Zeigen, nicht beschreiben!

Aus Der DSFo.de Leitfaden

Wechseln zu: Navigation, Suche

Zeigen, nicht beschreiben, auch bekannt als Show, don't tell, ist eine Aufforderung an Autoren, das Geschehen und die Figuren nicht nur zu beschreiben, sondern sie für den Leser erlebbar zu machen und ihm quasi zu zeigen (Kopfkino). Dies kann zum Beispiel durch Dialoge und das Vermitteln von Gefühlen, die der Protagonist empfindet, oder durch die Schilderung von Gerüchen und Geräuschen, die der Protagonist wahrnimmt, geschehen (Mit allen Sinnen (be)schreiben).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibungen von Bewegungen und Gefühlen

Statischte Beschreibungen sollten vermieden werden. Kleiner Tipp: Eine Konstruktion mit dem Verb »sein« ist häufig ein Hinweis auf das ungeliebte »Telling« und kann meist leicht umgangen werden.

Charakterisierungen

Des Weiteren führt die Regel Zeigen, nicht beschreiben oft zu guten Ergebnissen, wenn es um das Charakterisieren von Protagonisten geht. Eine Aufzählung guter und schlechter Eigenschaften einer Person wirkt wenig lebendig und liest sich langweilig. Stattdessen kann oft mit einer kleinen Beispielszene verdeutlicht werden, wie sich eine Figur in bestimmten Situationen verhält. So kann der Leser selbst Rückschlüsse auf den Charakter ziehen.

Beispiele

Gefühle

Statt oberflächlich zu beschreiben –

Anna war wütend und sie schrie Arne laut an.

– sollte ein Autor die nötigen Details liefern, damit der Leser mitfiebern kann:

Annas Schädel dröhnte und Wut köchelte in ihrem Bauch. »Was zum Teufel soll das, Arne?« Ihre Stimme überschlug sich.

Charakterisierung

Sätze wie den folgenden findet man (leider) allzu häufig:

Hans war ein guter Mann und half gerne anderen Menschen.

Erstens liest man hier eine wenig spannende »war«-Konstruktion, zum anderen ist es eine sehr unbestimmte Beschreibung. Hans' Charakter wird viel besser folgendermaßen veranschaulicht:

Am Straßenrand hockte ein kleiner Junge mit tränennassen Wangen. Hans, gerade auf dem Weg zur S-Bahn, zögerte, hielt an und ging vor dem Kleinen in die Knie. »Was ist denn los, junger Mann?«
»Meine Mama hat mich zu einem neuen Laden geschickt und ich hab mich verlaufen ... « Heftige Schluchzer unterbrachen den Wörterschwall. »Ich komm nicht heim, und Geld hab ich auch nicht.«
Hans schaute auf die Uhr. Um seine Bahn noch zu bekommen, müsste er fast rennen. Hans steckte die Uhr weg, nahm die Hand des Jungen und zog ihn auf die Füße. »Wie heißt du denn und wo wohnst du?«

Choreographie

Im nächsten Beispiel betrachten wir nur Choreographie und Emotionen.

Sie drehte sich um und ging zum Schrank.

Das ist Choreographie. Man bewegt die Figuren, aber ohne dem Leser miterleben zu lassen, WIE sie das macht. Choreographie als telling.

Sie wirbelte herum und rannte zum Schrank.

Auch Choreographie, aber nun kann der Leser sehen, WIE sie das macht. Der Leser kann erahnen, dass sie aufgeregt ist, weiss aber noch nicht welche Aufregung er mitfühlen soll.

Zu Tode erschrocken wirbelte sie herum und rannte zum Schrank.

Choreographie: Wie tut sie es (show), Gefühlzustand (tell). Nun weiss der Leser, dass sie (und er!) zu Tode erschrocken ist, aber es wird im gesagt. Das funktioniert prima bei einfachen Gefühlen.

Ihr Herz raste, sie schnappte nach Atem, wirbelte herum und rannte zum Schrank.

Choreographie show, Gefühlszustand show. Hier kann der Leser mitfühlen.

Beschreibungen

Ähnlich verhält es sich bei der Beschreibung von Orten oder Szenen. Mit der oberflächlichen Beschreibung –

Das Zimmer war hell und groß.

– ist es nicht getan. Das wirkt weder stimmig noch intensiv. Als Autor sollte man es tunlichst vermeiden, lediglich Behauptungen aufzustellen, sondern den Leser an die Hand nehmen, um ihm den Ort zu zeigen, wie an folgendem Beispiel zu sehen:

Das von der Sonne hell erleuchtete Zimmer bot Platz für über hundert Personen.

Der Autor hat hier ein lebendiges Bild des Raumes erzeugt. Der Leser kann sich sofort ein Bild machen, was Größe und Helligkeit des Zimmers angeht.

Persönliche Werkzeuge