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Weißt du noch?


 

 
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6448
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 17/02/2017 19:00    Titel: Weißt du noch? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Weißt du noch?

… die formidablen, alles berührenden
 Sonnenstrahlen in den Wochen davor
die selbst deine frostigen Eiszeitgedanken
ganz allmählich erwärmten


Du hast sie gezählt, die vielen Tage
Konntest beim Warten das Ende
des Wartens nicht mehr erwarten


Halbnackte Brasilianerinnen tanzten im Film
deiner Imagination, ließen an Stränden
für dich ihre Hüften kreisen. Eloquente Herren
tranken Rum und prosteten dir zu, im tiefen Blau
das die Erinnerung königlich einrahmen sollte


In Vorfreude der Freude verbrachest du die Tage, maltest
mit gespitzten Buntstiften die Formen der Schablonen aus
Musik durchströmte deine Gedanken
Beethoven
Großes Orchester!
Fanfare mit Chor


Schmetterlinge im Bauch auf der Hand
Riesenwiesenschaumkraut schäumend vor Glück
Da floss viel Schaum übers Vielleicht
Im Traum schleppte die Administration
rote Sitzmöbel auf den köchelnden Berg
auf die wir uns niederließen
um dem kommenden Spektakel
voller Erwartung beizuwohnen


Wir?

Ja, wir …
platzten aus uns heraus, ließen uns gegenseitig
nicht zu Wort kommen. Wollten unser kleines
erbärmliches Leben vor aller Augen ausbreiten
Wie die Auslage in einem Schaufenster
Als exorbitantes Feuerwerk explodierten
das in wenigen Sekunden wieder verglüht
Zerbersten * Zerstören * Ausbrechen
Tanz auf dem Vulkan
Und doch hörten wir nicht zu
was das Leben uns damals erzählte



Dann die Ernüchterung. Du hast es mit eigenen Augen gesehen. Konntest dir selbst ein Bild von der Wirklichkeit machen. Ein Wolf zerriss das Fleisch mit Gefieder. Nebel zog leise über das Land, ehe der Boden schließlich gefror. Die Elemente waren in ihren rhomboedrischen Kristallmustern gefangen. Die Erinnerung an die Erinnerung erstarrte. Sie zerbröselte zu Asche Basalt zu Steinstaub.


Wir wissen es:
Der Kontakt riss ab

Und … wir wissen auch:

Du wirst ungerecht sein
Du wirst hart urteilen
Du wirst deinen Vorteil suchen
Du wirst Gruppen bilden und Grenzen schaffen
Du wirst Macht ansammeln und für dich behalten
Du wirst uns kein Freund mehr sein


.............Hörst du mir zu?..........
Lass mich jetzt gehen!


ratio- ..... natio- ..... eindimensio- ..... a- ..... to- ..... nal


Komposition aus kalten Gefühlen

Deine Vision war: Alle Menschen werden Brüder
und Schwestern im Geiste


Doch jetzt bist du wieder erstarrt

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traumLos
Schreiberling


Beiträge: 210



BeitragVerfasst am: 18/02/2017 20:51    Titel: Antworten mit Zitat

Magmafarbiges aufglühendes Erstarren. Mit Versen, die sich mehrmals lesen lassen wollen, bis sie erfasst sind und solchen die enttäuschen. Schmetterlinge im Bauch, Tanz auf dem Vulkan.
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


Beiträge: 1560
Wohnort: zwischen Hügeln und Aue...
Das Silberne Pfand Ei 4
Lezepo 2015 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 19/02/2017 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Bewertungen aus dem subjektiv/objektiv gemischten Bauchgefühl.

Eine Geschichte erzählt dein Beitrag, mal deute ich zwischenmenschlichen Bezug, dann wieder gesellschaftlichen(?), höre ich revolutionierende Töne?
Insgesamt, obwohl einige schöne Stellen enthalten sind (Wiesenschaumkraut z.B.), ist mir der Text zu abstrakt.

Ob es zu mittleren Ränge reicht, weiß ich noch nicht.

Gruß
Zinna


_________________
Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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V.K.B.
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 44
Beiträge: 763
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 19/02/2017 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
schön visuell dargestellt: Das Aufheizen der Situation durch die Schriftfarbe, dann das Abkühlen, alles gleicht einem Vulkan, dessen Lava nach dem Austreten wieder erkaltet.

