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Dieses Werk wurde für den kleinen Literaten nominiert Falter, Fäden suchen fangen


 
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3914
Wohnort: vor allem da
Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



Originellster Handlungsstrang

BeitragVerfasst am: 23/10/2012 15:05    Titel: Falter, Fäden suchen fangen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Falter, Fäden suchen fangen


Lila Falter, Sommerfädenweben fliegen unbeschwert daher, da rum, ins Nirgendwo dahin, vielleicht zu
dir hierher. / Die doch auch. Winterweiße Flocken segeln nieder. Spielen Flieger, in den Winden Kreisel
über Menschenwirr und Bäume,
über Abfall,
Untendreck hinweg.
Fallen auch in deren Mäuler. Sicher weggeschluckt. / Großes Glück gehabt - darüber blieben.
Über jene Bordsteinsteher, mit ihren chronischen Knickköpfen. Solche mit überlangen Hälsen, giraffen
sich deren Wirbel, neugiergeplagt länger & länger, und oben, draufgsetzte Faltenfratzen grinsen breit
& fahl. Umso tiefer, ihre Quallenleere in das mühsam angefeilte Gleichgesicht. Als verstünden sie sich,
verstünden die Oben- Untenwelt, und sowieso. / Unbemerkt stand er daneben.

Jener tatterstock Alte, Verbuckelte. Versuchte es unermüdlich. Danach greifen. Mit seinen gebliebenen
Tanzaugen, vielleicht mit den Fingerspitzen. Nur einmal drankommen, haderte er. Versuchte es wieder
um wieder, gegen das borkige, verwachsene Steif & Krumm - gewordenes Leben. Seine Arme hochzu-
bringen, verzerrte sie Stück für Stück,
hinauf, zu den vorbeihuschenden Lila Fäden. Zentimeter um Zentimeter,
als könne er es, doch. Gegen seine Gelenkstarre, gegen seine ermüdete Vergangenheit, die passierten
Verknöcherungen. Nur einmal, wenigstens dieses Mal, wenigstens jetzt, heute. .Ahnte es längst, auch
gegen seine übersehenen Versäumnisse, als wär es ein Lebenlang. Wenigstens jetzt - durchquerte es
seinen Gedankenrausch. Quälte sich sein Wille, quälten sich die Arme. Nur noch einen Falterschlag weit
entfernt. / Unbemerkt.

Erschraken tatsächlich. Knickten ihre Teleskophälse, ihre Knickköpfe gelenkartig nach unten, zur Seite,
baumelten in alle Richtungen. Sogar ihre Körper. Fragezeichen verwirrt. Da war dieses Geräusch, derart
durchdringend. / Zerbrach da nicht was?
und so laut, so
kreischend dumpf. Mancher dachte an zertretene Walnüsse, oder doch an ein geifferndes Hundemaul,
in dessen Fletschzähnen ein gestückelter Knochen zerquetscht wurde. Bis dann eine Bordsteinsteher
Stimme krähte: Das hier, war es wohl. Dort da! liegt ein zerbrochener Krückstock herum.
Man müsse ihn gleich wegschaffen,
ereifferten sich die Hälse, alle in eine Richtung gaffend. / Sonst stolpert noch WER darüber. Nickten alle
Knickköpfe beipflichtend.




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Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 24
Beiträge: 10337
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 25/10/2012 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Kann man Stimmgabel kommentieren? Wenn ja, wie? Sollte man es überhaupt? Dein Stil ist so eigenständig und progressiv, dass angesichts seiner Ausdruckskraft jeder Versuch der Beschreibung mau, jedes Wort scheinheilig und bürokratisch klingt.
Dennoch möchte ich dir ein Lob dalassen, auch wenn es mit deiner Fabuliergewalt in keinster Weise aufnehmen kann.
Deine Texte haben es an sich, dass sie sich für mich wie Beschwörungen, wie Zauberformeln lesen in ihrem eigenwilligen Rhythmus, den Schwärmen von Neologismen, die des Lesers Kopf umschwirren und gnadenlos verdrehen. Jedes Wort passt zusammen, eben weil es neuartig ist - ich liebe die vollkommen Freiheit, mit der du die Sprache behandelst, Wortfetzen und Begriffe nach deinem Gusto neu arrangierst. Denn niemals liest es sich wie Kauderwelsch, weil deine selbst kreierte Sprache intuitiv den Assoziationen von Bild und Wort folgt; die Bruchstücke fügen sich zu einem sehr fesselnden Kaleidoskop zusammen. Du erzählst keine Geschichte, nein, du malst sie, oder besser noch: pflanzt Teile in den Kopf des Lesers, auf dass sie von alleine zu einem stimmigen Ganzen zusammenwachsen.
Hut ab! Sehr, sehr gerne gelesen.


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um die Dunkelheit zu sehen"
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Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
"Deine Sprache ist so saftig, fast möchte man reinbeißen." © Hallogallo
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Brazil
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 33
Beiträge: 52
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 25/10/2012 11:38    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir unglaublich gut. Eine Ganzheit bei der man sicher nicht über die Einzelteile diskutieren muss. An einer Stelle hab ich mich aber doch gefragt:

Zitat:
Erschracken tatsächlich.

Meinst du "Erschraken" oder blick ich da was nicht?

Ich werde mehr von dir lesen.
Alles Liebe
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adelbo
Geschlecht:weiblichDichter und Denker


Beiträge: 1891
Wohnort: Im heiligen Hafen


BeitragVerfasst am: 25/10/2012 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hoffe liebes schreckliches Enfant,   smile du bist mir nicht böse, aber ich möchte mich einfach nur dem


Zitat:
Kann man Stimmgabel kommentieren? Wenn ja, wie? Sollte man es überhaupt? Dein Stil ist so eigenständig und progressiv, dass angesichts seiner Ausdruckskraft jeder Versuch der Beschreibung mau, jedes Wort scheinheilig und bürokratisch klingt.
Dennoch möchte ich dir ein Lob dalassen, auch wenn es mit deiner Fabuliergewalt in keinster Weise aufnehmen kann.
Deine Texte haben es an sich, dass sie sich für mich wie Beschwörungen, wie Zauberformeln lesen in ihrem eigenwilligen Rhythmus, den Schwärmen von Neologismen, die des Lesers Kopf umschwirren und gnadenlos verdrehen. Jedes Wort passt zusammen, eben weil es neuartig ist - ich liebe die vollkommen Freiheit, mit der du die Sprache behandelst, Wortfetzen und Begriffe nach deinem Gusto neu arrangierst. Denn niemals liest es sich wie Kauderwelsch, weil deine selbst kreierte Sprache intuitiv den Assoziationen von Bild und Wort folgt; die Bruchstücke fügen sich zu einem sehr fesselnden Kaleidoskop zusammen. Du erzählst keine Geschichte, nein, du malst sie, oder besser noch: pflanzt Teile in den Kopf des Lesers, auf dass sie von alleine zu einem stimmigen Ganzen zusammenwachsen.
Hut ab! Sehr, sehr gerne gelesen


anschließen, da ich es nie so gekonnt hätte formulieren können, aber genau so empfinde.

