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Wenn die Lichter ausgehen...


 

 
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 19.12.2015 21:55    Titel: Wenn die Lichter ausgehen... eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich weiß nicht, ob dieser kurze Anfang einer Geschichte eines Einstandes würdig ist. Dennoch interessiert mich eure Meinung. Vielen Dank schonmal!

Wenn die Lichter ausgehen


„Ziehen Sie hinsichtlich dieser Frage mal bitte Bilanz Ihres bisherigen Lebens.“
Die Therapeutin lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und schaute mich über den Rand ihrer markanten Brille an. Die Klischeehaftigkeit der Situation ließ mich beinahe schmunzeln.
Ich saß auf einem braunen Ledersofa, die Beine von mir gestreckt. Frau Markert saß mir gegenüber und zwischen uns stand ein runder Beistelltisch auf dem zwei Wassergläser standen.
Ich schwieg. Zum einen, weil die Absurdität der Situation mir die Sprache verschlug – ich bei einer Psychologin, das hätte ich nie für möglich gehalten - und zum anderen wusste ich einfach nicht, was ich sagen sollte.
Meine 26 Lebensjahre in ein paar Sätzen zusammenfassen – das konnte ich nicht. Ich starrte auf einen Punkt auf dem gemusterten, dicken Perserteppich. Er war umgeben von geschwungenen Ornamenten. Irgendwie kam er mir fehl am Platz vor. Ein roter Punkt. Schlicht und ohne Schnörkel. Inmitten von so vielen aufregenden Mustern und Farben.

„Sind sie zufrieden?“, hakte sie nach, als mein Schweigen unangenehm im Raum zu schweben begann. Ich schaute sie an. Schluckte, und richtete meinen Blick wieder auf den roten Punkt. Die Sekunden verstrichen. Ein Staubkorn tanzte im Sonnenstrahl, der durch das Dachfenster hereinfiel. Er berührte fast meinen rechten Fuß. Ich hob den Blick und sah sie an. „Nein!“, sagte ich…ich hauchte es fast. Und dieses „Nein“ war mit Abstand das Ehrlichste, was ich in den letzten 12 Monaten von mir gegeben hatte. Es war ganz zart und zerbrechlich, aber es war ein Anfang.

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Harald
Geschlecht:männlichFlachmann-Preisträger

Alter: 71
Beiträge: 5234
Wohnort: Schlüchtern


BeitragVerfasst am: 19.12.2015 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Oh ja, Julia,

ich finde diesen Einstieg gut, er macht schon neugierig …


… und lässt gleich eine andere Frage aufkommen …


_________________
Liebe Grüße vom Dichter, Denker, Taxi- Lenker

Harald

Um ein Ziel zu erreichen ist nicht der letzte Schritt ausschlaggebend, sondern der erste!
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 19.12.2015 22:49    Titel: Re: Wenn die Lichter ausgehen... Antworten mit Zitat

Glowworm hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

ich weiß nicht, ob dieser kurze Anfang einer Geschichte eines Einstandes würdig ist. Dennoch interessiert mich eure Meinung. Vielen Dank schonmal!

Wenn die Lichter ausgehen


„Ziehen Sie hinsichtlich dieser Frage mal bitte Bilanz Ihres bisherigen Lebens.“
Die Therapeutin lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und schaute mich über den Rand ihrer markanten Brille an. Die Klischeehaftigkeit der Situation ließ mich beinahe schmunzeln.
Ich saß auf einem braunen Ledersofa, die Beine von mir gestreckt. Frau Markert saß mir gegenüber und zwischen uns stand ein runder Beistelltisch auf dem zwei Wassergläser standen.
Ich schwieg. Zum einen, weil die Absurdität der Situation mir die Sprache verschlug – ich bei einer Psychologin, das hätte ich nie für möglich gehalten - und zum anderen wusste ich einfach nicht, was ich sagen sollte.
Meine 26 Lebensjahre in ein paar Sätzen zusammenfassen – das konnte ich nicht. Ich starrte auf einen Punkt auf dem gemusterten, dicken Perserteppich. Er war umgeben von geschwungenen Ornamenten. Irgendwie kam er mir fehl am Platz vor. Ein roter Punkt. Schlicht und ohne Schnörkel. Inmitten von so vielen aufregenden Mustern und Farben.

