicht mehr viel zu sagen. Sie nennen sich nicht mehr bei ihren Namen. Heinz nennt seine Frau insgeheim Jabba, wegen ihrer fülligen Figur. Klara wird immer an Joda erinnert, wenn sie ihren Mann ansieht. Klara liebt Dokusoaps, die sie sich, auf ihrer Couch liegend, den ganzen Tag ansieht, während Heinz am Küchentisch sitzt und Kreuzworträtsel löst. Klara wollte immer Balletttänzerin werden, Heinz wollte für Klara früher Drachen töten. Die Träume sind vergangen, das Leben hat sie eingeholt. Klaras Operation ändert aber alles. Soweit die Zusammenfassung. Hier also das Ende der Geschichte.



»Du musst mich zum Arzt fahren.«
Heinz sah von seinem Kreuzworträtsel auf. Seine Frau stand in der Küchentür, sie hielt ihre Hand gegen ihre linke Brust und atmete schwer.
»Warum?«
»Mir geht es nicht gut. Ich habe Schmerzen.«
»Ich kann einen Notarzt rufen.«
»Nein, ich möchte lieber zu meinem Hausarzt. Der kennt mich.«
»Wie du willst«, sagte Heinz und erhob sich.
In der Arztpraxis angekommen sprach er mit der Praxishelferin, einer jungen Blondine.
»Meine Frau muss zum Doktor.«
»Hat ihre Frau einen Termin?«
»Nein, sie hat Schmerzen im Brustbereich.«
»Ich brauche die Karte ihrer Frau.«
Nachdem die Helferin alle Formalitäten erledigt hatte, bat sie Klara und Heinz im Wartezimmer Platz zu nehmen.
»Wie lange wird es dauern?«
»Keine Ahnung. Ohne Termin müssen sie mit Wartezeit rechnen«, sagte die Arzthelferin gleichgültig. Sie sah Heinz dabei nicht an, sondern machte Eintragungen auf einer Karteikarte.
»Meiner Frau geht es schlecht.«
»Hören sie, sie hätten einen Termin machen sollen. Es sind noch viele Patienten vor ihrer Frau dran. Es dauert eben so lange, wie es dauert.«
Heinz ergab sich in sein Schicksal und setzte sich neben Klara, die schon im Wartezimmer Platz genommen hatte. Von hier hatte Heinz einen ausgezeichneten Blick auf die Empfangstheke.
»Wie lange dauert es?«, fragte Klara mit schmerzverzerrter Stimme.
»Keine Ahnung, der Doktor hat viel zu tun.«
»Mir geht es schlechter. Ich habe starke Schmerzen.«
Heinz sah seine Frau an. Sie war blass und saß verkrümmt auf dem Stuhl. Er sah, dass es ihr wirklich schlecht ging. So schlimm hatte er sie noch nie gesehen. Heinz bekam Angst. Er ging zur Theke und sprach mit der Blondine.
»Meiner Frau geht es schlechter. Der Doktor muss sie sich ansehen.«
Die Praxishelferin zuckte mit den Schultern.
»Ich kann es nicht beschleunigen.«
In Heinz fing es an zu brodeln. Er machte sich Sorgen um seine Frau und zudem ärgerte ihn die Gleichgültigkeit der Sprechstundenhilfe. Seine Hände fingen an zu zittern. Ein Blick zu seiner Frau genügte, um zu sehen, dass ihr Zustand sich verschlechterte.
»Können sie meine Frau nicht vorziehen?«, fragte Heinz vorsichtig.
»Ich habe es ihnen doch erklärt. Setzen sie sich oder gehen sie einfach«, herrschte ihn die Arzthelferin an.
Ein Damm brach in Heinz, Zorn füllte ihn aus.
»Was denkt sich dieses dumme Stück, so mit mir zu reden?«
Mit geballter Faust schlug er auf die Theke, dass es nur so donnerte. Ein Ständer voller Prospekte flog durch den Empfangsbereich. Klara und die anderen Patienten blickten zu Heinz.
»Sie holen jetzt den Doktor! Sofort! Sie sehen, dass es meiner Frau schlecht geht. Los, gehen sie!«, forderte er lautstark.
Die Helferin errötete und erhob sich. Sie sah Heinz an, dass er jetzt keinen Widerspruch duldete. Es war sehr still geworden in der Praxis. Erstaunt sah Klara Heinz an. Für einen Augenblick vergaß sie ihre Schmerzen. Sie traute ihren Augen und Ohren nicht. Was war da eben geschehen? Heinz stand immer noch mit geballter Faust vor der Theke. Er war aber nicht mehr der grüne, faltige Gnom, mit dem sie in den letzten Jahren zusammengelebt hatte.
Joda war weg, dort stand ihr Drachentöter.