Ja Frank, ich kann wirklich nur staunen, wie du auf solche
Zitat:
Fallen auch in deren Mäuler. Sicher weggeschluckt. / Großes Glück gehabt - darüber blieben.
Über jene Bordsteinsteher, mit ihren chronischen Knickköpfen. Solche mit überlangen Hälsen, giraffen
sich deren Wirbel, neugiergeplagt länger & länger, und oben, draufgsetzte Faltenfratzen grinsen breit
& fahl.

Bilder, Worte und Wortkombinationen kommst Gefällt mir sehr gut.
LG
adelbo


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„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3281
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BeitragVerfasst am: 25/10/2012 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Frank,

dieser Text lockt mich so gar nicht zu einem Kommentar, der ins Detail geht. Er steht als Ganzes einfach so stimmig und bildreich vor mir, dass ich auch nur als Ganzes was dazu sagen kann. Auch ich könnte mich blind ETs Worten anschließen und werde wahrscheinlich nicht viel Neues hinzufügen, wenn ich es dennoch mit meinen Worten versuche.

Wie alle deine Texte überzeugt auch dieser durch eine sehr eigenwillige und gekonnte und bis ins Kleinste nachgespürte Wortwahl und Wortsetzung. Deine Sätze atmen „Freiheit“ und deine Wortwahl ein großes Einfühlen in die Sprache und das Stück Leben, das du mit ihr nachzeichnest.

Mehr noch als in deinen anderen Texten, spüre ich hier eine fest mit dem Inhalt verwachsene Satz/Textmelodie.

Wahrscheinlich gehe ich später noch ein wenig darauf ein, was ich da inhaltlich entnehmen. Wollte einfach nur dalassen, dass ich sprachlich absolut überzeugt bin von dem Text.

Liebe Grüße Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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last-virgin
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BeitragVerfasst am: 25/10/2012 20:48    Titel: re Antworten mit Zitat

Hallo Frank,
hier wurde schon alles gesagt, was könnte ich dem noch hinzufügen.
Trotzdem geht es mir wie immer mit Deinen Texten, ich muß sie einkreisen, um sie für mein Empfinden und meine Denke zu erschließen.
Hier kann ich erstmal nur ein spontanes Gefühl äußern, von Leichtigkeit und Weite und dann das Zerbrechen, fast nebenbei, fast beliebig.
Und doch wurde vorher so gekämpft, Teil dieser Lebendigkeit zu sein.
Da ist in mir ein großer Schmerz.


lg

last-virgin


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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 25/10/2012 23:23    Titel: Antworten mit Zitat

Meine erste Reaktion:

Das ist skurril.
Der Unterschied von Faltern, Fäden, also Weiches, Bewegliches, zum Stock und Zerbrechlichem, zerbrochenem Festen am Ende beeindruckt mich in diesem Text.
Die Intention ist mir noch nicht ganz deutlich geworden, aber es mir darum zu gehen, dass es scheint  nicht erfolgversprechend ist, im Alter Jugend einfangen zu wollen, sinnlos, der Jugend nachzutrauern/eifern?

Wie dem auch sei: Ich halte diesen auch fuer einen deiner besten Texte.
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


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Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 26/10/2012 00:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Frank,

es ist ja nun nicht der erste Prosatext, den ich von dir lese und kommentiere und deine Art zu schreiben wird mir immer vertrauter. Bei diesem Text jedoch empfinde ich noch stärker und höre sie geradezu, die suchende Haltung des Schreibers nach den richtigen Worten. Es ist fast so, als würden sich erst beim Lesen so Stück für Stück die Sätze und Satzstücke zusammensetzen und sich damit die Bilder entwickeln. Hinzu empfinde ich stark eine Melodie, fast lyriknah.

Zitat:
Falter, Fäden suchen fangen


Hier im Titel ist schon ein wenig von der Schreibbewegung, die ich spüre. Ein Suchen, ein Fangen, Falter/Fäden = etwas Flüchtiges, Zartes, Leichtes, und so beginnt auch der Text.

Zitat:
Lila Falter, Sommerfädenweben fliegen unbeschwert daher, da rum, ins Nirgendwo dahin, vielleicht zu
dir hierher. / Die doch auch. Winterweiße Flocken segeln nieder. Spielen Flieger, in den Winden Kreisel
über Menschenwirr und Bäume,
über Abfall,
Untendreck hinweg.


„fleigen/ daher /da rum/ins Nirgendwo dahin/ vielleicht..“ da ist sie, die vage Bewegung ins Nirgendwo, die ich meine.

Und hier das fast Nebeneinanderstellen von den Sommerfäden und den Winterflocken, als seien da keine großen Unterschiede. Auch diese „segeln/spielen“ hat etwas Leichtes an sich, schön auch die Klangspielerei mit „ie“ in „nieder/spielen/Flieger“, die mich nah an die Lyrik heranführen. Dann das Wort „Menschenwirr“, das sich in seinen Bedeutungen so weit öffnet. Da fallen dann „Abfall und Untendreck“ um so heftiger auf. Ich habe ein Bild der Leichtigkeit irgendwo „oben“ und sehe auch ein Unten und Dreck.


Zitat:
Fallen auch in deren Mäuler. Sicher weggeschluckt. / Großes Glück gehabt - darüber blieben.


Hier habe ich mit dem „darüber blieben“ ein Verständnisproblem. Ich melde es einfach mal nur an.

Zitat:
Über jene Bordsteinsteher, mit ihren chronischen Knickköpfen. Solche mit überlangen Hälsen, giraffen
sich deren Wirbel, neugiergeplagt länger & länger, und oben, draufgsetzte Faltenfratzen grinsen breit
& fahl. Umso tiefer, ihre Quallenleere in das mühsam angefeilte Gleichgesicht.


Wieder so eine bildhafte Wortschöpfung: „Knickköpfe“. Und dann wieder diese sich langsam zusammensetzende, suchende Textbewegung. Langsam baut sich das Bild dieser Gestalten zusammen, bis dann die „Faltenfratzen“ draufgesetzt sind und dann „das Grinsen“, dann sehe ich es „fahl“ werden, dann die „Quallenleere“, dann sehe ich das alles im „mühsam angefeilte Gleichgesicht“.
Ich weiß nicht, ob ich mich deutlich machen kann, aber diese zwei Sätze sind unendlich inhaltsdicht, aber ich sehe sie entstehen. Das finde ich häufiger bei dir und finde es schon gut an deiner „Schreibe“.

Zitat:
Als verstünden sie sich,
verstünden die Oben- Untenwelt, und sowieso.


Ich kann diese Knickköpfe noch nicht ganz deuten, wofür sie hier genau stehen. Sie sind mir nur unsympathisch, wegen ihrer Gleichgesichter, der Quallenleere und des Vortäuschens, als wüssten/verstünden sie mehr.


Zitat:
/ Unbemerkt stand er daneben.

