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Detective Delegue


 

 
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strongestalone
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 29
Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 17.10.2015 14:07    Titel: Detective Delegue eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr,

ich wollte den Text eigentlich im Feedback-Bereich einstellen, aber dort darf ich noch nicht posten.
Ich würde mich sehr über Kritiken, aber auch über Hilfe freuen. Ihr braucht auch nicht allzu zimperlich zu sein, weil ich neu im Forum bin. Sagt ruhig, was ihr denkt.  
Findet ihr die Protagonisten interessant? Ist der Dialog handwerklich in Ordnung? Ist der Text flüssig zu lesen? usw.

Es handelt sich um eine Szene aus meinem Spannungsroman. Es ist nicht der Anfang, daher solltet ihr zum besseren Verständnis des Inhalts wissen: Ein Siebzehnjähriger wird vermisst, Josef ist Anfang zwanzig, Automechaniker und hat etwas mit dem Verschwinden des jungen Mannes zu tun.

--

Gegen eins am Nachmittag stellte Josef in der Werkstatt die Ölkanne zurück und nahm den Lappen vom Werkzeugwagen. Herbert schlurfte auf ihn zu. Sein langes Haar war im Nacken zu einem tiefen Zopf gebunden. Der Hosenstoff spannte an seinen Oberschenkeln. »Josef, da will dich ein Mann sprechen«, sagte er träge. »Er sagt, er sei von der Polizei.«
In der Werkstatt gingen die Köpfe der Arbeiter nach oben. Josef steckte den Lappen in die Brusttasche seiner Latzhose.
»Er wartet im Nebenraum.«
»Danke Herbert«, sagte Josef. Er ging an ihm vorbei und zu dem Raum.
Der Polizist in Zivil stand neben dem Kaffeeautomaten und schlug gnädig das Januarblatt des Tischkalenders um. Als die Kunststofftür ins Schloss fiel, drehte er sich um und hob interessiert die Augenbrauen. »Josef Brunken?«
»Bin ich.«
Der Mann im Tweedmantel zeigte seinen Dienstausweis. »Delegue. Police Detective«, stellte er sich vor. »Ich ermittle im Vermisstenfall John Greve und habe einige Fragen an Sie. Nur Routine. Alles ganz harmlos.«
Josef blieb relativ höflich, aber sein Herz pochte und seine Finger zuckten nervös. Die körperliche Erregung schlug sich nicht auf seine Stimme durch, als er sagte: »Kein Problem.«
Delegue lächelte, aber es wirkte aufgesetzt. »Ich wollte eigentlich bei Ihnen zu Hause vorbeischauen. Das war mir nur leider nicht möglich. Sie haben Ihren Wohnsitz nicht gemeldet.«
Josefs Lider zuckten.
Delegue hob das Kinn und schnupperte Luft. »Ah der Geruch von Motoröl«, seufzte er schwärmerisch. »In meiner Jugend verbrachte ich die halben Sommerferien in den Mietwerkstätten meiner Geburtsstadt. Ich sah den Freizeitmechanikern beim Schrauben zu und durfte ab und zu ihnen zur Hand gehen. Später bastelte ich selbst stundenlang an meinem Gebrauchten herum und übertrieb es dermaßen, dass sich meine Eltern besorgt zeigten.«
Delegue lächelte, aber seine Augen blieben wissend und wachsam. »Die Arbeit des Automechanikers war sehr lange mein Traumberuf, aber letztlich hatte es mich woanders hin verschlagen.«
Josef ließ sich zu einem Lächeln herab, aber es zeigte keine Sympathie für den Mann. Ihm war die Masche bekannt, mit der Ermittler wie Delegue versuchten, ihre Verdächtigen herumzukriegen. Sie gaben sich in Verhören kumpelhaft und vertrauensselig, damit ihr Gegenüber sich entspannte und bereitwillig und unbedacht zu erzählen begann.
»Ein glaubwürdiger Zeuge sagte uns, dass Sie mit dem vermisst gemeldeten John Greve eine Art Fahrgemeinschaft unterhielten.«
»Das stimmt nicht. Wer hat Ihnen das erzählt?« Josef blinzelte und versuchte, aufrichtig verwundert zu klingen.
»Er bezeichnete sich als guten Kumpel von Ihnen und hatte einen–« Delegue strich über seine Wangen.
»Einen schlechten Teint«, sagte Josef und nickte beflissen. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben zu einem hässlichen Grinsen. Er musste die Antwort nicht hören, um zu wissen, dass es Freddie war, der Delegue diese Information steckte. Der picklige Freddie war es gewesen, der ihm John zum ersten Mal vorstellte. Das war vor zwei Jahren im Mai.
Delegue bestätigte nicht, dass es sich bei dem besagten Kumpel um Freddie handelte. Er holte eine Kunststofftüte und ein ledergebundenes Ringbuch aus seiner Manteltasche und seine Bewegungen waren ruhig und bedacht.
Josef überlegte kurz. »Einen Freund würde ich John nicht nennen und eine Fahrgemeinschaft unterhielten wir auch nicht. Ich traf John zusammen mit dem besagten Kumpel vor zwei Jahren am Schrottplatz. John wollte eine geeichte Wasseruhr mit Messinggehäuse für ein bisschen Kleingeld verschachern. Mit Freddie blieb ich in Kontakt, aber John war damals kaum fünfzehn und, sorry, sehr naiv und unreif. Ich war mit ihm zwei- oder dreimal zum Schwimmen am See. Seine überdrehte Art vergraulte aber die Bikinimädchen, statt sie anzulocken und deshalb–«
»Verstehe«, sagte Delegue. Er steckte die Kunststofftüte mit den Lakritzstangen wieder ein und behielt nur das Ringbuch in der Hand.
Josef musterte ihn kühl. Dass Delegue etwas für seine Lieblingsnascherei übrig hatte, störte ihn mehr als dessen unbequeme Fragen.
»John wollte den Bus zu seinem Heimatdorf nehmen, aber wegen des Schienenersatzverkehrs verpasste er diesen zehn nach acht. Eine Reisende sah John zwanzig nach acht am östlichen Bahnhof am Münztelefon. Können Sie sich vorstellen, mit wem er telefoniert hatte? Vielleicht mit jemandem, der ihn mit dem Wagen abholen wollte? Ein Taxi kann es nicht gewesen sein. Das haben wir überprüft.«
»Ich habe John das letzte Mal auf dem Maifest gesehen«, sagte Josef. »Das war vor zwei Jahren. Seine Freunde sind mir nicht bekannt. An dem besagten Abend, als John abgängig wurde, war ich bei einem Freund zu Hause. Ronny Klinck heißt er. Er wohnt in der Südstadt. Ich war dort von zehn vor acht bis–« Josef blies die Wangen auf und zuckte die Schultern. »Etwa zwanzig vor zehn. Wir haben stundenlang am PC gespielt und die Zeit vergessen. Aber Ronny müsste den Abendbesuch bestätigen können.«  
Nach dem Computerspielen hatte Josef ihnen ein Zeugnis ausgestellt:
DOS-Game. Hocus Pocus.
Alle neun Level. 900.000 Punkte.
Achtzehnter November. 19.56 bis 21.35 Uhr.
Spieler: Ronny und Josef.

