11 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Prolog und 1. Kapitel Psychothriller


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Avrya
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 20
Beiträge: 3
Wohnort: Fulda


BeitragVerfasst am: 20/05/2017 02:46    Titel: Prolog und 1. Kapitel Psychothriller eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ahoi Kinder smile

Ich habe einen Psychothriller geschrieben und brauche dringend ein paar Meinungen dazu ^^
Ich habe im Forum schon einiges gelesen, mich bisher aber nicht getraut selbst irgendwo meinen Senf dazu zu geben, was sich in nächster Zeit jedoch ändern wird. Das Manuskript ist bereits fertig und liegt auch schon Agenturen vor, die sich bisher jedoch nicht gemeldet haben. Ich freue mich auf konstruktive Kritik, seid aber nicht zu hart zu mir, ich bin noch am lernen Smile Ich stelle hier den Prolog und einen Teil des 1. Kapitels ein. Es ist die selbe Leseprobe, die ich bisher auch an Agenturen geschickt habe.
Am Wichtigsten ist es für mich zu erfahren, ob mein Schreibstil "gut genug" für die Welt da draußen ist und natürlich, ob die Handlung spannend genug ist, dass man gern weiterlesen möchte.
Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Prolog:

Ihre Finger fühlten sich feucht an, als sie die Kuppen von Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. Auf ihrer Zunge lag der Geschmack von Blut.
„Abby!“
Die Stimme drang nur gedämpft an ihr Ohr, als versuche sie sich durch einen Schutzfilm zu kämpfen, der sich wie ein Schleier um sie herum gelegt hatte. Sie versuchte, zu ihrem dröhnenden Kopf vorzudringen, das Piepen zu übertönen, das in ihren Ohren immer lauter wurde.
„Abby was hast du getan?!“
Sie starrte auf ihre Hände. Zwischen ihrer weißen Haut und dem dunkelroten Blut schimmerte eine Scherbe, in der sich ihre leeren Augen spiegelten.
Sie ließ ihren Blick über die kleine Terrasse wandern, zählte die vielen roten Flecken, die den Boden, hinter dem alten Haus im Wald bedeckten.

Einer auf dem von Ruß geschwärztem Marmorboden.
Zwei an der beigen Anrichte, auf der noch eine Vase voll verwelkter Blumen stand.
Drei auf der blauen Bank, viele kleine auf den Efeuranken, die sich darauf ausbreiteten. Vier auf dem verdorrten Blumenbeet unter dem zerbrochenen Fenster.
Und sehr viele direkt vor ihr auf den hellen Bodenplatten. Ein roter See, unter dem zierlichen Körper eines zwölfjährigen Jungen mit zerrissener Brust.
Niemand hatte sie gehört oder gesehen. Nur drei Kinder, die im Wald spielten. Niemand hatte die verzweifelten Schreie hören können. Genauso wenig, wie sie jetzt die klagenden Rufe ihres Bruders hören konnte.
Sie bemerkte ihn nicht einmal mehr. Der Piepton in ihren Ohren übertönte alle anderen Geräusche.

Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.

Erst als ihr Bruder vor ihr auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
Er stand auf, als er merkte, dass sie ihn erkannte und fiel ihr um den Hals. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust. Sie war schon immer viel zu klein gewesen. Er strich ihr über das hüftlange schwarze Haar, das sie sich wie fast immer zu einem dicken Zopf geflochten hatte und drückte sie fest an sich.
„Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“



Kapitel 1
Denver, 09. Dezember 2015

Doktor Peters blickte von einem Stapel beschriebenem Papier auf und stützte die Ellenbogen auf dem schwarzen Schreibtisch ab. Dann rückte er seine Brille zurecht, indem er sie mit dem kleinen Finger seiner linken Hand nach oben schob.
Doktor Peters war ein dürrer, glatzköpfiger Mann mit großen, unruhigen Händen. Seine Haut war mit Altersflecken übersät und seine Augen waren von dunklen Ringen untermalt.

Mrs. Chaplin beobachtete ihn schon eine ganze Weile. Sie kannte ihn nicht und er kannte sie nicht, und dennoch gab es ein gewisses Unbehagen zwischen ihnen, ein kleiner Funken in seinen Augen, wenn ihre Blicke sich trafen.
Eine halbe Stunde lang hatten die Chaplins vor dem Sprechzimmer des Psychiaters gewartet, bis er endlich erschienen war.
Genug Zeit, damit Mrs. Chaplin sich die schrecklichsten Dinge ausmalen konnte, die sie hier erwarten würden. Und jetzt vergingen die Minuten, in denen der Arzt seelenruhig seine Unterlagen durchsuchte und die Eltern noch immer nicht wussten, warum sie hier waren. Alles was sie wussten war, dass es um ihre Tochter ging.
Dass Edna zurück aus Australien war.

Dr. Peters befeuchtete seinen Daumen mit der Zunge und blätterte dann eine dicht beschriebene Seite in einem schlanken Ordner um. Mr. Chaplin warf seiner Frau einen nervösen Blick zu. Er schien sich ebenfalls zu fragen, ob der Arzt ihre Anwesenheit bereits vergessen hatte. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl nach vorne. Es war furchtbar kalt im Raum. Durch ein gekipptes Fenster drang die kühle Dezemberluft herein, die Heizungen waren scheinbar ausgeschaltet.
Kein Bild oder Poster schmückte die klinisch weißen Wände des Sprechzimmers. Die einzige Wanddekoration bestand aus einer urigen Pendeluhr, die hinter dem Schreibtisch an der Wand thronte und ein stetiges Ticken von sich gab, das sich durch die bedrückende Stille fraß.

Dr. Peters blickte auf und wieder trafen sich ihre Blicke. Mrs. Chaplin wusste nicht, ob es die Kälte oder die blassblauen Augen des Arztes waren, die ihr einen kalten Schauer über den Rücken jagten.
„Mrs. Sarah und Mr. Harry Chaplin?“, fragte er, als habe er die Leute in seinem Sprechzimmer gerade eben erst bemerkt.
„Ja“, antwortete Mr. Chaplin und Sarah konnte sehen, wie sich seine Hand zur Faust verkrampfte. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengrube breit. Wo war ihre Tochter?



_________________
"Ich kenne nicht die Hälfte von euch halb so gut, wie ich euch gern kennen würde und ich habe nicht die Hälfte von euch halb so gern, wie ihr es verdient."
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 586
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 20/05/2017 13:24    Titel: Re: Prolog und 1. Kapitel Psychothriller Antworten mit Zitat

Hallo Avrya!

Ich schreibe einfach mal ein paar Anmerkungen in Deinen Text! Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit, sondern sage Dir nur meine Meinung. Ich hoffe, es ist etweas Hilfreiches für Dich dabei! Smile

Avrya hat Folgendes geschrieben:

Prolog:

Ihre Finger fühlten sich feucht an, als sie die Kuppen von Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. Auf ihrer Zunge lag der Geschmack von Blut.
„Abby!“
Die Stimme drang nur gedämpft an ihr Ohr, als versuche sie sich durch einen Schutzfilm zu kämpfen, der sich wie ein Schleier um sie herum gelegt hatte. Das ist etwas viel des Guten, Du sagst hier dreimal das Selbe /gedämpft, Schutzfilm, Schleier). Sie versuchte, zu ihrem dröhnenden Kopf vorzudringen, das Piepen zu übertönen, das in ihren Ohren immer lauter wurde. Das ist etwas schief: Es leist sich erst, als würde Abby nur noch alles gedämpft hören, dann aber hört sie laute Geräusche in ihren Ohren?
„Abby was hast du getan?!“
Sie starrte auf ihre Hände. Zwischen ihrer weißen Haut und dem dunkelroten Blut schimmerte eine Scherbe, in der sich ihre leeren Augen spiegelten. Das verstehe ich nicht ganz: Zwischen Haut und Blut ist eine Scherbe? Wie geht das genau? Und: Wie kann man sich in einer Scherbe spiegeln?
Sie ließ ihren Blick über die kleine Terrasse wandern, zählte die vielen roten Flecken, die den Boden, Hier gehört kein Komma hin! hinter dem alten Haus im Wald bedeckten.

Einer auf dem von Ruß geschwärztem Marmorboden. Sind wir drinnen oder draußen?
Zwei an der beigen Anrichte, auf der noch eine Vase voll verwelkter Blumen stand.
Drei auf der blauen Bank, viele kleine auf den Efeuranken, die sich darauf ausbreiteten. Entschuldige bitte, aber Abby muss verdammt gute Augen haben, wenn sie kleine Blutstropfen auf Efeuranken sehen kann! Vier auf dem verdorrten Blumenbeet unter dem zerbrochenen Fenster. Auf einem Blumenbeet? Die sickern doch ein.
Und sehr viele direkt vor ihr auf den hellen Bodenplatten. Ich weiß leider gar nicht, wo Abby genau ist - war der Boden nicht eben noch aus Marmor? Ein roter See, Kein Komma! unter dem zierlichen Körper eines zwölfjährigen Jungen mit zerrissener Brust. Was ist denn eine zerrissene Brust? Und wenn der "rote See" UNTER dem Jungen ist, wie kann sie ihn dann sehen? Ich weiß, dass man das oft so schreibt, aber richtig ist es nunmal nicht.
Niemand hatte sie gehört oder gesehen. Nur drei Kinder, die im Wald spielten. Ich dachte, sie ist auf einer Terasse? Niemand hatte die verzweifelten Schreie hören können. Wessen Schreie? Genauso wenig, wie sie jetzt die klagenden Rufe ihres Bruders hören konnte.
Sie bemerkte ihn nicht einmal mehr. Der Piepton in ihren Ohren übertönte alle anderen Geräusche.

Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel Ach sooo, das ist eine Spiegelscherbe! Dann solltest Du das weiter Oben schon erwähnen. in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle "Grell" passt für mich jetzt nicht ins Szenario. Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sollte sie denn? Ist es Sommer? Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst. Sondern ...?

Erst als ihr Bruder Wie heißt der denn? vor ihr auf die Knie sank Ihhh, mitten auf die Leiche? und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
Er stand auf, als er merkte, dass sie ihn erkannte und fiel ihr um den Hals. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust. Dann dürfte das im Stehen aber eine ganz schöne Verrenkung sein? Sie war schon immer viel zu klein gewesen. Er strich ihr über das hüftlange schwarze Haar, das sie sich wie fast immer zu einem dicken Zopf geflochten hatte und drückte sie fest an sich.
„Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“
Hm. Weiß nicht, da fehlt mir was. In solchen Prologen muss man natürlich nicht alles verraten und darf es auch bei Andeutungen belassen. Trotzdem ist mir das zu wenig. Abby hat anscheinend gerade einen Jungen umgebracht. (Wie alt ist sie, wie alt ihr Bruder?) Und alles, was ihrem Bruder dazu einfällt ist eine Frage und dann Flucht? Lass Abby wenisgtens antworten, lass den Leser erfahren, wie sie die Situation sieht, ob sie sie überhaupt begreift. Lass uns wissen, warum der Bruder mit ihr fliehen will.



Kapitel 1
Denver, 09. Dezember 2015

Doktor Peters blickte von einem Stapel beschriebenem Papier auf und stützte die Ellenbogen auf dem schwarzen Schreibtisch ab. Dann rückte er seine Brille zurecht, indem er sie mit dem kleinen Finger seiner linken Hand nach oben schob.
Doktor Peters Schon wieder "Doktor Peters", finde Alternativen (Der Arzt, der Psychiater ...) war ein dürrer, glatzköpfiger Mann mit großen, unruhigen Händen. Seine Haut war mit Altersflecken übersät und seine Augen waren von dunklen Ringen untermalt.

Warum die vielen Absätze?

Mrs. Chaplin beobachtete ihn schon eine ganze Weile. Passt nicht! Die Eltern bekommen die ominäse Nachricht, ihre Tochter sei wieder da und werden zum Psychiater zitiert. Sie müssen eine halbe Stunde warten. Dann dürfen sie endlich ins das Büro und der Arzt liest erst irgendwas und die Mutter mustert ihn eine ganze Weile. Wer würde denn in so einer Situation seelenruhig da sitzen und nichts sagen, nichts fragen? Und wer so ignorant und unhöflich ist, sollte auch nicht unbedingt Psychiater werden ... Sie kannte ihn nicht und er kannte sie nicht, und dennoch gab es ein gewisses Unbehagen zwischen ihnen, ein kleiner Funken in seinen Augen, wenn ihre Blicke sich trafen. Perspektive: Wer empfindet Unbehagen? Sie oder er oder beide?
Eine halbe Stunde lang hatten die Chaplins vor dem Sprechzimmer des Psychiaters gewartet, bis er endlich erschienen war. Das heißt, sie saßen im Wartezimmer, Flur oder so und er kam dann von draueßen herein?
Genug Zeit, damit Mrs. Chaplin sich die schrecklichsten Dinge ausmalen konnte, die sie hier erwarten würden. Und jetzt vergingen die Minuten, in denen der Arzt seelenruhig seine Unterlagen durchsuchte und die Eltern noch immer nicht wussten, warum sie hier waren. Alles was sie wussten war, dass es um ihre Tochter ging.
Dass Edna zurück aus Australien war. Siehe Oben, das ist mir zu unlogisch.