Der Lärm hatte die Aufmerksamkeit des Arztes erregt. Die Tür zu dem Behandlungszimmer öffnete sich. Er erblickte Heinz, wie er da so mit erhobener Faust stand. Schon Schlimmes befürchtend, stellte er ihn zur Rede. Nachdem Heinz dem Doktor alles erklärt hatte, ging alles sehr schnell. Eine kurze Untersuchung von Klara genügte, ein Rettungswagen wurde gerufen.
Verdacht auf Herzinfarkt. Nur eine sofortige Operation konnte Klara retten.
Jetzt saß Heinz schon seit Stunden auf einem Stuhl vor dem OP. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er traute sich nicht, auch nur kurz nach draußen zu gehen, an die frische Luft, um klar zu werden.
»Ich möchte sie nicht verlieren.«
Die ganze Zeit gab es nur diesen einen Gedanken.
Er wusste nicht, wie spät es war, als sich die Türe des Operationssaales öffnete. Ein Arzt kam langsam auf ihn zu. Heinz war dem Zusammenbruch nahe.
»Nein, bitte nicht. Lass sie nicht tot sein.«
Langsam erhob er sich, seine Knie zitterten. Der Doktor sah erschöpft aus.
Er sah Heinz an und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
»Es ist alles gut gegangen. Sie wird wieder gesund«, hörte Heinz die erlösenden Worte.
Er umarmte den Arzt und flüsterte erleichtert:
»Danke.«
»Sie können gleich zu ihr. Ihre Frau wird gerade auf die Intensivstation gebracht.«
Auf dem Weg zu seiner Frau weinte Heinz. Er ließ seinen Tränen der Erleichterung freien Lauf.
Die Station war ein großer, halbdunkler Raum, in dem viele Betten standen, nur abgetrennt durch schwere Vorhänge. Heinz hörte das Piepsen der Geräte und das Stöhnen der Beatmungsmaschinen. Eine Schwester zeigte ihm Klaras Bett. Langsam näherte sich Heinz seiner Frau. Sie schien kleiner zu sein, als er sie in Erinnerung hatte. Mehrere Kabel waren an ihr befestigt. Auf dem Monitor erkannte Heinz viele Kurven und Zahlen. Er rückte sich einen Stuhl zurecht und umschloss die Hand seiner Frau mit seinen beiden Händen. Heinz konnte nichts tun, nur warten. So saß er eine Weile da, als Klara ihre Augen öffnete und ihn ansah. Sie lächelte ihn müde an.
»Klara«,flüsterte sie schwach.
»Wie bitte?«, fragte Heinz leise.
»Mein Name ist Klara.«
Heinz schaute in ihre Augen. Er erinnerte sich, in diese Augen hatte er sich damals verliebt. Dunkelbraun, fast schwarz waren sie gewesen. Ein Feuer hatte in ihnen gelodert.
»Heinz, mein Name ist Heinz.«
Klaras Lächeln wurde stärker.
»Ja, ich erinnere mich.«
In den nächsten Tagen erholte sich Klara immer mehr. Heinz und sie hatten lange Gespräche geführt. So erzählte sie ihm, dass es immer ihr Traum gewesen war, eine berühmte Balletttänzerin zu werden. Sie schaute an sich herunter. Ein wenig Wehmut trat in Klaras Augen.
»Ich wollte für dich die Sterne vom Himmel holen und Drachen für dich töten«, sagte Heinz leise.
»Du hast immer für mich gesorgt. Nur das zählt für mich.«
Heinz schaute Klara tief in ihre Augen. Das Feuer war wieder zu sehen.   
»Ich habe dich heimlich Jabba genannt. Du weißt, der aus Krieg der Sterne«, gestand er.
Klara schaute ihn an, sie musste schlucken.
»Ich habe dich die letzten Jahre immer als grünhäutigen Gnom angesehen. Der aus Krieg …«
»Ja, ich weiß. Joda«, unterbrach Heinz sie.
Klara nickte nur. Nach ein paar Minuten des Schweigens, sie trauten sich nicht, sich in die Augen zu sehen, prusteten sie gleichzeitig los.
Es wurde ein lautes, herzerfrischendes Lachen daraus, bis ihnen der Atem ausging.  Dann sahen sie sich an. Tränen liefen ihnen die Wangen herunter.
 Aus Jabba und Joda waren wieder Klara und Heinz geworden.
»Wenn du wieder zu Hause bist, werden wir uns von Jabba und Joda angemessen verabschieden.«
»Wie meinst du das?«
»Wir werden uns Krieg der Sterne ansehen und danach den Fernseher nie wieder einschalten.«
Bevor Klara protestieren konnte, fuhr Heinz fort:
»Und ich werde nie wieder ein Kreuzworträtsel anrühren.«
»Und was dann?«
»Dann wirst du meine Balletttänzerin sein.«
»Und du bist mein Drachentöter.«