Ronny hatte sich sehr über das Zeugnis gefreut, es gleich an die Wand über seinem PC geklebt, und sich hoffentlich die Uhrzeiten verinnerlicht.
Josef wiederholte Ronnys vollen Namen und die Adresse und Delegue notierte beides in sein ledergebundenes Buch.
Delegue sah auf und lächelte charmant. »Sind Sie mit Ihrem Wagen hier? Es soll ein Chevrolet Impala 1967 sein.«
»1963«, sagte Josef.
»John soll gesagt haben, der Wagen sei ganz nach seinem Geschmack und er würde liebend gerne eine Spritztour damit machen. Haben Sie ihn einmal mitgenommen?«
»Ich sagte doch Nein«, sagte Josef gefährlich leise. »Ich habe John seit dem Maifest nicht mehr gesehen. Er hat sich mit Maibowle betrunken und mich mit Walpurgisnacht, Hexen und ähnlichem Gelaber behelligt. Ich war abgeneigt, ihn wiederzusehen.«
»Sie sind heute nicht mit dem Wagen hier, oder?«, fragte Delegue in demselben übertrieben geduldigen Ton. »Er steht nicht hier auf dem Parkplatz.«
»Ah, ich bin zu Fuß hier. Der Benzinverbrauch–«
»Verstehe.«
»Der Wagen ist eher etwas zum Angucken, als zum Herumkutschieren.«
Delegue steckte das Ringbuch in die Innentasche seines Tweedmantels. »Ich werde bei Herrn Klinck vorbeischauen und Ihren Aufenthalt nachfragen. Nur Routine«, sagte er und lächelte gekünstelt. »Ich komme dann noch mal auf Sie zurück.« Er nickte zum Abschied und verließ den Raum. Die Kunststofftür fiel klappernd ins Schloss.
Josef blieb selig stehen und sah verträumt in die Zimmerecke, obwohl er sich vor Zorn die Zähne hätte ausbeißen können.
Hinter ihm ging die Kunststofftür wieder auf.
Jimmy, ein Auszubildender mit hellen Locken und hochgekrempelten Ärmeln, stand auf der Schwelle. Ein Träger seiner Latzhose war von seiner Schulter gerutscht. »Was wollte der denn von dir?«
Josef drehte sich um und lächelte hölzern. »Mir Ärger machen. Ich habe meinen Wohnsitz nicht gemeldet.«
Jim gluckste. »Wie albern und dann kommt der extra her? Statt solchen Kinkerlitzchen nachzugehen, sollte die Polizei mal lieber den Mörder fangen. Der läuft nämlich immer noch da draußen herum.«
Josef bückte sich nach dem Lappen, zuckte zusammen und fasste sich an den Rücken.
Jim lachte leise. »Ich glaube, die haben noch keine Ahnung, wer es war und der Täter lauert irgendwo und lacht sich über uns kaputt.«
»So wird es sein«, sagte Josef. Pflichtvergessen wischte er sich mit dem ölverschmierten Lappen die Hände.

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Gießkanne
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BeitragVerfasst am: 17.10.2015 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Strongestalone,
leider habe ich wenig Hintergrundwissen. Ist dies ein Ausschnitt eines Buches? Und ist Josef der Täter, bzw wissen die Leser, dass Josef der Täter ist?

Fange ich mal an mit ein paar kleinen Unstimmigkeiten. Achja, bitte nehme meine Kritik nicht böse, die meine ich nicht persönlich. Ich will dir nur helfen, deinen Text zu verbessern. Wink


Zitat:
Er ging an ihm vorbei und zu dem Raum.