Dr. Peters befeuchtete seinen Daumen mit der Zunge und blätterte dann eine dicht beschriebene Seite in einem schlanken Ordner um. Zu viele Adjektive, zu viele Details! Mr. Chaplin warf seiner Frau einen nervösen Blick zu. Er schien sich ebenfalls zu fragen, ob der Arzt ihre Anwesenheit bereits vergessen hatte. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl nach vorne. Es war furchtbar kalt im Raum. Durch ein gekipptes Fenster drang die kühle Dezemberluft herein, die Heizungen waren scheinbar ausgeschaltet.
Kein Bild oder Poster schmückte die klinisch weißen Wände des Sprechzimmers. Die einzige Wanddekoration bestand aus einer urigen Pendeluhr, die hinter dem Schreibtisch an der Wand thronte und ein stetiges Ticken von sich gab, das sich durch die bedrückende Stille fraß. Hm. Ich weiß nicht, ob das die Atmosphäre ist, die ein Psychiater in seinem Sprechzimmer aufbaut. Man soll sich doch dort wohlfühlen, auch wenn es einem schlecht geht! Von daher legen solche Ärzte eher viel Wert auf das Ambiente. Ich verstehe, dass sich das Ehepaar unbehaglich fühlt, aber die Schuld dafür würde ich nicht dem Raum geben, das wäre unfair.

Dr. Peters blickte auf und wieder trafen sich ihre Blicke Wiederholung: blickte - Blicke. Besser: schaute auf. Mrs. Chaplin wusste nicht, ob es die Kälte oder die blassblauen Augen des Arztes waren, die ihr einen kalten Schauer über den Rücken jagten. Der berühmte kalte Schauer, der einem über den Rücken läuft ... Klischeebeschreibung, bitte vermeiden!
„Mrs. Sarah und Mr. Harry Chaplin?“, fragte er, als habe er die Leute in seinem Sprechzimmer gerade eben erst bemerkt.
„Ja“, antwortete Mr. Chaplin und Sarah konnte sehen, wie sich seine Hand zur Faust verkrampfte. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengrube breit. Wo war ihre Tochter?
Hm. Weiß nicht. Ich finde die ganze Situation abstrus. Das ist OK, wenn es denn einen Sinn hat. Ich fürchte allerdings, dass kein anderer Sinn dahinter steckt, als dass Du das Unbehagen der Eltern vermitteln und Spannung erzeugen möchtest. Dann geht das nicht. Stünde fortan die zwielichte Gestalt des Psychiaters im Mitttelpunkt, dann ja. Wenn sich der Leser die ganze Zeit fragen soll - wie ich es tue - wie so ein Unsympath Psychiater werden konnte, was er vorhat, welch dunkle Motive ihn antreiben, ob er gar kein psychopatischer Serienmörder ist oder fiese, geheime Menschenexperimente durchführt: Dann ja.
Ansonsten: Nein!
Überleg einmal, wie Du in so einer Situation reagieren würdest, geh das mal Schritt für Schritt für Dich durch: Ein engesr Angehöriger von Dir ist in Australien und auf einmal bekommst Du (von wem?) einen Anruf, Du sollst zu einem Psychiater kommen, dann wird aufgelegt, Du kannst keine Fragen stellen. Du lässt vermutlich alles stehen und liegen und eilst los und ... musst dann 30 Minuten warten und dann ... sitzt der Psychiater, der Dich bestellt hat, da und liest und Du sitzt auch schweigend da ...? Tut mir leid, das funktioniert für mich nicht so recht.


Ich mag es, wie Du Bilder entwirfst und Dir Deine Gedanken machst. Zu viele Absätze, die Kommaregeln könntest Du Dir auch nochmal anschauen. Ab und zu gehst Du zu sehr ins Detail und benutzt zu viele Adjektive. Deine Szenen sind liebevoll konstruiert, aber leider nicht in der Tiefe durchdacht. Du schreibst voller Hingabe, das merkt man, und kannst Deine Geschichten wunderbar für Dich visualisieren; jetzt musst Du das Ganze nur noch ein bisschen abschleifen und besser fokussieren, da steckt für mich einfach noch sehr viel an Flüchtigkeitsfehlern (z.B. die Sache mit der Scherbe oder den kleinen Blutstropfen im Efeu, die ungenaue Ortsbeschreibung) drin, da musst Du sauberer arbeiten.
Du kannst gut schreiben, aber es fehlt noch die Übung in Hinsicht "Arbeit" - was Du geschrieben hast, hat Dir sicher Spaß gemacht, nun müsstest Du an die eher mühselige Überarbeitung gehen, Satz für Satz. Aber ich denke, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird! Smile

Liebe Grüße,
MoL


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", Acabus Verlag, ganz frisch ERSCHIENEN (13. Februar 2017).
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Terhoven
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 165



BeitragVerfasst am: 20/05/2017 14:05    Titel: Re: Prolog und 1. Kapitel Psychothriller Antworten mit Zitat

Hallo Avrya,

herzlich willkommen. Und Gratulation, dass du ein komplettes Manuskript an Agenturen geschickt hast. Hattest du Testleser?

In Grün ein paar Anmerkungen/Fragen zum Prolog.
In Rot Wortwiederholungen.

Ich hoffe, da ist was Nützliches für dich dabei.


Avrya hat Folgendes geschrieben:


Prolog:Mir ist unklar, wann der Prolog spielt, das erste Kapitel hat eine genaue Zeitangabe, daher irritiert es mich, dass der Prolog keine hat, aber vielleicht ist das nur persönliche Vorliebe.

Ihre Finger fühlten sich feucht an, als sie die Kuppen von Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. Auf ihrer Zunge lag der Geschmack von Blut.
„Abby!“
Die Stimme drang nur gedämpft an ihr Ohr, als versuche sie sich durch einen Schutzfilm zu kämpfen, der sich wie ein Schleier um sie herum gelegt hatte. Sie versuchte, zu ihrem dröhnenden Kopf vorzudringen, das Piepen zu übertönen, das in ihren Ohren immer lauter wurde.
„Abby was hast du getan?!“
Sie starrte auf ihre Hände. Zwischen ihrer weißen Haut und dem dunkelroten Blut schimmerte eine Scherbe, in der sich ihre leeren Augen spiegelten. Ist die Scherbe so sauber, dass sich ihre Augen spiegeln können?
Sie ließ ihren Blick über die kleine Terrasse wandern, zählte die vielen roten Flecken, die den Boden, hinter dem alten Haus im Wald bedeckten.

Einer auf dem von Ruß geschwärztem Marmorboden. Wo ist der? direkt vor ihr sind die hellen Bodenplatten.
Zwei an der beigen Anrichte, auf der noch eine Vase voll verwelkter Blumen stand.
Drei auf der blauen Bank, viele kleine auf den Efeuranken, die sich darauf ausbreiteten. Vier auf dem verdorrten Blumenbeet unter dem zerbrochenen Fenster.
Und sehr viele direkt vor ihr auf den hellen Bodenplatten. Ein roter See, unter dem zierlichen Körper eines zwölfjährigen Jungen mit zerrissener Brust. Hat sie ihm die Brust mit der Scherbe zerrissen? Da müsste sie sich selbst verletzt haben, oder? Liegen da noch mehr Scherben von dem zerbrochenen Fenster?
Niemand hatte sie gehört oder gesehen. Nur drei Kinder, die im Wald spielten. Das ist ein ziemlicher Widerspruch, auf mich wirkt das schon fast unfreiwillig komisch, außerdem: Weiß sie von den Kindern? Niemand hatte die verzweifelten Schreie hören können. Außer die drei Kinder? Genauso wenig, wie sie jetzt die klagenden Rufe ihres Bruders hören konnte. Ist der Bruder eines der drei Kinder? Hat er was gehört? Nach der widersprüchlichen Aussage vorher weiß ich den gar nicht einzuordnen.
Sie bemerkte ihn nicht einmal mehr. Der Piepton in ihren Ohren übertönte alle anderen Geräusche.

Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand Moment, das ist keine Scherbe vom Fenster? und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.

Erst als ihr Bruder vor ihr auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm Was macht er/sie mit der Scherbe? Bleibt die in ihrer Hand? und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
Er stand auf, als er merkte, dass sie ihn erkannte und fiel ihr um den Hals. Dieser Satz wirkt sehr holprig und ist ein Perspektivwechsel. Vorher und nachher ist es ihre Perspektive. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust. Sie war schon immer viel zu klein gewesen. Sie ist kein Kind mehr, oder? Ich bin sehr unsicher darüber. Er strich ihr über das hüftlange schwarze Haar, das sie sich wie fast immer zu einem dicken Zopf geflochten hatte und drückte sie fest an sich. Was ist mit der Scherbe? Spätestens hier sollte erwähnt werden, ob sie sie fallen lässt oder nicht.
„Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Avrya
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 20
Beiträge: 3
Wohnort: Fulda


BeitragVerfasst am: 20/05/2017 15:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi smile

Vielen Dank erstmal, für die Korrekturen!
MoL: Die Absätze habe ich nur eingefügt, um das Lesen im Forum ein wenig zu erleichtern^^
Der Arzt soll auf jeden Fall unsympathisch rüberkommen, aber vielleicht habe ich damit wirklich ein bisschen übertrieben.

An Terhoven: Ich hatte zwei Testleser, aber das waren Freunde von mir, die die Geschichte nicht wirklich korrigiert haben.

Ich schau mir das alles erstmal durch und überarbeite nochmal, aber das "Ihhh mitten auf die Leiche?!" hat mir schonmal den Tag versüßt lol2

Achso, und warum ich den Prolog so kurz mache: Es geht im gesamten Manuskript später noch sehr oft um diese Kinder. Der Junge wird später zu "dem Bösen" und deshalb soll man seinen Namen noch nicht erfahren. Außerdem erzähle ich später noch ganz ausführlich wie es zu genau dieser Szene gekommen ist. Meinst du ich muss es trotzdem noch weiter ausführen?


_________________
"Ich kenne nicht die Hälfte von euch halb so gut, wie ich euch gern kennen würde und ich habe nicht die Hälfte von euch halb so gern, wie ihr es verdient."
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Avrya
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 20
Beiträge: 3
Wohnort: Fulda


BeitragVerfasst am: 20/05/2017 16:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier ist die bisher verbesserte Version und der Rest des Kapitels:


Prolog

Ihre Finger fühlten sich feucht an, als sie die Kuppen von Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. Auf ihrer Zunge lag der Geschmack von Blut.
„Abby!“
Die Stimme drang nur gedämpft an ihr Ohr, als versuche sie sich durch einen Schutzfilm zu kämpfen, der sich wie ein Schleier um sie herum gelegt hatte.
„Abby was hast du getan?!“
Sie starrte auf ihre Hände, sah das dunkelrote Blut, das daran klebte und die große Spiegelscherbe, die sie fest umklammert hielt. Leere Augen starrten ihr entgegen.

Sie ließ ihren Blick über die kleine Terrasse wandern, zählte die vielen roten Flecken, die den Boden hinter dem alten Haus im Wald bedeckten.
Einer an der beigen Anrichte, auf der noch eine Vase voll verwelkter Blumen stand.
Zwei auf der blauen Bank, drei auf den Efeuranken, die sich darauf ausbreiteten. Vier auf dem verdorrten Blumenbeet unter dem zerbrochenen Fenster.
Und sehr viele direkt vor ihr auf den hellen Bodenplatten. Ein roter See, der sich langsam neben dem zierlichen Körper eines zwölfjährigen Jungen ausbreitete, seine Kleidung tränkte und sein blondes Haar dunkelrot färbte.

Niemand hatte sie gehört oder gesehen. Sie waren nur drei Kinder, die in einem verlassenen Haus im Wald spielten. Niemand hatte die verzweifelten Schreie hören können. Genauso wenig, wie sie jetzt die klagenden Rufe ihres Bruders hören konnte. Sie bemerkte ihn nicht einmal mehr. Jedes Geräusch, das versuchte zu ihr durchzudringen, prallte an einer unsichtbaren Wand ab.

Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.

Erst als ihr Bruder neben dem toten Jungen auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
„Ich...“, Abby versuchte etwas zu sagen, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Der metallische Geschmack in ihrem Mund ließ sie das Gesicht verziehen. Sie schaffte es nicht einen klaren Gedanken zu erfassen, auch wenn sie versuchte sich zu konzentrieren, herauszufinden warum sie das getan hatte.  
Ihr Bruder streckte die Arme aus und zog sie zu sich heran, drückte sie fest an sich. Sie konnte sein wild schlagendes Herz fühlen. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust. Sie war schon immer viel zu klein gewesen. Er strich ihr über das hüftlange schwarze Haar, das sie sich wie fast immer zu einem dicken Zopf geflochten hatte.