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Mir reicht, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn ich möchte.
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Rodge
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 822
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 05.04.2016 07:56    Titel: Antworten mit Zitat

Moin, moin,

zunächst einmal: Was ist eine Episodengeschichte? (bzw. warum soll das interessant für den Leser sein?).

Am Ende der Geschichte gibt es Emotionen, aber die fallen so ein bisschen vom Himmel. Im Text erfahre ich wenig von der Zerrissenheit der beiden, sodass das "Happy-End" vom Himmel fällt, gerade weil die beiden sich ja überhaupt nicht ausgetauscht haben. Auch den Teil mit der Arzthelferin finde ich nicht sehr überzeugend: Normalerweise haben die einen geübten Blick, weil ja Notfälle immer wieder vorkommen. Ich vermute mal, du hast die Szene so gewählt, damit du zeigen kannst, wie sehr er sie doch liebt. Das ist allemal besser als es zu beschreiben, aber für mich doch nicht ganz stimmig.

Auch an den Dialogen würde ich noch etwas feilen, das ist für mich zu sehr "Informationsaustausch".

LG
Rodge
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schrei.ben.
Leseratte


Beiträge: 100



BeitragVerfasst am: 05.04.2016 08:06    Titel: Antworten mit Zitat

Morgen Wolfin,

bei einem Herzinfarkt wird nicht operiert. Es gibt leicht invasive Verfahren, jedoch wird man keine (Herz)OP durchführen. Das musst du dringend korrigieren.

LG Ben
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inmutanka
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 325



BeitragVerfasst am: 05.04.2016 09:47    Titel: Re: Klara und Heinz - Happy end. Antworten mit Zitat

Hallo Wolfin,

erst einmal: Gerne gelesen.

Doch eines solltest du beachten:

Herzinfarkt bei Frauen äußert sich durch andere Beschwerden als bei Männer. Deswegen wird er auch so oft selbst von Ärzten nicht als Herzinfarkt erkannt. Typische Beschwerden bei Frauen sind: Druckgefühl (statt Schmerzen), Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, sogar Nacken-, Kiefer- und Halsschmerzen, Übelkeit.