Eher würde ich schreiben "Er ging an ihm vorbei in den Raum.", denn davon, dass er die Tür aufmacht ist nicht die Rede, und "zu dem Raum" klingt sehr steif.

Zitat:
Der Polizist in Zivil stand neben dem Kaffeeautomaten und schlug gnädig das Januarblatt des Tischkalenders um.

Gnädig? Ich wüsste nicht, was am Umblättern einer Kalenderseite gnädig sein sollte. Streichen.

Zitat:
Josef blieb relativ höflich, aber sein Herz pochte und seine Finger zuckten nervös.

Warum ist er so nervös? Weil er der Täter ist? Ich habe zu wenig Hintergrundinformationen.
Außerdem: Warum sollte man nicht höflich sein, wenn man nervös ist? Dein "aber" sagt ja quasi, dass es nicht normal wäre, nervös und höflich zugleich zu sein.
Das "relativ höflich" hört sich komisch an. Ich würde "relativ" streichen.

Zitat:
Die körperliche Erregung schlug sich nicht auf seine Stimme durch, als er sagte: »Kein Problem.«

Körperliche Erregung? Meinst du das nervöse zucken der Finger usw?
Die Formulierung "auf etwas durchschlagen" ist mir unbekannt und hört sich komisch an.

Zitat:
Josefs Lider zuckten.

Das ist mir völlig schleierhaft. Warum so nervös, lieber Josef? Wenn du nicht der Täter bist, brauchst du nicht nervös zu sein, und, ich meine: Der Polizist hat doch nur angemerkt, er hätte seinen Wohnsitz nicht gemeldet. Kein Grund zur Aufregung.

Zitat:
Delegue lächelte, aber seine Augen blieben wissend und wachsam.

Ein Adjektiv zu viel! Was weiß denn bitte Delegue? Und warum sollte Josef wissen, dass Delegue wissend ist? Ich nahm an, du schreibst aus Josefs Perspektive.
Ich würde das "wissend" streichen.

Zitat:
Josef ließ sich zu einem Lächeln herab, aber es zeigte keine Sympathie für den Mann.

Bisher wurde Josef nicht gerade herablassend gegenüber dem Mann dargestellt, deshalb wundere ich mich, dass er sich zu einem Lächeln herablässt.

Zitat:
Seine Mundwinkel zogen sich nach oben zu einem hässlichen Grinsen.

Wenn du aus Josefs Sicht schreibst, glaube ich, ist das ein Perspektivfehler. Oder wer hat ihm gesagt, dass er in diesem Moment hässlich grinst? Der Polizist?

Zitat:
Josef blieb selig stehen und sah verträumt in die Zimmerecke, obwohl er sich vor Zorn die Zähne hätte ausbeißen können.

Dieser Satz widerspricht sich in sich. Verträumt und selig verbinde ich mit friedlich, doch innen drin war er sauer? *KopfSchüttel* Das verträumt und selige würde ich weglassen, das ist nicht gerade glaubwürdig, wenn er sauer ist.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
Gießkanne


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Mogmeier
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strongestalone
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 29
Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 18.10.2015 15:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine Antwort @Gießkanne

Zitat:
leider habe ich wenig Hintergrundwissen. Ist dies ein Ausschnitt eines Buches? Und ist Josef der Täter, bzw wissen die Leser, dass Josef der Täter ist?

Ich hatte einen kleinen Hinweis gegeben. Vielleicht hast du den überlesen und bist gleich zum Text gesprungen. Also hier ist er noch mal:
Es handelt sich um eine Szene aus meinem Spannungsroman. Es ist nicht der Anfang, daher solltet ihr zum besseren Verständnis des Inhalts wissen: Ein Siebzehnjähriger wird vermisst, Josef ist Anfang zwanzig, Automechaniker und hat etwas mit dem Verschwinden des jungen Mannes zu tun.
Letzteres weiß der Leser, Jimmy und Herbert wissen es nicht und Delegue hat ihn im Verdacht.

Zitat:
Gnädig? Ich wüsste nicht, was am Umblättern einer Kalenderseite gnädig sein sollte. Streichen.

Ich habe das ein bisschen ironisch gemeint. Gnädig deshalb, weil der Mann so "gut" ist, den Kalender umzublättern, da es bisher noch niemand in der Werkstatt getan hat.

Zitat:
Körperliche Erregung? Meinst du das nervöse zucken der Finger usw?

Autsch. Das ist wirklich unglücklich formuliert. Natürlich ist damit das Herzpochen und nervöse Zucken der Finger gemeint. Ich hätte "Körperliche" streichen sollen.

Zitat:
Die Formulierung "auf etwas durchschlagen" ist mir unbekannt und hört sich komisch an.

"... die Erregung schlug sich nicht auf seine Stimme durch, als er sagte..."
Klingt vielleicht ungewohnt. Aber komisch? Was sagen die anderen User?

Zitat:
Ein Adjektiv zu viel! Was weiß denn bitte Delegue? Und warum sollte Josef wissen, dass Delegue wissend ist? Ich nahm an, du schreibst aus Josefs Perspektive.
Ich würde das "wissend" streichen.