Über seine Schulter hinweg sah sie ihre zitternden Hände, das viele Blut, das nun auch seine Kleidung befleckte. Abby öffnete die Hand und die Scherbe kam mit einem lauten Klirren auf dem Boden auf. Sie spürte die Angst zurückkehren, die sich wie die Kralle eines Raubvogels um ihren zierlichen Körper legte und ihr die Brust zuschnürte.   
Ihr Bruder stieß sie vorsichtig ein Stück von sich fort, sah erst den toten Jungen, dann sie an. Tränen blitzten in seinen Augen auf, doch er blinzelte sie weg und sagte mit fester Stimme: „Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“







Kapitel 1
Denver, 09. Dezember 2015

Doktor Peters blickte von einem Stapel beschriebenem Papier auf und stützte die Ellenbogen auf dem schwarzen Schreibtisch ab. Dann rückte er seine Brille zurecht, indem er sie mit dem kleinen Finger seiner linken Hand nach oben schob.
Doktor Peters war ein dürrer, glatzköpfiger Mann mit großen, unruhigen Händen. Seine Haut war mit Altersflecken übersät und seine Augen waren von dunklen Ringen untermalt.
Mrs. Chaplin beobachtete ihn schon eine ganze Weile. Sie kannte ihn nicht und er kannte sie nicht, und dennoch gab es ein gewisses Unbehagen zwischen ihnen, ein kleiner Funken in seinen Augen, wenn ihre Blicke sich trafen.

Eine halbe Stunde lang waren die Chaplins im Wartezimmer auf und ab gelaufen, bis er endlich erschienen war. Genug Zeit, damit Mrs. Chaplin sich die schrecklichsten Dinge ausmalen konnte, die sie hier erwarten würden. Und jetzt vergingen die Minuten, in denen der Arzt seelenruhig in seinen Unterlagen blätterte und die Eltern noch immer nicht wussten, warum sie hier waren. Alles was sie wussten war, dass es um ihre Tochter ging.
Dass Edna zurück aus Australien war.

Dr. Peters befeuchtete seinen Daumen mit der Zunge und blätterte dann eine dicht beschriebene Seite in einem schlanken Ordner um. Mr. Chaplin warf seiner Frau einen nervösen Blick zu. Er schien sich ebenfalls zu fragen, ob der Arzt ihre Anwesenheit bereits vergessen hatte. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl nach vorne. Es war furchtbar kalt im Raum. Durch ein gekipptes Fenster drang die kühle Dezemberluft herein, die Heizungen waren scheinbar ausgeschaltet. Kein Bild oder Poster schmückte die klinisch weißen Wände des Sprechzimmers. Die einzige Wanddekoration bestand aus einer urigen Pendeluhr, die hinter dem Schreibtisch an der Wand thronte und ein stetiges Ticken von sich gab, das sich durch die bedrückende Stille fraß.

--> Ich mag meine Raumbeschreibung, die Atmosphäre soll auf jeden Fall ungemütlich sein lol2

Dr. Peters schaute auf und wieder trafen sich ihre Blicke. Mrs. Chaplin wusste nicht, ob es die Kälte oder die blassblauen Augen des Arztes waren, die ihr eine Gänsehaut über den Körper jagten.
„Mrs. Sarah und Mr. Harry Chaplin?“, fragte er, als habe er die Leute in seinem Sprechzimmer gerade eben erst bemerkt.
„Ja“, antwortete Mr. Chaplin und Sarah konnte sehen, wie sich seine Hand zur Faust verkrampfte. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengrube breit. Wo war ihre Tochter?

Ihr Blick wanderte zu der Uhr. Erst eine Minute war vergangen? Sarah hatte das Gefühl, sie hätten bereits mindestens zehn Minuten wartend im Sprechzimmer verbracht. Nervös biss sie sich auf die Unterlippe. Dann beschloss sie, dass sie unmöglich länger warten konnte. Sie stöhnte auf, beugte sich vor und sagte: „Ich würde gerne wissen, wieso meine Tochter im Krankenhaus ist. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes.“
Der Psychiater senkte die Arme auf den Tisch und trommelte mit den Fingerkuppen auf die Tischplatte. Nach einem weiteren kurzen Blick in seinen Ordner klappte er ihn zu und antwortete: „Es tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, doch ich befürchte leider schon, dass es sich um etwas Ernstes handelt.“

Sein Blick war so stählern, dass er Sarah das Gefühl vermittelte, sie hätte etwas unglaublich schreckliches getan. Sie verlor langsam die Geduld. Es waren Monate vergangen, seit sie das letzte Mal etwas von ihrer Tochter gehört hatte. Sie hatte angekündigt, dass die Fahrt durch das australische Outback ihren Internetempfang auf ein Minimum beschränken würde. Aber, dass sie sich gar nicht mehr meldet? Sarah waren zu viele negative Gedanken durch den Kopf geschossen. Immer wieder hatte Harry sie beruhigt. Edna würde schon zurechtkommen. Sie sei in Sicherheit.

„Was wollen Sie uns damit sagen? Was ist mit Edna?“, fragte Harry verunsichert.
Doktor Peters verharrte in seiner strammen Pose. Er wartete, seufzte, legte eine weitere Pause ein und erhob sich schließlich von seinem Schreibtisch. Ärzte hatten oft das Talent, etwas Unangenehmes noch unangenehmer zu gestalten.
Sarah erinnerte sich an den Tag, an dem Heather, die Tante ihres Ehemannes die Nachricht erhalten hatte, sie würde nie wieder gehen können. Sie wusste noch, wie sehr sie sich um die Frau gesorgt hatte. Monatelang hatte man ihr die Tatsache verschwiegen, dass sie von nun an an einen Rollstuhl gefesselt sein würde. Und das mit nicht einmal siebzig Jahren. Sarah hatte deutlich vor Augen, wie zermürbt Heather danach gewesen war, wie verärgert. Tagelang war sie in der Wohnung auf und ab gelaufen, hatte kaum gegessen und Unmengen an Kaffee getrunken um sich wachzuhalten, damit sie Tage- und Nächtelang im Internet nach Möglichkeiten suchen konnte, wie sie ihr Schicksal abwenden könne. Am Ende hatte sie sich schneller an den Rollstuhl gewöhnt, als Sarah sich an die Tatsache, dass Heather nun nicht mehr das Kindermädchen für Edna spielen konnte.

Dr. Peters ließ seinen Blick in Sekundenschnelle zu der Wanduhr und wieder zurück zu den Chaplins schweifen. „Nun, folgen Sie mir bitte.“
Er schritt rasch auf die Tür zu, den Blick noch einmal zur Uhr abschweifend, als habe er vergessen, was er zuvor darauf gelesen hatte. Sarah und Harry warfen sich besorgte Blicke zu und folgten dem Arzt nach draußen. Sarah Chaplin wusste, dass sie eine sensible Frau war, die sich sehr schnell um etwas Sorgen machte.
Und da man ihr berichtet hatte, ihre Tochter sei früher aus dem Urlaub zurückgekommen als erwartet, hatte sie sich ein Horrorszenario nach dem anderen ausgemalt. Gerade jetzt, wo sie in ein Krankenhaus beordert worden waren, wusste sie, dass es sich hier um nichts Harmloses handeln konnte. Harry ging es genauso. Sie sah seine zu Fäusten geballten Hände und wie steif sein Gang war. Sie hatten es ja beide schon geahnt. Sie hätten Edna niemals erlauben dürfen, so weit fortzugehen. Sie hatten es ihr gesagt. Wäre sie studieren gegangen, wäre so etwas nicht passiert.

„Ihre Tochter scheint ein schweres traumatisches Erlebnis zu verarbeiten.“
Sie bogen hinter dem Arzt in eine Station mit der Aufschrift „Psychiatrie“ ein und Sarah spürte wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Das Unbehagen in ihr wuchs stetig an. Sie warf Harry einen flüchtigen Blick zu. Sie hatte gewusst, dass etwas nicht stimmte. Er hatte gesagt es sei alles in Ordnung. Hätte sie doch nur nicht auf ihn gehört.  
„Würden Sie bitte ein wenig langsamer gehen? Und uns in Ruhe erzählen, was passiert ist?“

Der Arzt bog in den nächsten Gang ein, in dem es stark nach Desinfektionsmitteln und feuchter Wäsche roch. Sarah ließ sich den Begriff „Psychiatrie“ mehrmals durch den Kopf gehen. Sie wusste nicht, ob sie noch besorgter oder erleichtert sein sollte. Immerhin lag ihre Tochter nicht im Sterben.
Vor einer Tür mit der Nummer 224 blieb Doktor Peters stehen und drehte sich so abrupt zu den Chaplins um, dass Sarah einen Schritt zurückwich und nach der Hand ihres Mannes tastete.
„Eine Gruppe Touristen hat mitbekommen, wie Ihre Tochter in der Nähe von Mataranka zusammenbrach. Sie schien vor etwas davon zu laufen. Sie hatte Verletzungen am ganzen Körper und ihre Kleidung war der Aussage nach voller Blut. Sie haben sie in ein Krankenhaus gebracht und alles was die Ärzte dort erfahren haben, war ihr Name und, dass sie Amerikanerin ist. Nachdem akute körperliche Schäden ausgeschlossen wurden, wurde sie zurück in die USA geflogen und an uns übergeben.“

Sarah schnappte nach Luft und drückte die Hand ihres Mannes fester.
„Warum hat man sie nicht nachhause gebracht?“, rief Harry aufgebracht. Seine Stimme wurde lauter: „Ist es nicht üblich, die Eltern sofort zu informieren, wenn der Tochter etwas passiert?“
„Beruhigen Sie sich Mr. Chaplin“, sagte Doktor Peters. „Wir können froh sein, dass sich schwere körperliche Beeinträchtigungen ausschließen lassen. Allerdings hat Edna noch kein einziges Wort gesprochen, seitdem sie hier ist, weshalb wir sie noch eine Weile in der Klinik behalten müssen. Was auch immer ihr zugestoßen ist, es hat oberste Priorität, dass wir herausfinden, was Edna erlebt hat.“

Der Arzt schloss die Tür auf. Dann warf er einen schnellen Blick auf seine Armbanduhr.
Sarah sah ihren Mann hoffnungssuchend an. Sie hatte Angst, sie könne zusammenbrechen, sobald sie seine Hand losließ, also klammerte sie sich noch stärker daran. „Vielleicht spricht sie mit uns, wenn sie uns sieht.“
„Ich wusste, dass es keine gute Idee ist sie allein nach Australien zu lassen“, fluchte Mr. Chaplin. „Ich wusste, es würde etwas schiefgehen.“ Nervös fuhr er sich durch die kurzen, schwarzen Haare.
Sie hatten Angst, vor dem, was sie hinter der Tür erwarten würde.
Sarah klopfte an die Tür. Als keine Antwort ertönte, klopfte sie ein zweites Mal.
Wieder herrschte Stille. Sarah biss sich auf die Unterlippe. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie befürchtete, es könne ihr jeden Moment aus der Brust springen.

Dr. Peters klopfte an und sagte in ruhigem Ton: „Edna, deine Eltern sind zu Besuch. Wir kommen jetzt rein.“
Dr. Peters legte die Hand auf die Türklinke und drückte sie vorsichtig hinunter. Gerade in diesem Moment hörten sie wie im Inneren des Raumes ein Poltern ertönte, etwa so, als habe jemand einen Tisch oder einen Stuhl umgeworfen. Der Arzt öffnete die Tür und betrat zusammen mit den verängstigten Eltern einen kleinen Raum.

Die Zimmerwände waren weiß gestrichen, ein Bett, ein kleiner Tisch mit Stuhl, ein Fernseher und eine Couch drängten sich in das schmucklose Zimmer.
Ein zweiter Stuhl stand gegenüber einem hohen Fenster. Von diesem Fenster aus konnte man auf einen kleinen Garten hinabsehen, der ebenso trüb erschien, wie der Rest der Anlage.
Die Bäume und Sträucher waren bereits kahl, die Wiese versank im Morast und an der Ostseite stapelten Bauarbeiter Material für die Restaurierung des Krankenhauses. Während der Fahrt zum Krankenhaus hatte der Regen so stark gegen die Windschutzscheibe gepeitscht, dass Sarah gedacht hatte, er könne sie jeden Moment in Stücke brechen. Vor Tagen hatte es zu regnen begonnen und seit dem ließen die bedrohlich schwarzen Wolken, die sich seither über Denver gelegt hatten, nur selten einen Sonnenstrahl durchsickern.  

Es hatte den ganzen Winter noch nicht geschneit. Sarah hoffte immer, dass der Schnee im Laufe des Dezembers noch kommen würde. Sie liebte es, sich an einem verschneiten Nachmittag in eine Kaschmirdecke zu hüllen, eine Tasse heißen Pfefferminztee in den Händen und ihren Laptop auf dem Schoß.
Auf dem Stuhl vor dem Fenster saß ein mageres, kleines Mädchen, von dem man kaum erwartet hätte, dass sie schon neunzehn Jahre alt war. Sie war vielleicht einen Meter sechzig groß und sah aus, als würde sie nicht mehr als vierzig Kilo wiegen. Ihre Haare waren kürzer als zuvor. Einst so lang und dick und schwarz wie Pech, reichten sie nun noch knapp über ihre Ohren und waren dünn und farblos geworden. Das Mädchen ließ die Schultern hängen. Ein weißes Hemd bedeckte ihren schmalen Körper wie eine Zeltplane. Sarah ließ ihre zitternde Hand zu ihrer Brust wandern, als könne sie damit ihr wild schlagendes Herz beruhigen.