Der typische Schmerz in der linken Brust betrifft Männer. Auch den Einwand von Ben solltest du beachten. Vllt. wäre ein Schlaganfall besser.

Zum anderen: Bei einem alten Ehepaar würde ich mir den Dialog knapper, auf das Alllernötigste beschränkt vorstellen. Sie kennen sich in- und auswendig, wissen, von wem die Rede ist usw. (was alleine schon den Dialog verknappt) und wenn keine Gefühle/Regungen mehr vorhanden sind, noch knapper.  

Zitat:
fragte Heinz vorsichtig.
- passt nicht, wenn er voller Sorge und wütend ist, wie du im Satz davor beschreibst.

Zitat:
forderte er lautstark
- was er sagt, ist eine Forderung, und dass er es *lautstark* (warum eigentlich nicht nur *laut*?) sagt, wird durch das Ausrufezeichen klar. Also könntest du dir das sparen.

Dann wiederholst du viel in Worten, was alleine schon durch das Gezeigte herüberkommt (was zwischen den Zeilen steht). Das braucht es nicht.

Auf der anderen Seite *erzählst* du einiges, was du zeigen könntest.

Die einzelnen Stationen: zuhause, Arztpraxis, Klinik - würde ich durch Absätze voneinander trennen.

Zuletzt könntest du Heinz Wertschätzung für Klara noch steigern, wenn er statt *... meine Balletttänzerin* sagt: *... meine Primaballerina* (Solotänzerin, tanzt die Hauptrolle)

Ich war so frei, einmal in deinem Text herum zu werkeln. Vllt. wird es deutlicher, was ich meine und du kannst einiges für dich übernehmen. Besser geht es garantiert noch.


Bsp.:

»Ich muss zum Arzt.«
Heinz sah von seinem Kreuzworträtsel auf. Klara stand in der Küchentür und atmete schwer.
»Warum?«
»Ich habe Schmerzen.«
»Ich rufe den Notarzt.«
»Nein, ich möchte lieber zu Doktor Hauser.«
»Wie du willst.« Heinz erhob sich.

»Meine Frau muss zum Doktor«, sagte er zu der Praxishelferin, einer jungen Blondine.
»Hat Ihre Frau einen Termin?«
»Nein, sie hat Schmerzen im Brustbereich.« (s. o. - eventl. anpassen)
»Ich brauche die Karte Ihrer Frau.«
Die Helferin erledigte alle Formalitäten und bat sie, im Wartezimmer Platz zu nehmen.
»Wie lange dauert es?«
»Ohne Termin müssen Sie mit Wartezeit rechnen.« Die Arzthelferin machte Eintragungen auf einer Karteikarte.
»Meiner Frau geht es schlecht.«
»Sie hätten einen Termin machen sollen. Es sind noch viele Patienten vor Ihrer Frau dran. Es dauert eben so lange, wie es dauert.«
Heinz setzte sich im Wartezimmer neben Klara. Von seinem Platz aus hatte er die Empfangstheke im Blick.
»Wie lange dauert es?« Klaras Stimme klang schmerzverzerrt.
»Keine Ahnung.«
»Es geht mir schlechter.«
Klaras Gesicht war weiß und sie krümmte sich auf dem Stuhl.  So hatte er sie noch nie gesehen. Ihr ging es wirklich dreckig. Heinz bekam Angst und ging erneut zur Theke.
»Meiner Frau geht es schlechter. Der Doktor muss sie sich ansehen.«
Die Praxishelferin zuckte mit den Schultern.
»Ich kann es nicht beschleunigen.«
Seine Hände zitterten vor unterdrückter Wut.
»Ziehen Sie meine Frau vor!«,
»Ich habe es Ihnen doch erklärt, es geht nicht. Setzen Sie sich oder gehen Sie einfach«, herrschte ihn die Arzthelferin an.
Heinz schlug mit der Faust auf die Theke. Ein Ständer voller Prospekte flog durch den Empfang. Klara und die anderen Patienten blickten zu Heinz.
»Sie holen jetzt den Doktor! Sofort! Los, gehen Sie!«
Die Helferin errötete und erhob sich. In der Praxis war es still, selbst die Telefone klingelten in diesem Moment nicht. Klara vergaß für einen Augenblick die Schmerzen und sah Heinz erstaunt an. Was war eben geschehen? Heinz war nicht mehr Joda, dort stand ihr Drachentöter.
Die Tür des Behandlungszimmer öffnete sich.
"Was soll der Krawall?", wandte sich Dr. Hauser an die Arzthelferin und Heinz.
"Herr Mayer ist mit seiner Frau ohne Termin da und möchte sofort drankommen."
"Bitte, Herr Doktor, es ist dringend. Klara geht es sehr schlecht."
Dr. Hauser sah zu Klara und führte sie sofort in das Behandlungszimmer.
"Vielleicht ein Herzinfarkt", teilte er Heinz nach einer kurzen Untersuchung mit, eilte hinaus und wies die Helferin an, einen Rettungswagen zu ordern und die Klinik zu verständigen.