Zitat:
Wenn du aus Josefs Sicht schreibst, glaube ich, ist das ein Perspektivfehler. Oder wer hat ihm gesagt, dass er in diesem Moment hässlich grinst? Der Polizist?

Zitat:

Das "relativ höflich" hört sich komisch an. Ich würde "relativ" streichen.

Gut, ich streiche "wissend", "relativ" und "hässlich." Wie komme ich überhaupt auf das Wort "wissend"? Es steht gar nicht im Duden. Nur "wohl wissend" und "allwissend."

Ich werde auch noch mal über die anderen Kritikpunkte nachdenken.
Danke nochmal.
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Seraiya
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 885



BeitragVerfasst am: 18.10.2015 16:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo strongestalone,

meine Meinung ist rein subjektiv.
Vielleicht ist etwas Hilfreiches für dich dabei.

Zitat:
  Gegen eins am Nachmittag stellte Josef in der Werkstatt die Ölkanne zurück und nahm den Lappen vom Werkzeugwagen. Herbert schlurfte auf ihn zu. <- bei "schlurfen" denke ich immer an einen Zombie, der einen Fuß hinter sich herzieht. Sein langes Haar war im Nacken zu einem tiefen Zopf gebunden. Der Hosenstoff spannte an seinen Oberschenkeln. <- sind diese Details in irgendeiner Hinsicht wichtig? »Josef, da will dich ein Mann sprechen«, sagte er träge. <- gelangweilt? desinteressiert? "träge" ist für mich keine Stimmlage.  »Er sagt, er sei von der Polizei.«
In der Werkstatt gingen die Köpfe der Arbeiter nach oben. Josef steckte den Lappen in die Brusttasche seiner Latzhose.
»Er wartet im Nebenraum.«
»Danke Herbert«, sagte Josef. <- kann raus. Dann fängst du den nächsten Satz mit "Josef" an. Er ging an ihm vorbei und zu dem Raum. <- hat Gießkanne schon bemängelt.
Der Polizist in Zivil stand neben dem Kaffeeautomaten und schlug gnädig das Januarblatt <- der Leser weiß nicht, welcher Monat gerade ist. Es ist also eigentlich egal, es sei denn, du willst unbedingt dieses Bild erzeugen. (Ich gehe nur von dem aus, was ich hier lese) des Tischkalenders um. Als die Kunststofftür ins Schloss fiel, drehte er sich um und hob interessiert die Augenbrauen. »Josef Brunken?«
»Bin ich.«
Der Mann im Tweedmantel <- Du erwähnst vorher, dass er in zivil gekleidet ist. Streiche eins von beidem weg. Ersteres, mMn. zeigte seinen Dienstausweis. »Delegue. Police Detective«, stellte er sich vor. »Ich ermittle im Vermisstenfall John Greve und habe einige Fragen an Sie. Nur Routine. Alles ganz harmlos.«
Josef blieb relativ höflich, aber sein Herz pochte und seine Finger zuckten nervös. Die körperliche Erregung schlug sich nicht auf seine Stimme durch, als er sagte: »Kein Problem.« <- dazu hat Gießkanne ebenfalls etwas gesagt. Ich stimme ihr zu. "Josef ließ sich die  plötzliche Nervosität nicht anmerken." wäre eine Idee.
Delegue lächelte, aber es wirkte aufgesetzt. »Ich wollte eigentlich bei Ihnen zu Hause vorbeischauen. Das war mir nur leider nicht möglich. Sie haben Ihren Wohnsitz nicht gemeldet.«
Josefs Lider zuckten.
Delegue <- anstatt immer wieder den Namen zu verwenden, kannst du auch mal " der Detective" sagen. hob das Kinn und schnupperte Luft. »Ah der Geruch von Motoröl«, seufzte er schwärmerisch. »In meiner Jugend verbrachte ich die halben Sommerferien in den Mietwerkstätten meiner Geburtsstadt. Ich sah den Freizeitmechanikern beim Schrauben zu und durfte ab und zu ihnen zur Hand gehen. Später bastelte ich selbst stundenlang an meinem Gebrauchten herum und übertrieb es dermaßen, dass sich meine Eltern besorgt zeigten.« <- hier fange ich als Leser an zu gähnen.
Delegue lächelte, <- ja, hat er eben schon. aber seine Augen blieben wissend und wachsam. »Die Arbeit des Automechanikers war sehr lange mein Traumberuf, aber letztlich hatte es mich woanders hin verschlagen.«
Josef ließ sich zu einem Lächeln herab, <- Hm. Er lässt sich herab. Inwiefern ist er dem Detective denn überlegen oder höher gestellt, dass er sich herablässt, anstatt einfach das höfliche, aufgesetzte Lächeln zu erwidern? aber es zeigte keine Sympathie für den Mann. Ihm war die Masche bekannt, mit der Ermittler wie Delegue versuchten, ihre Verdächtigen herumzukriegen. Sie gaben sich in Verhören kumpelhaft und vertrauensselig, damit ihr Gegenüber sich entspannte und bereitwillig und unbedacht <- doppelt gemoppelt, entscheide dich für eines von beidem zu erzählen begann.
»Ein glaubwürdiger <- ??? das würde ich sofort streichen. Wenn der Zeuge unglaubwürdig wäre, würde es der Detective auch nicht nochmal zusätzlich erwähnen. Zeuge sagte uns, dass Sie mit dem vermisst gemeldeten John Greve <- Wiederholung. Beide wissen, warum sie gerade miteinander sprechen. Hier machst du als Autor glaube nochmal den Erklärbär. "mit dem Vermissten" reicht aus. eine Art <- was soll das sein? Eine Fahrgemeinschaft ist eine Fahrgemeinschaft. Fahrgemeinschaft unterhielten.«
»Das stimmt nicht. Wer hat Ihnen das erzählt?« Josef blinzelte und versuchte, aufrichtig verwundert zu klingen. <- das würde ich vor die Aussage packen und nicht hintendran.
»Er bezeichnete sich als guten Kumpel von Ihnen und hatte einen–« Delegue strich über seine Wangen.
»Einen schlechten Teint«, sagte Josef und nickte beflissen. <- wie sieht das aus? Seine Mundwinkel zogen sich nach oben zu einem hässlichen Grinsen. Er musste die Antwort nicht hören, um zu wissen, dass es Freddie war, der Delegue diese Information steckte. Der picklige Freddie war es gewesen, <- Vlt. "Freddie, der Pickelige, ....usw. " ?der ihm John zum ersten Mal vorstellte. Das war vor zwei Jahren im Mai. <- hier spricht wieder der Autor.
Delegue bestätigte nicht, dass es sich bei dem besagten Kumpel um Freddie handelte. Er holte eine Kunststofftüte und ein ledergebundenes Ringbuch aus seiner Manteltasche Punkt und seine Bewegungen waren ruhig und bedacht.
Josef überlegte kurz. <- wieso überlegt er? Er erinnert sich doch sehr gut. »Einen Freund würde ich John nicht nennen und eine Fahrgemeinschaft unterhielten wir auch nicht. Ich traf John <- hier kannst du "ihn" nehmen. zusammen mit dem besagten Kumpel vor zwei Jahren am Schrottplatz. John wollte eine geeichte Wasseruhr mit Messinggehäuse für ein bisschen Kleingeld verschachern. Mit Freddie blieb ich in Kontakt, aber John war damals kaum fünfzehn und, sorry, <- wieso sorry? Muss er sich denn für diese Bemerkung bzw, Meinung entschuldigen? sehr naiv und unreif. Ich war mit ihm zwei- oder dreimal zum Schwimmen am See. Seine überdrehte Art vergraulte aber die Bikinimädchen, <- "Die Mädels" tuts auch. statt sie anzulocken und deshalb–«
»Verstehe«, sagte Delegue. Er steckte die Kunststofftüte mit den Lakritzstangen <- wo kommen die denn plötzlich her? Sag besser gleich, dass Lakritz drin ist - falls du es als wichtig empfindest. wieder ein und behielt nur das Ringbuch in der Hand.
Josef musterte ihn kühl. Dass Delegue etwas für seine Lieblingsnascherei übrig hatte, störte ihn mehr als dessen unbequeme Fragen. <- wer ist jetzt unreif?
»John wollte den Bus zu seinem Heimatdorf nehmen, aber wegen des Schienenersatzverkehrs verpasste er diesen zehn nach acht. <- morgens oder abends? Ich würde Zahlen schreiben. 20:10 Eine Reisende sah John zwanzig nach acht am östlichen Bahnhof am Münztelefon. Können Sie sich vorstellen, mit wem er telefoniert hatte? Vielleicht mit jemandem, der ihn mit dem Wagen abholen wollte? Ein Taxi kann es nicht gewesen sein. Das haben wir überprüft.«
»Ich habe John das letzte Mal auf dem Maifest gesehen«, sagte Josef. »Das war vor zwei Jahren. Seine Freunde sind mir nicht bekannt. An dem besagten Abend, als John abgängig wurde, war ich bei einem Freund zu Hause. Ronny Klinck heißt er. Er wohnt in der Südstadt. Ich war dort von zehn vor acht bis–« Josef blies die Wangen auf und zuckte die Schultern. »Etwa zwanzig vor zehn. Wir haben stundenlang am PC gespielt und die Zeit vergessen. Aber Ronny müsste den Abendbesuch bestätigen können.«  
Nach dem Computerspielen hatte Josef ihnen ein Zeugnis ausgestellt:
DOS-Game. Hocus Pocus.
Alle neun Level. 900.000 Punkte.
Achtzehnter November. 19.56 bis 21.35 Uhr.
Spieler: Ronny und Josef.