„Sind sie zufrieden?“, hakte sie nach, als mein Schweigen unangenehm im Raum zu schweben begann. Ich schaute sie an. Schluckte, und richtete meinen Blick wieder auf den roten Punkt. Die Sekunden verstrichen. Ein Staubkorn tanzte im Sonnenstrahl, der durch das Dachfenster hereinfiel. Er berührte fast meinen rechten Fuß. Ich hob den Blick und sah sie an. „Nein!“, sagte ich…ich hauchte es fast. Und dieses „Nein“ war mit Abstand das Ehrlichste, was ich in den letzten 12 Monaten von mir gegeben hatte. Es war ganz zart und zerbrechlich, aber es war ein Anfang.


Wenn Harald sich in die Prosaecke verirrt, dann pickt er sich doch sicher nur gute Sachen heraus, habe ich mir gedacht.

Und siehe da, ich hatte recht. Very Happy

Drei Anmerkungen:

Rot: Vielleicht ist die wörtliche Rede authentisch, aber es klingt gelesen sehr gestelzt. Vielleicht kannst du sie etwas natürlicher reden lassen, aber vielleicht ist dies auch ihre eigene Sprache, wiedererkennbar.

Blau: stand und standen so kurz aufeinander. Hm, vielleicht fällt dir da noch etwas anderes ein.

Grün: Diese kleinen, feinen Beobachtungen, nicht zu viel, gerade richtig, haben mir besonders gut gefallen. Im zweiten Satz Satz ist allerdings der Bezug unklar. Berührt der Sonnenstrahl fast den rechten Fuß, oder das Staubkorn.

Ja, dein Einstand macht Lust weiterzulesen.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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LoveDoroT
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 51
Beiträge: 23
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 20.12.2015 08:22    Titel: Antworten mit Zitat

...ich würde auch gern mehr davon lesen...

LG
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 20.12.2015 15:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für eure Anmerkungen smile
Es freut mich, dass ihr erfahren möchtet, wie es weiter geht.
@Einar Inperson: Ich war auch nicht wirklich zufrieden mit der wörtlichen Rede.
Die Therapeutin soll sich schon ein wenig gestelzt ausdrücken, aber du hast Recht, es klingt nicht authentisch.
Ich muss mir da nochmal Gedanken machen.
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Zettelhexe
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 48
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 20.12.2015 15:39    Titel: Re: Wenn die Lichter ausgehen... Antworten mit Zitat

Macht mich definitiv neugierig und ist flüssig zu lesen. Obwohl ich in letzter Zeit doch eher in anderen Genres unterwegs bin...

Hier sind mir Wortwiederholungen aufgefallen, ist aber nur eine Kleinigkeit.
Glowworm hat Folgendes geschrieben:
Ich saß auf einem braunen Ledersofa, die Beine von mir gestreckt. Frau Markert saß mir gegenüber und zwischen uns stand ein runder Beistelltisch auf dem zwei Wassergläser standen.