Jener tatterstock Alte, Verbuckelte. Versuchte es unermüdlich. Danach greifen. Mit seinen gebliebenen
Tanzaugen, vielleicht mit den Fingerspitzen. Nur einmal drankommen, haderte er. Versuchte es wieder
um wieder, gegen das borkige, verwachsene Steif & Krumm - gewordenes Leben. Seine Arme hochzu-
bringen, verzerrte sie Stück für Stück,


Hier, in diesem Mittelteil finde ich dein Thema, das du in vielen deiner Texte in irgendeiner Form aufnimmst und andenkst. Das „Alter/Altwerden/Altsein“ und auch da das „Gedankenrauschen“, das  „immer noch“, das „wenigstens noch ein Mal“.
Auch hier zeichnest du wieder mit ganz eigenen Worten und holst diesen Alten vor das Leserauge. „der tatterstock Alte / Verbucklte“.
Ich sehe auch die verzweifelten und wackligen Versuche ganz deutlich vor mir, die er unternimmt. Und dann wieder eine „Stimmgabel-Stelle“, die ich so sehr mag:

Zitat:
“gegen das borkige, verwachsene Steif & Krumm – gewordenes Leben“


Wie ganz anders lese und deute ich doch „gewordenes Leben“ statt „vergangenes oder gewesenes Leben“. An solchen Feinheiten habe ich ganz viel Freude. In dem „gewordenen Leben“ höre ich  auch ganz viel Akzeptieren drin, sogar für das Steif und Krumm.

Zitat:
hinauf, zu den vorbeihuschenden Lila Fäden. Zentimeter um Zentimeter,
als könne er es, doch. Gegen seine Gelenkstarre, gegen seine ermüdete Vergangenheit, die passierten
Verknöcherungen. Nur einmal, wenigstens dieses Mal, wenigstens jetzt, heute.


Ja es geht wieder um ein HEUTE, um ein es noch einmal Versuchen. Gegen alle Widrigkeiten. Wieviel muss es dem Alten bedeuten! Das geht nur, wenn es da einmal etwas gab, um das es die Anstrengung wert war. Eine Sehnsucht, eine Ahnung. Ein wirklich gelebt haben und erfahren haben, was Leben bedeutet.  In deinem anderen Herbst-Text hast du geschrieben, „den Tag weise nutzen“. So etwas ähnliches sehe ich hier auch.
Ein wenig den Sommer berühren und vielleicht das, was einmal Sommerglück war. Ich denke da an Peter Handkes  Buch „der geglückte Tag“ und er übersetzt da das „Carpe Diem“ mit „den Tag pflücken“. Und das fand ich so ganz zwecklos und viel treffender als „den Tag nutzen“. Und hier habe ich auch dieses Gefühl, dass es nur um dieses „Berühren“ geht.

Zitat:
Ahnte es längst, auch
gegen seine übersehenen Versäumnisse, als wär es ein Lebenlang. Wenigstens jetzt - durchquerte es
seinen Gedankenrausch. Quälte sich sein Wille, quälten sich die Arme. Nur noch einen Falterschlag weit
entfernt. / Unbemerkt.


Diese Stelle finde ich schwierig und verschlossen. Ich taste mich nur ein wenig vor und betrachte es auch eher als so ein erstes Versuchen meinerseits.
Erst einmal fällt mir auf, das diese Passage eingefasst ist in „Unbemerkt“. Er beginnt: „Unbemerkt stand er da.“ und endet: Nur noch einen Falterschlag entfernt. / Unbemerkt.
Ist es dieser Alte, der von allen unbemerkt sich anstrengt? Und was geschieht da so ganz unbemerkt? Was sind diese übersehenen Versäumnisse? Ist es sein Leben, das er da Revue passieren lässt? Ist es die Ahnung oder mehr als die Ahnung eines allerletzten Heutes? Ich bin hier nicht ganz sicher.


Zitat:
Erschracken tatsächlich. Knickten ihre Teleskophälse, ihre Knickköpfe gelenkartig nach unten, zur Seite,
baumelten in alle Richtungen. Sogar ihre Körper. Fragezeichen verwirrt. Da war dieses Geräusch, derart
durchdringend. / Zerbrach da nicht was?
und so laut, so
kreischend dumpf. Mancher dachte an zertretene Walnüsse, oder doch an ein geifferndes Hundemaul,
in dessen Fletschzähnen ein gestückelter Knochen zerquetscht wurde. Bis dann eine Bordsteinsteher
Stimme krähte: Das hier, war es wohl. Dort da! liegt ein zerbrochener Krückstock herum.
Man müsse ihn gleich wegschaffen,
ereifferten sich die Hälse, alle in eine Richtung gaffend. / Sonst stolpert noch WER darüber. Nickten alle
Knickköpfe beipflichtend.


Das ist zuerst einmal eine sehr lebendige Szene, die mir der Text vorführt. Mit wunderschönen Stellen wenn ich die „Schreibe“ betrachte.
„knickten die Teleskophälse/baumelten in alle Richtungen“, wenn das nicht großartig bildhaft ist! Und dann wird es Geräuschvoll und auch da genauesten in mein Ohr gebracht.
Doch nach dieser lebendigen, skurrilen Szenerie ist es leer. Vom Alten nur noch der zerbrochene Stock. Es bleibt hier nun dem Leser überlassen: hat er die diesen Falterschlagbreite überwunden, hat er die Falterfäden berührt und was bedeutet das? Wo hat ihn das hingeführt. Jedenfalls braucht es seinen Stock dort nicht.
Auch die Reaktion der Knickköpfe ist bemerkenswert.

Manchmal dachte ich, der Text hat etwas Parabelhaftes an sich. Zwar geht es hier nicht Vordergründig um eine Lehre, die da vermittelt wird, dennoch habe ich hier deutlich das Gefühl einer Bildebene, die für eine andere steht.

Frank, das war jetzt erst einmal ein erstes Annähern und ein genaues Hinschauen. Vielleicht sind ja einige meiner Gedanken nicht ganz auf der falschen Ebene.

Liebe Grüße Aranka


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Stimmgabel
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Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 26/10/2012 12:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

-

Hallo Ihr alle zusammen,
hallo Enfant Terrible,
hallo Brazil,
hallo adelbo,
hallo Aranka,
hallo last-virgin,
hallo firstoffertio,

erst mal ein echtes und ehrliches WOw smile - vielen Dank für Euer hier Mitlesen - und dann bin ich sehr platt, dass dieser Text so gut bei Euch ankommt (hätte nie damit gerechnet), was mich sehr freut.

Gebe jetzt mal einen kleinen Vorspann - und dann gehe ich Schritt  für Schritt auf jeden einzelnen ein.

Diese kleine (auf dem Papier) Geschichte ist, wie es firstoffertio trefflich für sich empfand, sicherlich irgendwie skurril - einiges reine Erfindung, und doch, einiges aus diesem Leben pur geggiffen - wie eben die beißenste Skurrilität meist in der Wirklichkeit passiert.

Das ganze begann damit, meinen sich immer mehr ausweitenden 'Sommerträume' Zyklus (auf dem PC, seit Wochen nebenbei wachsend) nochmals zu unterteilen - wurde echt fliegend weichleicht immer länger - da mussste etwas kürzend passieren. War gerade am Anfang der ersten beiden Zeilen ...
... und dann explodierte, einfach so diese Geschichte in mir - im Sinne des Wortes.

Mit dem realen Hintergrund, kürzlich mir auf der Straße passiert.

Ging auf dem mir bekannten Bürgersteig, noch ca 50 m vor einem geampelten Fußgängerüberweg in Richtung diesen - und bemerkte dort überlaut leer plappernd rumstehend, verschiedene Menschen, verschiedensten Alters (auch Alte ...) - und einen sehr, sehr älteren Herren mit Krückstock und wachligem Dahergehen, an dieser Gaffhorde bemühend herumwackelnd, auch zum Überweg zu gelangen.
Allein das war schon Leben pur (und sehr oxymeronal nicht schön). Meines schnellen Schrittes war ich dann dort gleichsam fast angekommen, die Ampel hatte auf Grün geschaltet, die umstehenden Plärrgaffer verfolgten stringent den Krückstock-Alten, wie er sich unsicher mühte, über die Straße zu gehen. / Leben pur und grausam!