Ronny hatte sich sehr über das Zeugnis gefreut, es gleich an die Wand über seinem PC geklebt, und sich hoffentlich die Uhrzeiten verinnerlicht.
Josef wiederholte Ronnys vollen Namen und die Adresse Punkt und Delegue notierte beides in sein ledergebundenes Buch.
Delegue sah auf und lächelte charmant. »Sind Sie mit Ihrem Wagen hier? Es soll ein Chevrolet Impala 1967 sein.«
»1963«, sagte Josef.
»John soll gesagt haben, der Wagen sei ganz nach seinem Geschmack und er würde liebend gerne eine Spritztour damit machen. Haben Sie ihn einmal mitgenommen?«
»Ich sagte doch Nein«, sagte Josef gefährlich leise. »Ich habe John seit dem Maifest nicht mehr gesehen. Er hat sich mit Maibowle betrunken und mich mit Walpurgisnacht, Hexen und ähnlichem Gelaber behelligt. Ich war abgeneigt, ihn wiederzusehen.« <- Warum so geschwollen? "Ich wollte ihn nicht wiedersehen."
»Sie sind heute nicht mit dem Wagen hier, oder?«, fragte Delegue in demselben übertrieben geduldigen Ton. »Er steht nicht hier auf dem Parkplatz.«
»Ah, ich bin zu Fuß hier. Der Benzinverbrauch–«
»Verstehe.«
»Der Wagen ist eher etwas zum Angucken, als zum Herumkutschieren.« <- gefällt mir nicht. Glaube, das liegt am "Kutschieren"
Delegue steckte das Ringbuch in die Innentasche seines Tweedmantels. »Ich werde bei Herrn Klinck vorbeischauen und Ihren Aufenthalt nachfragen. Nur Routine«, sagte er und lächelte <- der lächelt die ganze Zeit. Bitte etwas Abwechslung. Lass ihn wenigstens mal schmunzeln oder die Mundwinkel zu einem halbherzigen Lächeln verziehen. gekünstelt. »Ich komme dann noch mal auf Sie zurück.« Er nickte zum Abschied und verließ den Raum. Die Kunststofftür fiel klappernd ins Schloss. <- unwichtig
Josef blieb selig stehen und sah verträumt <- hier reicht wieder ein Adjektiv. in die Zimmerecke, obwohl er sich vor Zorn die Zähne hätte ausbeißen können. <- Unsinn. Widerspruch zu vorher
Hinter ihm ging die Kunststofftür wieder auf.
Jimmy, ein Auszubildender mit hellen Locken und hochgekrempelten Ärmeln, stand auf der Schwelle. Ein Träger seiner Latzhose war von seiner Schulter gerutscht. <- das interessiert den Leser nicht. Es sei denn, er verliert dadurch gleich seine Hose.»Was wollte der denn von dir?«
Josef drehte sich um und lächelte <- hier kann ich es nicht mehr sehen. hölzern. »Mir Ärger machen. Ich habe meinen Wohnsitz nicht gemeldet.«
Jim gluckste <- Babys glucksen. »Wie albern und dann kommt der extra her? Statt solchen Kinkerlitzchen nachzugehen, sollte die Polizei mal lieber den Mörder fangen. Der läuft nämlich immer noch da draußen herum.«
Josef bückte sich nach dem Lappen, zuckte zusammen und fasste sich an den Rücken.
Jim lachte leise. »Ich glaube, die haben noch keine Ahnung, wer es war und der Täter lauert irgendwo und lacht sich über uns kaputt.«
»So wird es sein«, sagte Josef. Pflichtvergessen wischte er sich mit dem ölverschmierten Lappen die Hände.