„Edna?“, murmelte sie und hörte, wie die Tür hinter ihr geschlossen wurde.
Sie ging ein paar Schritte auf ihre Tochter zu und hatte Angst das Mädchen von vorn zu sehen. Edna aber drehte sich nicht um. Sie reagierte nicht auf die Stimme ihrer Mutter.
„Edna ich bin es. Bitte sag doch etwas.“ Sarah schossen Tränen in die Augen. Hilfesuchend blickte sie ihren Mann an.
Harry nickte ihr zu und zusammen gingen sie weiter auf Edna zu. Als Sarah sich niederkniete, um Ednas Gesicht zu sehen, erblasste sie vor Schreck. Hätte sie in einem so warmen Land wie Australien doch braun werden müssen, war sie bleich wie Kreide und hatte jeglichen Glanz aus ihren sonst so tiefblauen Augen verloren. Alles an ihr sah matt und leblos aus. Sie war ausgehungert. Ihre Wangen waren eingefallen und wo vorher ein rosiger Ton war, waren nun kleine Schnitte und Kratzwunden zu sehen. Ihre Augen starrten ausdruckslos in die Leere hinter dem Fensterglas.

„Edna“, rief Harry und rüttelte an ihrem Knie. „Edna sag doch bitte etwas!“
„Mr. Chaplin“, hörte Sarah die Stimme des Arztes drohend sagen. „Sie steht unter Schock, drängen Sie sie nicht.“
Edna spürte seine Berührung, zuckte zusammen und wandte ihren Blick langsam vom Fenster ab. Sie sagte nichts. Ihre Hände blieben im Schoß gefaltet, nicht einmal ihre Schultern bewegten sich.
Sarah, die den Anblick nicht mehr ertragen konnte, schluchzte auf und drehte sich um. Sie nahm die Hände vor die Augen und weinte leise. Sie hatte ihre Tochter noch nie so erlebt. Sie schien wie tot.

Dr. Peters setzte sich hinter seinen Schreibtisch und schwieg für einen Moment. Sarah schniefte und rieb mit dem Zeigefinger vorsichtig unter den Augen entlang, um die verschmierte Mascara zu entfernen. Harry nickte dem Arzt zu, als Zeichen, dass er nun weitersprechen durfte. Der Arzt seufzte und kratzte sich an seinem kahlen Kinn.
„Ihre Tochter beschreibt anhand von Tagebucheinträgen ihre Träume“, erklärte er. „Darin sind Hinweise auf ihre Erlebnisse zu finden.“
„Was meinen Sie?“ Sarah strich sich eine blonde Haarsträhne aus der Stirn, die wegen all der Tränen an ihrer Wange festgeklebt war.
„In ihrem Traum tauchen zwei Personen auf. Einmal ein Mädchen namens Evelyn, zu dem ihre Tochter scheinbar ein engeres Verhältnis hat. Und zum anderen ein Mann, vor dem sich ihre Tochter sehr zu fürchten scheint. Können Sie mit diesen Informationen etwas anfangen?“
Sarah nickte. „Evelyn Harris ist eine Freundin, die Edna nach Australien begleitet hat.“
„Bisher fehlt jede Spur von dem Mädchen.“

Sarah erschrak und nahm entsetzt die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien. Sie fühlte, wie sich in ihrem Körper alles verkrampfte. Sie wusste nicht, wie viele schlechte Nachrichten sie noch ertragen konnte. „Das kann nicht sein, Evelyn war doch sicher immer bei ihr!“
Dr. Peters schüttelte langsam den Kopf und ein bedauernder Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. „Es tut mir leid.“
„Aber Sie werden doch etwas unternehmen, oder?“, fragte Harry, dessen Stimme nun gebrechlich und unsicher klang. „Was genau können Sie denn sagen? Wann kann Edna wieder nach Hause kommen?“

Sarah stützte den Kopf auf die Hand und starrte auf die Tischplatte. Sie konnte nicht verstehen, wie der Arzt so gefasst bleiben konnte, wenn er die Eltern eines völlig verstörten Mädchens vor sich sitzen hatte. Sie spürte eine beruhigende Wärme auf der Haut, als Harry seine Hand auf ihren Oberschenkel legte.     
„Wird sie zu Weihnachten wieder Zuhause sein?“
„Das kann ich nicht genau sagen“, antwortete Dr. Peters und faltete die Hände auf dem Tisch. „Ich werde mein Bestes versuchen, aber so lange sie nicht spricht, kann ich sie nicht gehen lassen. Die Ermittlungen laufen noch.“
Er machte wieder eine Pause, in der er den schmalen Ordner aus der Schublade zog, in dem er auch vorhin schon geblättert hatte.
„Das ist die Akte Ihrer Tochter“, sagte er. „Wie Sie sehen, steht hier noch nicht besonders viel. Ednas gesundheitlicher Zustand war in den Jahren zuvor ohne Bedenken gewesen. Ein normales Mädchen, ohne gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten.“

Sarah nickte. Sie hatte immer dafür gesorgt, dass ihre Tochter die beste medizinische Behandlung bekam, die sie bekommen konnte. Auch, wenn es sich nur um eine Erkältung gehandelt hatte. Wie hätte sie wissen können, dass ihre Tochter jemals so schlimme Dinge erleben würde? Selbst mit all der Macht, dem Reichtum und dem Einfluss, den ihre Familie hatte, hatte sie Edna nicht vor dem hier beschützen können.
„Edna wurde in einem Dorf im australischen Outback gefunden. Eine amerikanische Reisegruppe hatte dort Halt gemacht, als sie auf dem Weg nach Alice Springs waren. Die Leute, die sie fanden, berichten, sie sei von einem PKW verfolgt worden, der jedoch zu schnell die Flucht ergriffen hat. Bevor sie das Bewusstsein verlor, hat sie von einem Luke gesprochen, der scheinbar zurückgeblieben ist. Sagt Ihnen der Name etwas?“

Die Chaplins sahen sich gegenseitig an und vorsichtig zuckte Sarah mit den Schultern. „Wir kennen keinen Mann namens Luke.“
„Okay. Dann wird sie ihn vielleicht in Australien kennen gelernt haben. Sie wurde untersucht und man fand einige äußerliche und innere Verletzungen, in Form von Prellungen. Auch Spuren einer Vergewaltigung waren vorhanden. Sie war unterernährt und kraftlos. Es müssen Wochen oder sogar Monate gewesen sein, die sie so zugerichtet haben. Die Vermutung ist, dass sie und ihre Freundin überfallen und gekidnappt worden sind. Vermutlich sind ihre Freunde noch immer in Gefahr. Es ist daher von enormer Wichtigkeit, dass Edna erzählt, wer ihr das angetan hat.“

Fassungslos starrten sie den Psychiater an. Sarah war nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Alles, was sie vor Augen hatte, war das Bild des Gesichts ihrer Tochter. Die blasse Haut. Die leeren Augen.
Sarah spürte, wie das Zittern ihrer Beine ihren Körper hinauf wanderte, wie die Übelkeit in ihr zunahm. Ihre Tochter eingesperrt, misshandelt, vergewaltigt. Sie schluchzte auf und auch der Vater vergrub das Gesicht in den Händen.
„Verdammte Scheiße!“, zischte er. Seine Schultern bebten. „Ich wusste es! Ich wusste, das würde nicht gut gehen!“
Seine Hand, die immer noch auf Sarahs Knie lag, verkrampfte sich und seine Finger gruben sich in den Stoff ihrer Jeans. Er würde nicht zu weinen beginnen. Harry weinte nie. Harry war ein Mann, der wütend wurde, aber nie weinte.
„Verlieren Sie bitte nicht die Fassung“, sagte Dr. Peters in dem ruhigen Ton, den Psychologen und Psychiater immer benutzten, wenn sie den Menschen erklärten sie seien nicht verrückt, aber genau das Gegenteil damit meinten.
Harry fuhr aus seinem Stuhl, schlug die Hand auf den Tisch und schrie: „Ich verliere aber meine verdammte Fassung! Wer sind Sie überhaupt? Erzählen uns, unsere Tochter sei gefoltert und vergewaltigt worden, lehnen sich in ihrem Scheiß Stuhl zurück und zeigen keine Regung!“

Sarahs Schluchzen wurde lauter und sie griff nach seinem Arm, um ihn zurück auf den Stuhl zu ziehen. Sie fühlte sich, als sinke sie immer tiefer in einen erbarmungslosen, giften Sumpf ein, aus dem es kein Entkommen mehr gab.
„Komm Sarah, lass uns gehen.“
Mit Tränen in den verquollenen Augen starrte sie Harry fassungslos an. „Das ist doch nicht dein Ernst! Ich kann meine Tochter doch nicht einfach so hier zurücklassen. Es muss doch etwas passieren.“

Er hielt ihr wortlos die Hand entgegen und wartete darauf, dass sich ihre Finger aus seiner Armbeuge lösten und sie stattdessen seine Hand ergriffen. Sie wusste, dass Harry sich nicht mehr hinsetzen würde. Indem sie sich weigerte mit ihm zu kommen, würde sie alles nur noch schlimmer machen. Dennoch zögerte sie, warf Dr. Peters einen fragenden Blick zu, doch dieser machte keine Anstalten Harry zum Bleiben zu überzeugen. Scheinbar war bereits alles gesagt. Sarah ergriff die Hand ihres Ehemannes. Er zog sie auf die Beine. Während sie das Gesicht verborgen hielt, drehte sich Harry noch einmal zu dem Arzt um.

„Sie werden von uns hören und können sich darauf gefasst machen, dass es böse für Sie endet, wenn nicht herausgefunden wird, was mit Edna passiert ist!“
Dr. Peters zeigte keine Regung, als die Chaplins den Raum verließen.

Die Rückfahrt erschien Sarah sehr viel länger als die Hinfahrt. Es war still im Auto. Nur das Summen des Fahrtwindes und das Rauschen der vorbeifahrenden Autos waren zu hören. Manchmal ein Schnauben, wenn Sarah die Nase hochzog.
Gewöhnlich ertönten aus dem Autoradio die beruhigend melodiösen Klänge von Sarahs Lieblinkskomponisten. Einer von ihnen hatte damals auf ihrer Hochzeit gespielt. Harry war damals extra nach Portland geflogen, um ein ganzes Orchester zu überzeugen trotz ihres Zeitmangels in Denver aufzutreten. Sarah war schon immer ein Fan klassischer Musik gewesen. Als Kind hatte man sie oft geärgert, weil sie anders war und nicht das mochte, was die anderen Kinder mochten. Sie hatte es heimlich genossen, nicht wie die anderen zu sein. Man hatte sie Öko-Tussi genannt, weil ihre Mutter ihre Kleidung selbst genäht hatte. Natürlich nicht alles, was sie trug, aber sie hatte es vorgezogen, Sarah und ihrer kleinen Schwester Mariann alle ihre handwerklichen Geschicke beizubringen.

Sie war überzeug davon gewesen, dass die Großkonzerne, die all die billige Massenware herstellten, irgendwann die Moral der Menschen völlig zerstören würden. Deshalb gab es bei Sarah Zuhause nur Fleisch und Eier vom nahegelegenen Bauernhof und nur selbstgenähte oder teuer gekaufte Textilien. Sarah war stolz auf ihre Mutter, seit jeher bewunderte sie ihren Drang die Welt zu verbessern. Sie selbst hatte sie bitter enttäuscht, als sie sich mit Harry verlobt hatte. Einen abenteuerlustigen, reichen Mann aus der Großstadt, jemand der von der Großindustrie lebte und ein eigenes Unternehmen führte. Sarahs Mutter bezeichnete ihn als verdorben, er war einer der Gründe, warum ihre Mutter keinen Kontakt mehr zu ihr haben wollte. Sie könne zurückkommen, wenn sie es sich anders überlegte, hatte ihre Mutter gesagt, nachdem sie Sarah aus dem Haus geworfen hatte. Das Bindeglied zwischen Sarah und ihrer Familie war Mariann, die im Gegensatz zu Sarah alles richtig gemacht hatte. Sie war mit ihren sechsunddreißig Jahren noch immer unverheiratet und kinderlos, arbeitete als Sozialarbeiterin, und zog es vor sich bei jeder Gelegenheit einen neuen Prinz zu angeln, der sie durch eine der vielen verschiedenen Etappen ihres exotischen Lebens begleiten konnte. Eine der frühsten Etappen, gleich nachdem sie nach Florida gezogen war, hieß Papageienzucht. Jedes Mal wenn Mariann zu Familienfeiern kam, erzählte sie freudestrahlend, wie sich die Küken ihrer Allfarbloris entwickelten, oder was passierte, wenn man Graupapageien zu lange allein ließ. Eine ihrer letzten Etappen hieß Trolli und war ein sechsundsiebzig Kilo schwerer Neufundländer Mischling, der sie – sehr zum Leidwesen Harrys – überall hin begleitete.
Ihr Mann hingegen hatte sein ganzes Leben lang im Rampenlicht gestanden. Er war reich geboren, hatte alles gehabt, was er sich gewünscht hatte. Dazu noch Ansehen und eine Menge falscher Freunde.