Jetzt saß Heinz seit Stunden vor dem OP. Am Anfang kämpfte er noch mit den Tränen, dann ließ er ihnen freien Lauf. Inzwischen hatte er keine Tränen mehr und fühlte nur noch schwarze Verzweiflung.
"Lieber Gott, lass mir Klara. Ich brauche sie doch", flüsterte er immer wieder.
»Ich möchte sie nicht verlieren.«
Wie viel kostbare Zeit haben wir vergeudet? Lass sie mir, und alles wird anders, versprach er in Gedanken.
Endlich öffneten sich die Türen des Operationssaales. Ein Arzt kam langsam zu Heinz.
»Nein, bitte nicht. Lass sie nicht tot sein.«
Heinz wollte sich erheben, sackte jedoch wieder auf den Stuhl. Seine Knie schlotterten. Der Arzt sah ihn an und ein kleines Lächeln huschte über das erschöpfte Gesicht.
»Es ist alles gut gegangen. Sie wird wieder gesund."
Heinz umarmte den Arzt.
»Danke«, flüsterte er.
»Sie können gleich zu Ihrer Frau. Sie wird gerade auf die Intensivstation gebracht.«
Auf dem Weg zu Klara weinte Heinz erneut. Dieses Mal Tränen der Erlösung.
In dem großern halbdunklen Raum standen viele Betten; nur durch schwere Vorhänge getrennt. Geräte piepsten. Eine Schwester führte ihn zu Klara. Kabel waren an ihr befestigt. Auf einem Monitor leuchteten viele Kurven und Zahlen auf. Heinz rückte einen Stuhl zurecht und umschloss Klaras Hand mit beiden Händen. Klara sah so klein, so zerbrechlich aus. Und er konnte nichts tun als warten. Warten.
Endlich öffnete Klara die Augen.  Als sie ihn sah lächelte sie.
»Klara«,flüsterte sie.
»Wie bitte?«, fragte Heinz leise.
»Mein Name ist Klara.«
Heinz schaute ihr in die Augen. In diese Augen hatte er sich verliebt: Dunkelbraun, fast schwarz - nur das lodernde Feuer von damals fehlte.
»Heinz, mein Name ist Heinz.«
Klaras Lächeln wurde stärker.
»Ja, ich erinnere mich.«

