Plot

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Der Plot ist die Handlung einer Geschichte. Keine Geschichte existiert ohne Handlung. Dabei spielt es keine Rolle, was für eine Handlung es ist, aber die Geschichte muss von etwas handeln.

Handlungen gibt es, wie es Geschichten gibt: Krimis, Abenteuer, Liebesgeschichten – sie alle haben eine Handlung.

Figuren handeln und treiben die Geschichte vorwärts. Ohne Figuren keine Handlung. Eine Figur muss eine Motivation und ein Ziel haben. Es muss auch eine Änderung geben. Die Situation der Leitfigur sollte sich am Ende der Geschichte geändert haben.

Vor dem Plot kommt das Genre. Es hilft, möglichst viele Autoren zu dem gewünschten Genre zu lesen und sich auch mittels Lehrbüchern und Ähnlichem genau zu informieren, welches die Genre- und Subgenrekonventionen sind. Ein Thriller ist anders aufgebaut als eine Romanze.

Inhaltsverzeichnis

Strukturen

Natürlich kann man eine Geschichte auch völlig ohne Struktur erzählen. Trotzdem lehrt die Erfahrung, dass Geschichten bestimmte Strukturen aufweisen. Die typische Handlungsstruktur ist der Dreiakter. Daneben gibt es den Vierakter und auch den klassischen Fünfakter.

Dreiakter

Der Dreiakter ist die einfachste Gliederung von Geschichten und findet in vielen Varianten ihre Anwendung. Ein Anhaltspunkt für die Länge der Akte ist: Akt 1 nimmt ungefähr ein Fünftel der Geschichte ein, während Akt 3 ein Viertel der Gesamtgeschichte ausmacht.

Akt 1: Der Anfang führt die Leitfiguren ein, stellt ihre Welt, ihr Ziel und ihren Konflikt dar. Jede Geschichte hat einen Anfang. Aber wie sollte er am Besten aussehen? Akt 1 führt nicht nur in die Welt unserer Helden und Gegner, sondern führt den Leser auch in den Stil des Autoren ein und verspricht ihm eine Geschichte. Durch eine wesentliche Störung treten die Helden in den Akt 2 ein. Vorher könnten sie noch immer nein sagen und die Story wäre zu Ende.

Neben dem Tempo, der Gangart sozusagen, muss der Anfang eindeutig die vier Ws klarmachen:

Wer – Was – Wo – Warum

Egal, ob man einen Prolog wählt oder gleich mit Kapitel 1 anfängt, sollte bis zum Ende des Aktes 1 jede Leitfigur, vor allem, wenn sie eine eigene Perspektive hat, vorgestellt sein.

Akt 2: Die Mitte erzählt von den Versuchen der Leitfiguren, wieder in die Normalität einzutauchen. Diese von Rückschlägen geprägte Phase kann unterschiedlich lange sein. Das Wichtigste in der Mitte ist es, nicht den Fokus zu verlieren und den Leser bei der Stange zu halten. Die Mitte dient vor allem zur Vertiefung der Charaktere und zur Vorbereitung auf den Akt 3. Wenn die Leitfigur den letzten Versuch macht, tritt sie in Akt 3 ein.

Akt 3: Das Ende beendet die Geschichte, entweder zu einem glücklichen oder unglücklichen Ausgang. Das Ende sollte schlüssig und folgerichtig sein. Plötzlich auftretende Charaktereigenschaften oder von außen eingreifende Personen betrügen den Leser um seine Erfahrung. Vor allem die von außen eingreifende Person, deus ex machina genannt, kann einen schalen Geschmack hinterlassen.

Im Falle einer Serie sollte mindestens ein Konflikt ungelöst bleiben, aber ansonsten müssen alle offenen Frage geklärt werden.

Das letzte Kapitel sollte auch einen Zukunftsaspekt aufweisen, um des Lesers Neugierde, was mit seinen Charakteren passieren wird, zu befriedigen. Dazu eignet sich auch der Epilog.

Vierakter

Viele Geschichten, die auf einem charaktergetrieben Plot basieren, sind in vier Akte aufgeteilt. Darunter fallen Liebesgeschichten genauso wie Spannungsromane. Oft ist der Drei-Akter in Wahrheit ein Vier-Akter, in dem Akt 2 und 3 zu einem zusammengefasst werden. Der Vierakter findet auch im Action/Adventure-Bereich seine Anwendung.

Die Figuren erleben dabei eine Berg- und Talfahrt an Emotionen, die sich durch ein W darstellen lassen. Dieses W muss nicht symmetrisch sein, dass heißt, die Viertel müssen nicht die gleiche Länge und Tiefe haben.