Toller Einstand, gefällt mir. Und jetzt wüsste ich gerne, was mit dem Protagonisten oder der Protagonistin eigentlich los ist...
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DieGunkel
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 79
Wohnort: Metropolregion Franken


BeitragVerfasst am: 22.12.2015 12:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Glowworm,
auch ich möchte gerne mehr erfahren, über den Therapeuten, den Patienten... Besonders gut hat mit die Innenperspektive gefallen - das Lichtspiel.
Wann geht's weiter?
LG
Gunkel
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 23.12.2015 17:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Zettelhexe: Danke für den Hinweis bezüglich der Wiederholungen smile Das fällt mir ganz häufig selbst gar nicht auf.
@DieGunkel: Nach Weihnachten wird es wahrscheinlich weitergehen. Mal gucken, wie viel Zeit ich finde Wink

Liebe Grüße und euch schon mal schöne (und friedliche) Festtage!
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 04.01.2016 21:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als ich die Wohnungstür aufschloss, stieg mir der Geruch von Essen in die Nase und ich hörte laute Stimmen aus der Küche.
Ich zählte die fremden Paar Schuhe: Schwarze DOC-Martens, Wildleder-Stiefel mit Fransen und ein Paar ausgelatschter Chucks, über die ich fast gefallen wäre. Ich schob sie mit dem Fuß ungehalten zur Seite.
Schnell hängte ich meinen Mantel auf und griff nach meiner Schultertasche. Da ging die Küchentür auf, und, gefolgt von einem dröhnenden Lachen, kam Bernadette heraus. „Heyyyy….naaa wie war's in der Stadt? Du hast ja ewig gebraucht. Hatten sie das Spiel nicht mehr?“
Als Beweis hob ich die Plastiktüte hoch. Ich hatte nicht vor, Bernadette von meinem Termin bei der Therapeutin zu erzählen. „Ach, ich bin noch ein bisschen rumgebummelt. Hab aber dann doch nix gekauft.“, meinte ich.
Sie nickte. „Hast du Lust mitzuessen? Olli hat heute für uns gekocht!“ Schnell schüttelte ich den Kopf, bevor ich mich noch gezwungen sah „Ja“ zu sagen. Bernadettes Freundeskreis war größtenteils im ASTA vertreten
 und mir war aktuell überhaupt nicht nach gebratenen Tofuwürfeln und Gesprächen über Hochschulpolitik.
„Danke, das ist lieb, aber ich habe mir schon in der Stadt was geholt.“ Bernadette zuckte die Schultern. „OK, sonst ist nachher bestimmt noch was übrig.“, sagte sie und zog die Badezimmertür hinter sich zu.

Ich setzte mich in meinem Zimmer an meinen Schreibtisch und öffnete meine Mails. Eine Flut von SPAM- und Werbemails der diversen Online-Shops in denen ich in den letzten Jahren Kundin gewesen war hatte mein Postfach überflutet. Eine nach der anderen löschte ich. „Die neusten Booties der Saison“. Löschen! „It's Party time“. Löschen! „Erleben sie Kaschmir wie noch nie…“, murmelte ich und drückte erneut auf die „Löschen“-Taste. Gerade als ich die nächste Mail in den Papierkorb befördern wollte, stutzte ich. „Wichtige Anfrage“ lautete der Betreff.

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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2048
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 05.01.2016 00:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mach mal einige Verbesserungsvorschläge (rot) und Kommentare im Text (grün).