In den nächsten Tagen erholte sich Klara und sie führten lange Gespräche. KLara erzählte von ihrem Jugendtraum, eine berühmte Balletttänzerin zu werden. Sie schaute an sich herunter; Wehmut in den Augen.
»Und ich wollte für dich die Sterne vom Himmel pflücken und Drachen töten«, raunte Heinz.
»Du hast immer gut für mich gesorgt. Nur das zählt.«
Heinz entdeckte wieder das lodernde Feuer in Klaras Augen.   
»Ich habe dich heimlich Jabba genannt. Du weißt, der aus 'Krieg der Sterne'«, gestand er.
Klara schaute ihn an, schluckte.
»Und ich habe dich die letzten Jahre immer als grünhäutigen Gnom angesehen. Der aus 'Krieg …«
»Joda.«
Klara nickte. Sie schwiegen, vermieden es, sich  anzusehen. Dann prusteten sie gleichzeitig los.
Es wurde ein lautes, herzerfrischendes Lachen daraus. Als ihnen der Atem ausging sahen sie sich an. Tränen liefen ihnen die Wangen herunter.
Jabba und Joda waren wieder Klara und Heinz.
»Wenn du wieder zu Hause bist, verabschieden wir uns von Jabba und Joda angemessen und endgültig.«
»Wie?«
»Wir sehen uns Krieg der Sterne an; danach schalten wir den Fernseher aus und nie wieder ein.« Bevor Klara protestieren konnte, fuhr Heinz fort: »Und ich rühre nie wieder ein Kreuzworträtsel an.«
»Und was machen wir stattdessen?«
»Dann wirst du meine Primaballerina.«
»Und du mein Drachentöter.«


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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 05.04.2016 11:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die Tipps. Das mit dem Herzinfarkt bei Frauen wusste ich noch nicht. Danke, muss ich mal recherchieren.

inmutanka: Du hast Dir viel Mühe gemacht, finde ich gut. Das Eine oder andere werde ich verbessern. Klara wollte nie Primaballerina werden, sondern Balletttänzerin. Klara und Heinz sind schon lange verheiratet, haben aber nicht viel miteinander gesprochen. Irgendwie kennen sie sich auch nicht mehr. Das Ende soll die Änderung verdeutlichen.
Aber wenn ich den Text so schreiben würde, dann wäre der Text von Dir. Du hast Deinen Stil, ich meinen. Ich hätte Hamlet auch anders geschrieben, nur wäre es dann kein Shakespeare mehr.

Rodge: Mit Episodengeschichte meine ich, das ich verschiedene Erlebnisse von Klara und Heinz beschreibe und dieser Text nur das Ende ist. Die Charaktere werden vorher deutlicher. Deinen Einwand bezüglich der Sprechstundenhilfe nehme ich zur Kenntnis, ist aber nicht meine Figur. Ich muss sie so anlegen, damit Heinz sich endlich mal durchsetzt, was er in der Regel nicht kann. Wie gesagt, der Text kennzeichnet das Ende. Insoweit fällt hier nichts vom Himmel. Trotzdem danke für deine Tipps.


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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 05.04.2016 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wolfin,

es war auch nur als Anregung gedacht, zum Verdeutlichen, was ich meine.

Unterschied bzgl. Balletttänzerin/Primaballerina wäre für mich:

Balletttänzerin ist eine unter vielen, quasi eine aus dem Chor.
Primaballerina ist die Vortänzerin, die Solosängerin.

Und ich denke, für Heinz ist sie wieder etwas Besonderes/die Einzige - nicht eine unter vielen. Daher mein Vorschlag.


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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 05.04.2016 11:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, ich habe Deine konstruktiven Vorschläge schon umgesetzt. Die haben mir geholfen. Vielen Dank dafür. Deshalb bin ja hier, um zu lernen und die Scheuklappen abzulegen.

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Rodge
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BeitragVerfasst am: 06.04.2016 07:54    Titel: Antworten mit Zitat

Wolfin hat Folgendes geschrieben:

Rodge: Mit Episodengeschichte meine ich, das ich verschiedene Erlebnisse von Klara und Heinz beschreibe und dieser Text nur das Ende ist. Die Charaktere werden vorher deutlicher. Deinen Einwand bezüglich der Sprechstundenhilfe nehme ich zur Kenntnis, ist aber nicht meine Figur. Ich muss sie so anlegen, damit Heinz sich endlich mal durchsetzt, was er in der Regel nicht kann. Wie gesagt, der Text kennzeichnet das Ende. Insoweit fällt hier nichts vom Himmel. Trotzdem danke für deine Tipps.