Die Tiefpunkte des W werden Wendepunkte genannt.

Akt 1: Einleitung

Die Helden, Heldinnen und auch der Böse werden vorgestellt, möglichst in ihrer Normalsituation. Schon jetzt sollte deutlich werden, wo ihre inneren Konflikte und Bedürfnisse liegen. Dieser Einleitung kann natürlich ein Spannungselement vorangestellt sein, zum Beispiel ein Mord oder eine andere Konfliktsituation, die zumeist das externe Ziel des Plots verdeutlichen. Auch wichtige Nebenfiguren sollten hier schon eingeführt werden, wenn das möglich ist. Akt 1 endet mit dem äußeren Konflikt: Der Held/die Heldin nimmt seinen/ihren Weg auf, ohne einen Grund zu erkennen, warum er von seinem üblichen Handlungsschema abweichen sollte.

Akt 2: Die Komplikation

Dieser Teil vertieft die Charaktere, indem der Autor den Figuren allerlei Hindernisse in den Weg legt, die sie im Rahmen ihrer Motivation zu lösen haben und diese auch oft in Frage stellt. Das Ende des zweiten Aktes ist der Mittelpunkt.

Akt 3: Die Katastrophe

Der Mittelpunkt stellt ein kurzer Ruhepunkt dar, bei dem entweder alles anders ist, als gedacht, oder die Figuren glauben, an ihren inneren Zielen angekommen zu sein, aber nach dem sie ihre wahren Bedürfnisse noch nicht gestillt bzw ihr Handlungsschema noch nicht verändert haben, steuern sie auf den 'Schwarzen Moment' zu, in dem alles verloren erscheint. Dieser Tiefpunkt ist Anlass zum Umdenken.

Akt 4: Die Auflösung

Die Auflösung kann positiv oder negativ sein. Die Figuren haben in jedem Fall ihre Lebenslehre oder auch die Moral der Geschichte verinnerlicht.

Fünfakter

Der klassische Fünfakter des Dramas ist schon seit der Antike bekannt und hat seine häufigste Anwendung im Theater erfahren. In einer Novelle müssen die Akte nicht gleich lang sein. Auch der Fünfakter kann als Dreiakter dargestellt werden, die Akten 3-4 werden einfach in einem zusammengefasst.

Akt 1: Einleitung

Die handelnden Personen werden eingeführt, der dramatische Konflikt kündigt sich an.

Akt 2: Komplikation

Steigende Handlung – mit erregendem Moment. Die Situation verschärft sich.

Akt 3: Peripetie

Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt (Klimax) in der Krise, die die Schicksalswende bewirkt. Die Figuren sind am weitesten entfernt vom Erreichen ihrer Ziele. (Siehe auch: Peripetie.)

Akt 4: Retardation

Fallende Handlung – mit retardierenden (aufschiebenden, hinhaltenden, verlangsamenden) Momenten. Die Handlung verlangsamt sich, um in einer Phase der höchsten Spannung auf die bevorstehende Katastrophe hinzuarbeiten. Oft werden Scheinlösungen geboten.

Akt 5: Katastrophe und Lösung

Es kommt zur Katastrophe, diese stellt den eigentlichen dramatischen Höhepunkt dar. Danach werden alle Konflikte gelöst (Dénouement).

Plot kommt von plotten

Handlungsgetriebener Plot

Handlungsgetriebene Plots sollten im Vorfeld definiert sein. Der Autor schreibt eine Synopsis, in der die Handlung im Vordergrund steht. Abenteuer, Thriller und Kriminalromane sind typische Vertreter der handlungsgesteuerten Plots. Der Vorteil ist, dass der Plot sich logisch entwickelt, der Nachteil ist, dass sich Figuren gerne schablonenhaft darstellen.

Die wichtigsten Fragen zu diesen Plots sind "Wie" und "Wer":

Wer hat den Gärtner ermordet? (typisch für den Krimi)
Wie kann der Held die Welt retten? (typisch für den Thriller)

Charaktergetriebener Plot

Der charaktergetriebene Plot oder auch der motivationsgetriebene Plot entwickelt sich aus der Motivation und dem Handlungschema der Figur heraus. Oft beginnt der Autor mit einer vagen Idee und lässt seine Figuren den Plot selbst bestimmen. Andere Autoren entwickeln einen Charaktergraphen oder ein Profil, wonach sich die nächsten Schritte des Charakters in der Handlung folgerichtig ergeben. Der Vorteil ist, dass die Figuren leichter lebensnah und facettenreich dargestellt werden. Der Nachteil ist, dass der Plot auseinander fallen oder zu langsam werden kann.