Glowworm hat Folgendes geschrieben:
Als ich die Wohnungstür aufschloss, stieg mir der Geruch von Essen in die Nase und ich hörte laute Stimmen aus der Küche.
Ich zählte die fremden Paar Schuhe: Schwarze DOC-Martens (Doc besser so schreiben, groß wirkt irgendwie aufdringlich oder wie eine Word Datei), Wildleder-Stiefel mit Fransen und ein Paar ausgelatschter Chucks, über die ich fast gefallen wäre. Ich schob sie mit dem Fuß ungehalten zur Seite.
Schnell hängte ich meinen Mantel auf und griff nach meiner Schultertasche. Da ging die Küchentür auf, und, gefolgt von einem dröhnenden Lachen, kam Bernadette heraus. „Heyyyy….naaa wie war's in der Stadt? Du hast ja ewig gebraucht. Hatten sie das Spiel nicht mehr?“
Als Beweis hob ich die Plastiktüte hoch. Ich hatte nicht vor, Bernadette von meinem Termin bei der Therapeutin zu erzählen. „Ach, ich bin noch ein bisschen rumgebummelt. Hab aber dann doch nix gekauft.“, meinte (Verb passt nicht, ist keine Meinung, besser entgegnete oder erklärte oder sowas) ich.
Sie nickte. „Hast du Lust mitzuessen? Olli hat heute für uns gekocht!“ Schnell schüttelte ich den Kopf, bevor ich mich noch gezwungen sah, „Ja“ (besser ohne Anführungsstriche und klein) zu sagen. Bernadettes Freundeskreis war größtenteils im ASTA vertreten
 und mir war aktuell überhaupt nicht nach gebratenen Tofuwürfeln (LOL! Das kennt wohl jeder von ASTA Leuten, der mal an einer Uni war! Kann ich voll nachvollziehen!) und Gesprächen über Hochschulpolitik.
„Danke, das ist lieb, aber ich habe mir schon in der Stadt was geholt.“ Bernadette zuckte die Schultern. „OK, sonst ist nachher bestimmt noch was übrig.(ich würde den Punkt hier weglassen, bin mir aber nicht ganz sicher, was grammatikalisch richtig ist, finde nur, der stört den Lesefluss etwas)“, sagte sie und zog die Badezimmertür hinter sich zu.

Ich setzte mich in meinem Zimmer an meinen Schreibtisch und öffnete meine Mails. Eine Flut von SPAM(ich würde Spam schreiben, weil es keine Abkürzung ist. Wörter in Großbuchstaben stören den Lesefluss gravierend (sagt jedenfalls mein Typographie-Buch))- und Werbemails der diversen Online-Shops, in denen ich in den letzten Jahren Kundin gewesen war, hatte mein Postfach überflutet. Eine nach der anderen löschte ich. „Die neusten Booties der Saison“. Löschen! „It's Party time“. Löschen! „Erleben sie Kaschmir wie noch nie…“, murmelte ich und drückte erneut auf die „Löschen“-Taste. Gerade als ich die nächste Mail in den Papierkorb befördern wollte, stutzte ich. „Wichtige Anfrage“ lautete der Betreff.


Nett geschrieben, sehr nachvollziehbar, besonders die Personen, kennt wohl jeder, der mal (Geisteswissenschaft) studiert hat. Nur den letzten Satz verstehe ich nicht: Warum stutzt sie bei "Wichtige Anfrage!"? Klingt für mich auch nach Spam, wie "letzte Mahnung!" oder so. Oder kommt da noch was anderes, das sie stutzen lässt, der Absender vielleicht?


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 07.01.2016 21:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine Verbesserungsvorschläge und Kommentare. smile

Ja, der Absender lässt sie stutzen. Ich muss mir diesbezüglich aber noch weitere Gedanken machen.
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Insane
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 31
Beiträge: 51
Wohnort: USA


BeitragVerfasst am: 07.01.2016 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Mir hat es trotz der Kuerze auch sehr gefallen. Ich wuerde ebenfalls weiterlesen wollen smile

Gut gemacht!


_________________
Es ist nichts wie es ist, es scheint nur wie es scheint.
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Mieke
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 22
Wohnort: Im Norden


BeitragVerfasst am: 09.02.2016 10:54    Titel: Ansprechend Antworten mit Zitat

Die Geschichte/ der Schreibstil ist ansprechend und flüssig zu lesen. Ich bin  am Anfang auch etwas über die Ausdrucksweise der Therapeutin gestolpert. Aber die gestelzte Sprachweise passt, vielleicht kannst du es einfach leicht umstellen, damit man nicht so einen harten Einstieg in die Geschichte hat?
Z.B. so:
Die Therapeutin lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und schaute mich über den Rand ihrer markanten Brille an. "Ziehen Sie hinsichtlich dieser Frage mal bitte Bilanz Ihres bisherigen Lebens."
Die Ausschmückungen der "Nebensächlichkeiten" gefällt mir sehr gut und ich würde gerne mehr lesen!
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gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 66
Beiträge: 6058
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BeitragVerfasst am: 09.02.2016 18:59    Titel: Antworten mit Zitat