Hmmm, wenn du sagst, das sei nicht deine Figur, klingt das irgendwie komisch. Sind denn nicht alle Figuren deine Schöpfung? Und falls das so ist, sollten dann nicht alle (im Sinne des Lesers) einer Handlungslogik ihrer inneren Einstellung folgen?

Grüße
Rodge
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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 06.04.2016 09:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich meinte, so wie du sie gerne haben würdest, ist sie aber nicht meine Sprechstundenhilfe. Ich selbst habe schon eine Arzthelferin erlebt, die die Patienten von oben herab behandelte. Die hatte ich bei diesem Text im Kopf.

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Saraa
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BeitragVerfasst am: 06.04.2016 15:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Wolfin,

ich mag die klaren Linien und Strukturen in deinem Text, so kann man ihn gut und einfach runter lesen.

Was ich etwas schade finde, ist dass du keinerlei Beschreibung der Umgebung, Stimmung oder Atmosphäre gibst, alles ist irgendwie so "steril".
Zum Beispiel: Klara muss es sehr schlecht gehen, ich hätte ziemlich Panik wenn mein Herz weh tun würde. Im Gegensatz dazu könnte man die Praxis als hell beschreiben, mit Kunstblumen vor den Fenstern und gelangweilten Patienten, die in Zeitungen blättern. Man hätte einen starken Kontrast, der die Atmosphäre beschreiben könnte.

Ich hoffe es wird klar was ich meine Laughing

Noch eine Kleinigkeit: Ich find das Ende auch sehr abrupt, also wenn sich ein Ehepaar total auseinander gelebt hat, ist das mit 2/3 Sätzen ja nicht geregelt. Das ist aber bloß meine Meinung. Dazu find ich die letzten beiden Sätze schon arg kitschig, aber wenn du es genau so haben wolltest, hab ich nichts gesagt wink


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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 06.04.2016 20:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Saraa hat Folgendes geschrieben:
Hi Wolfin,

ich mag die klaren Linien und Strukturen in deinem Text, so kann man ihn gut und einfach runter lesen.

Was ich etwas schade finde, ist dass du keinerlei Beschreibung der Umgebung, Stimmung oder Atmosphäre gibst, alles ist irgendwie so "steril".
Zum Beispiel: Klara muss es sehr schlecht gehen, ich hätte ziemlich Panik wenn mein Herz weh tun würde. Im Gegensatz dazu könnte man die Praxis als hell beschreiben, mit Kunstblumen vor den Fenstern und gelangweilten Patienten, die in Zeitungen blättern. Man hätte einen starken Kontrast, der die Atmosphäre beschreiben könnte.

Ich hoffe es wird klar was ich meine Laughing

Noch eine Kleinigkeit: Ich find das Ende auch sehr abrupt, also wenn sich ein Ehepaar total auseinander gelebt hat, ist das mit 2/3 Sätzen ja nicht geregelt. Das ist aber bloß meine Meinung. Dazu find ich die letzten beiden Sätze schon arg kitschig, aber wenn du es genau so haben wolltest, hab ich nichts gesagt wink


Danke. Du hast recht, es klingt sehr steril. Auch  die Beschreibungen könnten kontrastreicher sein. Das abrupte Ende sehe ich nicht ganz so, da ich schreibe, dass die beiden im Krankenhaus lange Gespräche geführt haben. Die Schlusssätze beziehen sich auf den Titel der ganzen Geschichte. Die fehlt natürlich hier. Vielen Dank für deine konstruktiven Anmerkungen. Ich werde noch mal drüber lesen .


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