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Als Autor (abgeleitet vom lateinischen auctor) bezeichnet man generell den Verfasser oder Urheber eines Textes. Grundsätzlich sind heute die Rechte eines Autors am eigenen Werk durch das Urheberrecht geschützt.

Oft bezeichnen sich Autoren, die in einem Verlag mit klassischem Verlagskonzept (kein DKZV) publiziert haben, auch als Schriftsteller, um den Unterschied zu nicht veröffentlichten Autoren herauszustellen.

Die Anfänge des Autorenbegriffs

Die Begrifflichkeit des Autors ist kein feststehendes Produkt, sondern unterliegt seit mehr als 800 Jahren einer steten Veränderung. Bis zum Frühmittelhochdeutschen waren Dichtungen anonym. Sie waren lediglich Niederschriften vorher mündlich tradierter Geschichten wie dem Hildebrandslied oder den Merseburger Zaubersprüchen.

In der Blütezeit der Mittelalters in der Mitte des 12. Jahrhunderts gab es einen Umbruch in der Denkweise. Die Literatur entwickelte sich mit großen Schritten weiter und Importe aus Frankreich brachten eine neue Romanform nach Deutschland: den höfischen Roman. Mit der Ästhetisierung des höfischen Benehmens in der Literatur wollten Dichter der neueren Zeit bekannt sein. Der Minnesang und der höfische Roman trugen ihren Teil dazu bei.

Wichtige Autoren des Mittelalters sind Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg und Walther von der Vogelweide. Eine der bedeutensten Sammelhandschriften ist die sogenannte Codex Mannesse (oder auch Manessische Handschrift), die bereits nach dem Autorprinzip geordnet wurde. Hier findet sich Portraits der Dichter auf den Deckblättern.

Der Tod des Autors

Der Autor ist eine moderne Figur in der Literatur. Anfänglich spielte es keine Rolle, wer Texte verfasst hatte. Doch in der Moderne änderte es sich und der Autor gewann an Bedeutung. Denn im Buchdruck wird dem Autor eine Verantwortung zugeschrieben, ihm wird das Autorenrecht gewährt (siehe Urheberrecht) und weiterhin in die Interpretation mit einbezogen.

Der französische Literaturtheoretiker, -kritiker, Philosoph und Schriftsteller Roland Barthes veröffentlichte im Jahre 1968 seinen Aufsatz vom Tod des Autors. In diesem klagt Barthes, den Sinn eines Textes in der Intention des Autors zu suchen, an.

Bislang galt der Autor als Erklärungsinstanz eines Werkes. Hinter ihm versteckte sich der Sinn, und die Frage nach dem „Was will uns der Autor damit sagen?“ stand im Mittelpunkt einer Interpretation. Dies geht mit dem hermeneutischen Zirkel einher, der davon ausgeht, dass ein Text oder ein Werk lediglich eine Aussage enthält, die es zu dechiffrieren gilt. („Die vielfältige Schrift kann nur entwirrt, nicht entziffert werden.“)

Barthes bricht nun mit der bisherigen Vorgehensweise. Er postuliert den Tod des Autors, in dem er von der Geburt des Leser spricht. Hierbei wird ganz deutlich, dass der Leser in den Fokus der Interpretation rückt. Wie wirkt ein Text auf ihn? Welche Stimmungen, Gefühle oder Eindrücke werden vermittelt? Die Einheit eines Textes liegt nicht im Ursprung, sondern im Zielpunkt.

Hierzu sollte man vielleicht den Gedanken Barthes erfassen. Roland Barthes verabschiedet sich vom Begriff des Autors insofern, als dass er ihn in den Hintergrund setzt. Der Literaturtheoretiker spricht vom automatischen Schreiben. Denn der Autor gibt nur wieder und konstruiert nichts. Die Welt wird als Bibliothek verstanden, in dem es kein Originales gibt. Alles ist lediglich ein Gewebe aus Zitaten. Oftmals fällt auch der Begriff vom Wörterbuch der Welt. Es gibt nichts neues, da alles irgendwo schon einmal existiert. Texte werden nur neu zusammengesetzt. Das Verfahren, das dahintersteht, nennt man Intertextualität.

Somit wird klar, dass der Autor für die Interpretation eines Textes oder Werks völlig überbewertet wird („Das Leben ahmt immer nur das Buch nach, und das Buch ist selbst nur ein Gewebe von Zeichen, eine verlorene, unendliche entfernte Nachahmung“). Der Autor wurde entsakralisiert.