Daumen hoch  Daumen hoch  Daumen hoch Wink

_________________
es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
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drusilla
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Alter: 37
Beiträge: 235
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Ei 7


BeitragVerfasst am: 11.02.2016 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, mir hat dein Schreibstil sehr gefallen. Die eigentlich belanglose Geschichte (sie geht nach hause in die WG) macht Lust auf mehr.
Das Gespräch zwischen den zwei Mitbewohnerinnen könnte irgendwie noch spritziger sein. Es ist ein Gespräch, wie man es tatsächlich führen würde, aber dadurch etwas fad. Vielleicht kann Bernadette ja etwas verächtlicher reagieren und irgendwas von wegen "Fleischfresser... Tiere töten" oder so was murmeln? Aber nur meine subjektive Meinung Embarassed
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 15.02.2016 21:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für all eure Antworten und eure  Tipps. smile Sie helfen mir echt weiter.
Hier kommt die Fortsetzung...

Mein Herz schlug schneller, als ich den Absender registrierte. Ich wollte diese Mail nicht öffnen. Ich wollte nicht wieder scheinheilig antworten, als wäre alles ok.
Kurz überflog ich die Mail, dann klickte ich sie weg. Es klang, als würde er einen Geschäftspartner um einen Termin bitten. Seufzend klappte ich meinen Laptop zu und legte mich aufs Sofa. Nur kurz die Augen schließen.

Im Grunde genommen war die WG mit Bernadette ein echter Glücksgriff gewesen. Altbau, gute Lage, ein Bad mit Badewanne und ein großes, helles Zimmer. Außerdem gehörte Bernadette zu der Sorte unkomplizierter Menschen, die sich nicht sofort über dreckiges Geschirr aufregten und immer fragten, ob man mitessen wollte. Gelegentlich unternahmen wir sogar etwas zusammen, gingen ins Kino oder gemeinsam shoppen. Einmal war ich auch mit ihr auf einem Flohmarkt in der Nähe gewesen. Während sie sich alte Schallplatten, ein Tischdeckchen in schauerlichen Farben und ein Paar geometrischer Ohrringe gekauft hatte, hatte ich nur die Bücherkisten durchwühlt und festgestellt, dass Flohmärkte irgendwie nicht meins waren. Der leicht muffige Geruch und der Gedanke, durch wie viele Hände die Sachen schon gegangen waren löste in mir ein leichtes Gefühl von Ekel aus.

Wir verstanden uns gut – obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten. Oder besser gesagt. Ich kannte sie. Denn Bernadette trug ihr Leben auf der Zunge. Das sorgte dafür, dass es kein peinliches Schweigen mit ihr gab und sie sorgte immer dafür, dass das Gespräch in Schwung blieb, auch wenn das hieß, dass sie 90% davon bestreiten musste. Das war manchmal anstrengend und manchmal tat das gut. Sie erwartete nie die Offenheit von mir, die sie selber an den Tag legte. Ein echter Glücksgriff!