Ich schnappte mir den Alten, Arme untergreifend - und wir gingen langsamen Schrittes zusammen über diesen Überweg - er fühlte sich wieder etwas sicherer, wechselten einige Worte (auch Auge zu Auge - und hierin so viel mehr sprechend zueinander) - und im Rückenhintergrund ein heiteres, angewurzeltes Dröhn-Gebrabbel Gelächter jener Knickköpfe, mit deren glitzernden Leerblicken, gaffend auf uns gerichtet. (... Junge, wie auch Alte)

Drüben, auf der anderen Bürgersteigseite angekommen, wünschten wir uns zuseitig noch einen guten Tag, und jeder ging in entgegengesetzter Richting seinen anvisierten Weg weiter.

Es gibt nicht nur sicherlich, sondern defintiv mindestens zweierlei Sorten/Arten von Menschen. Die, die noch Menschgefühle in sich tragen, und jener abgeknickte Menschenabfall (das meine ich so!!!), der schon grausam tot ist - klaro, nur meine kleine, unbedeutende Meinung.

Sei dies mal der gemixte Hintergrund für diese dann in mir, einfach so, explodierende Geschichte - ohne, dass ich bewusst etwas Sekunden davor hätte ahnen können.

Ein Tschüss erstmal - und nun gehts an die einzelen Kommentare smile , Stimmgabel Frank ... freue mich schon drauf ...

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Brazil
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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
jener abgeknickte Menschenabfall


Besonders treffend finde ich hier die "Quallenleere". Das Wort hat mich gestern gar nicht mehr losgelassen. Da seh ich Wesen, die nur aus Magen bestehen, sich nur um die Befriedigung ihrer primitivsten Bedürfnisse kümmern. Alle gleich aussehend treiben sie in großen Schwärmen im von den Wellen vorgegebenen Rythmus.
Weiß nicht ob du es so gemeint hast, aber so macht es für mich großen Sinn.

Auch über das
Zitat:
Großes Glück gehabt - darüber blieben.

hab ich viel nachgedacht und konnte mir erst nichts genaues vorstellen. Jetzt ist es für mich ein über dem Untendreck bleiben, ein nicht von der Gesellschaft geschluckt werden, was aber dem Glück, nicht dem Willen zugesprochen wird.
Auch das gefällt mir ausgesprochen gut.
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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 13:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo Enfant Terrible,

welche Worte, welche, die nur hauchweise adäquat Deiner Formunlierungsfähigkeit sein könnten, kann ich nun Dir antwortend zugegenen.

Enfant Terrible hat Folgendes geschrieben:
Kann man Stimmgabel kommentieren? Wenn ja, wie? Sollte man es überhaupt? Dein Stil ist so eigenständig und progressiv, dass angesichts seiner Ausdruckskraft jeder Versuch der Beschreibung mau, jedes Wort scheinheilig und bürokratisch klingt.
Dennoch möchte ich dir ein Lob dalassen, auch wenn es mit deiner Fabuliergewalt in keinster Weise aufnehmen kann.
Deine Texte haben es an sich, dass sie sich für mich wie Beschwörungen, wie Zauberformeln lesen in ihrem eigenwilligen Rhythmus, den Schwärmen von Neologismen, die des Lesers Kopf umschwirren und gnadenlos verdrehen. Jedes Wort passt zusammen, eben weil es neuartig ist - ich liebe die vollkommen Freiheit, mit der du die Sprache behandelst, Wortfetzen und Begriffe nach deinem Gusto neu arrangierst. Denn niemals liest es sich wie Kauderwelsch, weil deine selbst kreierte Sprache intuitiv den Assoziationen von Bild und Wort folgt; die Bruchstücke fügen sich zu einem sehr fesselnden Kaleidoskop zusammen. Du erzählst keine Geschichte, nein, du malst sie, oder besser noch: pflanzt Teile in den Kopf des Lesers, auf dass sie von alleine zu einem stimmigen Ganzen zusammenwachsen.
Hut ab! Sehr, sehr gerne gelesen.


Erst einmal ein sehr Danke (was natürlich gradezu lächerlich klein wirkt - ist es aber garnicht ...) für Dein Dir Gefallen zu diesem Text - und Deine darüber hinausgehende Beschreibung meiner Art meiner Schreibe. / Nun, Du kannst es Dir denken, dass ich solche Pro-Worte kaumstens zu meinen kleinen Schreibeversuchen bisher erfahren habe. Stehe, sitze also erstmal platt davor.
Innerlich werde ich Rot dafür, und sicher! / ... zugleich spornt es mich umsomehr an, meine Schreibversuche weiter voranzutreiben, aber Hallo Smile / ... und, es freut mich umsomehr ungemein, dass auch Du Freude an meiner, wie Du es sagst,

 ich liebe die vollkommen Freiheit, mit der du die Sprache behandelst, Wortfetzen und Begriffe nach deinem Gusto neu arrangierst. Denn niemals liest es sich wie Kauderwelsch"

Freude an der Sprache in ihrer uns bietenden Freiheit (auf den Beinen ihrer inneren Ordnung) teilen kannst, sie teilst.

In mir war schon immer der Drang gewesen, ob meiner eigenen, erkannten Unfähigkeit, Inhalte, wie von mir gemeint, auch lauten zu können - gerade im nuancuierenden Detail (diese Zwischenzeilen) treffend zu sein.
Und so entstehen dann fast schon unbewusst manche derarte " Schwärme von Neologismen", die bildlich genauer etwas besagen sollen, wollen ..., es platzt dann so heraus. / Natürlich ist da auch eine nachordnende Instanz in mir (wird immer besser), diese Neo-Schwärme nicht komplett entgleiten zu lassen - klar, ab und zu übertreibe ich es dann doch Wink /noch.

Enfant Terrible - nochmal herzlichsten Dank für Deine Einschätzung zu meiner kleinen Schreibe - und sage Dir ein froh-absintisches Tschüss, Stimmgabel.  Sig

... übrigens - ich würde gerne mal wieder ein Gedicht nach Deiner exzellenten Sprach-Couleur der Jahre davor hier eingestellt sehen - war ja mittlerweile mehr als 1jahr hier abwesend. Davor war ich ebenso immer wieder von Deinen, gerade so weich/hart-beißend zwischenzeilenden Gedichten fasziniert. (... wollte ich jetzt nur mal so noch sagen) / Habe ja von Dir mittlerweile gelesen, dass Du Deinen Stil etwas ändern möchtest ...

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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 14:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo Brazil,

Hach, dass passt ja gut zusammen Smile - habe gerade beim Einstellen meiner letzten Antwort Deinen Folgekommentar gesehen - füge nun Deine beiden Gedankengänge zusammen.

Und klar - freue ich mich über Dein detailendes Mitlesen - und Dein Gefallen an meiner skurrilen Geschichte smile / Wir haben uns ja bisher noch nicht kennengelernt - wird sich ja nun ändern ...