Der Inhalt spiegelt die Struktur gut wider. Auf der formellen Ebene kann dein Gedicht also voll überzeugen.
Bei den Stilmitteln finde ich einges gut ("floss viel Schaum übers Vielleicht") aber vieles eher unbeholfen (z.B. "Erinnerung an die Erinnerung"). Inhaltlich okay, Thema passt zumindest zum Vulkanausbruch, wenn auch nicht unbedingt zum Gesamtthema (Magmastruktur).

Auf jeden Fall gerne gelesen und hat mir gefallen. Gibt Punkte.

Aber die verteile ich erst, wenn ich alles mehrfach gelesen habe.

Edit: Meine Nummer drei.


_________________
Der Möbiusstreifen ist der beste Beweis dafür, dass Komplexität die Projektion menschlicher Kleinheitsängste ist (Nis-Momme Stockmann)

Der Dumme schwimmt mit dem Strom, der Rebell schwimmt gegenan, der Weise schwimmt ans Ufer und ruft sich ein Taxi (original VKB)
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dürüm
Wolf im Negligé

Alter: 40
Beiträge: 488
Wohnort: Cape Town
Das Bronzene Pfand Der bronzene Spiegel - Lyrik
DSFo-Sponsor Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 20/02/2017 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

farblich genau dargestellt, der Ausbruch mit dem roten Magma, der glühenden Lava, und danach die Erstarrung-
Die Geschichte, Vorfreude auf ein Ereignis, dann das Ereignis und dann die Verarbeitung. Im Kontext dieses Wettbewerbs ein überraschend prosaischer, sprachlich klarer Text, der sehr persönlich rüber kommt und den Ablauf von Gefühlen des LD mit dem Ablauf eines Vulkanausbruchs stimmig verknüpft.

Gerne gelesen. Dritter Platz.

Huit points!

Gruß
Kerem


_________________
Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
(Oscar Wilde)
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Heidi
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 36
Beiträge: 694
Wohnort: Hamburg
Ei 2


BeitragVerfasst am: 20/02/2017 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Die Formatierung kommt etwas zaghaft rüber, gerade am Anfang wirkt die reine farbliche Auseinandersetzung mit den Strophen etwas lahm. Ab der Mitte wird die Struktur interessanter, aber der Inhalt kratzt mMn dann doch zu sehr an der Oberfläche, anstatt ins Eingemachte zu gehen. Womit ich solche Stellen meine:

Zitat:
Als exorbitantes Feuerwerk explodierten
das in wenigen Sekunden wieder verglüht
Zerbersten * Zerstören * Ausbrechen
Tanz auf dem Vulkan


Das kommt zu direkt, zu sehr auf die Magma-Struktur verweisend und weniger von innen heraus, sodass ich empfinde: Dieses Langgedicht ist durchdrungen von magmatischer Struktur. Teilweise sind Stellen im Gedicht, die für meinen Geschmack zu kitschig sind.
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Terhoven
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 237



BeitragVerfasst am: 20/02/2017 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Ein gelungener Vergleich, wie man aus der heißen Jugend heraus so langsam erstarrt in seinem Erwachsenenalter.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4809
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 21/02/2017 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich werde nicht genug Zeit haben, mich eingehend mit den Texten dieses Wettbewerbs auseinanderzusetzen.

Deswegen beschränke ich mich darauf, wie ich auf Geschildertes reagiere, und auf Relation von Inhalt und Formatierung.

Ich meine, dieser Text hätte mich ohne zusätzliche Formatierung mehr überzeugt.
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gold
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor

Alter: 64
Beiträge: 4701
Wohnort: ebenda
DSFo-Sponsor Ei 10


BeitragVerfasst am: 22/02/2017 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

Also die roten Sitzmöbel auf dem köchelnden Berg - dieses Bild finde ich witzig und wenn die Administration diese dann auch noch dorthin schleppt...Klasse

"Die halbnackten Brasilianerinnen, die ihre Hüften kreisen lassen," ist mir zu klischeehaft.

Zitat:
maltest
mit gespitzten Buntstiften die Formen der Schablonen aus

zunächst dachte ich, du meinst damit, lässt man das für sich stehen,
das Lyrische Du passt sich an, kommt der Norm nach. Nehme ich aber den Kontext, denke ich, dass der Autor das doch nicht so meint, sondern die Stelle gar nicht kryptisch ist. Und wenn ich sie so nehme, wie sie da steht, verliert sie für mich ihren Reiz.