Jetzt war er verzweifelt. Seine Fingerknöchel waren weiß, so fest umklammerte er das Lenkrad. Seine Augen waren gerötet, so starr blickte er auf die Straße. Ein Nebel hatte sich auf Denver gelegt und er machte es Harry schwer, sich auf die Straße zu konzentrieren.
„Sag doch bitte etwas“, murmelte Sarah in die Stille hinein. Ihre Worte wirkten, als habe ein Stein die Windschutzscheibe eingeschlagen. Harry schnappte nach Luft. Seine Hände umgriffen das Lenkrad immer fester und in seinen Augen sammelte sich Wasser, das langsam seine Wange hinunterlief.
„Wie können sie es nicht wissen?“, fragte er leise während der Tachozeiger in die Höhe schoss. Er beschleunigte den Wagen immer weiter, auch als sie die Höchstgeschwindigkeit bereits weit überstiegen hatten.
„Fahr doch bitte langsamer!“, rief Sarah und klammerte sich an den Ledersitz. Sie fuhren auf eine Ampel zu, sodass ihr Mann bremsen musste. Sarah atmete erleichtert auf.

„Ich will wissen, was passiert ist!“, schrie er und schlug auf das Lenkrad. „Wieso unsere Tochter?!“
„Sie wird es uns bald erzählen können“, antwortete Sarah leise. „Dann werden sie diejenigen finden, die dafür verantwortlich sind. Wir müssen uns nur sofort mit Evelyns Mutter in Verbindung setzen. Und zu Weihnachten ist sie wieder Zuhause.“




_________________
"Ich kenne nicht die Hälfte von euch halb so gut, wie ich euch gern kennen würde und ich habe nicht die Hälfte von euch halb so gern, wie ihr es verdient."
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Nina C
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 29
Beiträge: 122
Wohnort: Nordrhein-Westfalen


BeitragVerfasst am: 25/05/2017 06:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zur ersten Version ist mir noch folgendes eingefallen (die Anderen waren schon so gründlich, da blieb mir nicht mehr!), ich warne dich aber vor, es ist Korinthenkackerei meinerseits Wink:

Die Wanduhr „thront“ – Dinge dir thronen, sitzen oder stehen eigentlich auf etwas (ist ja symbolisch vom Thron), sie hängen jedenfalls nicht.

Ansonsten fand ich’s auch vor den Änderungen sehr spannend, ich denke, wenn mir der Klappentext ebenfalls gefallen würde, würde ich das durchaus lesen, wenn ich es im Buchladen meines Vertrauens sähe.

Liebe Grüße,

Nina


_________________
Wenn ihr nicht die gequälten Sklaven der Zeit sein wollt, macht euch trunken, ohn’ Unterlass! Mit Wein, mit Poesie mit Tugend, wie es euch gefällt. (Charles Baudelaire)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Stefanie
Autor


Beiträge: 845



BeitragVerfasst am: 25/05/2017 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Avrya hat Folgendes geschrieben:

Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Wenn du das weglässt, besteht für den Leser noch die Möglichkeit, dass alles nur ein Irrtum ist und sie das nicht getan hat. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.

Erst als ihr Bruder neben dem toten Jungen auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
„Ich...“, Abby versuchte etwas zu sagen, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Der metallische Geschmack in ihrem Mund ließ sie das Gesicht verziehen. Sie schaffte es nicht einen klaren Gedanken zu erfassen, auch wenn sie versuchte sich zu konzentrieren, herauszufinden warum sie das getan hatte.  
Ihr Bruder streckte die Arme aus und zog sie zu sich heran, drückte sie fest an sich. Sie konnte sein wild schlagendes Herz fühlen. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust. Sie war schon immer viel zu klein gewesen. Er strich ihr über das hüftlange schwarze Haar, das sie sich wie fast immer zu einem dicken Zopf geflochten hatte.

Über seine Schulter hinweg sah sie ihre zitternden Hände, das viele Blut, das nun auch seine Kleidung befleckte. Abby öffnete die Hand und die Scherbe kam mit einem lauten Klirren auf dem Boden auf. Sie spürte die Angst zurückkehren, die sich wie die Kralle eines Raubvogels um ihren zierlichen Körper legte und ihr die Brust zuschnürte.   
Ihr Bruder stieß sie vorsichtig ein Stück von sich fort, sah erst den toten Jungen, dann sie an. Tränen blitzten in seinen Augen auf, doch er blinzelte sie weg und sagte mit fester Stimme: „Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“







Kapitel 1
Denver, 09. Dezember 2015

Doktor Peters blickte von einem Stapel beschriebenem Papier auf und stützte die Ellenbogen auf dem schwarzen Schreibtisch ab. Dann rückte er seine Brille zurecht, indem er sie mit dem kleinen Finger seiner linken Hand nach oben schob.
Doktor Peters war ein dürrer, glatzköpfiger Mann mit großen, unruhigen Händen. Seine Haut war mit Altersflecken übersät und seine Augen waren von dunklen Ringen untermalt.
Mrs. Chaplin beobachtete ihn schon eine ganze Weile. Sie kannte ihn nicht und er kannte sie nicht, und dennoch gab es ein gewisses Unbehagen zwischen ihnen, ein kleiner Funken in seinen Augen, wenn ihre Blicke sich trafen.

Eine halbe Stunde lang waren die Chaplins im Wartezimmer auf und ab gelaufen, bis er endlich erschienen war. Genug Zeit, damit Mrs. Chaplin sich die schrecklichsten Dinge ausmalen konnte, die sie hier erwarten würden. Und jetzt vergingen die Minuten, in denen der Arzt seelenruhig in seinen Unterlagen blätterte und die Eltern noch immer nicht wussten, warum sie hier waren. Alles was sie wussten war, dass es um ihre Tochter ging.
Dass Edna zurück aus Australien war.

Dr. Peters befeuchtete seinen Daumen mit der Zunge und blätterte dann eine dicht beschriebene Seite in einem schlanken Ordner um. Mr. Chaplin warf seiner Frau einen nervösen Blick zu. Er schien sich ebenfalls zu fragen, ob der Arzt ihre Anwesenheit bereits vergessen hatte. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl nach vorne. Es war furchtbar kalt im Raum. Durch ein gekipptes Fenster drang die kühle Dezemberluft herein, die Heizungen waren scheinbar ausgeschaltet. Kein Bild oder Poster schmückte die klinisch weißen Wände des Sprechzimmers. Die einzige Wanddekoration bestand aus einer urigen Pendeluhr, die hinter dem Schreibtisch an der Wand thronte und ein stetiges Ticken von sich gab, das sich durch die bedrückende Stille fraß.

--> Ich mag meine Raumbeschreibung, die Atmosphäre soll auf jeden Fall ungemütlich sein lol2

Dr. Peters schaute auf und wieder trafen sich ihre Blicke. Mrs. Chaplin wusste nicht, ob es die Kälte oder die blassblauen Augen des Arztes waren, die ihr eine Gänsehaut über den Körper jagten.
„Mrs. Sarah und Mr. Harry Chaplin?“, fragte er, als habe er die Leute in seinem Sprechzimmer gerade eben erst bemerkt.
„Ja“, antwortete Mr. Chaplin und Sarah konnte sehen, wie sich seine Hand zur Faust verkrampfte. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengrube breit. Wo war ihre Tochter?

Ihr Blick wanderte zu der Uhr. Erst eine Minute war vergangen? Sarah hatte das Gefühl, sie hätten bereits mindestens zehn Minuten wartend im Sprechzimmer verbracht. Nervös biss sie sich auf die Unterlippe. Dann beschloss sie, dass sie unmöglich länger warten konnte. Sie stöhnte auf, beugte sich vor und sagte: „Ich würde gerne wissen, wieso meine Tochter im Krankenhaus ist. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes.“
Der Psychiater senkte die Arme auf den Tisch und trommelte mit den Fingerkuppen auf die Tischplatte. Nach einem weiteren kurzen Blick in seinen Ordner klappte er ihn zu und antwortete: „Es tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, doch ich befürchte leider schon, dass es sich um etwas Ernstes handelt.“

Sein Blick war so stählern, dass er Sarah das Gefühl vermittelte, sie hätte etwas unglaublich schreckliches getan. Sie verlor langsam die Geduld. Es waren Monate vergangen, seit sie das letzte Mal etwas von ihrer Tochter gehört hatte. Sie hatte angekündigt, dass die Fahrt durch das australische Outback ihren Internetempfang auf ein Minimum beschränken würde. Aber, dass sie sich gar nicht mehr meldet? Sarah waren zu viele negative Gedanken durch den Kopf geschossen. Immer wieder hatte Harry sie beruhigt. Edna würde schon zurechtkommen. Sie sei in Sicherheit.

„Was wollen Sie uns damit sagen? Was ist mit Edna?“, fragte Harry verunsichert.
Doktor Peters verharrte in seiner strammen Pose. Er wartete, seufzte, legte eine weitere Pause ein und erhob sich schließlich von seinem Schreibtisch. Ärzte hatten oft das Talent, etwas Unangenehmes noch unangenehmer zu gestalten.
Sarah erinnerte sich an den Tag, an dem Heather, die Tante ihres Ehemannes die Nachricht erhalten hatte, sie würde nie wieder gehen können. Sie wusste noch, wie sehr sie sich um die Frau gesorgt hatte. Monatelang hatte man ihr die Tatsache verschwiegen, dass sie von nun an an einen Rollstuhl gefesselt sein würde. Und das mit nicht einmal siebzig Jahren. Sarah hatte deutlich vor Augen, wie zermürbt Heather danach gewesen war, wie verärgert. Tagelang war sie in der Wohnung auf und ab gelaufen, hatte kaum gegessen und Unmengen an Kaffee getrunken um sich wachzuhalten, damit sie Tage- und Nächtelang im Internet nach Möglichkeiten suchen konnte, wie sie ihr Schicksal abwenden könne. Am Ende hatte sie sich schneller an den Rollstuhl gewöhnt, als Sarah sich an die Tatsache, dass Heather nun nicht mehr das Kindermädchen für Edna spielen konnte. Spannung aufbauen ist eine Sache, aber hier übertreibts dus. Ich glaube nicht, dass in der Situation Sarahs Gedanken so weit abschweifen.

Dr. Peters ließ seinen Blick in Sekundenschnelle zu der Wanduhr und wieder zurück zu den Chaplins schweifen. „Nun, folgen Sie mir bitte.“
Er schritt rasch auf die Tür zu, den Blick noch einmal zur Uhr abschweifend, als habe er vergessen, was er zuvor darauf gelesen hatte. Sarah und Harry warfen sich besorgte Blicke zu und folgten dem Arzt nach draußen. Sarah Chaplin wusste, dass sie eine sensible Frau war, die sich sehr schnell um etwas Sorgen machte.
Und da man ihr berichtet hatte, ihre Tochter sei früher aus dem Urlaub zurückgekommen als erwartet, hatte sie sich ein Horrorszenario nach dem anderen ausgemalt. Gerade jetzt, wo sie in ein Krankenhaus beordert worden waren, wusste sie, dass es sich hier um nichts Harmloses handeln konnte. Harry ging es genauso. Sie sah seine zu Fäusten geballten Hände und wie steif sein Gang war. Sie hatten es ja beide schon geahnt. Sie hätten Edna niemals erlauben dürfen, so weit fortzugehen. Sie hatten es ihr gesagt. Wäre sie studieren gegangen, wäre so etwas nicht passiert.