Die Stimmen aus dem Flur sagten mir, dass Bernadettes Freunde im Stande waren zu gehen. „Gott sei Dank!“, dachte ich. Mein Magen grummelte schon seit einer halben Stunde und im Kühlschrank wartete noch ein Rest Nudelauflauf vom Vortag. Ich plante, mich mit dem Nudelauflauf und einem Joghurt vor den Fernseher zu fläzen und den Spielfilmtipp des Tages anzugucken. Nicht der schlechteste Ausklang eines Tages. „Wasss? Hat er nicht!!!“, hörte ich es aus dem Flur kreischen. Ich verdrehte die Augen. Wehe, wenn sie sich jetzt im Flur festquatschten.
Ich dachte nochmal über meinen Besuch bei Frau Markert nach. Es hatte so gutgetan, ihr ehrlich von meinem inneren Chaos zu erzählen. Und dabei ernstgenommen zu werden. So belanglos meine Ängste, Sorgen und Gedanken vielleicht auch sein mochten, Frau Markert hatte mir geduldig zugehört und mir das Gefühl gegeben, dass ich die Berechtigung hatte, so zu fühlen. Dass es ok war. Und dass sie mich verstehen konnte. Das letzte Mal hatte ich so einen Seelenstriptease auf einer Hausparty hingelegt und meiner Freundin Mona mein Herz ausgeschüttet. Ich bezweifelte allerdings, dass sie sich am nächsten Tag noch daran erinnern konnte.

 
Die Haustür fiel ins Schloss. Ich rappelte mich vom Sofa auf und öffnete meine Zimmertür. Das Licht in der Küche und im Flur war aus. Und auch unter Bernadettes Zimmertür war kein Licht zu sehen. Sie waren wahrscheinlich zur Uniparty aufgebrochen. Erleichtert ging ich in die Küche. Sie hatten alles stehen lassen. Ich nahm den Nudelauflauf aus dem Kühlschrank, füllte ihn auf einen Teller und stellte ihn in die Mikrowelle. Gut, dass Freitag war und ich morgen ausschlafen konnte. Die Woche hatte mich geschlaucht. „Ist es okay für dich, wenn du erstmal die Nachmittagsbetreuung der Spatzen alleine übernimmst bis die Neue da ist? Ich weiß, es ist nicht ideal. Aber nur für den nächsten Monat?“, hatte meine Chefin mich vorletzten Montag gefragt und dabei so bittend geschaut, dass ich nicht nein sagen konnte. Obwohl die Spatzen die anstrengendste Gruppe war und ich nervlich eh schon am Limit war, hatte ich Ja gesagt.
Die Mikrowelle machte sich bemerkbar. Ich balancierte den Teller, den Joghurt und ein paar Weintrauben auf einem Tablett in mein Zimmer und schaltete den Fernseher an. Mein Handy vibrierte. „Mama: Alles gut bei dir?“, las ich. Ich tippte eine schnelle Antwort und schickte drei Herzen hinterher. Der Film ging los. Es vibrierte wieder. Leicht genervt griff ich nach meinem Handy. „Was machst du?“ Sie war einsam. Mein Vater war wahrscheinlich noch im Büro und sie saß daheim auf dem Sofa und wartete auf ihn. Ein Brettchen mit liebevoll zubereiteten Schnittchen schon fertiggemacht. Er würde seinen Aktenkoffer hereintragen, einen Kommentar über die Ereignisse im Büro fallen lassen und sich über die Brote hermachen. Er würde ihr von der nervigen neuen Tante aus dem Personalrat erzählen und von den Zielen, die er erreicht hatte. Sie würde nicken und zuhören und er würde pflichtbewusst fragen, wie ihr Tag war. „Gut“, würde sie sagen. Alles andere würde ihn eh nicht interessieren. Ich seufzte schwer. Wut machte sich in meinem Bauch breit.

Der Film plätscherte dahin. Von wegen Spielfimtipp des Tages. Ich ließ mich von meinen Gedanken ablenken. Ein bedrückendes Gefühl von Einsamkeit machte sich in mir breit. Es war Freitag. Eigentlich sollte ich nicht alleine auf dem Sofa sitzen. Ich angelte mir den Joghurt. Aber die Woche war so anstrengend gewesen, dass ich mich auch nicht im Stande gesehen hatte, mich den Abend zu verabreden. Und jetzt saß ich hier und guckte einen Film mit miserabler Handlung und schlechten Schauspielern. Selber Schuld!
„Was? Du willst jetzt einfach gehen?“, kreischte die Schauspielerin viel zu schrill. Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch. Neben mir vibrierte mein Handy. „Hey, hast du spontan Lust, mit Melli und mir auf die Party im Büro zu gehen? Küsschen“, las ich.