Brazil hat Folgendes geschrieben:

Gefällt mir unglaublich gut. Eine Ganzheit bei der man sicher nicht über die Einzelteile diskutieren muss.
An einer Stelle hab ich mich aber doch gefragt:
Zitat:

Erschracken tatsächlich.
  

Meinst du "Erschraken" oder blick ich da was nicht?

Ich werde mehr von dir lesen.


Wie Du es erkannt hast - hier habe ich mich wohl selbst zuviel erschreckt, hi h ... / habe es auch gleich, Dank Roman (Mods) ändern lassen - sieht nun wieder etwas normaler aus.

"Ich werde mehr von dir lesen." / Na, ich hoffe, das andere fällt dann nicht zu sehr ab ...


Brazil hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
jener abgeknickte Menschenabfall


Besonders treffend finde ich hier die "Quallenleere". Das Wort hat mich gestern gar nicht mehr losgelassen.

Da seh ich Wesen, die nur aus Magen bestehen, sich nur um die Befriedigung ihrer primitivsten Bedürfnisse kümmern. Alle gleich aussehend treiben sie in großen Schwärmen im von den Wellen vorgegebenen Rythmus.
 
Weiß nicht ob du es so gemeint hast, aber so macht es für mich großen Sinn.


Du beschreibst diese von mir gemeinte "Quallenleere" sehr gut - und gehe dbzgl noch einen Gedankenschritt weiter / diese von Dir benannten Quallen-Menschen, die auch ihre Fädenarme permanent versuchen, um andere zu schlingen, in ihren versifften Bann reinzuziehen. / ... als gelänge es ihnen auch mehr und mehr ...


Brazil hat Folgendes geschrieben:

Auch über das
Zitat:

Großes Glück gehabt - darüber blieben.


hab ich viel nachgedacht und konnte mir erst nichts genaues vorstellen. Jetzt ist es für mich ein über dem Untendreck bleiben, ein nicht von der Gesellschaft geschluckt werden, was aber dem Glück, nicht dem Willen zugesprochen wird.
Auch das gefällt mir ausgesprochen gut.


Diese von mir, etwas lyrisch verknappte Zeile, ist sicherlich nicht saubere Prosa / sollte aber dadurch mehr betonen, eben, auf dieses Glück haben verweisen, und nicht von dem menschenden, verursachten Untendreck geschluckt zu werden. Klar gehört da auch ein bewusstseiendes Erwehren dazu - aber auch, mMn ein Glück, nicht unbewusst darin verigelt zu werden - eine teils auch Art Kombi ...

Brazil - es hat mir Freude gemacht, Deine treffenden Gedanken lesen zu dürfen, nochmal ein Da Smile nke dafür - und ein unquallendes Tschüss, Stimmgabel

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kleiner Nachtrag:
Hallo Aranka, diese Stelle "Großes Glück gehabt - darüber blieben." war so gemeint, wie es Brazil für sich gedeutet hat.

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Stimmgabel
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Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 26/10/2012 15:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo adelbo,

Dein Mitlesen meiner Texte/Gedichte Smile gibt mir schon ein gutes Gefühl, da Du ja selbst eine exzellente Prosaistin bist (... und Du ja darin auch immer wieder von scheinbar banalen Wirklichkeiten bis hin zu scheinbar skurrilen Unwirklichkeiten aufbilderst, erzählst und letztlich die purste Ist-Realität widerspiegelst) - und Dich nun auch gravierend in die Lyrik hinein wortest ... / bitte davon mehr smile

Für Dein Lob möchte ich mich bei Dir ebenso sehr bedanken - und Du weißt natürlich, dass solche besseren Texte auch nur seltenst gelingen - eben dann, wenn man mal solch eine "Lila Falter, Sommerfädenwebe" in sich einfängt und aufblühen sieht - es dann einfach passiert ...

adelbo hat Folgendes geschrieben:
Ich hoffe liebes schreckliches Enfant,   smile du bist mir nicht böse, aber ich möchte mich einfach nur dem

Zitat:
Kann man Stimmgabel kommentieren? Wenn ja, wie? Sollte man es überhaupt?
Dein Stil ist so eigenständig und progressiv, dass ...
Hut ab! Sehr, sehr gerne gelesen


anschließen, da ich es nie so gekonnt hätte formulieren können, aber genau so empfinde.


Hi hi - nun ja, liebe adelbo - tiefstapeln  Razz  und so, und so ....

--------------


adelbo hat Folgendes geschrieben:

Ja Frank, ich kann wirklich nur staunen, wie du auf solche

Zitat:
Fallen auch in deren Mäuler. Sicher weggeschluckt. / Großes Glück gehabt - darüber blieben.
Über jene Bordsteinsteher, mit ihren chronischen Knickköpfen. Solche mit überlangen Hälsen, giraffen
sich deren Wirbel, neugiergeplagt länger & länger, und oben, draufgsetzte Faltenfratzen grinsen breit
& fahl.


Bilder, Worte und Wortkombinationen kommst Gefällt mir sehr gut.
LG
adelbo


Wie Du ja mittlerweile meinen Kommentareinstieg gelesen haben wirst, können natürlich solche Bordsteinsteher Knickköpfe Bilder umsomehr ins Fließen kommen, wenn man immer mal wieder solche Grusel-Realitäten, z.B. die dieses alten Herren bzgl des Ampel-Überweges hautnah miterlebt hat - und in sich aufsaugt. Nach diesem Erlebnis sind wohl schon unbewusst, direkt danach, solche Skurril-Bilder in mir erwachsen,

bis sie dann einfach so aufs Papier heraus wollten.

adelbo - sage Die wieder ein sehr Tschüss und Danke für Dein bei mir Reinschauen - und dann bis bald später ... / Frank

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Stimmgabel
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Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 26/10/2012 16:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo Aranka,

ich gehe jetzt erst mal auf Deinen ersten, gesamt umfassenden Kommentar ein (Faden chronologisch) - und sage nicht nur ein sehr kopfrot Freu ob Deines Lobes wink ,

sage aber auch (und Du kannst es mir sicher nachspüren ...), dass ich natürlich garnicht so gut sein kann, wie ich hier mit positiven Stimmen geradezu überrollt werde. Ja, da ist dann auch schon ein bißchen Zurückgehen in mir - zugleich, na klar, auch das riesige Freuen über diese tolle Resonaz zu diesem Text (... und Du nun ebenso dabei). Bin es halt nicht gewohnt ..., in dieser Gesamtheit ...

Aranka hat Folgendes geschrieben:

Hallo Frank,

... Er steht als Ganzes einfach so stimmig und bildreich vor mir, dass ich auch nur als Ganzes was dazu sagen kann. Auch ich könnte mich blind ETs Worten anschließen ...

Wie alle deine Texte überzeugt auch dieser durch eine sehr eigenwillige und gekonnte und bis ins Kleinste nachgespürte Wortwahl und Wortsetzung.
Deine Sätze atmen „Freiheit“ und deine Wortwahl ein großes Einfühlen in die Sprache und das Stück Leben[/b], das du mit ihr nachzeichnest.

Mehr noch als in deinen anderen Texten, spüre ich hier eine fest mit dem Inhalt verwachsene Satz/Textmelodie.