Typische Vertreter der charaktergetriebenen Plots sind Psychologische Novellen und Spannungsromane, aber auch viele Liebesgeschichten/Romanzen fallen darunter, da hier der Hauptaugenmerk die Liebesbeziehung und die Entwicklung der Charaktere zueinander ist.

Die wichtigste Frage ist hier nach dem 'Warum' und die Antwort ergibt die Motivation der Figuren: Warum handeln sie so und nicht anders?

Beispiel

Ein Autor möchte eine Novelle über das Thema "Mut und Glauben besiegen die Angst" schreiben.

Deine Figur ist nett, lieb, sozial.
Warum?
Weil sie Angst vor dem Alleinsein hat.
Ihr Partner ist möglichst das Gegenteil: ein verschlossener Einzelgänger, um genügend Konfliktstoff zu bringen.
Warum ist er so?
Weil in seiner Familie das Zeigen von Gefühlen verpönt war.

Der Spannungsaufbau folgt oft dem Vierakter. Wichtig ist, dass die Motivation, und damit die inneren Ziele und Konflikte, die Geschichte vorantreiben. Das externe Ziel des Plots muss im Einklang stehen.

Das externe und das innere Ziel dürfen sich ändern, die Motivation (= inneres Bedürfnis) ändert sich solange nicht, bis die Figur die wahren Zusammenhänge erkennt.

Themengetriebener Plot

Ein anderer effektiver Weg einen Plot zu gestalten, ist Plot, Charaktere und Hintergrund simultan zu kreieren, indem der Autor sich ein Thema aussucht. Das Thema ist nicht mit der Prämisse zu verwechseln. Thema kann sein: Familie, Untreue, Treue, usw.

Dazu beantwortet der Autor folgende Fragen:

  • Was soll die Geschichte aussagen (Thema)?
  • Welcher Charakter kann das am besten ausdrücken?
  • Wie kann die Aussage am besten dargestellt werden?
  • Wo kann die Aussage am besten dargestellt werden?

Die Prämisse - Der Plot in einem Satz

Der Plot in einem Satz folgt der Formel:

Figur möchte etwas erreichen, aber jemand/etwas kommt dazwischen, daher muss Figur etwas anderes tun, um doch noch zum Ziel zu kommen.

Oder Allgemein: Motivation - Konflikt - Ziel

(Kursiv ist jeweils einzusetzen.)

Agent soll die die Welt zerstörende Bombe finden, aber als Superböse eine tolle Frau auf ihn ansetzt, muss Agent schnell den Himalaja erstürmen.

Dieser Satz zeigt wer (Agent), was (soll Bombe finden), warum (Welt zerstörend), das Problem (Superböse und Frau) und - ganz wichtig - was Agent auf die Störung hin tut.

Eine Gruppe Aufrechter zieht aus, den Ring, der die Welt unterjocht, zu zerstören, aber als der Herr des Ringes alle dunklen Mächte der Welt gegen sie wirft, bauen sie auf Freundschaft und Treue und obwohl getrennt, arbeiten alle auf das Ziel zu.

Es ist besser, die Figur zu beschreiben, als den Namen einzusetzen. Als Beispiel zum Vergleichen der Plot-Einzeiler (ohne Gegenaktion der Figur):

Zum Vergleich

  • Marie träumt von Heinrich, aber Elsa setzt alles daran, die Heirat zu verhindern.
  • Unterjochtes Stiefkind träumt vom Prinzen, aber böse Schwiegermutter setzt alles daran, die Heirat zu verhindern.

Spätestens dann, wenn man einem Agenten oder auch nur einem Bekannten seine Geschichte erklären will, braucht man den einen Satz – das geht auch bei komplexen Geschichten, indem man sich auf die wichtigste Figur fokussiert. Die wichtigste Figur ist immer diejenige, die am meisten zu verlieren hat.

Natürlich handelt es sich dabei um eine Vereinfachung, aber es fokussiert die Geschichte auf eine Leitfigur und ihre Aktionen. Der Satz unterscheidet sich von dem in der Schneeflocken-Methode benutzten Satz durch die Anfügung des Lösungsansatzes des Konfliktes. Weder der Schneeflocken-Satz noch der Plot-in-einem-Satz geben das Ende der Story preis. Wichtig ist, konkrete Aktionen anzugeben, und keine Klischees.