Die Stelle, an der Beethoven die Gedanken durchströmt, ist mir zu nichtssagend.

Das aber machst du wett mit diesen Versen:  
Zitat:
Dann die Ernüchterung. Du hast es mit eigenen Augen gesehen. Konntest dir selbst ein Bild von der Wirklichkeit machen. Ein Wolf zerriss das Fleisch mit Gefieder. Nebel zog leise über das Land, ehe der Boden schließlich gefror. Die Elemente waren in ihren rhomboedrischen Kristallmustern gefangen. Die Erinnerung an die Erinnerung erstarrte. Sie zerbröselte zu Asche Basalt zu Steinstaub
.

Das ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino.

Zitat:

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Komposition aus kalten Gefühlen

Deine Vision war: Alle Menschen werden Brüder
und Schwestern im Geiste

Doch jetzt bist du wieder erstarrt


Hier kann ich den Zusammenhang zu deinem restlichen Text nicht herstellen.

Bezogen auf das Formale, brodelt die Magma nicht, sondern liegt eher gelangweilt im Eck.

LG gold
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 574
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 23/02/2017 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Es wurden ganz bewusst keine inhaltlichen Vorgaben zum Thema gegeben, mit der »Struktur eines Magmas« sollte sich formal auseinandergesetzt werden. »Ein Magma ist e i n Magma«, hieß es, mir bleibt also beim Lesen eines jeden Gedichts, zu schauen: wie setzt sich dieses hier zusammen, was ist für mich erkennbar, welche Motive sind eingeschmolzen, gibt es Verhärtungen, wieder Aufgelöstes, Hinweise auf hohen Druck oder beginnende Erkaltung? Ist es Magma, das auf einen Aufbruch aus ist, oder wird es, im Gegenteil, dort wo es sich befindet, bleiben, immer neu verschmelzend, einem zähen, langanhaltenden Prozess unter hohem Druck zwar unterworfen, aber nicht zu einem aus der Tiefe an die Oberfläche gelangenden Streben, zu keiner Richtung gezwungen?

Formales in der Lyrik, vielleicht noch speziell in einem Langgedicht, das heißt für mich: Was für sprachliche Mittel, welche Art von Figuren werden eingesetzt: Wort- und Klangfiguren; Symbole, Vergleiche, Metaphern, also Tropen im weiteren Sinn; Satzfiguren?
Wie wirkt auf mich – und das ist in diesem Wettbewerb auffällig oft zur Anwendung gelangt – all das, was der konkreten Poesie entliehen ist? Vereinfacht ausgedrückt wäre meine Frage an die Texte, wie oder wodurch im Einzelnen visuell ausgedrückt werden sollte, was Sprache allein nicht hat leisten können; erhält dieser oder jener Text einen Mehrwert durch eine vollständige oder teilweise Gestaltung als eine Art Piktogramm?

Wie funktioniert An- oder Abwesenheit der Sprache und gibt es da einen Widerspruch zu dem, was gerade ein Langgedicht kann oder könnte, nämlich die Sprache aus ihrer Verknappung zu entlassen, ihr Gelegenheit zu geben, innerhalb eines Textes auf jegliche Einschränkung zu verzichten (eine, die in anderen, kürzeren Gedichtformen für einen Verfasser keine Einschränkung darstellt)? Ein Verzicht, der das Langgedicht vielleicht seiner Möglichkeiten beraubt?
Gibt es unter den vorliegenden Texten einen oder mehrere, die eine (in meinen Augen) gelungene Kombination versuchen?

Was ich hier vorausschicke, sollte dazu dienen, mir klar zu werden, unter welchen Aspekten ich versuchen kann, mich nicht ausschließlich über ein Gefallen/Nicht-Gefallen zu nähern. Und wenn es schon um ein Beurteilen gehen sollte, wollte ich jedem Text möglichst »vorurteilsfrei« begegnen, soweit das überhaupt ginge, angesichts meines inzwischen recht ausgeprägten »Eigensinns«, was die Rezeption von Lyrik und gerade auch die Erwartungen an längere Texte angeht. Was ich zu den einzelnen Texten zu sagen habe, kann immer nur der Versuch sein, mein Lesen zu beschreiben – ich wehre mich dagegen, einem Gedicht ungefragt Veränderungen oder gar Verbesserungen vorzuschlagen, so etwas ist Sache des Verfassers, dem es vorbehalten bleibt, seinen Text so oft und so lange neu zu bedenken, bis er in ihm ein zufriedenstellendes Maß an Qualität zu finden glaubt.