Liebe Grüße Aranka


Was mich im Besonderen an Deinem Kommentar beflügelt ist, dass Du im Text und dieser, meiner Art Schreibe einen sprachlichen Freiheitsdrang aufführst, entdeckst - denn: das ist es sicherlich in mir auch, einerseits in geordneten Bahnen der Sprache dezidiert zu schreiben und zu bleiben,
aber auch genau ihre immanente Freiheit vielleicht ein bißchen mitatmen, ein bißchen umsetzend aufzugreifen - und wenn es mir ab und an gelingt, dann hat das natürlich schon was Wink

Ebenso ist klar, dass diese Schreibe sicher nicht Vieler Geschmack und Stil ist ..., wäre ja auch ein Ding ...

Aranka, wieder ein vielen Dank für Dein pfeilendes Schreib-Auge, und sage ein zunächst Tschüss Dir - bis dann hier später weiter ... / Frank (sicher kein Kopfknicker ..., hi hi ...)


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Aranka
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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Frank,

du schreibst:

Zitat:
Was mich im Besonderen an Deinem Kommentar beflügelt ist, dass Du im Text und dieser, meiner Art Schreibe einen sprachlichen Freiheitsdrang aufführst, entdeckst - denn: das ist es sicherlich in mir auch, einerseits in geordneten Bahnen der Sprache dezidiert zu schreiben und zu bleiben,
aber auch genau ihre immanente Freiheit vielleicht ein bißchen mitatmen, ein bißchen umsetzend aufzugreifen - und wenn es mir ab und an gelingt, dann hat das natürlich schon was  

Ebenso ist klar, dass diese Schreibe sicher nicht Vieler Geschmack und Stil ist ..., wäre ja auch ein Ding ...



Aber Hallo! Was kümmert dich die Meinung der Vielen? Habe ich dich da so falsch eingeschätzt? Gerade deine Unbekümmertheit darüber, was so noch alles geht in der Lyrik und der Sprache, Grenzen sprengen und das bei dennoch überlegtem Umgang mit Sprache, bewundere ich in deinem Tun.

Bei einem der jüngeren Lyriker (kann nicht mehr genau sagen ob es Steffen Popp war oder Marcel Beyer)  habe ich in eine Gedicht gelesen:
Mein Herz – eine Sprengwolke“
und das passte so perfekt zu vielen seiner Gedichte. Da fliegt dem Leser schon mal etwas ganz Explosives um die Ohren, aber immer wohl reflektiert und dennoch herznah.
Und das muss ich auch oft bei deinen Texten denken. (Nicht das sie stilmäßig ähnlich wären, aber im freiheitlichen Umgang mit Sprache schon.) Bei dir finde ich immer eine explosive und gleichzeitig gut austarierte Mischung aus „Überdrehtheit“, „ironisch bis skurriler Perspektive“ und „sensibler Emotion“. Treibst es immer ein wenig bunt und wild und dennoch liebevoll geerdet. Wo findet man eine solche Mischung in den Texten?
Kann nur sagen, dass es mir gefällt. Und wie soll ich es werten? Mit dem Geschmack der Vielen bestimmt nicht. Wer sich in seinem Schreiben so ein wenig „außerhalb“ ansiedelt, den sollte man doch auch mit Kriterien ein wenig „außerhalb“ bewerten. Wer braucht denn noch Ausgedörrtes? Also, erwarte nicht von mir eine herkömmliche Bewertung, wenn du mir durchaus anderes servierst.
Ich versuche halt ein wenig zu erspüren, was der Autor da vor hat mit Sprache und daran muss ich ihn doch messen, oder? Mach ich aber bei allen Texten und ich bin da auch nicht sehr „geschmacklich“ festgelegt. Entweder es gelingt, was der Autor vorhat oder es gelingt nicht.
Literatur ist immer ein „Gelingen im Sinne einer Verwirklichung nichttrivialer Erfahrung, und nur auf dieses Gelingen kommt es an.“
 Das ist nicht von mir. Habe ich irgendwo gelesen und hat mir gefallen, weil ich fand es einleuchtend.
Und nach diesem Gelingen versuche ich zu beurteilen und um dies Gelingen umzusetzen, stehen eigentlich alle sprachlichen Möglichkeiten zur Verfügung, ohne Tabus und ohne „so muss es sein“.

Und genau das, was ich hier versucht habe, wahrscheinlich wieder mal  viel zu umständlich zu beschreiben, finde ich in vielen deiner Texte und finde es auf jeden Fall immer spannend, wenn auch schon mal anstrengend. Und! Musst gar nicht rot werden. Soll gar kein Lob sein. Was tut man schon mit einem Lob. Einfach Feststellung, vielleicht Anerkennung. Jedenfalls wesentlich weniger emotional als ein Lob, aber total ehrlich.

Liebe Grüße Aranka


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Brazil
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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wir haben uns ja bisher noch nicht kennengelernt - wird sich ja nun ändern ...


Ich bin recht neu hier, heiße Beatrice mit bürgerlichem Namen und es freut mich außerordentlich.
Tja ich kann es nur wiederholen, deine gedichtete Geschichte wirkte auf mich so perfekt, dass ich mich fast nicht getraut hätte sie zu kommentieren. Aber wenn es dir recht ist schreibe ich nächstes mal mehr.
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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 26/10/2012 22:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo last-virgin,

last-virgin hat Folgendes geschrieben:

hier wurde schon alles gesagt, was könnte ich dem noch hinzufügen.


Och ja - und schon gehst Du gleich gefühlig ins Eingemachte Wink

last-virgin hat Folgendes geschrieben:

Hier kann ich erstmal nur ein spontanes Gefühl äußern,

von Leichtigkeit und Weite und dann das Zerbrechen, fast nebenbei, fast beliebig.
 
Und doch wurde vorher so gekämpft, Teil dieser Lebendigkeit zu sein.
Da ist in mir ein großer Schmerz.


So dachte ich mir das auch - zuerst lyrisch eine Leichtigkeit mit den metaphorischen Sommerfäden und Winterflocken erzeugen, als ginge es derart, in diesem Falterfliegen weiter - und dann sehr schnell diese Bordsteinsteher gegenüber, quasi in den aufgebauten, gefühlig leichten Weg quer zu stellen. / Und zwar sprachlich nun in reiner Prosa - also auch hierin einen Kontrast aufbauend.

Die dann eingeführte Figur des tatterstock buckligen Alten (komplett unbemerkt von den anderen) ist ja offenkundig schon mindestens auffällig - umsomehr seine erfolglosen Versuche, wenigstens eine Sommerfädenwebe zu erhaschen - vielleicht ja nocheinmal das Leben selbst in ganzer Intensität zu spüren???

von Dir: "Und doch wurde vorher so gekämpft, Teil dieser Lebendigkeit zu sein",

und dann dieses gruselige Geräusch eines Zerbrechens - und nichts weiter als ein zerbrochener Krückstock ist für die Knickköpfe vorzufinden.

Hierzu sagst Du es sehr treffend: "... und dann das Zerbrechen, fast nebenbei, fast beliebig."

Die Funktion dieses Alten ist sicher hierin interessant - und die Frage stellt sich, zumindest mir - war dieser Alte in dieser geschichteten Story tatsächlich real da, oder vllt doch gar nicht?

Mal sehen, vielleicht möchte ja noch jemand hierzu einen Gedanken abgeben Wink / denn, mMn gibts hierzu mindestens zwei Möglichleiten ...