LG,
Seraiya


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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.10.2015 09:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

soll das denn in Deutschland spielen? Wenn ja, warum taucht da ein "Police Detective" auf?

Wenn du dies (wie im anderen Thread geschrieben) in Amerika veröffentlichen willst, musst du eine ganze Menge deutscher Kultur erklären oder wegfallen lassen.

Ein grundsätzliches Problem mit dem Text sehe ich in der großen Anzahl von Adjektiven/Attributen, die nicht wirklich relevant für den Storyverlauf scheinen, und den Text in die Länge ziehen (ölverschmiert, Pflichtvergessen, Kunststofftür, Kunststofftüte, ledergebunden)

Grüße
Rainer
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Gießkanne
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BeitragVerfasst am: 19.10.2015 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo strongestalone!
Arrg! Wie dumm von mir. Das tut mir Leid, das hab ich ja völlig überlesen! Bitte verzeihe. Ich nehme all meine Ich-habe-kein-Hintergrundwissen-Kommentare zurück.

Gießkanne Rolling Eyes


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Pelik4n
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BeitragVerfasst am: 20.10.2015 20:06    Titel: Re: Detective Delegue Antworten mit Zitat

Hallo Strongest,
ich bin auch neu. Sehr neu.
Dein Text fängt spannend an!

strongestalone hat Folgendes geschrieben:


--

Gegen eins am Nachmittag stellte Josef in der Werkstatt die Ölkanne zurück und nahm den Lappen vom Werkzeugwagen. Herbert schlurfte auf ihn zu. Sein langes Haar war im Nacken zu einem tiefen Zopf gebunden. Der Hosenstoff spannte an seinen Oberschenkeln. <-- überflüssig »Josef, da will dich ein Mann sprechen«, sagte er träge. »Er sagt, er sei von der Polizei.«
In der Werkstatt gingen die Köpfe der Arbeiter nach oben. Josef steckte den Lappen in die Brusttasche seiner Latzhose.
»Er wartet im Nebenraum.«
»Danke Herbert«, sagte Josef. Er ging an ihm vorbei und zu dem Raum.
Der Polizist in Zivil stand neben dem Kaffeeautomaten und schlug gnädig das Januarblatt des Tischkalenders um. Als die Kunststofftür ins Schloss fiel, drehte er sich um und hob interessiert die Augenbrauen. »Josef Brunken?«
»Bin ich.«
Der Mann im Tweedmantel zeigte seinen Dienstausweis. »Delegue. Police Detective«, stellte er sich vor. »Ich ermittle im Vermisstenfall John Greve und habe einige Fragen an Sie. Nur Routine. Alles ganz harmlos.« <-- überflüssig
Josef blieb relativ höflich, aber sein Herz pochte und seine Finger zuckten nervös. Die körperliche Erregung schlug sich nicht auf seine Stimme durch Er blieb ruhig, als er sagte: »Kein Problem.«
Delegue lächelte, aber es wirkte aufgesetzt. »Ich wollte eigentlich bei Ihnen zu Hause vorbeischauen. Das war mir nur leider nicht möglich. Sie haben Ihren Wohnsitz nicht gemeldet.«
Josefs Lider zuckten.
Delegue hob das Kinn und schnupperte Luft. »Ah der Geruch von Motoröl«, seufzte er schwärmerisch. »In meiner Jugend verbrachte ich die halben Sommerferien in den Mietwerkstätten meiner Geburtsstadt. Ich sah den Freizeitmechanikern beim Schrauben zu und durfte ab und zu ihnen zur Hand gehen. Später bastelte ich selbst stundenlang an meinem Gebrauchten herum und übertrieb es dermaßen, dass sich meine Eltern besorgt zeigten.«
Delegue lächelte, aber seine Augen blieben wissend und wachsam. »Die Arbeit des Automechanikers war sehr lange mein Traumberuf, aber letztlich hatte es mich woanders hin verschlagen.«
Josef ließ sich zu einem Lächeln herab, aber es zeigte keine Sympathie für den Mann. Ihm war die Masche bekannt, mit der Ermittler wie Delegue versuchten, ihre Verdächtigen herumzukriegen. Sie gaben sich in Verhören kumpelhaft und vertrauensselig, damit ihr Gegenüber sich entspannte und bereitwillig und unbedacht zu erzählen begann. <-- auch das versteht man von selbst, du kannst es weglassen.
»Ein glaubwürdiger Zeuge sagte uns, dass Sie mit dem vermisst gemeldeten John Greve eine Art Fahrgemeinschaft unterhielten.«
»Das stimmt nicht. Wer hat Ihnen das erzählt?« Josef blinzelte und versuchte, aufrichtig verwundert zu klingen.
»Er bezeichnete sich als guten Kumpel von Ihnen und hatte einen–« Delegue strich über seine Wangen.
»Einen schlechten Teint«, sagte Josef und nickte beflissen. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben zu einem hässlichen Grinsen. Er musste die Antwort nicht hören, um zu wissen, dass es Freddie war, der Delegue diese Information steckte. Aha, Freddie steckte ihm die Info. Der picklige Freddie war es gewesen, der ihm John zum ersten Mal vorstellte. Das war vor zwei Jahren im Mai.
Delegue bestätigte nicht, dass es sich bei dem besagten Kumpel um Freddie handelte. Er holte eine Kunststofftüte und ein ledergebundenes Ringbuch aus seiner Manteltasche und seine Bewegungen waren ruhig und bedacht.
Josef überlegte kurz. »Einen Freund würde ich John nicht nennen und eine Fahrgemeinschaft unterhielten wir auch nicht. Ich traf John zusammen mit dem besagten Kumpel vor zwei Jahren am Schrottplatz. John wollte eine geeichte Wasseruhr mit Messinggehäuse für ein bisschen Kleingeld verschachern. Mit Freddie blieb ich in Kontakt, aber John war damals kaum fünfzehn und, sorry, sehr naiv und unreif. Ich war mit ihm zwei- oder dreimal zum Schwimmen am See. Seine überdrehte Art vergraulte aber die Bikinimädchen, statt sie anzulocken und deshalb–«
»Verstehe«, sagte Delegue. Er steckte die Kunststofftüte mit den Lakritzstangen wieder ein und behielt nur das Ringbuch in der Hand.
Josef musterte ihn kühl. Dass Delegue etwas für seine Lieblingsnascherei übrig hatte, störte ihn mehr als dessen unbequeme Fragen.
»John wollte den Bus zu seinem Heimatdorf nehmen, aber wegen des Schienenersatzverkehrs verpasste diesen aber zehn nach acht. Eine Reisende sah John zwanzig nach acht am östlichen Bahnhof am Münztelefon. Können Sie sich vorstellen, mit wem er telefoniert hatte? Vielleicht mit jemandem, der ihn mit dem Wagen abholen wollte? Ein Taxi kann es nicht gewesen sein. Das haben wir überprüft.«
»Ich habe John das letzte Mal auf dem Maifest gesehen«, sagte Josef. »Das war vor zwei Jahren. Seine Freunde sind mir nicht bekannt. An dem besagten Abend, als John abgängig wurde, war ich bei einem Freund zu Hause. Ronny Klinck heißt er. Er wohnt in der Südstadt. Ich war dort von zehn vor acht bis–« Josef blies die Wangen auf und zuckte die Schultern. »Etwa zwanzig vor zehn. Wir haben stundenlang am PC gespielt und die Zeit vergessen. Aber Ronny müsste den Abendbesuch bestätigen können.«   <-- überflüssig
Nach dem Computerspielen hatte Josef ihnen ein Zeugnis ausgestellt: <-- wer fragt?
DOS-Game. Hocus Pocus.
Alle neun Level. 900.000 Punkte.
Achtzehnter November. 19.56 bis 21.35 Uhr.
Spieler: Ronny und Josef.