Zu: Weißt du noch?

Ob ein LD/I vom Wir, aus einem Wir spricht oder sich vom Wir angesprochen fühlt, scheint mir gar nicht so wichtig zu sein, Hauptsache, so lese ich, Enttäuschung und Erstarrung sind deutlich zu spüren und zu sehen; von Originalität der sprachlichen Gestaltung, von einem Versuch, Bewusstseinsinhalte anders als mit Vorgefertigtem auszudrücken, erkenne ich allerdings nicht viel.
Formales erschöpft sich in altbekannten Redewendungen und wenn versucht wird, sie neu oder anders einzubinden, funktioniert das nur mässig, wie hier:
Zitat:
Schmetterlinge im Bauch auf der Hand

Die Idee dahinter wird klar, die Umsetzung allerdings - da fehlt Mut oder Konsequenz.
Alliterationen, Wortwiederholungen, Frage- und Ausrufezeichen, Vokabular das mit Vulkanismus in Zusammenhang gebracht werden soll ... Magma?
Vielleicht bleibt es nur mir unsichtbar bzw. gibt es zuviel, was mich abschreckt, an deiner farbschattierten Aneinanderreihung. Der europäische Gedanke? Mir kommt vor, als sei seine Andeutung nur vorgeschoben worden, und: Die Sentimentalität eines LI, das nicht Ich sagen will, sich wie zur Rechtfertigung einem Wir anschliesst, berührt nicht.
Zitat:
Komposition aus kalten Gefühlen

... ? In diesem Text gibt es mehr Ausbrüche, zu Stein erstarrtes Lava oder Vulkangestein als irgendetwas Magmatisches. Natürlich kann man da anderer Meinung sein, aber ein Letztes noch:
Zitat:
Und doch hörten wir nicht zu
was das Leben uns damals erzählte

Die mangelnde Sorgfalt (oder fehlendes Sprachgefühl?), die mich hier stört, wird durch so etwas
Zitat:
Deine Vision war: Alle Menschen werden Brüder
und Schwestern im Geiste
nicht ungeschehen gemacht.

Grüsse,
Lorraine
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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 555
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 23/02/2017 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

sehr schön durchkomponiert
ein wenig sehr linksbündig, aber die Erstarrung hinterlässt ja auch feste Strukturen.

Die Farben sind vielleicht ein wenig zu sorgfältig variert...


_________________
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poetnick
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Alter: 55
Beiträge: 241
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 23/02/2017 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Weißt du noch?


Hallo Autor,

dieses hat mich erwischt. Eine so bildhaft verdichtete Erzählung.
Eine Überlieferung. Danke!
Für mich kreativ umgesetzt, dieser Prozess bis zum: "Weißt du noch?" -
und damit im oberen Punktebereich.

Liebe Grüsse - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3439

Das goldene Aufbruchstück


BeitragVerfasst am: 24/02/2017 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ich weiß noch. Als wäre ich dabei gewesen. War ich dabei? Es könnte sich glatt um jedes Forumstreffen handeln. Wobei halbnackte Brasilianerinnen, vielleicht allgemeiner um jedes langersehnte Treffen mit Menschen, die man noch nicht kennt oder lange nicht gesehen hat, auf die man jedenfalls auf eine gewisse erwartungsvolle Art gespannt ist. Das Forumstreffen assoziiere ich aufgrund der von der Administration bereitgestellten roten Sitzmöbel auf dem Berg - die man aber durchaus auch als Metapher betrachten kann für eine besondere Exposition.
Die sich fließend steigernden Erwartungen, mit denen das lyrische Ich in diese Begegnung geht weichen einer sehr abrupten Ernüchterung, der erwartete Ausbruch bleibt aus, und diesen Wechsel hast du auch formal umgesetzt, wie ich finde auch passend zur Vorgabe des magmatischen Aufbaus.
Am Ende ist mir nicht ganz klar, ob das lyrische Ich seine Worte an sich selbst richtet, bzw. sich dessen bewusst ist, aber die Art, wie die Vorwürfe formuliert sind, drücken genau die Härte und Ungerechtigkeit aus, von denen darin die Rede ist, weshalb ich das so verstehe. Und auch die Vision war wohl die des Ichs, greift die Manie des Beginns auf. Die Erstarrung geht also vielleicht aus einer Erkenntnis hervor? Oder genau aus deren Fehlen.
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albaa
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 143