Liebe last-virgin,
wieder ein Danke für Dein erstes Weg Nachschreiten in dieser sicher eigenarten Geschichte - und wieder ein fröhliched Tschüss, Frank

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BeitragVerfasst am: 27/10/2012 14:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo firstoffertio,

genau das soll dieser Text im ersten Lesergefühl in sich tragen - diese von Dir benannte Skurrilität Smile , um dann aber hoffentlich doch nicht einzig in ihr zu verharren ... *g*

Ich freue mich, zum einen über Dein Gefallen bzgl des gesamten Textes, dann aber gerade auch deswegen, dass Dir diese Gegenüberstellung von dem Einstieg, mit dieser sprachlich bildlichen 'beweglichen Leichtigkeit', zu dem dann Zerbrechen als Kontrast zusagt.

Habe hier ja auch sprachlich den Modus von lyrischer Sprache am Anfang dann adhoc in eine reine Prosa geändert - um dann folgend, in wechselnden Mischformen weiter zu erzählen..

Wie Du es treffend untermalst, dass es hier auch um Zerbrechlichkeiten geht - wie z.B. bzgl Gefühlen, Achtung eines/zu einem Menschen, er selbst als Person, oder sogar das ganze Leben in seinerselbst. Wie dann auch in diesem Text, dieser sich fuchtelnd bewegende Alte, auffällig dennoch von keinem der herumseienden Bordsteinsteher bemerkt wird - doch sehr skurril,
und sicher nicht wirklichkeitsfremd ...

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:

Meine erste Reaktion: Das ist skurril.  

Der Unterschied von Faltern, Fäden, also Weiches, Bewegliches, zum Stock und Zerbrechlichem, zerbrochenem Festen am Ende beeindruckt mich in diesem Text.


--------------------
 
firstoffertio hat Folgendes geschrieben:

Die Intention ist mir noch nicht ganz deutlich geworden,

aber es mir darum zu gehen, dass es scheint nicht erfolgversprechend ist, im Alter Jugend einfangen zu wollen, sinnlos, der Jugend nachzutrauern/eifern?


Diese Deutung ist sicherlich ableitbar!
Aber, ob in dieser Schärfe ( sinnlos, der Jugend nachzutrauern/eifern ) tatsächlich im Text verankert ist, weiß ich jetzt schlecht als Autor zu sagen - denn, hier spricht(denkt) ja der bucklige Alter auch von seinen Lebens-Versäumnissen, die er selbst begangen hat - und somit vielleicht nicht seiner Jugend nacheiffern will, aber vllt noch einmal das Leben, wenigstens einmal, tief in sich spüren will (gemäß senes Altseins) - eben verbildlicht, wenigstens einmal noch eine Sommerfädenwebe zu erhaschen ...

firsatoffertio hat Folgendes geschrieben:

Wie dem auch sei: Ich halte diesen auch fuer einen deiner besten Texte.


firstoffertio - solch eine Aussage gefälllt natürlich sehr - werde sie auch in mein heimliches Holzkästchen vorsichtig reinlegen ... Smile / habe mich wieder über Deinen Besuch und Deine Gedanken gefreut - und sage wieder ein fröhliches Tschüss, Stimmgabel

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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 27/10/2012 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Was ich jetzt noch drin sehe, ist, dass er sich in seinem Alter doch noch behaupten möchte, allein schon dadurch, dass er unterwegs ist.
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BeitragVerfasst am: 27/10/2012 23:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo Aranka,

nun zu Deinem 2. Kommentar - wieder mein Freude, Deine Details und Deine Gedanken zu lesen Smile

Es geht los:

Aranka hat Folgendes geschrieben:

Hier im Titel ist schon ein wenig von der Schreibbewegung, die ich spüre. Ein Suchen, ein Fangen, Falter/Fäden = etwas Flüchtiges, Zartes, Leichtes, und so beginnt auch der Text.
„fliegen/ daher /da rum/ins Nirgendwo dahin/ vielleicht..“ da ist sie, die vage Bewegung ins Nirgendwo, die ich meine.

Und hier das fast Nebeneinanderstellen von den Sommerfäden und den Winterflocken, als seien da keine großen Unterschiede.
Auch diese „segeln/spielen“ hat etwas Leichtes an sich, schön auch die Klangspielerei mit „ie“ in „nieder/spielen/Flieger“, die mich nah an die Lyrik heranführen.

Dann das Wort „Menschenwirr“, das sich in seinen Bedeutungen so weit öffnet. Da fallen dann „Abfall und Untendreck“ um so heftiger auf. Ich habe ein Bild der Leichtigkeit irgendwo „oben“ und sehe auch ein Unten und Dreck.


Du sagst es besser, als ich es hätte beschreiben können - und genau meine hier gesetzte Absicht.
Mit dem lyrischen Einstieg wollte ich dann zu dem menschlichen Untendreck und Menschgewirr auch einen quasi akkustischen Kontrast herstellen - auch dadurch, als ich plötzlich in eine 'normale' Prosa wechselte.

Aranka hat Folgendes geschrieben:

Hier habe ich mit dem „darüber blieben“ ein Verständnisproblem. Ich melde es einfach mal nur an.

 / ... habe ja hierzu schon zu Brazils Kommentar meine Absicht gegeben.


Aranka hat Folgendes geschrieben:

Wieder so eine bildhafte Wortschöpfung: „Knickköpfe“. ...
... Langsam baut sich das Bild dieser Gestalten zusammen,
bis dann die „Faltenfratzen“ draufgesetzt sind und dann „das Grinsen“, dann sehe ich es „fahl“ werden,
dann die „Quallenleere“, dann sehe ich das alles im „mühsam angefeilte Gleichgesicht“.

Ich kann diese Knickköpfe noch nicht ganz deuten, wofür sie hier genau stehen. Sie sind mir nur unsympathisch, wegen ihrer Gleichgesichter, der Quallenleere und des Vortäuschens, als wüssten/verstünden sie mehr.


Diese Knickköpfe (mit allen dazugefügten Eigenschaften) sind für mich genau jener reale Menschentypus, der in seiner egomanen Oberflächlichkeit (auch Kleingeistigkeit) nur sich selbst sieht und sich zu gerne 'selbsterhaltend' unter Gleichgesinnten hordend aufhält. Also, nicht gerade wenige hier auf dem Erdenball ... Wink / wie Du es sagst, sie sind defakto unsozial 'unsympathisch !!!

Aranka hat Folgendes geschrieben:

Hier, in diesem Mittelteil finde ich dein Thema, das du in vielen deiner Texte in irgendeiner Form aufnimmst und andenkst. Das „Alter/Altwerden/Altsein“ und auch da das „Gedankenrauschen“, das „immer noch“, das „wenigstens noch ein Mal“.


Wie ich ja im Kommentar-Einstieg erzählte, hat diese skurrile Geschichte auch etwas mit erfahrener Wirklichkeit zu tun. (... schlimm genug, aber so ist nunmal die Wirklichkeit auch ...)


Aranka hat Folgendes geschrieben:

Wie ganz anders lese und deute ich doch „gewordenes Lebenstatt „vergangenes oder gewesenes Leben“. An solchen Feinheiten habe ich ganz viel Freude. In dem „gewordenen Leben“ höre ich auch ganz viel Akzeptieren drin, sogar für das Steif und Krumm.