„Ihre Tochter scheint ein schweres traumatisches Erlebnis zu verarbeiten.“
Sie bogen hinter dem Arzt in eine Station mit der Aufschrift „Psychiatrie“ ein und Sarah spürte wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Das Unbehagen in ihr wuchs stetig an. Sie warf Harry einen flüchtigen Blick zu. Sie hatte gewusst, dass etwas nicht stimmte. Er hatte gesagt es sei alles in Ordnung. Hätte sie doch nur nicht auf ihn gehört.  
„Würden Sie bitte ein wenig langsamer gehen? Und uns in Ruhe erzählen, was passiert ist?“

Der Arzt bog in den nächsten Gang ein, in dem es stark nach Desinfektionsmitteln und feuchter Wäsche roch. Sarah ließ sich den Begriff „Psychiatrie“ mehrmals durch den Kopf gehen. Sie wusste nicht, ob sie noch besorgter oder erleichtert sein sollte. Immerhin lag ihre Tochter nicht im Sterben.
Vor einer Tür mit der Nummer 224 blieb Doktor Peters stehen und drehte sich so abrupt zu den Chaplins um, dass Sarah einen Schritt zurückwich und nach der Hand ihres Mannes tastete.
„Eine Gruppe Touristen hat mitbekommen, wie Ihre Tochter in der Nähe von Mataranka zusammenbrach. Sie schien vor etwas davon zu laufen. Sie hatte Verletzungen am ganzen Körper und ihre Kleidung war der Aussage nach voller Blut. Sie haben sie in ein Krankenhaus gebracht und alles was die Ärzte dort erfahren haben, war ihr Name und, dass sie Amerikanerin ist. Nachdem akute körperliche Schäden ausgeschlossen wurden, wurde sie zurück in die USA geflogen und an uns übergeben.“
Und das sagt er ihnen so im Gehen und nicht, wenn sie im Besprechungszimmer sitzen? In seinem Job sollte er besser im Umgang mit Menschen sein.
Sarah schnappte nach Luft und drückte die Hand ihres Mannes fester.
„Warum hat man sie nicht nachhause gebracht?“, rief Harry aufgebracht. Seine Stimme wurde lauter: „Ist es nicht üblich, die Eltern sofort zu informieren, wenn der Tochter etwas passiert?“
„Beruhigen Sie sich Mr. Chaplin“, sagte Doktor Peters. „Wir können froh sein, dass sich schwere körperliche Beeinträchtigungen ausschließen lassen. Allerdings hat Edna noch kein einziges Wort gesprochen, seitdem sie hier ist, weshalb wir sie noch eine Weile in der Klinik behalten müssen. Was auch immer ihr zugestoßen ist, es hat oberste Priorität, dass wir herausfinden, was Edna erlebt hat.“

Der Arzt schloss die Tür auf. Dann warf er einen schnellen Blick auf seine Armbanduhr.
Sarah sah ihren Mann hoffnungssuchend an. Sie hatte Angst, sie könne zusammenbrechen, sobald sie seine Hand losließ, also klammerte sie sich noch stärker daran. „Vielleicht spricht sie mit uns, wenn sie uns sieht.“
„Ich wusste, dass es keine gute Idee ist sie allein nach Australien zu lassen“, fluchte Mr. Chaplin. „Ich wusste, es würde etwas schiefgehen.“ Nervös fuhr er sich durch die kurzen, schwarzen Haare.
Sie hatten Angst, vor dem, was sie hinter der Tür erwarten würde.
Sarah klopfte an die Tür. Als keine Antwort ertönte, klopfte sie ein zweites Mal.
Wieder herrschte Stille. Sarah biss sich auf die Unterlippe. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie befürchtete, es könne ihr jeden Moment aus der Brust springen.

Dr. Peters klopfte an und sagte in ruhigem Ton: „Edna, deine Eltern sind zu Besuch. Wir kommen jetzt rein.“
Dr. Peters legte die Hand auf die Türklinke und drückte sie vorsichtig hinunter. Gerade in diesem Moment hörten sie wie im Inneren des Raumes ein Poltern ertönte, etwa so, als habe jemand einen Tisch oder einen Stuhl umgeworfen. Der Arzt öffnete die Tür und betrat zusammen mit den verängstigten Eltern einen kleinen Raum.

Die Zimmerwände waren weiß gestrichen, ein Bett, ein kleiner Tisch mit Stuhl, ein Fernseher und eine Couch drängten sich in das schmucklose Zimmer.
Ein zweiter Stuhl stand gegenüber einem hohen Fenster. Von diesem Fenster aus konnte man auf einen kleinen Garten hinabsehen, der ebenso trüb erschien, wie der Rest der Anlage.
Die Bäume und Sträucher waren bereits kahl, die Wiese versank im Morast und an der Ostseite stapelten Bauarbeiter Material für die Restaurierung des Krankenhauses. Während der Fahrt zum Krankenhaus hatte der Regen so stark gegen die Windschutzscheibe gepeitscht, dass Sarah gedacht hatte, er könne sie jeden Moment in Stücke brechen. Vor Tagen hatte es zu regnen begonnen und seit dem ließen die bedrohlich schwarzen Wolken, die sich seither über Denver gelegt hatten, nur selten einen Sonnenstrahl durchsickern.  
Interessiert gerade nicht. Wirkt langatmig und nervt.

Es hatte den ganzen Winter noch nicht geschneit. Sarah hoffte immer, dass der Schnee im Laufe des Dezembers noch kommen würde. Sie liebte es, sich an einem verschneiten Nachmittag in eine Kaschmirdecke zu hüllen, eine Tasse heißen Pfefferminztee in den Händen und ihren Laptop auf dem Schoß. Jetzt noch eine Rückblende? Echt?
Auf dem Stuhl vor dem Fenster saß ein mageres, kleines Mädchen, von dem man kaum erwartet hätte, dass sie schon neunzehn Jahre alt war. Sie war vielleicht einen Meter sechzig groß und sah aus, als würde sie nicht mehr als vierzig Kilo wiegen. Ihre Haare waren kürzer als zuvor. Einst so lang und dick und schwarz wie Pech, reichten sie nun noch knapp über ihre Ohren und waren dünn und farblos geworden. Das Mädchen ließ die Schultern hängen. Ein weißes Hemd bedeckte ihren schmalen Körper wie eine Zeltplane. Sarah ließ ihre zitternde Hand zu ihrer Brust wandern, als könne sie damit ihr wild schlagendes Herz beruhigen.

„Edna?“, murmelte sie und hörte, wie die Tür hinter ihr geschlossen wurde.
Sie ging ein paar Schritte auf ihre Tochter zu und hatte Angst das Mädchen von vorn zu sehen. Edna aber drehte sich nicht um. Sie reagierte nicht auf die Stimme ihrer Mutter.
„Edna ich bin es. Bitte sag doch etwas.“ Sarah schossen Tränen in die Augen. Hilfesuchend blickte sie ihren Mann an.
Harry nickte ihr zu und zusammen gingen sie weiter auf Edna zu. Als Sarah sich niederkniete, um Ednas Gesicht zu sehen, erblasste sie vor Schreck. Hätte sie in einem so warmen Land wie Australien doch braun werden müssen, war sie bleich wie Kreide und hatte jeglichen Glanz aus ihren sonst so tiefblauen Augen verloren. Alles an ihr sah matt und leblos aus. Sie war ausgehungert. Ihre Wangen waren eingefallen und wo vorher ein rosiger Ton war, waren nun kleine Schnitte und Kratzwunden zu sehen. Ihre Augen starrten ausdruckslos in die Leere hinter dem Fensterglas.

„Edna“, rief Harry und rüttelte an ihrem Knie. „Edna sag doch bitte etwas!“
„Mr. Chaplin“, hörte Sarah die Stimme des Arztes drohend sagen. „Sie steht unter Schock, drängen Sie sie nicht.“ Ein Schock ist ein akuter Zustand, aber sie ist ja anscheinend schon länger so.
Edna spürte seine Berührung, zuckte zusammen und wandte ihren Blick langsam vom Fenster ab. Sie sagte nichts. Ihre Hände blieben im Schoß gefaltet, nicht einmal ihre Schultern bewegten sich.
Sarah, die den Anblick nicht mehr ertragen konnte, schluchzte auf und drehte sich um. Sie nahm die Hände vor die Augen und weinte leise. Sie hatte ihre Tochter noch nie so erlebt. Sie schien wie tot.

Den Szenenwechsel ankündigen. So ist es verwirrend. Sie waren doch gerade noch bei dem Mädchen.
Dr. Peters setzte sich hinter seinen Schreibtisch und schwieg für einen Moment. Sarah schniefte und rieb mit dem Zeigefinger vorsichtig unter den Augen entlang, um die verschmierte Mascara zu entfernen. Harry nickte dem Arzt zu, als Zeichen, dass er nun weitersprechen durfte. Der Arzt seufzte und kratzte sich an seinem kahlen Kinn.
„Ihre Tochter beschreibt anhand von Tagebucheinträgen ihre Träume“, Um Tagebuch schreiben zu könenn, müsste sie in der Lage sein, ihre Gedanken strukturiert auszudrücken. Den Eindruck macht sie nicht. erklärte er. „Darin sind Hinweise auf ihre Erlebnisse zu finden.“
„Was meinen Sie?“ Sarah strich sich eine blonde Haarsträhne aus der Stirn, die wegen all der Tränen an ihrer Wange festgeklebt war.
„In ihrem Traum tauchen zwei Personen auf. Einmal ein Mädchen namens Evelyn, zu dem ihre Tochter scheinbar ein engeres Verhältnis hat. Und zum anderen ein Mann, vor dem sich ihre Tochter sehr zu fürchten scheint. Können Sie mit diesen Informationen etwas anfangen?“
Sarah nickte. „Evelyn Harris ist eine Freundin, die Edna nach Australien begleitet hat.“
„Bisher fehlt jede Spur von dem Mädchen.“

Sarah erschrak und nahm entsetzt die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien. Sie fühlte, wie sich in ihrem Körper alles verkrampfte. Sie wusste nicht, wie viele schlechte Nachrichten sie noch ertragen konnte. „Das kann nicht sein, Evelyn war doch sicher immer bei ihr!“
Dr. Peters schüttelte langsam den Kopf und ein bedauernder Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. „Es tut mir leid.“
„Aber Sie werden doch etwas unternehmen, oder?“, fragte Harry, dessen Stimme nun gebrechlich und unsicher klang. „Was genau können Sie denn sagen? Wann kann Edna wieder nach Hause kommen?“

Sarah stützte den Kopf auf die Hand und starrte auf die Tischplatte. Sie konnte nicht verstehen, wie der Arzt so gefasst bleiben konnte, wenn er die Eltern eines völlig verstörten Mädchens vor sich sitzen hatte. Sie spürte eine beruhigende Wärme auf der Haut, als Harry seine Hand auf ihren Oberschenkel legte.     
„Wird sie zu Weihnachten wieder Zuhause sein?“
„Das kann ich nicht genau sagen“, antwortete Dr. Peters und faltete die Hände auf dem Tisch. „Ich werde mein Bestes versuchen, aber so lange sie nicht spricht, kann ich sie nicht gehen lassen. Die Ermittlungen laufen noch.“
Er machte wieder eine Pause, in der er den schmalen Ordner aus der Schublade zog, in dem er auch vorhin schon geblättert hatte.
„Das ist die Akte Ihrer Tochter“, sagte er. „Wie Sie sehen, steht hier noch nicht besonders viel. Ednas gesundheitlicher Zustand war in den Jahren zuvor ohne Bedenken gewesen. Ein normales Mädchen, ohne gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten.“

Sarah nickte. Sie hatte immer dafür gesorgt, dass ihre Tochter die beste medizinische Behandlung bekam, die sie bekommen konnte. Auch, wenn es sich nur um eine Erkältung gehandelt hatte. Wie hätte sie wissen können, dass ihre Tochter jemals so schlimme Dinge erleben würde? Selbst mit all der Macht, dem Reichtum und dem Einfluss, den ihre Familie hatte, hatte sie Edna nicht vor dem hier beschützen können.
„Edna wurde in einem Dorf im australischen Outback gefunden. Eine amerikanische Reisegruppe hatte dort Halt gemacht, als sie auf dem Weg nach Alice Springs waren. Die Leute, die sie fanden, berichten, sie sei von einem PKW verfolgt worden, der jedoch zu schnell die Flucht ergriffen hat. Bevor sie das Bewusstsein verlor, hat sie von einem Luke gesprochen, der scheinbar zurückgeblieben ist. Sagt Ihnen der Name etwas?“

Die Chaplins sahen sich gegenseitig an und vorsichtig zuckte Sarah mit den Schultern. „Wir kennen keinen Mann namens Luke.“
„Okay. Dann wird sie ihn vielleicht in Australien kennen gelernt haben. Sie wurde untersucht und man fand einige äußerliche und innere Verletzungen, in Form von Prellungen. Auch Spuren einer Vergewaltigung waren vorhanden. Sie war unterernährt und kraftlos. Es müssen Wochen oder sogar Monate gewesen sein, die sie so zugerichtet haben. Die Vermutung ist, dass sie und ihre Freundin überfallen und gekidnappt worden sind. Vermutlich sind ihre Freunde noch immer in Gefahr. Es ist daher von enormer Wichtigkeit, dass Edna erzählt, wer ihr das angetan hat.“

Fassungslos starrten sie den Psychiater an. Sarah war nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Alles, was sie vor Augen hatte, war das Bild des Gesichts ihrer Tochter. Die blasse Haut. Die leeren Augen.
Sarah spürte, wie das Zittern ihrer Beine ihren Körper hinauf wanderte, wie die Übelkeit in ihr zunahm. Ihre Tochter eingesperrt, misshandelt, vergewaltigt. Sie schluchzte auf und auch der Vater vergrub das Gesicht in den Händen.
„Verdammte Scheiße!“, zischte er. Seine Schultern bebten. „Ich wusste es! Ich wusste, das würde nicht gut gehen!“
Seine Hand, die immer noch auf Sarahs Knie lag, verkrampfte sich und seine Finger gruben sich in den Stoff ihrer Jeans. Er würde nicht zu weinen beginnen. Harry weinte nie. Harry war ein Mann, der wütend wurde, aber nie weinte.
„Verlieren Sie bitte nicht die Fassung“, sagte Dr. Peters in dem ruhigen Ton, den Psychologen und Psychiater immer benutzten, wenn sie den Menschen erklärten sie seien nicht verrückt, aber genau das Gegenteil damit meinten.
Harry fuhr aus seinem Stuhl, schlug die Hand auf den Tisch und schrie: „Ich verliere aber meine verdammte Fassung! Wer sind Sie überhaupt? Erzählen uns, unsere Tochter sei gefoltert und vergewaltigt worden, lehnen sich in ihrem Scheiß Stuhl zurück und zeigen keine Regung!“

Sarahs Schluchzen wurde lauter und sie griff nach seinem Arm, um ihn zurück auf den Stuhl zu ziehen. Sie fühlte sich, als sinke sie immer tiefer in einen erbarmungslosen, giften Sumpf ein, aus dem es kein Entkommen mehr gab.
„Komm Sarah, lass uns gehen.“
Mit Tränen in den verquollenen Augen starrte sie Harry fassungslos an. „Das ist doch nicht dein Ernst! Ich kann meine Tochter doch nicht einfach so hier zurücklassen. Es muss doch etwas passieren.“

Er hielt ihr wortlos die Hand entgegen und wartete darauf, dass sich ihre Finger aus seiner Armbeuge lösten und sie stattdessen seine Hand ergriffen. Sie wusste, dass Harry sich nicht mehr hinsetzen würde. Indem sie sich weigerte mit ihm zu kommen, würde sie alles nur noch schlimmer machen. Dennoch zögerte sie, warf Dr. Peters einen fragenden Blick zu, doch dieser machte keine Anstalten Harry zum Bleiben zu überzeugen. Scheinbar war bereits alles gesagt. Sarah ergriff die Hand ihres Ehemannes. Er zog sie auf die Beine. Während sie das Gesicht verborgen hielt, drehte sich Harry noch einmal zu dem Arzt um.