Der Plot in einem Satz hilft auch beim Plotten der Geschichte, egal ob man die Schneeflocke nutzen möchte oder nicht.

Im Prinzip ist der Plotsatz mit einer Projektdefinition vergleichbar. Jeder, der Projektmanagement kennt, weiß um die Wichtigkeit, ein Projekt genau zu definieren und es abzugrenzen, damit eben beim Eisenbahnbau die Eisenbahnschienen genau an der Brücke ankommen und nicht daneben.

Und nicht vergessen: Anpassungen sind immer möglich.

Der Sonderfall Heldenepos

Viele Heldenepen sind Bestseller und Geschichten, die uns ein Leben lang begleiten. Nicht nur die klassischen Heldenepen, sondern auch moderne wie Der Herr der Ringe von Tolkien, Star Wars und Harry Potter folgen diesem Schema.

Während in anderen Genres der Held von Anfang an ein Held sein kann, ist der Held im Heldenepos oft ein unauffälliger "Underdog" der Gesellschaft. Ein Waisenjunge, ein Hobbit oder ein Junge, der in der Wüste Roboter repariert. Ein normaler Mensch sozusagen, der aber vom Schicksal prädestiniert ist, der Retter der Welt zu sein.

Verlust ist ein wichtiger Bestandteil des Heldenepos. Harry Potter musste Sirius verlieren, dann seinen großen Mentor Dumbledore, um zum Helden reifen zu können. Der Hobbit Frodo Beutlin im Herrn der Ringe denkt, er hätte seinen Mentor Gandalf verloren. Bei Star Wars erleidet Luke Skywalker den Verlust von Obi-Wan Kenobi.

Der Aufbau des Heldenepos im Überblick:

1 Die Welt des Helden

2 Der Ruf oder die Störung der Welt des Helden

3 Der Held ignoriert den Ruf

4 Der Held folgt dem Ruf

5 Ein Mentor erscheint

6 Verschiedene Begegnungen mit den dunklen Mächten

7 Der Held zweifelt an sich oder spielt mit dem Gedanken, den dunklen Mächten zu folgen

8 Ein Talisman hilft in seinem Kampf

9 Der letzte Kampf

10 Der Held kehrt zurück

Beispiel: Das Märchen von Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm

Akt 1

1 Die Welt des Helden: Die Familie ist vom Hungertod bedroht.

2 Der Ruf oder die Störung der Welt des Helden: Die Stiefmutter lässt die Kinder im Wald aussetzen.

3 Der Held ignoriert den Ruf: Beim ersten Mal finden die Kinder mit Hilfe weißer Steine den Weg zurück nach Hause.

4 Der Held folgt dem Ruf: Beim zweiten Mal streuen sie Brotkrumen auf den Weg, die von Vögeln aufgepickt werden. Anstatt zu verzweifeln, machen sie sich auf, den Weg selber zu finden.

Akt 2

5 Ein Mentor erscheint: Ein Vogel zeigt ihnen den Weg zum Hexenhaus.

6 Verschiedene Begegnungen mit den dunklen Mächten: Hänsel wird von der Hexe eingesperrt und gemästet.

7 Der Held zweifelt an sich oder spielt mit dem Gedanken, den dunklen Mächten zu folgen: Anfangs bekommen die Kinder viel zu essen und fühlen sich wie im Himmel.

8 Ein Talisman hilft in seinem Kampf: Hänsel hält der Hexe statt seines Fingers einen Stock hin.

Akt 3

9 Der letzte Kampf: Gretel überlistet die Hexe und stößt sie in den Ofen.

10 Der Held kehrt zurück: Die Kinder kommen nach Hause, der Vater ist überglücklich, die böse Stiefmutter ist inzwischen gestorben.

Klischee

Es gibt verschiedene Arten von Klischees, davon das Plotklischee und Charakterklischee. Während das Charakterklischee zu vermeiden ist, kann das Plotklischee nicht immer vermieden werden, da die Verlegerindustrie zu bestimmten Genres genau festgelegte Vorstellungen hat. Vor allem betroffen sind Fantasy, romantische Literatur und Kriminalromane. Hier etwas Neues, Frisches zu erfinden ist nicht einfach, das Klischee kann aber durch Zusatzelemente und überraschende Wendungen aufgebrochen werden.

Quellen

  • Zum Heldenepos: Die Odyssee des Drehbuchschreibers von Christopher Vogler 2001; lässt sich nicht nur für Filme, sondern auch auf Romane anwenden, enthält viele Beispiele.

Siehe auch



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