Über diese Deine Deutung und Dein Erahnen meiner Absicht habe ich mich besonders gefreut smile



Aranka hat Folgendes geschrieben:

Ein wenig den Sommer berühren und vielleicht das, was einmal Sommerglück war. Ich denke da an Peter Handkes Buch „der geglückte Tag“ und er übersetzt da das „Carpe Diem“ mit „den Tag pflücken“. Und das fand ich so ganz zwecklos und viel treffender als „den Tag nutzen“. Und hier habe ich auch dieses Gefühl, dass es nur um dieses „Berühren“ geht.


Genau so meinte ich es - Dieses Wissen des eigenen Alters, des ge -und auch verlebten Lebens - und jetzt die Chance nochmal nutzen, ein wenig tiefer dieses Leben spüren zu wollen - ein Moment Berührung nochmal ...

 
Aranka hat Folgendes geschrieben:

Text hat Folgendes geschrieben:

Ahnte es längst, auch
gegen seine übersehenen Versäumnisse, als wär es ein Lebenlang. Wenigstens jetzt - durchquerte es
seinen Gedankenrausch. Quälte sich sein Wille, quälten sich die Arme. Nur noch einen Falterschlag weit
entfernt. / Unbemerkt.
  


Diese Stelle finde ich schwierig und verschlossen.
Ist es dieser Alte, der von allen unbemerkt sich anstrengt? Und was geschieht da so ganz unbemerkt? Was sind diese übersehenen Versäumnisse?

Ist es sein Leben, das er da Revue passieren lässt? Ist es die Ahnung oder mehr als die Ahnung eines allerletzten Heutes? Ich bin hier nicht ganz sicher.


Der Alte erkennt realistisch, dass er diese Chance nochmal nutzen möchte - wieviel Zeit könnte ihm noch realistisch bleiben ...
Und dieses im Text zweimal markierte "Unbemerkt" ist ja genau eine zentrale Stelle/Inhalt des Textes.
/ Er, der bucklige Alte will unermüdlich nach diesen mataphorischen Sommerfädenweben greifen - in seiner exaltierten Unbeweglichkeit - und die anderen Herumstehenden / "Bordsteinsteher" bemerken in ihrer blinden Egomanie nichts davon (als würde jetzt neben ihnen nicht purstes Leben passieren).

Und hier stellt sich auch mMn eine zentrale Frage zu diesem Text:

*** Ist dieser bucklige Alte nun wirklich real anwesend in dieser Geschichte, oder braucht er garnicht anwesend zu sein? / Denn: Zum Schluss ist ja nur noch der zerbrechende und zerbrochene Krückstock da. ***

Hierzu auch sehr passend Deine Annahme:
Aranka hat Folgendes geschrieben:

Manchmal dachte ich, der Text hat etwas Parabelhaftes an sich. Zwar geht es hier nicht Vordergründig um eine Lehre, die da vermittelt wird, dennoch habe ich hier deutlich das Gefühl einer Bildebene, die für eine andere steht.


-----------

Aranka hat Folgendes geschrieben:

Vom Alten nur noch der zerbrochene Stock.
Es bleibt hier nun dem Leser überlassen: hat er die diesen Falterschlagbreite überwunden, hat er die Falterfäden berührt und was bedeutet das? Wo hat ihn das hingeführt. Jedenfalls braucht es seinen Stock dort nicht.
  
Auch die Reaktion der Knickköpfe ist bemerkenswert.


Da ist nur noch der zerbrochene Krückstock, alleine zurückgeblieben (als quasi figuriertes Abbild des Alten - was mit ihm danach ist, bleibt offen ...)- und die eigenartige Reaktion dieser umstehenden Bordsteinsteher!!!

Hier beginnt nun sicher die Meta-Ebene ins Spiel zu kommen wink

Liebe Aranka - wieder ein sehr Da Smile nke für Dein genaues Hin -und Reinschauen in diesen Text / ... und ich hoffe, einiges gemäß meiner Absicht (ob nun aufgegangen ???, kann ja nur der Leser wissen ...) erklärt und geöffnet zu haben.
Zumindest ist klar, sehe es genauso - dass solch eine (reale) Skurrilität sicher ein Nachwehen im Leser braucht und einfordert ...

Duu, wieder ein abendliches Nachweh-Tschüss, Frank

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BeitragVerfasst am: 28/10/2012 01:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hi Beatrice,

Brazil hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Wir haben uns ja bisher noch nicht kennengelernt - wird sich ja nun ändern ...  


Ich bin recht neu hier, heiße Beatrice mit bürgerlichem Namen und es freut mich außerordentlich.
Tja ich kann es nur wiederholen, deine gedichtete Geschichte wirkte auf mich so perfekt, dass ich mich fast nicht getraut hätte sie zu kommentieren.

Aber wenn es dir recht ist schreibe ich nächstes mal mehr.


"nicht trauen wink / aber hallo - immer nur her mit Deinen Gedanken - ist es nicht so - ein Text lebt doch einzig von den Mitgedanken des Lesers.

Und - habe schon Deinen tollen Kommentar (ja, fast schon rezensiv ...) zu meiner anderen Prosa

" Das =kein Sonett, hatte Manne Ranicki nie behauptet " gelesen.

/ Was heißt da also nicht trauen??? / ... zumal dieser Text nun wirklich nicht einfach zu lesen und vorallem die innere Aussage zu erkennen ist. / Bin jetzt schon ganz begeistert davon - und dann auch sicher eine avantgardistische Prosa ...

Freue mich schon darauf, Dir darauf zu antworten.

Beatrice, vielen Dank für Dein nochmaliges Reinschauen - und bitte, lasse Deinen Gedanken einen freien Lauf smile

Ein Tschüss Dir, Frank ... bis später dann ...

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BeitragVerfasst am: 28/10/2012 12:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo firstoffertio,

mit diesem Deinen nachgereichten Gedanken empfinde ich gleich:

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:

Was ich jetzt noch drin sehe, ist, dass er sich in seinem Alter doch noch behaupten möchte, allein schon dadurch, dass er unterwegs ist.


Dieser bucklige Alte, der ja sein Leben als gewordenes Leben selbst bezeichnet, seinen Weg immer noch auf den Straßen geht, darin noch Ziele (welcher Art auch immer) sind, er noch hat,

und sich offen wohl mehr als weniger auf diesem Lebensweg reflektiert hat (in den Aktiva und Passiva seines Turns),
hat sicher Zweierlei bemerkt:

Da sind einerseits die Vergreisungen (offenkundig auch körperlich), und jenes doch noch leisere Flackern in ihm, etwas spüren zu wollen. Und, er weiß seiner selbstverschuldeten Versäumnisse - und plötzlich ist da dieses Gefühl, diese Chance für seine Ist-Wirklichkeit, nochmal wenigstens einen dieser Sommerfädenweben zu erhaschen (was auch immer im Abbikd dieser Fäden verborgen sein mag, ist ja egal ...).

Und nun das Wichtige, mMn - er agiert, und versucht sie zu erreichen, zu berühren - gegen all seine körperlichen Hindernisse.

Daraus sehe ich ebenso Deinen Gedanken widergespiegelt: "dass er sich in seinem Alter doch noch behaupten möchte ... "


firstoffertio, schön, dass Du nochmal hier inhaltserweiternd reinschautest Smile - und wieder ein gabelndes Tschüss, Stimm .....el

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