„Sie werden von uns hören und können sich darauf gefasst machen, dass es böse für Sie endet, wenn nicht herausgefunden wird, was mit Edna passiert ist!“
Dr. Peters zeigte keine Regung, als die Chaplins den Raum verließen.

Die Rückfahrt erschien Sarah sehr viel länger als die Hinfahrt. Es war still im Auto. Nur das Summen des Fahrtwindes und das Rauschen der vorbeifahrenden Autos waren zu hören. Manchmal ein Schnauben, wenn Sarah die Nase hochzog.
Gewöhnlich ertönten aus dem Autoradio die beruhigend melodiösen Klänge von Sarahs Lieblinkskomponisten. Einer von ihnen hatte damals auf ihrer Hochzeit gespielt. Harry war damals extra nach Portland geflogen, um ein ganzes Orchester zu überzeugen trotz ihres Zeitmangels in Denver aufzutreten. Sarah war schon immer ein Fan klassischer Musik gewesen. Als Kind hatte man sie oft geärgert, weil sie anders war und nicht das mochte, was die anderen Kinder mochten. Sie hatte es heimlich genossen, nicht wie die anderen zu sein. Man hatte sie Öko-Tussi genannt, weil ihre Mutter ihre Kleidung selbst genäht hatte. Natürlich nicht alles, was sie trug, aber sie hatte es vorgezogen, Sarah und ihrer kleinen Schwester Mariann alle ihre handwerklichen Geschicke beizubringen. Ist ja schön, dass du dir so viele Gedanken um deine Figuren machst, aber du musst das nicht alles erzählen.

Sie war überzeug davon gewesen, dass die Großkonzerne, die all die billige Massenware herstellten, irgendwann die Moral der Menschen völlig zerstören würden. Deshalb gab es bei Sarah Zuhause nur Fleisch und Eier vom nahegelegenen Bauernhof und nur selbstgenähte oder teuer gekaufte Textilien. Sarah war stolz auf ihre Mutter, seit jeher bewunderte sie ihren Drang die Welt zu verbessern. Sie selbst hatte sie bitter enttäuscht, als sie sich mit Harry verlobt hatte. Einen abenteuerlustigen, reichen Mann aus der Großstadt, jemand der von der Großindustrie lebte und ein eigenes Unternehmen führte. Sarahs Mutter bezeichnete ihn als verdorben, er war einer der Gründe, warum ihre Mutter keinen Kontakt mehr zu ihr haben wollte. Sie könne zurückkommen, wenn sie es sich anders überlegte, hatte ihre Mutter gesagt, nachdem sie Sarah aus dem Haus geworfen hatte. Das Bindeglied zwischen Sarah und ihrer Familie war Mariann, die im Gegensatz zu Sarah alles richtig gemacht hatte. Sie war mit ihren sechsunddreißig Jahren noch immer unverheiratet und kinderlos, arbeitete als Sozialarbeiterin, und zog es vor sich bei jeder Gelegenheit einen neuen Prinz zu angeln, der sie durch eine der vielen verschiedenen Etappen ihres exotischen Lebens begleiten konnte. Eine der frühsten Etappen, gleich nachdem sie nach Florida gezogen war, hieß Papageienzucht. Jedes Mal wenn Mariann zu Familienfeiern kam, erzählte sie freudestrahlend, wie sich die Küken ihrer Allfarbloris entwickelten, oder was passierte, wenn man Graupapageien zu lange allein ließ. Eine ihrer letzten Etappen hieß Trolli und war ein sechsundsiebzig Kilo schwerer Neufundländer Mischling, der sie – sehr zum Leidwesen Harrys – überall hin begleitete.
Ihr Mann hingegen hatte sein ganzes Leben lang im Rampenlicht gestanden. Er war reich geboren, hatte alles gehabt, was er sich gewünscht hatte. Dazu noch Ansehen und eine Menge falscher Freunde.


Jetzt war er verzweifelt. Seine Fingerknöchel waren weiß, so fest umklammerte er das Lenkrad. Seine Augen waren gerötet, so starr blickte er auf die Straße. Ein Nebel hatte sich auf Denver gelegt und er machte es Harry schwer, sich auf die Straße zu konzentrieren.
„Sag doch bitte etwas“, murmelte Sarah in die Stille hinein. Ihre Worte wirkten, als habe ein Stein die Windschutzscheibe eingeschlagen. Harry schnappte nach Luft. Seine Hände umgriffen das Lenkrad immer fester und in seinen Augen sammelte sich Wasser, das langsam seine Wange hinunterlief.
„Wie können sie es nicht wissen?“, fragte er leise während der Tachozeiger in die Höhe schoss. Er beschleunigte den Wagen immer weiter, auch als sie die Höchstgeschwindigkeit bereits weit überstiegen hatten.
„Fahr doch bitte langsamer!“, rief Sarah und klammerte sich an den Ledersitz. Sie fuhren auf eine Ampel zu, sodass ihr Mann bremsen musste. Sarah atmete erleichtert auf.

„Ich will wissen, was passiert ist!“, schrie er und schlug auf das Lenkrad. „Wieso unsere Tochter?!“
„Sie wird es uns bald erzählen können“, antwortete Sarah leise. „Dann werden sie diejenigen finden, die dafür verantwortlich sind. Wir müssen uns nur sofort mit Evelyns Mutter in Verbindung setzen. Und zu Weihnachten ist sie wieder Zuhause.“




Insgesamt ein vielversprechender Anfang, allerdings ziehst du den Spannungsaufbau und die einzelnen Szenen so sehr in die Länge, dass es irgendwann nicht mehr spannend ist, sondern mich nur noch nervt. Ich komme dann an einen Punkt, wo ich den Text nur noch überfliege. Da zwischendurch doch wichtige Informationen eingestreut sind, bin ich aber gezwungen, mich durch diese langarmigen Passagen zu quälen. Ich würde das Buch nach ein paar Seiten genervt weglegen, obwohl die Geschichte interessant klingt. Also bitte kürzen, kürzen, kürzen und vor allem die Rückblenden weglassen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ruyi
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 77
Wohnort: in meiner eigenen kleinen Welt


BeitragVerfasst am: 25/05/2017 13:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe deine verbesserte Version mit dem kompletten Kapitel gelesen. Da du schon viele hilfreiche Kommentare bekommen hast, möchte ich nur noch ein paar Happen dazuwerfen.

Du baust Spannung auf und das gefällt mir. Ich hätte gern gewusst, wie es weitergeht. In deinem Prolog gibst du gerade so viel preis, dass er tatsächlich neugierig macht. Ich bin mitten im Geschehen, kann verstehen, was passiert ist, weiß aber noch nicht, warum. Allerdings kann ich mir nicht so recht vorstellen, wie alt die Kinder sein sollen. Dem Verhalten nach hätte ich sie eher auf Jugendliche geschätzt. Wenn sie erst acht sein sollen, könnte ich dir das so nicht abnehmen.

Zitat:
Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.


Sie war taub und blind und gleichgültig: „blind“ würde ich streichen, immerhin hat sie ziemlich ausführlich ihre Umgebung wahrgenommen und wo genau wie viele Blutspritzer kleben. „taub“ passt auch nicht so recht, nachdem sie ihren Namen immerhin gedämpft wahrgenommen hat. Wenn sie so gleichgültig ist, wendet sie sich wahrscheinlich gar nicht vom wertenden „Grauen“ ab, sondern eher ganz nüchtern vom „toten Junge mit blutiger Brust“ oder so was?

Zitat:
Erst als ihr Bruder neben dem toten Jungen auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.
„Abby wieso?!“, rief er und weinte.
[...]
Ihr Bruder streckte die Arme aus und zog sie zu sich heran, drückte sie fest an sich.
[...]
Ihr Bruder stieß sie vorsichtig ein Stück von sich fort, sah erst den toten Jungen, dann sie an. Tränen blitzten in seinen Augen auf, doch er blinzelte sie weg und sagte mit fester Stimme: „Wir müssen von hier fortgehen… Abby… wir müssen fliehen.“


Das melodramatische Verhalten des Bruders finde ich merkwürdig. Erst die Frage „wieso?“, dann drückt er sie an sich, dann stößt er sie fort, dann will er mit ihr fliehen. Vielleicht ist er erst so schockiert, dass er nicht weiß, was er sagen soll, bewahrt aber ein kühlen Kopf, packt seine Schwester und sagt, dass sie fliehen müssen. Etwas in die Richtung fände ich logischer.


Nun zum ersten Kapitel, das ich ebenfalls spannend finde. Allerdings finde ich es schwächer als den Prolog, was mMn vor allem an Logiklöchern liegt.

In der Szene im Sprechzimmer finde ich den Dialog sehr hölzern und inhaltlich ungenügend. Der Arzt holt die Eltern rein, blättert eine Minute wortlos in einer Akte und dann dieser Dialog:

Zitat:
„Mrs. Sarah und Mr. Harry Chaplin?“
„Ja“,
„Ich würde gerne wissen, wieso meine Tochter im Krankenhaus ist. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes.“
„Es tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, doch ich befürchte leider schon, dass es sich um etwas Ernstes handelt.“
„Was wollen Sie uns damit sagen? Was ist mit Edna?“,
„Nun, folgen Sie mir bitte.“


Wozu hat der Arzt die Eltern überhaupt ins Besprechungszimmer geholt? Warum erzählt er all die sensiblen Informationen im Gang, wo andere mithören können, anstatt im Sprechzimmer? Warum spricht der Arzt die Eltern an, nur, um dann zu sagen „folgen Sie mir bitte“?

Und ja, es wird sich wohl um etwas Ernstes handeln, wenn die Eltern zum Arzt zitiert werden. Der Arzt lässt uns aber alle im Dunkeln, sagt als nächstes stattdessen nur: „Ihre Tochter scheint ein schweres traumatisches Erlebnis zu verarbeiten.“ Erst dann erzählt er, was überhaupt passiert ist. Die Reihenfolge, wie er die Informationen los wird, passt so nicht. Vielleicht sollte er besser chronologisch erzählen, das fände ich übrigens trotzdem spannend Smile

Gerade die Hintergrundinformationen, die vom Arzt kommen, finde ich sehr unlogisch und ausgerechnet die sehe ich als größtes Problem in deinem Text:

Edna, aus den USA, ist in Australien unterwegs, wo sie voller Blut und auf der Flucht vor irgendetwas/irgendwem aufgegabelt wird. Ihre Begleitung bleibt verschwunden. Sie wird schwer traumatisiert ins Krankenhaus eingeliefert, wo man ihren Namen und Staatsbürgerschaft erfährt. Dann wird sie umgehend in die USA zurückgeflogen und dort sofort in eine Psychiatrie eingewiesen. Sie spricht nicht, sondern teilt sich durch Tagebucheinträge mit. Dann werden die Eltern benachrichtigt.

1. Blut und verschwundene Begleitung lassen auf ein Gewaltverbrechen schließen. Warum kümmert sich die Polizei in Australien nicht darum? Warum möchte niemand eine Aussage von Edna und lässt sie erst mal in einer australischen Psychiatrie? Warum ist es oberste Priorität, dass die US-Psychiatrie herausfindet, was in Australien passiert ist?
2. Wie haben die Ärzte Namen und Staatsbürgerschaft der Tochter erfahren? Bestimmt nicht von ihr selbst. Hatte sie einen Pass bei sich? Dann hätte man sicherlich mehr als die beiden Infos herausbekommen können.
3. Warum wird nicht zuerst eine Kontaktperson für den Notfall in den USA, also z.B. die Eltern, kontaktiert? Die könnten dann ja nach Australien fliegen, krank vor Sorge um die Tochter, und um sie so bald wie möglich nach Hause zurückzuholen?
4. Wer hat bestimmt, dass Edna in die USA zurückgeflogen wird? Wer kommt für die Kosten auf? Warum lässt man eine schwer traumatisierte Person allein um die halbe Welt fliegen?
5. Warum spricht Edna nicht, kann sich aber durch Tagebucheinträge mitteilen? Würden die in einer solchen Situation überhaupt verständlich sein? Ich könnte mir eher noch vorstellen, dass sie wirre Bilder von dem „Überfall“ malt, die dann interpretiert werden.