Ronny hatte sich sehr über das Zeugnis gefreut, es gleich an die Wand über seinem PC geklebt, und sich hoffentlich die Uhrzeiten verinnerlicht.
Josef wiederholte Ronnys vollen Namen und die Adresse und Delegue notierte beides in sein ledergebundenes Buch.
Delegue sah auf und lächelte charmant <-- unpassendes Adverb. »Sind Sie mit Ihrem Wagen hier? Es soll ein Chevrolet Impala 1967 sein.«
»1963«, sagte Josef.
»John soll gesagt haben, der Wagen sei ganz nach seinem Geschmack und er würde liebend gerne eine Spritztour damit machen. Haben Sie ihn einmal mitgenommen?«
»Ich sagte doch Nein«, sagte Josef gefährlich leise. »Ich habe John seit dem Maifest nicht mehr gesehen. Er hat sich mit Maibowle betrunken und mich mit Walpurgisnacht, Hexen und ähnlichem Gelaber behelligt. Ich war abgeneigt, ihn wiederzusehen.«
»Sie sind heute nicht mit dem Wagen hier, oder?«, fragte Delegue in demselben übertrieben geduldigen Ton. »Er steht nicht hier auf dem Parkplatz.«
»Ah, ich bin zu Fuß hier. Der Benzinverbrauch–«
»Verstehe.«
»Der Wagen ist eher etwas zum Angucken, als zum Herumkutschieren.«
Delegue steckte das Ringbuch in die Innentasche seines Tweedmantels. »Ich werde bei Herrn Klinck vorbeischauen und Ihren Aufenthalt nachfragen. Nur Routine <-- überflüssig «, sagte er und lächelte gekünstelt. »Ich komme dann noch mal auf Sie zurück.« Er nickte zum Abschied und verließ den Raum. Die Kunststofftür fiel klappernd ins Schloss.
Josef blieb selig stehen und sah verträumt in die Zimmerecke, obwohl er sich vor Zorn die Zähne hätte ausbeißen können. <--- Warum selig? Warum hätte er sich vor Zorn die Zähne... usw???
Hinter ihm ging die Kunststofftür wieder auf.
Jimmy, ein Auszubildender mit hellen Locken und hochgekrempelten Ärmeln, stand auf der Schwelle. Ein Träger seiner Latzhose war von seiner Schulter gerutscht. »Was wollte der denn von dir?«
Josef drehte sich um und lächelte hölzern. »Mir Ärger machen. Ich habe meinen Wohnsitz nicht gemeldet.«
Jim gluckste. »Wie albern und dann kommt der extra her? Statt solchen Kinkerlitzchen nachzugehen, sollte die Polizei mal lieber den Mörder fangen. Der läuft nämlich immer noch da draußen herum.« <-- überflüssig
Josef bückte sich nach dem Lappen, zuckte zusammen und fasste sich an den Rücken.
Jim lachte leise. »Ich glaube, die haben noch keine Ahnung, wer es war und der Täter lauert irgendwo und lacht sich über uns kaputt.« <-- unverständlich, im Kontext. Warum sagt Jim das leise lachend?
»So wird es sein«, sagte Josef. Pflichtvergessen wischte er sich mit dem ölverschmierten Lappen die Hände.



Insgesamt, sehr gut zu lesen, lebendig und weckt sofort mein Interesse.


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BeitragVerfasst am: 23.10.2015 17:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Seraiya
Danke für deine Hilfe. Da sind ein paar brauchbare Verbesserungstipps dabei.

@Rainer Prem
Zitat:
soll das denn in Deutschland spielen? Wenn ja, warum taucht da ein "Police Detective" auf?
Wenn du dies (wie im anderen Thread geschrieben) in Amerika veröffentlichen willst, musst du eine ganze Menge deutscher Kultur erklären oder wegfallen lassen.


Ja, die deutsche Version spielt in Deutschland. Die englische Version höchstwahrscheinlich auch. Mit der amerikanischen Kultur bin ich nicht vertraut genug. "Detective Delegue" als Thread-Titel klang besser als "Kriminalbeamter Delegue", deshalb habe ich auch im Text "Police Detective" geschrieben.


@Pelik4n
Zitat:

Dein Text fängt spannend an! Insgesamt, sehr gut zu lesen, lebendig und weckt sofort mein Interesse.

Danke.

Anfang der nächsten Woche werde ich die überarbeitete Version einstellen.
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Ankh
Gänsefüßchen


Beiträge: 24



BeitragVerfasst am: 24.10.2015 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Ja, die deutsche Version spielt in Deutschland. Die englische Version höchstwahrscheinlich auch. Mit der amerikanischen Kultur bin ich nicht vertraut genug. "Detective Delegue" als Thread-Titel klang besser als "Kriminalbeamter Delegue", deshalb habe ich auch im Text "Police Detective" geschrieben.


Als Thread-Titel mag das angehen, aber wenn dein Roman in Deutschland spielt, dann kannst du ihn nicht "Detective" nennen. Josef würde ihn auch nicht als "Detective" bezeichnen, nur weil das besser klingt. Er ist Kriminalkomissar oder etwas in der Art, und wenn das in deinen Ohren nicht zum Nachnamen passt (warum eigentlich nicht?), würde ich den Nachnamen ändern, nicht die Dienstbezeichnung.

In Deutschland spricht man Leute sowieso eher selten mit ihrer Dienstbezeichnung an, da sagt man eher "Herr Delegue" als "Herr Kriminalkomissar". Wenn sich Delegue vorstellt, könnte er einfach sagen "Delegue. Kriminalpolizei."


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