Ich brauchte nicht lange, um mich fertig zu machen. Um meine Müdigkeit abzuschütteln, schenkte ich mir ein Glas Cola ein und kippte direkt einen großen Schluck von Bernadettes Rum hinterher. Die Musik hatte ich voll aufgedreht. Ich schloss mein linkes Auge und zog einen Liedstrich. Als ich es öffnete, so dicht am Spiegel, sah ich in meine Pupille. In ihrer Schwärze sah ich mich selbst. Etwas in mir war voller Vorfreude auf den Abend. Endlich wieder raus, etwas erleben, feiern, tanzen, Spaß haben. Der andere Teil flüsterte mir zu, dass ich morgen wahrscheinlich den ganzen Tag verschlafen würde und keinen Schritt vor die Tür käme. „Egal!“, dachte ich mir und kramte in meiner Kosmetiktasche nach meinem roten Lippenstift. Er adelte jedes Outfit. Und heute, heute wollte ich auffallen.

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asriel66
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 53
Beiträge: 183
Wohnort: Katzenhausen


BeitragVerfasst am: 20.02.2016 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

also mir gefällt dein Schreibstill... sehr anschaulich und ich finde deine Prota sehr interessant..

...die Situation mit ihrer Mutter, wie sie ihr die SMS zurückschreibt, eine Nebensächlichkeit die ihre Gedanken über ihre Eltern beschreibt... das hat mich auch sehr gut gefallen...

das WG Leben mit Bernadette...
Zitat:
Wir verstanden uns gut – obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten. Oder besser gesagt. Ich kannte sie. Denn Bernadette trug ihr Leben auf der Zunge. Das sorgte dafür, dass es kein peinliches Schweigen mit ihr gab und sie sorgte immer dafür, dass das Gespräch in Schwung blieb, auch wenn das hieß, dass sie 90% davon bestreiten musste. Das war manchmal anstrengend und manchmal tat das gut. Sie erwartete nie die Offenheit von mir, die sie selber an den Tag legte. Ein echter Glücksgriff!
... Situationen die man selber kennt...

schreibe weiter... Smile)
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Katha1
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 24
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 21.02.2016 18:17    Titel: Antworten mit Zitat

Toller Einstieg. Ich würde sofort weiterlesen!!
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 26.02.2016 11:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für eure Rückmeldung smile
Es freut mich, dass euch der Einstieg gefällt.
Ich finde es gar nicht so einfach, aus der Ich-Perspektive zu schreiben, weil man so nah an der Figur dran ist. Rolling Eyes
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asriel66
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 53
Beiträge: 183
Wohnort: Katzenhausen


BeitragVerfasst am: 26.02.2016 18:28    Titel: Antworten mit Zitat

stimmt... du hast das aber super gelöst...
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Glowworm
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 03.08.2016 13:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Hallen meiner Absätze drang durch die Nacht. Ich fixierte den Bus, der am Ende der Straße stand.
„Du musst ihn erwischen.“, mahnte mich eine Stimme in meinem Kopf. Sie brüllte es. „Nicht umdrehen.
Nicht zurückschauen. Lauf!“ Meine Beine trugen mich tatsächlich. Ich hastete mit einem verzweifelten Sprung in den Bus.
Ein freier 4er. Zitternd und schwer atmend ließ ich mich auf den Sitz fallen und schlang die dünne Strickjacke um mich.
Meine innere Kälte konnte sie nicht erwärmen.
„Hey, was ist denn bei dir los?“, fragte eine junge Frau, die mit ihren Freunden auf dem 4er neben mir saß.
Ich fuhr mir durch die zerzausten Haare und schaute zu ihnen rüber. Dann begann ich zu weinen.

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