Zitat:
Sarah Chaplin wusste, dass sie eine sensible Frau war, die sich sehr schnell um etwas Sorgen machte.

Tut mir leid, den Satz fand ich unfreiwillig komisch. Klar weiß sie das. Sie ist ja sie selbst Very Happy Dass sie sich schnell Sorgen macht, wird in deinem Text übrigens auch ohne diesen Satz deutlich.


Zitat:
Ein zweiter Stuhl stand gegenüber einem hohen Fenster. Von diesem Fenster aus konnte man auf einen kleinen Garten hinabsehen, der ebenso trüb erschien, wie der Rest der Anlage.
Die Bäume und Sträucher waren bereits kahl, die Wiese versank im Morast und an der Ostseite stapelten Bauarbeiter Material für die Restaurierung des Krankenhauses. Während der Fahrt zum Krankenhaus hatte der Regen so stark gegen die Windschutzscheibe gepeitscht, dass Sarah gedacht hatte, er könne sie jeden Moment in Stücke brechen. Vor Tagen hatte es zu regnen begonnen und seit dem ließen die bedrohlich schwarzen Wolken, die sich seither über Denver gelegt hatten, nur selten einen Sonnenstrahl durchsickern.
Es hatte den ganzen Winter noch nicht geschneit. Sarah hoffte immer, dass der Schnee im Laufe des Dezembers noch kommen würde. Sie liebte es, sich an einem verschneiten Nachmittag in eine Kaschmirdecke zu hüllen, eine Tasse heißen Pfefferminztee in den Händen und ihren Laptop auf dem Schoß.


Der Infodump wirkt an dieser unfreiwillig komisch. Sarah ist krank vor Sorge, aber hat für alles andere Augen als ihre Tochter und überlegt sich erst mal, dass es hoffentlich bald schneit?

Zitat:
Auf dem Stuhl vor dem Fenster saß ein mageres, kleines Mädchen, von dem man kaum erwartet hätte, dass sie schon neunzehn Jahre alt war. Sie war vielleicht einen Meter sechzig groß und sah aus, als würde sie nicht mehr als vierzig Kilo wiegen. Ihre Haare waren kürzer als zuvor. Einst so lang und dick und schwarz wie Pech, reichten sie nun noch knapp über ihre Ohren und waren dünn und farblos geworden.

Neunzehnjährige, die jünger aussehen, sehen aber doch bestimmt nicht aus wie ein kleines Mädchen (das ich auf 8, 9 schätzen würde)? Was heißt das „farblos“ hier? Sind die Haare weiß geworden oder haben sie nur ihren gesunden Glanz verloren?


Fazit
An sich finde ich deine Geschichte wirklich spannend und würde wirklich gern wissen wie es weitergeht. Ich mag es auch, wie du die Vorgänge in Australien mir nur häppchenweise hinwirfst. So baust du echte Spannung auf.

Auch die Konflikte zwischen Sarah und ihrer Mutter und die „freakige“ Schwester gefallen mir. Nur finde ich, dass du sie an den falschen Stellen platziert. Auf der Heimfahrt nach der Psychiatrie haben die Eltern bestimmt andere Sorgen als über Papageienzucht der Schwester zu sinnieren. Vielleicht passen diese Stellen wie z.B. auch die von Tante Heather an anderer Stelle besser ins Geschehen.

Dass dein Arzt kalt und alles andere als einfühlsam ist, finde ich okay. Er macht halt seinen Job. Leider wirkt er dabei auch noch total inkompetent. Das ist mir dann doch ein bisschen too much.

Teilweise rutscht du in Logiklöcher und oft auch ins Melodramatische (zu viel Weinen, zu viel große Gesten, aber das ist Geschmackssache).

So, das war mein erster Kommentar hier. Nimm dir, was du davon brauchen kannst, und hau den Rest in die Tonne Very Happy
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
manon
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 50
Beiträge: 66



BeitragVerfasst am: 29/05/2017 01:18    Titel: Re: Prolog und 1. Kapitel Psychothriller Antworten mit Zitat

Hallo Avrya,

du hast dein Manuskript bzw. den ersten Teil an Agenturen geschickt und jetzt, wo du das schon verschickt hast, fragst du uns nach konstruktiver Kritik? Ist das nicht die falsche Reihenfolge?


Zitat:
Ihre Finger fühlten sich feucht an, als sie die Kuppen von Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. Auf ihrer Zunge lag der Geschmack von Blut.


wieso waren die Finger nicht einfach feucht? wieso "fühlten sich feucht an"? Das ist mMn umständlich, zumal es der erste Satz ist, der für die Lektoren sehr wichtig ist.
Wie ist denn der Geschmack von Blut? Zeige es!

Zitat:
Die Stimme drang nur gedämpft an ihr Ohr, als versuche sie sich durch einen Schutzfilm zu kämpfen, der sich wie ein Schleier um sie herum gelegt hatte. Sie versuchte, zu ihrem dröhnenden Kopf vorzudringen, das Piepen zu übertönen, das in ihren Ohren immer lauter wurde.
„Abby was hast du getan?!“
Sie starrte auf ihre Hände. Zwischen ihrer weißen Haut und dem dunkelroten Blut schimmerte eine Scherbe, in der sich ihre leeren Augen spiegelten.
Sie ließ ihren Blick über die kleine Terrasse wandern, zählte die vielen roten Flecken, die den Boden, hinter dem alten Haus im Wald bedeckten.


In den ersten Sätzen behauptest du und zeigst nicht. Du ziehst mich nicht in die Geschichte und ich habe keine Bilder. Deshalb würde ich es weglassen, gerade bei den ersten Sätzen, die doch so wichtig sind.
Dann verstehe ich nicht, wie sie im zweiten Teil plötzlich alles sehen kann. Weiter oben hört sie nicht, hat einen Schleier, Schutzfilm, findet sich offenbar nicht zurecht, danach ist dann alles deutlich und klar. Das passt für mich nicht und ich war wieder draußen, obwohl du da ja einiges zeigst, wie mit der Scherbe.
Was ist das für eine Scherbe, in der sich etwas spiegelt?
Der letzte Satz ist umständlich geschrieben. Du schreibst, dass sie zählt, aber du sagst nicht, bei welcher Zahl sie ist.
Die Informationen, die hier nicht herpassen, weil sie die Spannung kaputtmachen, würde ich später bringen, wenn es besser passt.
Außerdem würde ich die Informationen in einer Handlung zeigen und nicht einfach beschreiben.

Zitat:
Einer auf dem von Ruß geschwärztem Marmorboden.

Das ist mir zu umständlich geschrieben.

Zitat:
Zwei an der beigen Anrichte, auf der noch eine Vase voll verwelkter Blumen stand.

Okay, jetzt verstehe ich. die Frau zählt die Blutspritzer. Dann würde ich das oben weglassen, weil du es damit vorweg nimmst und nur beschreibst. Jetzt zeigst du es. Das würde ich deutlicher machen.

Zitat:
Ein roter See, unter dem zierlichen Körper eines zwölfjährigen Jungen mit zerrissener Brust.

Ist Abby der Junge?

Zitat:
Genauso wenig, wie sie jetzt die klagenden Rufe ihres Bruders hören konnte.

Du schreibst von drei Jungen, aber ich weiß nicht, wann du von wem sprichst. Das würde ich deutlicher machen.

Sie bemerkte ihn nicht einmal mehr. Der Piepton in ihren Ohren übertönte alle anderen Geräusche.

Zitat:
Sie konnte ihren Blick nicht von dem Grauen abwenden, für das sie selbst verantwortlich war. Das Stückchen Spiegel in ihrer Hand und die leeren, toten Augen des blonden Jungen zu ihren Füßen. Sie war taub und blind und gleichgültig. Die grelle Mittagssonne schien auf sie hinab und konnte sie nicht wärmen. Sie spürte rein gar nichts, keine Befriedigung, keine Erlösung, keine Schuld und keine Angst.

Erst beschreibst du und anschließend zeigst du. Die Beschreibungen und Erklärungen würde ich komplett streichen und nur das Zeigen stehen lassen. Du nimmst dir dadurch selbst die Spannung weg.

Zitat:
Erst als ihr Bruder vor ihr auf die Knie sank und immer wieder ihren Namen rief, erst als er ihre Hände nahm und sie die Tränen in seinen Augen sah, erwachte sie aus ihrer Trance.


Zitat:
Er stand auf, als er merkte, dass sie ihn erkannte und fiel ihr um den Hals. Sie ging ihm nicht einmal bis zur Brust.


Das versuche ich mir gerade vorzustellen. Als er kniet / liegt auf dem Boden und steht auf. Sie muss also stehen, denn er nimmt sie dann in Arm.
Aber wieso kniete er, wenn er doch seine Schwester erreichen will?

Dein Prolog könnte richtig spannend sein, aber du nimmst dir mit den Beschreibungen selbst die Spannung.




Zitat:
Doktor Peters blickte von einem Stapel beschriebenem Papier auf und stützte die Ellenbogen auf dem schwarzen Schreibtisch ab. Dann rückte er mit dem kleinen Finger seine Brille zurecht,

Hier zeigst du und ich sehe Bilder.

Zitat:
indem er sie mit dem kleinen Finger seiner linken Hand nach oben schob.
Doktor Peters war ein dürrer, glatzköpfiger Mann mit großen, unruhigen Händen. Seine Haut war mit Altersflecken übersät und seine Augen waren von dunklen Ringen untermalt.

Hier beschreibst du und du nimmst die Spannung heraus. Versuche diese Eigenschaften in Handlungen zu zeigen.

Zitat:
Sie kannte ihn nicht und er kannte sie nicht,

Warum so umständlich? Warum nicht "Sie kannten sich nicht"?



Zitat:
Eine halbe Stunde lang hatten die Chaplins vor dem Sprechzimmer des Psychiaters gewartet, bis er endlich erschienen war.
Genug Zeit, damit Mrs. Chaplin sich die schrecklichsten Dinge ausmalen konnte, die sie hier erwarten würden. Und jetzt vergingen die Minuten, in denen der Arzt seelenruhig seine Unterlagen durchsuchte und die Eltern noch immer nicht wussten, warum sie hier waren. Alles was sie wussten war, dass es um ihre Tochter ging.
Dass Edna zurück aus Australien war.


Warum zeigst du das nicht? Lass die Menschen direkt handeln. Schreibe, was der Doktor macht, wie er blättert. Macht er Geräusche? Wie blättert er? Wann genau schaut er dann die Mutter an? Nur die Mutter oder auch den Vater? Zeige uns, wie die Eltern im Wartezimmer sitzen, wie sie ungeduldig warten. Aber nicht beschreiben oder erklären.

Zitat:
Dr. Peters befeuchtete seinen Daumen mit der Zunge und blätterte dann eine dicht beschriebene Seite in einem schlanken Ordner um. Mr. Chaplin warf seiner Frau einen nervösen Blick zu.

Hier zeigst du und die Figuren handeln. Das ist gut, so wäre es gut, wenn du es für alles machen könntest.

Zitat:
Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl nach vorne.

Wer?

Zitat:
Es war furchtbar kalt im Raum. Durch ein gekipptes Fenster drang die kühle Dezemberluft herein, die Heizungen waren scheinbar ausgeschaltet.

Wie zeigt es sich, dass es kalt ist. Zeige es.

Ich an deiner Stelle würde das komplett umschreiben. Zeige, was du sagen möchtest und beschreibe weniger. So ziehst du mich nicht hinein, ich sehe kaum Bilder, auch ist es nur bedingt spannend, weil du diese selbst immer wieder kaputtmachst.

Aber deine Geschichte hat Potenzial. Denn die Tochter hat ja scheinbar etwas angestellt. Ein Kind getötet und die Eltern sind ahnungslos.

Viele Grüße
manon
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
manon
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 50
Beiträge: 66



BeitragVerfasst am: 29/05/2017 01:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe gerade, dass du eine geänderte Version eingestellt hast. Wieso erwähnst du das nicht in deinem Ausgangspost? So habe ich nun die alte Fassung kommentiert. Confused
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Ein Notizbuch, ein Stift und die Küste S.Henry Roter Teppich & Check-In 2 20/07/2017 15:08 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge ohne angst und bange Perry Werkstatt 6 13/07/2017 22:58 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Fetzen: Prolog ([DF]1/10) TosendesGeschrei Werkstatt 5 10/07/2017 11:24 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Für und wider, hin und her Murmeltier Agenten, Verlage und Verleger 18 07/07/2017 14:17 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Werbung und Vertrieb über kleine Buch... Gewürz Dies und Das 11 05/07/2017 00:37 Letzten Beitrag anzeigen

EmpfehlungBuchEmpfehlungEmpfehlungBuchEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlung

von Cheetah Baby

von preusse

von Valerie J. Long

von Mana

von gold

von EdgarAllanPoe

von Probber

von Nordlicht

von Rike

von V.K.B.

Impressum Marketing AGBs Links

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!