BeitragVerfasst am: 26/02/2017 18:50    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, ich bin mit dem Kommentieren nicht fertig geworden bzw. nicht damit zufrieden gewesen. Mit dem Bepunkten bin ich teilweise auch nicht ganz glücklich (nur bei meinem Favoriten bin ich ganz sicher, schon bei Platz zwei und drei hab ich mehr oder weniger zwischen zwei Texten gewürfelt, die mir beide eigentlich gleich gut gefielen). Vielleicht liegt meine Unsicherheit auch daran, dass ich mich bei dieser Langdings-Schwurbel-Form auch nicht wirklich wohl fühle - weder als Schreiber (ich habs einfach einmal versucht) noch als Leser (beim überwiegenden Teil der Beiträge zumindest). Als Teilnehmer muss ich aber wohl auch Punkte vergeben. Ich habe mich wirklich bemüht und immer wieder gelesen. Also tut mir leid, falls sich jemand ungerecht bepunktet fühlt.

Lieben Gruß
albaa
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6448
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 27/02/2017 08:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Weißt du noch? Jenni zumindest wusste noch, als wär sie dabei gewesen.
Zitat:

Am Ende ist mir nicht ganz klar, ob das lyrische Ich seine Worte an sich selbst richtet, bzw. sich dessen bewusst ist, aber die Art, wie die Vorwürfe formuliert sind, drücken genau die Härte und Ungerechtigkeit aus, von denen darin die Rede ist, weshalb ich das so verstehe. Und auch die Vision war wohl die des Ichs, greift die Manie des Beginns auf. Die Erstarrung geht also vielleicht aus einer Erkenntnis hervor? Oder genau aus deren Fehlen.

Dem lyrischen Ich ist am Ende des Textes zumindest klar, dass es von nun an nicht mehr lyrisch sein will, sich zwar nicht ganz von der Welt verabschieden möchte, aber doch von allem, was lyrisch ist.
Zitat:

Also die roten Sitzmöbel auf dem köchelnden Berg - dieses Bild finde ich witzig und wenn die Administration diese dann auch noch dorthin schleppt...Klasse

Ja, das war witzig - und außerdem schien die Sonne! Mehr war zu diesem Zeitpunkt auch nicht drin!
Zitat:

Eine Überlieferung. Danke!

Bitte! Überlieferungen sind mein spezielles Fachgebiet.
Zitat:

Hauptsache, so lese ich, Enttäuschung und Erstarrung sind deutlich zu spüren und zu sehen

Ja, das ist das, was von allem übrig bleibt, vom glühend heißen Magmastrom, wenn er mit der 20 °C-Realität konfrontiert wird.
Zitat:

Im Kontext dieses Wettbewerbs ein überraschend prosaischer, sprachlich klarer Text, der sehr persönlich rüber kommt und den Ablauf von Gefühlen des LD mit dem Ablauf eines Vulkanausbruchs stimmig verknüpft.

Ein prosaischer Text mit Gefühlen also! Die Beschreibung eines Endgefühls, einer in der Luft liegenden Conclusio.
Zitat:

Bei den Stilmitteln finde ich einges gut ("floss viel Schaum übers Vielleicht") aber vieles eher unbeholfen (z.B. "Erinnerung an die Erinnerung").

Wie ist eine Erinnerug an die Erinnerung? Schon wieder ganz anders als die Erinnerung selbst. Man erinnert sich vielleicht an die Ödnis der Basaltlandschaft und nicht mehr an das Spektakel auf den roten Sitzmöbeln.

Die Erinnerung ist ein schlechter Begleiter. Manchmal sollte man sie wie den eigenen Schatten einfach hinter sich lassen (zumindest ist das so, wenn man dem Licht entgegen geht - wie Lucky Luke, der filmreif in das Sonnenuntergangsmagma reitet).
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